Dober Dan Slowenija

Slowenjsche Pampa...
Slowenjsche Pampa...

Abschied nehmen ist nie einfach... Wir tranken noch ein letztes Cappuccino zusammen, ein Italiener probierte halb blind ein Foto von uns beiden zu machen, wir drückten uns und ich fuhr davon, ohne noch einmal zurück zu schauen...nur vorwärts! Die ersten paar Minuten musste ich weinen, aber mit überfluteten Augen lässt es sich nicht so gut Velofahren, also: trocknen und die richtige Abzweigung in Richtung Trieste erwischen! Schon bald ging es den Hügel rauf... Dass wäre jetzt eine Etappe für Simeon!

Dauernd schaue ich in den Rückspiegel...aber es ist niemand zu sehen, das klicken der Gangschaltung von hinten höre ich nicht mehr, der Pedalklick ist auch verstummt... Erst jetzt werde ich mir langsam bewusst, dass ich wirklich alleine unterwegs bin. Nach ca. 40km fahre ich in Trieste ein. Eine hübsche Stadt mit einem wunderschönen Rathaus. Als ich an einer Kreuzung auf das Trottoir wechselte um ein paar Schritte zu Fuss zu gehen, klopft mir nach kurzer Zeit jemand auf die Schulter und sagte:"Grüezi, ou underwägs?" Ein Schweizer Paar von Bern, sah die Schweizerfahne und eilte gleich herbei um Hallo zu sagen. Das war suuper!

Weiter fuhr ich aus der Stadt hinaus, in welcher übrigens der Hauptsitz von illycaffé und Generaliversicherungen ist. Von Muggia aus, gabs nur noch eine Richtung: auf den Berg, fertig, los! Dort oben warten liebe Leute, eine Dusche, ein Bett und vielleicht auch was zu habbern, judihuii. In Hrvatini Crevatini suchte ich nun nach einem markanten grünen Strommasten...welchen ich nach einiger Zeit auch fand! Beim Briefkasten stand dann auch der Name Osana, gefunden!!! Aurelia und Andrej begrüssten mich sehr herzlich. Gleich gab's Apfelsaft in der warmen Stube. Wir wussten uns vieles zu erzählen... Sie lebten über 30 Jahre in der Schweiz, (im schönen Lyss:) sind dann wieder in ihre Heimat Slowenjen zurückgekehrt, ach ja entschuldigung, bin jetzt in Slowenjen, fast hätte ich's vergessen :) Sie besuchen mehrmals jährlich ihre 2 Töchter mit den Kindern in der Schweiz. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. Aurelia bereitete ein richtiges Festessen zu: zuerst ein Teller Spaghetti, zu meiner Überraschung folgte ein zweiter Teller mit Spinat und Plätzli und noch ein dritter mit Salat aus dem eigenen Garten! Es war sooo lecker!

Über Nacht wurde dann eine Schweizer Familie in Zader eingeweiht, dass ich ca. nächste Woche vorbei komme. So lieb, wieder einmal mehr bin ich gerührt von der Gastfreundlichkeit, doch das ist noch nicht alles... Nach einem reichhaltigen Frühstück, meinte Andrej, er fahre mich ein Stück mit dem Auto, es sei ja noch ein langer Weg... In Kozina ladeten wir den Göppel und die Taschen aus, jetzt ist's schon nicht mehr soo weit... :) Mit einer Träne im Auge verabschiedeten wir uns, ich winkte und schaute ein weiteres mal nicht zurück...nur vorwärts! Vielen herzlichen Dank euch beiden, für die schönen Stunden in eurem Heim und für eure Herzlichkeit! Es folgten ca. 40 km in der wunderschönen slowenjschen Pampa, eine Augenweide! Die Strasse war super und als plötzlich ein Auto neben mir herfuhr, die Scheibe runterliess und sagte "hü, hü gib alles", bekam ich ein riesen Energieschub. Ein Walliserauto, mit einem Walliser drin aber ohne Fendant dabei! Ein paar Minuten später hupte ein Luzernerauto, die Scheiben waren wieder unten und vier Arme winkten mir entgegen, das war ein Gaudi auf dieser verlassenen Strasse... Da musste ich doch eine Pause einlegen und ein wenig schweizer Schoggi essen, prost! Die Kroatische Grenze war in Sicht.

Als ich dran kam, ging's dann doch ein wenig länger. Der gute Herr im Häuschen, plapperte in kroatisch drauf los. Englisch? Oh, yes un poco! Er wollte wissen woher ich komme. Svizera! Nooo really? Wie denn?, mit dem Velo! Ach so. Er wollte wissen wie das Wetter denn so war, wie lange ich brauchte, ob ich noch keine Panne hatte undundund... und die Autoschlange hinter mir wurde länger und länger... Es gab genau zwei Spuren, eine für Lastwagen und eine für Autos, er hatte solch eine Freude, dass er seine Kollegien, die für die Lastwagen zuständig war herbeiholte und ihr das Fahrrad zeigen wollte... Also es gab mittlerweilen zwei sehr lange Schlangen! Er fragte ob ich einen Stempel im Pass haben möchte... Na klar! Doch das Stempelkissen war ein wenig eingetrocknet, also wechselte er es in einer Seelenruhe und stempelte auf der Bernerseite! Er winkte, verabschiedete sich und wünschte mir alles erdenklich Gute. Danach kämpfte ich ein paar Minuten mit überholenden Autos und Lastwagen....
Rijeka habe ich gemütlich durchfahren und gegen 16.00 Uhr machte ich mich auf die Suche nach einer Bleibe. Was sich als nicht ganz einfach herausstellte... Die Dörfer sind wie ausgestorben und es begann zu dunkeln. Ich setzte mir das Ziel im nächsten Dorf etwas zu finden. Doch der eine Opa den ich fragte hatte keinen Platz im Garten und wild zu campen sei es ein wenig gefährlich wegen den Tieren, ich solle es doch im nächsten Dorf hinter dem Hügel versuchen. Nun gut, noch einmal für Heute den Stutz rauf und wieder runter nach Kraljevica. Keiner da, alles dunkel!

Ich stand an einer Kreuzung, schaute zum Himmel rauf und bat um Hilfe... Die kam Sekundenspäter von einem Balkon: " Hallo, suggen sie Platz fur die Nagt?". Ja unbedingt! "Keini Problem, chumsch in mis Hus, Frau magt grat Znacht, chasch mitesse und Bett hani im obere Stogg vo Sohn no frei!" Suuuper, ich war so was von erleichtert, phu. Er machte mir das Bett mit 6 Laken parat, da die Heizung nicht funktionierte und es herrschten ca. 6 Grad im Haus. Sie putzte das Bad, stellte den Tisch voll mit Essen und feinem Tee. Es gab Brot mit kroatischem Käse. Sehr gut! Er arbeitet bei einer grossen Frachtschiffkompanie, 220h pro Monat für 1000 Euro... wir sprachen über Gott und die Welt. Der Beitritt von Kroatien am 1. Juli in die EU war auch sehr brisant, ich fragte ihn was seine Meinung dazu sei: "etwas Neues kommt auf uns zu, etwas Neues bedeutet auch immer eine neue Chance, in diesem Fall wohl eher für meine Kinder als für mich selbst". Später erzählte er mir, dass vor 5 Tagen ein Amerikaner mit dem Fahrrad auch bei ihnen übernachtete (er wolle nach Peking radeln), gleich wollte ich schon wieder los...vielleicht kann ich ihn ja einholen? Gut, 5 Tage ist ein bisschen viel... Er gab mir dann seine Koordinaten, damit ich mit ihm Kontakt aufnehmen kann. Es war ein super Tag, das Wetter optimal und rund 85km standen auch auf dem Tacho :) ...übermorgen werden es die ersten Tausend sein :)

Am Morgen stand schon das Frühstück parat, sie brutzelte noch ein Rührei, ach wie rührend! Als ich fragte was ich ihnen für die Nacht schuldig sei, sagte er: "Geld ist nicht wichtig! Herz haben ist viel wichtiger"! Eine Situation welche mir ein wenig unangenehm war, warum? Weil sie soo viel für mich gemacht haben, und dies mit sehr viel Herz! Dem 12-jährigen Sohn gab ich eine Tafel Schokolade und 10 Euro für ein paar Trainerhosen von denen er so schwärmte. Beim Abschied nahmen sie mich spontan in die Arme, drückten mich und als letztes sagte er: "Langsam aber sicher!". Ich fuhr davon...und schaute wieder nicht zurück...nur vorwärts!

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