2 Tage in Montenegro

Autoschuhe
Autoschuhe
Die paar Höhenmeter von Dubrovnik bis zur Hauptstrasse hoch hatten's in sich... Schon nach ca. 5km stieg dann mein Kilometerzähler aus. Der hatte wohl genug von diesem ewigen zählen. Sofort hielt ich an und kontrollierte alles: Das Kabel war in Ordnung, der Kontakt zwischen dem Speichenteil und dem Fixteil sollte auch vorhanden sein, die Batterie ist noch nicht so alt, hmm was fehlt dem nur? Als ich mich dies fragte, hielten zwei Biker neben mir an und sagten im breiten Berndeutsch : "Salü, bruchsch Hiuf?". Das glaube ich ja nicht. Da hab ich ein Problem, frage in die Luft raus um eine Antwort und bekomme sie von zwei Bernern! Der eine meinte der Abstand zwischen den zwei Teilen sei etwas gross. Ja jetzt geht mir ein Licht auf! Höchstwahrscheinlich hat sich das Speichenteil etwas nach oben verschoben als ich gestern die Speichen reinigte! Wir schoben es ein paar mm nach unten und er zählte wieder!
Jetzt aber zu den Emmentalern! Der im roten Shirt wohnt bereits seit 9 Jahren in Dubrovnik und bietet von hier aus Biketouren an. Der im Blauen Shirt ist zu besuch und hat mich gestern mit dem Auto überholt und fragte sich schon da, wohin ich wohl gehe. Wir tauschten die Adressen aus und der im roten Shirt gab mir noch einen Tipp für eine schöne Route in Montenegro. Es seien zwar ca. 50km Umweg aber dafür einmalig. Wir wünschten einander eine gute Fahrt und werden sicher in Kontakt bleiben. Ich konnte es kaum glauben was eben geschah...
Im Nu habe ich die Grenze passiert und war gespannt wie es in Montenegro sein wird. Mit der Zeit merkte ich, wie alles viel Grüner ist im Gegensatz zu dem was ich in Kroatien sah. Die Strasse ist in einem super guten Zustand. Jedoch tümmelt sich der Abfall am Strassenrand. Schon bald kam ich zu diesem Umweg, von dem der eine Schweizer sprach. Im Prinzip könnte man die Fähre direkt nach Lepetane nehmen. Die Überfahrt geht ca. 7min. Alle Autofahrer machen dies auch, ausser die wo am "Umweg" wohnen :) Was sich auf diesem Weg zeigte, ist einfach unmöglich in Worte zu fassen... Etwas vom schönsten was ich bisher auf meiner Reise gesehen habe. Ja ich weiss jetzt gar nicht wie ich das beschreiben könnte? Am besten fahrt ihr hin und sieht selbst nach! Sobald ich das nächste Mal Fotos hochladen kann sind bestimmt auch welche von dort dabei. Das wird ca. In Istanbul der Fall sein :)
In Perast, das ist ungefähr in der Hälfte dieses Umweges in Richtung Kotor, habe ich in einem alten Haus Unterschlupf gefunden. Der Mann hat in seiner Garage eine kleine Druckerei eingerichtet, welche er mir voller Stolz präsentierte. Die 2 Druckmaschinen sind über 45 Jahre alt und die Schneidemaschine ca. 40 Jahre, alle stammen aus Deutschland. Er druckt für die ganze Umgebung Plakate, Kalender für Firmen, Visitenkarten für Zahnärzte und das Lokalblättli für's Dorf, welches rund 300 Einwohner zählt.
Zur Feier des Tages, weil es so schön ist hier, gehe ich ins Restaurant. Kein einziger Gast war zu sehen doch sie hatten geöffnet. Es gab schwarzen Reis mit Tintenfisch. Also zuerst meinte ich es seien Pilze, doch als ich die Noppen sah und so ziemlich lange dran zu kauen hatte, merkte ich das es wohl eher keine Pilze sind.
Am Morgen holte der gute Mann mein Fahrrad aus der Druckerei und half mir, es zu beladen. Juhee die Sonne scheint! Voller Motivation und Energie hatte ich in kurzer Zeit, also sie kam mir kurz vor :), 71km und über 800 Höhenmeter auf dem Tacho und fand es genug für Heute. In Bar angekommen suchte ich ein Plätzchen. Es wird immer ein bisschen schwieriger da es nicht mehr soo touristisch ist. Als ich dann doch noch ein Haus gefunden habe, wo Zimmer vermieten, hatte ich grad Glück. Das Ehepaar wollte eben wegfahren. Er wollte das Zimmer nicht geben, nur im Sommer und sie hatte bedauern. Also knallte er die Autotüre von innen zu und sie diskutierten miteinander. Das dauerte dann ein Weilchen... Die Türe ging auf und es kam mir vor wie ich auf ein Prüfungsresultat wartete. Diese Prüfung habe ich bestanden und sie hat gewonnen :) Er fuhr ein bisschen murrig davon und sie machte gleich einen Tee und zeigte mir das Zimmer mit der Traumaussicht. Auf dem Balkon genoss ich mit Blick auf's Meer den Fisch aus der Dose. Es klopfte an der Türe und sie brachte mir ein Schälchen Milchreis, soo lieb! ...den mag ich leider nicht besonders gerne...aber Reis tut sicher gut und somit ist der Fisch auch nicht ganz alleine da unten im Magen...Fisch im Reismantel...oder so :) Morgens um 7.30 klopfte sie wieder und brachte Frühstück! Also die war so nett zu mir, das hat mich wieder einmal mehr berührt. Wir konnten kein Wort voneinander verstehen aber mit Händen und Augen klappte es wunderbar. Zum Glück hatte ich noch eine Toblerone zuunterst in der Tasche aufbewahrt, welche ich ihr geben konnte. Sie freute sich sehr.
Eigentlich plante ich 4-5 Tage in Montenegro zu sein, doch als ich auf die Karte sah und nochmals nachrechnete, sollte ich schon Heute nach Albanien kommen. Kaum habe ich mich an das neue Land gewöhnt geht's schon weiter ins Nächste. Am Anfang, also kurz nach der Grenze, habe ich immer ein Gefühl der Ungewissheit. Was ist anders in dem Land? Wie leben die Menschen? Wie reagieren sie auf das Bild, dass da eine alleine auf dem vollbepackten Fahrrad vorbeifährt? Ungefähr am zweiten Tag habe ich mich irgendwie dran gewöhnt, was anders ist... wenn man das überhaupt so sagen kann! Also z.B in Montenegro ist mir gleich aufgefallen, dass die Autos grosszügiger überholen als in Kroatien, oder dass die Leute mir eher zuwinken. Mit Englisch ist jedoch nicht viel zu wollen, doch die paar Ausdrücke welche ich in Kroatien gelernt habe kann ich hier auch noch gebrauchen.
Auf der Karte erblicke ich eine Abkürzung auf einer Gelb gekennzeichneten Strasse, eine Nebenstrasse. Das probiere ich doch mal aus. Probieren ist das richtige Stichwort... Bei 25 Grad schob ich 1h lang mein Velo den Hügel rauf. Als ich bei einem Dörfchen ankam, waren die Bewohner schnell am Strassenrand versammelt, sie lachten und ruften mir zu: Super! Super! Ja also soo super fand ich's auch wieder nicht aber es motivierte mich und ich lachte zurück ;)
Oben angekommen, hatte ich einmal mehr eine tolle Aussicht. Beim Herr Fruttolo deckte ich mich mit Orangen, Bananen, Birnen und Äpfeln ein. Als ich einpacken wollte, merkte ich, dass es wohl ein bisschen zu viel des guten war und musste gleich eine tolle Ration davon essen. Er zeichnete derweilen den Weg bis zur Grenze auf einem Kassabon auf...es gibt nur diese eine Strasse bis dorthin, aber ich werde sein Zeichnung in Ehren aufbewahren.
Ein wenig später fuhr ein Auto konstant neben mir und einer kurbelte mühsam die Scheibe runter :"Hallo, hey wohäre geisch?". Glaub ich denn das? Ein Glarner Auto! "Ihr vier seit aber keine Glarner?", " Dog, dog weisch mir vo Glarrus!", "Äuää!", " Ja, auso, mir si Kosovoglarner, hehe". Seit 20h sind sie nonstop unterwegs und ich seit über 100 zzz. Wir hatten einen kurzen Schwatz und sie zogen davon.
An der Grenze habe ich sie wieder eingeholt, denn es gab eine längere Autoschlange. Es gibt nur eine Spur und das vorderste Auto wurde gerade genauer unter die Lupe genommen. Alle 6 mussten aussteigen und die Hunde kamen und schnüffelten alles ab. Hoffentlich riechen die mein Rindsragout in der vorderen Tasche nicht...das heb ich mir nämlich noch ein wenig auf :) Nach 45min war ich dann dran. Der Pass wurde eingescannt und erschien digital auf dem PC auf welchem der eine Solitär spielte. Das muss auch mühsam sein, wenn man da so am spielen ist und andauernd wieder unterbrochen wird wegen so ein paar Personendaten!
Welcome to Albania...
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