Es lohnt sich ueber Howdan zu fahren...!

Bereits um 06.00 Uhr sind wir in den Pedalen und radeln auf nüchternen Magen glatte 50km. Ja, ja radeln in der Morgenstund isch gsund! Wir wollen die morgendliche "kühle" Luft nutzen. Ok, schlechter Witz, es ist bereits um 08.00 Uhr über 30 Grad! Den ersten Teil fahren wir auf dem Highway und beinahe jedes zweite Auto hupt uns zu oder reicht während der Fahrt Wasserflaschen oder Früchte aus dem Auto. Manche halten sogar an und geben uns heissen Cay. Die Geste ist ja unglaublich, doch gerade jetzt wünschte ich mir ein ultrakaltes "Bläterliwasser".
Nach einer Weile setzten wir uns ins Gras assen einen Happen Fladenbrot, dazu eine ganze Zwiebel und weiter gehts. Nach 135km kommen wir in Neyshabur an und suchen einen Platz um unser Zelt aufzustellen. Es dauerte keine zwei Minuten spricht uns einer an und meinte wir sollen ihm Nachfahren. Doch halt, er hat noch eine bessere Idee, er will unsere Fahrräder gleich in sein Auto einladen. Auf 2km mehr oder weniger kommt es uns wirklich nicht an, aber wenn er darauf besteht... Nach 20 Minuten "Velo-ins-Auto-laden" fahren wir knappe zwei Minuten bis zu seinem Kollegen und laden alles wieder ab, das ist eben Iran-Service!
Sein Kollege hat einen Bike-Shop, einen sehr guten sogar! Sieht aus wie bei uns. Ganz nervös sucht er in seiner Schublade nach etwas, es muss sehr wichtig sein. Tatsächlich, ein Zeitungsausschnitt auf welchem er abgebildet ist. Er radelte vor vielen Jahren nach und durch ganz Europa. Mit einem 3-Gänger und einem Rucksack... Heute unvorstellbar. 
Seine Frau kommt dazu und macht gleich frischen Tee und tischt selbst gebackenes Brot auf. Er schaut unsere Bikes an und ich merke wie ihm die Gedanken aufkommen von seiner Reise damals. Einmal mehr kommt es uns beiden vor, als würden wir ihn schon lange kennen und seien gute Freunde. Er meinte dann, wir könnten unsere Zelte im Stadtpark aufstellen. Tönt doch gut!   Er begleitet uns und beobachtet natürlich jeden Handgriff. Er drehte noch eine Runde mit Freddy und unsere Fahrräder wurden  im Museum nebenan geparkt... dort seien sie sicher! Was wird Freddy wohl denken neben all den ausgestopften Tieren?
Es kommen von Minute zu Minute immer mehr Menschen in den Park. Alle packen ihre Teppiche aus und beginnen mit dem Picknick, innert kürzester Zeit haben wir Unmengen von Essen vor unserem Zelt. Einer bringt uns gleich eine Gasflasche um jenes Essen welches kalt wurde erneut zu wärmen! So, um uns herum sind bestimmt über 200 Menschen die Picknicken und immer wieder mal bei uns vorbeischauen. Dass kann ja eine heitere Nacht werden und es ist bereits Mitternacht! Eine Familie lädt uns ein, bei ihnen zu sitzen. Der Vater telefonierte und nach kurzer Zeit steigt die Familienzahl von 4 auf 18. Onkel, Tante, Grosi usw. wurden dazugerufen. Er meinte der letzte Tourist habe er hier vor zwei Jahren gesehen... lohnt sich also über Howdan zu fahren!
Nach ein paar Stunden trifft auch noch die Polizei mit Lichtsignal ein. "Dürfen wir hier überhaupt zelten" zieht der Gedanke durch meinen Kopf. Sie begrüssen uns herzlich und fragen gleich ob wir uns hier wohlfühlen würden. Auf jeden Fall, gar keine Frage.
Falls wir ein Problem hätten, sollen wir ihnen einfach Bescheid sagen. Jetzt das unfassbare... Der eine Polizist sagte, wir werden die ganze Nacht hindurch jede Stunde vorbeikommen um zu sehen, dass alles ok ist. Ich glaub ich höre nicht richtig! Und tatsächlich kamen sie zu jeder vollen Stunde vorbei um nach uns zu sehen. Am nächsten Morgen standen sie bereits um 09.00 Uhr mit einer Kanne Tee vor unseren Zelten!
Die Polizei - Dein Freund und Teekocher!
Doch noch nicht genug, nach und nach fahren weitere Auto's zu und bringen uns Tee und frisches Brot. Was soll ich dazu noch schreiben...?! Es hat mich einfach total berührt! Manchmal habe ich das Gefühl ich werde innerlich total weich und könnte jeden Tag weinen...aus Freude natuerlich und weil ich es einfach nicht glauben kann, welch guten Menschen ich begegnen darf! In diesem Stil ging's dann weiter aber an ein Weiterfahren war nicht zu denken da wir zu so vielen Sachen eingeladen wurden.
Zuerst geht's ins Sportzentrum. Wir werden in eine Halle geführt in der eine Art Ringen mit bis zu 40kg schweren Keulen praktiziert wird. Da Heute Freitag, also Sonntag ist, findet kein Training statt...haha doch wenn schon mal zwei Reisende da sind wird kurz um für diese ein Training organisiert!! Inklusive Drummers und Moderator! Der Präsident dieses Hauses erklärte uns die Regeln dieser Kampfsportart. Das spezielle daran ist, dass die Kampffläche nicht wie beim Boxen erhöht ist, sondern tiefer als das Publikum liegt, warum? Er meinte: "Die Kämpfer vermitteln das Gefühl von Stärke und Grösse, warum muss man sie dann noch erhöhen? Wenn sie unten kämpfen, soll es sie daran erinnern, dass die Kraft aus der Tiefe kommt!" 
Einfach genial, dieser Gedanke!
Der Chef bietet uns gleich den Schlafsaal im nächsten Gebäude für die Nacht an. Dies nehmen wir noch so gerne an :)
Die Einladungs-Tour geht weiter...wir kommen in eine Familie und werden dort mit einem köstlichen Mittagessen verwöhnt. Am Nachmittag zeigen sie uns die ganze Stadt und wir besuchen die Sehenswürdigkeiten, alle Eintritte werden von ihnen bezahlt. Du hast einfach schlichtweg keine Chance auch nur einen Cent auszugeben. 
Am nächsten Morgen wollte wir früh los... denkste! Der Bürgermeister hat uns anscheinend zum Tee eingeladen. Gut nichts wie los!
Uns erwarteten 15 Herren im Anzug vor dem "Gemeindehaus". Der Herr Bürgermeister bedankt sich für unseren Besuch in der Stadt und als Dank gibt er jedem von uns 30 Dollar! Was jetzt? Einfach so!? Scheint so. Wir trinken mit den Herren Tee während ein grosses Auto mit der Aufschrift "Iran TV" vor fährt. Jetzt wird's definitiv lustig :)
Kamera wird aufgestellt und Kabel verlegt! Der Reporter begrüsst uns und beginnt mir Fragen zu stellen und schreibt die Antworten in Farsi nieder. Er sagte: "Ich werde Ihnen die Fragen in Farsi stellen und sie würden dann bitte in Schweizerdeutsch antworten, es wird dann mit Untertitel ausgestrahlt, ready?" Klar, doch zuerst checkt die Assistentin noch mein Kopftuch und zerrt meine Ärmel bis fast über die Hände höhö. Es geht los, er: "chali chechum hcara chersi chera?" Phuahahahah, ich: "Ja, genau, i bi im Chientau im schööne Bärner Oberland mit mim Velo gschtartet. Itz bini hie im Iran u bi eifach überwältiget vo dere Gaschtfründschaft", er: "chert chuop chachuch chaula". Und das ca. 5 Minuten so. Jetzt noch eine Aufzeichnung wie wir vor dem "Gemeindehaus" durchfahren. Die Strasse wird grad mal gesperrt!
Langsam aber sicher müssen wir mal weiter, es ist bereits wieder Mittag...genau! Zeit zum Essen. Der Bürgermeister wollte noch wissen wo wir die nächste Nacht planen, damit er in diesem Dorf alles organisieren könnte.
Es lohnt sich wirklich über Howdan zu fahren!! Wir verabschiedeten uns von allen und nahmen die Nebenstrasse. Immer seltener kommt ein Dorf und die Landschaft ist einmalig! Von einem Hirten werden wir unterwegs zu frischer Schafmilch und Kamelfleisch eingeladen, mmm lecker , schmecker!  Wir sollen doch gleich bei ihm übernachten. Ein weiteres mal müssen wir die Einladung ablehnen, was nicht ganz einfach ist!
Fünf Kilometer vor dem Dorf, steht bereits die Polizei am Strassenrand! Sie erwarteten uns schon und wir sollen ihnen Nachfahren... Wir werden direkt in eine Familie gelotst die höchstwahrscheinlich vom Bürgermeister organisiert wurde. Die Mutter hat bereits gekocht und wollte auch sogleich unsere Wäsche von Hand waschen. Das reden wir ihr schnell aus. Wiederum könnte ich viele Zeilen über diese Familie schreiben, doch kurz gesagt: Was für eine Gastfreundschaft!! Vor der Abreise "segnet" uns der Vater mit Kräuterwasser.
Am Dorfende ist die Schule und wir werden erneut angehalten. Sie haben zwei Plastiksäcke vorbereitet, gefüllt mit Früchten, Bonbons, Getränken und einem Geschenk. Voller Spannung packen wir das Päckli  aus... ein Portemonnaie, ein ledernes für Wolfgang und ein gewobenes für mich, ich bin einfach sprachlos!
Von Chakaneh Sofli bis Quchan öffnet sich erneut eine faszinierende, beinahe Menschenleere Landschaft. Wir beschliessen uns Heute definitiv ein Hotel zu nehmen. Es kann einem plötzlich Überfordern. Wir schätzen all die Einladungen enorm, doch es bleibt dann keine Zeit mehr für einem selber und genau diese Zeit wollen wir uns nehmen denn es waren in den letzten Tagen soo viele Erlebnisse in so einer kurzen Zeitspanne. 
Das einzige Hotel in der Stad finden wir auf Anhieb und die Räder werden auch gleich ins Zimmer geschleppt. Kaum auf der Strasse werden wir in einem "Restaurant" zum essen eingeladen...wiederum eine laange Geschichte. Zurück im Hotel habe ich den Schlüssel im Schloss gedreht, komme ins Zimmer... uups, es war nicht mein Zimmer, da war ein anderer drin! Höö? Warum geht dann der Schlüssel? Wir fanden raus, dass alle Zimmer das gleiche Schloss haben und jeder Schlüssel jedes Zimmer öffnen kann, ha auch nicht schlecht :)
Vom nächsten Tag könnte ich einen ganzen Blog schreiben, den überspringe ich jetzt einfach mal! (Wir verbrachten den ganzen Tag in einer Familie+Ausflug zum See)
Der letzte Tag im Iran bricht an... schon einen Monat hier? Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. Die Fahrt in das Grenzdorf führt mitten durch schönste Berglandschaft. Wir werden unterwegs vier mal zu einer Passkontrolle aufgefordert. Kurz vor dem Grenz-Dorf Bajargan dürfen wir auch noch je eineTasche komplett ausleeren und den Benzinkocher erklären :)
Ein ausgestorbenes Dorf...auf der linken Seite befindet sich ein Hotel. Wir setzten uns vor verschlossene Türe und warten mal ab. Tatsächlich kommt nach einer Stunde einer vorbei und fragt was wir denn hier wollen? Wie wärs mit Übernachten?! Wo denn? Z.B. In diesem Hotel hier? Nein das ist geschlossen, aber er kennt jenen der einen Schlüssel hat! So cool! Eine weitere Stunde vergeht und der Schlüssel wird uns überreicht, wir sollen uns ein Zimmer aussuchen und Morgen den Schlüssel einfach hinlegen. Hahahah, wir haben also ein ganzes Hotel für uns, super!
Ich setzte mich gleich hinter die Rezeption und mache einen guten Eindruck. Wolfgang kommt mit einer Beschwerde zu mir! Es gäbe kein Wasser auf dem Zimmer. Da ich gleichzeitig auch Hauswartin bin, drehe ich den gefundenen Hebel im Keller gleich mal um und schon fliesst das nasse Braun höhö. Hey war das ein Gaudi :)
 
Fazit:
Ein Fazit über den Iran zu schreiben ist nicht möglich!
Ich bin einfach glücklich, dass ich dieses Land bereisen durfte! Ich habe eine Seite kennengelernt die in den Medien nicht beschrieben wird! 
Doch wie schon gesagt... Vier Wochen sind zu kurz um diese Land auch nur annähernd zu verstehen.
Ich habe was mitgenommen: Viele Erinnerungen an wunderbare, berührende und einmalige Begegnungen....
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From where??? "Svizra!, Svizzera!, Suisse!, Heidi!, Viktorinox!, Lindt!, Alpentheater!" Suisse? Noch nie gehört!

Dies wird vorerst meine letzte Busreise sein. 9h durch die Kavir-Wüste bis nach Mashhad. Der Nachtbus ist überfüllt und die Kinder liegen im Gang auf dem Boden. Der Holy Shrine in Mashhad oder auch Imam-Reza-Schrein genannt ist der zweitwichtigste Pilgerort nach Mekka, somit ist auf dieser Strecke immer was los.
Neben mir sitzt eine junge Iranerin, die morgen ihr Schluss-Examen schreiben wird. Sie kommt direkt von Shiraz, das heisst konkret, sie wird nach einer total 14-stündigen Busfahrt direkt an die Prüfung gehen. Sie ist jetzt schon super nervös und lernt bei dem schwachen Licht das aus diesen kleinen, runden Lämpchen über dem Kopf leuchtet, noch letzte Formeln auswendig. Als ich damals in der Chemiestunde sass und diese verfl.... Ameisensäureformel zeichnen musste konnte ich mir nie und nimmer erträumen diese je wieder einmal gebrauchen zu müssen oder zu sehen. Doch genau diese Formel ist das einzige was ich auf ihrem Blatt lesen respektiv identifizieren kann. Alles andere ist in Farsi. Ein Hoch auf die Ameisensäure!
Als ich endlich ein bisschen Schlaf gefunden habe, weckt mich das Klopfen auf meiner Schulter eines Gummiknüppels abrupt auf. Uff, wo bin ich? Warum fahren wir nicht? Der Polizist sagt in forschem Ton zu mir "You out!". Du raus? Ja gut, wenn der Herr wünscht. Als ich meine Tasche mit all dem wichtigen Zeugs mitnehmen wollte, gab er mir ein deutliches Zeichen nur den Pass mitzunehmen. In meinem Zentralhirn beginnt es zu rotieren... Habe ich Fotos gemacht die ich nicht hätte tun dürfen? Ist mit dem Visa alles in Ordnung? Hab ich per sms eine Nachricht geschickt in der was stand was ich nicht hätte schreiben dürfen? Nachdem ich in Sekunden dies alles abcheckte, war ich mir sicher, dass alles in Ordnung sein muss. Somit stand ich mitten in der Nacht irgendwo in der Wüste umringt von 5 Polizisten und mindestens 30 Iraner die an der Busscheibe klebten und mich beobachteten. 
Der eine fragt mich ob ich Farsi spreche, Nein! Der andere schaut meinVisa ganz genau an und sagt nach ca. 4 Minuten: "You are Italian?". Uups, einmal mehr hab ich mich nicht unter Kontrolle und muss einfach Lachen. Da steht doch tatsächlich ein Polizist vor mir, schaut 4min in meinen Pass und meint danach ich sei Italienerin?? Hahaha :) Er hingegen findet es überhaupt nicht lustig! Als ich zu ihm sagte, dass ich Schweizerin sei meinte er nochmals, also du kommst nicht aus Italien!? Nein "Switzerland"! Er versteht anscheinend nicht und ich zähle die geliebte Heimat in allen möglichen Sprachen auf: "Svizra!, Svizzera!, Suisse!, Heidi!, Viktorinox!, Lindt!, Alpentheater!". In seinen Augen sehe ich ein grosses Fragezeichen! "You are from Itali!", No no no!!
Langsam wird mir heiss, ist es tatsächlich möglich, dass ausgerechnet in diesem Nirgendwo, dieser wüste Wüstenpolizist denkt ich komme aus einem Land, dass nicht existiert??? Der Pass wird weitergereicht und verschwindet mit dem einem im Jeep. Vielleicht hat er ja im Handschuhfach eine Weltkarte und während dem ich all meine Taschen öffnen muss, sucht er vielleicht die Schweiz...hoffentlich hat er gute Augen und findet den kleinen Flecken...
Die Hunde kommen und schnüffeln an meinen Taschen...plötzlich kommt mir wieder den Dosenfisch in den Sinn, der zuunterst in meiner Vordertasche ruht und den ich seit Griechenland mitschleppe, uiuiui ist der wohl noch gut?
Jetzt geht alles ganz schnell, der eine kommt mit meinem Pass zurück (er hat die Schweiz oder vielleicht auch Swasiland offenbar gefunden), händigt ihn mir aus, geht in den Bus und alle müssen sofort aussteigen. Die Handtaschen und das Gepäck muss zurückgelassen werden. Wie ein Wollknäuel stehen wir beisammen während die Polizisten mit den Hunden den Bus durchsuchen. Ich glaube etwas ist faul an der ganzen Sache...
Jeder wird nochmals kontrolliert und eine Familie wird separiert. Wie ich mitbekomme ist es eine Afghanische Familie die kein Visum hat...gar nicht gut! Dem Buben, ich schätze er ist ungefähr 3 Jahre alt wird sogleich sein Plüschesel entrissen. Die Eltern werden vor den Augen ihrer Kindern in Handschellen gelegt. Das Mädchen beginnt zu weinen, doch die Mutter kann es nicht beruhigen. Sie werden in den Jeep gesetzt.
Ich schaue in den Himmel, sehe unzählige Sterne und schicke in Gedanken zwei Engel zu diesen Kindern. Der Plüschesel liegt neben dem anderen Gepäck im Sand und dieser Anblick zerreisst mich beinahe...
Der Polizist kommt zu uns, sagt in strengem Ton was in Farsi und alle beginnen ihr Gepäck aus dem Bus zu nehmen. Was ist jetzt los? Fahren wir nicht weiter? Die Sprachbarriere beginnt mich das erste mal zu stressen. Gut ich mach einfach alles denen nach und lade Freddy aus, die anderen sechs Taschen sind ja bereits draussen. Mir wird mit Händen und Füssen erklärt, dass dieser Bus nicht mehr weiter fährt und wir auf einen anderen Transport warten müssen. Hmm, um 09.00 Uhr habe ich mit Wolfgang an der Turkmenischen Botschaft abgemacht und Fatima hat auch nicht eine grosse Zeitspanne bis zu ihrem Examen...hoffentlich schaffen wir es rechtzeitig.
30 Minuten später kommt ein Bus in dem es genau 2 Plätze frei hat. Wie es selbstverständlich wäre, sind alle der Meinung, dass ich als erste einen Platz bekomme! Drei Iraner helfen mir alles einzuladen und weiter geht's. Wie lange die Anderen warten mussten? Keine Ahnung.
Was mit der Familie geschieht und wo sie jetzt wohl sind? Keine Ahnung? 
Was für eine Nacht in der Kavir-Wüste!!
 
09.05 Uhr bei der Turkmenischen Botschaft: Wolfgang steht bereits da und das Wiedersehen ist einfach super. Warum wir uns bei der Botschaft treffen? Weil wir ein kleines Problem haben... Wenn man mit dem Fahrrad nach Turkmenistan einreist, nimmt man die südliche Grenze von Mashhad in Sharaks. Bis vor kurzem war ich auch der Annahme, dass dies die einzige passierbare Grenze für Touristen sei...falsche Annahme! Der gute Herr Konsul in Teheran hämmerte uns die Grenze Howdan im Norden rein. Dies steht ganz klein und fein gedruckt bei "Bemerkungen". Nun wollen wir abklären ob es nicht trotzdem möglich sei die südliche zu passieren und uns einen Umweg von ca. 460km zu ersparen.
Die klare und deutliche Antwort: "No!, you go Howdan!". Grrr, danke für den bösen Blickwurf Herr Konsul! Konkret heisst das, Übermorgen müssen wir losfahren Richtung Norden, Hakuna Matata!
In einem total untergekommenen Hotel, Bettwäsche wurde schon lange nicht mehr gewaschen, das Klo ist bis zum Rande voll verstopft und die Dusche sprudelt braunes Wasser, geniessen ich zwei Nächte in meinem so sauberen Schlafsack hehe. Freddy wird zwei Querstrassen weiter entfernt operiert, er hat eine 8 im Hinterrad, die Speichengeister waren sich wohl  mal nicht ganz einig. Anschliessend werden noch die Bremsen kontrolliert und auf Hochglanz gebracht. Zur Überwachung bleibt er noch eine Nacht dort :)
In Mashhad gibt es neben dem super Bikeshop "blue sky" noch was anderes zu sehen. 
Der Holy Shrine! Dort befindet sich das Mausoleum vom Imam Reza, er war der achte Imam der Zwölferschiiten. Es ist ein riesiger Gebäudekomplex mit mehreren Hallen und Innenhöfen. Da 1994 bei einem Bombenanschlag auf den Shrein 26 Menschen gestorben sind muss die Handtasche samt Kamera abgegeben werden. Da ich keinen Tschador habe kann man den hier gratis ausleihen, für die Nichtmuslime gibt es einen weissen. Komme mir vor wie ein Gespenst, denn alle Anderen tragen einen schwarzen.
Der Aufseher am Eingang bietet mir gleich einen Tee an und somit sitze ich in seinem Häuschen und bin wie ein Ausstellungsmodell, fehlt nur noch das Schild um den Hals mit der Aufschrift: "ich bin Touristin und habe keine Ahnung um was es hier überhaupt geht". Nun gut, eine junge Frau kommt zu mir und erklärt, dass sie mich 3h durch das Areal führen werde. Die Führung ist gratis aber obligatorisch!
Ja super, wo sonst gibt's denn sowas! Das wär doch was für unsere Städte...alle Touristen die z.B. Luzern besuchen, müssen an einer Stadtführung teilnehmen, dürfen aber nichts bezahlen hahahaha! Der Eingang für Nichtmuslime ist selbstverständlich ein paar Meter weiter drüben, die Frau hinter dem Vorhang kontrolliert das korrekte Tragen des Tschadors. Am einfachsten wäre es das Tuch vorne zwischen die Zähne zu nehmen, so würde es halten und nicht immer nach hinten rutschen. Also los geht's, als erstes kommen wir in eine kleine Moschee wo fünf studierte an einem Tisch sitzen. Vor ihnen darf ich Platz nehmen und Fathima sagt zu mir: "Diesen Männern kannst du nun all Deine Fragen zum Thema Islam stellen".
Ups, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich vorbereitet gekommen. Die Basis , also einerseits über die fünf Säulen des Islams (1. Schahada, Glaubensbekenntnis, 2. Salah, Pflichtgebet, 3. Sawm, Fasten, 4. Zakat, Reinigung des Vermögens und 5. Hadsch, Pilgerfahrt nach Mekka) und anderseits woran Muslime glauben (1. An den einen Gott, 2. An die Engel, 3. An die Propheten, 4. An die heilige Bücher, 5. An die Vorherbestimmung und die Verfügungsgewalt Gottes und 6. An die Wiederauferstehung) darüber habe ich bereits in Istanbul viel gelesen und mich informiert... also reden wir doch über den Prophet Muhammad. Wer war er? Was zeichnete ihn aus?
Fragt mich jetzt bitte nicht wie...aber nach fünf Minuten sprachen wir über den Hockeyerfolg der Schweizer Mannschaft ;) Die Herren waren wohl mehr am Sport interessiert und mir war's auch recht hehe. Sie schenkten mir noch Postkarten und der eine zückte eine seltene Münze aus seiner Tasche und meinte sie werde mir Glück bringen. So nett!
Kaum draussen auf dem Platz wedelte ein Aufseher wild mit seinem farbigen Staubfänger um mein Gesicht. Fatima realisiert gleich seine Aufregung und richtet meinen Tschador zurecht...hoffentlich hat Allah nichts gesehen!
Fatima meint, wenn wir uns beeilen, können wir die goldene Kuppel vor dem Mittagsgebet erreichen, also husch, husch durch die Menschenmassen, denn wenn das Gebet beginnt, setzten sich alle nieder und dann gibt es kein Durchkommen mehr. Oh oh, es wird knapp, noch durch die Frauenmoschee und dann haben wir's geschafft...zu spät! Wir stehen mittendrin und innert zwei Sekunden knien alle Frauen am Boden, ich bin dafür dass wir auch niederknien...doch Fatima sagt nonono und läuft weiter.
Es tut mir echt leid und ich fühlte mich soo schlecht vor all den vielen betenden Frauen durchzulaufen und immer wieder mal spürte ich einen Gebetskranz unter meinen Füssen oder trat auf einen Tschador...ich weiss auch gar nicht warum Fatima es so eilig hatte. Als wir es geschafft haben und nach draussen kamen liess mich der nächste Anblick erstarren!
100te, wenn nicht sogar 1000ende von Männern beteten im Einklang zusammen. In der gleichen Sekunde knieten alle nieder, berührten mit den Stirn den Gebets-Stein, knieten wieder hin, standen auf, gingen wieder zu Boden... So was habe ich noch nie gesehen und ich war zutiefst gerührt. Wir erreichten den Mittelpunkt des ganzen Areals...
Jetzt weiss ich auch warum Fatima sich so beeilte, es ist wohl der einzige Zeitpunkt während des Gebetes, so nahe an diesen heiligen Platz zu gelangen. Kaum waren wir drin meinte sie, dass wir und beeilen müssen um rauszukommen bevor das Gebet zu Ende sei...zu spät! Kurz vor dem Ausgang, sagte sie: "Halt Dich an meinem Tschador fest und lasse nicht los, wenn Du loslässt finden wir uns kaum wieder!" Stimmt, sehen ja alle gleich aus! Das unfassbare beginnt...die Frauen stürmen regelrecht hinein, ich sehe nur noch schwarz, schwarze Gestalten mit unbeschreiblichen Blicken! Die Einen schreien, die Anderen weinen, dritte schlagen sogar wild um sich!
Mit einem Fetzten Tuch in meiner linken Hand probieren wir gegen den Strom zu schwimmen, bald sind wir beim Eingangstor...die Situation eskaliert und die Aufseher probieren mühsam das Tor zu schliessen. Wir sitzen also fest und dies im Holy Shrine! Fatima erklärt mir, dass das Tor solange zubleibt bis sich alle beruhigt haben. Nach ca. 20 Minuten gibt's einen zweiten Versuch und wir kommen raus, uff!
Es gäbe noch vieles über diesen Ort zu schreiben...doch dies kann man auch "googlen".
Fatima begleitete mich noch ins Hotel zurück. Als ich ihr was geben wollte als Dank für ihre Zeit, lehnte sie vehement ab. Sie bekommt keinen Cent für diese Arbeit, alles Gutwill! Das ist für mich sehr schwierig zu akzeptieren, dass jemand eine Dienstleistung erbringt und absolut NICHTS dafür will, probiere ich was zu geben, fassen sie es schon als Beleidigung auf. Das gleiche war ja in der Familie in Tabris so. Bei uns in der Schweiz zahlt man einfach praktisch für alles...am meisten für die Zeit! 
 
Jetzt habe ich wieder was gelernt: Man darf auch was Annehmen! Wie oft sagen ich wenn ich Freunde zum Essen einlade: "aber gäu, bringsch de ja nüt mit!". Bringen sie jedoch trotzdem was mit, nicht weil es "sich so gehört" sondern weil man sich freut über die Einladung und deswegen dem Einladenden seine Freude zeigen will, also aus Ehrlichkeit was mitbringt, sag ich oft als erstes: "das wär jetzt aber würklech nid nötig gsi!" 
So ein Schwachsinn!
Anstatt zu sagen: "Wow cool, so eine schöne Rose, Super!" Oder:
"Lindt-Kugeln!! Die wollte ich schon lange wieder einmal!" :)
 
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Kugeln in Yazd!

Erneut sitze ich in einem klimatisierten Bus und verlasse Teheran auf vier Rädern. David und Sebastian sitzen vorne und ich wurde neben eine Iranerin gesetzt. Ich schaue aus dem Fenster und hänge meinen Gedanken nach. ..frage mich ob meine Velotour tatsächlich in eine Bustour ausartet und werde immer wieder abgelenkt. Z.B. Steht da an einer Mauer "Nieder mit Amerika" und darunter sieht man einen schwarzen, grossen Stiefel der auf der halbzerrissenen Flagge steht... gleichzeitig habe ich von vielen jungen Leuten gehört: "America is very, very good!". Die Strassen sind voll mit Plakaten für die Wahlen. Am meisten ist Ruhani abgebildet. Er könnte ein kleiner Lichtblick sein. Unsere Bundesräte werden ja gerne oft und gut in der Öffentlichkeit mal "veräppelt"...das geht hier nicht. Ich hatte mit Iranern auf den Strassen Gespräche, da hat sich nicht jeder getraut auch nur ein Wort über Ahmadinedschad zu verlieren! Andere hingegen haben sehr deutlich und klar gesagt "i hate him, he's such a doll!"
"Willst Du auch ein paar Nüsse?", die nette Dame neben mir holt mich in Gedanken in den Bus zurück. Ich bin erstaunt wieviele Menschen hier ein so gutes Englisch sprechen. Bahar ist auf dem Weg nach Esfahan um ihre Eltern zu besuchen. Ein letztes Mal bevor sie nächste Woche mit ihrem Mann nach Kanada auswandert. Sie ist Zahnärztin und hat ein Jobangebot bekommen. Das heisst, es sind gleich 20 Zahnärzte die nach Kanada reisen. Neben der Praxisarbeit unterrichtete sie an der Universität in Teheran.
Eines Tages kam die Nachricht, dass Kanada einen Aufruf gemacht habe und in verschiedenen Ländern auf der Suche nach Zahnärzten sei. Bahar sagte zu mir, dass dies ihre Chance wäre auf ein besseres Leben, viele qualifizierte Leute verlassen das Land. "Weisst Du, wir Iraner sind ganz schön clever und wenn du richtig gut bist, hast du die Möglichkeit auszuwandern". Ich sagte dann: "Aber wenn all diese Menschen gehen, wer bleibt dann noch hier?" Sie meinte: "In der Tat, das ist eine Schande, genauso wie unsere Regierung!!!".
Plötzlich stoppt der Bus und zwei Polizisten mit Hunden kommen herein. Der so gross erscheinende Mann bleibt neben mir stehen, ohne einen Blickkontakt sagt er: "You, Passport!" Am liebsten hätte ich gesagt: "No i'm Maria,! Nice to meet you too" aber stillschweigende gab ich den Pass ab, worauf er mit diesem zu seinen Kollegen ging. Nach 15min kam er zurück und die Fahrt ging weiter.
 
Die ganze Fahrt hindurch während 4h haben wir uns unterhalten. Sie rief dann auch gleich ihren Mann an und erzählte, dass sie neben einer Schweizerin sitzt die mit dem Fahrrad unterwegs sei, dieser war geschockt und wollte gleich mit mir sprechen...so telefonierte ich ca. 30 Minuten mit ihm. 
Wir tauschten noch unsere E-Mail Adressen aus und Sie lud mich gleich in ihre Familie ein. Ein weiteres mal berührte mich diese Einladung sehr, ist es doch das letzte Mal dass sie ihre Eltern sieht und dann für eine längere Zeit nicht mehr. "Vielen, vielen Dank, aber geniesse jetzt die kostbare Zeit mit Deinen Eltern!". Sie begann zu weinen und sagte: "ich werde sie so unendlich vermissen, ich bin ihr einziges Kind und jetzt gehe ich einfach fort, doch wir alle wissen dass es gut so ist...obwohl ich ja erst später sagen kann ob es wirklich die richtige Entscheidung war". Wir wünschten uns gegenseitig viel Glück auf dem bevorstehenden Weg. Ich bewundere Bahar, denn sie wagt etwas!
Auf dem Weg nach Isfahan, oder auch Esfahan geschrieben sahen wir einige grosse Anlagen. Einer erklärte uns es seien Forschungsanlagen der Atomindustrie.
Nachdem einmal mehr alles abgeladen und im Zimmer verstaut ist, machen wir uns auf den Weg zu wohl einem der eindrücklichsten Plätze im Iran. Ein persisches Sprichwort sagt: "Esfahan ist die hälfte der Welt". Bei dem Imam-Platz setzten wir uns ins Gras und sind beinahe sprachlos ab diesem kulturellen Schatz. Die Moschee Masged-e Emam, Lotfollah steht so mächtig da, dass ich kaum aus dem Staunen komme. Die Kacheln aus unterschiedlichen Blautönen lässt die Moschee zauberhaft wirken. 
Da es ein touristischer Platz ist merkt man gleich den Unterschied der Einheimischen. Die meisten wollen einen ganz speziellen Teppiche verkaufen und dies auf eine sehr clevere Art. In der Türkei z.B. hiess es: "Willst du Geld ausgeben? Spezialpreis nur Heute und nur für dich!" Common das ist doch ein alter Spruch! Hier wirst Du in ein nettes Gespräch geführt und kurz bevor du dich verabschieden willst, möchte der Verkäufer dir noch "schnell" was zeigen. Nachdem er fragt welcher Stil einem besser gefällt ob der klassische oder der nomadische, denkst Du automatisch darüber nach, gibst eine Antwort und setzt dich mit dem Thema auseinander.
Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: 1. man lässt sich gehen und steht am Schluss mit einem gekauften Teppich da, denn sie sind verdammt gute Verkäufer! 2. man läuft einfach davon oder 3. (was wir übrigens machten) man sagt von Anfang an: "lalalalalalla...miiir siind mit em Veloo daa, miir sind miit em Veloo da, wir können leider keinen Teppich kaufen aber gerne würden wir mehr darüber erfahren :)" So geniessen wir bei schlussendlich 5 Cay's und 15 ausgerollten Teppichen während 2h die fachmännische Erklärung über die Bedeutungen der verschiedenen Sujets. 
Oh ich habe schon zu viele Sachen gesehen die ich gerne gekauft hätte, für Mama oder einfach so Geschenke für Freunde. Die Platzbeschränktheit  lehrt einem, dass nichts mitgenommen werden kann... das was bleibt sind die Erinnerungen! 
Das einzige wo ich so richtig zuschlagen kann und Geld ausgeben sind für Postkarten. Bis Heute sind es über 60 an der Zahl. Ich liebe es Postkarten zu schreiben und wie Caspar sagte: "Viel besser als sms". Also falls sich jetzt jemand benachteiligt fühlt, weil sie oder er noch keine bekommen hat, dann tut mir das natürlich aufrichtig leid hehe. Doch liebe Kartenlose, beisst nicht in den sauren Apfel, schreibt mir eine Mail und dann kann es sein, dass nach ein paar Wochen euer Briefkasten nebst den trockenen Rechnungen wieder einmal richtiges Futter bekommt.
Am nächsten Morgen kamen wir mit einem Herrn ins Gespräch und da es mittlerweilen Mittag wurde, lud er uns zum Essen ein. Am Nachmittag wollte er uns hinter die Kulissen von Esfahan führen. Dort wo gearbeitet wird, natürlich hauptsächlich an Teppichen :) Hier werden mit aufwändigster Arbeit Teppiche restauriert. Da sass ein älterer Mann im Schneidersitz vor seiner Arbeit. Seit 2 Monaten beschäftigt er sich damit die eine Hälfte des Teppichs um 10cm nach unten zu rücken, da das Hauptsujet sich nicht ganz in der Mitte befand. Knopf für Knopf wird mit einem speziellen Spatel und Hammer nach unten gehämmert...einfach unglaublich! Ein Anderer wechselte die Blumen in einem Teppich aus, sie waren in gelber Farbe und der Kunde wünscht sie nun in Rot! Jeder Knopf muss einzeln gelöst werden und ein neuer in roter Farbe eingesetzt, eine Arbeit die Wochen dauert. Zum Glück hat er kein Grassujet auf dem Teppich, wär schön blöd wenn ihm das Grün verleiden würde. 
Wir sahen wie die frische Seide gefärbt und getrocknet wurde, wie Gewürze gemahlen und abgepackt wurden und wie Menschen sich ein ganzes Leben lang mit Teppichen auseinandersetzten können!
Zum Schluss lud er uns in seine Familie ein und wir bekamen frische Gurken und Tomaten aufgetischt über. 
Am Abend trafen wir auf eine Gruppe Studenten von der hiesigen Universität, welche uns den besten Coffeshop der Stadt zeigten und wir hatten wieder einmal einen super gemütlichen Abend. 
Nach 2 Tagen reisen wir weiter nach Yazd. Eine der ältesten Städte im Iran. Es ist eine Oasenstadt und sie liegt zwischen den Wüsten Dascht-e Kavir und Dascht-e Lut.
Heute ist der 14. Juni 1392 und ein neuer Präsident wird gewählt. Auf den Strassen ist einiges los und das Silk Road Hostel lädt zu einem "Mitlaufen" auf  der Strasse ein...dafür gibt's eine Nacht gratis hehe. Das Resultat sollte Morgen bekannt sein, wir sind also gespannt. Die Stimmung ist sehr friedlich, ja nahezu feierlich. Überall wird gratis Eis-Wasser mit Rosengeschmack verteilt und es kommt mir vor wie an einem fröhlichem Fest zu sein. 
Am Abend organisieren wir einen Fahrer der uns in die Wüste bringt um den Sonnenuntergang zu sehen. Wow, ein unbeschreibliches Erlebnis. Nach einem kurzen Kamelritt, liefen wir ca 1h in die Wüste hinein. Es ist eine Wüste so wie ich sie mir immer vorstellte. Feinster Sand soweit das Auge reicht. Im Gegensatz zu der eher felsigen Wüste auf der Sinai-Halbinsel oder der Karakum-Wüste in Turkmenistan (welche es noch zu durchqueren gilt) ist diese hier wirklich total aus Sand, ok ab und zu ein kleiner Busch.
Morgen wollen wir nach Shiraz reisen und am liebsten möchte ich Freddy hier in Yazd lassen weil ich wieder hierher zurückkommen werde und von hier aus nach Mashhad reisen. Kaum hatte ich diesen Gedanken im Kopf, spricht mich eine junge Iranerin an und fragt wohin des Weges. Sie meinte dann kurzum ich könnte bestimmt mein Fahrrad bei ihrer Grossmutter in der Zwischenzeit lagern. Ja super! Am nächsten Morgen radelte ich gleich zu Grosi und lagerte mein Gepäck in der Stube neben ihrem Gebetsteppich. Freddy wurde auf der Terrasse mit einem Teppich zugedeckt.
Auf geht's nach Shiraz! Eine Stadt auf 1500M.ü.M speziell bekannt für die Gärten, für das Grabmahl von Hafis und natürlich für Persepolis! Es war eine der Hauptstädte des antiken Perserreiches. Das alles zu sehen ist sehr schön doch ich möchte lieber was sehen was nicht unbedingt im Reiseführer steht! Ha und das ist meistens überall zu finden! In diesem Fall war es ein Wasserfall 3h entfernt von Shiraz. Wir erhofften uns, dort baden zu können. Die Einheimischen kommen hier her um die Kühle zu geniessen und höchstens die Füsse ins Wasser zu strecken. Wir fanden ein Plätzchen mit einem Naturpool welches von Bäumen verdeckt war. Ich schaffte es beinahe mein Kopftuch abzulegen und schon stand eine Frau hinter dem Baum und sagte: "No!" Ja, ja schon gut, so die zwei Herren badeten genüsslich im kühlen nass und ich hatte das Zusehen, hmpf! 
Noch etwas zum Thema "Unterwegs sein in männlicher Begleitung". Hauptsächlich wird mit Sebastian gesprochen, auch wenn sie mich was fragen möchten läuft dies über ihn, er wiederum leitet mir die Frage weiter, ich antworte ihm und er leitet erneut weiter, also so ziemlich kompliziert, es ginge ja such auf direktem Weg...aber Frau bleibt hier Frau!
Hey Sebastian und David, es war eine super Zeit mich euch zusammen, bis bald einmal in Lausanne oder Hamburg :)
Als ich dann wieder zurück nach Yazd fuhr und alleine als Frau ein Taxi bis zum Silk Road Hostel nahm sah alles wieder komplett anders aus... Ich wusste, dass die Taxifahrt ca. 20 Minuten quer durch die Stadt dauert. Nach 40 Minuten fahrt und plötzlich an einem abgelegenen Ort zu sein wo keine Häuser und Lichter mehr waren lief definitiv etwas wrong. Mit lauter, klarer und sehr deutlicher Stimme sagte ich zu ihm Silk Road Hotel!! Er textete mich in Farsi zu und seine Hand war plötzlich auf meinem Oberschenkel. Ganz gelassen aber bestimmt legte ich seine Hand zurück, nahm mein Telefon hervor und tat so als ob ich telefonieren würde, als ich dann das Wort Polizei sagte wurde er ziemlich nervös und keine 10 Minuten später waren wir beim Hotel...also warum nicht gleich so! 
Fazit: bin ich in männlicher Begleitung werde ich kaum beachtet, bin ich alleine kann die Situation schnell kippen. Dies passierte ca. 3x in einer ähnlichen Art und doch muss ich betonen, dass es absolut kein Problem ist alleine als Frau im Iran zu reisen... es braucht einfach Respekt und eine gewisse Bestimmtheit!
Und übrigens, Menschen mit einem IQ von einer Wassermelone gibt es einfach überall auf der ganzen Welt!
Jetzt noch zu den Kugeln von Yazd. Ich habe mich so gefreut noch ein paar Tage hier zu sein, denn es gibt hier so vieles zu sehen. Das Hostel befindet sich mitten in der Altstadt in welcher alle Häuser aus Lehm sind. Somit riecht es ziemlich lehmig in meinem Zimmer aber ich mag diesen modrigen Geruch hehe.
Von 11.00-17.00 ist die Stadt wie ausgestorben, kein Mensch ist auf der Strasse... bei 52Grad an der Sonne ist es schlichtweg zu heiss. Doch genau um diese Zeit mache ich mich auf zu einem Spaziergang und auf wen treffe ich? Genau auf ein Schweizer Pärchen aus Meilen :) So spontan wie wir Schweizer sind, laden sie mich gleich zum Nachtessen in ihr Hotel ein. Es präsentiert sich ein grosses Buffet mit einheimischen Food, wow! Sie sind sehr interessiert an meiner Reise und total sympathisch. Es tat richtig gut wieder einmal so zu Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist. Wir tranken noch einen Cay und Herr Schweizer zückte aus seiner Tasche das Unfassbare!
Kugeln, nein nicht irgendwelche, es waren Lindorkugeln!!! Mein Chef liebt die doch über alles muss ihm gleich ein Foto schicken höhö. Ich war sprachlos und konnte es kaum glauben! Es waren 10 Stück in dem Pack!!! Die heb ich mir für einen besonderen Moment auf, vielleicht für in der Wüste in Turkmenistan :) Was für ein Tag in Yazd! Danke euch beiden von ganzem Herzen für diesen schönen Abend und speziell für das Stück Heimat! See you in Meilen ;)
Doch der Abend ist noch nicht zu Ende. Zurück im Hotel treffen noch zwei Mädels aus Österreich ein. Wir plaudern noch ein wenig und als sie mein Fahrrad erblickten, Freddy zeigte sich wieder von seiner Glanzsseite, sind sie erstaunt und wollen mir was mit auf den Weg geben... Eine Kugel, aber nein wiederum nicht eine gewöhnliche sondern eine Mozartkugel hahaha, Ja dann kann ich nur noch sagen:  Servus!
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2 Tage in Teheran im Jahre 1392

Die Familiengeschichte ist noch nicht zu Ende... Nach einer kurzen Nacht sind wir schon früh Morgens unterwegs in Richtung Friedhof... Zum Dichterfriedhof. Dieser ist sehr bekannt in Tabris. Gleich daneben befindet sich das Nahrungsmittelmuseum und wie erahnt verweilen wir in diesem viel länger als bei den alten Büchern und Schriften der Poeten. Künstliche Orangen und ganze Menues aus Plastik wecken dann sogleich die Kochlust von Nasil. Also los zum Markt um frische Ware zu kaufen...Unmengen!! Zuhause werden die Kochaufgaben gleich verteilt, doch der Gast soll sich's bequem machen und Tee trinken...

oder vermuten sie wohl mein sehr begrenztes Kochtalent?  

Nach einigem hin und her konnte ich mir doch noch die Zuständigkeit für den Salat ergattern :) Früher in der Kochschule habe ich immer gehofft, dass Salatlos zu ziehen, doch meistens war es der Hauptgang und unsere Gruppe hatte oftmals am wenigsten zu Essen weil ganz bestimmt 1/3 von dem Reis am Pfannenboden kleben blieb, hmm.

Die ältere Tochter Elham kam mit ihrer Familie zum Nachtessen. Es war eine seltsame Stimmung, keiner sprach etwas und ich wusste auch warum... Zum erste Mal seit ich in Nepal war, kam dieses eine Gefühl zurück...das Gefühl zu haben, noch soo vieles sagen zu wollen aber nicht zu können. Noch eine Stunde bis ich gehen muss, eine fast unerträgliche...

am liebsten würde ich sofort aufstehen und einfach losziehen, doch wie ich schon oft geschrieben habe, gehört das Abschied nehmen dazu. Ich stehe auf, montiere das Kopftuch welches sogleich zum die Tränen wegwischen dient, trage die Taschen vor das Haus, zücke die letzte OVO-Schokolade und lege sie stillschweigend in Maza's Hand. Mohammed probiert mir in aller Eile  zu erklären, dass ich Mama anrufen soll und ihr sagen, sie solle nach Tabris kommen und wir könnten bei ihnen wohnen. Ach wie lieb! Wir werden uns bestimmt wieder einmal sehen.
Er begleitet mich noch bis zur Busstation, was ich nicht wusste war, dass er bereits ein Ticket im besten VIP-Bus für nach Teheran gekauft hat! Wir fahren in die Dunkelheit der Nacht hinein und das orange Licht der Strassenlampen lassen die Tränen in seinen Augen Glitzern. 
Der Bus ist bereits da. Er legte seinen Arm um meine Schulter und sagte "Insallah". Aus seiner Hemdtasche zückt er 300 US-Dollar und steckt sie mir zu! Nein, auf keinen Fall kann ich dies annehmen. Er wollte, dass ich das Geld nehme, er sei extra auf die Bank gegangen um es in Dollar zu wechseln. Was hättet ihr getan? Ein Mann in Tränen steht vor euch, den ihr seit 3 Tage kennt und will euch sein Monatsersparnisse einfach so schenken? Was hättet ihr getan??
Wie gesagt, ich konnte dies nicht annehmen, ich legte meine rechte Hand auf mein Herz als Zeichen des Dankes, stieg in den Bus und das wars!
Diese Begegnung mit so einer herzlichen Familie werde ich niemals vergessen.

Im Bus ging's im gleichen Stil weiter. Die junge Frau die den vordersten Platz hatte, kam nach hinten zu mir und fragte ob ich Touristin sei. 100 Punkte für die Dame in der vordersten Reihe hihi. Frauen und Männer sind hier im Bus getrennt. Sie spreche Englisch und falls ich ein Problem während der Fahrt habe, könne ich sie fragen. Total lieb doch das ist noch nicht alles...wie ein nervöses Huhn stand sie 3 Minuten später wieder bei mir hinten und meinte sie versuche jetzt den Platz mit dem Herrn vor mir zu tauschen, denn falls ich ein Problem hätte müsste ich dann nicht zu ihr nach vorne laufen.
Meine Güte ich werde tatsächlich noch faul! Der Herr willigte ein, packte mühsam seine 7 Sachen wieder zusammen und zügelte nach vorne und meine SOS-Schwester Fathima ist zum Dienst angetreten ;) Nach einem Nickerchen ist mein Kopftuch natürlich nicht mehr da wo es hingehört. Doch Fathima kümmert sich darum und  leistet erste Kopftuch-Hilfe. Sie lud mich dann sogleich in ihre Familie ein und ich könne bei ihr bleiben solange ich wolle!
Sogerne ich die Einladung auch angenommen hätte, zwingt mich das Abholen des turkmenischen Visum in Teheran in einen Zeitplan. Sie gab mir ihre Telefonnummer, dass ich sie bei Problemen jederzeit erreichen könne, so lieb. 
06.00 Uhr in Teheran: Eine Stadt mit 10 Millionen Einwohnern! Im Bus habe ich mir auf der Karte den Weg von der Busstation bis zum Hotel Firouzeh eingeprägt, ca. 6.5 km immer gerade aus, dann links abbiegen, nach dem 2. Kreisel rechts und nach 1km nochmals rechts. Erstaunlicherweise war es tatsächlich ziemlich einfach zu finden obwohl mich der Verkehr auf einer 7-Spurigen Strasse herausforderte.  Hotel gefunden, Gepäck abgeladen, Freddy im Keller geparkt, es kann los gehen. Ich spaziere durch die Strassen und will in den Stadtalltag Teherans eintauchen. Ha, das geht ruck zuck! Die Shopbesitzer sitzen draussen auf ihren faltbaren Hockern und jeder zweite spricht mich an. Die Fragen sind immer die gleichen: Woher? Wie alt? Wieviele Kinder? Verheiratet? Allein??. Nach 2h habe ich über 50 Visitenkarten mit Telefonnummern in meiner Tasche und 18 Einladungen für Übernachtungen in Familien! Ich bin sprachlos...
Ich muss unbedingt ein neues Kopftuch kaufen weil mir das jetzige dauernd runter rutscht, der Stoff ist einfach zu leicht. Die Suche nach einem Laden gestaltet sich schwieriger als angenommen. Als ich bei einer alten Dame nachfragte (mit Händen und Füssen) begleitete sie mich zum Shop. Da wir uns in der Autostrasse befanden, ich nenne sie so weil man in der ganzen Strasse nur Shops zum Thema Auto findet. Einer verkauft Felgen, der Andere bietet Lichter an und der Dritte Pneus. Wir liefen ca. 20 Minuten. Wenn mich Zuhause jemand nach dem Weg fragt, dann erkläre ich diesen oder mache eine kleine Skizze...aber ich würde ihn bestimmt nicht 20min begleiten! Warum würden wir das eigentlich nicht tun? Weil wir keine Zeit hätten??
Der Laden hat zwar Schaufenster, diese sind jedoch mit schwarzen Tüchern ausgekleidet damit man nicht hinein sehen kann, macht ja auch Sinn wenn man Kopftücher probieren möchte! Auch die Coiffeuresalons für Frauen sind verdunkelt, dass von aussen keiner was sehen kann.
Nach erfolgreicher Kochtuchfarbberatug (was für ein Wort:) und Kauf ging ich zurück ins Hotel. Auf dem Weg sprach mich eine junge Dame an, sie erzählte mir etwas in Farsi und stellte eine Frage. Gespannt hörte ich zu und als ich nicht antwortete, fragte sie erneut in perfektem Englisch ob ich den kein Farsi spreche? Hehe noch nicht! Sie entschuldigte sich bei mir, weil sie dachte ich sei Iranerin. Liegt das jetzt am neuen Kopftuch?
Ihre Nase war weiss eingekleidet, wie so in eine Art Schutzschild. Natürlich nahm es mich wunder, was da passiert ist. Heute habe ich schon einige Frauen gesehen die einen solchen Schutz trugen. Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke, dass sie vielleicht geschlagen wurden. Doch der Grund ist ein gaanz anderer! Zu meinem Erstaunen freute sie sich über meine Neugierde, kicherte und voller Stolz zeigte sie mir auf ihrem Natel ein Foto von ihrer Nase "Vorher" und "Nachher" :)
Tatsächlich ist es hier sehr günstig und total Mode sich die Nase richten zu lassen. Vielleicht fragte sie mich ja zuvor in Farsi ob ich noch eine Adresse für einen Plastischen Chirurgen brauche? Ojemine. Die Situation war so absurd, dass ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte und es auch nicht so schnell stoppen... es war ja kein Auslachen! Sie amüsierte sich und als Dank für mein Interesse wollte sie mich auf ein Eis einladen. Ich nutze die Situation, dass sie so gut Englisch sprach und stellte ihr viele Fragen: zu den Wahlen, den Iran, über Teheran, der Stand der Frauen, undundund. Es scheint mir unmöglich dies alles aufzuschreiben doch was sicher sehr aktuell ist, sind die Wahlen vom 14. Juni. Sie meinte es spiele eigentlich nicht eine soo grosse Rolle wer gewählt wird, die zwei Imame haben sowieso das Sagen auch wenn dass öffentlich nich so transparent sei (mehr dazu später...) 
Am Abend "grübelte"ich noch alle Dokumente hervor die ich für die Abholung des Visas brauche. Hundemüde liege ich auf der durchgelegenen Matratze, kann nicht einschlafen, da ich kaum fassen kann, was ich an einem einzigen Tag alles erlebt habe und wie viele Begegnungen darunter waren.
Als ich am Morgen das Fladenbrot mit Karottenmarmelade geniesse, setzt sich ein weiterer Reisende neben mich. Vielleicht ist er ja mit dem Fahrrad unterwegs?! Leider nicht. Doch ich freue mich sehr über die Gesellschaft von Sebastian aus Deutschland. Er hat gerade Ferien und reist in dieser Zeit mit dem Rucksack durch den Iran. Wir verstehen uns sehr gut und beschliessen gleich die drei Städte Esfahan, Yazd und Shiraz gemeinsam zu besuchen. Keine 10 Minuten später steht ein weiterer Tramper an der Rezeption. Von hinten, sowie auch von vorne könnte man meinen es sei Nicolas Cage, unglaublich diese Ähnlichkeit...
Doch die gelbe Emmentalerkäse Bauchtasche wirft diese Annahme schlagartig in den Hintergrund. David aus Lausanne reist vom Iran über den Oman weiter nach Dubai. Er schliesst sich uns an und fast hätte ich vergessen, dass ich ja noch das Visum abholen muss :) da die zwei keinen Plan für Heute haben wollen sie mich begleiten. Ja super, dann können wir gleich nach der Botschaft zusammen weiter, es gibt noch einen Berg am Stadtrand und von dort soll man eine super Sicht über die ganze Stadt haben. Die Taxifahrt zur Botschaft dauerte 1 Stunde und kostete 4 Franken. Es sind bereits viele Leute am warten, einer hält mindestens über 10 Pässe in der Hand, uff das kann dauern. Ich sagte zu Sebastian und David, dass sie doch schon mal vorausgehen sollen, doch die zwei finden es gemütlich unter dem Baum, essen ein paar Nüsse und warten sehr geduldig.
Ein weiterer Visahoffender kommt dazu. Der ist so gebräunt im Gesicht, es muss ein Radler sein! Ha und prompt ist es einer: Wolfgang aus Hamburg. Natürlich haben wir uns vieles zu erzählen. Wir vergleichen die Daten des turkmenischen Visum's, meines läuft einen Tag früher das heisst wir könnten eine Teilstrecke zusammen radeln! Wir tauschen unsere iranischen Nummern aus und werden uns in Mashhad wieder treffen, super.
Der Herr Konsul bittet mich nochmals einen Antrag auszufüllen und dann zu warten...4h später hab ich das Visum im Pass, checkte die Daten und bezahlte 55Dollar. Es ist ein Transitvisum, das heisst du hast nach der Einreise 5 Tage Zeit um das Land wieder zu verlassen höhö. Es gibt auch ein Touristenvisum, doch für dieses zahlt man pro Tag 200 Dollar und man muss einen Guide haben. Also sind 55 USD für 5 Tage ohne Guide ja richtig günstig...hmm.   
Die Aussicht von dem Berg auf Teheran ist wirklich einmalig. Die Stadt ist einfach riesig. Jemand sagte uns: "Der Iran ist ein Land, Teheran ein Anderes!" Am Abend finden wir ein traditionelles Restaurant mit Livemusik. Je später es ist desto mehr Leute kommen. Iranische Familien essen zusammen, klatschen im Takt zu der Musik, haben es lustig und winken uns immer wieder mal zu. Was für eine gemütliche Runde! 
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48 Grad, viel Fleisch und ein Plastikschwan...

Die ersten paar Tage bin ich in der azerbeidjanischen Provinz, sie grenzt an die Provinz Kordestan welche durch die Zagros Bergkette geprägt ist, sie ist etwa 1500km lang und reicht bis zur Meeresküste von Oman. Diese Bergkette ist total interessant denn sie ist wie eine Grenze, einerseits trennt sie das mesopotamische Tiefland mit dem iranischen Hochland. Sie ist auch eine Klimascheide, denn sie bildet eine Barriere für die Wolken welche meistens aus Westen kommen. Dazu ist sie eine historische Grenze, die die alten Kulturen Mesopotamiens von der Bevölkerung und später das iranische vom Osmanischen Reich trennte. Lonley Planet sei Dank!
Nun aber zurück nach Maku. Am Morgen telefonierte mir Mehmmet von Dogubeyazit. Er fragte, ob bei mir soweit alles in Ordnung sei, so lieb. Sein Kollege Mohammed, der gestern auch beim Frühstück war, fahre heute nach Tabriz und er würde mich gerne in seine Familie einladen und mich gleich von Maku aus mitnehmen. Ja super, da stimme ich doch gerne zu. 2h später parkte er auch schon vor dem Hotel. Ruck zuck war alles eingeladen und die 4 stündige Fahrt kann losgehen, doch Halt!
Zuerst muss noch der Fernseher über dem Armaturenbrett installiert werden, damit wir während der Fahrt die News schauen können... Sein Fahrstil war auch dementsprechend, oftmals hab ich einfach die Augen zugemacht und dachte: "es wird sehr, sehr knapp, doch Mohammed wird es schon irgendwie richten!"
Tabriz, die drittgrösste Stadt Irans in gut 1300 m Höhe. Maschinen- und Fahrzeugbau wie auch die Erdölraffinerie ist der Schwerpunkt der Stadt. Doch für mich persönlich hatte sie einen anderen Schwerpunkt...die unbeschreibliche Gastfreundschaft von Mohammed's Familie. Sein Haus liegt am östlichen Rande der Stadt, von aussen sieht es ganz einfach gebaut aus, doch innen... So was habe ich noch nie gesehen, es ähnelt einem Palast. Teppiche, wo das Auge hinreicht, einige sind sogar in einem hölzernen Rahmen und wenn die Sonne durch das Fenster auf die Seide scheint, glizzert sie beinahe. Auf der linken Seite hat es ca. 8 massive Polstersessel und einen Flachbildschirm. Rechter Hand sind 10 gepolsterte Stühle, welche eher einem Thron ähneln. Die Küche ist einfach riesig! Wie angewurzelt bleibe ich stehen und kann kaum glauben, was sich hinter diesen von aussen doch so einfachen Mauern verbirgt.
Die Türe geht auf und seine Frau Nasil und die 16-jährige Tochter Maza kommen nach Hause. Sie begrüssen mich, wie wir uns schon sehr lange kennen würden :) sogleich entreisst die Tochter ihr Hejab und die Mutter den Tschador. Darunter kommen enge Jeans und kurzarmshirts hervor. Heute war es 48 Grad an der Sonne...
Mohammed brachte viele Geschenke aus der Türkei für die Familie mit: Schampoo und Pralinén für die Frau, Make-Up und ein Kleid für die Tochter und jetzt noch das beste: geschmolzene, weiche Toblerone für's Thesi! So lieb von ihm! Total aufmerksam!
Noch ein paar Worte zur Kleiderordnung respektiv Regeln. Ein offensichtliches Zeichen, dass man im Iran ist, denn schon oft habe ich gedacht "bin ich wirklich im Iran?, ist das der Iran, von dem ich in den Medien gehört habe? Nein, es ist der Iran, den ich zum Glück mit eigenen Augen sehen kann und er ist einmalig!"
Zurück zu den Kleidern. Die Umsetzung der Regel sieht ein wenig anders aus. Der Hejab ist die Bezeichnung der Kleiderregel, sowie auch für das Kopftuch, welches bei vielen jungen Frauen so ziemlich weit hinten sitzt, 3/4 der Haare sind zu sehen. Auch beim Hejab gibt es eine Mode...zugegeben, ich habe auch bereits zwei davon hihi, ein leichtes für zum Radeln (wenn ich dann dazu komme) oder während dem Tag und ein eher edles für am Abend, welches auch zu meinem knielangen Kleid farblich sehr gut passt. Eine Frau soll in der Öffentlichkeit ihre Figur und ihre Haare verdecken: weite Hosen, darüber ein Mantel ca. bis zu den Knien, welcher die weiblichen Kurven samt Hüften verhüllt. Das ist die Theorie doch die Praxis...es gibt auch eng anliegende Mäntel und enge Jeans...und speziell in Teheran auch mal in knallgrün, rot, gelb bis hin zu pink :)
Nun zum Tschador. Ein langes, weites schwarzes Tuch, unter dem sich die Frau verstecken kann. Wörtlich übersetzt heisst es auch Zelt. Bei genauerem hinschauen steht da manchmal auch Louis Vuiton drauf.
Maza zeigt mir gleich ihr Zimmer und erklärt es für solange, wie ich will zu meinem. Ich sagte ihr, dass ich in meinem Schlafsack auf dem Boden schlafen werde. "No, no, no!" Sie zügelt in Mama's Bett und Mohammed wird sich's auf einem Teppich in der Stube bequem machen....keine Widerrede! Es war mir irgendwie peinlich...
Mohammed offerierte mir gleich einen Whisky....was? Im ganzen Land gibt es "anscheinend" keinen Alkohol und er hat Whisky im Schrank? "From Turkey hehehe". Am Abend fuhren wir in den El Goli Park. Die Iraner lieben Picknicken! Hunderte von Menschen geniessen hier die abendliche Kühle, sitzen auf ihren mitgebrachten Teppichen, essen Wassermelonen, trinken Tee, bringen den selbst gebastelten Grill mit und grillieren. Ich komme mir wie in einem Film vor, sie haben es lustig miteinander, singen und klatschen. Alle sitzen fröhlich um den künstlichen See und "leben im Moment". Maza wollte unbedingt mit mir Pedalo fahren. Als ich sie dazu einladen wollte und schon einen Geldschein hervorlockte, schaute mich Mohammed streng an und gab mir zu wissen, dass ich auf keinen Fall etwas bezahle, dass sei seine Angelegenheit!
Zu zweit drehten wir im Plastikschwan unsere Runden bis der Pedalochef uns zurückwinkte...Zeit ist rum! Nach einer Pistachglace hatte der Vater Hunger und wir stürzten ins nächste Restaurant. Heute habe ich schon sooo viel gegessen, ich bringe beim besten Willen nichts mehr runter. Zu spät, eine grüne Suppe mit Teigwarenresten steht vor mir, anstandshalber schlürfe ich bis zur Hälfte. Hier die Aufzählung, was mir Mohammed Heute alles auftischte: Fladenbrot mit Konfi, Chickenspiessli, Kartoffel, Salat,Nüsse, Kirschen, Aprikosen, EbliSuppe, einen grossen Fisch, Whisky, Honig mit Wabe, Restensuppe, Pistachglace, Maiskolben und das ganze wurde mit einer Wasserpfeife Mintgeschmack abgerundet uff! Und das bei dieser Hitze.
Um 02.00 Uhr ging ich vollgefr.... ins Bett und bin so glücklich, diese Familie getroffen zu haben und noch ein wenig bei ihnen sein zu können. Lange konnte ich nicht einschlafen, weil bereits der Gedanke in mir aufkommt von ihnen Abschied nehmen zu müssen. Doch die Kunst liegt darin im Moment zu leben und nicht daran zu denken, was Morgen sein wird oder was gestern noch hätte erledigt werden sollen. JETZT ist entscheidend.
Auf meinen Reisen, die ich vor dieser unternommen habe, ging mir immer alles ein wenig zu schnell...am Freitag noch arbeiten, am Samstag fliegen, 2 oder mehr Wochen in eine andere Welt eintauchen, Sonntag Abend zurückfliegen und ein paar Stunden später wieder auf der Matte im Alltag stehen. Mit dem Fahrrad ist das vorwärts kommen doch gemächlicher und ich empfinde all das Erlebte viel, viel intensiver. Doch gerade jetzt fühle ich mich wieder überfordert, ich sitze in Shiraz, alleine auf einer Terrasse bei einem Cay, über 1000km von dieser Familie entfernt und habe bereits wieder sooo vieles erlebt. Bei ihnen war ich 3 Tage wie Zuhause und dies habe ich so genossen.
Um 08.00 klopfte es an meiner Türe, Mohammed steht bereit und will mir etwas zeigen...nimm die Kamera mit. Bin ja gespannt. Was vielleicht noch zu sagen ist, er spricht kein Wort Englisch, das spielt aber keine Rolle, wir verstehen uns auch so. Die rasante Autofahrt endete bei einer Talstation einer Gondelbahn!! Wir gehen also auf den Berg wandern? So cool! Ein wunderbarer Ausblick über Tabriz und über das iranische Gebirge offeriert sich hier. Die Luft ist so sauber und bereits um 09.00 Uhr sind die Iraner am Picknicken und stellten ihre Zelte auf. Wir sassen auf einen Stein, tranken Cay, genossen die Weite und ich konnte ein paar tolle Fotos machen.
Doch auch hier oben wird es sehr schnell heiss. Auf dem Heimweg, machte er beim Bäcker halt, bis er zu 3 Scheiben Brot kam, dauerte es eine gute Stunde.
Wenn ich daran denke, wie oft ich stumm und ungeduldig an der Migroskasse warte und immer dass Gefühl habe, diejenige Kasse erwischt zu haben, an welcher es am längsten dauert, weil irgendjemand seine Aubergine vergessen hat zu wägen, oder noch schnell zurückrennt, weil auf dem Zettel doch noch die Tempotaschentücher stehen... Doch hier artet die Warterei zu einem Gespräch aus oder einer packt Karten aus und es wird gespielt...
Nach dem reichhaltigen Frühstück, hey die Rüeblikonfitüre schmeckt immer besser, wurde der Picknickkorb bepackt, wohin wir gehen? Keine Ahnung :) Nächster Halt in einem Dorf, wir sind zu viert im Auto, Türe auf, 3 weitere rein und schon habe ich den 1 jährigen Amir auf dem Schoss. Elham, die zweite Tochter mit ihren zwei Söhnen ist also zugestiegen. Wir fuhren ins 50km entfernte Kandovan. Dies sieht ähnlich wie in Kapadokien aus, ein beliebtes Ausflugsziel. Kaum 10 Minuten später treffe ich auf die Deutsche Familie, welche ich in Dogubeyazit getroffen habe. Sie fahren ja von Deutschland aus über Pakistan, Indien bis Sumatra. Ein freudiges Wiedersehen und die Familie war ein wenig geschockt, dass ich da jemanden kenne höhö.
Es gab wieder viel zu Essen...zu viel. Auf dem Rückweg hielten wir an, um unter einem Baum am Schatten noch eine Wassermelone zu verdrücken. Als ich mich von Elham verabschiedete, rückte sie mir mein Kopftuch zu recht, drückte mich und sagte, dass wir uns zum Glück Morgen wieder sehen...Aha, was ist wohl für Morgen geplant? Mohammed machte noch beim Metzger halt und kaufte Unmengen an Fleisch ein. Hoffentlich Vorrat für die nächsten Woche, ha Falschalarm. Kaum Zuhause wird das Huhn auseinander genommen, mit dem Gartenschlauch wasche ich das Chicken, währenddem er das Lamm aufspiesselt (wohl nicht ganz Deutsch, egal!) Auf dem Parkplatz wurde der Teppich ausgerollt, Maza wedelt mit einem Karton über der Kohle und Mama rüstet den Salat.
Das Tor geht auf und die Gäste kommen, zum Glück, denn ich war nämlich mit dem Anblick dieser Unmengen an Fleisch leicht überfordert. Onkel mit Frau, Tante mit Mann, Grossmutter und die Nachbarn kommen rein, alle geben mir gleich einen Kuss und drücken mich. Sie sprechen natürlich nur in Farsi, doch es ist sehr leicht zu merken, dass ich das Gesprächsthema des Abends bin und sie lachen, reden durcheinander und für mich ist das doch sehr amüsant. Nebenbei werde ich zu einem "Fleischmoudi". Zum Dessert gibts Kuchen vom Grosi. Die Männer drehen noch eine Runde mit Freddy und das Gekicher geht von Neuem los! Oh, es war so ein lustiger Abend und dass ohne ein Wort zu verstehen...
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Salam, welcome to Iran and thank you!

5. Juni, 07.00 Uhr, alles gepackt, Kopftuch montiert, Freddy gesattelt! Es kann losgehen. Mehmmet schreibt mir noch jenste Adressen in mein "Iran- Notizbuch", welches ich von einem Patienten geschenkt bekommen habe, hinein. Er schenkte mir auch gleich seine iranische SIM- Karte damit ich Abends Mama anrufen kann...so lieb! Auf den letzten Drücker habe ich gestern noch Informationen aus dem Internet notiert und Mail's geschrieben...solange es noch geht :)
Die Strasse bis zur Grenze ist ziemlich flach, der Ararat präsentierte sich in meinem Rückspiegel von seiner schönsten Seite. Ein perfekter Start. Auf dem Weg treffe ich auf unzählige Schafherden, die Hirten sind oft 12-16 jährige Knaben. Wenn sie mich von weitem sehen, rennen sie zur Strasse und sagen in einem sehr aufforderndem Ton:" Yemek, Su!", Essen und Wasser! Ich probiere jeweils Tempo zu machen, denn wenn ich stehen bleibe sind ihre Finger schneller als ich sehen kann am und im Gepäck, sie rennen mir nach, greifen nach den Taschen oder werfen Steine, zu meinem Glück zielen sie jedoch sehr unpräzise. Bertil, der Campingbesitzer hat ein Buch indem beschrieben wird, über Kinder die Steine werfen. Ein Phänomen, dass z.B. auch in Afrika sehr bekannt ist, das erstaunliche dabei ist, dass die Eltern nicht eingreifen.
Bereits einige Kilometer vor der Grenze beginnt die Lastwagenschlange. 468 Trucks habe ich gezählt und überholt....Wahnsinn! Einer im vorderen Viertel meinte, es gehe ca. noch 2 Tage bis er an der Reihe sei. Es gibt sogar einen Caywagen der hin und her fährt um Tee und Brezel anzubieten. Die Fahrer liegen am Schatten unter ihren Trucks, spielen Backgammon oder Schach. Alle paar Meter werde ich zu einer Spielrunde eingeladen... "Spieltage an der Grenze", wenn ich dass früher gewusst hätte...
Ich bin schon ein wenig nervös vor der Grenze, hoffe dass alles klappt... Beim Check-Out haben mich die Türkischen Beamten nach meinem Wortschatz gefragt den ich mir angelegt habe. Das erste Wort, dass mir in den Sinn kam war: Ayran, das Milch-Salz Getränk, welches alle Türken lieben. Sie lachten, stempelten den Pass und wünschten mir eine gute Reise.
Der nächste Beamte war dann ein Iraner, er kam auf mich zu und fragte nach meinem Pass. Ein zweiter kam und wies mich in eine Halle ein. Am Fernseher wurde gerade das Mittagsgebet übertragen, schon Mittag? Ach ja, die Uhr wird hier um 1h und 30 min vorgestellt. Schweiz: 08.00 Uhr (die Arbeit beginnt...) - Iran: 10.30 (das Znüni ist in vollem Gange :).
Der eine wollte wissen durch welche Länder ich schon geradelt sei und was ich über den Iran gehört habe...natürlich nur positives! Dies freute ihn sehr und er erzählte dies gleich seinem Kollegen worauf hin dieser den Pass stempelte und mich mit einem lächelnden: "Welcome to Iran and Thank you" durchwinkte. War's das jetzt schon? 10 Minuten? Geht ja schneller als in Kroatien! Und das Mittagsgebet läuft immer noch...
Kaum draussen werde ich von Taxifahrern umzingelt... Welcome to Iran Taxi? Welcome to Iran Taxi? Welcome to Iran Taxi? Haha, nein ich bin mein eigenes Taxi :) Die Leute am Strassenrand winken mir zu und alle sagen "Thank you, thank you", für was denn?
Die Kinder am Strassenrand fragen nicht nach Money sondern sie fragen: "Tourist?".
Ich habe ein sehr gutes Gefühl und fühle mich sicher. Doch schon bald sehe ich vor mir etwa 7 grosse Hunde und mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Ich steige ab und warte... es hat nicht so viel Verkehr hier, doch bereits das dritte Auto hält bei den Hunden an und winkt mir zu, super der steht jetzt da und verscheucht die Hunde bis ich durch bin! Unglaublich!
5 Minuten später erneut ein ungutes Gefühl...der Mann im kleinen Lieferwagen fährt in meinem Tempo hinter mir her...mann o mann! Seit Sivas habe ich aber was gelernt!!! Ich steige erneut ab, er überholt mich und hält ca. 100 Meter vor mir an und wartet...ja ich kann auch warten!
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich nicht weiterfahren darf. Ein grauer Peugeot überholt mich, kehrt nach 80m um, hält neben mir an und fragt mich ob ich ein Problem mit dem Fahrrad habe...nein, aber mit diesem Lieferwagen dort vorne! Bis Maku sind es noch gut 8km, der Herr am Steuer sagte, kein Problem ich fahre neben dir her bis Maku... Was, wirklich jetzt? Dieses Angebot nehme ich sehr, sehr gerne an! Wir überholten den Lieferwagen, er schaute grimmig aus seinem Fenster und folgte uns bis Maku. Mein persönlicher Autobegleiter fuhr mit mir bis vor das Hotel...einfach ein Goldschatz!
Als ich in der Türkei in ein Hotel kam, starrten die Männer zuerst eine Runde bis sie was sagten...hier, begrüssen sie dich sofort auf eine sehr herzliche Art. Sie freuen sich über den Besuch und sagen dies auch! Die Nacht kostet 440'000 Rial, das ist total komisch solch hohe Zahlen zu brauchen, musste mir ständig das Lachen verkneifen...
ein Teller Reis mit Chicken please: 72'000 hahaha, eine Cola: 13'000 puahahaha, wieviel ich zurzeit im Portemonnaie habe: nur noch 1 Million und 700'000, phu muss schon bald einmal wechseln....hahaha ich könnte laut hinaus grölen :) Tönt einfach suuper! Also 1 US Dollar sind ca. 36'000 Rial. Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es auch noch die Tuman, genau das gleiche Geld einfach immer ein Null weniger. Also zuerst ich fragen ob der Preis nun in Tuman oder in Rial ist! Im Iran ist es nicht möglich an einem Bankomaten Geld abzuheben, also für Ausländer, dass heisst ich habe alles Bar auf mir und dies muss bis Usbekistan reichen!
Im Zimmer habe ich den Fernseher angemacht...ich verstehe kein Wort, doch es läuft gerade eine Sendung zu den Wahlen und nach jeder Werbung kommt das Musiksignet der Wahlsendung, der Song von: the Pirates of the Carrabien hihi. Auf dem Newssender vom Ausland werden nur die Bilder gezeigt...ohne Ton!
An der Rezeption hat mich Fatima gleich angesprochen: "Bist du verheiratet?...Nein??, Wann willst Du heiraten? Und wieviele Kinder möchtest du haben?" Uff soviele Fragen auf einmal und eine Antwort wusste ich auch nicht. Sie meinte ich könne es mir ja überlegen und ihr Morgen antworten hahaha... sie sagte mir: "wir Iraner sind nette Menschen, wir lieben Besuch, speziell von Ausländern, denn wir können ihnen zeigen wie wir wirklich sind und nicht wie Amerika uns darstellt! Wenn ich am Abend mit der Arbeit fertig bin, kann ich im Dunkeln alleine nach Hause laufen ohne Angst zu haben...in der Türkei hingegen ist dass was anderes! Du kannst Dich hier absolut sicher fühlen und die Menschen in diesem Land werden dir immer helfen." Hab wieder was gelernt...
An diesem ersten Tag im Iran habe gleich drei neue Dinge gehabt: Rüeblikonfitüre, Handseife mit Bananengeschmack und zum Frühstück ein Knoblauchjoghurt...
Ich bin so gespannt was mich in Persien erwartet...eines weiss ich jetzt schon...um dieses Land auch nur annähernd zu verstehen sind 4 Wochen viel zu kurz....
1. Tag = 1 Blog!..bin aber schon über 2 Wochen im Iran und ich weiss gar nicht wie ich all das erlebte niederschreiben soll...
 
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