Über Bosnien-Herzegovina nach Dubrovnik

Jetzt schrieb ich doch erst den letzten Blog und schon habe ich erneut so vieles gesehen und erlebt. Also wo waren wir? Ach ja in Trogir... Am Morgen weckten mich die ersten Sonnenstrahlen, welche durch den Orangenbaum in das Zimmer schienen. Kurzerhand oder besser gesagt, kurzerbeine war ich dann voller Motivation und im Kurzarm-Shirt parat für den Tag. Es wird bestimmt ein guter! Nach rund 20km gab's dann die erste Stärkung. Die Farmer hier sind echt lecker, ich kaufe immer diese mit den Cranberrys drin und rüste jeweils zwei davon in der Lenkertasche, neben dem rationierten Toilettenpapier für drei Erledigungen hihi. Ja das muss alles organisiert sein... Die Stärkung tat sehr gut und hielt lange an. Die Stadt Split liegt vor mir. Zuerst war mein Plan, dort das Mittagessen zu nehmen doch dieser änderte ich schlagartig als ich in die Stadt einfuhr. 4-Spurig kämpfte ich mich durch den Verkehr, links und rechts von mir Autos, LKW's, Unmengen von Autocars und Bussen. Ich konzentrierte mich auf die Leitlinie und fuhr exakt auf ihr, bis ich ausserhalb des grössten Chaos war. Phu, ich war einfach nur froh, dass alles gut ging und dankte jedem Fahrer der mich grosszügig überholte! Die Strasse führte der Küste entlang und für einmal genoss ich den Gegenwind, der die frische Meeresluft in mein Gesicht windete. Dem Speichengeist hat's auch gefallen :) Plötzlich überlegte ich mir, was ich eigentlich überlege während dem fahren... (Habe ich das schon mal geschrieben? Ach egal) Meistens denke ich nichts, nehme einfach die Schönheit dieser Natur auf und geniesse es. Die Autos schaue ich mir jedoch immer an, meistens kann ich dann das Auto, welches gerade vorbei fährt zu jemanden den ich kenne zuordnen und dann denke ich ein Weilchen an diese Person...was macht sie wohl gerade? Hier ein paar Beispiele, vielleicht erkennt ihr euch ja... Hat sie wohl die nächste Schulstunde schon vorbereitet? Wie war wohl die letzte Theaterprobe am Mittwochabend? Gibts wieder einmal soo feinen Lachs wie letzthin? Muss sie wohl Govinda-Energiekugeln im Regal auffüllen? Wie lief das Vorstellungsgespräch? Heute kocht sie bestimmt eine feine Rösti! Läutete das Telefon wohl den ganzen Morgen? Heute backt sie sicher einen Nusskuchen! 
Ja, solche Sachen kommen mir dann in den Sinn. Während dem fahren sehe ich ständig tote Tiere auf der Strasse, manchmal eher noch frisch, zum Teil ist's wohl auch schon länger her. Was mich aber immer wieder ein wenig traurig stimmt, sind die vielen Grabsteine und Blumen am Strassenrand... ein Kroate bestätigte mir, dass es jeden Tag sehr viele Verkehrsunfälle gäbe. Immer wenn ich dann so eine Stelle sehe, denke ich kurz an die Person die hier ihr Leben lassen musste, obwohl  ich sie nicht kannte will ich mir einfach kurz Zeit für sie nehmen, ja so ist das und das denke ich so während dem fahren. Nach 85km ist es wieder Zeit, was für die Nacht zu finden. Beim zweiten anklopfen hatte ich bereits Glück. Der Sohn verlangte 30€... fand ich ein bisschen viel doch schon am nächsten Morgen bekam ich, was unbezahlbar ist! Seine Mutter bereitete gleich türkischen Kaffee zu und stellte die frisch gebackenen (eine Art) Muffins auf. Wir guckten gemeinsam den Fussballmatch Kroatien gegen Serbien. Kroatien gewann 2:0 und die Freude war gross. Zum Morgenessen war ich dann im oberen Stock beim Herr Sohn eingeladen. Sie haben vier Kinder und die jüngste heisst Maria. Das war wie an einem Sonntagsbrunch, ich wusste nicht wo Anfangen und wo aufhören :) Maria brachte mir ein Konfiglas gefüllt mit Muscheln, die sie selbst gesammelt hat. Sie schrieb das Glas mit einem Etikett an: "For Maria from Switzerland, from Maria from Croatia, always remember me :)". Das berührte mich sehr und ich nahm sie gleich in den Arm. Die Mutter packte all möglichen Proviant in eine Tasche, dazu noch ein Pack Güetzi und was zu trinken. Noch ein Foto für's Familienalbum, einmal alle drücken und weiter geht's. Kaum auf dem Rad, regte ich mich ein wenig über mich selbst auf...ohne zu wissen was mich hier erwartete, nervte ich mich zuerst über 30 Euro für eine Nacht...und jetzt, die paar Stunden später habe ich erneut eine so wunderbare Familie kennengelernt und hatte doch für einen Moment das Gefühl bekommen Zuhause zu sein...was sind da schon 30 Euro??? Hab wieder was gelernt! Heute werde ich Kroatien verlassen und für ca. 20km in Bosnien-Herzegovina sein und dann wieder nach Kroatien fahren. Die Ausreise war wieder ein Gaudi! Als ich die sehr lange Autoschlange vor mir erblickte, stellte ich mich gleich auf längeres warten ein. Doch keine 2min später winkte mich der Zöllner von weit vorne zu sich. Also meint der jetzt wirklich mich? Hmm ja wen sonst, ich bin ja die einzige die da überholen kann hehe. Also fuhr ich ganz frech allen vor und die Zöllner standen in kürzester Zeit um mich und fragten mich über die Reise aus, erneut über das Wetter wie viele Jahre ich schon unterwegs sei, hahaha und sie gaben mir Tipps wo ich im nächsten Dorf am besten Essen könne. Diesen Tipp befolgte ich und es war sehr lecker. In Neum (BIH) fand ich ein hübsches Zimmer für die Nacht. Es hatte sogar einen Fernseher, dafür kein Duschvorhang... Auf dem einzigen Sender lief gerade ein Bollywood-Film: sie will den einen heiraten. Die Eltern sind nicht einverstanden. Der Onkel, Bruder und der Neffe mischen sich ein, es gibt ein durcheinander und das ganze wird von wunderbaren Hindisongs untermalt. Die Lautstärke war ca. Auf 4 (von max. 10), ich erwischte mich, wie ich sie höher schaltete... Warum denn? Ich verstehe ja sowieso nichts...ha, komisch! Morgen wird es eine gemütliche Etappe von ca. 70km geben, ich freu mich schon sehr auf Dubrovnik. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite...so mach Radfahren doppelt spass:) etwa 20 Schritte von der Altstadt entfernt fand ich ein hübsches Zimmer für 2 Nächte. Von dem Dachfenster aus habe ich beste Sicht auf die Stadt! Und nun...husch, husch ins Bett. Um 6.45 war ich hell wach und voller Datendrang. 6.45!! Da läutete normalerweise der Wecker zuhause wenn in zur Arbeit ging und Heute ist ja auch Montag... aber nein, ich kann mich ja nochmal umdrehen und Aufstehen wenn ich's für gut finde höhöhö. Das ist schon ein schönes Gefühl. Meistens bin ich jedoch um 10.00Uhr bereits am strampeln und da machen meine Chef's bereits Pause! Ich erkundete Dubrovnik und am meisten war ich von dem Boden der Altstadt beeindruckt! Die hellen Steinplatten verleihen dem ganzen einen speziellen Glanz. Ein paar Minuten später glänzten sie noch mehr...es regnete! Ein heftiges Gewitter zog über die Stadt und alle Menschen rannten in die Restaurants. Ich nutzte die Chance und konnte ein paar coole Fotos von den  Wellen machen, welche an die Mauer donnerten. 2Stunden später schien dann die Sonne wieder. Eine Chinesin fragte mich ob ich von ihr ein Foto machen könnte. Klar doch und so kamen wir ins Gespräch. Sie studierte 2 Jahre in Paris und nun reist sie einmal quer durch Europa bevor sie wieder nach Hause fliegt. Vor 4 Wochen war sie in der Schweiz und hatte ein paar Stunden Aufenthalt in Spiez! Ha, stellt euch vor wir hätten uns vor 4 Wochen getroffen, hätten wir für in 4 Wochen in Dubrovnik abmachen können hihi. Sie fährt übermorgen weiter nach Split und Zadar. Meine Route führt mich morgen nach Montenegro, bin sehr gespannt auf dieses Land in welchem ich ja nur kurz sein werde (ca. 4-5 Tage). Kroatien hat mir sehr gut gefallen: ich durfte sooo lieben Menschen begegnen mit einer riesigen Gastfreundschaft. Die Natur an der Küstenregion der Adria ist wunderschön. Ich komme bestimmt wieder, aber dann im Sommer wenn das Wetter noch besser ist :)
3 Kommentare

Zadar - Trogir

Von Zadar aus sind es ca 5km bis nach Kozino...und dort erwartet mich eine Schweizer Familie, ach wie ist es schön zu wissen, dass jemand einem erwartet! Das Dorf ist sehr klein und die Nr. 29 werde ich bestimmt auf Anhieb finden...denkste!

Da war Nr. 135, die nächste war 51, dann wieder 83... Ein kleines Chaos! Als ich dann doch die 29 gefunden habe, klopfte ich an und eine Frau starrte mich und das Velo an. Ich zeigte ihr die Adresse auf meinem Zettel und fragte ob das hier sei. Dobro, dobro! Komisch, ich erwartete eine Schweizer Frau namens Bertha von Bützberg. "Wie ist ihr Name?", "Bertha". Hmmm ich kam nicht mehr nach, hab ich mich eventuell im Dorf geirrt, sie schaute auf den Zettel und rief die Nr. an. Wenige Minuten später fuhr ein Auto zu und der Mann sagte, "Tschou, i bi der Branko, der Maa vo der Bertha, gäu das isch hie haut chli es Dürenand". Sie wohnen am Meer unten und dort gibt es auch eine 29 (im gleichen Dorf!). Oh war ich erleichtert und konnte ihm nachfahren. Die richtige Bertha kam aus dem Haus und begrüsste mich sehr herzlich. Wir können gleich Essen: Bratwurst mit Kartoffelsalat! Es war soooo fein! Im unteren Stock hatte ich eine ganze Wohnung für mich alleine und vom Bett aus, den besten Blick auf's Meer! Soo schön... Wir hatten einander viel zu erzählen, währenddessen die Fotos auf die Homepage geladen wurden, dies ging auch eine Ewigkeit... Am nächsten Tag war dann der PC Dauerbelastet mit weiteren Fotos hochladen! Bertha arbeitete im Spital in Aarberg und Branko arbeitete mit Andrej in der gleichen Firma, bei ihm war ich ja ein paar Tage zuvor in Slowenien. Die zwei sind so liebe Menschen. Bertha zeigte mir das ganze Haus, es ist wunderschön und sie haben ein tolles Plätzchen hier gefunden, Branko ist in Kozino aufgewachsen und seine Schwester wohnt ein paar Häuser weiter oben morgen werden wir sie besuchen. Die Zeit verging wie im Fluge und schon gab es Nachtessen, ein grosser Teller mit Spaghetti! Oh ich freue mich sehr, dass ich noch einen ganzen Tag hier sein darf. Zum Frühstück hat Bertha dann sämtliche Trümpfe ausgespielt: Frisches Brot, Oliven von den eigenen Bäumen, bester Schafkäse, Feigen vom Garten, Schinken und frischer Saft von den Orangen und Zitronen welche ebenfalls im Garten wachsen. Es war ein Schmaus! Vor ein paar Jahren haben sie ein ganzes Feld gerodet und darauf Olivenbäume gepflanzt, Branko kaufte einen Traktor, um im Sommer das Wasser auf's Feld zu transportieren und später dann um die Olivenernte zur Presse zu bringen...ich staunte nicht schlecht als ich das Feld sah! Doch ein munziger Baum ist viel kleiner als die anderen, es ist das Bertheli und will nicht so recht wachsen. Wir redeten im gut zu und ich glaube das Bertheli wird mal ganz gross rauskommen hihi. Später besuchten wir noch Flury's (Schwester von Branko mit ihrem Mann Emil). Sie ist Kroatin und er Schweizer und sie wohnten sehr lange in Spiez...in Spiez?! Als ich dann sagte, in welcher Praxis ich arbeitete, sagte sie : "Ja, ja Dr. Bühler, bei dem war ich mehrmals, das ist ein sehr guter Arzt", als sie dann meinen Grossonkel Fritz vom Schachen bestens kannte und wusste, dass mein Grossvater bei der Post arbeitete war ich schon ein wenig baff...! So, die meiste Zeit redeten wir von Spiez und sie fragte mich, ob der Zug nach Interlaken immer noch auf Gleis 1 fahre...ja das stimmt, Gleis 1! Unglaublich... Heute zauberte Bertha zum Mittagessen was Kroatisches : Kartoffeln mit Poulet im Ofen und zwar in einem Plastiksack, der Backofen ist eben nicht selbstreinigen ;) Am Abend fuhr sie mit mir nach Zadar und zeigte mir die Altstadt. Es war ein wunderschöner Abend in diesem hübschen Städtchen, welche auch sehr unter dem Krieg litt, die Spuren sind noch deutlich zu sehen. Am Meer vorne gab es eine Meeresorgel. Die Pfeifen sind nach unten gebaut und wenn der Wind in die Öffnung bläst erklingen die verschiedenen Töne, ein wunderbarer Klang. Hier bin ich nicht das letzte mal gewesen! Nach einem reichhaltigen Café complet, sahen wir gemeinsam noch 1 gegen 100 auf SRF, der eine wusste ja nicht gerade viel! Oh ich könnte noch wochenlang hier bleiben, es ist soo ein schöner Platz mit soo lieben Menschen! Doch der Weg ruft und morgen geht's weiter. Die Zeit vergeht sehr schnell. Ich bin enorm gestärkt für die nächsten Etappen und freue mich auch auf's weiterziehen. Auch wenn es noch so schön ist, es gehört dazu immer wieder aufzubrechen ins Ungewisse, ins Neue! Der Abschied viel mir ein weiteres Mal enorm schwer... Liebe Bertha, lieber Branko, vielen, vielen herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft und dass ich Euch kennen lernen durfte, ihr seid wunderbare Menschen und ich werde Euch in Gedanken auf die Weiterreise mitnehmen und bestimmt noch oft an die gute Zeit in Kozino 29 zurückdenken, Hvala, Merci!
Bertha rüstete mir ein grosses Lunchsäckli und begleitete mich noch bis zur Stopstrasse. Nach einem Drücker fuhr ich los...und schaute ein weiteres mal nicht zurück...nur vorwärts! Die ersten Meter überkams mich wieder und ich weinte, auch wenn ich dies hier nun schreibe kommen mir die Tränen... Solche Menschen um sich zu haben ist doch das schönste und wertvollste überhaupt. Was ich an Material mitschleppe zeigt auf der Waage sehr viel an. Doch die Herzlichkeit welche ich erleben durfte würde jede Waage sprengen! 
Nach 6h (kam mir vor wie ein paar Minuten) und 90km war es erneut Zeit eine Bleibe für die Nacht zu suchen. In Sibenik hatte ich nicht wirklich Erfolg, jedoch ein Dorf weiter in Brodarica fand ich ein günstiges Zimmer für die Nacht. Zurzeit habe ich ein wenig angst wild zu campen...überall sind Schilder "Achtung Wildschweine", dazu kommt der heftige Regen meistens über Nacht und so fühle ich mich einfach sicherer wenn ich bei jemandem sein kann. 
Gegen 10.00 Uhr fuhr ich am nächsten Morgen los mit dem Ziel Trogir, dort kann ich in einem Haus übernachten das zurzeit leer ist. Es gehört einer früheren Arbeitskollegin von Mama. Sie hat dies alles organisiert. Merci viu mau Du liebi! Der Neffe von Slavka weiss bescheid und sie erwarten mich. Judihuii! Die Adresse hatte ich aufgeschrieben und in Trogir war es dann wieder eine halbe Odyssee, bis ich das Ziel gefunden habe... Den ersten den ich fragte meinte,  ich müsse zuerst über die kleine dann über die Grosse Brücke bis zum nächsten Hügel. Dort angekommen meinte eine alte Dame ich müsse alles zurück und nach der Brücke links, irgendwo dort sollte es sein. Dort angekommen erklärte ein guter Herr den Weg, welchen ich vor ca. 20min schon mal gefahren bin... Nun gut, ich habe ja Zeit und radelte wieder zurück. Ein weiterer Herr sagte : "Ah, das ist gleich dort hinten, das ist ja die Adresse von meinem Kollegen, mit welchem ich Saxophone spiele..." Im selben Moment fährt dieser Kollege, also der Neffe zu und sagte, dass ein anderer Kollege von ihm an mir vorbei fuhr und die Schweizer Fahne sah und sofort dachte, die wolle bestimmt zu ihm. Somit fuhr er zu Boska und Ivka und meinte, dass es vielleicht gut wäre er würde mir entgegenkommen. Uff, kommt ihr noch nach?? Danke Susanne und Adrian für die Schweizerfahne, einmal mehr hat sie mir geholfen:) Die Frau von ihm kochte gleich das Mittagessen: Kartoffeln, Rüebli, Poulet und Blumenkohl in grossen Mengen... Zum Apero gab's 2 verschiedene Schnaps vom Grossvater, welchen ich erst nach der Spargelsuppe und dem Randensalat fertig trank. Ich konnte fast nicht mehr essen, dass war soo viel und soo gut, alle waren fertig und ich hatte noch das halbe Teller voll. Die 5jährige Tochter Tina holte schon mal die ganze Barbietruppe herbei, setzte diese auf den Tisch und meinte, dass sie alle zuschauen bis ich fertig gegessen habe... En Guete!
4 Kommentare

Bora, Jugo, Mistral... Hauptsache es windet!

"Langsam aber sicher" war dann auch mein Tagesmotto. Der Gegenwind!

Die Strasse der Küste entlang ist einmalig schön und abwechslungsreich...rauf, runter, gerade, rauf, runter, gerade. Runter etwa gleich schnell wie rauf, also einmal traute ich meinen Augen nicht. 5% Neigung und ich musste im kleinsten Gang runter treten mit einem riesen Kraftaufwand, es war zum laut lachen und die Bremsen freuten sich auch über ihr heutiges Schonprogramm :) es gab soo viele schöne Plätzchen für eine Pause, ein Foto und einfach um zu geniessen.

Rechts von mir der Blick auf's Meer, links von mir auf die verschneiten Hügel. Ein Basler, ein Thurgauer und 3 Zürcher überholten mich, also... alle überholen mich, hehe... Die Zeltplätze haben natürlich noch zu, doch bei einem sah ich ein Auto auf dem Parkplatz und ein Mann sitzte vor seinem Wohnwagen, der den Blick auf's Meer genoss. Er kam zum Tor, erklärte mir den Geheimeingang und nun habe ich mein Zelt neben seinem Wagen aufgestellt. Er lud mich zum Kaffe ein. Seine Geschichte ist unvorstellbar... Rudi aus Österreich, ein Mann der an verschiedenen Orten in Europa feste Wohnwagenplätze hat und je nach Laune wechselt.

Zurzeit in Kroatien, am Meer, um der Raucherlunge etwas gutes zu tun. Er war, wie er selbst sagte, ein Penner, lebte auf der Strasse und in Lokalen, war Schwerstalkoholiker, Medisüchtig, Drogen und fuhr sehr lange Auto ohne Ausweis. Er wurde 2x dank medizinischer Versorgung und Technik ins Leben zurückgeholt. Sobald als er wieder auf den Beinen war, kam er erneut ins selbe Laufrad von Alkohol, Drogen usw. rein. Er machte über 30 Entzugskuren, in geschlossenen Abteilungen und wurde immer wieder Rückfällig. Während dem Sonnenuntergang erzählte er mir von seinem tiefsten Tief überhaupt und ab diesem Moment war Schluss mit dem ganzen Zeugs. Er machte den Führerschein und fuhr los... Auf die Campingplätze.

Er erzählte mir wie er sich sein eigenes, sehr spezielles Leben zurechtgewürfelt hat und Heute zufrieden in der Einsamkeit lebt. Wir tranken vor seinem munzigen, schmuseligem Heim einen Kaffee. Er bot mir an ein Ei zu kochen, als ich dann die Küche sah, erklärte ich ihm, dass ich Eier nicht vertrage und furchtbare Krämpfe davon bekomme... (Oh, wie gerne hätte ich ein Ei, am liebsten mit Nüsslisalat). Der Zeltplatz ist sehr abgelegen und wir zwei sind alleine da, ich liege im Schlafsack, höre die Musiksendung von seinem Fernseher im einen Ohr, das Rauschen der Wellen im anderen... Fühle mich jedoch sehr sicher und kann ohne jeglichen Kummer einschlafen...das ist, seit ich alleine unterwegs bin etwas vom wertvollsten überhaupt!!!

Zuhause, wenn ich ins Bett gehe, und den Wecker stelle, sehe ich wie lange es noch geht bis ich aufstehen muss. Jedoch mache ich mir keine Gedanken über die Nacht, sie kommt einfach und ins Bett gehen ist ja etwas vom normalsten... Doch hier alleine unterwegs, bin ich jeden Abend überglücklich wenn ich etwas zum Übernachten gefunden habe und wie schon gesagt, ohne Sorgen einschlafen kann!

Es gibt wieder Frühstück am Bett, bei 4Grad... Dank dem super Schlafsack hab ich die ganze Nacht über immer sehr warm. Am nächsten Morgen genoss ich den schönsten Blick auf's Meer und den weniger schönen in den Himmel... Es regnet zwar nicht, dafür windet es von Süden her, der Jugo-Wind. Der Wind von den Bergen ist die Bora, welche meistens sehr heftig aber trocken ist. Der Jugo bringt Regen! Die ersten 15km ging's dann Bergauf durch die sehr schöne, karge und verlassene Landschaft. Nach einer Weile, entschied ich mich die Fähre auf die Insel Pag zu nehmen, ja auf einer Insel zu radeln ist sicher sehr schön und dort gibt es anscheinend der beste Schafkäse überhaupt. Als ich beim Fährenhafen ankam, fuhr sie mir vor der Nase davon... Eine Kaffestube hatte es keine und die nächste Fähre fährt in 2h... hahaha. Es war bitterkalt und stürmte so stark, dass ich auf dem Bänkli sass und mein Velo fest halten musste. Nach einer kurzen Fahrt, traf mich beinahe der Schlag...wohnt auf dieser Insel wirklich jemand??? Das ist ja Niemandsland...

Vor mir sah ich die Strasse welche auf den Berg führt...dann mal los es ist nämlich schon 17.00 Uhr. Auf der Anderen Seite wechselte die Landschaft schlagartig, grüne Wiesen mit weidenden Schafen, Pflanzen und beste Sicht auf das nächste Dorf Novalja. Dieses scheint jedoch ausgestorben zu sein. Die eine Frau wollte mir ein Bett für die eine Nacht neben Kartoffeln und faulenden Orangen für 30€ andrehen. Nee! Im geschlossenen Hotel hätte ich für 50€ in einem kalten Zimmer im Estrich übernachten können. Nee! Ein Opa rufte mir von seinem Garten aus zu, er bot mir an, in seiner Küche neben dem Holzofen zu übernachten, warm Wasser habe er im oberen Stock und ein türkisches Kaffee sei bereits in Bearbeitung :) Super! Sein Neffe kam noch vorbei und wir plauderten über 2 h miteinander, währenddessen ich mir auf dem Gasherd die Nudelsuppe zubereitete.

Am nächsten Morgen gab's dann nochmals türkischer Kaffee und er sagte zu mir ich solle nicht losfahren, weiter vorne seien schon Lastwagen gekippt... Es stürmte sehr fest. Der Jugowind bringe Heute bis zu 150hkm. Ich überlegte mir kurz was ich nun tun soll... Mein Ziel war es eigentlich, am Abend in Zadar (80km) bei der Schweizer Familie zu sein. Ich freute mich schon die gaanze Zeit auf ein Bett, eine Dusche und auf die Familie. Der Zeitpunkt für ein Ruhetag wird auch langsam kommen... Der Entscheid kostete mich ein wenig Überwindung, aber ich wollte weiter, kann ja mal schauen wie es geht, und wenn es unmöglich wäre, kann ich ja immer noch umkehren und zum Opa zurück für eine weitere Nacht. Es war harte Arbeit, musste immer wieder absteigen und für 5km brauchte ich knapp 40min... Dazu kam der heftige Regen... absteigen und kurz verschnaufen. In diesem Moment stoppte ein kleiner Lieferwagen, der Mann stieg aus und sagte: " ich fahre nach Zadar, willst Du mitkommen?", ich traute meinen Ohren und Augen nicht! Ist dies wirklich wahr? Kurzerhand war alles eingeladen und er fuhr in einem höllen Tempo los. Noch ein kurzer Teestopp in Kolan und weiter gehts. Um 12.00 Uhr waren wir bereits in Zadar, ich hätte diese Etappe, bei diesem Wetter nie an einem Tag geschafft! Also habe ich Heute ein wenig "pschisse" und das beste daran: es stört keinen und mich am wenigsten hahaha :)

4 Kommentare