Greece - Thessaloniki - 2000km - und es bizeli Raege...

Das bin nicht ich ! :)
Das bin nicht ich ! :)
Es war absolut die richtige Entscheidung einen Ruhetag in Ohrid zu machen... Der Kopf wollte eben zuerst weiterfahren. Als der Kopf dann den Körper fragte, was er zu einem Tag Pause meine, sagte dieser : " Hör zu lieber Kopf, wenn Du willst, kannst Du ja schon mal gehen, ich warte hier noch einen Tag, leg die Beine hoch und Morgen werde ich Dich längstens wieder ein- und überholen hehe". Die zwei einigten sich und mir war's auch recht :) 
Nach einer Stunde langweilte ich mich ein wenig und musste dringend nach draussen und was machen. Ohrid bietet einiges zu sehen, die Stadt und der See gehören dem Unesco-Weltkulturerbe an. Die Altstadt mit der Mittelalterlichen Festung liegt am Berg oben und dort ist auch ein Amphitheater zu sehen. Ein hellenistisches Theater welches nach griechischer Art gebaut wurde. Es regnete derart, dass ich mir schon überlegte einen Schirm zu kaufen, aber den weiterhin mitzuschleppen gurkt mich ein bisschen an. Somit packte ich mich Wasserdicht ein und ging den Berg.
Es waren alles Treppenstufen, bin schon lange keine Treppe mehr gestiegen, dass ging aber sehr sehr ring! Als ich bei diesem Amphitheater angekommen bin, setzte ich mich in die hinterste Reihe, blickte auf die Bühne und hing den Gedanken nach... Welche Gedanken das sind, ist ja offensichtlich. Das Alpentheater fehlt mir schon ein wenig. Die Probezeit war immer super und ich denke viel daran, was sie wohl gerade einstudieren... Bestimmt ein Dousido! ihr wisst nicht was ein Dousido ist? In dem Fall besucht ihr am besten das Alpentheater diesen Sommer und dann wisst ihr's hehe. Eines weiss ich, sie machen das ganz sicher toll und es wird bestimmt einen weiterer Erfolg geben diesen Sommer, yeah!!!
Am Nachmittag war ich einfach in meinem Zimmer und freute mich schon auf Morgen, wenns weitergeht. Dann renne ich immer zuerst zum Fenster und schaue in den Himmel. Heute : bewölkt aber trocken, super los gehts!
15km ging's dann bergauf...langsam aber sicher!
Was kommt mir da weit vorne entgegen? Nein! Wirklich jetzt? Jaaa! 2 Velos vollbepackt! Jetzt gibt's Pause! Die eine kommt aus Mexiko City und die andere aus Frankreich. Eigentlich sind sie eine Gruppe von 14, da Penny von Mexiko, kein Albanienvisum bekommen hat, gehen sie via Kosovo nach Montenegro und treffen dort wieder auf die Gruppe. Sie radelten von Thailand aus nach Laos, Indien über China, durch den Iran und wollen auch in die Schweiz. Sofort gab ich ihnen die Adresse von Mama und sagte die Türe sei für sie immer offen. Sie hatten keine Landkarte von Kroatien und dem Kosovo dabei, da kann ich doch aushelfen und händigte ihnen gleich meine Karten aus, die ich nicht mehr gebrauche, in der Schweiz können sie diese ja liegen lassen und ich muss somit auch ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen weniger schleppen, höhö. Sie gaben mir die Adresse von einem Kollegen in Istanbul, bei welchem ich bestimmt bleiben könne solange ich wolle. Am selben Abend kontaktierte ich Kerem in Istanbul und der wusste schon bescheid :) Da er eine grosse Wohnung mit mehreren Zimmern hat, bietet er diese an Reisenden gratis zur Mitbenutzung an (couchsurfing.com). 
Voller Motivation und Elan trete ich in die Pedale in Richtung Bitola. Nach Bitola fährt man, respektiv Frau runter, dass heisst zuerst noch einmal den Berg rauf. 
In Istanbul muss ich dringend neue Bremsklötzli montieren... und vielleicht wieder einmal Pumpen, was ich bis jetzt ja erst einmal gemacht habe! 
Bitola ist ein wunderschönes Städtchen. Ich flaniere während der Abendsonne durch die Gassen und an jeder Ecke gibt es was zu sehen. Sei dies ein spezielles Haus, eine Moschee oder ein kleines "Lädeli" in welchem die frisch, roten Äpfel förmlich vor sich hin leuchten. Ich kann nicht widerstehen und decke mich mit ein paar ein. In einem Hinterhof habe ich ein hübsches Häuschen gefunden und der Hausmeister hatte auch ein hübsches Zimmerchen frei. Am Morgen weckten mich die Sonnenstrahlen! Innert ein paar Minuten war ich parat, Kurzhose und Shirt sind montiert, Griechenland ich komme! 
Bis zur Grenze waren es gut 20km, dort war ich auch schnell durch und das griechische Fähnchen gesellte sich neben das Schweizer. Sie vertragen einander tip top!
Heute läuft's mir sehr gut, ist ja nur flach. Aber auch den Hunden läuft es sehr gut! Ich habe mich echt noch nicht an sie gewöhnt. Das erste mal waren's gleich 6 an der Zahl. Sie machen ja nichts und trotzdem schüttelt es mich immer wieder durch...ich schaue sie nicht an, ignoriere nur! Hoffentlich gewöhne ich mich bald an sie... Danke Nicole für den Tipp mit den Steinen.
Die Strecke bis nach Arnissa war einmal mehr eine Augenweide...aber nur wenn man den Umweg nimmt :) Ein munziges Dorf, dass an einem See gelegen ist. Gibt es hier auch Menschen?? Ja einen habe ich nach längerem gefunden. Als ich ihn fragte ob es hier eine Möglichkeit gäbe zu übernachten, schüttelte er den Kopf und klingelte an der nächsten Haustüre. Die Frau öffnete die Türe, er sagte irgendwas in griechisch, sie schüttelte auch den Kopf... Als sie dann das Fahrrad betrachtete und in perfektem Hochdeutsch sagte: " Kommst Du aus der Schweiz? , mit dem Fahrrad??, alleine???" Sie konnte es kaum glauben und meinte:" Ach, für die Schweizer haben wir doch immer ein Plätzchen, komm rein ich mache gerade Kaffee". Wir plauderten über Dies und Das. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, hat 3 Kinder und war bis vor kurzem Selbstständig. Sie empfahl mir die einzige Taverne im Dorf, dort gäbe es gutes Essen. Peperoni gefüllt mit Reis. Später kam sie mit ihren 4 Freundinnen auch zu. Einmal im Monat haben sie Frauenabend und gehen gemeinsam essen. Sie meinte ich solle doch zu ihnen sitzen, das war eine gemütliche Runde. Früher hatten sie diesen Frauenabend einmal pro Woche...dies liegt aber zurzeit nicht mehr im Budget! 
Am nächsten Tag radelte ich in der Ebene bis nach Gianitsa. Einmal geradeaus bitte... Am nächsten Tag ging's so weiter bis nach Thessaloniki. Nach Athen ist es die zweitgrösste Stadt von Griechenland. Ja so kam sie mir auch vor! Doch erstaunlicherweise habe ich die Jugendherberge auf Anhieb gefunden. Ich hatte einen Schlafplatz im 4-er Zimmer im dritten Stock. Das Gepäck in die Höhe zu schleppen finde ich immer das strengste vom ganzen Tag :) Mit dem Stadtplan in der Hand, machte ich mich auf zu den Sehenswürdigkeiten, es gibt viele davon. Doch schon nach 10min. war ich einmal mehr auf den Felgen und setzte mich ins nächste Kaffee und genoss die Aussicht auf's Meer. Der Kellner sagte mir, dass ich von der Stadtmauer aus, dort ganz oben am Hügel die beste Aussicht habe. Also nichts wie los, marschierte ich hoch und es war einmalig... Ich fragte mich selbst: "Da bist du mit dem Velo reingefahren?", im Gegensatz zu Istanbul ist dies hier sicher ein Klacks... Wir werden es sehen! Meine Zimmergenossin war aus Österreich und hatte spontan ihr Geburtstagsgeld eingesetzt um irgendwo an die Wärme zu gelangen. Als wir so plauderten und ich ihr von den Hunden erzählte meinte sie:" Das Gebiss der Hunde sei viel hygienischer als dies der Katzen, also lieber einen Hunde- als einen Katzenbiss, und wenn sie bellen sollte es eh kein Problem sein". Jetzt bekomme ich dann schiss vor den Hunden, wenn sie nicht bellen!!! 
Am Morgen war dann fertig lustig...es regnete und windete "wie ne more". Da der Wetterbericht für die nächsten paar Tage nicht viel besser war, wollte ich weiter... Einfacher gesagt als getan! 
Auf der Karte war mir der Ausweg aus der Stadt, auf die richtige Strasse und ins nächste Dorf theoretisch klar...praktisch habe ich mich vollumfänglich VERfahren. Der Eine meinte ich müsse immer links halten, der Andere sagte nach rechts sei die richtige Richtung, der dritte hatte keine Ahnung, schenkte mir dafür ein Wasser und ein Croissant, auch nicht schlecht:) Ich schob den Göppel im Gegenwind die Stadt rauf, bremste wieder nach unten und nach 15km war ich komplett durchnässt ungefähr wieder bei der Jugi! 
Fertig, jetzt gurkt's mich an! Entweder übernachte ich nochmals hier oder ich probiere den Bus nach Kavala zu nehmen. Die nette Dame an der Rezeption telefonierte an die Busstation und die sagten Heute sei leider kein Platz mehr vorhanden für ein Velo. Sie, jedoch meinte, ich solle es einfach mal probieren. Die Station fand ich dann erstaunlicherweise auf Anhieb... Am Billettschalter wurde ich in den 2. Stock verwiesen um abzuklären ob es möglich sei, ein Velo mit so viel Gepäck einzuladen (der Bus fährt in 10min). Ja, jetzt geh mal in den 2. Stock...und das Velo!? Ich fragte ein genüsslicher Kaffeetrinker ob er kurz zu Freddy und dem Untersatz schauen könnte. Er meinte es sei besser wenn ich bei Freddy bleibe und er nach oben renne...uff mir auch recht! 
Also es sollte kein Problem sein, schnell wieder zum Schalter, Billett lösen, aufs Busperron rennen, einladen und 140km auf 4 Rädern fahren hihi. 
Von Kavala habe ich nicht wirklich viel gesehen, da es immer noch regnete. Dafür hatte ich ein gutes Gespräch mit dem Crêpeverkäufer, der mir ebenfalls die schwierige Situation erläuterte: " Die Menschen haben einfach kein Geld, sie gehen nicht mehr aus, geben logischerweise auch keines aus. Mein Lohn hat sich halbiert!" Die Restaurants haben geöffnet, aber die Tische sind leer...
Am Abend suchte ich via Couchsurfing eine Übernachtungsmöglichkeit in Komotini. Dies klappte wunderbar und ich habe Sophie gefunden. Sie hat ein Plätzchen für mich. Am Morgen regnete es immer noch, aber die Kleider sind mittlerweile wieder trocken, ich spreche hier nicht von den Schuhen! Die brauchen immer etwas länger...
Mein Ziel war es möglichst die 100km durchzufahren. Bereits um 8.00 war ich am strampeln. Nach 40km hat sich mein recht Fuss dann mal verabschiedet. Als ich versuchte ihn zu wecken, schlief der tief und fest. "Janusode" der taut dann schon wieder auf... Am Mittag brauchte ich DRINGEND was warmes zu essen, das kriegte ich! Mmmm war das lecker, ein Pastateller mit Gemüse, der Hausherr meinte dann gleich ich müsse nichts bezahlen, es gehe auf's Haus! Wirklich wahr? Ich konnte es kaum glauben, da bin ich vielleicht der einzige Gast den ganzen Tag über, und dann soll ich nicht's bezahlen? Nein, ich wollte ihnen was geben, doch er lehnte vehement ab. Zuerst plagte mich das schlechte Gewissen, doch dann merkte ich, dass ich es annehmen darf und soll!
Weiter gings durch Niemandsland bis nach Komotini, nach 113km war ich ein weiteres mal auf den Felgen....oh wie oft habe ich das jetzt schon geschrieben?  Ich wusste, dass Sophie in der Nähe der Police Station wohnt. Als ich den einen Herr fragte wo die Polizeistation sei, wollte er gleich wissen ob ich Probleme habe oder Hilfe brauche, ob mir was geklaut worden sei... Nein, nein :) Er wusste selber nicht genau wo dies sei, also zückte er das Handy. Will der jetzt der Polizei anrufen und fragen wo die sind? Bin ja gespannt... Er reichte mir das Telefon und ich sagte mal "Hallo", eine Frauenstimme fragte: " Wo genau sind sie?", " ja das weiss ich beim besten Willen nicht, irgendwo in Komotini", "ok, geben sie mir bitte noch einmal meinen Vater". Gut, es ist die Tochter und nicht die Polizei. Sie probierte mir dann denn Weg in Griechisch-Englisch zu erklären... Das Telefon wanderte wieder zum Vater, der legte auf und meinte ich solle hier warten. Hmm was passiert wohl als nächstes? 
Ein paar Minuten später fährt ein Auto vor, die Tochter ganz fröhlich hinter dem Steuer bat mich ihr hinterher zu fahren bis zu Polizeistation... Unglaublich! Was soll ich hierzu noch sagen? Ich war sprachlos!
Als ich Sophie gefunden habe, zeigte sie mir ihre Wohnung und sagte : "Fühl Dich wie Zuhause, der Kühlschrank ist voll und warmes Wasser für eine Dusche hat's auch. Ich muss noch für ca. 3h weg und dann zeige ich Dir Komotini, ok?". Super! Wir kennen uns seit 2 Minuten und sie vertraut mir ihre Wohnung an. Würden wir dasselbe machen?
Ich lud sie dann zum Essen ein und wir hatten in einem typisch griechischen Restaurant eine super Abend. Sie arbeitet bei der Polizei und befasst sich mit den Immigranten die illegal ohne Papiere nach Griechenland einreisen. Je nach Fall haben sie 7 Tage Zeit das Land zu verlassen oder sie können 12 Monate bleiben. Sie erzählte mir über das Leben in Greece, welches nicht gerade einfach ist. Dies hier alles aufzuschreiben würde dauern, es wäre zwar sehr interessant...
Es war ein toller Abend, mit viel Essen und noch mehr Gesprächsstoff. Das ist ein Punkt, welcher ich so sehr schätze, ich kann mit Leuten in Kontakt treten, die mir ihre Geschichte und über ihr Leben in dem Land erzählen können...aus erster Hand!
Es ist jetzt 12.00 Uhr Mittags, ach ja drei Tage zu spät merkte ich, dass ich nun die erste Zeitzone passiert habe, hehe also plus 1h. Ja die Uhrzeit verliert immer mehr an Wert, wenn es hell wird stehe ich auf, wenn es eindunkelt suche ich was für die Nacht, so einfach ist das.
Eben, was ich eigentlich sagen wollte, es ist schon Mittag und ich sollte mal los! Da ich hier aber noch einen Computer habe, muss ich dies doch nutzen :)
Morgen werde ich in die Türkei fahren und ich freue mich sehr auf dieses Land, in welchem ich ja längere Zeit sein werde und es gibt Ferien in den Ferien höhöhö ;)
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