"Hakuda?", Hakuna matata!

300 Meter vor der Grenze ist noch ein letztes kleines Dörfchen, die Häuser sind alle aus Lehm gebaut. Ich fahre einfach mal drauf los und hoffe mein Palatka, Zelt bei einer Familie im Vorgarten aufstellen zu können. Gleich beim ersten Haus sehe ich drei Kinder spielen, ein gutes und einfaches Zeichen ein Plätzchen zu finden. Sie rennen gleich zu mir hin und testen die Schildkröte, diese reisst mit ihrem gequitsche dann gleich die Mutter aus dem Mittagstiefschlaf. Sie schaut mich mit grossen Augen an und vielleicht fragt sie sich ob sie träume :)
Mit Händen und Füssen und meinem super Ohne-Wörter-Buch frage ich nach einem Platz für die Nacht. Scheint kein Problem zu sein, sie richtet gleich ein paar farbige Matten auf dem Boden zurecht und deutet darauf. Spasiba, Rachmad, thank you! Darauf hin bedankt auch sie sich bei mir...für was?
Unter den gespannten Augen von 8 Kindern, beginne ich mein Fahrrad zu entladen, 4 Kinder sind der Gastgeberin und vier sind noch dazukommen aus der Nachbarschaft. Die Mutter sagt was zu den Kids, woraufhin sie mir sofort helfen die Taschen die 3 Treppenstufen hoch zu tragen.  
Ich bedanke mich für die wunderbare Liege. Erneut deutet sie auf die Matten...hmm soll ich denn jetzt schon um 14.00 Uhr schlafen gehen? Vielleicht meint sie, dass ich mich erst einmal erholen soll? Bin aber nicht müde! Nun gut, sie besteht darauf und ich mache einen Mittagsschlaf unter Beobachtung der ganzen Familie...wohl noch nicht so viele Touristen hier gewesen, komme mir vor wie eine Ausserirdische, die mit dem bepackten Fahrrad von einem anderen Planeten über die Milchstrasse direkt an die Usbekische Grenze katapultiert wurde.
Wieder bei Sinnen fragt sie mich: "Hakuda?" Hakuna Matata! Hihi. Sie beginnt zu lachen und das Eis (welches es hier nicht gibt) ist definitiv gebrochen. Hakuda heisst soviel wie: "Woher kommst Du". Eben aus Matata, dem fremden Planeten. Sagt ihr übrigens mehr als die Schweiz! Auf der Karte zeige ich ihr den kleinen Flecken Freiheit und sie kann gar nicht fassen wie weit weg dies ist und als ich ihr sage, dass ich mit dem Fahrrad von Zuhause bis hier hin geradelt bin, holt sie gleich Brot und Honig, jaja nach solch einer Fahrt braucht Frau eine Stärkung...auch wenn sie nicht die ganze Strecke in einem Tag geradelt ist ;)
Mit der ganzen Familie sitze ich vor dem so einfachen Häuschen und erneut wären ein paar Russischkenntnisse so wertvoll...
Die Kinder sind natürlich gwundrig was denn so alles in den Taschen verstaut ist. Gute Idee von den Kids, dazu braucht es nämlich nicht viele Worte! Also Packen wir alles mal schön, oh nein nichts von schön, alles durcheinander aus. Meine Güte was ich alles dabei habe, bin selber geschockt. Immer noch dieser griechische Dosenfisch, ha und "Wiibeeri" von der Migros, ein "Mulörgeli" gegen Langeweile...noch nie gehabt respektiv! Regenkleider, seit Monaten nicht mehr gebraucht, und da ist ganz zuunterst noch meine Seelenbox mit all den kleinen Glücksbringern von meinen Freunden, an dieser Box hatten sie am meisten gefallen. Der eine Knabe griff nach dem Bergkristall welche mir eine gute Freundin mitgab. Er hielt ihn zur Sonne hin und schaute ganz gespannt hindurch, oh am liebsten hätte ich ihm diesen Geschenkt, doch das konnte ich nicht. Eine langjährige Freundin gab mir einen selbstgemachten Traumfänger mit. Das Mädchen hielt in hoch und brachte die Federn mit ihrer Puste ins Taumeln. Ich sass daneben und war den Tränen nahe. 
Eine Frau lief am Haus vorbei, sah mich, blieb stehen und lachte übers ganze Gesicht. Mama Usbek, winkte ihr zu für einen Cay. Sie kam von der Arbeit auf dem Baumwollfeld zurück und die Stofftasche ist gefüllt mit frischen Baumwollballen. Sie redete nonstop und stellte der Mama so viele Fragen und schaute immer wieder zu mir. Die Fragen blieben wohl unbeantwortet. Sie zeigte mir ihre Ernte und ich fragte irgendwie wie es jetzt weiter geht mit der Baumwolle. Die Antwort bekam ich während einer ganzen Stunde über...

Zu dritt zerrten wir die Wolle ganz vorsichtig auseinander bis wir den Samen von der Wolle trennen konnten. Uff, eine sehr mühsame Arbeit und meine Haut an den Fingern war nach nur einer Stunde extrem Rau. Wir verglichen unsere Ergebnisse und beim Anblick meine Resultates hatten beide was zu lachen...ich war nur sprachlos! Ich habe nicht ein Drittel von ihnen geschafft. 

Sie lud mich gleich auf Kirschenkompott bei sich Zuhause ein,  Mama Usbek nickte und gab mir zu deuten, dass Nachtessen in zwei Stunden ready sei. Der Kompott war herrlich, sie zeigte mir ihre zwei Zimmer die sie in ihrem Lehmhaus hatte... Aus ihrem Garten schnitt sie die letzte Honigmelone ab und schenkte sie mir... 
Ihre Nachbarin hat wohl bemerkt, dass etwas ungewöhnliches Nebenan vor sich geht und schaute gleich vorbei. Sie ist die Lehrerin im Dorf und lädt mich gleich zum Cay bei ihr Zuhause ein. Haha ich gehe von Haus zu Haus, komme mir vor wie der Samichlaus. Der Unterschied ist, dass ich im Gegensatz zum Samichlaus überall verköstigt werde, oh es gibt dann noch Nachtessen!!

Am Schluss war ich bei 7 Familien zu besuch, habe 7 verschiedene Lehmhäuser gesehen, insgesamt 1 1/2 Liter Tee getrunken, bin satt, hatte einen kurzen Ausritt auf einem Esel und unbeschreibliche Gastfreundschaft erlebt. Doch jetzt muss ich nach Hause, Abendessen wird wohl schon parat sein, wie soll ich das nur runterbringen? Ablehnen ist höchst unhöflich! Hoffentlich gibt's bloss ein wenig Salat...ha denkste, die ganze Familie ist in der Küche und bereitet ein regelrechtes Festessen vor! Ein Kübel voll Plov, Reis mit ca. 10 gekochten Eiern, frisches Brot im Steinofen gebacken und eine riesen Wassermelone in Stücke geschnitten...Bon Appetit! 
Bevor es jedoch losgeht kommt ihr Mann nach Hause, er begrüsst mich kurz, verzieht sich im Kämmerchen und kommt mit einem frischen Hemd wieder hinaus. Wir sitzen alle am Boden und es wird ordentlich geschöpft. Nach einer Weile beginnt der Mann mir eine Frage zu stellen, natürlich in Russisch. Er wirkte ein wenig scheu, und hält den Blickkontakt für höchstens zwei Sekunden. Bin irritiert. Doch Mama Usbek weiss rat und zückt ihr Handy, sie will ein Foto von uns beiden machen.

Mit dem ersten ist sie nicht zufrieden, sie gibt ihm Anweisungen, dass er näher zu mir rücken soll. Zweiter Versuch, wieder nicht zufrieden, sie fordert ihn auf, sein Arm um meine Schulter zu legen...jetzt wirds spannend, er zögert, sie fordert und Papa folgt den Anweisungen. Mit dem perfekt gestellten Foto ist sie nun zufrieden, phu geschafft und sie konnte das Eis brechen :)
Der Reis war übrigens sooo super fein und ich möchte nur noch eines: mich hinlegen und schlafen... Nichts da, sie will mich in traditionelle usbekische Kleidung einkleiden. Sie plündert ihr Schrank bis sie das beste Stück gefunden hat, schickt mich ins Kämmerchen und durch den kleinen Holzspalt sehe ich wie die ganze Familie gespannt davor sitzt. Kleid passt, Tuch wie ein Pirat gebunden, raus geht's auf den Laufsteg...Barfuss ;)
Sie lachten und hatte grossen Spass, sie meinte dann: "You Usbek!". Ja wir hatten es wirklich lustig. Bevor ich zu Bett ging, schrieb sie auf einem Blatt Papier das heutige Datum, ein Bindestrich bis zum Datum Heute in einem Jahr, zeigte auf mich, dann auf das Haus... Dies war wohl eine Einladung, dass ich ein Jahr hier bleiben kann...bin sprachlos!
Schlafe so gut wie schon lange nicht mehr. Am nächsten Morgen ist bereits ein grosses, einfaches Frühstück parat. Heute werde ich nach Tajikistan einreisen. Es gilt alles wieder schön einzupacken. Jetzt das unfassbare, die 7 Familien von gestern kamen alle vorbei um mir Adieu zu sagen. Das Fahrrad bepackte ich ganz langsam, weil ich eigentlich nicht gehen möchte doch einmal mehr entscheidet die Zeit des Visums...

Das ist doch einfach der Wahnsinn: ich kenne diese Leute weniger als 24 Stunden und sie sind mir so schnell ans Herz gewachsen...Mama Usbek drückt mich fest und beginnt zu weinen, ja auch mir kugeln erneut Tränen runter. Um diesen Moment nicht noch schwieriger zu machen montiere ich schnell den Helm, die Sonnenbrille und steige auf's Fahrrad. Mama Usbek rennt blitzschnell ins Haus und die anderen geben Zeichen, dass ich warten soll. Sie kommt zurück und drückt mir das schönste Kopftuch welches sie finden konnte in meine Hände. Bin überfordert. Weine und kann nicht weiterfahren, möchte ihr sagen, dass ich sie und ihre Familie tief im Herzen habe und niemals vergessen werde...kann aber nicht. Zeige mit meiner Hand auf sie dann auf mein Herz. Sie versteht. Nun binde ich das schöne Tuch um meinen Lenker. Es fällt mir dieses mal besonders schwer nicht zurück zu schauen...

6 Kommentare

Eine Motor- und eine Duschinfusion...

Heute wollten wir um 07.00 Uhr losfahren...aber ihr könnt euch sicher gut vorstellen, dass es mit vier Romandies locker 08.30 Uhr werden kann. Beim Shop um die Ecke tankten wir noch je 3 Liter Wasser, heute haben wir nämlich einen Pass auf unserer Route bis Shahrisabz. Gleich auf den ersten Kilometern verfahren wir uns, aber mit Genfer macht man ja gerne einen kleinen Umweg.
Ich bin ja gespannt wie es funktioniert in der Gruppe zu fahren. Kurz vor dem Pass legen wir die grosse Mittagspause ein, da es bereits wieder 40 Grad ist. Gleich werden gefüllte Teigtaschen aufgetischt und mir ist es wieder einmal zu heiss um zu essen. Schlussendlich drücke ich eine bereits kalt gewordene Tasche runter,  im Gedanken, dass sie mir später Energie geben wird. Gleich merke ich beim Anstieg, dass ich über eine Woche Pause hatte, ich muss schnaufen wie ein altes Pferd. Schon verrückt wie schnell der Körper umschaltet auf "Nichts tun". Doch er wird bald merken, dass er wieder auf Radelmodus umschalten muss :) 
Nach zwei Stunden ist der Pass geschafft und auf der Höhe ist ein kleiner Freiluftmarkt. Getrocknete Aprikosen und Nüsse werden angeboten. Wir setzten uns hin und als ich meinen Helm abzog, kam der eine Usbeke zu mir und setzte mir seinen traditionellen Hut auf. Wir tauschten also Hut gegen Helm, Tradition gegen Sicherheit! Das Fahrrad war ihm dann doch zu unheimlich und ganz feierlich setzte er mir wieder den Helm auf.
Die Aussicht von hier ist einzigartig und man sieht richtig in die Weite. Uuu jetzt freue ich mich auf die Abfahrt...sie ist von unzähligen Schlaglöchern geprägt und somit können meine Bremsen zeigen was sie drauf haben...nämlich einen super Belag. Ach noch zum Thema Bremsen, im Gegensatz zu den meisten Tourenfahrer welche mit V-Bremsen fahren, bin ich mit hydraulischen Scheibenbremsen unterwegs und ich bin super zufrieden damit! Die ziehen immer und bis jetzt musste ich erst einmal die Beläge wechseln.
In Shahrisabz gibt es ein Hotel das überteuert ist und es gibt ein kleines aber feines Guesthouse, welches versteckt ist und nur schwer zu finden. Wir sind zufällig dran vorbei gefahren als der kleine Mann uns zu sich winkte. Im Innenhof sitzen bereits vier Franzosen und ein Deutscher. Es gibt hausgemachte Suppe, Melonen und Biscuits. Am Tisch wird vorwiegend Französisch gesprochen und ich frage mich, was ich in all den Französischstunden in der Schule nur gemacht habe?!
Somit komme ich leicht mit Peter ins Gespräch. Er ist auch mit dem Fahrrad unterwegs, er hat ein rotes und ist in Venedig gestartet. Warum in Venedig? Ha, weil es im März in Deutschland noch zu kalt ist! Er schliesst sich morgen unserer Gruppe an, also werden wir zu sechst unterwegs sein...falls jetzt jemand doch noch gluscht auf den Pamir hat, wir nehmen jeden auf der strampelt.
Manu kommt aus der Dusche und sagt nur: "L'eau froid". Wir Damen geniessen den stetigen Vortritt wenn es eine Dusche hat. Als ich im Duschbunker stand, den einen Hahnen öffnete und dann noch den anderen, sprudelte da richtig heisses Wasser...hmm aussi L'eau chaude höhö!
Mehr oder weniger pünktlich starteten wir den nächsten Fahrtag. Heute ist es flach und sehr heiss. Meine Nase läuft stetig und die Augen brennen. Frage mich kurz, was um Himmels Willen ich hier nur mache...
Die kurzen, grauen Hosen werden langsam weiss und hart vom ausgeschwitzten Salz. Es ist wieder Pausenzeit. Auf der anderen Strassenseite hat es ein Teehaus, Manu und Sascha sind jedoch von Übelkeit geplagt, dass sie die Strasse nicht mehr überqueren können und sich unter den nächsten Baum legen. Nach vier Stunden Schlaf ist an ein Weiterfahren nicht zu denken. Eduard hat mittlerweile auch Magenprobleme. Wir beschliessen zu dritt weiterzufahren und die anderen werden mit einem Transport bis nach Ghuzar kommen. Dort werden wir uns wieder treffen. Nach drei harten Fahrstunden erreichen wir das verlassene Dörfchen in welchem es jedoch ein Springbrunnen hat. Am liebsten würde ich reinspringen doch unter den Blicken von gespannten Usbeken tauche ich lediglich meinen Kopf im kühlen, dreckigen Nass.
Es ist bereits dunkel und wir finden Unterschlupf im Garten einer Familie. Die eine Tochter ist mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, ihr künftiger Mann zieht für uns gleich mal das Kleid der Braut an, hey war das ein Gaudi :) Zu später Stunde traf die zweite Hälfte unserer Gruppe ein, ohne was essen zu können, legten sie sich hin und zehretn vom Gesundheitsschlaf. Die gut gelaunte Mutter backte frisches Brot im Steinofen und bewirtete uns mit allem was sie im Kämmerchen finden konnte. Auch die Mücken sind hier sehr aktiv und mein Antibrumm macht die Runde.
Um 05.00 Uhr sind wir parat zum weiterradeln...Manu, Sascha und Eduard sind nicht gut zwäg, sie werden mit einem Truck bis zur Grenze fahren und wir werden uns in ein paar Tagen dort treffen.
Die ersten paar Kilometer mit 12% Steigung, aber perfekter Strasse hatten's in sich. Bereits nach 4h ist die Hitze erneut unerträglich, doch da ist weit und breit kein Schatten. Am liebsten würde ich mich einfach hinlegen, einschlafen und an einem Strand wieder aufwachen. Wenn ich nach Hause komme werde ich mir als erstes ein Jahresschwimmabo kaufen, oh wie cool ist dass denn!!! Bis es jedoch soweit ist, heisst es weiter strampeln bis ein Schattenplätzchen kommt.
Weit vorne sehe ich ein kleines Einmann Häuschen, zu dritt quetschen wir uns in den Schatten und schlafen ein. Die Sonne wandert ums Häuschen und weckt uns auf, nach weiteren 10 Kilometern müssen wir wieder pausieren, diesmal an einer Bushaltestelle, die gibt es hier tatsächlich...Busse aber keine :) Erneut schlafen wir ein und als ich die Augen öffnete, starren mich 6 Augenpaare von neugierigen in Fussballshirts gekleideten Jungs an. Sie posieren wie grosse Stars und mit ihrer lockeren Art motivieren sie uns irgendwie zum Weiterfahren.
Im nächsten Dorf ist jedoch für Baptiste und mich  ende. Sein Magen kehrt sich und mein Knie reklamiert. Zeit für einen Transport ins nächste grosse Dorf. Baysun ist ca. 80km entfernt. Peter zieht alleine weiter, doch wir werden uns Morgen irgendwo wieder begegnen. Es ist immer ein komisches Gefühl einen Transport zu nehmen, es braut sich eine Art schlechtes Gewissen zusammen...sobald ich diese Gefühl habe, sage ich mir: "common, du hast Dich so entschieden, bereue deine Entscheidung keine Sekunde, geniess die Fahrt im Truck denn dies ist auch immer ein spezielles Erlebnis!" 
Am Strassenrand warten wir bis ein Laster vorbeikommt welcher unsere zwei Bikes und 12 Taschen mitnehmen kann. Unzählige Autos halten an und beschenken uns mit Liquid...mit drei Litern Bier stehen wir nun da, bei 52 Grad...Nastrovje!  
Eeendlich kommt ein grüner alter Sowjetlaster, noch aus Holz und bis zuoberst mit Wassermelonen gefüllt. Wir sehen no way, dass unsere Göppels hier irgendwie verstaut werden könnten, er meinte nur: "No problem, no problem". Oh Gott, wir schauen dem Geschehen zu, wie unter anderem unsere Pedale sich in die harte Haut der Melonen quetschen. Eine Melone scheint den Platz für die letzte Tasche zu blockieren, da gibts nur eine Möglichkeit: Aufessen :)
Zu dritt sitzen wir nun auf den zwei engen Sitzen, der Schaltknüppel zwischen Baptist's Beinen und über 20  1.5 Liter Flaschen Flusswasser auf meinen Knien. Meine Aufgabe ist es, sobald es eine Steigung hat, das Wasser in die umgekehrte, aufgeschnittene Colaflasche über dem Armaturenbrett zu schütten. Das Wasser fliesst über ein kleines Schläuchen direkt zum Motor um diesen zu kühlen. Praktisch wie eine Motorinfusion :) Die Strasse wird immer schlechter und endet im gröbsten Pistenzustand. Da braucht auch der Fahrer mal eine Pause und somit verdrücken wir die zweite Wassermelone welche einfach köstlich ist. Ein paar hundert Meter vor dem Polizeicheckpoint steigt der eine aus, es ist wohl nicht erlaubt zu viert in der Kabine zu sitzen... Der kleine Polizist mit überdimensionalem Hut will unsere Pässe sehen...Mist, meiner ist noch in der Tasche irgendwo zwischen den Melonen! Kein Problem meint der Fahrer und liefert als Bestechung eine Melone im Kontrollhäuschen ab, uff ist also immer praktisch ein paar Melonen dabei zu haben. Um die Registrierung kommen wir aber nicht rum, dafür schreibe ich meine Daten grad selber ins goldenen und so heilig erscheinende Buch rein.
In Baysun angekommen quartieren wir uns ins einzige, total runtergekommene Hotel. Baptiste legt sich noch in voller Montur gekleidet ins Bett und schläft bis am nächsten Morgen samt Schuhen durch. So eine Dusche wäre jetzt schon edel, doch Wasser kommt keines aus dem Hahnen, das kostet wohl Extrazuschlag...hmm wo ist wohl der Hotelherr geblieben...keiner mehr da?
Also esse ich eben zuerst ein saftiges Schaschlik mit Tomatensalat. Plötzlich gesellt sich der Hotelherr zu mir und wir trinken zusammen einen Tee. Ich fragte ihn nach Wasser für eine Dusche :"oh, yes, no problem". Kurzum organisiert er den Gartenschlauch des Nachbarn, montiert ihn draussen an einem Hahnen, zieht den Schlauch mühsam durch das Zimmerfenster, über die Duschstange und fertig wäre das Kunststück. Sieht super aus, mit dem ganzen Schlauch quer durchs Zimmer aber Druck ist da beim besten Willen nicht drauf... Hmm, ein längerer und grösserer Schlauch wird organisiert, komme mir vor wie an einer Feuerwehrübung aber siehe da, tatsächlich no problem und das Nass tröpfelt aus dem Schlauch. Heute also gleich zwei Infusionen: Motorinfusion und Duschinfusion.
Morgens um 08.00 Uhr geht es Baptiste wieder besser und wir nehmen uns die 100km bis zur Grenzstadt Denau vor. Von der Landschaft her ist dies mit Abstand die schönste und abwechslungsreichste Strecke welche ich in Usbekistan gefahren bin. Von der Steinwüste über grosse Canyon's bis hin zu einem Pass. Die Auffahrt war zwar auf bitterschlechter Strasse doch die Abfahrt einfach unbeschreiblich, mit 57kmh konnten wir runterdonnern. Da hab ich immer das ultimative Freiheitsgefühl, der Wind der dir ins Gesicht peitscht, die Landschaft welche an dir vorbei saust und das Wissen, das alles was du zum Leben brauchst, sich dank deiner Balance durch die Weld gondeln lässt, ist doch einfach genail! 
Beim nächsten Teehaus machten wir halt und pausierten. Und wer kommt da plötzlich angeradelt? Der gute Herr Radiologe Peter, welch eine Wiedersehensfreude! Mit seinem Röntgenblick sieht er gleich, dass es uns wieder viel besser geht :) also los nach Denau! Es geht auf und ab und es ist heiss und schon bald wieder brauchen wir eine Pause höhö. Diesmal im Schatten eines Autos, welches eine Panne hat. Ich lege mich auf den Asphalt und stehe blitzartig wieder auf, gopf ist dieser heiss!
Hinter einem Stein finden wir ein wenig Schatten. Als wir weiterfahren wollten hatte Peter nach nur ca. 200 Metern eine Platte. Gut, wieder zurück zum Stein und was wir da einst fluchten wollt ihr erst gar nicht wissen!
Platte geflickt, ausgeflucht und weiter geht's. Die Landschaft verändert sich langsam und grüne Felder sind zu sehen. Nicht mehr weit bis Denau und nicht mehr weit bis es dunkel wird... Wir beschliessen uns die Leuchtwesten anzuziehen da abends viele betrunkene Fahrer unterwegs sind. Die letzten 10 Kilometer bei absoluter Dunkelheit war ein Höllenritt. Doch wir haben es bis ins  tief gesunkene Hotel Denau geschafft und legen uns als erstes todmüde ins Gras.
Die anderen sind schon dort und  besorgen uns gleich was kaltes zu trinken, ohh es braucht soo wenig um glücklich zu sein, manchmal nur etwas kaltes zu trinken! Das Hotel ist der absolute Albtraum, schmutzige Zimmer, ein einziges Klo für alle in welchem noch eine Ratte haust und eine stinkende Dusche im anderen Gebäude. Um dort Duschen zu können muss man mindestens drei mal darum bitten bis die freche Dame den Schlüssel rausrückt, wenn an einem Tag aber bereits vier Personen geduscht haben wird es ziemlich schwierig sie zu überzeugen, dass die ungeduschten auch ein bisschen Wasser möchten. Daraufhin versucht sie 100 Som extra zu verlangen, frechheit so was ;) da hilft nur eines: hart bleiben, stur vor dem Duschhäuschen sich hinsetzten und keinen Cent rausrücken! Sie wird sich in ein paar Minuten erholen und die Türe öffnen, na also, geht doch ;)
Am nächsten Tag waren alle wieder fit und wir fuhren die 40km bis zur Grenze, mein Visum für Tadjikistan beginnt erst morgen, somit werde ich ein Plätzchen im letzten Dörfchen für die Nacht suchen und morgen die anderen in Dushanbe wieder einholen, chouette :)
 
3 Kommentare

"Paradies des Ostens"

In zwei Tagen sollten wir Samarkand erreichen, ein weiteres kulturelles Feuerwerk auf dieser Reise. Doch zuerst heisst es bei sehr heissen Temperaturen in die Pedale treten. Immer wenn wir Wasser sehen machen wir kurz halt um das leichte Baumwolltuch welches ich unter dem Helm trage im Nass zu tränken, dies kühlt dann für ca. 5 Minuten meinen Kopf ab.
Wir kamen bei einem Basar vorbei, setzten uns in den Schatten und tranken was kühles. Ihr seht, es dreht sich momentan nur um drei Sachen, ums trinken, treten und pausieren :) 
Ein junger Mann gesellt sich zu uns und lädt uns gleich zu sich nach Hause ein. Das gibt wohl eine längere Pause. In der Stube wird dann aufgetischt: frisches Brot, Kekse, Nüsse, Jogurt, Tomaten, Gurken. Uff das war jetzt ein Festessen, doch halt, der Reis und die Melonen kommen noch zum Schluss, ich bringe beim besten Willen keinen Bissen mehr runter!
Seit dem Iran wurde ich beinahe täglich bei Leuten eingeladen, kann dies plötzlich zur Selbstverständlichkeit führen? Nein! Niemals, jede Einladung ist immer was spezielles, eine Begegnung mit Einheimischen die mich immer wieder von neuem berührt. Um 16.00 Uhr fahren wir noch für zwei Stunden. Ob ihrs nun glaubt oder nicht, wir setzten uns am Strassenrand hin, pausierten kurz und schon wurden wir zum Nachtessen und zur Übernachtung eingeladen! Wir kamen in eine soo herzliche usbekische Familie. Die Mutter kochte extra heisses Wasser damit wir Duschen konnten, sie gab uns je ein frisch von Hand gewaschenes Handtuch und Seife. Die Dusche ist fast wie in Nepal.
Ein Betonhäuschen mit einem Becken, einem Becher und einem kleinen Abfluss. Einfach herrlich und in der Tat reichen 10 Liter längstens um sich zu waschen! Es gibt zwei grosse Teller mit Plov. Das Reis mit dem fein gehackten Gemüse schmeckte ausgezeichnet! Die Familie vermittelte einem zwei Gefühle: 1. man wird wie Könige behandelt, sie geben einfach Alles! 2. man fühlt sich gleichzeitig wie ein Teil der Familie, man gehört einfach dazu, ist nicht fremd! Diese zwei Sachen kombiniert zu vermitteln betrachte ich als hohe Kunst an.
In der Stube richteten sie zwei Nachtlager ein. Mitten in der Nacht wurde es mir einfach zu heiss und auf meinen Fussspitzen zügelte ich ganz leise nach draussen unter die Rebe. Durch die Zwischenräume der Blätter scheint der Mond hindurch und ich denke an meine lieben Zuhause. Ich vermisse meine Freunde, Verwandten und Mama gerade sehr...
Nach einem reichhaltigen Frühstück ziehen wir weiter. Der Abschied war einmal mehr nicht einfach, doch eines hilft dabei immer: schau nicht zurück, nur vorwärts!  Der letzte Strassenanschnitt bis Samarkand ist ziemlich rumpelig, da der Asphalt zum Teil total aufgerissen ist.
Schon Zuhause habe ich mich gefreut, diese Stadt zu besuchen. Der Name alleine regt zum Träumen an! In der Geschichte wurden der Stadt so einige Namen gegeben: "Spiegel der Welt", "Paradies des Ostens" oder auch  "schönstes Antlitz, das die Erde der Sonne je zugewandt hat", bin sehr gespannt wie es wirklich sein wird! Die Einfahrt ist ziemlich ernüchternd, ein Internetcafe nach dem Anderen, diverse Sportartikelshops und Burgerbuden. Bei der ersten grossen Kreuzung geht es nach links und dann steht er plötzlich da: Der Registan!
Die blau und türkisfarbenen Kuppeln erscheinen für mich als Inbegriff von Reinheit und Klarheit. Bevor wir das Guesthouse suchen, muss ich mich zuerst hinsetzen und einfach Staunen! Kann es kaum glauben, wie oft habe ich Zuhause Fotos von hier angeschaut...Stunden!... und jetzt sitze ich einfach davor. Ein weiteres Etappenziel ist erreicht und ich erlaube mir jetzt auch mal zu schreiben, dass ich stolz bin! Auch wenn ich nicht jeden Kilometer selber gefahren bin, wen interessiert's schon, pha! :)
Im B&B Bahodir werden wir sehr freundlich mit Cay, Wassermelonen und Keksen begrüsst. Das Bahodir, DER Traveller-Treffpunkt. Echt gemütlich hier, der lichtdurchflutete Innenhof ist mit Grünzeugs bepflanzt und an der linken Wand hängen hunderte von Visitenkarten oder Postkarten von Reisenden. Sogar ein Schweizerfähndli hängt ganz zuoberst. In der einen Ecke stehen bereits zwei Fahrräder. Sie gehören zwei Belgier die von Tajikistan her kamen. Natürlich wollten wir sofort wissen wie der Pamir denn war. Sie schwärmten sehr von der Gebirgsetappe.
Wolfgang hat leider kein Visum für Tajikistan und er wird somit von hier weiter über Taschkent nach Bischkek in Kirgistan radeln. In den letzten Tagen habe ich mir oftmals überlegt ob ich mit ihm weiterradeln soll oder Richtung Pamir gehe. Einerseits hatte ich auch Zweifel ob ich dies überhaupt schaffen werde. 1400km Berge pur, mehr als weniger Strassen im Pistenzustand und ein paar 4000er Pässe... 
Es sind unbegründete Zweifel! Klar kann ich's schaffen...ich muss es nur wollen. Und mittlerweilen bin ich überzeugt, dass wenn der Zeitfaktor stimmt, jedes Bärgli zu schaffen ist ;) Und wer weiss, vielleicht kommt ja noch jemand der auch in diese Richtung fahren möchte. Ich werde mich in den nächsten Tagen entscheiden wie's weiter geht. 
Jetzt freue ich mich zuerst auf eine lange Nacht in einem Bett. Der abendliche Hechtsprung in die absolut durchgelegene Matratze dämpft die Freude ein wenig. Die Federn drücken in den Rücken, soll ich meine Matte aufblasen? Ach, ich bin zu faul und suche mir einen einigermassen bequemen Federzwischenraum. Wolfgang verbringt die halbe Nacht im Badezimmer...auch nicht das bequemste!
Wir sind somit beide schon früh auf den Beinen und planen das heutige Touribesichtigungsprogramm, obwohl viel zu planen gibts da nicht. Wir schauen einfach mal, was wir sehen werden :) Mitte August beginnt das Internationale Musikfestival somit ist der Registan Heute geschlossen, doch wir bekommen einen Einblick in die Proben über...unglaublich! Hunderte von Frauen üben eine Choreo ein. Sie schützen sich mit langen Hosen, Jacken, Kappen und einem Tuch um das ganze Gesicht vor der starken Sonne. Ein Mann mit Mikrofon gibt von der Bühne aus Anweisungen. Der Platz ist soo riesig, dass die hintersten ihn bestimmt nicht sehen können. Ich konnte ein paar super Fotos machen und nach einer Stunde ziehen wir weiter. Die "Toshkent-Road" ist Pikfeinsauber und gesäumt von Geschäften in welchen man feinste Seide zu gröbsten Preisen kaufen kann. Wir besuchen die eine grosse Moschee.
Mich beeindruckten die Feinheiten dieser einzelnen Kacheln und von den Farbkombination. Plötzlich braut sich da ein kleines Gewitter in meinem Bauch zusammen...ich muss jetzt sofort auf Toilette, jede Moschee muss doch auch eine Toilette haben! Tatsächlich im Hinterhof ist da ein kleines Häuschen mit einem Loch. Freundlich frage ich die bunt gekleidete Dame ob sie wohl ein wenig Papier habe (natürlich mit Pantomime!), im Backofen holt sie das Aufgabenheft ihres Sohnes hinaus, reisst eine Seite mit Rechenaufgaben raus und reicht es mir hin, sie versteht wohl meine Dringlichkeit. Ein sehr wüstes Klo, dafür mit einer grandiosen Aussicht auf die Kuppel der Moschee. Kaum wieder draussen, ruft mich die bunte Dame zu sich: "400 Som!", was? Für ein Loch? Oder für die Aussicht? Nee, ich bin doch kein wandelnder Dollar. Ich stelle mich dumm und verstehe kein Wort. Sie lachte und lässt mich gehen, sie hat's zumindest probiert. 
Über den Friedhof gelangen wir zur Strasse die von Moscheen gesäumt ist, klein aber fein! Doch der Schatz der hier ruht ist einfach riesig. Bilder sagen hier mehr als Worte, doch die Bilder folgen erst später. Beim Eingang steht: "The doors of paradise are open to all believers".
Ich setze mich auf's Bänkli und schaue den Menschen zu. Eine Usbekisches Grosi gesellt sich zu mir. Ihr Gebiss hat sie wohl Zuhause vergessen, sie redet über 15 Minuten mit mir. Ich verstand kein einziges Wort, höre nur zu, als sie aufstand und gehen wollte gab sie mir ein Kuss auf die Stirn! Zu gerne wüsste ich was sie mir erzählte.
Als wir zurücklaufen und beim Registan vorbeikommen sind die immer noch am Proben...seit beinahe 8 Stunden...ohne Schatten!
Zurück im Bahodir treffen wir auf die Franzosin Claire. Sie ist Künstlerin aus Paris und ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs. Sie arbeitet mit Draht, feinstem Draht, sie stellt den Weg von Marco Polo mit Draht-Bildern dar. Bis jetzt hat sie 12 Bilder gefertigt, welche in Plexiglas gelegt sind und die sie auf ihrer Reise immer wieder ausstellt. Ich bin beeindruckt von dieser Kunst und ebenfalls von ihrem Gewicht an Gepäck: 100kg!
Ich habe schon genug mit meinen 30kg! Sie will auch Richtung Pamir, jedoch mit einem Transport, da es fast unmöglich ist, soviele Kilos über 4000ender zu Pedalen. 
Gemeinsam kosten wir die Hausküche im Bahodir, echt empfehlenswert. Feinste Gemüsesuppe und zum Dessert gibt's süsse Wassermelonen mmmm fein! Und einmal  pro Woche gibt's Plov, jupii! 
Am nächsten Morgen versuchen wir unser Glück nochmals beim Registan. Einfach riesig, sehr beeindruckend und kaum in Worte zu fassen. Alles erscheint hier so gross, so mächtig, ich finde das kleine wie z.B. In Buchara grad so schön. 
Zurück im Guesthouse, sitze ich auf der Bank und beginne den nächsten Blog zu schreiben, kaum beim dritten Satz angelangt, kommen zwei Tourenfahrer in den Innenhof, ein dritter, vierter, sechs, sieben, ja sag mal, träume ich? Wie viele kommen denn da noch?
14 an der Zahl, darunter Manou und Baptiste von Genf, der Schwede Joakim mit seiner Thailändischen Frau Wey, die zwei Johannes aus Deutschland, Simon aus Neu Seeland, Simon aus Deutschland, Sebastian von Polen und eine dreier Gruppe von Tschechien, uff! Bahodir B&B wird zur Bikermekka! Alle kamen über Kasachstan weil sie kein Iranvisum bekamen. Mein Blog muss nun definitiv warten. Es gibt viel zu lachen, Fahrradinspektionen werden gemacht (meines bekommt die meisten Punkte hehe), Ersatzteile ausgetauscht, einfach gemütlich und es kommt mir vor wie es etwas vom normalsten ist mit dem Fahrrad durch die Welt zu börren. 
Baptist erwartet in vier Tagen besuch von zwei Freunden ebenfalls von Genf. Zusammen wollen sie dann über den Pamir bis nach Osh fahren. Ich kann mich ihnen anschliessen, welch eine Freude und erst noch mit Romands, chouette! Mais les Romands toujours rigolent et jamais travaillent.
Somit verabschiedete ich mich am nächsten Morgen von Wolfgang. Hey Wolf, wir hatten eine super Zeit zusammen, hat mich sehr gefreut mit Dir ein Stück Weg zu radeln und auch die vielen Begegnungen die wir mit den Locals hatten sind unvergesslich. Ich habe es sehr genossen diese Begegnungen mit Dir zu teilen. Ich wünsche Dir eine gute Weiterreise und vielleicht treffen wir uns ja irgendwo in Südostasien wieder...maybe...or maybe not gelle hehehe :)
Es war ein gemütlicher Tag, habe sozusagen nichts gemacht, oh doch, moment, ich habe Mama ein Paket nach Hause geschickt. Kratenmaterial welches ich nicht mehr brauche und ein paar Geschenke für sie. Ich habe alles schön verpackt und auf der Postoffice wurde alles auseinander genommen und kontrolliert. Frau Post kreierte kurzum ein eigenes Paket, klebte 20 Briefmarken drauf und wollte wissen für wen denn das Paket sei. Sogleich wollte sie ein Foto von Mama sehen und von der Schweiz, damit sie wisse wohin das Päckli denn kommt :)
Viel mehr habe ich an diesem Tag nicht gemacht, auch mal schön einfach nichts zu tun. 
Heute ist der 24. Juli und das erste mal bin ich an meinem Geburtstag weit weg von Zuhause. Ich habe hier niemandem was gesagt und werde den ganzen Tag Blog schreiben und am Abend mir die letzte Ovo-Schokolade gönnen. Doch bereits beim Frühstück kommt Simon hinter dem Baum hervor mit einer Torte auf einem Teller und einem Kerzli. Alle singen Happy Birthday und ich bin so was von überrascht und gerührt! Nun die Rätsels Frage: Warum wusste er das? 
Vor zwei Tagen haben wir die Daten des Tajikistan Visum verglichen und dort hat er mein Geburtsdatum gesehen. So Aufmerksam! Am Morgen bestellte ich dann in der Bäckerei eine Riesentorte für 20 Leute und ich hatte einen super schönen Tag in Samarkand.
Sascha und Eduard sind mittlerweile von der Schweiz eingetroffen und Morgen werden wir zu fünft weiterradeln, chouette :)
6 Kommentare

Nastrovja an jeder Ecke...

Heute geht es wieder in ein Land das mir fremd und neu ist. Das 12. auf meiner Reise. Laut Karte sind es ca. 20km bis zur Usbekischen Grenze...laut Karte! Nach 30km war da noch keine Grenze in Sicht! Im nächsten Shop kaufte ich mir erst mal ein kaltes Fanta zur Abkühlung, ein zweites bekam ich dann geschenkt über. Der eine meinte ich sei schon auf dem richtigen Weg. In Wirklichkeit waren es 40km OHNE mich zu verfahren. Auf den letzten paar Kilometern fragte ich mich ob hier tatsächlich noch eine Grenze kommt, denn da war absolut nichts. Doch sie kam dann doch noch.
Die Gepäckkontrolle war in zwei Minuten erledigt, doch einen Ausreisestempel zu bekommen, dies dauerte länger. Vor mir waren ca. 10 Leute und ich wurde gleich nach vorne gerufen. Er checkte meine Daten im Computer und die Runzeln in seiner Stirn wurden tiefer und tiefer! Er holte seinen Kollegen dazu. Komisch, das ist bestimmt ein Neuer, der seinen ersten Arbeitstag als Stempler hat! Der Kollege erklärte ihm irgendetwas und endlich war der Stempel drin!
Tschüss Turkmenistan, Hallo Usbekistan. In die erste Halle geht's ohne Fahrrad. Zuerst das Deklarationsformular ausfüllen, steht aber alles in russisch! Bis sie ein Formular in Englisch finden dauert's eine Ewigkeit. Der Herr schaute wie ein Habicht, dass ich ja alles ausfülle. Das Geld was ich dabei habe muss ich vor seinen Augen abzählen (es darf nicht mehr Geld rausgeführt werden als eingeführt).
Als ich fertig war, fragte er ob ich Gold dabei habe. Ja, klar in jeder Tasche einen Barren! Als ich Nein ankreuzte, zeigte er auf die paar Gramm Gold die um meinen Hals hängen. Nun gut, Gold ist Gold! Die nächste Station ist beim Herrn Doktor. Ein Blick in den Mund in die Augen und Ohren und zum Schluss kommt er noch mit dem überdimensionalen Fiebermesser, 36.4 Grad, perfekt! Mit Fieber gibt's hier wohl kein Durchkommen haha. 
Jetzt husch, husch zur Gepäckkontrolle, alles einmal durch den Scanner. Die müde erscheinende Dame hinter dem flimmernden Computer möchte all meine Medikamente sehen. Mit Pantomimen erkläre ich welches gegen was ist, z.B. Erbrechen und Durchfall, diese zwei sind mir am besten gelungen :) Anhand ihrer Liste, welche vom Präsidenten persönlich unterschrieben ist, kontrollierte sie ob es nun erlaubt ist diese Medikamente einzuführen. Es dauerte eine Stunde. Danach hatte sie Kopfschmerzen und fragte höflich ob sie sich da was rausnehmen kann, aber selbstverständlich, genau für solche Situationen habe ich ja eine Apotheke dabei!
Danach wollte sie mein i-Pad sehen und gemeinsam schauten wir über 300 Fotos an... Vom Raclette im Kiental über die Schafe in Kroatien bis hin zu den getrockneten Erdbeeren auf dem Basar in Istanbul. Sie war einfach nur gwundrig und ich konnte ihrer Langweile wohl ein bisschen abhelfen. Plötzlich ging alles ganz schnell, denn die Grenze schliesst in ein paar Minuten. Da Wolfgang erst morgen drüber kann werde ich auf ihn warten und versuchen hier an der Grenze irgendwo zu übernachten. Nichts einfacher als dass! Ein Truckfahrer der seit drei Tagen hier wartet, lädt mich gleich zum Nachtessen und Cay ein. Unter seinem Lastwagen ist eine Riesen Box gefüllt mit Esswaren. Eine Schublade weiter ist der Gaskocher. Es gibt Reis mit Karotten.
Es war ein super gemütlicher Abend mit Fahrern aus der Türkei, dem Iran und aus Usbekistan. Somit konnte ich meinen gesammelten Wortschatz durcheinander anwenden. Meine Matte für die Nacht platzierte ich neben einem Truck. 
Am nächsten Tag kam Wolfgang bereits um 13.00 Uhr über die Grenze, so früh? Ja die wollten keine einzige Tasche sehen, keine Medikamente und auch keine Fotos, hmm... Wir fuhren gleich los und 10 Minuten später wurde uns vom Fluss her zugerufen. Das passt ja gerade, denn es ist super heiss und Pausen kann ich immer brauchen! Die sechs Herren offerieren uns gleich Wodka und Bier. Oh geht ja gar nicht bei dieser Hitze. Keine Wiederrede, Prost, Nastrovja!
Wenn das so weiter geht, fahre ich wohl mehr Kurven als es tatsächlich gibt. Sie schenkten uns noch Brot und 1 1/2L Bier! Gibt's hier wohl auch Mineralwasser? Ja das gibt's! Ein Truckfahrer hielt an und gab uns eine Flasche gefrorenes Wasser...doch die PET-Flasche hat einen Riss vom Deckel bis zum Boden, höflich fragten wir ob er denn eine ganze Flasche hätte, aber sicher doch:)
Der erste Wegweiser zeigt schon mal an, dass es nur noch 846km bis Dushanbe in Tajikistan sind! Im nächsten Dorf Qarakol machen wir bei einer Caykhana (Teehaus) halt, haben was gegessen und schauten dem usbekischen Alltag zu. Die Frauen tragen hier zum Teil wieder das Kopftuch, jedoch so gebunden wie ein Pirat. Das Kleid ist einteilig, sehr bunt und vom traditionellen Muster gekennzeichnet. In kürzester Zeit haben wir eine Schar Kinder um uns.
Unsere Helme machen die Runde und meine Schildkröte-Hupe ist der absolute Hit! Danke Köbi für's montieren in letzter Sekunde:) Uns gefällt's hier super gut und wir dürfen die Nacht über bleiben. Wir spazieren noch durch das Dörfchen und werden in einem "Restaurant" zum Essen und natuerlich zum Wodka eingeladen, haha auch nicht schlecht! Nastrovja!
Mit vollem Magen und zwei vollen Plastiksäcken mit Essen gefüllt wollen wir langsam wieder zurücklaufen. Doch halt, der eine Gast will uns noch sein neues Auto zeigen. Als er den Kofferraum öffnete, war dieser gefüllt mit vielen, vielen Bündeln Usbekischen Som's. Er hat ja recht, warum ein Portemonnaie mitschleppen wenn man es doch einfach in den Kofferraum schmeissen kann? 1 Franken sind ca. 2700 Som und die grösste Note ist 1000 Som, ja da hat man schnell ein paar Bündel zusammen! Er will auch gleich, dass wir eine Testfahrt mit seinem Auto machen. Wolfgang setzt sich hinters Steuer, ich auf dem Rücksitz, in der guten Nähe des Geldes und wir fuhren gleich zu unserem Nachtlager.
Es war eine unruhige Nacht, da dauernd betrunkene vorbei kamen und uns weckten. 
In Usbekistan muss man sich als Tourist alle 72h beim OVIR registrieren lassen, dies kann nur in einem Hotel gemacht werden indem man auch übernachtet. Somit ist unsere nächste Station Buchara. Der Weg dorthin ist nicht sonderlich spannend, was einem jedoch sofort auffällt sind die vielen Baumwollplantagen. Man spricht einerseits vom "weissen Gold", anderseits vom "weissen Tod". Es wird Unmengen an Wasser vom Fluss abgezapft und dies in einem Land, welches in einer Trockenzone liegt! Die Flüsse Amu Dary und Syr Darya sind so geschwächt, dass sie den Aral-See nicht mehr erreichen.
In Buchara angekommen, sind wir einfach nur sprachlos. Eine der heiligsten Städte Zentralasiens. Voll von Medressen und Minaretten, welche intensive Türkisfarbene Kuppeln haben. Ich brauche richtig viel Kamerabatterie! Wir finden ein günstiges, hübsches Guesthouse mit richtiger Toilette! Wolfgang hat mit Magenproblemen zu kämpfen und dann ist ein funktionierendes Klo echt wertvoll. So was ich im Vorfeld gelesen habe, trifft es einfach jeden! Am Abend machen wir drum Schonkost und schlenderten durch die Altstadt.
Auf einem Parkplatz sahen wir einen Monstertruck mit Weltkarte drauf. Da müssen wir gleich hingehen um "Hello" zu sagen. Ein Holländerpäärchen haust hier sie sind auf dem Weg nach Australien. Er machte extra für den Trip den Lastwagenführerschein, wie cool ist dass denn! Sie holt gleich ein Bier aus dem Kühlschrank, dies beruhigt vielleicht Wolf's Magen :) Nastrovja!
Wir setzten uns hin und plauderten über das "Unterwegs sein". Es tut immer gut sich mit anderen auszutauschen und es ist total spannend wie alle ihre eigene Ziele und Vorstellungen von Reisen haben. In den letzten Wochen musste auch ich mir überlegen wie ich von China nach Kathmandu in Nepal komme. Eine Möglichkeit wäre von Kashgar oder Urumchi mit dem Zug bis Chengdu und dann über Osttibet nach Nepal zu radeln, was ich jedoch nicht alleine machen möchte. Und dann gibt es noch eine andere Möglichkeit...für welche ich mich nun entschieden habe.
Da ich ja noch Zeit habe und immer mehr Lust ein bisschen weiterzuradeln, hänge ich noch Südostasien an. Zuerst geht es nach Laos. Und jetzt das Beste: Am Morgen des 27. September werde ich in Vientiane mich auf den Weg zum Flughafen machen. Dort werde ich einen eisgekühlten Mangoshake trinken und gespannt auf die Tafel schauen ob die Maschine von Bangkok schon gelandet ist. Ja, ja! Dort sitzt nämlich mein Besuch aus der Schweiz drin judiiihuuuiiiii!!! Fabienne kommt mich für zwei Wochen besuchen und ich freue mich soooo fest darauf, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen!
Im Januar vor meiner Abreise sagte sie: "Also Thesi, wenn du das wirklich machst, dann komme ich dich in meinen Herbstferien besuchen...egal wo du bist". Was für ein Wort! Und was für eine gute Freundin! Ich könnte noch Heute Abend weiterradeln, bin total motiviert! 
Am Abend müssen wir noch in ein kleineres Zimmer wechseln, da unser jetziges gebucht wurde. Dieser Wechsel wurde uns am Morgen zum kleinen Verhängnis. Wir wollten früh los, alles gepackt, montiert, Wolf sitzt schon auf dem Rädle und ich finde meine Handschuhe nicht, Mist! Schnell durchsuche ich alle Taschen doch ich vermute schon, dass sie noch im Zimmer von gestern sind, wo jetzt eine französische Familie noch gemütlich schläft. Ich kann ja die nicht einfach wecken, oder?
Nach 90min warten, scheinen diese immer noch im Tiefschlaf zu sein. Wir werden ungeduldig und ich fasse meinen Mut zusammen und klopfe ganz sanft an die Holztüre...nichts, nun klopfe ich wie eine wilde. Die Türe geht langsam auf und die verschlafene Dame schaut mich mit kleinen Augen an, ich entschuldige mich x-mal und erkläre ihr mein Malheure. Kurzum lässt sie mich rein, in einem Griff finde ich den Handschuh unter dem Stuhl, bedanke mich und nichts wie raus hier...das war mir super peinlich...aber notwendig! 
Nach 40km machen wir bei einer Kühltruhe am Strassenrand halt. Füllen alle Flaschen wieder auf und Wolfgang giesst das kalte Wasser in seine Thermosflasche. Das ist echt eine super Idee, bei grösster Hitze hat er somit immer kaltes Wasser dabei. Nach weiteren 20km ist es so heiss, dass die Thermosflasche zum Einsatz kommen könnte...KÖNNTE! Doch wo ist sie denn? Hmm, nicht da wo sie sonst immer ist...sie ist wohl 20km hinter uns!
Heute ist wohl der Tag des "Liegenlassens", zumindest steht es 1:1 ;) Bei einer Strohhütte halten wir an und essen eine Melone. Er überlegt sich zurückzuradeln um die Flasche zu holen, doch mit einem Auto wäre es noch besser! Wir fragen kurzum den Melonenverkäufer ob er dies gegen Bezahlung tun würde, ja gar kein Problem. Er erklärt mir wieviel ich für eine Melone verlangen muss, schreibt es in russisch auf und weg sind die zwei.
Ich probiere wie eine usbekische Melonenverkäuferin dazusitzen und hoffe nun auf ein gutes Geschäft. Sind die Honigmelonen wohl gleich teuer wie die Wassermelonen? Ich beginne sie mit dem Tuch ein wenig zu polieren und prompt hält einer an. Er klopft die Wassermelonen ab, doch ich glaube sie sind ihm zu hart, schnell präsentiere ich ihm die Honigmelone, die will er aber nicht. Er fragt mich woher ich komme und ich scherze, Usbek! Er lacht und fährt davon. Nach 40min kommen die zwei mit gefundener Flasche zurück und ich habe rausgefunden, dass ich auf dem Göppel wohl einen besseren Eindruck mache als hinter den Melonen höhö.
Heute müssen wir uns ja wieder einmal registrieren. In Navoy gibt es drei Hotel's. Das Erste war uns zu teuer, das Zweite ein Witz: Die Dame sagte im schönen Englischrussisch: "No Tourist here! You go other Hotel!". Aha, der riesige Bunker von einem Hotel in sowjetischem Stil nimmt also keine Touristen auf?! Wir lassen nicht locker und setzten uns einfach mal hin und warten. Sie telefoniert und ein paar Minuten später kommt eine Frau, die uns in perfektem Englisch erklärt, dass sie kein Zertifikat für Touristen haben, da niemand vom Personal Englisch spreche. Ach so, nun gut eine Chance für die Registrierung haben wir noch.
Nach längerem Herumirren finden wir das Dritte Hotel, welches wiederum enorm teuer ist. Ich setzte mein müdestes Gesicht auf das ich habe und frage enorm zermürbt für einen Discount. Sie überlegt was sie tun könnte und telefoniert gleich mal dem Boss. Sie offerierte uns ein Glas Wasser, der Chef kam, sah uns und sagte halber Preis! Well done! Das passt und das Frühstück würde er uns gerne offerieren, super!
Ich bin total müde doch, die Energie für einen Hechtsprung ins weiche Bett kann ich immer aufbringen!
 
2 Kommentare