Einmal Wüste bitte...!

Um 05.00 Uhr ertönt es von meinem Handy "vo Luzärn gägä Wäggis zue...." Was für ein Aufwachen :) Einfach schön ein bisschen Heimat dabei zu haben! 
15 Minuten später strampeln wir bereits der Wüste entgegen. Ich bin total gespannt wie es sein wird, bin ein wenig nervös ob ich es schaffen werde. Diese Strecke hätte ich alleine wohl nie in Angriff genommen. Nach ein paar Kilometern sah ich die ersten Dünen. Für mich sind diese 250km in zwei Tagen bei grosser Hitze eine grosse Herausforderung. Ich erinnere mich an die Proben des Alpentheater's zurück. Die Regisseurin Sjoukje Benedictus sagte uns damals: "Jeder von uns wird einmal eine Krise haben, das gute daran ist, dass man weiss, das die Krise jetzt da ist und sie auch wieder vorbei geht!" Dieser Gedanke habe ich mir damals eingeprägt und mit diesem fahre ich nun los, wenn ich eine Krise haben werde, muss ich sie einfach durchradeln!  So einfach ist das! Um 09.00 Uhr zeigt die Temperatur auf meinem Velocomputer bereits 43 Grad an. Der Wind, welcher natürlich von vorne bläst wird immer stärker. Ich brauche eine Pause. 1 Liter Wasser kann ich locker in 3 Zügen runterbuddeln. Weiter gehts. Ich probiere im Windschatten von Wolfgang zu fahren, der Sand bläst um mein Gesicht und ich spüre die feinen Körner in meinem Mund. Zerbeisse sie und denke, dass es gut für meine Zähne ist. Der verfluchte Wind wird immer stärker, er beginnt mich zu nerven! Im Zentralhirn beginnt es zu arbeiten... "Nerve dich nicht über den Wind, das kostet nur zusätzliche Energie!". Umdenken: "Zum Glück windet es, sonst wäre die Hitze kaum ertragbar" (Mittlerweile auf dem Tacho 53 Grad). Ich weiss zwar, dass dies nur zur Hälfte stimmt, denn der Wind ist super heiss, doch der Gedanke das der Wind positiv ist hilft mir. Ich falle in einen Trott, denke an nichts, nur ans Vorwärtskommen. Wolfgang wird schneller, oder ich langsamer :) er wird immer kleiner und ist weit vor mir. Ich mag nicht mehr und steige kurz ab, stehe mitten in die Strasse und drehe mich im Kreis. Wooow, ein unbeschreibliches Gefühl! Da ist weit und breit nichts, einfach nichts. Diese unendliche Weite gibt mir das Gefühl von grenzenloser Freiheit, gleichzeitig kann diese Weite aber auch Angst einflössen... Ich glaube, die Erdkrümmung am Horizont zu sehen und bekomme einen "wäuz" Energieschub! Weiter geht's! Ich fühle mich total stark und spüre den Zucker des Cola's in meinen Beinen höhö.
Plötzlich hole ich Wolfgang wieder ein, fahre ihm vor und der macht nur noch grosse Augen ;) Nach 120km sind wir müde und suchen eine passende Düne, hinter welcher wir unsere im Traum gewünschte Servelat bräteln können. Da es ja viele Sandhügel zur Auswahl hat, nehmen wir die nächst beste. Das Gepäck durch den Sand zu schleppen fordert meine letzte Kraft! Heute habe ich 9 Liter getrunken und musste nich einmal auf Toilette! Essen konnte ich nichts, es war einfach zu heiss, auch jetzt habe ich keinen Hunger, will einfach nur noch mehr trinken und Schlafen. Wolfgang befiehlt mir regelrecht was zu essen : "Iss, sonst schaffen wir das Morgen nicht!!". Ich werfe den Kocher an, schmeisse die Nudeln rein und allein über diesen  Anblick könnte ich mich übergeben. Es wird sehr schnell dunkel und mit den paar dürren Ästen die wir finden machen wir ein Feuer. Ich lege mich in den Sand und rühre gleichzeitig mit der einen Hand die Nudeln. Wolf gibt noch eine Büchse Thunfisch dazu...auch dass noch! Wir teilen die Portion in zwei schöne Hälften...ich zwinge mich was zu essen. Es versammeln sich immer mehr Käfer in meinem Teller, die ess ich gleich mit. Nach fünf Löffeln bin ich so was von satt. Den Rest isst Wolfgang. Das Feuer geht langsam aus und es ist total Finster. Ich schaue in den Himmel und sehe tausende von Sternen! Wieder kommt mir das Alpentheater in den Sinn. In der Schlussszene sagte Anne-Bäbi zu einem Hotelgast der ein Zimmer buchen wollte: "5-Sterne? Ha, wir haben uunzählige...!" Sjoukje sagte uns, dass wir in den Himmel schauen sollen und diese vielen Sterne sehen müssen, auch wenn da kein einziger ist, aber wenn wir sie sehen, dann sehen sie auch das Publikum, nämlich in unseren Augen! Jetzt weiss ich was sie damals meinte. Ich habe noch nie soo viele Sterne gesehen, ich drehe mich auf die Seite und sehe am Horizont genau gleich viele Sterne wie direkt über mir...einfach unbeschreiblich magisch!
Ich möchte die ganze Nacht in den Himmel schauen, doch die Augen fallen einfach zu. 
Ca. Um 03.00 Uhr erwache ich, es ist super kalt und schnell suche ich nach meinem Daunenschlafsack, Wahnsinn, den ganzenTag schwitze ich wie blöd und in der Nacht brauch ich die Daunen!! Da soll mich doch der Geier holen hehe.
Die ersten Sonnenstrahlen wecken uns auf und ein paar Minuten später gehts weiter. Heute müssen wir die ca. 130km bis nach Turkmenabat schaffen! Es sieht ja immer noch gleich aus wie gestern, doch etwas ist gaanz anders...meine Beine sind schwer, sehr schwer! Ab und zu kommt immer wieder ein Schuppen in dem man was trinken oder essen kann. Wir tanken weitere 10 Liter für Heute.
Wolf ist weit voraus und mir ist's schon bald wieder zu heiss. Was seh ich denn da? Ein riesen Hotel in der Wüste? Ist das jetzt echt oder Einbildung? Es ist echt! Wir stürmen rein und setzten uns unter die Klimaanlage, herrlich! Ich frage ob sie ein Lavabo haben, gleich bringt sie mich in ein Zimmer. Unfassbar im Badezimmer hat es sogar eine Badewanne!! Ich will meine Füsse und Arme kühlen, drehe den Hahnen auf...doch da kommt kein Wasser! Ja wie auch, mitten in der Wüste ;)
Schon irre, jedes Zimmer hat eine Wanne, doch Wasser gibt es keines!
Wir pausieren für 4h, es sind noch gute 40km bis zum Ziel! Diese verlangen mir alles ab. Den ganzen Tag siehst Du nichts als ein langer Strich, welcher die Strasse ist und irgendwo am Horizont verschwindet. Ich schaue auf meine Beine wie sie da unten arbeiten, die machen echt einen guten Job! Ich will an etwas denken, doch dies strengt mich an, ich sage immer das gleiche vor mich hin, was einmal eine Lehrerin mir vor der Abschlussprüfung gesagt hat: "Ich muss, ich will, ich kann...ich muss, ich will ich kann". Schön im Takt wiederhole ich diese Worte für ca. 1h
Als ich wieder einmal nach hinten zum Horizont schaue, sieht ja immer noch gleich aus, kommt mir der nächste Blitzgedanke vom Alpentheater. Regieanweisung war: "Schaut immer in die hinterste Reihe, schaut nicht auf den Boden, da findet ihr nichts, ihr müsst ganz weit nach hinten sehen". Meine Augen fixieren einen Punkt am Horizont und erneut habe ich das Gefühl ich fliege :)
Und auf einmal ist sie da, die Stadt Turkmenabat! Wir haben es geschafft, haben den Wind als Freund angesehen, die Sonne als Energie und die Weite als Ziel! Ich bin einfach nur überglücklich, es war eine tolle Erfahrung, die Strecke ist absolut machbar, sie hat mich gebraucht und gefordert doch ich denke nicht, dass es eine Grenzerfahrung war!
Am Abend machen wir uns auf die Suche nach Essen, ungewollt platzen wir in ein Lokal welches für eine Hochzeit gebucht wurde. Spontan wie die Turkmenen sind, laden sie uns gleich zum Mittanzen und Essen ein. Zu lauter, westlicher Musik wird wild getanzt und ausgelassen geschrien. Bier und Vodka wird ohne Ende gebuddelt wie Pfefferminztee. Um Punkt 23.00 Uhr stellt die Musik mitten im Song ab, alles wird innert Minuten zusammengeräumt und die Gäste sind bereits fort noch bevor wir unsere Pizza ala Turkmeni geniessen konnten.
Zurück im Hotel geniesse ich das kühle Nass wie schon lange nicht mehr...
 
 
 
4 Kommentare

Der Pfefferspray ist leer...

So liebe Leute Zuhause, seit ihr parat für diesen Blog? Heute nehme ich euch mit nach Turkmenistan. Ein Land von dem ich erst während meinen Vorbereitungen das erste mal hörte. Das Land wird zu 95% von der Karakumwüste eingenommen, die Hauptstadt ist Ashgabat und den Rest werde ich noch rausfinden.
Da das Visum von Wolfgang erst Morgen beginnt, verabschieden wir uns und werden uns in Ashgabat am Bahnhof wieder treffen.
Um 07.00 Uhr fuhr ich los Richtung Grenze, es sind nur noch 2km auf iranischem Boden... eigentlich schade aber ich bin gespannt wie es auf "neuem" Boden sein wird. Das einzige was ich weiss, es kann mehrere Stunden dauern bis ich diesen Boden betreten darf!
Der Iranische Beamte fragte mich wie es mir gefallen hat im Iran und ob ich denn wieder einmal komme... Insallah! In 10min hatte ich den Ausreisestempel im Pass, bedankte mich und fuhr zu den Turkmenen ohne noch einmal zurück zu schauen.
Nach zwei Psskontrollen kam ich ins Hauptgebäude. Ein Mann hängt ganz gross an der Wand und probiert zu lächeln, dass ist wohl der Präsident. Es scheint nicht besonders viel los zu sein Heute. Ein paar Frauen schleppen grosse Plastiktaschen mit der Aufschrift London durch die Halle bis zum Scanner. Huch, was ist dass denn? Eine Frau im Minijupe? Ohne Kopftuch? Mit einem engen Shirt mit Ausschnitt? Ich bin in Turkmenistan! Schon komisch wie sich z.B. die Kleidung von einem Meter auf den Anderen wechseln kann.
Vorsichtig lege ich das Kopftuch ab, stelle mich direkt unter den Ventilator und geniesse seit langem wieder das Gebläse, welches meinen Kopf kühlt. Einfach herrlich! Ich könnte den ganzen Tag hier stehen bleiben, doch der grosse Mann hinter der getönten Scheibe winkt mir bereits zu. Er schaut meinen Pass ganz genau an und meint ich solle dort drüben auf der Bank warten: "One Minute". Nach einer Stunde fand ich die eine Minute doch sehr lange und mein Magen knurrte. Ich könnte ja mal mein Dosenfisch aus Griechenland auspacken hehe, nein ich will ja nicht unhöflich sein und begnüge mich mit einer Miniroulade zum Frühstück. Nach zwei weiteren Stunden kommt er aus seinem Büro, schliesst dieses ab und gab mir ein Zeichen, dass jetzt Lunch-Time sei. Ich hab ja Zeit... Als er wieder zurück kam, und seine Kartoffelsuppe hoffentlich so richtig genossen hat, passierte wiederum nichts. Langsam aber sicher wird mir langweilig, ich zücke mein Buch aus der Vordertasche und beginne zu lesen.
Es ist immer das gleiche wenn ich lese... spätestens nach einer Seite nicke ich ein. Ich merke wie mir die Augen langsam zufallen, kann ich hier einfach ein Nickerchen machen? Ja wenn er fertig ist mit der mehrstündigen Passkontrolle wird er mich schon wecken! In der Tat, klopft er mit dem Gummiknüppel auf meine Schulter und bittet mich am Schalter nebenan 12 USD zu bezahlen. Der Schalter ist jedoch geschlossen haha! Nach mehrmaligem Klopfen und Läuten kommt die Turkmenin, welche wahrscheinlich ebenfalls ein Mittagschlaf machte, füllt einen Zettel in Russisch aus, den ich anschliessend unterschreiben musste.
Der eine fragte mich in welchem Hotel ich in Ashgabat übernachten werde. Oh, so weit habe ich noch gar nicht gedacht und fragte zurück ob er denn ein günstiges empfehlen könne. "You go Hotel Ashgabat!". Ich darf Maximum eine Nacht in der Stadt bleiben und muss dann direkt weiter nach Tukmenabat...sagte er zumindest, doch die werden das wohl kaum kontrollieren! 
So die erste Station hätten wir geschafft, jetzt die Gepäckkontrolle. Jede Tasche einmal durch den Scanner und anschliessend alles Auspacken, jupii! Der eine Polizist nimmt Freddy, setzt sich auf den Gepäckträger und fährt mit ihm durch die ganze Halle.
Ich habe extra die schmutzige Wäsche wieder zuoberst in die Taschen verteilt, damit ich vor dem Ausräumen verschont bleibe...nützte aber nichts! Zu dritt kontrollieren sie alles ins Detail, von der Ersatzdüse für den Kocher bis hin zum Kettenöl. Ein Mann fragte mich ob ich Waffen dabei habe... common jetzt hat er alles durchsucht und meine Kalaschnikow nicht gefunden?
Dass ich tatsächlich keine Waffe bei mir habe muss ich einen weiteren Zettel unterschreiben, da ich mir nicht sicher bin ob da in russisch auch ein Pfefferspray draufsteht, erwähne ich diesen. Niemand versteht was ein Pfefferspray ist. Russischkenntnisse wären jetzt echt von Vorteil! Mit Pantomimen erkläre ich diesen Pfefferspray und mache mich zum Affen hehe. Ein weiterer wird dazu geholt, er riecht gleich mal daran. No No No! Auch das versteht er nicht und er fordert mich auf zu sprühen. In Berndeutsch sage ich: "Nei, Du Dubel, das isch keis Parfüm!". Das wiederum ist ihm egal und er beginnt zu sprühen! Lotto, er ist wirklich ein Volldubel! Ich nehme Abstand und schaue zu wie immer weniger Gas aus der Dose sprüht, das Ende des Pfeffersprays ist in Sicht! Spray leer und 5 Sekunden später sind alle Polizisten, Passanten und Beamten am Husten. Sie verfluchen die Dose, schmeissen sie weg und ich kann gehen.
Halt! Die eine Frau winkt mich zurück und fragt ob ich verheiratet sei. Als ich Nein sagte, schüttelte sie unverständlich den Kopf und zeigte fragend auf den einen Polizisten... Fazit nach ca. 5h Turkmengrenze: um weitere 12 USD leichter, ein Stempel, ein leerer Pfefferspray, ein Chaos in den Taschen und ein Vorschlag von Big Mama für einen Ehemann, super!
Die Menschenleere Strecke durch Natur Pur bis in die Stadt ist wunderschön. Doch nach ein paar Kilometern fällt mir auf, dass in regelmässigen Abständen immer wieder Kameraa stehen. Es scheint tatsächlich so, dass man hier beobachtet wird. Von weitem sehe ich eine Art weisses Feld vor mir, je näher ich komme, realisiere ich, dass es sich um die Stadt handelt. Der absolute Wahnsinn... riesengrosse Häuser, alle sehen gleich aus und scheinen aus weissem Marmor gebaut zu sein. Die Fünfspurige Strasse ist blitzeblank sauber. Überall sind Statuen vom Präsidenten zu sehen, er liess sie erbauen! Alle 100 Meter steht ein Verkehrspolizist. Die Uniformfarbe ist absolut kult: Violett :)
Ich bin sprachlos, der Reichtum dieses Landes scheint enorm! Ein Violetter hält mich plötzlich an. Das Vorbeifahren mit einem Fahrrad an diesem Gebäude ist untersagt! Aha, gut zu wissen, da ich schon in der Hälfte bin, fragte ich ob ich weiterfahren kann. Nein! Gut, einmal umdrehen und hinter dem Gebäude durchfahren! 
Fotos zu machen war für mich fast unmöglich, da die Polizisten, die ja alle 100 Meter vertreten sind mir ein No-Zeichen zuwinkten. 
Nach zwei Stunden herumirren durch die weisse Stadt fand ich das angeblich günstige Hotel in welchem ich für die Nacht bleiben muss. Die Dame hinter der Rezeption nervt sich gleich mal, dass ich kein russisch kann und bietet mir das einzig freie Zimmer für 80 USD an, waaas? Geht ja gar nicht! Es gäbe noch ein anderes Hotel am Stadtrande, ca. 7km von hier. Das ist meine letzte Chance. Ich habe Hunger und Durst, kann aber keinen Laden finden. Alles ist so steril, auf der Strasse wird auch nichts verkauft.
Vielleicht gibt es ja im Hotel eine Küche... Dort angekommen stehen sechs Herren an der Treppe und schauen mir zu, wie ich Tasche um Tasche hoch trage. Ja wenn's schon mal was zu sehen gibt, dann glotzt ruhig, wie gesagt ich habe Zeit, auch wenn ich eine Stunde brauche! Der Zimmerpreis ist deutlich günstiger pha 50USD!! 
Mit diesem Geld kann ich 2 Wochen durch den Irans reisen, Essen inbegriffen! Soviel werde ich nicht bezahlen! Also setzte ich mich zuerst einmal hin und schaute die Bestellbroschüre für den Hotelbedarf an. Seifen in allen Formen, Zahnpastas, Schampoo's in diverse Fruchtgeschmäcker, Kämme und so...
Schwupps sitzt der Wellensittich auf meinem Knie, vielleicht versteht er ja ein wenig Englisch, ich beginne mit ihm zu reden worauf er gleich mal auf meine Hose macht, hmpf. Ich suche nach einer Serviette um mir das Geschäft von Herrn Vogel wegzuwischen, finde keine und brauche somit mein letztes Wc-Papier. Neuen Mutes, ging ich zur Rezeption und versuchte den Preis runterzuhandeln, bei 40USD zeigte ich noch den weissen Flecken und dank des Schiss vom Hotel Vogel hab ich's auf 35USD gebracht ;)
Eine Küche hat das Hotel nicht aber sie würden mir beim Lieferservice was bestellen. Nach 1h bekam ich einen kalten Burger auf's Zimmer. Ich sitze auf meinem Bett, bin einfach nur müde, stinke, bin dreckig und frage mich ob es tatsächlich möglich ist nach diesem anstrengenden Tag mich mit einem Burger zufrieden geben zu müssen?
Ich falle in meinen Gedanken in Selbstmitleid, muss weinen. Warum? Das weiss ich auch nicht, vielleicht bin ich manchmal überfordert! Doch ich weiss auch, dass sich diese Situation wieder legt und ich am nächsten Tag darüber lachen kann :)
Zur Ablenkung schalte ich den Fernseher an. Ach ja, Satellitenschüsseln für Fernseher sind hier verboten. Die Begründung des Präsidenten lautet, es verschandle die Fassade von Gebäuden. Doch verschiedene Organisationen für Menschenrechte sagen, damit werde das Volk von der Aussenwelt abgeschnitten. Vor jeder Sendung ist auch der Präsident zu sehen wir er an seinem Schreibtischs sitzt. In der Rangliste der Pressefreiheit ist Turkmenistan an zweitletzter Stelle vor Nord-Korea.
Ich habe fünf Tage in diesem Land, schlichtweg zu kurz, für mich zählt hier eigentlich nur eins: Die 250km durch die Karakum-Wüste zu schaffen und rechtzeitig das Land zu verlassen!
Am nächsten Morgen bin ich schon früh auf den Beinen, Frühstück gibt es hier übrigens auch nicht. Mein Plan für Heute: ein Zugticket für Wolfgang und mich zu organisieren. Den Vokzal (Bahnhof) finde ich relativ schnell. Bei uns ist der Billetschalter von Morgens bis Abends geöffnet...hier sieht das ein wenige anders aus. Der Schalter öffnet um 13.00-15.00 Uhr. Bereits um 11.00 Uhr stehen die Leute vor verschlossener Türe in der Schlange. Ich stelle mich hinten an, die Sonne brennt und ich sehe die Schweissperlen die dem Herrn vor mir den Hals runterlaufen. Ich schaue auf die Uhr und zähle wieviele Perlen in fünf Minuten runter kugeln, es waren 26. Ja irgendetwas muss ich ja tun, lesen ist unmöglich, erstens würde ich einnicken und zweitens stehen wir so eng aneinander, dass ich das Buch senkrecht halten müsste!
Als nach zwei Stunden die uniformierte Dame die Tür öffnete, stürmten alle wie wilde Tiere auf den Schalter zu. Freddy lasse ich draussen auf dem Perron, nicht abgeschlossen! Dass Dir hier was geklaut wird ist unwahrscheinlich. 
Die höchst unfreundliche Dame am Schalter winkt mich ab, bevor ich was sagen konnte. Hinter mir drücken sie mich beinahe durch die Fensterlucke durch. Als ich sagte: "Billet, Ticket to Mary" meinte sie trocken: "Niet". Es scheint so, dass ich hier kein Ticket kaufen kann. Meine Nerven!! Jetzt brauch ich zuerst mal ein Eis! Eine junge Turkmenin setzt sich neben mich und fragt ob alles in Ordnung sei. Sie erklärt mir, dass ein Zugticket immer fünf Tage im Voraus gebucht werden muss! Hahahaha, da hast du ein 5-Tages Visum, willst am zweiten Tag ein Ticket lösen welches du....ach ich hör auf jetzt wird's kompliziert :)
Plötzlich ruft eine Stimme hinter mir meinen Namen. Oh es tut so gut Wolfgang zu sehen! Wir essen gleich ein Eis, mein zweites hehe.
Ein Mann setzt sich zu uns, er spricht etwa soviel Englisch wie wir zusammen Russisch. Er meinte, wenn der Zug einfährt könnte er probieren für uns ein Ticket direkt beim Zug zu organisieren. Super, das probieren wir. 
Der Gepäckwagen ist der zweitletzte, der letzte ist der Gefangenenwagen. Es ging alles ganz schnell...zu schnell! Wir mussten warten bis alle Gefangenen vom Laster in dem Wagon abgefertigt wurden.
Der Mann springt uns entgegen mit einem Fötzel, welcher das Ticket für Bikes ist, er braucht schnell unsere Pässe. Wir laden alles ein, die Tür geht zu und wir rennen zu unserem Ticketorganisator. Ticket und Pass in der Hand rennen wir zur Türe des zweiten Wagons, dieser lässt uns nicht rein, weil es anscheinend keinen Platz mehr hat! Schnell zum nächsten Wagon, auch kein Platz! Meine Nerven! Der eine pfeifft schon und gibt das ok zum abfahren. Wir kommen einfach nicht in diesen Zug!
Zurück rennen zum Gepäckwagon, wir müssen unsere Bikes mit Gepäck wieder kriegen, doch auch dieser Herr will die Türe nicht mehr öffnen! Scheisse! Jetzt hilft nur noch eins, Weinen! Das ist meistens noch das letzte Mittel um etwas zu kriegen!
Weil das Gegenüber dann plötzlich Mitleid hat! Und jawohl, es hat geklappt! Der Herr beruhigte mich, öffnete schnell die Türe, alles wurde zack, zack rausgeschmissen, der Zug fährt davon und wir sind wieder gleich weit wie zuvor. Doch das wichtigste ist, dass wir alles Material wieder haben. Uff! Jetzt brauch ich erst mal ein Eis, mein Drittes!
Wir legen uns auf dem Perron in den Schatten und denken nach. Es ist wirklich nicht möglich über 700km in nun vier Tagen zu radeln! 
Ein weiterer Turkmene kommt zu uns und meinte wir sollen ihm nachfahren bis zum "Büslibahnhof". Wir verhandeln den Preis und zahlen pro Person 12USD bis Mary, die Fahrt dauert 6h weil die Strasse in sehr schlechtem Zustand ist.
Mitten in der Nacht kommen wir am Vokzal in Mary an. Ich hab jetzt dann genug von Vokzal's! Einmal mehr sind wir Hundemüde und schlafen vor dem Schlachthaus auf dem Boden. Morgen wollen wir um 05.00 Uhr los, es gilt 120km zu schaffen und es wird ziemlich heiss, aber vielleicht gibt's ja ein Eisstand mitten in der Wüste?!
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