Von Albanien via Brasilien ueber Afrika und nun doch in Mazedonien gelandet...

Die Speichengeister unter sich...
Die Speichengeister unter sich...
Aber alles der Reihe nach... Die Albaner haben ihren eigenen Fahrstil, dass merkte ich ziemlich rasch. Oftmals kommt mir ein Auto auf meiner Spur entgegen und wechselt im zweitletzten Moment doch noch auf seine Spur. Jedoch sind auch deutlich mehr Menschen auf dem Fahrrad zu sehen. Als der eine Junge mich sah, packte er blitzschnell sein Rad aus dem Schuppen,fuhr mir nach, überholte mich mit ca. 27kmh danach kehrte er um, winkte mir schmunzelnd zu und fuhr wieder zurück. 
Am Strassenrand hat es unzählige Fischverkäufer die ihren noch lebenden Fang in Becken anpreisen. In Shkoder, das ist die fünftgrösste Stadt von Albanien, fand ich für 10€ ein schönes Hotelzimmer direkt neben der Ebu-Bekr-Moschee. Die Rezeptionistin, das Zimmerpersonal und der Kellner schleppten dann gleich mein Gepäck in den 2. Stock, das ist Service! Als ich alles schön ausgepackt habe, was jeweils genau nach System abläuft, klopft es an der Türe und der Chef des Hotels stand persönlich da und meinte ich müsse Zimmer wechseln. Das andere sei viel schöner und besser... Das System wird also chaotisch gezügelt! Als erstes lass ich immer denn Boiler an, damit ich 30min später warmes Wasser habe. Zum Nachtessen bestellte ich eine Schüssel Salat und Spaghetti. Die waren förmlich zu einem Klumpen geformt. Wie bei einem Stück Fleisch begann ich die Spaghetti in Würfel zu schneiden... Sie schmeckten echt lecker, jedoch hatte ich nach ca. 7Würfeln bereits genug :) 
Am späteren Abend setzte dann der Regen ein, so stark, dass es in das noch schönere Zimmer tropfte. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Fensterscheibe kaputt ist und dank dem Wind gelang es den Regentropfen auf dem Zimmerboden zu landen. Ich versuchte dann, mit dem weniger schönen Teppich das Loch zu stopfen, was auch sehr gut klappte. Am Morgen regnete es immer noch! Doch ich habe ja gute Kleider... Das muss ich hier jetzt auch mal erwähnen. Das Material ist einfach super! Die Ortliebtaschen sind zu 100% dicht. Die Kleiderwahl war bis jetzt auch optimal. Das Kopfkissen ist mittlerweile unverzichtbar und das Fahrrad ist einfach ein Traum. Ein Albaner fragte mich bereits ob es ein teures sei, ich sagte ihm, dass ich es auf dem Flohmarkt für ein paar Euro gekauft habe und schon ist sein Interesse für das Rad gesunken. 
Traue nicht jedem! Das sagte mir schon der Zöllner an der Grenze. Da ich das Velo nirgends im Hotel parken durfte musste ich es in einem Schuppen sichern. Dies mache ich mit einem 2 Meter langem Schlaufenschloss welches ich um einen Baum oder einen Pfosten ziehe und dann dass Veloschloss einfädle. Am Morgen war dann der Rückspiegel gebrochen... 3/4 des Spiegels ist noch vorhanden, irgendwann wird er sicher komplett kaputt sein und wenn es soweit ist, klebe ich einfach ein Bild  von Mama hin hihi.
Mein Plan am nächsten Tag war dann, bis nach Tirana zu fahren, die Hauptstadt von Albanien. Der Regen, der Wind, der Zustand der Strasse respektive der Zustand der Fahrer liessen mich nicht so schnell Vorwärtskommen wie geplant. Ich merke je länger je mehr, wie das Planen an sich nicht immer der beste Plan ist. Zeit für eine kurze Pause und eine Stärkung. Meistens dauert es dann nicht lange bis ein paar Albaner um mich herumstehen. Der eine war Postmann und seine erste Frage war, ob ich katholisch sei. Ich antwortete ihm, dass es so in meinen Papieren stehe. Als er meinen Namen wissen wollte und ich Maria sagte, stieg er ab seinem Velo und betete kurz mal ein Ave Maria auf italienisch... Er ist Italiener, wohnt aber der Liebe wegen schon sehr lange in Albanien. Er wünschte mir alles Gute und ich ihm auch. Nun sollte ich mich auf den Weg machen, es ist noch ein langer bis Tirana, ca. 100km von Shkodar aus.

Jedoch gab es nach 10min eine lange Pause... ich begegnete zwei Gleichgesinnten!!! Die ersten Tourenfahrer die ich treffe, juhuuuu die Freude ist gross. Wir hielten an und plauderten, ja da gibt es viel zu fragen und zu erzählen. André und Karla sind aus Brasilien und sind genau Heute seit einem Jahr unterwegs. Sie haben also irgendwie Geburtstag :) Sie starteten in Spanien und fuhren durch ganz Europa. Ihr nächstes Ziel ist Italien, wo die Familie sie besuchen wird. Danach radeln sie weiter nach Istanbul und von da an haben wir die selbe Route. Wir rechneten dann aus, wo wir ungefähr zur gleichen Zeit sein werden und uns treffen könnten, dies wird ca. in Tabriz, Iran sein. Wir tauschten die Koordinaten aus und freuen uns auf ein Wiedersehen :) Ist das nicht super?! 

In der Zwischenzeit hat auch die Sonne gemerkt, dass dies doch ein Grund zum scheinen wäre und sie zeigte sich. Somit trennten sich unsere Wege, ich schaute nicht zurück, denn der Treffpunkt liegt vorne!

Die heutige Route ist vorwiegend flach und schon bald kommt das Autobahnschild. Ich fuhr dann 10km einmal nach links um auf die Nebenstrasse zu gelangen. Dort sagte mir ein Mann es sei unmöglich mit einem Fahrrad auf dieser Strasse zu fahren, ich solle zurück auf die Autobahn. Mit dem Velo? Er meinte das sei absolut kein Problem. Gut, dem traue ich jetzt. 10km wieder zurück und die Strasse ist tatsächlich super auf dieser Piste. Die Polizei fuhr plötzlich neben mir und mein Puls erhöhte sich dann doch. Er fragte ob alles in Ordnung sei, wie mir Albanien gefalle und wünschte weiterhin eine gute Fahrt. Uff mit dem hätte ich nicht gerechnet. 

Bis Tirana wird wohl nichts mehr Heute. 20km ausserhalb der Hauptstadt, in Fushë-Krujë fand ich das einzige, eine Art Hotel. Kaum hielt ich an, standen 10 Albaner um mich und ich bemühte mich meine Taschen im Blick zu halten. Der ca. 23jährige "Hotelbesitzer" beauftragte die Truppe mir die Taschen in den 4. Stock ins Zimmer zu schleppen. Im Nu waren sie dann aus meinem Blickfeld und ich stand noch mit dem Schweizerfähndli in der Hand neben Freddy. Den Konnte ich mit Untersatz in der Beiz parkieren, und hab ihn an einem Tisch samt Stuhl gesichert. Mit dem Gepäck war alles in Ordnung. Als ich so in meinem Zimmer war, hatte ich ein wenig ein mulmiges Gefühl. In meinen Gedanken malte ich mir aus, was die da unten an meinem Fahrrad alles rumschrauben könnten. Ich sagte zu mir selbst : " Jetzt hör auf so zu denken, die werden schon nichts machen und wenn du schiss hast, dann musst du eben neben das Fahrrad sitzen bis du dich beruhigt hast!" 

Ja, das machte ich dann auch... Als ich in die Beiz kam sah ich vor lauter Qualm erst einmal kaum was. Sie war überfüllt mit Albanern, keine einzige Frau war zu sehen und alle starrten mich an. Bewaffnet mit Lumpen und Kettenöl ging ich zu meinem Velo, welches direkt unter dem Fernseher war in welchem gerade ein Fussballmatch lief. Der Eine machte gleich Platz und stellte mir seinen Stuhl zur Verfügung, ach wie nett. Ich reinigte alles, jede Speiche, die Kette, die Pedale und löste den eingetrockneten Dreck. Das dauerte... Als ich zurück im Zimmer war, hatte ich ein total gutes Gefühl und war überzeugt, dass mein Rad morgen genau so dastehen wird in einem super Zustand. So war es auch! 

Dass, was der Zöllner sagte stimmt schon (trau nicht jedem) doch hier waren meine Zweifel überflüssig. Sie haben es wirklich ehrlich gut gemeint, wollten helfen und hatten nicht die geringste Absicht was zu klauen! Hier habe ich ein weiteres mal ein Stück Welt gesehen wie sie ist und nicht so wie ich zuvor meinte wie sie sei!

Am nächsten Tag brauchte ich ca. 1h bis ich durch Tirana durch war. Eine grosse Stadt mit viel Verkehr. Mittendrin machte ich eine Kaffeepause und hatte beste Unterhaltung mit einem Albaner, der schon seit über 20 Jahren in London wohnt und nun seine Familie besucht. Es folgte eine Bergetappe bei schönstem Wetter. Im kleinsten Gang fuhr ich da hoch und genoss die wunderschöne Aussicht. Als ich so am geniessen war, rannte aus dem Nichts ein Hund auf mich los, bellte wie ein wilder und ich habe mich so erschrocken, dass ich aus Reflex kehrtwende machte und wieder runter fahren wollte, damit ich schneller bin als der Hund. Ich weiss von den vielen Reiseberichten welche ich gelesen habe, dass dies noch oft vorkommen wird... Sofort drehte ich wieder um, ohne je abzusteigen, probierte mit dem Hund zu reden, sagte zu ihm er sei aber auch ein guter "Bärri", worauf er noch mehr von seinem Biss zeigte. Ich glaub der weiss nicht was ein Bärri ist... Einfach weiterfahren und ignorieren, auf meinem Tacho stand dann auch 20kmh und zuvor waren es bei gleicher Steigung nur 7kmh! Aus dem Auge aus dem Sinn...

In Elbasan fand ich erneut ein günstiges Hotel. Als ich den Kellner fragte, ob sie hier wohl einen Computer haben um meine Daten hoch zu laden meinte er, dass sei kein Problem. Minutenspäter sass ich an der Rezeption auf dem gepolstertem Bürostuhl und das ganze Personal inklusive dem Koch war in der Lobby versammelt und lachte. Ich sagte zu ihnen, von mir aus können sie nun frei machen, ich werde das schon managen (bin ja der einzige Gast). Hey war das ein Fest, nein besser noch: ein kleines Theater! Für eine halbe Stunde war ich nun Rezeptionistin hihi. 

Am Morgen fuhr ich erneut bei Regen los. 10min später schien die Sonne, Regenkleider einpacken. 15min später regnete es wieder in strömen, Regenkleider auspacken. Wieder die Sonne, einpacken, Regen und von jetzt an ist's mir zu blöd wieder auszupacken. Werd ich eben nass, somit werden die Kleider eine Art gewaschen. Als ich ins nächste Tal runterfuhr, sah ich ein Zelt am Strassenrand, ein Göppel und ein Typ. Super, schon der nächste Reisende den ich treffe. Er ist von Oxford und bereits seit 3 Jahren unterwegs! Er radelte in dieser Zeit rund um und in Afrika, durchquerte die Sahara und schob sein Rad durch den Kongo. Nun will er nach Nepal!, Indien, Thailand, einmal um Australien weiter nach Japan und zum Dessert von Alaska bis Feuerland... Crazy Man! Wir beschlossen die nächsten 2 Tage gemeinsam zu radeln. In Struga, Mazedonien wird er Richtung Kosovo fahren und wir werden ca. zur selben Zeit in Istanbul sein. In 13-15 Tagen. 

Viele haben mir ja während den Vorbereitungen gesagt, dass ich Reisende treffen werde, welche die ähnliche oder gleiche Route fahren...so ist es!

Für die Nacht fanden wir ein ... Motel, Hauptsache ein Bett und eine Dusche. Das erste mal hatte ich nun Frischfleisch und die drangebliebenen Federn sahen aus wie Deko :) am Morgen schien die Sonne und wir strampelten den 10km langen Pass rauf bis zur Mazedonischen Grenze. Die passierten wir ziemlich rasch und düsten nach Struga runter. Diese Stadt liegt wunderschön gelegen am See. Wir assen noch gemeinsam das Mittagessen und er erzählte von seiner Afrikareise. 

Marokko hat ihm besonders gut gefallen sowie auch die Sahara, alle 100-130km gäbe es Wasserstellen und das campen sei absolut kein Problem. Er hatte eine super Zeit und die Menschen seien überall sehr freundlich gewesen. Das schwierigste Land von der Strasse her sei der Kongo. In Äthiopien war es schwierig zu fahren weil die Kinder mit Steinen geworfen hätten. Er zeigte mir einmalige Bilder und ich war echt beeindruckt! Wir sagten einander tschüss und freuen uns auf ein Wiedersehen in der Türkei.

Kurze Zeit später wurde mir bewusst, wie schnell ich auf den Modus "gemeinsames Fahren" umgestellt hatte. Sofort kam mir die Situation in den Sinn, als ich die ersten paar Minuten alleine war, nachdem Simeon in die Schweiz zurückfuhr... Doch nun kann ich rasch wieder umschalten und Heute habe ich einen Tag in Ohrid abgeschaltet :) Es regnete den gaanzen Tag in strömen, somit hatte ich nun Zeit um diesen Blog zu schreiben. Übermorgen sollte ich Griechenland erreichen... 

Es ist einfach wunderschön unterwegs zu sein und jeden Tag denke ich fest an die lieben Menschen zuhause...

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