44. Blog...Titellos

Einfach immer Geradeaus...Vorwaerts!
Einfach immer Geradeaus...Vorwaerts!
Wie schon erwähnt, sind wir nun schwupps in Laos angekommen. Ihr seht wir sind zackig unterwegs...ja, ja mir geht es nun auch ein wenig zu schnell, aber was tun? Ab jetzt habe ich wieder einen Zeitplan. Innert zwei weiteren Tagen war ich um 17.30 Uhr an der thailändischen Grenze. Normalerweise bringt einem ein kleines Boot über den Fluss, doch um 18.00 Uhr schliesst diese Grenze. Ein Laote erklärte mir, dass vor drei Tagen die neue Friendship Brücke, 10 Kilometer südwärts eröffnet wurde und dieser Grenzübergang bis 22.00 Uhr geöffnet sei.
Ja prima, dann nichts wie los. Es regnete sehr stark und wie ein dreckiger Waschlappen checkte ich aus Laos aus. Die Beamten meinten dann, ich dürfe nicht mit meinem Fahrrad über die Brücke fahren, ich müsse ein Ticket für den Shuttlebus kaufen! Was jetzt? Im ernst?
Ich will doch auf meinem Göppeli über den Mekong fahren, liebe Leute, lasst mir doch den Spass, gopfnomau! Da es erst 19.00 Uhr war, hatte ich noch 90 Minuten Zeit um bockig zu tun! Ob ihr's nun glaubt oder nicht, aber die Beamten fragten den Oberbeamten und dieser telefonierte seinem Oberoberbeamten in Vientiane, ob denn nun eine durchnässte Radlerin, bei völliger Dunkelheit, alleine über diese neue Brücke fahren duerfe. Er willigte mit einem Kompromiss ein...ich musste ein Busticket kaufen, durfte aber selber drüber radeln, hahaha, was für ein Spass! Das klingt sich jetzt alles ein bisschen stur meinerseits an, aber manchmal tut ein bisschen stur und frech sein doch auch ganz gut...immer dieses brave Getue an den Grenzen gurkt mich langsam an!
Frech sein! Warum nicht??
Es war ein grandioses Gefühl über den Mekong zu Pedalen, was für ein Fluss! Er entspringt im Hochland Tibets, ist ca. 4500 Kilometer lang und mündet in Vietnam ins Südchinesische Meer. Der 10t längste Fluss der Erde, eine gewaltige Lebensader!
Die Thailänder machten grosse Augen und zündeten schon von weitem mit Scheinwerfern auf mich. Herzlich wurde ich begrüsst und sie sagten mir, dass dies nun eine Premiere sei...wer weiss, was die den ganzen Tag lang sonst noch so sagen...
Auch sie telefonierten gleich nach Bangkok und fragten nach, ob dies jetzt mit rechten Dingen zu und her gegangen sei. Diese Telefoniererei spät Abends!
15 Tage Thailand: 800 Kilometer bis Bangkok, Rad verpacken, Weihnachten feiern, Blog schreiben, Radlerfreunde aus der Schweiz und Schweden treffen, Buch fertig lesen und Mails beantworten, uff uff uff, das wird knapp.
Jetzt aber erstmals eine Unterkunft finden und Morgen ordentlich südwärts fahren. Doch dieser Abend nahm einen traurigen Verlauf...als ich Geraldine in facebook eine Nachricht schreiben wollte, waren da lauter Kommentare wie: Du bist stark, wir beten für Dich, Du schaffst das. Ich war total verwirrt und schrieb sofort eine private Nachricht und fragte nach, was denn los sei.
Ihre beste Freundin antwortete mir, Geraldine erlitt gestern in Hanoi ein Aneurysma im Gehirn.
Sie hat seit gestern das Bewusstsein nich wieder erreicht, die Kinder werden Morgen nach Hanoi fliegen. Ihre Freundin schrieb, dass Geraldine so happy war und ihr noch Fotos von der Halong Bucht gezeigt hatte.
Ich war schockiert und erstarrte. Hatte eine schlaflose Nacht, sendete all meine positiven Gedanken zu Geraldine, zündete eine Kerze für sie an und betete.
Als es hell war fuhr ich los. Ass eine Banane und radelte 130 Kilometer am Stück durch, ich vergass das ich unterwegs war, denn meine Gedanken waren anderswo. Eine Situation die mich fast zerriss, wollte es jemandem erzählen, war aber niemand da. Am nächsten Morgen schrieb mir Geraldines Freundin die letzte Nachricht...
Geraldine sei in der vergangenen Nacht, in einem Spital in Hanoi gestorben...
 
 
 
Ich sass in meinem Zimmer, schaute nach draussen und sah dem Regen zu... ich kenne jemand, der pflegt zu sagen:  „Zwischen Leben und Tod liegt nur eine dünne Haut, wie aus Pergament, und man weiss nie, wann sie durchbricht.“
Dieser Satz und die ganze Geschichte in einem detaillierten Mail, half mir aus dieser Traurigkeit zu kommen. Geraldine war glücklich in den letzten Tagen und ich denke, das war ganz wichtig! Auf meiner Reise habe ich unzählige Male Abschied genommen von Menschen die mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind, jetzt gab's auch noch einen Abschied für immer!
Es fällt mir schwer das ganze irgendwie in Worte zu fassen, so dass ihr das an einem weit entfernten Punkt auf dieser Erde so überkommt wie ich es meine.
Was in den nächsten zwei Tagen geschah war unglaublich...seit langem wieder schien die Sonne am nächsten Morgen, der Himmel war stahlblau, die Luft klar!
Ich sagte zu Geraldine: "Komm setz Dich auf meinen Gepäckträger, da hat es noch genügend Platz. Geniesse die Fahrt und wenn's denn Berg hoch geht bin ich froh wenn Du ein wenig Schieben kannst und warne mich vor den grossen Laster die zum Überholen ansetzen, einverstanden?". Kaum habe ich diese Worte gesagt, überholte mich ein Mopedfahrer, fuhr auf meiner Höhe weiter und sagte: "Helloo, very good, very good, bye, bye". Ich musste einfach nur Grinsen und wusste, das Geraldine die Fahrt geniesst!
So konnte ich irgendwie Abschied nehmen. Am nächsten Morgen als ich bereits 20 Kilometer gefahren bin sagte ich: "So Geraldine, ich glaube Du musst jetzt weiter gehen, es war mir eine Ehre, mit Dir ein Stück weit durch die Gegend zu fahren. Danke, dass ich Dir, einem so wunderbaren Menschen begegnen durfte, bis irgendwann, irgendwo, byeeee, byee".
Ganz langsam fuhr ich weiter und keine 200 Meter nach dem ich diese Gedanken laut vor mich hin sagte...hatte ich meinen zweiten Platten...! Mir fehlen die Worte...wohl magische Momente oder so?!
Ich begann den ganzen Karsumpel abzuladen und schon hielt ein Pickup an. Ein Herr stieg aus und bot mir an mich bis in die nächste Stadt mitzunehmen, er müsse einfach noch zuerst seine Kinder von der Schule abholen, danach könne ich in seiner Familie übernachten! Mann o mann was für ein Tag!
Er ist Mathelehrer an der nahegelegenen Universität und hat drei aufgeweckte Kids. Zur Feier des Tages lud er die ganze Familie und mich in ein Restaurant zum Abendessen ein. Einmal mehr durfte ich Gastfreundschaft aus tiefstem Herzen erleben, z.B. durfte ich als Erste die Dusche benützen (ist ja nicht selbstverständlich, gell Amba:), kaum aus der Dusche wurde im Büro der Platz geräumt, dass ich den Computer benützen konnte und Freddy wurde zur Sicherheit nicht hinter dem verriegelten Tor, sondern in der Stube parkiert. Ist doch einfach unglaublich nett!!
Nach einer kurzen Nacht, die Kids müssen bereits um 05.30 Uhr in der Schule sein, wollte er mit mir eine Ausfahrt mit seinem Dreigänger machen. Satte 40 Kilometer sind wir um die Stadt geradelt und er hat mir alles gezeigt was es in Nakhon Sawan zu sehen gibt: die Fischzucht, die absurde Affenshow, den Park, 10 Kilometer dem Fluss entlang, der Tempel auf dem Berg, den Veloshop und im besten Nudelsuppen-Laden zahlte er mir noch eine Bowle voller Chinese Noodels :)
Es war bereits Mittag als ich langsam aber sicher zu meiner eigentlichen Abfahrt drängte, nach "Zeitplan" sollte ich Heute noch 100 Kilometer fahren. Er lud dann sein verrostetes Möbel auf's Auto und fuhr mir noch 20 Kilometer mit dem Auto voraus.
Nach 20 Kilometern kam nämlich ein Pool-Geschäft. Die Inhaberin war einmal seine Schülerin. Er gab mir ein Handzeichen, dass ich dort ranfahren sollte. Also gut.
Als er der Pool-Frau von meiner Tour erzählte, war diese hell begeistert und bot mir gleich an, das ich im Pool welches direkt neben dem Highway ausgestellt ist, schwimmen gehen könnte. Hihi, wie lustig, schwimmen neben dem Verkehr, welcher nach Bangkok fährt. Ich hab dann aber doch abgelehnt und wollte eigentlich weiter.
Sie rannte blitzschnell nach hinten ins Kämmerchen und kam ganz stolz mit einem grossen Lachen wieder nach vorne und schenkte mir ein blaues Poloshirt mit ihrem Pool-Logo darauf. Wirklich ein schönes Shirt. Naja vielleicht ein bisschen zu warm und zu schwer, werde wohl mit Übergepäck einchecken müssen!
Zum Abschied gab sie mir noch 2 Liter Wasser...natürlich nicht aus ihrem Pool und alle winkten mir nach.
Wieder kommt mir der Satz in den Sinn:  „Zwischen Leben und Tod liegt nur eine dünne Haut, wie aus Pergament, und man weiss nie, wann sie durchbricht". Ja, gestern Morgen beschäftigte mich der Tod von Geraldine sehr, war irgendwie einsam...Heute wieder das absolut, pure Gegenteil. Es waren ein paar Stunden in dieser Familie voller Leben und Energie. Da liegt tatsächlich eine dünne Haut dazwischen!
Der folgende Tag war auch irgendwie speziell...vor einem Jahr waren wir zu viert in Thailand in den Ferien, Mama war auch dabei. Wir besuchten die alte Königsstadt Ayutthaya. Fast genau 1 Jahr später bin ich wieder in Ayutthaya und was für eine Zahl steht auf meinem Kilometerzähler?
10'000 Km Total! Sieht echt cool aus, die fünf Zahlen da vor meiner Nase ;)
Nach einem weiteren Fahrtag erreichte ich Bangkok und kam mitten in die Demonstrationen hinein. Während dem Fahren wurden mir Trillerpfeifen und Fähnchen zugesteckt. Satte 3 Stunden brauchte ich für die Stadteinfahrt. Auf direktem Weg fuhr ich zu Frau Supaporn, sie hortete ja meine grosse Tasche mit dem Zelt und dem warmem Daunenschlafsack. Auch sie eine Lehrerin, der ich blind mein Zeugs über drei Monate anvertrauen konnte.
Noch am selben Abend organisierte ich eine grosse Kartonbox für mein Fahrrad und traf spät Abends noch Wey und Joakim. Das letzte Mal habe ich sie in Samarkand, Usbekistan gesehen.
Sie radelten von Göteborg, Schweden bis nach Bangkok, unter anderem durchquerten sie die fast 2000 Kilometer lange Taklamakan-Wüste in China. Das Wiedersehen war grossartig und wir hatten uns viele Erlebnisse zu berichten.
Joakim half mir noch die Pedale abzuschrauben, das hat immer ein bisschen hart weil sich die Pedale während dem Fahren immer mehr anziehen, also einschrauben oder wie sagt man dem wohl in Fachsprache? Ihr wisst schon was ich meine, ach ist ja eigentlich gar nicht so wichtig, trotzdem war ich super froh, hat er mir das gemacht. Morgen ist glaub ich Weihnachten...was tun?
Und einmal mehr, ergibt sich was sich ergeben musste :)
Nadja und Pascal aus Bern, welche ich ja in Vietnam getroffen habe, sind auch gerade in Bangkok und wir machen zusammen ab, um gemeinsam ein gutes, richtiges, währschaftes, gigantisch, grosses Weihnachtsmenue vielleicht sogar mit Dessert mit Doppelrahm zu geniessen. Einfach toll! Freue mich sehr.
Früh Morgens bin ich auf den Beinen um an diesem Weihnachtstag noch ein Päckli einzupacken...siiicher ein grosses Päckli, umwickelt mit viel Klebeband. Genau der Göppel wird zerlegt und verpackt, damit ich dann in Kathmanduli was auszupacken habe. Früher waren es Lego's oder Bäbihäuser die ich zusammenbaute, Heute ist's eben ein Fahrrad höhö.
Nachdem alles verpackt war und ich realisierte das ich ca. 30 Kilogramm Übergepäck habe, wurde mir übel und somit war es Zeit für das Weihnachtsessen.
Hey ihr zwei Berner Radlerfreunde, es war ein toller Abend mit euch, das Fonduetreffen im 2015 rückt näher :) ich kann oder darf glaub gar nicht schreiben was wir an diesem Abend alles verdrückten, aber die white chocolate ice cream with crunchy honeycomb candy pieces and a caramel ribbon und die classic Chocolate loaded with chocolate cookie pieces and a crunchy fudge crackle ribbon Glaces waren einfach lecker schmecker höhö, gibt's wohl nur in Bangoggeli!
 
Und schon hiess es bye, bye Süd-Ost-Asien! Ein grandioser Fleck Erde für eine Fahrradtour...seeehr empfehlenswert! Doch das Bye, bye war nicht ganz einfach..um möglichst Gewicht einzusparen habe ich beinahe alle Kleider samt Poolshirt und Velopolsterhosen angezogen, Thermowäsche, Pulli, Gilet, Daunenjacke, Regenjacke, Helm unter den Arm... und schon am Morgen war es 30 Grad.
Ich schwitzte wie damals bei 50 Grad in der Turkmenischen Karakum-Wüste!
Das Handgepäck war 12 statt erlaubte 7 Kilo schwer, einfach nichts anmerken lassen und möglichst elegant in den Klick-Velo Schuhen zum Check-In Schalter täppelen. Dank dem umständlichen Kleidertragen und endlosem Schwitzen hatte ich nur noch 20 Kilogramm zuviel.
Pro Kilo 10 Dollar sagte die überfreundliche Thaidame mit einem Lächeln. Jetzt hiess es, die Mitleidsmiene aufsetzten und Jammern. Da sie gut gelaunt war und dann auch tatsächlich Mitleid hatte, hihi, verlangte sie nur 8 Kilo Übergewicht-Preis.
Super, Dankeschön und Adieu Merci!
Fly Thai ;)
 
Nun geht die Reise weiter...sie beginnt nun bald ein Ende zu nehmen. In ein paar Tagen werde ich die letzte Etappe fahren und mein Ziel erreichen... Es ist ein ganz, ganz komisches Gefühl...
 
Ja, mein Rückflug in die Schweiz ist gebucht. Und das ist gut so!
Die Tibetische Familie in Pokhara war von Anfang an mein final goal, mein Ziel...ich möchte vorerst kein weiteres anhängen...doch halt es gibt noch eines...dort wo meine Reise begonnen hat, dort ist das Ziel, im wunderschönen Kiental.
Von Zürich aus werde ich noch bis in's Kiental fahren und dort am Samstag den 1. März um ca. 14.00 Uhr den letzten und wohl wichtigsten Kilometer bis vor's Tanzstudio fahren.
 
Doch nach dem Flug nach Kathmandu und vor dem Rückflug ist noch ein weiterer Flug gebucht...ich platze fast vor Freude und kann es kaum erwarten....
Mama kommt mich abholen!!!!!
Wahnsinn gell! Am 25. Januar landet sie in Kathmandu! Wow sieht dieser Satz cool aus.Weil's so schön tönt noch einmal: Am 25. Januar landet Mama in Kathmandu! Zusammen werden wir noch + - einen Monat, ohne Fahrrad, (sorry Freddy) in Nepal und Nordindien umher Reisen und zusammen diese Zeit geniessen...can't wait! Ich vermisse sie sehr und ich freue mich enorm, dass sie die Familie kennenlernt.
Bis bald Mama...
7 Kommentare

Das grosse Los: Zeitlos!

Oh Du gute Frau, ganz schoen beladen Heute morgen! Auch ganz huebsch mit den Socken in den Flip Flops hahaha
Oh Du gute Frau, ganz schoen beladen Heute morgen! Auch ganz huebsch mit den Socken in den Flip Flops hahaha
Oh wie habe ich mich schon lange auf die nächste Tagesetappe gefreut! Sie führt über den bekannten Wolkenpass! Mal schauen was die Beine dazu meinen, die haben sich ja schon an die Ebene gewöhnt...
Als ich um 07.00 Uhr aus dem Fenster blickte...regnete es in strömen! Langsam aber sicher stieg meine Motivation in das Untergeschoss ab! Seit über einer Woche regnete es. Nun gut, ich will unbedingt über diesen Wolkenpass fahren und fuhr einfach los. Da ich mich nicht mehr motivieren konnte, schaltete ich um auf Gleichgültigkeit. Mit diesem Gefühl kann ich mich selber irgendwie überlisten, es muss mich also nicht angurken, freue mich aber auch nicht...es ist einfach eine Tagesfahrt von 125 Kilometer die ich fahren werde und am Abend angekomme...so einfach ist das. Ein Punkt wo ich das gemeinsame Unterwegs sein bevorzugen würde...man könnte sich gegenseitig motivieren!
Es führt auch ein Tunnel durch den Berg, aber die Aussicht soll angeblich traumhaft sein von der Passhöhe aus. Mal sehen ob ich denn was sehe! Kurz nach dem Ansstieg, ratterte es ganz gewaltig im Getriebe, es hörte sich gar nicht gut an. Als ich schalten wollte, ging plötzlich gar nichts mehr. Die Kette viel raus. Hab sie wieder eingehängt und alles prüfend angeschaut...hmmm ich seh nichts komisches...viel Dreck aber sonst sah das alles ganz normal aus! Mist, ich konnte nicht mehr Schalten...ziemlich dumm am Berg! Da ich dieses Problem nicht beheben konnte, fuhr ich halt im Eingänger dem Wolkenpass entgegen...soo steil war's ja auch nicht ;)
Doch die Sicht wurde von Minute zu Minute schlechter. Als ich in der Hälfte war, sah ich gerade noch 5 Meter weit. Wie weit noch bis oben? Haha keine Ahnung, aber der Pass machte seinem Namen alle Ehre! Oben angekommen warteten schon die Verkaufswütigen Damen mit ihren Souvenirs...kein Platz für Souvenirs! Es war nicht gerade mein Tag! Der Verkehr stresste mich sehr, wurde immer wieder von den Lastwägen von der Strasse in den Strassengraben hinunter gehupt. Bei der Abfahrt hat sich das Schaltproblem bei zigmaligem durchschalten von selbst gelöst! Bei völliger Dunkelheit kam ich endlich in Hue an...es war ein langer Tag und ich habe mich noch an jenem Abend entschieden, dass ich von hier aus den Bus bis nach Hanoi nehmen werde.
Basta! Bis zu einem gewissen Punkt bin ich der Meinung, sollte man durchbeissen...aber ich hatte genug, ein Vorwärtskommen wurde immer schwieriger und ich war mit meinem Selbstmotivationslatein am Ende.
Ich fand ein hübsches Zimmer und am nächsten Tag hatte ich somit genügend Zeit Fotos von Kambodscha hochzuladen. Dies dauerte ca. 4 Stunden. Das nächste Mal werde ich mich auf Freddy vor den PC setzen, so wie auf einem Melchstuhl...der ist vieeel bequemer, als so ein gepolsterter Stuhl.
Also mit der Geschwindigkeit des Internets sind wir Zuhause ja schon sehr verwöhnt!!! Hier kann es schon einige Minuten dauern bis es eine Seite geladen hat...dafür haben sie einfach überall, sogar im hintersten Busch und in jeder Reisbude, offenes, freies Internet. Z.B wenn ich ein Bild beschriften will...schreibe ich den Text in das kleine Feldchen und ca. erst 20 Sekunden später wird der Text vom Computer geschrieben, das ist immer lustig und sehr langweilig.
Der Besuch der verbotenen Stadt hat mich sehr beeindruckt, sie wurde nach dem Vorbild von Peking gebaut...einfach ein bisschen kleiner! Durch den Krieg wurde Vietnam extrem verwüstet, es war eines der ärmsten Länder...doch durch Fleiss und Ehrgeiz hat sich das Land in eine stabile Nation verwandelt. Aber...die Korruption ist extrem...sei es für einen Termin im Krankenhaus oder für einen Internetanschluss, für alles bezahlt man Schmiergeld!
Noch am selben Abend nahm ich den Sleepingbus bis nach Dong Hoi. Um 03.00 Uhr Morgens kamen wir an und als einzige stieg ich aus dem Bus. So stand ich mitten in der Nacht auf der Strasse und hoffte, dass ich eine Unterkunft finden werde. Ich buche nie zuvor, es geht immer irgendwie :)
Es herrschte absolute Stille auf der Strasse, keine Autos, kein Licht nur die schwarze Katze die gemütlich ihre Runden drehte. Ich genoss die Ruhe, die Dunkelheit und fuhr noch ein paar Kilometer in die Nacht hinein. In einem Guesthouse brannte noch Licht, durch die Scheibe sah ich, wie der Herr gerade die Fische im Aquarium fütterte. Die bekommen aber ziemlich früh ihr Frühstück über...oder konnte er wohl nicht schlafen?
Er hatte noch ein Zimmer frei und ich konnte Einchecken. Nach einem dreistündigen Turboschlaf war ich parat für einen Ausflug zu den Höhlen im nahegelegenen Nationalpark. Eine davon war die Paradise-Cave. 2005 wurde sie von einem Einheimischen entdeckt, sie ist 31 Kilometer lang! Das ist doch unglaublich! Was sich dort unter der Erde für ein Schatz versteckt. Es ist kaum in Worte zu fassen, Bilder sagen hier definitiv mehr! Und immer wenn ich so etwas wunderbares sehe, fühle ich mich klein wie ein Sandkorn auf dieser Welt.
Da mein Visum bald ausläuft, kam ich ein wenig in Zeitnot, noch am selben Abend nahm ich den Nachtbus bis nach Hanoi. Schon komisch im Bus...ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich verpasse etwas. Noch vor Sonnenaufgang erreichten wir die Hauptstadt Vietnams. Husch, husch holte ich meinen Göppel an die frisch verstaubte Luft und jedem Taxifahrer der mich zu einem Hotel bringen wollte, konnte ich einen Korb geben :)
Zuhause ist es doch Luxus, ein Taxi zu nehmen...für mich ist es hier Luxus, dass ich kein Taxi nehmen muss!
Es waren ca. 10 Kilometer bis zum Guesthouse. Erneut ist etwas mit der Schaltung nicht in Ordnung und die Bremsen sind auch einmal mehr runtergebremst :) Die Bremsen hatte ich schnell gewechselt doch das Schaltproblem konnte ich leider nicht selber beheben. In Hanoi gibt es bestimmt einen guten Mechaniker.
Haha, in Hanoi gibt es noch mehr als Mechaniker...es gibt hier einfach ALLES! Noch extremer als in Saigon wird hier jeder Millimeter genutzt. 24h wird nonstop verkauft, gekauft, gehandelt, gegessen und Haare geschnitten. An jeder Strassenecke gibt es einen Coiffeur. Ausgerüstet mit einem Stuhl und einer Scheere schneiden sie im Minutentakt eine neue Frise.
Ich ging eine der tausend Strassen entlang und schaute dem Geschehen zu und dank dem, dass ich mich verlaufen habe, fand ich wohl den besten Fahrradmechaniker der Stadt. Der einzige der Hydraulische Bremsen anbietet, Merida Bikes verkauft und mit einem strahlenden Lächeln mein Göppel betrachtete. Er war wohl erstaunt, dass nicht nur ein Merida sondern auch ein Tout Terrain Fahrrad einiges aushält hahaha.
Da ich die nächsten drei Tage in der Halong Bay sein werde, konnte ich es über diese Zeit gerade in seinem Laden lassen. Da hat Freddy auch wieder mal Gesellschaft, der gute Herr verkauft nämlich auch Brooks-Sättel aus England.
Wenn man in Vietnam ist, gehört die Halong-Bucht schon fast zum Pflichtprogramm! Es ist nichts neues, dass es von Touristen überfüllt ist, doch dieser Platz auf Erden wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sie liegt im Golf von Tonkin und ist ca. 1500km2 gross. Beinahe 2000 Kalkfelsen ragen in die Höhe. James Bond hatte hier auch schon einen Einsatz.
Wir waren eine Touri- Gruppe von 13 neugierigen  Weltenbummlern. Darunter auch ein Paar aus der Schweiz und Geraldine aus England. Sie war die älteste der Gruppe und arbeitet als Personal Trainerin. Als wir ins Gespräch kamen, war sie sofort total interessiert an meiner Reise. Sie wollte alles genau bis ins Detail wissen. Als ich dann sagte, dass ich nicht unbedingt der absolute Sportstyp sei, sagte sie sofort: "Weisst Du, ich habe schon so viele Menschen trainiert, Schwimmer, Boxer, Läufer usw. die können noch so fit sein, doch wenn es im Kopf nicht stimmt dann wird ein Sieg schwierig!".
Da hat sie absolut recht, auch wenn es bei mir um keinen Sieg oder eine sportliche Leistung geht, es ist der Wille und die Motivation, die mir übrigens meistens die Menschen mit z.B. mit einem Lachen oder einem Zuwinken gaben, mich weitergebracht haben.
 
Zurück zur Halong, nach einer Höhlenbesichtigung, einem kleinen Trekking und dem Kayakprogramm genossen wir den Sonnenuntergang. Den Sonnenuntergang...einen Moment den alle mit ihren liebsten genossen, mein liebster, also mein Göppeli ist ja in Hanoi :)
Da Geraldine und ich die einzigen Singles in der Gruppe waren, sassen wir gemeinsam auf's Mäuerchen und sie erzählte mir ihre Familiengeschichte, wie stolz, dass sie auf ihre Tochter und ihren Sohn sei und wie glücklich sie sei, 4 Wochen Ferien zu haben und an diesem schönen Fleck auf dieser Welt sein zu können.
Am nächsten Tag erkundeten wir verschiedene Inseln und am Abend splittete sich die Gruppe in drei. Die einten gingen wieder zurück nach Hanoi, diejenigen die mehr bezahlten wurden in ein Hotel geschifft, Geraldine und ich waren die einzigen die, die günstigere Variante buchten und somit auf einer Insel, in einem Bungalow übernachteten. Am Nachmittag setzte ich mich in ein Kayak und paddelte los, auch mal schön zu Paddeln anstatt zu Pedalen :)
Ich genoss die Stille und die endlose Freiheit. Alleine im Boot zu sitzen war zwar nicht soo amüsant, doch an diesem Nachmittag spiegelte sich meine Reise direkt vor meinen Augen. Als ich das Kayak drehte um zurück zur Insel zu gelangen war die Ebbe bereits gekommen. Das hiess ich konnte nicht den gleichen Weg zurück, ich musste weiter hinaus, wo die Wellen ein bisschen stärker waren, um einen grossen Fels herum und von der anderen Seite in Richtung Insel paddeln.
So auch auf meiner Tour, um wieder nach Hause zu kommen, konnte ich nicht rückwärts gehen...ich musste wohl weit weg, in unbekannte, mir neue Welten mit hohen Wellen die mir den Weg zeigten, dass ich nächsten März "Ankommen" kann. Immer wie mehr mache ich mir solche Gedanken und langsam wird mir bewusst, dass eine solche Reise nicht nur ein Abenteuer ist, sondern eine Lebensschule. eine Lebensschule die mich wohl Dinge lehrte, die ich vielleicht erst viel später realisieren werde. So genug Psycho für Heute :)
Zurück in Hanoi verabschiedete ich mich von Geraldine und es ist einfach schön, wenn man so lange alleine unterwegs ist und dann jemanden trifft, mit dem man sich innert Minuten sehr gut versteht und die Gedanken anvertrauen kann. Ihre beste Freundin wird Morgen in Hanoi landen und die Zwei werden noch eine Woche gemeinsam reisen.
Meine Reise wird nun sehr zackig weiter gehen, da mein Visum übermorgen abläuft. Mit einer 30 stündigen Busfahrt werde ich mich nach Luang Prabang in Laos katapultieren lassen. Dort war ich ja mit Fabienne schon unterwegs, deshalb werde ich dort nur kurz halt machen und per Boot in zwei Tagen an die Thailändische Grenze hoch tuckern um dann noch 800 Kilometer in 8 Tagen bis nach Bangkok radeln, um rechtzeitig meinen Flieger für nach Kathmandu zu erwischen.
Jaja, ihr seht, hat man ein fixes Datum für etwas, z.B. Einen Flug, muss man sich sofort anpassen und die Zeit spielt plötzlich eine wichtige Rolle. Bis jetzt konnte ich Zeitlos herumgondeln, weiss oft nicht was für ein Tag oder was für Zeit überhaupt ist.
Die Zeit zu haben, mit dem Fahrrad anzuhalten wann und wo es mir passt und so lange die Aussicht oder einen Kaffe zu geniessen ohne auf eine Uhr schauen zu müssen, dann weiter zu gehen wenn es "Zeit" ist, das ist doch wahrer Luxus...oder?? Während der Arbeit Zuhause, ist es normal, dass wir um 12.00 Uhr bis 14.00 Mittag haben, wir sitzen am Tisch, geniessen das Essen, reden über Themen und....und haben ständig die Uhr im Blick, dass wir um 14.00 Uhr wieder pünktlich auf der Matte stehen.
Wenn mir hier jemand über sein Leben erzählt, seine Kultur, seine Religion dann kann ich zuhören, lernen und erfahren bis diese Person fertig erzählt hat, ob es nun 10 Minuten oder 3 Stunden sind...spielt absolut keine Rolle, den diese Geschichten sind eben Zeitlos!
Jetzt aber in den Bus! Zuerst übte ich mich in Füsse Falten bis nach Laos. Nicht unbedingt ein empfehlenswerter Trip aber ein Erlebnis auf jeden Fall! Wir machten gerade mal 3 WC Stopps, wobei die Toiletten gewöhnungsbedürftig sind.
Gemeinsam Geschäfte erledigen macht wohl doppelt Spass, auf gut Berndeutsch: "Bisle i Gsellschaft". Und jetzt noch ein bisschen detaillierter: ein Plattenboden mit 12 Hölzchen nebeneinander für die Füsse und einem Loch in der Ecke bieten 6 gefüllten Blasen Erlösung!  
Wenn 6 durch sind kommt die Frau mit dem Schaber und schiebt alles Richtung Loch, wie in einem Kuhstall. Dann die naechsten 6. Da es keine Trennwände oder so hat, muss man das Gespräch auch nicht unterbrechen und kann fröhlich weiterplaudern. Da man nicht spülen muss, kann man auch durchgehen sms schreiben.ist doch praktisch!
Hat man während dem geschäftlichen sonst nichts zu tun, ist das "Choder" auszuspucken als Nebenbeschäftigung sehr hoch im Kurs! Was ich aber so gehört habe, geht es hier, im Gegensatz zu China, doch sehr sauber, gesittet und eher angenehm von dannen....wohl alles eine Einstellungssache...ich musste mich schon ziemlich Überwinden! An nichts denken und vor sich hin Zählen hilft übrigens in solchen Situationen super!
 
Das war also Vietnam, ein Land in dem es vieles zu sehen gibt und 30 Tage für mich definitiv zu wenig waren...doch das ist auch positiv, dann gibt es nämlich einen guten Grund um wieder einmal zu gehen. Die Kommunikation empfand ich eher als schwierig, doch wenn es mit dem Englisch klappte, waren die Gespräche mit Einheimischen immer sehr interessant. Ich unterschätzte die Strecke von Saigon bis nach Hanoi, es sind rund 2000 Kilometer, was eigentlich sehr gut zu machen wäre in einem Monat, doch der Verkehr auf der Hauptstrasse bremste mich und von einem Fahren im Norden wurde mir mehrmals abgeraten. Das nächste mal würde ich eine Route im Hinterland wählen, doch alleine fühlte ich mich auf der Hauptstrasse sicherer und diese Sicherheit steht für mich an erster Stelle.
Vietnam, ein Land, dass ich gerne noch einmal besuchen möchte...
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