Zeit-Punkte

Ama Yang-Chen am Lenker...eendlich Zuhause!
Ama Yang-Chen am Lenker...eendlich Zuhause!

Schon komisch, ich sitze im Kiental  vor dem Tanzstudio auf dem Bänkli, schaue hoch zur verschneiten Blüemlisalp und erinnere mich ein paar Wochen zurück. Genau gesagt an jenen Tag, an welchem ich mein Ziel in Nepal erreichte. Über die Zeit bei der Familie und in Nepal gibt es nämlich noch einiges zu berichten.

Doch seit ich zurück in der Schweiz bin, ist tagtäglich was los und fast gar wie auf der Reise, ist jeder Tag total anders...doch dazu später mehr.

 

Nun zurück nach Nepal...

Ach herrje ist das schön, ich kann die Augen schliessen und bin gerade vor Ort, rieche den Gestank von brennendem Abfall auf der Strasse, spüre den Strassenstaub in meinem Rachen und höre die fremde Sprachen in meinen Ohren. Ein Schatz welcher mir erst jetzt bewusst wird, ich kann innert Sekunden in eine komplett andere Welt eintauchen, wunderbar!

 

Dieser Moment wo ich mit Freddy direkt in die Küche bei Yang-Chen und Kunga fuhr werde ich wohl nie vergessen. Es war gerade dunkel. Kein Strom. So ein Velolicht wäre wirklich nicht das dümmste :)

Ausser Dawa, dem ältesten Sohn, war zurzeit niemand Zuhause. Er kochte mir einen wärmenden Tibetischen Milktea. Das Wohnzimmer, welches zugleich als Küche und Schlafzimmer dient, sieht noch haargenau gleich aus wie vor 6 Jahren. Die Teppiche am Boden sind die gleichen, der 3 Stunden pro Tag funktionierende Kühlschrank steht auch noch da und das Wellblech, welches als Dach dient, hat immer noch die selben drei Löcher. Im Sommer wenn es stark regnet , tropft es durch...schon damals...doch etwas ist neu: An der Wand hängt eine grosse Schweizer Fahne, was für eine tolle Begrüssung.

Die Holztüre geht auf und wer rennt auf mich zu? Yang-Chen! Wir schliessen uns in die Arme und Tränen rollen, Tränen der Freude. Sie sagte: „Nun ist meine 4 Tochter endlich Zuhause“!

Ja es ist wirklich ein spezielles Gefühl, sie ist wie meine Mama und ich nenne sie auch „Ama“, was soviel heisst wie Mama in Tibetisch. Der Vater, „Pala“ Kunga kam einige Minuten später nach Hause. Wir standen uns gegenüber, weinten und drückten Stirn an Stirn, wie damals als ich auf Wiedersehen sagte. Kunchok, und Kelsang kamen vom Fussballturnier nach Hause und da waren wir fast komplett. Choesang und Youdun sind zurzeit in Süd-Indien, dort haben sie die Chance auf eine gute Bildung. Sie können pro Jahr einmal nach Hause kommen. Kunchok und Kelsang haben zurzeit Ferien. Sie gehen in Dharamsala in eine Schule für Tibetische Kinder im Exil.

Viele Kinder die dort zur Schule gehen können nicht damit rechnen, dass sie ihre Eltern je wieder sehen werden.

Die beiden haben Glück, sie sehen ihre Eltern einmal pro Jahr, Kelsang ist 15 Jahre alt! Niyma ist noch in Kathmandu und wird nächste Woche für 6 Tage heimkommen.

So sassen wir also gemeinsam am Boden, assen köstlichen Reis mit Linsen und ich erzählte. Nur ein wenig. Zeigte ein paar Fotos und war einfach nur müde und überglücklich! Was noch wichtig ist, die Familie konnte meine Reise nicht mitverfolgen: kein Internet, Yang-Chen kann nur ein bisschen lesen, weil sie es als Kind nicht die Möglichkeit hatte, Lesen zu lernen. Ab und zu habe ich ihnen ein Sms geschickt, ungefähr 10 in diesem Jahr. Es ist schwierig für sie diese Reise nachzuvollziehen.

Was sind 10'330 Kilometer, wenn man noch nie fort gewesen ist oder ausschliesslich zu Fuss unterwegs? Was sind 20 verschiedene Länder, wenn man nur eines, z.B. das Nachbarland Indien besucht hat? Zahlen die nicht wichtig sind, die keine Bedeutung haben, das einzige was zählt: Du bist nun hier! Genau so ist es, der Moment zählt. Mit diesem Gedanken ging ich zu Bett, im Schlafsack auf der Holzpritsche genoss ich den Augenblick . Den Augenblick zu wissen, dass ich mit einer endlosen Gelassenheit einschlafen kann, mein Schlaf war tief, so tief wie schon lange nicht mehr.

Unterwegs konnte ich durchaus gut schlafen, aber das Gefühl ist komplett anders. Fast jeden Abend war ich an einem anderen Ort, 330 Tage lang...

Morgen werde ich so richtig auspacken und Dinge nebeneinander legen, ausbreiten, Wäsche „biggele“, ach wie schön. Es sind die kleinen Dinge, die ich nicht vermisste aber Dinge oder Abläufe die einfach „gäbig“ sind. Oft war es so, dass ich genau das T-Shirt anziehen wollte, dass zuunterst im Wäschesack verknittert war, oder das die Matte jeden Abend wieder von neuem aufgepumpt werden musste. Mittlerweilen bin ich übrigens Pumpmeisterin: 3 Minuten 20, neuer Rekord! 

Ab Heute kann ich den Schlafsack mal liegen lassen und nicht in das kleine Säcken stopfen, herrlich sag ich euch!

Wie sieht so ein Tagesablauf bei Familie Tsewang im Tashiling-Tibetan Camps aus:

Yang-Chen ist Frühaufsteherin! Um 04.30 Uhr geht sie für 2 Stunden mit ihren Kolleginnen marschieren. Unterwegs legen sie halt ein für zwei Tassen Tee. Wenn sie nach Hause kommt steht Dawa, der älteste (25J.)und Kunga auf. Dawa was übrigens übersetzt Mond heisst, knetet den Teig für das Brot: Mehl, Wasser und ein wenig Backpulver. In dieser Zeit wischt Kunga mit einem alten, verfressenen Besen den Boden im und ums Häuschen, putzt Toilette und versprüht mit  seiner lebensfrohen Art eine positive Energie.

Spätestens wenn der Duft von frischem Brot in die Zimmer kommt wachen auch die Schlafmützen auf. Bereits beim Frühstück geht es gemütlich zu und her. Die Nachbarin Momo Targi oder die Übernachbarin Momo Tsingi gesellen sich spontan dazu und essen mit. Es hat genug für alle. Auf das Brot kommen Kartoffeln an einer scharfen Chili-Sauce oder braune Erbsen. Wenn die Jungs zu Hause sind, gönnt man sich auch mal Erdnussbutter. Abzuwaschen gibt’s nicht vieles. Kunga fährt mit dem blauen Motorrad nach Lakeside wo die Touristen hausen und verkauft dort in einem kleinen Shop typische Tibetische Sachen. Diverse Grössen von Klangschalen, bunte Decken aus Yakwolle, Schäle aus Pashmina, Gebetsfahnen und das wichtigste, selbstgemachte Ketten, Ohrringe und Armbänder.

Im Januar hat es nicht besonders viele Touristen in Nepal, ist ja auch eine s.. Kälte, aber die Sicht auf die Berge ist wohl zu dieser Zeit am besten. Stahlblauer Himmel, kein Regen, keine Wolken!

Er ist den ganzen Tag im Shop und wartet auf Kundschaft. Es gibt Tage da verdient er 2-3 Franken und wenn es sehr gut kommt bis zu 20 Franken und Tage da kauft keiner was 0! Yang-Chen hat auch einen kleinen Shop im Tibetancamp. Dort kommen oftmals Touristen mit einem Führer oder mit dem Car, weil es so auf dem Programm steht. Viele Frauen die hier im Camp leben, haben einen kleinen Stand auf dem sie ihre Handarbeit präsentieren.

11.00 Uhr, Dawa beginnt mit dem Kochen, da ich nun hier bin wurde mir dieser Job gleich zugeteilt. Auf dem Markt fand ich Reis, Bohnen und Kartoffeln, daraus werde ich wohl etwas zustande bringen...meinen Kochkünsten angepasst natürlich. Zum Glück steht noch eine Büchse mit Masala Gewürz im Kühlschrank, mit Masala kommt jedes Gericht gut! Schmeckt einfach alles nach Masala. "Masala, i weiss werum!" :)

Das Essen bringe ich Yang-Chen, setze mich neben sie und bin. Genau bin. Es gibt nichts zu tun, einfach sitzen, warten, plaudern und eben sein. Gegen 17.00 Uhr ist sie müde weil nichts läuft und schliesst den Laden zu. Wir gehen 1h laufen, meistens den Reisfeldern entlang bis zum Bach oder der staubigen Strass entlang bis zum Gemüsehändler. Dann wird schon wieder gekocht, wir haben’s lustig zusammen und um 20.00 Uhr kommt Kunga nach Hause. Pro Tag haben sie ca. 6 Stunden Strom, am Abend ist es meistens Finster, doch die Autobatterie hinter dem Kühlschrank spendet Energie für die eine Lampe in der Küche. Kerzen sind übrigens zu teuer! So essen wir gemeinsam, erzählen Geschichten, spielen eine Runde UNO, ist hoch im Kurs und gehen bald zu Bett. Solche Tage scheinen langweilig zu sein, sie gehen aber sooo schnell vorbei. Es gibt selten Herausforderungen, Termine oder Zeit-Punkte. Das wichtigste ist, das gemeinsame Essen am Abend und dass täglich ein paar Rupien reinkommen um das Essen für Morgen zu kaufen.

Ganz klar muss auch betont werden, dass es dieser Familie im Gegensatz zu so manchen anderen Nepali-Familien einigermassen gut geht. Sie können ihre Kinder nach Indien in die Schule schicken, haben genügend Kleider, ein Fahrrad, ein Motorrad und genügend zu Essen. Doch etwas fehlt ihnen...Rechte! Sie haben kein Recht auf Land oder eine Anstellung...sie sind hier einfach geduldet. FREE TIBET, ihr grösster Wunsch! 

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Was fuer ein Jahr...

Da warens nur noch 200 Kilometer...
Da warens nur noch 200 Kilometer...

Es war ein grandioser und kurzer Flug nach Kathmandu!

Bei bestem Wetter präsentierte sich der pompöse Himalaya in seiner vollen Pracht. Einfach gewaltig diese hohen Berge! Die Thai-Boeing erwischte im letzten Augenblick gerade noch die Landebahn. Bravo und Namaste to Nepal!

Heute weiss ich ganz genau was ich zu tun habe...doch damals vor 6 Jahren, wusste ich nur, dass ich für 3 Monate in irgend einer tibetischen Familie sein werde. Ich kenne den auf und ab Weg bis nach Pokhara und kann endlich wieder einmal mein mini-Nepali Vokabulare auspacken!

Doch eines wusste ich nicht...wie kalt, Kälte sein kann! Vor ein paar Stunden schwitzte ich noch in Bangkok bei 30Grad, in all meinen hundert Schichten, nun friert es mich trotz Sonnenschein und Thermowäsche! Seit der Schweiz habe ich in meinem Geldbeutel, hinter dem letzten, gelb schimmernden 10-er Nötli noch ein paar zerknitterte, nepalesische Rupien dabei. Danke Fabienne! Die sollten reichen für die Taxifahrt bis in den Thamel. Doch der Stauraum in dem kleinen Suzukilein reichte in meinen Augen nicht aus, für drei grosse Taschen und eine Kartonbox...eine Katzenbox würde gehen aber Bikebox? Nö! Impossible... Schnell musste ich lernen, dass in einem Suzuki, welcher auf Nepals Strassen herumbörrt, nichts unmöglich ist...es hat immer irgendwie Platz!

Im Stupahouse angekommen, bildete sich mit meinem Gepäck eine weitere Stupa, währenddessen Ram, der Hotelbesitzer, gleich einen grossen Pot Nepali-Milktea kochte, da kamen Erinnerungen auf! Büffelmilch schmeckt einfach herrlich!

Da Weihnachten ja schon lange passé ist, wurde es höchste Zeit das Päckli auszupacken. Und siehe da...alles noch ganz und Freddy konnte wieder normal atmen, der Arme der! Ram war begeistert von dem Paket, oder wohl eher warum man ein Fahrrad so peinlich fein einpacken muss, mit Noppenfolien die Bremsen umwickeln und mit Extrakarton die Bremsscheiben schützen. Ja guter Mann, das Velo ist eben kein Hercules! Hier fahren alle mit dem grossgeratenen, eingängigen Hercules-Fahrrad umher. Erstaunlich was diese Räder alles durchmachen...wahre Helden!

Nun aber zu meinem blau, von Dreck schimmernden Edelross! In der Küche neben dem alten Gasherd, auf welchen die von Hand gefertigten Teigtaschen brutzelten, setzten wir den Baukasten zusammen. Um die Ecke bemühte sich ein Mechaniker in völliger Dunkelheit um das Anziehen der Pedale. Also ihr wisst schon, nicht dass er sich in das Pedal quetschte, nein ich meine doch das, gopf wie sagt man...festschrauben vielleicht?

So, das Rädle ist parat für die Fahrt nach Pokhara...ob ich es bin? Das weiss ich selber nicht so genau, doch spätestens morgen früh werde ich mich auf die Strassen Kathmandus wagen. Die Nacht war kurz und eisig kalt! Dick eingemummt in meinem Daunenschlafsack gehen mir zu viele Gedanken durch den Kopf. Obwohl das Ziel noch nicht erreicht ist, spulen sich die Erlebnisse von den letzten 10 Monaten in meinem Kopf ab. Bin nervös.

Die Nacht vergeht und der morgendliche Blick aus der verkratzten Fensterscheibe ist ernüchternd. Kein Himmel war zu sehen, nur die kaum 2 Meter entfernte Holzfassade des Nachbarhauses. Auf der Strasse unten zischten die ersten Velotaxis vorüber und die Hunde bellten. Velo und Hund...zwei besondere Freunde :)

So, die Taschen sind gepackt und mit einem seeehr reichhaltigen Frühstück sollte ich die 100 Kilometer bis nach Mugling schaffen. Ram steckte mir noch einen Mundschutz zu, ich werde ihn bestimmt gebrauchen. Er sagte: "Die Strasse ist in einem schlechten Zustand, der Verkehr sehr gefährlich...pass auf dich auf und ruf mich Abends an, ok?!". Das tönte nicht gerade beruhigend, jedoch sehr aufmerksam von ihm!

Er zückte aus seiner Tasche noch einen Khata und hängte ihn mir um den Hals. Ein Khata ist ein weisser Schal, der als Zeichen für Glück, Wohlwollen und Mitgefühl steht. Er wird meistens zum Abschied aber auch z.B. bei Schulabschlüssen, Beerdigungen, Geburten und Hochzeiten überreicht.

Ich war ready to go! Hab mir ganz fest vorgenommen, mich total auf Das zu konzentrieren, was im Moment ist: die Strasse, der Verkehr, Kilometer um Kilometer...die Gedanken nur auf die Strasse zu fokussieren, weder an das Ankommen noch an das Erlebte zu denken. Ram fuhr mir, mit seinem schwarzen Motorrad, noch bis zur Ring Road vor und sagte dann: "ab jetzt musst du nur noch 200 Kilometer geradeaus fahren, dann bist du in Pokhara!".

Was für Worte, zum erste Mal wurde mir richtig bewusst, dass ich nach 200km tatsächlich am Ziel sein werde...wenn ich dran denke, wird mir übel...warum? Das weiss ich auch nicht! Zuerst ging es gleich ordentlich den Hügel rauf. Gestern habe ich noch gefroren, heute schwitzte ich bereits um 08.00 Uhr.! Auf dem Hügel angekommen, sah ich den stahlblauen Himmel! Nein, über Kathmanduli liegt kein Nebel, es liegt eine dicke, sehr dicke Smogbrühe! Es stimmte alles an jenem Tag! Das Wetter war perfekt und als ich vor Beginn des Prithvi-Highways noch einmal abstieg, nahm es mir fast den Atem!

Du siehst links ins Tal hinunter, du siehst wie sich die schmale Strasse den Berg runter schlängelt, du siehst unzählige, monstergrosse Trucks, die in den Kurven überholen und komischerweise denkst du nicht: "wie komm ich da nur runter?" Nein du denkst: "Woow, was für eine Strasse...die schrecklichste und schönste zugleich! Das wird ein Erlebnis!".

Wie soll ich es nur beschreiben...es war einfach ein grandioses Gefühl! Rund 40 Kilometer bremste ich das Tal runter...ja, richtig, mehr als 10km/h brachte ich selten auf die Reifen! Bei der Abfahrt konnte ich schön mit dem Tempo des Verkehrs mithalten..doch als ich ca. 100 Meter vor der Einen, von den hunderten Kurven war, im Nacken einen überladenen Truck mit Zement hatte und sah wie um die Kurve zwei Lastwagen und ein Bus auf gleicher Höhe fuhren, blieb mir die Luft in der Röhre regelrecht stecken! Fast wie bei diesem überlangen Satz, gell :)

Das reicht niee! Ich musste absteigen, weichte halbwegs in den metertiefen Strassengraben aus und hielt mir die Hände vor die Augen... Uff das war knapp! Es war wie jedes weitere Überholmanöver sehr knappknappknapp!! Dazu kam, dass das geschwärzte Abgas mich in eine schwarze, stinkende Brühe einhüllte...jaja ihr habt schon recht: Das ist alles freiwillig, stimmt genau! Zum Glück!

Nach 7 Fahrstunden war ich 7 Kilometer vor Mugling...auch wenn es nicht nach viel tönt, aber ich war figufertig und es war schon am Eindunkeln. In einem "Restaurant" hatten sie im oberen Stock noch eine Holzpritsche frei. Freddy wurde gleich in der offenen Küche neben dem überfüllten Abfallkübel parkiert, der Arme, aber auch der Sichere! Als ich kaum eingeschlafen war, stund ich blitzartig senkrecht im Bett! Das so leer aussehende Restaurant wurde in der Nacht zur Nonstopp-Essbude! Busse die nach Indien fahren halten hier an für ein festliches, wortwörtliches Nacht-Essen! Schlafen konnte ich bis ca. 04.00 Uhr morgens kaum, dann kehrte Ruhe ein und ein dreistündiger Powerschlaf füllte meinen Energiespeicher von Neuem.

Es ist der 30.12.2013...heyeyey heute werde ich das Ziel nach 303 Tagen erreichen! Bin ruhig und nervös zugleich! Ein Wechselbad der Gefühle. Und wieder plagt mich die Übelkeit wenn ich dran denke, dass dies mein vorerst letzter Fahrtag sein wird! Deshalb brauchte ich schnellstmöglich einen Teller voll mit Klebi-Reis und einen Milktea! Herrlich, es konnte losgehen. Noch einmal die Taschen bepacken, das Fahrrad beladen, noch einmal die Tagesroute auf der Karte anschauen, die verschmutzte Brille mit dreckigem Wasser und Papierserviette auf Hochglanz polieren...kann dauern! Noch einmal den gewohnten Wetter-Check-Blick zum Himmel hoch. Passte...es wird ein guter Tag!

Noch einmal kontrollieren ob ich den wirklich nichts vergessen habe und noch einmal eine Tagesration Toilettenpapier in die Lenkertasche stopfen und......den soo lieben Menschen, die diese für unsere Verhältnisse "Bruchbude" führen, ganz herzlich zu danken! Wenn die Gastgeber so freundlich sind, dann spielt es doch keine Rolle, wenn die "Toilette" nicht funktioniert, der Bettlaken auf dem Holzbrett schmutzig ist und die Türe nicht abschliessbar...für 3 Franken die Nacht inklusive Frühstück, kann man ja wirklich nichts sagen :)

Bis nach Pokhara waren es noch 103 Kilometer, schaut euch diese Markierung an, da steht tatsächlich auf so einem Markstein: Pokhara! Allemal ein Foto wert! Ab Mugling wurde der Verkehr deutlich ruhiger, da viele links nach incredible Indien abbiegen. Doch hey, rechts spielt die Musik! Die Landschaft wurde dramatisch...ein tiefes Flusstal, hohe Felsen und...und freie Sicht auf das Annapurnamassiv inklusive Machapuchara, was für eine Fahrt! Unvergesslich! Die Kilometer purzelten nur so dahin, ob rauf oder runter, meine Beine sind vollgepumpt mit Energie! 20 Kilometer vor Pokhara legte ich die letzte grosse Pause ein. Bei einem kleinen Lädeli, mit meterlangen Portionenhaarschampoos, die über ein Holzstecken hängen, kaufte ich ein Wasser und setzte mich ins Gras neben die Kinder die mit ihren Murmeln spielten. Ihre Fingerfertigkeit und Präzision ist beeindruckend! Als sich der Wasserbüffel seines gemächlichen Schrittes Freddy näherte, verschwand mein Göppeli gänzlich in seinem Schatten :) Die Sonne stand schon schräg hinten am Horizont...höchste Zeit jede Pedalumdrehung und Schaltbewegung zu geniessen...

Doch auch wenn man ganz kurz vor dem Ziel ist gilt: nume nid jufle! Das ist doch wie bei einer Prüfung...nehmen wir an wir haben z.B. zwei Stunden Zeit, um die Lösungen auf's Blatt zu bringen, wir schreiben und schreiben und schreiben...plötzlich sagt die Lehrperson: "sie haben noch 10 Minuten Zeit". Automatisch kommt doch ein Gefühl von Stress auf..."oh Schreck, ich muss doch alles nochmals durchlesen!", "ich bin noch gar nicht auf der letzten Seite angelangt!", "und jetzt sind's nur noch 9 Minuten, mist!", wer kennt diese Situation nicht?! Doch genau in diesen letzten 10 Minuten ist die vollste Fokussierung angesagt! So auch hier auf den letzten paar Kilometern. Nach einer scharfen Linkskurve ist die gelbe Brücke sichtbar, jetzt kenn ich's wieder.

Es wird noch ein letzter kleiner Hügel kommen und dann bin ich in Mahendra-Pul, die lokale Einkaufsmeile, wo nur selten Touristen gesichtet werden. Am Prithvi-Chowk muss ich rechts abbiegen und dann kommt nach ca. 500 Metern der munzige Flughafen, auf welchem sie noch mit dem Fahrrad die Piste vor dem Take-Off kontrollieren :)

Wurde immer nervöser. Solch eine tiefe Freude und Glücklichkeit habe ich noch nie zuvor erlebt! Die Übelkeit ist vergangen und ich konnte nur noch lachen!

Es war bereits finster, doch kennt man den Heim-Weg, spielt die Dunkelheit keine Rolle. Jetzt der Birouta-Chowk, mann o mann, die Teebude auf der linken Strassenseite neben dem Fleischhändler, steht immer noch! Und plötzlich war überall das Licht aus, kennen wir ja! Vor 6 Jahren blieb es finster und Kerzen wurden angezündet...Heute hat es nach ein paar Sekunden wieder Licht und die Motoren laufen auf Hochtouren...jaja, fast jeder hat nun eine Batterie oder ein Aggregat! Die Strasselöcher sind wohl noch die selben, sie sind einfach ein bisschen grösser geworden!

So, jetzt aber...noch einmal links abbiegen und da steht es gross in weisser Scfrift auf grünem Hintergrund geschrieben:

 

"DEAR BROTHERS & SISTERS, WEL-COME TO TASHI-LING TIBETAN REFUGEE SETTLEMENT"

 

Das Ziel ist erreicht!!!!

 

Gesehene Landschaften wie endlose Wüste, hohe Berge, tiefe Meere und stahlblaue Seen...

Die verschiedenen Klimazonen hautnah erlebt...

Gefühle wie, Einsamkeit und Stille, Gesellschaft und Turbulenz, Langeweile, Angst und tiefste Freude gelebt...

Überall, immer und immer wieder hilfsbereite Menschen angetroffen...

Ich durfte soo vielen Menschen begegnen, die mir ihre Geschichten erzählten und mich das Leben lehrten...

Unzählige und tief berührende Erlebnisse bringen diese Reise mit sich...

Und noch viel mehr!

 

Mein Traum ging in Erfüllung...ich habe die Tibetische Familie in Pokhara,

am 30.12.2013,

nach 303 Tagen,

644 Stunden im Sattel,

55'154 Höhenmetern,

20 besuchten Ländern und

10'330 gefahrenen Kilometern in Europa und Asien erreicht...

 

Das Wiedersehen war grossartig...ich kam nach Hause!

 

Eines weiss ich...nur dank all den vielen positiven Gedanken von Freunden, Familie, Bekannten und Unbekannten, konnte ich es schaffen...

VIELEN, VIELEN, VIELEN herzlichen Dank!

 

Doch meine Reise endet dort wo sie begonnen hat, nämlich im Kiental..

 

Was für ein Jahr!

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44. Blog...Titellos

Einfach immer Geradeaus...Vorwaerts!
Einfach immer Geradeaus...Vorwaerts!
Wie schon erwähnt, sind wir nun schwupps in Laos angekommen. Ihr seht wir sind zackig unterwegs...ja, ja mir geht es nun auch ein wenig zu schnell, aber was tun? Ab jetzt habe ich wieder einen Zeitplan. Innert zwei weiteren Tagen war ich um 17.30 Uhr an der thailändischen Grenze. Normalerweise bringt einem ein kleines Boot über den Fluss, doch um 18.00 Uhr schliesst diese Grenze. Ein Laote erklärte mir, dass vor drei Tagen die neue Friendship Brücke, 10 Kilometer südwärts eröffnet wurde und dieser Grenzübergang bis 22.00 Uhr geöffnet sei.
Ja prima, dann nichts wie los. Es regnete sehr stark und wie ein dreckiger Waschlappen checkte ich aus Laos aus. Die Beamten meinten dann, ich dürfe nicht mit meinem Fahrrad über die Brücke fahren, ich müsse ein Ticket für den Shuttlebus kaufen! Was jetzt? Im ernst?
Ich will doch auf meinem Göppeli über den Mekong fahren, liebe Leute, lasst mir doch den Spass, gopfnomau! Da es erst 19.00 Uhr war, hatte ich noch 90 Minuten Zeit um bockig zu tun! Ob ihr's nun glaubt oder nicht, aber die Beamten fragten den Oberbeamten und dieser telefonierte seinem Oberoberbeamten in Vientiane, ob denn nun eine durchnässte Radlerin, bei völliger Dunkelheit, alleine über diese neue Brücke fahren duerfe. Er willigte mit einem Kompromiss ein...ich musste ein Busticket kaufen, durfte aber selber drüber radeln, hahaha, was für ein Spass! Das klingt sich jetzt alles ein bisschen stur meinerseits an, aber manchmal tut ein bisschen stur und frech sein doch auch ganz gut...immer dieses brave Getue an den Grenzen gurkt mich langsam an!
Frech sein! Warum nicht??
Es war ein grandioses Gefühl über den Mekong zu Pedalen, was für ein Fluss! Er entspringt im Hochland Tibets, ist ca. 4500 Kilometer lang und mündet in Vietnam ins Südchinesische Meer. Der 10t längste Fluss der Erde, eine gewaltige Lebensader!
Die Thailänder machten grosse Augen und zündeten schon von weitem mit Scheinwerfern auf mich. Herzlich wurde ich begrüsst und sie sagten mir, dass dies nun eine Premiere sei...wer weiss, was die den ganzen Tag lang sonst noch so sagen...
Auch sie telefonierten gleich nach Bangkok und fragten nach, ob dies jetzt mit rechten Dingen zu und her gegangen sei. Diese Telefoniererei spät Abends!
15 Tage Thailand: 800 Kilometer bis Bangkok, Rad verpacken, Weihnachten feiern, Blog schreiben, Radlerfreunde aus der Schweiz und Schweden treffen, Buch fertig lesen und Mails beantworten, uff uff uff, das wird knapp.
Jetzt aber erstmals eine Unterkunft finden und Morgen ordentlich südwärts fahren. Doch dieser Abend nahm einen traurigen Verlauf...als ich Geraldine in facebook eine Nachricht schreiben wollte, waren da lauter Kommentare wie: Du bist stark, wir beten für Dich, Du schaffst das. Ich war total verwirrt und schrieb sofort eine private Nachricht und fragte nach, was denn los sei.
Ihre beste Freundin antwortete mir, Geraldine erlitt gestern in Hanoi ein Aneurysma im Gehirn.
Sie hat seit gestern das Bewusstsein nich wieder erreicht, die Kinder werden Morgen nach Hanoi fliegen. Ihre Freundin schrieb, dass Geraldine so happy war und ihr noch Fotos von der Halong Bucht gezeigt hatte.
Ich war schockiert und erstarrte. Hatte eine schlaflose Nacht, sendete all meine positiven Gedanken zu Geraldine, zündete eine Kerze für sie an und betete.
Als es hell war fuhr ich los. Ass eine Banane und radelte 130 Kilometer am Stück durch, ich vergass das ich unterwegs war, denn meine Gedanken waren anderswo. Eine Situation die mich fast zerriss, wollte es jemandem erzählen, war aber niemand da. Am nächsten Morgen schrieb mir Geraldines Freundin die letzte Nachricht...
Geraldine sei in der vergangenen Nacht, in einem Spital in Hanoi gestorben...
 
 
 
Ich sass in meinem Zimmer, schaute nach draussen und sah dem Regen zu... ich kenne jemand, der pflegt zu sagen:  „Zwischen Leben und Tod liegt nur eine dünne Haut, wie aus Pergament, und man weiss nie, wann sie durchbricht.“
Dieser Satz und die ganze Geschichte in einem detaillierten Mail, half mir aus dieser Traurigkeit zu kommen. Geraldine war glücklich in den letzten Tagen und ich denke, das war ganz wichtig! Auf meiner Reise habe ich unzählige Male Abschied genommen von Menschen die mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind, jetzt gab's auch noch einen Abschied für immer!
Es fällt mir schwer das ganze irgendwie in Worte zu fassen, so dass ihr das an einem weit entfernten Punkt auf dieser Erde so überkommt wie ich es meine.
Was in den nächsten zwei Tagen geschah war unglaublich...seit langem wieder schien die Sonne am nächsten Morgen, der Himmel war stahlblau, die Luft klar!
Ich sagte zu Geraldine: "Komm setz Dich auf meinen Gepäckträger, da hat es noch genügend Platz. Geniesse die Fahrt und wenn's denn Berg hoch geht bin ich froh wenn Du ein wenig Schieben kannst und warne mich vor den grossen Laster die zum Überholen ansetzen, einverstanden?". Kaum habe ich diese Worte gesagt, überholte mich ein Mopedfahrer, fuhr auf meiner Höhe weiter und sagte: "Helloo, very good, very good, bye, bye". Ich musste einfach nur Grinsen und wusste, das Geraldine die Fahrt geniesst!
So konnte ich irgendwie Abschied nehmen. Am nächsten Morgen als ich bereits 20 Kilometer gefahren bin sagte ich: "So Geraldine, ich glaube Du musst jetzt weiter gehen, es war mir eine Ehre, mit Dir ein Stück weit durch die Gegend zu fahren. Danke, dass ich Dir, einem so wunderbaren Menschen begegnen durfte, bis irgendwann, irgendwo, byeeee, byee".
Ganz langsam fuhr ich weiter und keine 200 Meter nach dem ich diese Gedanken laut vor mich hin sagte...hatte ich meinen zweiten Platten...! Mir fehlen die Worte...wohl magische Momente oder so?!
Ich begann den ganzen Karsumpel abzuladen und schon hielt ein Pickup an. Ein Herr stieg aus und bot mir an mich bis in die nächste Stadt mitzunehmen, er müsse einfach noch zuerst seine Kinder von der Schule abholen, danach könne ich in seiner Familie übernachten! Mann o mann was für ein Tag!
Er ist Mathelehrer an der nahegelegenen Universität und hat drei aufgeweckte Kids. Zur Feier des Tages lud er die ganze Familie und mich in ein Restaurant zum Abendessen ein. Einmal mehr durfte ich Gastfreundschaft aus tiefstem Herzen erleben, z.B. durfte ich als Erste die Dusche benützen (ist ja nicht selbstverständlich, gell Amba:), kaum aus der Dusche wurde im Büro der Platz geräumt, dass ich den Computer benützen konnte und Freddy wurde zur Sicherheit nicht hinter dem verriegelten Tor, sondern in der Stube parkiert. Ist doch einfach unglaublich nett!!
Nach einer kurzen Nacht, die Kids müssen bereits um 05.30 Uhr in der Schule sein, wollte er mit mir eine Ausfahrt mit seinem Dreigänger machen. Satte 40 Kilometer sind wir um die Stadt geradelt und er hat mir alles gezeigt was es in Nakhon Sawan zu sehen gibt: die Fischzucht, die absurde Affenshow, den Park, 10 Kilometer dem Fluss entlang, der Tempel auf dem Berg, den Veloshop und im besten Nudelsuppen-Laden zahlte er mir noch eine Bowle voller Chinese Noodels :)
Es war bereits Mittag als ich langsam aber sicher zu meiner eigentlichen Abfahrt drängte, nach "Zeitplan" sollte ich Heute noch 100 Kilometer fahren. Er lud dann sein verrostetes Möbel auf's Auto und fuhr mir noch 20 Kilometer mit dem Auto voraus.
Nach 20 Kilometern kam nämlich ein Pool-Geschäft. Die Inhaberin war einmal seine Schülerin. Er gab mir ein Handzeichen, dass ich dort ranfahren sollte. Also gut.
Als er der Pool-Frau von meiner Tour erzählte, war diese hell begeistert und bot mir gleich an, das ich im Pool welches direkt neben dem Highway ausgestellt ist, schwimmen gehen könnte. Hihi, wie lustig, schwimmen neben dem Verkehr, welcher nach Bangkok fährt. Ich hab dann aber doch abgelehnt und wollte eigentlich weiter.
Sie rannte blitzschnell nach hinten ins Kämmerchen und kam ganz stolz mit einem grossen Lachen wieder nach vorne und schenkte mir ein blaues Poloshirt mit ihrem Pool-Logo darauf. Wirklich ein schönes Shirt. Naja vielleicht ein bisschen zu warm und zu schwer, werde wohl mit Übergepäck einchecken müssen!
Zum Abschied gab sie mir noch 2 Liter Wasser...natürlich nicht aus ihrem Pool und alle winkten mir nach.
Wieder kommt mir der Satz in den Sinn:  „Zwischen Leben und Tod liegt nur eine dünne Haut, wie aus Pergament, und man weiss nie, wann sie durchbricht". Ja, gestern Morgen beschäftigte mich der Tod von Geraldine sehr, war irgendwie einsam...Heute wieder das absolut, pure Gegenteil. Es waren ein paar Stunden in dieser Familie voller Leben und Energie. Da liegt tatsächlich eine dünne Haut dazwischen!
Der folgende Tag war auch irgendwie speziell...vor einem Jahr waren wir zu viert in Thailand in den Ferien, Mama war auch dabei. Wir besuchten die alte Königsstadt Ayutthaya. Fast genau 1 Jahr später bin ich wieder in Ayutthaya und was für eine Zahl steht auf meinem Kilometerzähler?
10'000 Km Total! Sieht echt cool aus, die fünf Zahlen da vor meiner Nase ;)
Nach einem weiteren Fahrtag erreichte ich Bangkok und kam mitten in die Demonstrationen hinein. Während dem Fahren wurden mir Trillerpfeifen und Fähnchen zugesteckt. Satte 3 Stunden brauchte ich für die Stadteinfahrt. Auf direktem Weg fuhr ich zu Frau Supaporn, sie hortete ja meine grosse Tasche mit dem Zelt und dem warmem Daunenschlafsack. Auch sie eine Lehrerin, der ich blind mein Zeugs über drei Monate anvertrauen konnte.
Noch am selben Abend organisierte ich eine grosse Kartonbox für mein Fahrrad und traf spät Abends noch Wey und Joakim. Das letzte Mal habe ich sie in Samarkand, Usbekistan gesehen.
Sie radelten von Göteborg, Schweden bis nach Bangkok, unter anderem durchquerten sie die fast 2000 Kilometer lange Taklamakan-Wüste in China. Das Wiedersehen war grossartig und wir hatten uns viele Erlebnisse zu berichten.
Joakim half mir noch die Pedale abzuschrauben, das hat immer ein bisschen hart weil sich die Pedale während dem Fahren immer mehr anziehen, also einschrauben oder wie sagt man dem wohl in Fachsprache? Ihr wisst schon was ich meine, ach ist ja eigentlich gar nicht so wichtig, trotzdem war ich super froh, hat er mir das gemacht. Morgen ist glaub ich Weihnachten...was tun?
Und einmal mehr, ergibt sich was sich ergeben musste :)
Nadja und Pascal aus Bern, welche ich ja in Vietnam getroffen habe, sind auch gerade in Bangkok und wir machen zusammen ab, um gemeinsam ein gutes, richtiges, währschaftes, gigantisch, grosses Weihnachtsmenue vielleicht sogar mit Dessert mit Doppelrahm zu geniessen. Einfach toll! Freue mich sehr.
Früh Morgens bin ich auf den Beinen um an diesem Weihnachtstag noch ein Päckli einzupacken...siiicher ein grosses Päckli, umwickelt mit viel Klebeband. Genau der Göppel wird zerlegt und verpackt, damit ich dann in Kathmanduli was auszupacken habe. Früher waren es Lego's oder Bäbihäuser die ich zusammenbaute, Heute ist's eben ein Fahrrad höhö.
Nachdem alles verpackt war und ich realisierte das ich ca. 30 Kilogramm Übergepäck habe, wurde mir übel und somit war es Zeit für das Weihnachtsessen.
Hey ihr zwei Berner Radlerfreunde, es war ein toller Abend mit euch, das Fonduetreffen im 2015 rückt näher :) ich kann oder darf glaub gar nicht schreiben was wir an diesem Abend alles verdrückten, aber die white chocolate ice cream with crunchy honeycomb candy pieces and a caramel ribbon und die classic Chocolate loaded with chocolate cookie pieces and a crunchy fudge crackle ribbon Glaces waren einfach lecker schmecker höhö, gibt's wohl nur in Bangoggeli!
 
Und schon hiess es bye, bye Süd-Ost-Asien! Ein grandioser Fleck Erde für eine Fahrradtour...seeehr empfehlenswert! Doch das Bye, bye war nicht ganz einfach..um möglichst Gewicht einzusparen habe ich beinahe alle Kleider samt Poolshirt und Velopolsterhosen angezogen, Thermowäsche, Pulli, Gilet, Daunenjacke, Regenjacke, Helm unter den Arm... und schon am Morgen war es 30 Grad.
Ich schwitzte wie damals bei 50 Grad in der Turkmenischen Karakum-Wüste!
Das Handgepäck war 12 statt erlaubte 7 Kilo schwer, einfach nichts anmerken lassen und möglichst elegant in den Klick-Velo Schuhen zum Check-In Schalter täppelen. Dank dem umständlichen Kleidertragen und endlosem Schwitzen hatte ich nur noch 20 Kilogramm zuviel.
Pro Kilo 10 Dollar sagte die überfreundliche Thaidame mit einem Lächeln. Jetzt hiess es, die Mitleidsmiene aufsetzten und Jammern. Da sie gut gelaunt war und dann auch tatsächlich Mitleid hatte, hihi, verlangte sie nur 8 Kilo Übergewicht-Preis.
Super, Dankeschön und Adieu Merci!
Fly Thai ;)
 
Nun geht die Reise weiter...sie beginnt nun bald ein Ende zu nehmen. In ein paar Tagen werde ich die letzte Etappe fahren und mein Ziel erreichen... Es ist ein ganz, ganz komisches Gefühl...
 
Ja, mein Rückflug in die Schweiz ist gebucht. Und das ist gut so!
Die Tibetische Familie in Pokhara war von Anfang an mein final goal, mein Ziel...ich möchte vorerst kein weiteres anhängen...doch halt es gibt noch eines...dort wo meine Reise begonnen hat, dort ist das Ziel, im wunderschönen Kiental.
Von Zürich aus werde ich noch bis in's Kiental fahren und dort am Samstag den 1. März um ca. 14.00 Uhr den letzten und wohl wichtigsten Kilometer bis vor's Tanzstudio fahren.
 
Doch nach dem Flug nach Kathmandu und vor dem Rückflug ist noch ein weiterer Flug gebucht...ich platze fast vor Freude und kann es kaum erwarten....
Mama kommt mich abholen!!!!!
Wahnsinn gell! Am 25. Januar landet sie in Kathmandu! Wow sieht dieser Satz cool aus.Weil's so schön tönt noch einmal: Am 25. Januar landet Mama in Kathmandu! Zusammen werden wir noch + - einen Monat, ohne Fahrrad, (sorry Freddy) in Nepal und Nordindien umher Reisen und zusammen diese Zeit geniessen...can't wait! Ich vermisse sie sehr und ich freue mich enorm, dass sie die Familie kennenlernt.
Bis bald Mama...
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Das grosse Los: Zeitlos!

Oh Du gute Frau, ganz schoen beladen Heute morgen! Auch ganz huebsch mit den Socken in den Flip Flops hahaha
Oh Du gute Frau, ganz schoen beladen Heute morgen! Auch ganz huebsch mit den Socken in den Flip Flops hahaha
Oh wie habe ich mich schon lange auf die nächste Tagesetappe gefreut! Sie führt über den bekannten Wolkenpass! Mal schauen was die Beine dazu meinen, die haben sich ja schon an die Ebene gewöhnt...
Als ich um 07.00 Uhr aus dem Fenster blickte...regnete es in strömen! Langsam aber sicher stieg meine Motivation in das Untergeschoss ab! Seit über einer Woche regnete es. Nun gut, ich will unbedingt über diesen Wolkenpass fahren und fuhr einfach los. Da ich mich nicht mehr motivieren konnte, schaltete ich um auf Gleichgültigkeit. Mit diesem Gefühl kann ich mich selber irgendwie überlisten, es muss mich also nicht angurken, freue mich aber auch nicht...es ist einfach eine Tagesfahrt von 125 Kilometer die ich fahren werde und am Abend angekomme...so einfach ist das. Ein Punkt wo ich das gemeinsame Unterwegs sein bevorzugen würde...man könnte sich gegenseitig motivieren!
Es führt auch ein Tunnel durch den Berg, aber die Aussicht soll angeblich traumhaft sein von der Passhöhe aus. Mal sehen ob ich denn was sehe! Kurz nach dem Ansstieg, ratterte es ganz gewaltig im Getriebe, es hörte sich gar nicht gut an. Als ich schalten wollte, ging plötzlich gar nichts mehr. Die Kette viel raus. Hab sie wieder eingehängt und alles prüfend angeschaut...hmmm ich seh nichts komisches...viel Dreck aber sonst sah das alles ganz normal aus! Mist, ich konnte nicht mehr Schalten...ziemlich dumm am Berg! Da ich dieses Problem nicht beheben konnte, fuhr ich halt im Eingänger dem Wolkenpass entgegen...soo steil war's ja auch nicht ;)
Doch die Sicht wurde von Minute zu Minute schlechter. Als ich in der Hälfte war, sah ich gerade noch 5 Meter weit. Wie weit noch bis oben? Haha keine Ahnung, aber der Pass machte seinem Namen alle Ehre! Oben angekommen warteten schon die Verkaufswütigen Damen mit ihren Souvenirs...kein Platz für Souvenirs! Es war nicht gerade mein Tag! Der Verkehr stresste mich sehr, wurde immer wieder von den Lastwägen von der Strasse in den Strassengraben hinunter gehupt. Bei der Abfahrt hat sich das Schaltproblem bei zigmaligem durchschalten von selbst gelöst! Bei völliger Dunkelheit kam ich endlich in Hue an...es war ein langer Tag und ich habe mich noch an jenem Abend entschieden, dass ich von hier aus den Bus bis nach Hanoi nehmen werde.
Basta! Bis zu einem gewissen Punkt bin ich der Meinung, sollte man durchbeissen...aber ich hatte genug, ein Vorwärtskommen wurde immer schwieriger und ich war mit meinem Selbstmotivationslatein am Ende.
Ich fand ein hübsches Zimmer und am nächsten Tag hatte ich somit genügend Zeit Fotos von Kambodscha hochzuladen. Dies dauerte ca. 4 Stunden. Das nächste Mal werde ich mich auf Freddy vor den PC setzen, so wie auf einem Melchstuhl...der ist vieeel bequemer, als so ein gepolsterter Stuhl.
Also mit der Geschwindigkeit des Internets sind wir Zuhause ja schon sehr verwöhnt!!! Hier kann es schon einige Minuten dauern bis es eine Seite geladen hat...dafür haben sie einfach überall, sogar im hintersten Busch und in jeder Reisbude, offenes, freies Internet. Z.B wenn ich ein Bild beschriften will...schreibe ich den Text in das kleine Feldchen und ca. erst 20 Sekunden später wird der Text vom Computer geschrieben, das ist immer lustig und sehr langweilig.
Der Besuch der verbotenen Stadt hat mich sehr beeindruckt, sie wurde nach dem Vorbild von Peking gebaut...einfach ein bisschen kleiner! Durch den Krieg wurde Vietnam extrem verwüstet, es war eines der ärmsten Länder...doch durch Fleiss und Ehrgeiz hat sich das Land in eine stabile Nation verwandelt. Aber...die Korruption ist extrem...sei es für einen Termin im Krankenhaus oder für einen Internetanschluss, für alles bezahlt man Schmiergeld!
Noch am selben Abend nahm ich den Sleepingbus bis nach Dong Hoi. Um 03.00 Uhr Morgens kamen wir an und als einzige stieg ich aus dem Bus. So stand ich mitten in der Nacht auf der Strasse und hoffte, dass ich eine Unterkunft finden werde. Ich buche nie zuvor, es geht immer irgendwie :)
Es herrschte absolute Stille auf der Strasse, keine Autos, kein Licht nur die schwarze Katze die gemütlich ihre Runden drehte. Ich genoss die Ruhe, die Dunkelheit und fuhr noch ein paar Kilometer in die Nacht hinein. In einem Guesthouse brannte noch Licht, durch die Scheibe sah ich, wie der Herr gerade die Fische im Aquarium fütterte. Die bekommen aber ziemlich früh ihr Frühstück über...oder konnte er wohl nicht schlafen?
Er hatte noch ein Zimmer frei und ich konnte Einchecken. Nach einem dreistündigen Turboschlaf war ich parat für einen Ausflug zu den Höhlen im nahegelegenen Nationalpark. Eine davon war die Paradise-Cave. 2005 wurde sie von einem Einheimischen entdeckt, sie ist 31 Kilometer lang! Das ist doch unglaublich! Was sich dort unter der Erde für ein Schatz versteckt. Es ist kaum in Worte zu fassen, Bilder sagen hier definitiv mehr! Und immer wenn ich so etwas wunderbares sehe, fühle ich mich klein wie ein Sandkorn auf dieser Welt.
Da mein Visum bald ausläuft, kam ich ein wenig in Zeitnot, noch am selben Abend nahm ich den Nachtbus bis nach Hanoi. Schon komisch im Bus...ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich verpasse etwas. Noch vor Sonnenaufgang erreichten wir die Hauptstadt Vietnams. Husch, husch holte ich meinen Göppel an die frisch verstaubte Luft und jedem Taxifahrer der mich zu einem Hotel bringen wollte, konnte ich einen Korb geben :)
Zuhause ist es doch Luxus, ein Taxi zu nehmen...für mich ist es hier Luxus, dass ich kein Taxi nehmen muss!
Es waren ca. 10 Kilometer bis zum Guesthouse. Erneut ist etwas mit der Schaltung nicht in Ordnung und die Bremsen sind auch einmal mehr runtergebremst :) Die Bremsen hatte ich schnell gewechselt doch das Schaltproblem konnte ich leider nicht selber beheben. In Hanoi gibt es bestimmt einen guten Mechaniker.
Haha, in Hanoi gibt es noch mehr als Mechaniker...es gibt hier einfach ALLES! Noch extremer als in Saigon wird hier jeder Millimeter genutzt. 24h wird nonstop verkauft, gekauft, gehandelt, gegessen und Haare geschnitten. An jeder Strassenecke gibt es einen Coiffeur. Ausgerüstet mit einem Stuhl und einer Scheere schneiden sie im Minutentakt eine neue Frise.
Ich ging eine der tausend Strassen entlang und schaute dem Geschehen zu und dank dem, dass ich mich verlaufen habe, fand ich wohl den besten Fahrradmechaniker der Stadt. Der einzige der Hydraulische Bremsen anbietet, Merida Bikes verkauft und mit einem strahlenden Lächeln mein Göppel betrachtete. Er war wohl erstaunt, dass nicht nur ein Merida sondern auch ein Tout Terrain Fahrrad einiges aushält hahaha.
Da ich die nächsten drei Tage in der Halong Bay sein werde, konnte ich es über diese Zeit gerade in seinem Laden lassen. Da hat Freddy auch wieder mal Gesellschaft, der gute Herr verkauft nämlich auch Brooks-Sättel aus England.
Wenn man in Vietnam ist, gehört die Halong-Bucht schon fast zum Pflichtprogramm! Es ist nichts neues, dass es von Touristen überfüllt ist, doch dieser Platz auf Erden wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sie liegt im Golf von Tonkin und ist ca. 1500km2 gross. Beinahe 2000 Kalkfelsen ragen in die Höhe. James Bond hatte hier auch schon einen Einsatz.
Wir waren eine Touri- Gruppe von 13 neugierigen  Weltenbummlern. Darunter auch ein Paar aus der Schweiz und Geraldine aus England. Sie war die älteste der Gruppe und arbeitet als Personal Trainerin. Als wir ins Gespräch kamen, war sie sofort total interessiert an meiner Reise. Sie wollte alles genau bis ins Detail wissen. Als ich dann sagte, dass ich nicht unbedingt der absolute Sportstyp sei, sagte sie sofort: "Weisst Du, ich habe schon so viele Menschen trainiert, Schwimmer, Boxer, Läufer usw. die können noch so fit sein, doch wenn es im Kopf nicht stimmt dann wird ein Sieg schwierig!".
Da hat sie absolut recht, auch wenn es bei mir um keinen Sieg oder eine sportliche Leistung geht, es ist der Wille und die Motivation, die mir übrigens meistens die Menschen mit z.B. mit einem Lachen oder einem Zuwinken gaben, mich weitergebracht haben.
 
Zurück zur Halong, nach einer Höhlenbesichtigung, einem kleinen Trekking und dem Kayakprogramm genossen wir den Sonnenuntergang. Den Sonnenuntergang...einen Moment den alle mit ihren liebsten genossen, mein liebster, also mein Göppeli ist ja in Hanoi :)
Da Geraldine und ich die einzigen Singles in der Gruppe waren, sassen wir gemeinsam auf's Mäuerchen und sie erzählte mir ihre Familiengeschichte, wie stolz, dass sie auf ihre Tochter und ihren Sohn sei und wie glücklich sie sei, 4 Wochen Ferien zu haben und an diesem schönen Fleck auf dieser Welt sein zu können.
Am nächsten Tag erkundeten wir verschiedene Inseln und am Abend splittete sich die Gruppe in drei. Die einten gingen wieder zurück nach Hanoi, diejenigen die mehr bezahlten wurden in ein Hotel geschifft, Geraldine und ich waren die einzigen die, die günstigere Variante buchten und somit auf einer Insel, in einem Bungalow übernachteten. Am Nachmittag setzte ich mich in ein Kayak und paddelte los, auch mal schön zu Paddeln anstatt zu Pedalen :)
Ich genoss die Stille und die endlose Freiheit. Alleine im Boot zu sitzen war zwar nicht soo amüsant, doch an diesem Nachmittag spiegelte sich meine Reise direkt vor meinen Augen. Als ich das Kayak drehte um zurück zur Insel zu gelangen war die Ebbe bereits gekommen. Das hiess ich konnte nicht den gleichen Weg zurück, ich musste weiter hinaus, wo die Wellen ein bisschen stärker waren, um einen grossen Fels herum und von der anderen Seite in Richtung Insel paddeln.
So auch auf meiner Tour, um wieder nach Hause zu kommen, konnte ich nicht rückwärts gehen...ich musste wohl weit weg, in unbekannte, mir neue Welten mit hohen Wellen die mir den Weg zeigten, dass ich nächsten März "Ankommen" kann. Immer wie mehr mache ich mir solche Gedanken und langsam wird mir bewusst, dass eine solche Reise nicht nur ein Abenteuer ist, sondern eine Lebensschule. eine Lebensschule die mich wohl Dinge lehrte, die ich vielleicht erst viel später realisieren werde. So genug Psycho für Heute :)
Zurück in Hanoi verabschiedete ich mich von Geraldine und es ist einfach schön, wenn man so lange alleine unterwegs ist und dann jemanden trifft, mit dem man sich innert Minuten sehr gut versteht und die Gedanken anvertrauen kann. Ihre beste Freundin wird Morgen in Hanoi landen und die Zwei werden noch eine Woche gemeinsam reisen.
Meine Reise wird nun sehr zackig weiter gehen, da mein Visum übermorgen abläuft. Mit einer 30 stündigen Busfahrt werde ich mich nach Luang Prabang in Laos katapultieren lassen. Dort war ich ja mit Fabienne schon unterwegs, deshalb werde ich dort nur kurz halt machen und per Boot in zwei Tagen an die Thailändische Grenze hoch tuckern um dann noch 800 Kilometer in 8 Tagen bis nach Bangkok radeln, um rechtzeitig meinen Flieger für nach Kathmandu zu erwischen.
Jaja, ihr seht, hat man ein fixes Datum für etwas, z.B. Einen Flug, muss man sich sofort anpassen und die Zeit spielt plötzlich eine wichtige Rolle. Bis jetzt konnte ich Zeitlos herumgondeln, weiss oft nicht was für ein Tag oder was für Zeit überhaupt ist.
Die Zeit zu haben, mit dem Fahrrad anzuhalten wann und wo es mir passt und so lange die Aussicht oder einen Kaffe zu geniessen ohne auf eine Uhr schauen zu müssen, dann weiter zu gehen wenn es "Zeit" ist, das ist doch wahrer Luxus...oder?? Während der Arbeit Zuhause, ist es normal, dass wir um 12.00 Uhr bis 14.00 Mittag haben, wir sitzen am Tisch, geniessen das Essen, reden über Themen und....und haben ständig die Uhr im Blick, dass wir um 14.00 Uhr wieder pünktlich auf der Matte stehen.
Wenn mir hier jemand über sein Leben erzählt, seine Kultur, seine Religion dann kann ich zuhören, lernen und erfahren bis diese Person fertig erzählt hat, ob es nun 10 Minuten oder 3 Stunden sind...spielt absolut keine Rolle, den diese Geschichten sind eben Zeitlos!
Jetzt aber in den Bus! Zuerst übte ich mich in Füsse Falten bis nach Laos. Nicht unbedingt ein empfehlenswerter Trip aber ein Erlebnis auf jeden Fall! Wir machten gerade mal 3 WC Stopps, wobei die Toiletten gewöhnungsbedürftig sind.
Gemeinsam Geschäfte erledigen macht wohl doppelt Spass, auf gut Berndeutsch: "Bisle i Gsellschaft". Und jetzt noch ein bisschen detaillierter: ein Plattenboden mit 12 Hölzchen nebeneinander für die Füsse und einem Loch in der Ecke bieten 6 gefüllten Blasen Erlösung!  
Wenn 6 durch sind kommt die Frau mit dem Schaber und schiebt alles Richtung Loch, wie in einem Kuhstall. Dann die naechsten 6. Da es keine Trennwände oder so hat, muss man das Gespräch auch nicht unterbrechen und kann fröhlich weiterplaudern. Da man nicht spülen muss, kann man auch durchgehen sms schreiben.ist doch praktisch!
Hat man während dem geschäftlichen sonst nichts zu tun, ist das "Choder" auszuspucken als Nebenbeschäftigung sehr hoch im Kurs! Was ich aber so gehört habe, geht es hier, im Gegensatz zu China, doch sehr sauber, gesittet und eher angenehm von dannen....wohl alles eine Einstellungssache...ich musste mich schon ziemlich Überwinden! An nichts denken und vor sich hin Zählen hilft übrigens in solchen Situationen super!
 
Das war also Vietnam, ein Land in dem es vieles zu sehen gibt und 30 Tage für mich definitiv zu wenig waren...doch das ist auch positiv, dann gibt es nämlich einen guten Grund um wieder einmal zu gehen. Die Kommunikation empfand ich eher als schwierig, doch wenn es mit dem Englisch klappte, waren die Gespräche mit Einheimischen immer sehr interessant. Ich unterschätzte die Strecke von Saigon bis nach Hanoi, es sind rund 2000 Kilometer, was eigentlich sehr gut zu machen wäre in einem Monat, doch der Verkehr auf der Hauptstrasse bremste mich und von einem Fahren im Norden wurde mir mehrmals abgeraten. Das nächste mal würde ich eine Route im Hinterland wählen, doch alleine fühlte ich mich auf der Hauptstrasse sicherer und diese Sicherheit steht für mich an erster Stelle.
Vietnam, ein Land, dass ich gerne noch einmal besuchen möchte...
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Der kopflose Helm...

Sein Name it Helm und er weiss von nichts...
Sein Name it Helm und er weiss von nichts...

Es ist höchste Zeit weiter zu fahren!

Da der District 7 am Ende der Stadt liegt,war ich ruck zuck draussen aus diesem Wirrwarr. Noch über ein paar Brücken und schon war ich bei der Fähre. 10 Minuten auf dem Kahn, eine Stunde radeln: Zeit für einen Kaffe :) Ich bin nicht so die Kaffee Trinkerin, der ist mir immer zu heiss und ich verbrenne mir ständig den Mund. Doch der hier, soll ganz anders sein. Hab schon von vielen gehört, dass ich diesen unbedingt probieren soll. 
Ich sass auf dem Kindergartenstuhl am Kindergartentischchen und bestellte das schwarze Gold. Sie tischte dann ordentlich auf und mit all den Gläsern war ich leicht überfordert... Ein Gläschen mit Eiswürfelchen, ein Gläschen mit chinesischem Tee, ein noch kleineres Gläschen mit einem Gutsch von dieser Büchsenmilch oben drauf ein kleines Tellerchen, auf dem Tellerchen ein Aluminiumbecherchen mit Deckelchen.
Alles ist da ziemlich klein, sehr klein! Also was muss ich jetzt machen? Bringt sie wohl noch die Anleitung? Natürlich wurde ich von allen Anderen beobachtet und die hatten ihren Spass an meiner Unwissenheit :) Ich starrte einfach zurück und begann halt auch zu  Lachen, hey war dies wieder ein Gaudi! Sofort ergriffen drei die Initiative und probierten mir zu erklären, wie denn jetzt das vietnamesische Kaffee trinken funktionere! Also, der muss zuerst durch das untere Blechteller gefiltert werden, also der Kaffe höhö, dies kann er ja alleine und in dieser Zeit wird Tee getrunken! Nachher das ganze mit der zähflüssigen Milk im kleinen Glas umrühren und dann hopp ins grössere Glas mit dem Eis und fertig ist die Brühe. Kaffeetrinken...nur mit dem Röhrli! Prost!
Das war ein super Kaffee und mein Tischchen sah aus, wie nach einer Kaffeeschlacht! So, jetzt wusste ich wie's geht! Keine 20km später machte ich wieder Pause um das gelernte nun anzuwenden und zu festigen :)
Die Strassen hier im Süden sind nahezu perfekt und es hat sogar eine Art Velo/Töffli Spur, ideal! Auf den Reisfeldern wird hart gearbeitet, die Einten sind noch am Ernten und die Anderen graben das Feld mit Hilfe von den starken Büffeln schon wieder um. Wenn ich anhielt um ein Foto zu machen, winkten sofort alle zu, jedoch nicht mit offener Hand, nein fast alle winkten mit dem Peacezeichen.
Oftmals fahren die Töfflis über längere Zeit mit mir mit. Sie starrten ein wenig und sobald ich begann etwas zu fragen, sausten sie davon. Es war wieder ordentlich warm und ich hatte noch ein paar Kilometer vor mir. Eine junge Frau, fuhr neben mir und streckte ihre Hand aus.
Sie trug beige Handschuhe die einmal weiss waren, doch der Strassenstaub färbte sie zu einem Beige. Da lass ich mich nicht zweimal bitten, ich fasste die Hand und mit 33kmh donnerten wir den Hügel hoch, was für ein Spass. Sie winkte mir noch lange nach. Weiter ging's vorbei an Kakteenfeldern wo sie die Drachenfrüchte ernten, vorbei an kleinen, hübschen Dörfchen mit gutem Kaffe, vorbei an unzähligen Hochzeiten, welche halb auf der Strasse in einem kunterbunten Zelt gefeiert werden und dann ist es plötzlich da...
Das Südchinesische Meer! Mir kamen die Tränen, ich war überwältigt, nicht wegen dem Meer, aber einfach hier sein zu dürfen. Der höchste Punkt auf meiner Reise war auf dem Pamirhighway mit 4655M.ü.M, doch dies hier ist der weit entfernteste Punkt von Zuhause. Überglücklich sass ich auf das Mäuerchen, schaute zu Freddy rüber und klopfte ihm auf die Schulter!
Wenn mich die Leute fragen wohin ich gehe, werde ich von nun an nur noch sagen: nach Hause! Ich freue mich sehr und im selben Moment kommt ein neuer Gedanke auf..."Thesi, warum fährst Du nicht noch einfach weiter? Wird diese Zeit jemals wieder kommen? Diese endlose Freiheit? Es ist nicht's was mich Zuhause hält...kein Job, keine Wohnung, keine Verpflichtungen. Klar meine Mama und meine Freunde vermisse ich schon sehr! Südkorea und Japan würden mich sehr reizen!".
Und in meinem Planhirn beginnt es schon zu rotieren... Vernunfthirn an Planhirn: "Bitte das Planen einstellen und weiterfahren!" Zeithirn an Planhirn: "Genau, es wird schon bald dunkel, bitte in die Pedale treten". Planhirn an Beide: "jaja schon gut, jetzt mal nicht so ernst ihr beiden!". Magen an Alle: "hört doch auf zu diskutieren, ich habe jetzt Hunger!". Bevor noch jeder sein Senf dazugibt, ergriff ich die Flucht. Nein im Ernst jetzt, ich habe mir dieses Ziel Pokhara gesetzt, dieses Ziel werde ich erreichen und es soll das Ende der Reise sein (fast;)!
Also wir sind ja im Moment noch in Vietnam! Von weitem sah ich schon den höchsten und ältesten Leuchtturm des Landes, 54m hoch und erbaut im Jahre 1897. Das ist doch ein guter Grund für eine Kaffeepause! Ja da würde ich wohl immer einen Grund finden:) Die Küstenfahrt gefällt mir sehr gut und immer wie besser. Ein kleiner Abschnitt nach Muy Ne führte auf einer Nebenstrassen durch die orangenen Sanddünen. Wunderschön und Erinnerungen von der Wüste in Turkmenistan kamen auf. Doch im Gegensatz zu Turkmenistan regnete es hier praktisch jeden Tag über mehrere Stunden. Solange die Kleider am nächsten Morgen wieder trocken sind, spielte mir das nicht so eine grosse Rolle.
Eine neue Rolle spielte jedoch mein Helm! Ein weiteres Mal sass ich alleine an einem Kindergartentischchen, blickte auf's Meer, ass ein Teller voll Reis und langsam aber sicher hatte ich das alleine Essen satt! Somit setzte ich die Sonnenbrille auf den Tisch, den Helm drauf und schon hatte ich ein Gegenüber: Der kopflose Helm, er sagte zwar nicht viel, starrte nur in eine Richtung aber ich musste nicht mehr alleine Essen ;)
Ich überlege mir oft wie wäre diese Reise wohl zu zweit gewesen? Auch hier gehen die Meinungen auseinander, für mich persönlich kann ich sagen, ich bin froh, dass ich alleine gegangen bin. Ich traf immer wieder auf Radler, konnte mich oftmals auch Anderen über eine gewisse Strecke anschliessen. Doch dadurch, dass ich all das erlebten selber verarbeite, kam es mir immer sehr viel intensiver vor wenn ich alleine radelte als in einer Gruppe oder zu zweit. Und...man muss selber studieren :)
Doch über dieses Thema werde ich ein anderes Mal ausführlicher schreiben. Das Blogschreiben... der Ort wo ich alles mit euch teilen kann...herzlichen Dank für's zuhören und mitlesen! Jetzt bin ich wieder abgeschweift und eigentlich wollte ich doch vom Regen schreiben der von Tag zu Tag stärker wird. Völlig durchnässt kam ich in Nha Trang an. Nha Trang, na dann: Welcome to Russia! Kaum einen Fuss in ein Restaurant gesetzt hiess es schon: "Priviet, vucha zieli busch ta najesz?" Was vielleicht heissen könnte, Hallo willst Du was essen? Super jetzt kann ich eendlich wieder einmal mein ausgezeichnetes und akzentfreies Russisch zum besten geben: Da, da! Ja, ja!
Wer also in den nächsten Winterferien nach Russland möchte, jedoch ein wenig Mühe mit der eisigen Kälte in Moskau hat, gar kein Problem, es gibt auch ein Russland am Meer in Vietnam! Es war zwar nass, aber nicht kalt! 
Nach zwei Tagen waren alle meine Kleider wieder trocken und die Fahrt konnte weiter gehen. Es war ein bisschen hügelig was das ganze doch auch spannend machte. Bei einem kleinen Fischerdörfchen fand ich die einzige Unterkunft, ein sauberes Zimmer mit Blick auf's Meer...3 Franken! Ich war ziemlich erstaunt, dass so viele Vietnamesen im Guesthouse waren, ich bekam noch das letzte freie Zimmer. Der Herr des Hauses sagte mir, dass sie das schnellste Internet im Dorf haben, perfekt also nicht wie los hoch ins Zimmer und mich wie eine verbissene hinters Tablett setzen...oh, da musste noch ein Passwort eingeben, werden, schnell wieder runter und Nachfragen.
Er verstand nicht was ich wollte, gut wieder hoch, iPad holen, wieder runter und ihm das Feld zeigen wo das Passwort reinkommt. Er studierte und studierte, schlussendlich wusste er das Passwort nicht! Seine Frau hatte auch keine Ahnung. Jetzt haben die das schnellste Internet weit und breit, wissen aber das Passwort nicht, mamma mia!  Kurzerhand ging er hoch, klopfte an eine Tür und die verschlafene junge Dame kam runter und fragte mich in perfektem Englisch ob ich ihr Telefon brauchen möchte für's Internet...ach nein, soo dringend ist's nun auch wieder nicht, war auch lieb von ihr!
Sie liess dann nicht locker, ging hoch, föhnte blitzschnell ihre Haare zu einer Frise, kam wieder runter und das Suchspiel nach dem Passwort ging los. Langsam bekam ich ein schlechtes Gewissen. Eigentlich wollte ich nur kurz meine Mails checken, weil ich mit zwei Schweizern abgemacht habe, die von Norden nach Süden radeln und wir uns schon bald kreuzen werden, jedoch war noch unklar wann und wo. Nun gut, sie rannte mit dem Regenschirm zum Nachbar und fragte ob der was wisse. Nichts.
Wieder zurück, telefonierte sie dem Internetanbieter und probierte das Passwort irgendwie ausfindig zu machen...die Zeit verging und wir setzten uns auf's Sofa und kamen ins Gespräch, welches sich nicht um's Internet oder irgend ein Passwort handelte. Ich fragte sie warum denn so viele einheimische hier seien. Sie sagte dann ganz selbstverständlich: "ich werde morgen heiraten und das sind all unsere Gäste". Huuuch! Mein schlechtes Gewissen verdoppelte sich sofort. Ein paar Stunden vor ihrer Hochzeit probierte sie ein Passwort für eine wildfremde, dreckige Radlerin ausfindig zu machen...unglaublich.
Eine weitere Stunde verging, ich fragte sie aus wie denn das Programm sei undundund. Ohne Passwort und ohne Internet doch mit einer berührender Geschichte ging ich in mein Zimmer hoch und freute mich für sie.
Am nächsten Morgen, als ich vollbepackt die Treppe runter kam, natürlich in Velokleidermontur, waren da alle Gäste in der Lobby an den Tischen und das Apéro war in vollem Gange. Oh gott, ich wollte gleich wieder zurück ins Zimmer als ich realisierte, dass ich mitten durch die herausgeputzten Menschen mit Anzug und glizzernden Kleidern hindurch musste, um zu meinem Göppel zu gelangen. Peeeeinlich! Die Braut, welche gestern noch mit Regenschirm im Regen auf Passwort suche war, kam gleich zu mir und begrüsste mich herzlich, oh gott, noch peinlicher. Sie wollte gleich noch ein Foto mit mir, somit stand ich mit dreckigem T-Shirt zwischen Braut und Bräutigam und der Fotograph hatte wohl auch seinen Spass.
Da alles überstellt war wurde Freddy über die Tische gehievt, nein dass hättet ihr sehen sollen, bestimmt löste sich noch der eine und andere Dreck auf die schön gedeckten Tische. Ich wünschte ihr das Allerbeste für ihre Hochzeit, sie winkte mir nach und ich drückte mit meinem Fuss auf das Schidkrötenhupi was das Zeug hielt. Was für ein Start in den Tag!
Sobald als ich dann Internet fand klickte ich auf die Mailbox, jupi Nadja und Pascal haben geschrieben. Dies ist auch eine unglaubliche Geschichte... Wir begegneten uns das erste Mal im VeloPlus Laden in Ostermundigen, bei dem Tourenkurs. Wir lernten Kettenriss, Speichenbrüche und andere Probleme zu beheben.
Sie sagten damals, dass sie nach Moskau radeln möchten...jetzt sind sie in Vietnam unterwegs. Ja wenn man schon mal in Moskau ist, ist es bis nach Vietnam auch nicht mehr soo weit hahahaha. Bin ja gespannt was sie zu erzählen haben und ich freue mich so fest, mich wieder einmal mit anderen Tourenfahrern auszutauschen. Nadja schickte mir gleich einen Treffpunkt zu. Um 17.00 Uhr in Quang Ngai beim Busterminal. Passt. Da ich ein bisschen früher dran war, ging ich noch zum Töfflimechaniker, jaja der hatte so einen super Wasserspritzer. Der Göppel kam also das ganze Handwaschprogramm über. Ich schampoonierte die Pneus und den Rahmen ein und der staunende Mechaniker kam dann noch mit dem Weichspüler nach.
Plötzlich hatten wir einige Zuschauer und der junge Knabe hatte grosse Freude, den Göppel mit Hochdruck abzuspritzen. Hab beinahe vergessen, dass er ja einen blauen Rahmen hatte, das glänzte wie schon lange nicht mehr. Nadja und Pascal werden stauen höhö. Für den ganzen Service wollte er keinen Rappen und er bedankte sich...er sich bedanken? Das ist doch falsch rum, ich habe mich zu bedanken...verkehrte Welt!
Pünktlich wie ein Schweizerührli war ich bei der Bushaltestelle. Es war schon dunkel als ich plötzlich zwei leuchtende Lichter um den Ecken einkurven sah. Nachpünktlich wie eine nachgemachte Schweizeruhr kamen die zwei angefahren. Hey war das ein Wiedersehen. Gestern noch in Ostermundigen, Heute in der Pampa in Vietnam...wie die Zeit schnell vergeht, als wäre es gestern gewesen!
Im nächst besten Hotel checkten wir ein und wir hatten natürlich einen Mordshunger. 
Nadja und Pascal sind kurz nach mir in Bern gestartet. Sie fuhren bis nach Moskau und tuckerten dann mit der Transsibirischen immer Richtung Osten. Mit dem Fahrrad fuhren sie durch die Mongolei, durch China und sind eben nun hier in Vietnam und erzählten von ihren Erlebnissen. Sie werden weiter bis nach Bangkok fahren und dann ist fast ein Jahr rum...aber was ist schon ein Jahr?
Sie hängen noch eines dran und als nächstes werden sie in Neuseeland weiter Pedalen, dann nach Amerika, Nord, Zentral und Süd und dann wird wohl das zweite Jahr rum sein :) Besucht ihre Homepage und klickt euch durch die Fotos und noch ein Geheimtipp...lest unbedingt den Chinakrimi!
Hier noch ihre Adresse: www.reiseumdiewelt.ch
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns und machten bereits für ein Fondue im 2015 ab hehe.
Mein nächstes Ziel war Hoi An. Dort war einmal der grösste Hafen von Südostasien und dieser gilt auch als ein Hafen der Seidenstrasse! Da ist sie wieder...Die Seidenstrasse, viele Kilometer durfte ich auf ihr zurücklegen und sie fasziniert mich immer wieder von neuem!
Ach übrigens, es regnet immer noch, nur dass ich es wieder mal erwähnt habe. Hoi An hat mir sehr gut gefallen, besonders die japanische Brücke und die vielen Laternen, welche am Abend die Gassen erhellen. Doch es ist nicht DAS Vietnam, dass ich ausserhalb der touristischen Orte kennen gelernt habe. Aber auf alle Fälle einen Besuch wert!
Nach einem Ruhetag startete ich mit halber Energie. Trampte ich in den Regen hinein und nach 30 Kilometern war die Energie aufgebraucht. Es reichte für Heute. War in Da Nang und legte einen grösseren Spaziergang mit Schirm ein, da wird man weniger nass, nur die Füsse und der unterste Teil der Hose!
Zur Feier des ewigen Regenwetters ging ich ins grösste Einkaufszentrum um mir eine Toblerone zu kaufen! Und weil ich satte 2 Stunden gebraucht habe, kaufte ich gleich zwei hahaha, oh die waren richtig gut und teuer. Doch das leistete ich mir ohne das kleinste schlechte Gewissen zu haben, nein, zwei Tobleronen zum überteuerten Preis, herrlich! Auch eine Art Luxus...
13 Kommentare

Wenn ein Speedbootrennen die Strasse blockiert...!

Es warein einmal...vieele, vieele Toefflis
Es warein einmal...vieele, vieele Toefflis

Goood moooniiing miss, Dong? Change money Dong? You need Dong? Jaja, Dong, Kip, Riel, Som, Dollar, Bath, Manat ich nehme alles, auch Dong! Welcome to Vietnam! Die Dong sind übrigens wie mein Kartenmaterial, waterproof und reissfest.

Bei uns gibt es doch so Blumensträusse mit schön gefalteten Hunderter- oder noch besser mit Tausender Nötli drin, da kommt mir gleich in den Sinn, eine Kollegin schenkte mir zum Abschied eine schöne Karte mit Inhalt, sie faltete Euronoten zu Oregamiglücksfröschen, super schön...doch das geht hier nicht, Dong kann man nicht falten, nur ausgeben :) 

Einmal mehr änderte sich das Bild von einem Land zum Anderen schlagartig. Auf der Stelle hatte der Verkehr um das Vierfache zugenommen, die Menschen winken nicht mehr wie in Kambodscha, sie schauen, nein sie starren mich an. Es gibt sie wieder... die Buchstaben, so wie ich sie kenne! Auf einem Schild stand z.B. : Mâ't Kính Sài Gòn cheuyên Khoa cân vieėn loan. Aha! Alles klar? Mit ein bisschen Fantasie kann man den Wörtern selber eine Bedeutung geben und solche Schilder hat es haufenweise, habe also immer was zu tun! Doch ich habe noch ganz anderes zu tun, es gibt soo vieles zu sehen, so viele neue Eindrücke überall! 

Die ersten 70km in Vietnääm: Ein Moped fährt mir vor, hinten hatte er zwei Käfige überfüllt mit Hunden, der unterste war glaub ich schon tot, seine Kopf war am Gitter zerquetscht und die Zunge plampte  bewegungslos aus der Schnauze. Oh nein, da kann ich kaum hinschauen! Hunde werden hier auf dem Teller serviert, es gibt auch Schlangenkopfsuppe oder frische Seepferdchen! Die Käsespätzli im Swissgarden waren wirklich gut!

Vor mir eine Vietnamesin im violetten Pyjama, die aufgerolltes Wellblech mit ihrem rostigen Fahrrad transportierte, der spitzige Strohhut reichte fast bis zu den Schultern runter. Auf der rechten Strassenseite präsentieren Messerschmiede ihre von Hand angefertigten Sicheln, Beile, Scheeren und Schaufeln. Es war Nachmittag, die Sonne schien und bereits blinkelten unzählige LED Lichtwerbungen für Smartphones, iPads, iPhones, keinen Meter daneben werden Schlüssel noch von Hand eingesägt. Überall wird jeder Zentimeter genutzt, es gibt keine Lücken für eine Pause, ich meine Pausen für die Augen. 

Gedämpft durch den Lärm des Verkehrs erreicht die Stimme eines singenden Mädchens mein Trommelfell. Sie spielte mit zwei gelben Fäden im Dreck, ihre Mutter nähte daneben mit einer alten, schwarzen Nähmaschine gelbe Pyjamahosen mit eben diesem gelben Faden. 

Pause, ich brauchte was zu Essen. Mit dem Göppel fuhr ich gleich in das "Restaurant" hinein. Es stehen nicht mehr massive Tische neben Tische, nein es hängen jetzt Hängematten neben Hängematten, im selben Abstand und immer grün, blau abwechselnd. Eben, etwas zum Essen... Sie kein Englisch, ich kein Vietnamesich!

In drei Kochtöpfe, welche auf dem Feuer waren, bekam ich einen Einblick: undeffinierbar! Ich fragte sie nach Reis, ein doch so einfaches Wort. Rice? Do you have rice? Rice? Risotto Buitoni?! Riso pour le mangare!!

In ihrem Blick sah ich Ratlosigkeit, wie kann ich Reis pantomimen? In ihrer Küche suche ich nach Reis...die muss noch Reis haben gopfnomau!! Nichts gefunden, ich bekam dann ein Baguette, was ich ja auch nicht gerade typisch finde, ein Teller voller Kräuter und Fleischsuppe...was für Fleisch? Keine Ahnung, eben Flesich! War gut! 

Jetzt ist sie da, die Einfahrt nach Ho-Chi-Minh City, mit über 5 Millionen Mopeds, judihuii! 

Ich habe mit Sarah, der Amerikanerin um 17.00 Uhr im District 7 in der Pham Van Nghi Strasse bei dem Supermarkt mit der roten Leuchttafel abgemacht, oh gott hoffentlich finde ich das! Der ungefähre Treffpunkt habe ich auf meiner Offlinekarte im iPad eingetragen.  Also los gehts. Es ist einfach extrem...links von mir ein Töff, voll beladen mit Ananas, Mopeds die mich im Einzentimeterabstand überholen, ein Bananenverkäufer der mir während der Fahrt Bananen verkaufen will...guter Herr, ich habe noch 13 Stück auf meinem Gepäckträger :) überall kleine Lastwagen. Die Trottoirs sind von Plakaten und Waren derart überladen, dass ein Laufen darauf unvorstellbar ist, also gehört die Strasse auch den Fussgängern.

In einem Reiseführer gibt es sogar eine Anleitung wie man die Strassen in Vietnam überqueren soll: langsam Loslaufen und auf keinen Fall stehen bleiben, immer im gleichen Tempo weiterlaufen, der Verkehr wird sich um Sie schlängeln, viel Glück!

Es ist tatsächlich so, ich fahre lieber mit, als einmal quer durchzulaufen. An der nächsten Kreuzung musste ich unbedingt links abbiegen, mist Chance verpasst. Auch hier gibt es verschiedene Zeitpunkte: es gibt den verfrühten, den richtigen oder eben den verpassten. Der war definitiv verpasst! Ich drehte kurzerhand um und fuhr gegen den Verkehr bis zur Kreuzung zurück, lustig auch das klappte ohne Probleme und was auch erstaunlich ist, keiner nervt sich wenn jemand falsch fährt, keine bösen Handzeichen oder verzerrte Gesichter! Höchstens ein verschmitztes Lächeln!

Kreuzung auf ein neues, yes der richtige Zeitpunkt erwischt...ich glaube das ist alles Übungssache! Bei der nächsten Abbiegung...es hat ja dauernd Abbiegungen, hielt ich an um zu kontrollieren ob ich denn noch richtig bin...passte perfekt. Jetzt noch einmal quer durch.

Es ist einfach ein Gewühl und ich musste dringend ein Foto machen, Klickklickklick und als ich es auf dem Display anschaute traute ich meinen Augen nicht...da war eine freie Linie durch den ganzen Verkehr genau in die Strasse, in die ich musste, ein Schnappschuss! Sekunden später fotografierte ich nochmals die exakt selbe Stelle, schaue es an und da war natuerlich keine freie Lücke mehr zu sehen. Magic Moments sag ich nur! UND, es kommt wie immer und überall auf den richtigen Zeitpunkt an!

Es hat zwar unzählige Ampeln mit Sekundenanzeige aber die nützen nichts, das ist wohl eher eine verfrühte Weihnachtsbeleuchtung! Als nächstes folgte eine Brücke, oh so schön, stilles, fliessendes Wasser...falsch gedacht, es findet gerade ein ferngesteuertes Speedbootrennen darauf statt. Die kleinen Böötli rasten mit einem höllen Lärm um die Bojen, ein Schauspiel!

Sämtliche Verkehrsteilnehmer hielten an und schauten zu, es wurden immer mehr und es kam soweit, dass dieTöffli's mitten auf der Strasse parkiert wurden und jeder drängelte sich möglichst weit nach vorne um das Speedbootrennen zu verfolgen. Das ist wie, wenn im Gubristtunnel einer die Tunnelwand bemalt, alle anhalten und ihm ein bisschen zuschauen würden hehe. 

Neben mir der kleine Vietnamese, der gerne und gut seinen Choder tief aus all seinen körperlichen Röhren hochzieht und damit fast die Speedboote übertönt und anschliessend den Choder, wo weiss ich nicht was alles drin ist, in hohem Bogen in den Fluss, also auf die Rennbahn spuckt. Übrigens sehr gekonnt und in einer ziemlichen Geschwindigkeit flog das Zeugs da runter! Eigentlich spucken hier alle, also nicht nur von der Brücke, auch im Restaurant, gerne mal auf den Boden oder so... Mann o mann ist da was los! Nach 2h habe ich den Treffpunkt am  Supermarkt um 16.55 Uhr gefunden, pünktlich wie wir es uns gewohnt sind!

Ich hatte ja keine Ahnung wie Sarah aussah, aber sie wusste, dass ich mit dem Fahrrad da bin, somit setzte ich mich vor den Supermarkt und wartete. Nach 10 Minuten hat sie mich gefunden. Wir hatten uns gleich super verstanden und sie meinte, sie freue sich riesig, dass wir zu ihr kommen, sie wohne gleich um die Ecke. Dann kann ich ja ihrem Taxi folgen? Nein, dass sei dann doch zu weit, und ich könnte sie im Wirrwarr verlieren, meinte sie :)

Also gut, und wir luden den ganzen Karsumpel in ein grosses Taxi und fuhren 20 Minuten bis zu ihrem Appartement, welches ja "gleich" um die Ecke war! Was für eine schicke Wohnung! Und Freddy wird in der offenen Stube auf den grossen, eierschalenfarbenen, glänzenden Platten parkiert. Sein Edelstahlrahmen spiegelte sich sogar in den Platten, allemal ein Foto wert.

Wir gingen noch einen Salat essen und um Mitternacht waren wir am Flughafen parat um Aislinne abzuholen. Es war ein freudiges Wiedersehen und einfach auch lustig, wie das alles zustande gekommen war, innerhalb von ein paar Tagen! 

Am nächsten Tag machten wir Stadttour auf eigene Faust. Genossen frische Frühlingsrollen im verspäteten Halloweenlook auf dem Dach des Rex Hotel's, besuchten den Market, überquerten X Strassen, kosteten die Vietnamesische Küche und zum Grande Finale hatten wir einen Drink im 52sten Stock des Bitexco Financial Towers, mit grandioser Sicht auf die Skyline Saigon's. Was für zwei Tage!

Gestern ergatterte ich noch in einer einfachen Strohhütte in Kambodscha 17 statt 3 Bananen und heute Abend sitze ich bei grillierten Shrimps hoch oben im 52sten Stock. Ich glaube, dass war einer diese Tage...von einem Extrem ins Andere! Am Abend lag ich im Bett und bevor ich einschlafen konnte, musste ich all meine Gedanken sortieren und die Erlebnisse büschelen. Im Zimmer war es stockdunkel, ich hielt die Augen offen und blickte in die Dunkelheit, eine Wohltat, sie können sich ein wenig erholen. Ich könnte den ganzen Tag einfach irgendwo sitzen, Blog schreiben, in einem Buch lesen, nichts tun. Doch jetzt sind wir in Saigon und es gibt noch einiges zu sehen.

Bereits um 07.00 Uhr sind wir parat. Heute treffen wir Anja von Zermatt. Sie war ein paar Tage zuvor auch im Swissgarden und nun in Saigon. Zu dritt besuchten wir den Ort, wo das Tunnelsystem während dem Vietnamkrieg angewendet wurde. Zuerst ging es in die Waffen Galerie, danach hatte ich eigentlich schon genug gesehen!

Das Tunnelsystem in Cu-Chi: Das ganze System ist über 200km lang und reicht bis zur kambodschanischen Grenze. Es war ein Schutz für die Vietnamesen und als die Amerikaner Operationen gegen dieses System unternahmen, starben sehr viele Amerikaner. Und weil so viele umkamen, z.B. traten sie in Fallen, begannen sie das Gebiet zu bombardieren.

Die Tunnels sind bis Heute noch erhalten und man kann sogar in ein Originaltunnel einsteigen und sich fotografieren lassen...versteh ich nicht! Es wurden extra für Touristen Tunnels nachgebaut, natürlich grössere, dass man nicht kriechen muss...

Was mich am meisten gestört hat war, dass man Munition (natuerlich nicht echte) kaufen konnte und auf einem Feld rumballern. Da waren wir also in so einem Tunnel und draussen ballerten Touristen rum! Es schreckte mich ab und am liebsten wollt ich nur noch zurück! Wie kann man Spass daran haben, an diesem Ort sich in einen Attrappejeep zu setzen, und um sich zu schiessen, wo vor noch nicht allzu vielen Jahren soo viele Menschen gestorben sind? Einige finden es soo "cool", dass sie noch eine zweite Ladung kauften, für mich unverständlich, abschreckend und total respektlos!

Dies sagte ich dann unserem Guide und der lächelte nur und sagte: "gives us money". Das Tunnelsystem ist spannend, doch die ganze Aufmachung finde ich ziemlich daneben und auch hier gehen wohl die Meinungen auseinander.

Aislinne fliegt Heute Abend wieder nach Phnom Penh zurück und ich schaltete noch einen Ruhetag ein. Es war Montag, Sarah hatte wieder Schule und überliess mir den Wohnungsschlüssel. Ich ging ins Pool und wurde mir ein weiteres Mal bewusst, wie nahe und doch so fern das Einfache und der Luxus liegt. Am Abend nahm mich Sarah an die Lehrerparty der Schule mit.

Ihr Leben ist auch spannend wie ein Buch. Sie unterrichtete schon an einigen Orten, z.B. 7 Jahre in Istanbul, ein paar Jahre in Kairo und zurzeit an einer Schule in Saigon. Die meisten Kindern sind von Ausländern, hauptsächlich von Korea oder Kindern von Botschaftsleuten.

Auch sie fragte ich, ob sie sich denn nicht manchmal einsam oder alleine fühle? Nein überhaupt nicht, sie habe viele Kollegen und Kolleginnen im Quartier und ihr gefalle diese Lebensart. Für längere Zeit an einem Ort zu bleiben, dann aber auch wieder weiter zu ziehen.

Zurueck zur Lehrerparty...  ich fand mich also kurze Zeit später inmitten all diesen Lehrern wieder, die Eine, hab leider ihren Namen vergessen, kochte ausgezeichnet indisch. Der eine packte die Gitarre aus und wir sangen bis spät in die Nacht, da erinnerte ich mich an die Pfadizeit zurück. Das war immer so schön, am Abend mit den Kindern am Lagerfeuer zu sitzen und ein paar Lieder zu singen. 

So, morgen werde ich weiter fahren, zuerst bis zum Südchinesischen Meer...der weit entfernteste Punkt meiner Reise und dann immer Richtung Norden, bis hoch nach Hanoi, Ahoi!

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Minibananen oder doch lieber ein Mintschampoo?

Der Seerosenpfluecker
Der Seerosenpfluecker

Käsespätzli mit Käse überbacken! Das bekommt man in Kambodscha nur im Swissgarden! Da ich mich sofort wie Zuhause fühlte, gab ich um zwei Nächte Verlängerung ein!  Während meiner ganzen Reise habe ich mich immer wieder gefragt: "Könnte ich es mir vorstellen, hier zu wohnen? Für längere Zeit? Für immer? z.B. in Kozino, das schöne Dörfchen in Kroatien?

In Kotor die authentische Hafenstadt in Montenegro?

In Ohrid, das kulturelle Dorf mit Amphitheater in Mazedonien?

In Thessaloniki, die Messe- und Kulturstadt in Griechenland?

In Istanbul, die Handelstadt mit dem farbenfrohen Bazar?

In Dogubeyazit, das Dorf in Ostanatolien mit einem herrlichen Blick auf Mount Ararat und einem super Campingplatz?

In Teheran, die Millionenmetropole im Iran?

In Yazd, der Wüstenstadt im Iran?

In Bulunkul, dem abgeschiedenen Pamir Dörfchen auf über 3000m in Tajikistan? Bangkok? Ho-Chi-Minh? Hanoi? Luang Prabang? Chiang Mai?

Ich wage zu behaupten, dass dies gehen würde...oh, jetzt schreibe ich wieder so Zeug's und eigentlich wollte ich doch von Kambodscha schreiben und den Blog aufholen! Wo führt dies nur hin... egal jetzt schreibe ich diese "Schwups-Gedanken" noch zu Ende und in dieser Zeit wo ich die zu Ende bringe, wäre ich mit schreiben schon längst wieder in Phnom Penh, aber ist ja egal, ich habe Zeit und ihr nehmt sie euch einfach hurti gell :)
Eben, ich bin der Meinung, dass man überall Zuhause sein kann wenn das Umfeld stimmt. Es sind doch unsere Freunde, Familien, Arbeitskollegen/innen die uns das Gefühl von "Zuhause sein" geben. Oder was meint ihr dazu?
Ich durfte dies auch bei Moni und Peter im Swissgarden erleben. Die sind hier in Sihanoukville daheim. Am Morgen fahren sie mit dem Moped in den Swissgarden zur Arbeit, dann kommt der eine Kollege von Nebenan zum Kaffee, Peter erledigt Büroarbeit und Moni kümmert sich liebevoll um die Gäste. Fast wie zu Hause...aber eben nur fast! Tönt jetzt alles ganz schön und gemütlich, doch es ist bestimmt nicht immer so! Es ist ganz klar, dass sie diejenigen sind, die sich anpassen müssen, dies ist auch nicht immer einfach, aber sie haben sich damals so entschieden und sie leben die Konsequenzen, seien es positive oder negative! 
Sie haben auch eine Volunteerin. Zurzeit ist Aislinne von Deutschland hier, sie zauberte das Frühstück im Nu auf den Tisch und sie ist mit ihrer aufgestellten Art bei den Gästen sehr beliebt. An jenem Nachmittag war nicht viel los und der halbe Swissgarden ging zusammen an den Strand. Mit Moni, Aislinne, Manu und Adi aus Zürich, Moni's Patenkind und dessen Vater. Es war so gemütlich und auf das Meer habe ich mich schon sehnlichst gefreut. Schwimmen, wie habe ich  es vermisst!
Wie oft wünschte ich mir den Oeschinensee zu meiner linken! Seit der Wüste Turmenistan's praktish wöchentlich! Ich erinnerte mich zurück...Herbst 2012 das letzte Mal im See, Frühling 2013 habe ich die letzte Badewanne in Dubrovnik gesehen und seit September dusche ich mit Chlorwasser. Und jetzt...war soo viel Wasser auf einmal da, ein paar Zentimeter vor meinen Füssen, ein Traum, ein wahrer! Volle zwei Stunden habe ich das Nass genossen. Das reicht jetzt wieder bis im nächsten  Sommer am Oeschinensee :) 
Als ich am Tischchen, mit dem rot kariertem Tischtuch sass, und meine Weiterreise plante sagte Aislinne: "Oh, du gehst nach Ho-Chi-Minh? Vor ein paar Tagen war eine Amerikanerin da, sie lebt dort und unterrichtet Englisch an einer Privatschule. Sie sagte mir, sie würde sich freuen wenn ich sie einmal besuchen würde, könne auch eine Kollegin mitbringen, sie hätte Pool, Tenniscourt, Fitness und so...wir könnten sie ja zusammen besuchen gehen!"
Ja was für eine tolle Idee! Kaum nachgedacht schrieb Aislinne schon eine Mail. Sekunden später die Antwort: "Ja klar könnt ihr kommen und solange bleiben wie ihr wollt, freue mich, also bis dann". 
Wir beide sehen uns schon in Saigon, doch halt, Aislinne muss ja noch den Chef fragen ob sie frei bekommt... Peter ist gar nicht kompliziert und die Freitage waren in einer halben Minute geregelt! Super! Morgen werde ich also weiterfahren, 3 Tage zurück bis Phnom Penh, 1 Tag Phnom Penh und dann sollte ich noch 3 Tage bis Saigon haben. Nach einem stärkenden Frühstück war ich parat zur Abfahrt.
Liebe Moni, lieber Peter, vielen, vielen herzlichen Dank für Alles. Es waren drei Tage wie Daheim. Ihr seid so sympathisch Menschen und eure Gastfreundschaft ist einfach klasse! Ihr habt den Swissgarden wunderschön und  mit einer persönlichen Note eingerichtet, einfach toll! 
Bei der Abfahrt blickte ich ein weiteres Mal nicht zurück, denn wir sehen uns wieder! Am 01.01.2014 werde ich auf der SRF Seite "verpasste Sendungen" anklicken und "Die Auswanderer ein Jahr danach" schauen. Bin jetzt schon gespannt :) und Aislinne...see you in one week in Saigon!
Zurück nach Phnom Penh nahm ich nun den Highway 3, er war deutlich weniger befahren und führte durch schönste Landschaften. Entlang den Hügeln, welche von Grünzeugs überwuchert sind, vorbei an zig Reis- und Weizenfeldern. Manchmal sah man nur noch die Strohhüte, welche durch die Felder wanderten. Entlang von kleinen Seen, die voll bewachsen mit Seerosen waren. In einem solchen See schwaderte ein Kambodschaner, er war gerade dabei die Seerosen zu pflücken, ich hielt an und perfekt für's Foto streckte er die wunderschöne Rose in Richtung Kamera :)
Einmal mehr plämperlete ich rum und habe die Zeit völlig vergessen. Ich begann zu rechnen und merkte, dass ich wohl bei völliger Dunkelheit in Kampot eintreffen werde...und schon kam ein Traktor der ca. 26kmh fuhr, perfekt dachte ich, legte einen Speed hin um ihn einzuholen und mich hinten schön unbemerkt anzuhängen. Klappte wunderbar über 16km...dann bog er rechts ab :/
Auf jeden Fall konnte ich Zeit gutmachen hehe. Es war dann trotzdem schon finster und das Dorf noch nicht in Sichtweite. In meiner Tasche hätte ich eine Stirnlampe und ein Rücklicht...hätte...doch hier fährt keiner mit Licht! Es gibt einfach keines! Die kleinsten Kinder rattern mit ihren Eingängern kreuz und quer auf der Strasse rum, somit lasse ich meine Lichter einfach in der Tasche ruhen. Zuhause muss ich dann als erstes diese wieder  montieren, sonst gibt's eine Busse uiuiuiui!
Als ich in das Dörfchen einfuhr, suchte ich sofort ein Guesthouse. Beim Ersten meinte der Besitzer,  er habe zwar kein freies Zimmer mehr aber er könnte mir ein Bier offerieren, auch eine gute Idee :) Der Nachbar hatte dann noch ein freies Zimmer. Die zwei weiteren Fahrtage ähnelten sich sehr und schon war ich wieder in Phnom Penh, doch...ein paar Kilometer ausserhalb von Phnom Penh fährt man an unzähligen Fabriken vorbei...und was kommt einem entgegen?? Lastwagen voll beladen mit Menschen. Es ist ja nichts neues, dass hier Kleider zu einem Hungerlohn genäht werden. Damals in der Schule hatten wir dieses Thema immer wieder...doch als diese Lastwägen an mir vorbei fuhren erstarrte ich beinahe.
Da kommt einer nach dem andern. Ganz langsam fuhr ich weiter und immer wieder hatte ich für Sekunden einen Blickkontakt zu jemanden auf so einem Laster. Ich wusste nicht wie ich dreinschauen sollte! Freundlich zulachen? Wegschauen? Soll ich mein Mitleidsblick bringen? Tönt komisch, aber das erste Mal überhaupt, überlegte ich mir, wie ich Menschen in die Augen schauen soll. Die Antwort kenne ich: schaue einfach ganz normal und ehrlich!
Gar nicht so einfach...denn es gehen mir tausende von Gedanken durch den Kopf. Ich hielt an und schaute den Frauen und Männern direkt in die Augen, die Blicke waren irgendwie leer und doch so voll! Es schüttelte mich richtig durch. Auf wie vielen Kleidern steht wohl: Made in Cambodia? Auf zu vielen??
Ganz ehrlich jetzt...wenn ich Kleider kaufen gehe, schaue ich nicht darauf woher sie kommen, nein ich schaue auf den Preis...ja ist einfach so!
Nach dem Anblick von diesen Menschenmassen auf den Lastwägen bin ich noch mehr verwirrt. Das waren soo viele Menschen die zur Arbeit gebracht wurden. Die Arbeitsumstände... sehr schlechter Lohn, zu lange Zeiten, zum Teil keine Ventilatoren in den Gebäuden usw. sind furchterregend...doch jetzt kommt's, sie hatten eine Arbeit! Ich fragte mich, wenn z.B. niemand mehr, auf der ganzen Welt, Kleider aus Kambodscha kaufen würde, was würden diese Leute dann tun? Das waren tausende!!! Man muss ja auch sagen, dass viele Organisationen hier am wirken sind, sie setzen sich für bessere Bedingungen ein. 
Am Abend sass ich in einem Restaurant und eine Gruppe von Holländern setzten sich an den gleichen Tisch. Wir kamen ins Gespräch...Sie sind ein Team welches sich gegen Menschenhandel von jungen Mädchen einsetzt. Tagtäglich werden in Kambodscha viele Kinder verkauft!! Sie wussten horrible Geschichten zu erzählen, z.B. dass es sehr lange dauern kann, bis man die "Händler" findet, denn meistens reden die Familien nicht darüber!
Der nächste Tag in Phnom Penh war auch nicht gerade leichte Kost. Ich besuchte das Gefängnis S21. Früher war es eine Schule, doch dann haben die Sicherheitsleute von Pol Pot die Schule eingenommen und aus Klassenzimmern wurden Folterkammern, allein dieser Gedanke lässt mich vor den Mauern erstarren!
Pol Pot war der Anführer der Roten Khmer. Aber wir beginnen noch ein wenig früher. Ganz ehrlich gesagt, habe ich darüber praktisch nichts gewusst. Hatten wir dies im Geschichtsunterricht in der Schule? Erinnere mich nur, dass wir hauptsächlich über den 2. Weltkrieg und die Schweizer Geschichte gesprochen habe. Doch diese hier ist ja viel, viel jünger!
Um 1953 hatte Kambodscha ihre goldene Zeit: Friede und Wohlstand! Ankor Wat wurde zur Toptouristen-Attraktion in Südostasien. Doch durch den Vietnamkrieg kamen üble Zeiten auf das Land zu! Im Osten wurde Kambodschanisches Territorium für den Krieg genutzt und verheerende Bombenanschläge gingen nieder. Am 17.04.1975 nahmen dann die Roten Khmer Phnom Penh ein und die Einwohner der Stadt wurden z.B. zu Gewaltmärschen gezwungen. Intellektuelle Menschen wurden systematisch umgebracht. In diesem Gefängnis starben zeitweise pro Tag bis zu 100 Menschen! Heute kann man durch diese Zellen laufen... 
In einem Gebäude läuft man von Zimmer zu Zimmer und sieht hunderte von Fotos...jeder Häftling wurde fotografiert...der Ausdruck in diesen Augen ist furchterregend...links und rechts ist Bild an Bild von Menschen die auf fürchterlichste Art und Weise hier ums Leben kamen. Vor jedem Eingang hat es ein Schild...Lachen verboten, hier zu Lachen? Weiss nicht wem dies in den Sinn käme! 
Die Roten Khmer wurden von den Vietnamesen gestürzt und somit wurde das verlassene Phnom Penh 1979 befreit...nur 7 Häftlinge überlebten! Ein Mann lebt Heute noch, er sass kurz vor dem Ausgang und man konnte, glaub ich zumindest, mit ihm reden. (Diese geschichtlichen Informationen habe ich aus Reiseführern und Wikipedia)
Der Tuck-Tuckfahrer fragte mich mit einem Lächeln ob ich jetzt noch zu den Killingfields möchte...Nein, es reichte!
Am Abend habe ich noch mit Mama via Skype gesprochen und ihr davon erzählt. Sie sagte, dass über den Vietnamkrieg beinahe jeden Tag im Radio berichtet wurde, sie erinnere sich noch daran. 
Am nächsten Tag begann eine neue Etappe. Das ist so eine Sache mit den Etappen...wenn ich an meine erste winzige aber entscheidende Etappe zurückdenke: Kiental-Kandersteg, uiuiui ist das lange her, doch vielleicht gerade nur dank den Etappenzielen im Kopf, bin ich immer weitergekommen. Ich weiss noch genau als ich in Frutigen vorbeikam, ein Grosi fragte mich, wohin ich den um Gottes Willen hin will! Nepal! Sie meinte, dass dies ja im Ausland sei! Genau, irgendwo da draussen ;)
Aber relativ schnell merkte ich, dass es gut ist sich kleinere Ziele wie, Venedig, Dubrovnik oder Shkoder zu setzten und dann immer wieder ein grösseres wie, Istanbul, Shiraz, Ashgabat, Dushanbe usw. Dies hat mir super geholfen auch die Motivation immer wieder zu finden wenn sie mal zurückblieb. Jetzt könnte ich noch ein paar Zeilen zur Motivation schreiben, aber ihr wollt bestimmt wissen wie es weiter ging!
Das nächste Ziel hiess also Ho-Chi-Minh City oder auch Saigon genannt.
3 gemütliche Fahrtage plus eine Grenze, ein neues Land, neue Sprache, neues Geld, neue Sitten, neuer Stempel im Pass, neue Kultur...ich bin gespannt! Die letzten zwei Fahrtage in Kambodscha habe ich richtig genossen, dieses Bild von zuwinkenden Menschen, besonders Kindern habe ich mir fest eingeprägt. Es gibt doch immer wieder Tage wo es einem vielleicht "nicht so drum" ist...wenn es einem in Cambodia auf dem Göppel nicht "drum" wäre, dann wird es einem nach spätestens 5 Minuten "drum"! Warum? Eben darum!
Auf jeden Fall haben meine Zuwinkemuskeln an Masse zugelegt ;)
Bei Tante Emma habe ich vor der Grenze noch Frühstück eingekauft. Ich wollte drei kleine Bananen, sie streckte mir drei Portionen Mintshampoo hin! No, Banana please :) unter ihrem Strohdach waren die Bananen eben neben dem Shampoo aufgehängt. Als ich erneut auf die Bananen zeigt, lachte sie und fragte: "Banana okok, shampoo no?". Gib mir jetzt drei Bananen! Auch diese Idee war komplett falsch gewickelt, sie verkaufte sie nur Bundweise, konkret heisst das, ich müsste jetzt 17 Bananen kaufen für ca. 1.50! Was will ich den mit so vielen Bananen? Alle främseln :)
Das Grenzbild zu Vietnam war wie dieses von Thailand nach Cambodia. Ein Casino nach dem Anderen, es ist wie in einer Geisterstadt. Die LED Schriften sind zum Teil kaputt und die Fassaden der Spielhöllen zerfallen vor sich hin. Ich stand vor der Grenze und blickte noch einmal zurück um ein letztes Foto von diesem eindrücklichen Land zu machen und was sehe ich für eine Aufschrift an einem Haus: Good luck! 
Die Ausreise war im Nu über den Tisch, der Herr in Uniform und mit grossem Hut wünschte mir noch ein gute Fahrt. 
Das war also Cambodia! Ein Land, dass ich gerne wieder besuchen möchte...wie soviele andere auch!
 
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Von Teigstrassen bis zu Huehnerkrallen

TV Abend im Schulzimmer...
TV Abend im Schulzimmer...
Einfahrt in Phnom Penh: Für in's Stadtzentrum brauchte ich ca. 1 Stunde, glücklicherweise kam ich in den Feierabendverkehr...ich weiss auch nicht warum aber ich fahre sehr gerne im grössten Chaos. Links und rechts überholende Mopeds, von vorne auf der selben Spur entgegenkommende Mopeds, Trucks und Autos überall!
Würde man dies aus der Vogelperspektive betrachten, kommt mir ein Bild in den Sinn. Früher durfte ich immer mit meiner Grossmutter die Weihnachts "Güetzi" ausstechen, sie sagte immer, ich solle möglichst Platz sparen und z.B. Bei den Zimtsternen mit den Zacken ganz Nahe an den vorher ausgetsochenen Zacken ansetzten. Am Schluss waren da nur noch ganz dünne Teigstrassen zu sehen.
Und genau Das ist es! Ich fahre auf meiner sehr dünnen Spur durch die Stadt, die Zacken sind Hindernisse denen ich blitzschnell ausweichen muss. Vielleicht ist es auch das Gefühl, GANZ auf eine Sache konzentriert zu sein, die Gedanken bündeln sich auf diese dünne Spur und auf nichts Anderes. Den Weg sich probieren einzuprägen ist natürlich Ehrensache.
Bevor ich jeweils in die Stadt fahre schaue ich die detaillierte Karte auf meinem i-Pad an, präge mir alles ein was jedoch meistens nicht funktioniert hehe. Das heisst konkret, ich muss mehrmals anhalten , Vordertasche  öffnen, Position checken und weiterfahren. Oh ich liebe es!! Freue mich schon auf Ho-Chi-Minh City mit 5 Millionen Töffli's!
Jetzt aber wieder zurück nach Phnom Penh. Als ich auf der Brücke über den Mekong fuhr musste ich stoppen. Ich traute meinen Augen nicht, so was habe ich noch nie gesehen. Es wird eine neue, grössere Brücke gebaut, rieeesig, dass sag ich euch! Solch lange Brücken zu bauen sehe ich als grosses Kunstwerk an! Über 30 Minuten hab ich denen zugeschaut und staunte nur. 
Später fand ein hübsches Hostel mit Dachterrasse und Waschmaschine! Während die Wäsche, seit Bangkok wieder einmal gewaschen wird, also von der Maschine ;) gehe ich mit dem Zweirad in die Waschstrasse, der Dreck muss weg! Alle und alles war wieder sauber, ich ging auf's Dach und bestellte mir eine Pizza! Herrlich! Morgen mache ich keinen Strich! 
Daraus wurde nichts, ich habe wieder einmal Karten geschrieben und somit einige Striche. Die Post war auch nicht weit weg und die Dame, welche für die Briefmarken verantwortlich war, gab mir schöne Fischmarken. 30 Marken abgäufern und ich könnte schon wieder eine Pizza vertragen. Da ich für Kambodscha noch sehr viel Zeit hatte,  musste ich ein wenig Planen. Der Plan sah so aus: Auf dem Highway 4 ab in den Südenen nach Sihanoukville zu den Schweizer Auswanderer zu fahren, auf dem Highway 3 wieder zurück nach Phnom Penh und erst dann die Stadt zu besichtigen. Geplant ist schon halb gefahren und am nächsten Morgen ging's los. Gemütliche drei Tage nur geradeaus! 
Bei der Stadtausfahrt habe ich einen Besenverkäufer nach dem Weg gefragt, er zückte den Kugelschreiber aus seiner Hemdtasche und zeichnete den Weg auf seiner Hand ein, jetzt hätte ich noch gerne die Hand! Diese spontane Aktion, seine Hand einfach mal schnell zu bemalen um es mir erklären zu können, DAS sind die Momente die das Reisen mit dem Fahrrad ausmachen. Man trifft auf Menschen und Situationen die man in einem Bus nie erleben würde. Seine Handzeichenung...für mich ganz grosses Kino! 
Bereits um 10.00 Uhr regnete es sehr stark. Bis zu einem gewissen Regenmass kann ich dagegen trotzen doch irgendwann ist genug, wenn die Truck's in einem höllen Tempo an mir mit einem Zentimeterabstand vorfahren und das dreckige Wasser voller Wucht in mein Gesicht spritzt...Dann ist genug! Bei der nächsten Hütte fuhr ich gleich in die offene Stube und die ganze Familie war vor dem Fernseher. Nachdem der Liebesfilm fertig war und es immer noch regnete, zog ich von dannen. Am nächsten Tag zeigte sich die Sonne von ihrer sonnigsten Seite und die immer noch feuchten Kleidern konnten so wieder trocknen.
Das Dauerhupen der Trucks beginnt mich langsam wieder zu nerven...ich muss mir wieder sagen: Das Hupen ist gut! Der Fahrer sagt dir damit: "Hey, du kleines, langsames Zweirad da vorne, ich hab dich gesehen und werde dich in ein paar Sekunden überholen, also mach Platz!". Ja das verlassen der Strasse in Windeseile ist manchmal die einzige Möglichkeit.
Mitten im Nirgendwo war da eine Kaffeebude, fragte mich, ob da wohl überhaupt je ein Bus stoppen würde für Kaffeepause. Ich machte halt und was sich dort abspielte war das reinste Schauspiel. Dort war eine Werkstatt unter freiem Himmel. Als ein grosser, grüner Truck kam waren alle schon parat um in einem enormen Tempo die Schäden zu reparieren. Irgendeine Stange war gebrochen welche neu geschweisst werden musste und der eine Pneu war auch nicht mehr fahrtüchtig. Der Fahrer setzte sich zu mir, trank einen Kaffee und wartete auf seinen Truck mit dem er wieder mit Vollgas und Ohrenbetäubendem Hupen den Highway runterdonnern kann.
Er bezahlte noch meine Coke, klopfte mir auf die Schultern und fuhr davon. Bereits kam der nächste Truckpatient. Ja ich hätte noch lange sitzen bleiben können, doch bevor es eindunkelt musste ich noch was finden für die Nacht. Als es dann bereits dunkel war, weit und breit nur Büsche und Felder waren und die Grillen immer lauter zirpten gab ich nochmals Dampf. Da war einfach nichts! Plötzlich markierten orange, leuchtende Fahnen einen Pfad den Hügel hinauf. Nach ein paar hundert Fahrradschiebemeter erreichte ich ein Kloster.
Die kleinen Mönche zögerten keine Sekunde und rannten zu mir. Der ältere Papamönch kam dazu und bat mir ohne zu fragen das Schulzimmer zum übernachten an. Ja super. Alle waren natürlich neugierig und beobachteten wie ich den ganzen Karsumpel entladete. Und jetzt? Die Mönche gingen zum Gebet und die Familie welche auch hier im Kloster wohnt, zeigte mir was sie hatten: eine einfache Openairküche, ein paar Hühner, ein Moped, ein Fernseher!, Moskitonetzte und Kleider...
Danach wollte sie wissen was ich in meinen Taschen habe: iPad, Telefon, Solarpanel, Kartenmaterial (ja ihr wisst schon was alles sonst noch) und da kam ich mir ein weiteres Mal überladen vor, man bedenke, dass noch eine volle Tasche in Bangkok ruht. Die hatten wirklich nicht viel. Sie gab mir zu deuten, dass ich Duschen könnte wenn ich wolle...was? Duschen? Hier? Sie reichte mir einen Stoffschlauch in den ich mich einwickelte und neben dem Küchenhüttchen richtete sie einen Kübel mit lauwarmem Wasser her.
Unter Beobachtung goss ich mit dem Becher das Wasser über Kopf und Tuch. Also so richtig sauber werde ich dabei nicht, und das Mühsame war, dass ich diesen Knopf im Tuch nicht hinkriegte, somit hielt eine Hand das Tuch und die Andere schöpfte Wasser, gar nicht so einfach!
Aber das Unterhaltungsprogramm glückte und als ich fertig war, zeigte sie mir noch den Seemannsknopf für's Tuch ;)
Kaum umgezogen rufte sie mich in die Küche. Heute sei ein Festtag da ich bei ihnen sei und somit könne ich ein Huhn für das Nachtessen auswählen....Nein, also wegen mir muss sie doch kein Huhn killen. Nichts da, ich solle auf eines zeigen. Mann o mann, die gackern da alle so fröhlich vor sich hin, rennen dem Hahn davon und geniessen es. Nun gut, Hunger hab ich schon... ich setzte mich erstmals auf das Holzbänkli und überlegte auf welches ich denn am meisten Appetit hätte....auf KEINES!!
Eine Entscheidung musste her, und wenn schon denn schon, das fetteste habe ich ausgewählt. Das töten erfolgte durch den 14-jährigen Sohn, er nahm einen Holzstecken und mit voller Wucht, warf er den Stock in Richtung Huhn...daneben, Yes! Gutes Huhn, weiter so! Er schlich sich erneut an und der Stock flieg von neuem in einer höllen Geschwindigkeit zum Gefieder, halb getroffen, uiuiui, jetzt habe ich dann definitiv keinen Appetit mehr auf Huhn. Auf einem Bein und mit halb gebrochenen Flügel probierte Frau Huhn zu fliehen, doch Herr Sohn war natürlich schneller und brätschte noch einmal so Richtig auf den Kopf, jetzt ist's glaub ich tot, oder?
Ja, der Sohn lachte bis zu den Ohren...Essen tot und fertig gespielt für Heute! Im gleichen Zuber wo vorher das Duschwasser war wurde nun das Huhn gerupft und geduscht :) 
Dass sogar die Krallen in die Suppe kommen, habe ich bis anhin nicht gewusst, dort ist ja wirklich nicht mehr viel dran. Wir sassen am Tisch, sie schöpfte mir reichlich Huhn und ich gnagte an den Füssen herum...es war zuwenig schnell, schade, aber gut wars! 
Nach dem Abwasch wollte ich gleich zu Bett, da ich doch ziemlich müde war, ha nichts da, jetzt gibts noch TV zum Dessert und wo stand der TV? Natürlich im Schulzimmer neben meiner Holzbritsche. Sie schauten nicht Nachrichten oder so, nein sie schauten DVD, vier Stück lagen neben dem Player, als der zweite Film fertig war, begriff ich, dass wir alle vier durchrattern lassen.
Um 02.00 Uhr Nachts waren dann die vier Romanzen durch und der kleinste wollte jetzt noch mit den Holzstäbchen spielen. Nein, ich kann nicht mehr und Holzstecken habe ich für Heute auch gesehen, gute Nacht!
Nach einer schwül-heissen Nacht wurde ich um 05.00 geweckt da um 05.30 die Schule beginnt, oh schreck, bin erst gerade eingeschlafen und der kleine war schon wieder mit den Holzstäbchen neben mir, ist der denn nicht müde? Nach einer frittierten Banane war ich parat zur Abfahrt.
Alle Schüler standen um mein Fahrrad und die Mutter, welche ausgezeichnet Huhn zubereiten kann, packte mir noch mehr Bananen in eine Plastiktüte. Als ich ihr was geben wollte, sagte sie nur"no no no!". Einmal mehr durfte ich bei so liebevollen Menschen übernachten und einen winzigen Einblick in ihren Alltag haben. Der eine Lehrer sagte, dass ich bei ihnen jederzeit herzlich willkommen sei...was diese Worte bedeuten können, erfuhr ich erst auf dieser Reise!
Es waren für mich stressige Kilometer bis nach Sihanoukville, das ständige Hupen zerrte an meinen Nerven. Ich fuhr an vier Unfällen vorbei und war froh endlich Sihanoukville erreicht zu haben. Direkt fuhr ich zum Swissgarden. Ein Stück Heimat wartete, juheee. Moni und Peter sind nach Kambodscha ausgewandert und haben hier ein sehr gemütliches Guesthouse. Das Schweizer Fernsehen begleitete sie im DOK "Auf und davon". Am 01.01.2014 kommt auf SRF1: Die Auswanderer ein Jahr danach, schaut doch rein :) oder am besten besucht ihr die Zwei mal, ganz liebe und tolle Menschen...
Was man im Swissgarden alles erlebt und auf wen man trifft koennt ihr im naechsten Blog lesen...der schon bald folgen sollte...wenn Freddy nicht immer drein reden wuerde...ha, immer sind die Anderen schuld ;)
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Tauschgeschaeft: Schweizer Messer gegen Trikot!

Der Tausch des Tages :)
Wie geplant konnten wir pünktlich losfahren, ja der gute Herr hat ja auch eine Schweizer Uhr, dies alleine zwingt ihn schon zur Pünktlichkeit. Wir lösten einen 3 Tagespass für die Tempel... Es gäbe auch 7 Tage!
Schon wenn ich an drei Tage Tempeltour denke wird mir vom Denken her müde. Es ist noch oft so, wenn ich an einen Ort komme, an dem es etwas Kulturelles zu besichtigen gibt, ist dies für mich nicht mehr ein ausschlaggebender Grund an jenem Ort länger zu bleiben. Es interessiert mich schon, aber es ist ebenso spannend irgendwo am Strassenrand zu sitzen und das Leben und die Leute zu beobachten...gibt mir irgendwie viel mehr Einblick in das Land und die Kultur! Auf meinen Strassenkarten ist immer ein rotes Sternchen eingezeichnet wo es etwas zu sehen gibt, z.B. Tempel, Tower und Aussichtspunkte...dort trifft man auch immer auf die Touristen. Bin ja auch eine, eine Fahrradtouristin :)  
Doch was ist z.B mit dem Cafe in der Pampa wo nebenan Lastwagenmechaniker unter der glühenden Sonne in Höchstgeschwindigkeit Reparaturen vornehmen, ein Schauspiel dass sag ich euch! Oder der Coiffeur in dem kleinen Dorf wo in seiner Strohhütte den Kunden noch ohne Spiegel einen frischen Schnitt verpasst oder bei dem kleinen See wo die Fischer abseits der Strasse ihre Netze mit gekonntem Schwung ins Wasser werfen. Habe diese Orte nun mit dem Kugi blau eingezeichnet. Es sind Orte die ich dank dem Fahrrad sehen konnte!
Nun aber zurück zu den Tempeln :) Alleine das Kaufen der Tickets war eine reife Theaterszene. Ja tatsächlich kann man von einem Ticketschalter zig Fotos machen, links der Gouverneur Thongchai mit Helm, in der Mitte der Ticketkontrolleur in Uniform und rechts Thesi mit der Ortliebtasche, ein super Foto, naja das "no smoking" Plakat im Hintergrund ist einiges schärfer als wir drei...Herr Apai hat fokussiert! 
Ankor Wat, wörtlich übersetzt: Himmel auf Erden. Der Anblick dieses riesigen Tempels ist wirklich umwerfend. Der Ankor ist ja überall abgebildet, auf den Geldscheinen sowie auf der Bierdose einfach überall, DER Nationalstolz. Der Tempel ist aus Sandsteinblöcken gebaut, welche aus dem 50km! entfernten heiligen Berg abgebaut wurden und mit Flössern den Fluss hinab bis nach Siem Raep gebracht wurden. Man sagt, dass ca. 300'000 Arbeiter und 6000 Elefanten am Werk waren. Unter der Macht von König Suryavarman II. im Jahre 1113 soll Ankor Wat erbaut worden sein. Also über Ankor Wat könnte man Bücher lesen, mein Geschichtsstunde ist nun zu Ende :)
Beim ersten Tempel hatte Mister Apai die Besichtigung auf eine Stunde limitiert, jaja wenn wir sein ganzes Programm durchmachen dann kann man nicht herum trödeln! Zackigen Schrittes ging er voraus und schon bald war er hinter den Mauern verschwunden. Herr Thongchai fotografierte Stein um Stein...1 Stunde? Bei so vielen Steinen? Zu knapp!! Nach 10 Minuten kam uns Mister Apai entgegen, er hat seine Runde gedreht und wartete mit einer kühlen Cola bei den Fahrrädern. Ich hab's dann auch bald gesehen und nach 90 Minuten war der gute Thongchai immer noch nicht da. Apai ging ihn nun suchen da wir schon arg im Verzug waren. Apai wieder hinter den Mauern, Thongchai kam raus, na bravo, aber ich sag's ja: Bühnenreif, Auf und Abgang klappt schon perfekt!
Als unsere Gruppe von drei Personen eeendlich wieder zusammen war, setzten wir die Tour fort und fort und fort...volle 8 Stunden, das ist anstrengender als ein Fahrtag. Beim Nachtessen wurde dann reichlich bestellt: einmal quer durch die Kambodschanische Küche und Apai trinkt Bier, Thongchai trinkt Tee, Tee sei besser für die Gesundheit, ach so! Als er mit dem Spruch der Gesundheit kam, zündete Apai den Tabak in seiner extra kleinen Holzpfeife an :)
Völlig erschlagen war ich im Bett und stellte ein weiteres Mal innerhalb von 2 Tagen das zweite mal den Wecker. Wecker stellen...seit Monaten nicht mehr gemacht. Auf dem Handy steht dann immer in wieviel Stunden und Minuten es klingeln wird: 6h 24min, oh schreck, aber beim Ankor ist man ja von tausenden von Göttern umgeben, die sollen mir nun einen Powerschlaf schicken!
Gestärkt mit Fruchtsalat ging's los: Tempeltour zum zweiten. Doch beim Eingang an der Ticketkontrolle gab es schon wieder Cabaret.
Der nervöse Mister Apai findet sein Ticket in Hundert Stücke zerrissen in seiner Trikottasche wieder. Er habe gestern noch Handwäsche gemacht und das Ticket völlig vergessen. Bevor wir jedoch Puzzeln und Kleben, versuchte er es mit dem Verständnis des Kontrolleurs. Der hat leider keines und Mister Thongchai ist Puzzeln zu langweilig und kurzerhand ist ein Neues für 40$ gekauft. Er ist total happy mit dem neuen Ticket, strahlte übers ganze Gesicht und nun kann's doch noch losgehen. 
Was soll ich schreiben? Es war ein langer Tag. Hab vieles gesehen, vor allem Tempel und Touristen. Herr Thongchai hat sich mehrmals verlaufen doch stets fand er einen Tempelwächter der ihn mit dem Töffli zu unserem Treffpunkt zurück chauffierte! Als ich mit einem Deutschen Paar ins Gespräch kam, waren sie sehr fasziniert von meiner Reise, sie wollten es kaum wahrhaben :) Sie haben zwei Töchter, welchen sie gleich meine Homepageadresse schickten, damit sie meine Geschichten lesen und sich inspirieren lassen sollen hihi, so herzig :) 
Für einmal habe nun ich die Zeit vergessen und die zwei warteten schon draussen...bei Tee und Bier. Dies war also Tag Nummer zwei und wir sind uns alle einig, dass es nun gut ist. Tempeltag drei wird also offiziell gestrichen. Ankor Wat... ein unbeschreibliches Areal, diese gigantische Grösse hat mich sehr beeindruckt doch es sind wohl eher die kleinen Dinge die mir in Erinnerung bleiben werden...z.B. das Moos, welches sich über tausende von Jahren über die Steine zog oder der kleine Bub der auf den Baum kletterte um Riesen-Käfer zu pflücken oder die junge Frau welche mit dem Beil den ganzen Tag Kokosnüsse für Touristen trinkfertig macht...
Wie jeden Samstagabend gibt Beat Richner ein Konzert im "Kantha Bopha Chlidren's Hospital" in Siem Raep. Der Saal war beinahe voll. Ganz bescheiden sass er mit seinem Cello auf der Bühne und spielte Bach. Er erzählte vom Aufbau der Spitäler und über die Situation der Kinder in Kambodscha. Es war sehr beeindruckend und aufwühlend. Am 30. November 2013 gibt er übrigens ein Konzert im Grossmünster in Zürich. 
So, die zwei Herren fahren Morgen mit dem Bus in die Hauptstadt Phnom Penh. Sie wollten für mich auch gleich ein Ticket lösen haha, aber nein ich habe doch Zeit und freue mich auf die paar Hundert Kilometer. Der Abschied war nicht leicht, hab die zwei ins Herz geschlossen.
Zum Abschied schenkte mir der Gouverneur ein Trikot, ha nicht irgendeines...in seiner Provinz gibt es einen Fahrradclub, dort fährt er natürlich auch an vorderster Front, und solch ein Trikot von dem Club "Trang" hat er mir geschenkt. Zum Glück hatte ich noch ein kleines Schweizer Messer dabei, welches ich ihm schenken konnte, somit machten wir einen Tausch. Er meinte, dass ich immer Herzlich Willkommen sei bei ihnen, dies rührte mich dann doch noch zu Tränen! Bis Heute schreiben mir die zwei regelmässig Mails und fragen ob bei mir alles ok sei :) 
So und jetzt brauche ich noch einen Ruhetag, Schlafen so lange es geht und Blog schreiben...bin ja ziemlich im Verzug...es ist immer so viel los und manchmal habe ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass ich mit all den Eindrücken und Erlebnissen ein bisschen überfordert bin.
Voller Motivation und mit neuem Trikot fuhr ich am nächsten Tag ein weiteres Mal los. Und wieder ist es so, kaum sass ich auf dem Rad war ich am zuwinken, das ist einfach unglaublich. Dies probiere ich Zuhause mal aus, ich werde durch Spiez fahren und jedem zuwinken, ha das wird ein Spass werden und ich bin gespannt wie die Leute reagieren :)
Am zweiten Abend war da im Nirgendwo plötzlich ein Guesthouse. Es sah aus wie ein Gespensterhaus, der Balkon war überwuchert von Unkraut, überall hatte es Katzen und ein mächtiges, grosses, verrostetes Gittertor bietet gwundrigen Gästen Eintritt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier je Gäste hat, ausser vielleicht Fahrradfahrer oder Wanderer, doch wer wandert schon auf Kambodschas Highway?! Ganz komisch. Nun gut die junge Frau kam gleich aus dem Haus und begrüsste mich freundlich. Sie zeigte mir das Zimmer im oberen Stock...für 3$ ganz ok, die Toilette funktionierte zwar nicht doch der Ventilator ist mir fast wichtiger und der drehte seine Runden.
Sie sagte gleich, dass ich doch runter kommen soll um ihr ein wenig Gesellschaft zu leisten. Sie kochte frischen Reis und Huhn. Ein Motorrad fuhr gleich per Rampe ins Haus hinein und der Cowboy entlädt zuerst all seine Waffen und zog sein durchschwitztes T-Shirt aus. Mein Blick checkte ein Tatoo nach dem Anderen. Der war voll von Totenköpfen, Drachen, Monstern und sonstigen Zeichen. Mann o mann wo bin ich denn hier gelandet?
Das Essen war beinahe fertig doch zuerst müssen noch die Käfer und Ameisen vom Boden weggewischt werden. So sassen wir zu dritt auf dem Boden und assen ohne grosse Worte das Huhn. Die beiden starrten mich an, ich starrte kurz zurück und ohne den Blick zu weichen biss ich ins saftige Huhn, sie begannen zu lachen und das Eis, respektiv das Huhn war gebrochen :) 
Als der Herr fertig war mit essen setzte er sich vor den TV. Sie erklärte mir, dass es ihr Vater sei und sie hier mit ihm wohne. Sie fühle sich jedoch so einsam und freue sich sehr über mein kommen und ich solle doch noch länger bleiben. Ich fragte sie nach ihrer Arbeit und was sie denn den ganzen Tag über mache. Sie schaue zum Haus und koche für ihren Vater. Es sei ihr aber oft langweilig doch sie könne (evt. dürfe?) nicht in die Stadt um zu arbeiten. Ich hab diese Geschichte noch nicht ganz durchschaut.
In meinem Zimmer mit Gitterstäben vor den Fenstern traute ich das Licht nicht mehr anzumachen. Alleine das summen der Mücken war furchterregend. Auf dem Bett hatten die Viecher wohl gerade einen Unterhaltungsabend.  Eingepackt im Seidenschlafsack versuchte ich alles zu ignorieren und mich auf die Brise des Ventilators zu konzentrieren...der hatte wohl genug von meiner Konzentration und stieg aus. Der Schweiss läuft mir runter und das Einschlafen ist nicht umsetzbar. Ich will nach Hause, sofort, jetzt auf der Stelle! 
Das rattern des Gittertores bringt mich auf andere Gedanken. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Der Vater fuhr  um 02.00 Uhr Nachts davon, wohin geht der wohl? Als ich wieder ins Bett gehen wollte sah ich weiter drüben auf dem Feld drei schwache Lichter die sich bewegten. Jetzt wird die Nacht doch noch spannend! Wenn ich doch nur ein Fernglas oder noch besser ein Nachtsichtgerät hätte. Ungefähr eine Stunde lang beobachtete ich die Lichter, es waren sehr wahrscheinlich Fischer oder Schlangenfänger oder so was. Hoffentlich wird es bald wieder hell, damit ich weiter kann. 04.00 Uhr, ich hörte ein wenig Musik und wartete auf den Morgen. Wieviele Menschen gibt es wohl die Nachts nicht schlafen können? Und dies vielleicht über Jahre hinweg? Die müssen vieeel Geduld haben, die Nacht kann sehr lang sein ohne Schlaf. 
Schon in der Morgendämmerung habe ich alles bepackt und bin parat. Die 27-jährige Frau schaute mich an und sagte, dass sie traurig sei, weil ich schon wieder gehe. Oh, das tut mir so leid. Ihr Leben scheint mir sehr schwierig zu sein, ich sehe zwar nicht dahinter doch ich habe einfach diesen Eindruck. Sie begleitete mich zur Strasse und winkte noch lange nach...ich hab's im Rückspiegel gesehen. 
Die Temperatur stieg wieder auf 40 Grad und immer öfters machte ich Pause, war müde.  Als ich da wieder in einem Strohhüttchen sass, flippten die beinahe aus. Sofort wurde eine Horde Menschen zusammen getrommelt. Eine Frau drückte mir ein Telefon in die Hand: "Hello?" und am anderen Ende begann es endlos zu quasseln. Kein Wort habe ich verstanden doch alle rundherum hatten was zu lachen. Somit telefonierte ich 5 Minuten mit einer unbekannten Person ohne ein Wort zu verstehen und dies irgendwo auf dem Highway zwischen Siem Raep und Phnom Penh. Ab solchen absurden Situationen kann ich auch nur lachen hihi.
Die letzten 70 Kilometer bis in die Hauptstadt waren ziemlich staubig und sandig. An den Strassenrändern gibt's überall Snackbuden mit frisch gebratenen Spinnen, Vögeln, Maden und Würmern. Die kleinen Schnecken die zuvor im Salzwasser gekocht wurden stehen hoch im Kurs, das sind die Gewinner, sie werden mit Holzstäbchen aus dem Schneckenhaus gepult. Aber nicht dass ich euch nun Ideen für ein Weihnachtsessen gegeben habe?!
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Radeln mit dem Gouverneur von Thailand...

Die Schildkroete gewinnt jetzt dann einen Preis!!!
Die Schildkroete gewinnt jetzt dann einen Preis!!!
Während an der Grenze der eine Polizist auf mein Fahrrad aufpasst, füllt der Andere drinnen im Häuschen das Visum aus. Schön brav warte ich vor der Glasscheibe und sehe wie sich langsam aber sicher um mich herum eine Pfütze bildet...ja eine durchnässte, tropfende Radlerin sollte man nicht zu lange warten lassen, falls doch, muss die in der Hängematte dösende Putzfrau wieder geweckt werden um das Nass zu trocknen! Im nächsten Häuschen wird ein Foto zur Registration gemacht und jede Fingerbeere eingescannt... Welcome to the Knigdom of Cambodia!
Ein Land, welches überhaupt nicht auf meiner Planung war, umso grösser ist nun die Neugier. Schon bei der Grenze war der Ankor Wat in Miniaturform über die Strasse gebaut. Bei den vorgängigen Länder habe ich Reiseberichte gelesen, mich über Politik, Religion, Geschichte und Strassenzustand informiert. Doch über Kambodscha weiss ich praktisch nichts, doch halt, ich weiss, dass eben dieser riesige Ankor Wat hier steht und das der Schweizer Arzt Beat Richner hier einige Kinderspitäler aufgebaut hat, und den Rest werde ich wohl schon noch herausfinden, jupi ich freue mich auf diesen Monat.  
Es regnete auch in Kambodscha! Vieel Regen Heute! Ich steige ab und überlege mir was ich nun tun soll. Auf der anderen Strassenseite sehe ich ein Hotel, vor mir ein Wegweiser: 152km bis Siem Raep. Soll ich noch ein bisschen weiterfahren? Oder einfach ganz faul gerade hier bleiben? Ich entschied mich für's faul hierbleiben :)
Die gute Mamselle vor dem Eingang des Hotels schaukelte gemütlich in ihrem Schaukelstuhl und lachte übers ganze Gesicht. Es übernachten wohl nicht besonders viele Touristen hier und ihre Freude war gross über meinen Entscheid ein paar Dollars hier zu lassen. Doch als sie die Schildkröte am Fahrrad entdeckte, strahlte sie noch mehr und das schimmernde Dollarzeichen in ihren Augen wandelte sich zu einem wahren funkeln. Mit ihrem brauen Pjiama nahm sie den Schwung des Schaukelstuhls gleich mit und stand im Nu auf ihren wackeligen Beinen und drückte auf dem Hupi rum. Die alte Dame kicherte ein wenig verlegen und die Kröte bekam unzählige Male auf's Dach über.
Dies lockte dann einige Mitarbeiter, den Besenverkäufer von der Strasse und den Koch aus der Küche an. Während ich mein Gepäck mühsam die viel zu enge Treppe hochschleppte, vergnügten die sich da unten mit meinem Hupi...und Morgen wird es dann so sein, dass die Schildkröte von Übelkeit geplagt ist und ich nur langsam und ganz vorsichtig fahren darf...es wird ein langer Tag, mamma mia! 
Das Zimmer war die totale Absteige! Auf der durchgelegenen Matratze krabbelten ein paar Käfer im Kreis herum, durch das Fenster, welches keine Scheibe hatte stieg der Fischgeruch hinein und wanderte bis in die letzte, unterste Ecke in meinem Gepäck. Im Bad waren die Wände grau-braun gefärbt von wachsendem Schimmel. Im Aschenbecher lag eine ausgedrückte Zigarette die nicht ganz zu Ende geraucht wurde und den Blick unters Bett nach allenfalls noch anderen hier hausenden Tieren ersparte ich mir. Nach einer kalten Dusche im schimmelnden Bad freute ich mich auf ein feines Essen auf der Strasse. Gleich links um die Ecke war ein Tischlein deck Dich unter einem gelben Regenschirm mit Ausblick auf den regen Verkehr umhüllt von Abgas.
Wenn man jetzt die ganze Situation mit viel, sehr viel Humor nimmt, kann es durchaus gemütlich sein, alleine eine süssliche Hühnerfleischsuppe mit schwimmenden Ananasstücken zu schlürfen. Und im schimmelnden Zimmer wartet bereits die krabbelnde Truppe auf Gesellschaft. Alles eine Einstellungssache ;) 
Zugegeben in solchen Momenten wünschte ich mir sehnlichst einen Reisepartner, dieses Gefühl kommt sowieso je länger je mehr auf. Heute macht es mir nichts mehr aus, alleine in ein Restaurant zu sitzen, zu bestellen, alleine auf das Essen zu warten, ohne mich ablenken zu müssen, alleine Essen, noch ein bisschen zu sitzen und wieder zu gehen.
Am Anfang hat mich aber genau dies auch Überwindung gekostet. Kommt man, also eben Frau alleine in ein Restaurant und beobachtet die Leute, bemerkt man, wie ihre Blicke nach dem gleich folgenden Herr starren, kommt da aber keiner, starrt man noch offensiver auf Frau! Habe mir angewöhnt auch in die Offensive zu gehen und freundlich zu sagen: "Hello everybody, how are you today?".
Und die Stille wird sofort durch eine Antwort oder ein Lachen gebrochen. Wenn ich mich erinnere, wenn wir Zuhause auswärts essen gehen, zieht sich die Bestellung oft in die Länge haha, Sie: "Was nimmsch Du?", Er: "Hmm, i gloube... i nimme d Späckrösti, u Du?", Sie: "i weiss es no nid, söll i äch das Kaninchenfilet im Kräuter-Brotmantel näh? Dert gäbs drum no gschmorti Brotwizwiebele derzue mmm". Er: "i bstelle afe es Bier!". Sie: "oder sölli äch glich ou die Späckrösti nä, tönt ou  no guet, hmm, cha mi eifach grad nid entscheide, so viu feini Sache stöh uf dere Charte!". Die Serviertochter steht mit dem Blöckli parat, noch schnell blättert man noch eine Seite weiter um auch ja nichts übersehen zu haben und dann Sie: "Also i nimme jetzt gloub doch das Kaninchenfilet, ja". Er: "Für mi d Späckröschti bitte!".
Hier in dieser Strassenküchen in Poipet bin ich keineswegs mit der Bestellung überfordert, es gibt ja auch nur das Eine! Hühnersuppe mit Ananasstücken!
Ich habe gelernt auf das Essen zu warten ohne etwas zu tun oder zu sprechen. Irgendwie habe ich mich auch schon daran gewöhnt und doch freue ich mich jetzt schon gaanz fest in Gesellschaft zu sein. Bis es jedoch so weit ist, geniesse ich das zackige, einfache Bestellen hahaha.
Am nächsten Tag war Freddy schon früh gesattelt, und wir beide waren gespannt auf die Strasse und die Menschen. Zur Strasse: ein relativ grosser Unterschied zu Thailand, zum Teil sehr staubig, sandig und dreckig und zum Teil nahezu perfekter Asphalt sogar mit Leitlinien!
Zu den Menschen: einfach unglaublich! Alle winken einem zu, alt und jung und johlen helloooooo, die Kinder rennen mir teils nach oder springen in die Luft. Um 07.00 Uhr bin ich losgefahren um 12.00 machte ich Mittagspause...ich lachte 5 Stunden nonstopp an Menschen zu oder winkte. Also wenn jemand schlechte Laune hat...dann packt das Fahrrad, und radelt einen Tag in Kambodscha, dann geht es einem wieder gut!
Das ist jetzt kein Witz aber zwischendurch musste ich meine Backen richtig mit Luft füllen, so wie ein Ballongesicht um die Lachmuskeln zu entspannen, das ist mir jetzt doch noch nie passiert, da kann man bestimmt zusehen wie sich Lachfalten bilden und auch bleiben, einfach unglaublich. Ja ich habe beinahe vergessen, dass ich radle, hatte ja ständig was zu tun mit zurückwinken.
Am Nachmittag erblickte ich bei einem Holzhüttchen zwei Tourenvelo und zwei schlafende Herren in Radlerhosen und Trikots in den Hängematten. Ihr Schlaf war wohl nicht sehr tief, da mein ausklappen des Veloständers sie glatt geweckt hat. Zwei Thailänder die von Bangkok aus nach Siem Raep fahren um den Ankor Wat zu besichtigen. Der eine bestellt gleich Reis mit Chicken für mich und meint ich müsse essen damit  wir nachher zusammen weiterfahren können, somit wäre der Windschatten auch länger gegeben pro Person, hää?
Was meint er jetzt genau...fahren die wohl so schnell, dass ich noch eine sofortige Reisenergiebombe brauche? Doch bevor ich Nachfragen konnte döste er bereits wieder in der Matte und ich schaufelte Reis mit Huhn. Er bezahlte dann auch gleich für mich und ihre Fahrtechnik wurde mir erläutert. Exakt alle 5 Kilometer wird der Leader gewechselt und gefahren wird in einem durchschnittlichen Tempo von 17kmh! Huch in was für einem Rennen bin ich den jetzt gelandet?
Ich find's lustig und 17kmh tönt auch ziemlich entspannend, konkret hiess dies, 2 Gänge runterschalten und das fahren im optimalen Windschlauch lässt mich völlig zur Ruhe kommen, da ich praktisch nichts mehr tun muss hehe. Uups, jetzt habe ich vergessen wann die 5km auf meinen bereits gefahrenen beginnen um dann pünktlich zu wechseln, ja der Mister Leader wird's mir dann schon zu merken geben :) 
Schon radelte ich an der Spitze und drückte ein bisschen schneller in die Pedale, bei 23kmh kam dann auch schon die Anweisung von hinten, das Tempo ein wenig runterzuschrauben, oh ja entschuldigung ahahaha! Nach hargenau 5km wird wieder gewechselt und nun habe ich beste Aussicht auf zwei radelnde Füdlis. Ich könnte laut hinauslachen, kann mich kaum beherrschen ;) Was auch seltsam ist, dass der eine so viele Taschen hat und der Andere praktisch nur eine.
Was auch noch zu erwähnen ist, dass wir unzählige Male stoppen um Fotos zu machen, eben ca. alle 5km! So ein Foto zu machen braucht selbstverständlich auch Zeit und meistens ist der Lichteinfall ein paar Meter weiter vorne noch besser. Der Eine wollte, dass der Andere immer Fotos von ihm macht, dieser hatte es aber mit dem Fokussieren nicht so im Griff, sodass der Hintergrund stetig schärfer war als der lachende vor der Linse stehende Thai. Jedes Foto wird 3x gemacht um Zuhause das Beste auslesen zu können. Das mit dem Fokussieren war bei ihm reine Glückssache :) Kaum zu glauben aber wir haben immerhin 101 km geschafft...dass war bestimmt das Windschattenfahren! 
Beim Nachtessen kamen wir endlich ins Gespräch. Der kleine Mister Apai erklärte mir das der grosse Herr der neben mir sitzt eben der Gouverneur der Provinz Trang in Südthailand sei, Mister Thongchai. Mister Apai ist sein persönlicher Begleiter und wohl auch Materialschlepper :) Dafür bezahlt Herr Gouverneur alles, sogar mein Essen!
Die zwei sind ein Superteam und es ist sehr amüsant mit den Beiden. Auch beim Essen, der Eine sehr gepflegt und mit viel Stil stets oben am Tisch sitzend und  der andere noch im Trikot ihm eilend die Speisekarte vorlesend und das erläutern der Daten für den nächsten Radeltag, zum gröööööle!!!
Das ist natürlich auch meine Chance mehr von Thailand zu erfahren. Am meisten erzählte er vom König. Es sei ein sehr guter König und sie hoffen, dass er noch lange Lebe, er sieht ihn regelmässig und er zeigte mir Fotos auf seinem iPad wie er mit ihm beim Nachtessen sitzt. Was er sonst noch alles erzählt hat, wäre viel zu viel um hier niederzuschreiben. Ich fragte ihn ob er schon in der Schweiz gewesen sei. Ja klar, er ging einmal nach Genf um sich eine Uhr zu kaufen :) und er meinte, wenn er ein nächstes Mal in die Schweiz komme ob ich ihm denn was zeigen könnte... Siicher z.B. eine organisierte Pedalofahrt auf dem Thunersee mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4kmh ;)
Das durchdachte Fahrradfahren ging am nächsten Tag so weiter bis nach Siem Raep. Zu dritt werden wir die nächsten zwei Tage mit dem Fahrrad den Ankor Wat erkunden und bestimmt 100erte Fotos mit perfektem Licht und optimaler Fokussierung machen.
Für mich ist dies natürlich super mit diesen Herren...Ist vielleicht auch ein wenig mühsam, zu organisiert, andere Ansichten...aber eben: Alles eine Frage der Einstellung hehe, der morgige Plan: 06.30 Aufstehen, 07.00 Frühstück, 07.30 Abfahrt und Mister Apai hat bereits eine 35km lange Tempelroute zusammengestellt, ja dann Gute Nacht!
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Ein kleines, rosarotes Zettelchen...

Ja Fabienne ist abgereist und ich werde Heute auch Abreisen, respektiv Weiterreisen tönt doch viel schöner! Mein Gepäck ist auch um einiges leichter...viele Geschenke für Mama, also alles kleine Dinge wie z.B frisches Gewürz aus Usbekistan konnte ich nun endlich nach Hause geben. Die grosse Tasche, welche stets auf meinem Gepäckträger ruht konnte ich bei einer sehr netten, alten Dame in Bangkok unterbringen. Sie hortet nun einiges Material für mich wie z.B.  Zelt, Schlafsack, Kochmaterial, Veloschuhe (hab Sandalen angeschafft;) und sonst noch so Krims Krams. Im Januar hole ich es dann wieder ab. Vielleicht fragt ihr euch jetzt: "wie hast du denn die gefunden?". Ganz einfach, sie ist bei warmshowers registriert, eine Plattform im Internet wo unkomplizierte Menschen an unkomplizerten Tourenfahrern gratis einen Schlafplatz anbieten und natürlich auch eine warme Dusche. Die gute Lady ist schon ein wenig in die Jahre gekommen und unterrichtet noch Englisch an einer Schule, nebenbei erlernt sie mit bald 70 Jahren das Fahrradfahren und dies in Bangkok...Respekt!
So mein Fahrrad zählt jetzt zur Leichtgewichtsklasse. Somit bin ich nach 2 Stunden und exakt 2 Minuten am Flughafen vorbei gedüst, also beinahe gleich schnell wie ein Taxi! Und wieder einmal war es einfach nur toll durch die Stadt zu fahren. Irgendwie ist es unbeschreiblich im Fluss des Verkehrs sich seine Bahn zu suchen. Beim Rotlicht gibt es immer eine winzige Verschnaufpause und einen kleinen Schwatz mit dem Töfflifahrer der gerade neben mir, mit seinen weit aufgerissenen Augen unter seinem farbigen Helm hervorlugt.
Die Weiterfahrt war dann überhaupt nicht lustig. Mir fuhren unzählige Rescue Autos mit Blaulicht vor, beladen mit Nahrungsmitteln, kleinen Booten, Kleidern und Trinkwasser. Obwohl die Überschwemmungen langsam zurück gehen sind immer noch unzählige Menschen von der Strasse abgeschnitten. Das Material wurde mit den Booten zu den Hütten getuckert. Teils radelte ich Knöcheltief (auf den Pedalen!) im dreckigen Wasser.
Ich probierte rauszufinden ob die Überschwemmungen dieses Jahr denn schlimmer seien als Jahre zuvor. Doch jeden den ich fragte, meinte es sei immer etwa gleich, doch ein älterer Herr meinte es sei immer gleich weil sie nicht merken, dass es jedes Jahr ein wenig mehr ist...
Es war dann auch nicht ganz einfach eine Unterkunft zu finden, doch ein weiteres Mal hatte ich Glück und fand ein einfaches Zimmer, wo es zwar innen noch extrem feucht war aber zumindest Wasserlos. Das Duschen liess ich gleich bleiben :) 
Es galt wieder früh aufzustehen um die morgendliche Kühle zu nutzen...ha schlechter Witz! Es ist schon früh Morgens heiss und feucht. Ohne einen Meter weit zu fahren bin ich einfach pflotschnass. Während dem Fahren ist es am kühlsten, der Wind trocknet den Schweiss doch bevor das Salz ganz eintrocknet kühlt es noch ein wenig ab. Trotzdem habe ich gewisse Mühe weiterzukommen, habe ständig Durst und ca. alle 20km muss ich pausieren.
Zwei Wochen ohne Rad ist schon spürbar, fahre auch in einem tieferen Gang, doch etwas ist genial: meinem Knie geht es ausgezeichnet und es dreht schön seine Runden, brav so! Als ich an einer Tankstelle einen weiteren halben Liter Tee trank, kam ein Amerikaner zu mir und warnte mich vor dem Verkehr. Ja, es ist wahr, die Tempolimite ist bei einigen einfach nur Beilage. Je länger ich fuhr desto unwohler wurde es mir, doch dies hatte auch noch einen anderen 
Grund...
Morgen werde ich an dieser Stelle vorbei fahren wo im Februar dieses Jahres ein Britisches Paar ums Leben kam. Mary Thompson und Peter Root sind 2011 von Zuhause aus losgefahren. Sie wollten mit ihren Fahrrädern die Welt umrunden...in Thailand fuhren sie die letzten Kilometer...
Sie wurden von einem Lieferwagen angefahren, der Fahrer wollte den Hut vom Boden aufheben und der Wagen fuhr unkontrolliert weiter...
Am Abend lag ich in meinem Bett, konnte nicht einschlafen und dachte an die zwei. Ich besuchte noch einmal ihre Homepage, habe die letzten Blog's gelesen und Bilder von ihrem Abenteuer angeschaut. Die Nacht zog sich in die Länge und zum Einschlafen brauchte ich nun definitiv Musik. 
Am nächsten Morgen stieg ich dann auf's Fahrrad und ich fühlte mich ganz komisch. Es tut mir einfach unendlich leid, dass ihr Traum auf diesen Kilometern so enden musste. Dachte die ganze Strecke nur an sie und ihre Familien. Ich fuhr total unsicher, ehrlich gesagt hatte ich ein wenig Angst. Doch dann geschah das unfassbare...
Ein Wagen hielt ca. 500 Meter vor mir an und gab mir ein Zeichen, dass ich anhalten solle. Was will er wohl? Warum hält er jetzt hier und Heute? Wie wild und ganz nervös suchte er etwas in seinem Auto. Er nahm einen kleinen, rosaroten und halb zerrissenen Zettel hervor, zueckte den Stift aus seiner weissen Hemdtasche und kritzelte auf der Motorhaube etwas auf den Zettel.
Er schaute mir tief in die Augen und drückte ihn in meine Hand...mit zittriger Schrift standen zwei Wörter darauf: Good luck, viel Glück... Wie angewurzelt stand ich vor ihm, und die Tränen rollten mir übers Gesicht, was soll ich dazu noch sagen??
Er stieg ins Auto und fuhr davon. Das war in der Tat einfach ein magischer Moment! Sorgenlos und total sicher fuhr ich weiter, denn ich wusste, das Glück  fährt mit und es zeigte mir einmal mehr, dass es so unendlich wichtig ist, einfach das Vertrauen und Respekt zu haben. Respekt vor der Strasse, Respekt vor den Menschen...doch die Angst  ist hier am falschen Platz.
Ab sofort sagte ich mir, wenn die Angst auf Besuch kommt, sage ich Hallo zu ihr und schicke sie einfach schon mal voraus. Aber sie kommt ja sehr, sehr selten vorbei, wohl nur damit ich sie nicht vergesse, oder so. An meinem Lenker ist ja ein kleines Schutzengeli von Mama, da dachte ich mir so...die Engel flogen gerade über Thailand und sahen die kleine Radlerin die Angst hat, da haben sie wohl zusammen gelacht und zueinander gesagt: "Du schick der mal einen vorbei mit einem Zettel, sonst kommt die Heute nicht mehr an, so wie die im Schildkrötentempo dahinrollt". 
Und es kam noch ein weiterer Gedanke auf... es ist einfach nicht selbstverständlich, dass bis jetzt immer alles gut ging und ich überlegte mir ganz bewusst: "wenn du jetzt wissen würdest, dass dein Leben in einer Stunde fertig wäre, was möchtest Du noch tun? ich möchte gerne jenen Menschen Danke sagen, mit denen ich in letzter Zeit vielleicht nicht so viel Kontakt hatte, die aber vieles für mich getan haben".
Mary und Peter wollten vielleicht vielen Menschen noch was sagen und konnten einfach nicht mehr.
Also, gesagt getan und ich fand nach ein paar Minuten eine Reisbude mit Wifi und schrieb einige Mails, ist zwar ein bisschen Plump sich nach langer Zeit einfach in einem Mail zu bedanken, hätte ich wohl schon früher tun sollen, aber lieber spät als gar nie!
Nun fuhr ich bereits die letzten paar Kilometer in Thailand, doch im Januar gibt es noch eine Fahrt von Chiang Rai, im Norden bis nach Bangkok, juhee noch einmal Bangkokfahrt! Freue mich jetzt schon darauf :)
Viele von Euch waren vielleicht auch schon in Thailand in den Ferien, ist ja auch super günstig und überall nette Menschen, schöne Strände und gutes Essen. Klar gibt es auch eine andere Seite...man wird oft über's Ohr gehauen...ohne es gross zu merken.
Doch mit dem Fahrrad durfte ich noch ein anderes Thailand sehen und erleben, z.B. die Fahrt durch ein abgelegenes Fischerdörfchen wo sonst nie ein Touribus durchfährt, das war schon ganz speziell zu sehen wie die Einheimischen auf einen ausserirdischen Stahlesel mit einer Ausserirdischen oben drauf reagierten :) 
An meinem letzten Fahrtag vor der kambodschanischen Grenze regnete es schon um 08.00 Uhr in Strömen. Den Regenschutz habe ich in Bangkok gelassen, weil ich es kaum aushalte in der Plastikhülle.
Wuerde ja schon nass vor schwitzen in die Regenmontur einsteigen muessen, nein so was brauch ich nicht. Da werde ich lieber durchregnet, ist dann eh kühler zum fahren und es ist doch auch ein gutes Gefühl sich nicht vor dem Regen schützen zu müssen. Zuhause ist ja das Wetter eh immer ein grosses Thema, muss ich Morgen wohl den Schirm mitnehmen zur Arbeit? Ahahaha, auch diese Blidchen in den Zeitungen mit den Wölkchen und Regentröpfchen schauen wir uns doch immer sehr gerne an um unser Programm zu planen.
In meinem jetzigen Alltag ist das ziemlich simpel, ich radle einfach, wenn's windet bin ich entweder schneller oder langsamer, wenn's heiss ist wird's dann schon wieder kühler und wenn's regnet radle ich eben nass bis der Wind oder die Sonne oder eben gar nichts, mich und die Kleider wieder trocknet...einfach immer schön weiterfahren, langsam oder schnell? Spielt doch keine Rolle :)
Somit treffe ich tropfend an der Grenze an, wo die Touristen vom Bus bis zum Check Point einen Sprint hinlegen um möglichst keinen Regentropfen abzubekommen, hihi ich geniesse das Schauspiel und amüsiere mich herrlich.
Das Visum für Kambodscha sollte ich gleich hier an der Grenze bekommen, ja so einfach könnte es sein doch es gibt auch Länder für die man einen regelrechten Visummarathon hinlegen muss. 
Ein weiteres mal sage ich der perfekten Thaistrasse tschüss und bis in ein paar Monaten...
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Wenn Eine eine Reise tut und diese zu Maria-Theresia, dann ist Abenteuer vorprogrammiert...

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Wie waers mit Fischmusrollen ?

Wenn weisse Taschen dreckig sind...
Wenn weisse Taschen dreckig sind...

Ladies and Gentelmans, your Captain is speaking. We have started our descent and will be landing shortly. Please switch of all electronic equipment until we have reached our final parking position. 
Jawohl hat mich auch gefreut und jetzt fahr endlich die Rollschuhe aus, ich kann's kaum erwarten auf Thaiboden zu sein! Rollwerk draussen und ab jetzt dachte ich nur noch an Freddy. In Gedanken legte ich ihn in ein Federbett und stopfte zusätzliche Noppenfolie zwischen jede einzelne Stange...ich glaube dass war die sanfteste Landung die ich je hatte!!
Freddy muss es gut gehen! Welcome in Bangkok, International Airport. Local time is nine o'clock and the Temperature is 35 degrees. We hope that you enyoied the flight with Air Astana and it will be a pleasure to see you again on board.
So, raus ihr Kasachen aber dali! Jetzt noch die 500 Meter Rollförderband in zackigem Schritt ablaufen und schon standen wir bei der Gepäckausgabe. Ich atmete tief durch, blickte zu Simon und will ihn erst gar nicht fragen ob wohl alles gut gegangen ist mit unseren in Stücke auseinander geschraubten Edelstahleseln! Ha unsere Taschen waren die ersten super, wo sind die Kartons? Auf der Anzeigetafel stand: Last Bag, waas letzte Tasche? Dann sollte gleich stehen: first Carton?
Hmm, Heute heisst's wohl: Die Ersten  werden die Letzten sein! Total relaxt (bin selber erstaunt) fragte ich den Herrn ob da wohl noch ein, zwei Kartons kämen?! Er lächelte bis zu den Ohren und sagte mit hoher Stimme: "ovelsize, ovelsize, yuu goo light!" Aha haha! Mit dem "R " wirds Heute wohl nichts. Nicht, dass ich ihn auslachte aber schon komisch, seit Anfangs Juli, höre ich nun Russisch vom gröbsten und dort wird das "R" überrrbetont... "On the rrright side of the RRRegiston is the RRRegistrration, underrrstand?" Haha und jetzt ist's ganz veschwunden:)
Oh, tatsächlich da waren unsere Kartons schon parat. Die nette Dame hinter dem Oversize-Buffet strahlte mich an und sagte: "Oh, you Baby, China?" Höö? Nein ich nicht Baby China. Es ist zwar ein ein Bild von einer grossen Babywiege auf dem Karton und dazu ein paar Worte in Chinesisch...ABER, gleich darunter steht in Englisch BICYCLE! Aber warum lesen wenn es Bilder hat :) Auf jeden Fall hatten wir alle was zu lachen!
Hello and Sawadee Kha to Bangkok! Genau vor einem Jahr stand ich auch hier. Mit Mama, Monika und Alexandra sind wir zwei Wochen mit dem Rucksack, das heisst Mama hatte lieber unzählige Taschen, eigentlich mehr Plastiksäcke als Taschen um die Schulter gehängt. Oh Mama, Du bist die Beste! Ohne Dich wäre ich erst gar nicht so weit gekommen! Du hast mich ohne Bedenken am 3. März ziehen lassen mit dem grössten Vertrauen! Love you :)
Also wo war ich? Eben in Bangkok. Draussen atmete ich tief ein.. Die Luft mit der sich meine Lungen füllten, fühlte sich einfach gut an. Sie ist auch gar nicht verstaubt...es ist die Süd-Ost-Asien Luft mit 80%Luftfeuchtigkeit, einfach herrlich.
Die Taxifahrt, natürlich im oversize Taxi, vom Flughafen bis ins Zentrum dauerte zwei Stunden, wie das eben so üblich ist! Preis: 18 Franken.
Im Hostel haben wir dann wieder auf Landon getroffen. Das Wiedersehen war super und seine Freundin Ana ist auch gut angekommen. Drei Tage hatten wir nun zusammen in Banggoggeli verbracht: What Pho, MBK ;), Velo zusammengebaut, war bubileicht und: Alles ist noch ganz jupii, Samstagsmarkt, China-Town, Jim Thompson House, General-Check im Bicycle-Shop: Bremsen, Speichen, Ritzel und so... Freddy wurde übrigens bei bester Gesundheit noch eine lange Lebensdauer vorausgesagt!
Am Abend schlenderten wir durch die Strassen und haben uns voll gefressen...drohe ein weiteres mal zu Platzen! Doch hier erlebst Du einfache das reinste Geschmackserlebnis, herrlich!
Simon musste dringend noch den LOI, Letter of Invitation für Vietnam in Farbe ausdrucken. Also noch husch, husch mit dem Tuk Tuk zum Copy-Shop im MBK.  Die gute Dame wollte den Laden schon schliessen als wir ausser Atem vor ihr standen. Bittend ja nahezu flehend erhofften wir uns noch zwei Kopien. Sie nahm den Stick mit dem Dokument drauf, schaute es kurz im PC an, kam zurück und sagte: "noo moo papee?!" Was jetzt? No more Paper? Sie hat also kein Papier mehr? Im Kopiershop? Hmm, wir schauen sie verwirrt an und sie sagt nochmals: "noo moo papee?!", also ich kam nicht nach und musste lachen! In meinem Sprachhirn begann es zu rotieren, also sie sagt dass R nicht no more..noRmal Aha! Sie fragt uns wohl: "Normal Paper?!" Hahaha yes, yes, nomo Paper :) normales Papier! Ach war das lustig!
So, heute Morgen fliegt Simon nach Hanoi und radelt dann in drei Wochen bis Ho-Chi-Minh. 
Hey Simon, ich wünsche Dir eine gute Weiterfahrt. In Samarkand, Usbekistan haben wir uns das erste mal getroffen, schon eine ganze Weile her... und seither immer wieder :) Wir hatten eine tolle Zeit und vieles gesehen, von den Saufüssen-Verkäuferinnen in Osh, über die Lenin-Statue in Bishkek bis hin zum grössten, liegenden Buddha in Thailand, ou und nicht zu vergessen die scharfe Nudelsuppe zum Frühstück :)
Von Dir habe ich was ganz wichtiges gelernt: Klar und Präzise zu sein! Klar im Sprechen, klar im Denken und Präzise im Handeln. Ich habe selten eine Person getroffen die so klar ist wie Du! Bestimmt hat dies auch mit Deinem Beruf zu tun, doch ich habe täglich gesehen wie dank diesen Fähigkeiten vieles plötzlich ganz einfach wurde was mir vorerst als eine vielleicht schwierige Situation vorkam. Z.B. wenn es darum ging etwas zu organisieren, sparten wir dank unnötigem BlaBla viel Zeit! Vielen Dank Simon und ich wünsche Dir eine schöne Schlusswoche mit Deinen Töchtern in Thailand! Schaut doch mal in seinem Blog nach: www.40north.com 
Jetzt sitze ich also wieder einmal alleine da...ehrlich gesagt, ich geniesse es! Bis Fabienne mich besuchen kommt geht es noch zwei Wochen und in dieser Zeit werde ich in den Süden Thailand's fahren und wieder zurück. Nach all dem Essen muss ich wieder mal was für die Fitness tun :)
Gleich am ersten Tag wurde mir alles abverlangt. Noch keinen Meter gefahren bin ich schon pflotschnass, hier ist die Luft eben feucht, sehr feucht! Den Weg aus der Millionenstadt Bangkok habe ich mir gestern Abend noch probiert einzuprägen. Huch und Linksverkehr ist auch noch. Die Frau an der Rezeption des Hostels warnte mich noch vor dem Verkehr und sie sagte: "In Bangkok fahre praktisch niemand Fahrrad!" Doch mich reizte diese Herausforderung. Damals in Istanbul habe ich mich nicht getraut doch jetzt wird es schon klappen ;)
An den Linksverkehr habe ich mich in zwei Minuten gewöhnt, es sind zum Teil bis sechs Spuren und ich fuhr links und rechts an Töffli, Autos und Lastwägen vor, das ist Milimeterarbeit. Es machte total Spass und mit dem Göppel ist man am schnellsten durch Bangkok!
Nach ca. 50 Kilometern purer Konzentration sinkt der Funfaktor gewaltig...der Verkehr normalisierte sich und ich pedalte schön links aussen und wurde im Sekundentakt rasend überholt. Wenn ich in einem Taxi sitze und durch die Stadt fahre, würde ich sagen, NIE mit dem Velo. Doch ist man erst mal drin sind die Fahrer sehr rücksichtsvoll, ein Blick nach hinten genügt und ich hab den Vortritt! Fahrradfahren in Bangkok Downtown is a big deal aber ganz bestimmt sicherer als auf dem Highway....dort gewinnt nämlich einfach der stärkere!
Am Nachmittag ging's dann los, wie aus dem Nichts regnete es wie aus Fässern. Aber egal ich bin ja eh schon pfludinass des Schwitzen wegen. In einem grösseren Dörfchen suchte ich eine gedigene Bleibe für die Nacht. Nach ein paar Schritten fand ich auf dem Trottoir auch eine Reisbude und die Mamselle kochte köstlichen Reis mit frischem Gemüse. So sass ich also auf dem Kindergartenstuhl und ass mit Stäbchen im Schneckentempo die Körner auf.
An den Fahrtagen habe ich meistens gar keinen Appetit, doch ohne Energiezufuhr würde der nächste Tag hart werden, somit zwinge ich mich in einer Art, pro Tag mindestens eine warme Mahlzeit zu essen. Am nächsten Tag nahm ich die erste Abzweigung vom Highway runter, der Verkehr dünkte mich zum Teil sehr agressiv. Die Nebenstrasse führte an der Küste vom Thailändischen Golf entlang. Die Temperatur steigt erneut auf 44 Grad und die nassen Kleider von gestern trockneten natürlich keinen Fleck!
Es war eine sehr schöne und gemütliche Strecke...alles flach, in der Ebene bin ich ja Spezialistin, genau mein Gebiet hihi. Die Strasse zog sich an Fischerdörfchen vorbei und alle paar Kilometer hatte es Strassenküchen und der Duft von frischem Fisch setzt sich dauerhaft in meiner Nase fest. Die Menschen winkten mir zu und ruften ganz laut Sawadeee, Hallo.
Doch es gibt da Tiere die noch lauter rufen respektiv bellen können...die Hunde, sie sind super aggressiv und verfolgen mich mit sabbernder Schnauze Meterweit. Wenn's dann gleich vier oder bis zu fünf auf einmal sind find ich's nicht mehr so lustig und mein Puls schiesst schlagartig in die Höhe. Kann mich einfach nicht daran gewöhnen...seit Albanien immer das gleiche Thater! 
Nun gut, wechseln wir zum Fisch. Bei einer Fischerfamilie konnte ich übernachten und natürlich den frischen Fisch gleich probieren, er war ausgezeichnet! Sogar zum Frühstück gab es so Teigrollen gefüllt mit Fischmatsch, sag ich jetzt mal, ja es war wie ein Mus, genau: gefüllte Teigrollen mit Fischmus. Und das beste am Frühstück, sie brachte es mir ans Bett, also keine zwei Minuten wach und schon Fischmusrollen gefrämselt!
Dies reichte für den ganzen Tag durch und noch länger, denn am Abend war mir übel und erneut kam Herr Durchfall zu besuch, war vielleicht ein bisschen viel Fisch. Tag's darauf schaffte ich gerade nur 10 Kilometer und dann war Schluss. Eine Erkältung kam dazu und in Hua Hin musste ich mich ausruhen. Es regnete sowieso beinahe den ganzen Tag und somit kam mir der Regen zugute um eine Pause einzulegen.
Die Zeit verging und ich hatte nur noch vier Fahrtage bis ich wieder in Bangkok sein musste. Entweder weiter Südwärts und dann mit dem Bus zurück oder umkehren und wieder zurück fahren. Bus fahren mochte ich nicht dann war der Fall klar. Es war total komisch in diese Richtung zu fahren, einerseits weil ich wusste, dass ich die gleiche Strecke wieder zurück musste und anderseits war es nicht mehr Ostwärts.
Seit März ist die Sonne immer vor mir aufgegangen und ich wusste genau wenn ich meinen Schatte auf der Strasse sah war es bald Zeit eine Bleibe zu suchen. Ich brauchte keine Uhr, orientierte mich Zeitlich nur an der Sonne und jetzt...jetzt geht's sie so komisch links von mir auf und rechts runter...ich fuhr falsch rum, aber eben, der Weg ist das Ziel :)
Die Fahrt nach Bangkok war ganz gemütlich doch die letzten 70km Stadt haben am meisten Spass gemacht :)
Ja und ich kann es einfach nicht schön schreiben...mein Knie schmerzte sehr und ich konnte kaum mehr Treppen laufen, also so Tritt um Tritt ging schon. Jetz habe ich genug davon und will das ganz mal abklären. Am nächsten Morgen ging ich gleich ins Spital. Ein riesen Bunker mit 18 Stockwerken. Die Empfangsdame schickte mich gleich hoch in den dritten Stock dort sollte ich dann zuerst nicht links gehen...also rechts!
Dort war eine Schwester mit Haube hinter dem Pult und spielte Solitär auf ihrem Handy. Wenn ich dran denke, dass ich in der Praxis zwischendurch ein wenig Puzzeln würde....nein ich will gar nicht dran denken!
Trotz ihrer Gewinnserie unterbricht sie das Spiel und nahm meine Daten auf. Da sie noch eine Passkopie brauchte und die Farb-Patrone gerade fertig war, schickte sie mich erneut nach unten um dies dort zu erledigen. Wieder oben bei Schwester Ester gab sie mir so eine ID-Karte, sie meinte, ab jetzt könne ich immer wieder kommen ohne mich anzumelden und sie strahlte bis zur Haube.
Nun gut, habe ich nicht im Sinn. Die nächste Schwester ist für Blutdruck und Gewicht verantwortlich. Jetzt bin ich ja mal gespannt...huch minus 10 Kilo! Trotz Torte? :) Blutdruck: 160/90mmHg waas jetzt? Das ist doch ein Witz.
Sie meinte gleich, ich leide an Bluthochdruck und machte eine Notiz. Nein Schwester Ester, ich bin ausser Atem und das Gerät sieht auch gespenstig aus, ich bat sie in 15 Minuten nochmals zu messen und eigentlich bin ich ja wegen dem Knie da! Und siehe da, nach 15 Minuten Powererholung auf dem Plastikstuhl ist der Druck schon vieel besser: 115/70.
Keine drei Minuten später sass ich mit Schwester Ester beim Herr Doktore. Nach der Antwort auf die Warum Frage rückte das Knie sofort in den Hintergrund. Er wollte wissen wie die Menschen in Tajikistan leben und ob ich Fotos hätte von den Bergen. Na hör mal! So schauten wir zu dritt die Pamirfotos an und ich lenkte wieder auf mein Knie. Er schaute es sich an, drückte ein bisschen auf die Kniescheibe und die Diagnose war: "ihr Knie ist entzündet, machen sie zwei Wochen Fahrpause und dann können sie weiter um die ganze Welt fahren hihihi". Ja gut, bis Nepal ist auch ok. Noch ein Foto fürs Album und ausgerüstet mit Entzündungshemmern, Spray und Kniestütze lief ich zurück ins Hostel. Das geht wieder einmal perfekt auf, übermorgen kommt Fabienne und wir werden zwei Wochen mit dem Rucksack durch Laos und Nordthailand reisen. Das Knie kann sich erholen und ich bin überzeugt,dass mir eine Pause auch sehr gut tut! 
 
Nachtrag: dem Knie geht es wieder ausgezeichnet und ich konnte bereits wieder über 1000 Kilometer ohne Beschwerden fahren, jupiduuuu :) 
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Ein halbes Kilo Torte bitteschoen!

Eines meiner Lieblingsfoto... Er ist Mensch in Osh. Ueber eine Stunde hab ich ihn beobachtet wie er mit Menschen sprach die sich neben ihn auf's Baenkli setzten...
Eines meiner Lieblingsfoto... Er ist Mensch in Osh. Ueber eine Stunde hab ich ihn beobachtet wie er mit Menschen sprach die sich neben ihn auf's Baenkli setzten...
Heute werden wir den Pamir, diese einmalige und sehr beeindruckende Natur verlassen. Es war eine sehr kühle Nacht mit Minustemperaturen. Noch einmal gehe ich zum See und präge mir dieses Bild ganz genau ein...speichere diese einmalige Stille auf meiner biologischen Festplatte ab, damit ich sie immer abrufen kann. Für mich ist dieser Ort einfach ein Wunder...ein grosses Naturwunder...gaaanz grosses Kino!!!
Nun gut, es geht weiter und ich schaue auf gar keinen Fall zurück!
Gestern war ich mit 4655 Metern auf dem höchsten Punkt meiner gesamten Reise. Heute geht es also nur Talwärts! Die Ausreise aus Tajikikistan ging zackig von sich. Keine Kontrolle des Gepäcks, keine Fragen, kein Lachen...ja ich habe schon einiges an Grenzen erlebt, diese hier ist einfach nur bieder.
Vor uns erstreckte sich das über 30km lange Niemandsland bis zum Kirgisischen Check-Point. Die Schotterpiste glänzte von ihrer braunsten und schlammigsten Seite. Weit vorne sahen wir ein paar Baracken  und ein kleines Holzhäuschen, dort ist also Kirgistan, dort werde ich stranden und von dort aus werde ich mich in einen Flieger setzen und rausfliegen....ein komisches Gefühl!
Die Grenzwächter waren sehr beschäftigt mit Schach spielen und somit wurden unsere Pässe noch ein wenig auf die Seite gelegt. Weiss hat gewonnen und blau blüht der neue Stempel :) Es war nicht mehr weit bis zum Grenzdorf zu China doch vorher sollte man unbedingt noch etwas tun... Zurückschauen! Hier ist es nun fast schon ein Muss!
Der Pamir strahlt in seiner ganzen Mächtigkeit und wie eine Wand steht er in voller Pracht da.
Da Claire auch kein Chinavisum hat, wird sie nächste Woche zurück nach Paris fliegen um dies zu organisieren. Ihr 15-jähriger Sohn wird sich bestimmt auch riesig freuen Mama wieder einmal zu sehen. In Sary Tash hoffen wir nun, ein Haus zu finden wo sie ihr Gepäck und das Fahrrad deponieren kann...gar nicht so einfach, denn sie transportiert ja auch noch ihre wertvolle, in Plexiglas eingelegte Drahtkunst mit und deshalb muss es ein sicheres Haus sein mit Menschen denen sie vertrauen kann. Nach 3h! herumirren konnte sie alles in der Stube des "Gemeindepräsidenten" unterbringen uff!
Wir fuhren über die Kreuzung an der man rechts abbiegt für nach China... Ich finde es einfach total speziell zu wissen, dass von Zuhause, von der Schweiz, vom Kiental aus eine durchgehende Strasse bis nach China führt...ja gut, ein paar tausend Kreuzungen und über 40'000 Höhenmeter gilt es schon zu passieren doch irgendwie fährt man immer auf der selben Strasse :)
Weiter geht die Fahrt nach Osh. Osh? Das klingt ja wie Oz! Kennt ihr das amerikanische Märchen: "Der Zauberer von Oz"? Verfilmt 1939 mit Judy Garland, im Musical 1970 mit Michael Jackson und im Winter 2012 haben wir dies beim Winterzauber auf dem Mühleplatz in Thun im Zirkuszelt aufgeführt :)
Vielleicht ist ja hier das Land Osh, Oz? Wohl kaum und doch hat die im Buch beschriebene Landschaft eine gewisse Ähnlichkeiten mit dieser! Ich schaue aus dem Fenster und der Schlusssong der Aufführung geht mir durch den Kopf: "Weisch mau nümm wies witer geit, will e riese Bärg da steit, hesch hüt da bi üs entdeckt, was alles i Dir sälber steckt!" Wie wahr!
In Osh selber gibt es für mich drei Hauptaktivitäten : 1. Essen, 2. auf den Markt gehen um frisches Essen zu kaufen und 3. sich mit anderen Reisenden treffen um Essen zu gehen.
Im Hostel trafen wir auf Simon und Landon from New Zeeland. In Samarkand, Usbekistan habe ich sie das erste mal getroffen. Das Wiedersehen war einfach grossartig. Zusammen gingen wir zum Markt und da war ich schlicht überfordert von Eindrücken: All diese Farben der Früchte, dieses Gelb einer Banane, das knallige Rot einer Peperoni, die vielen Menschen, grosse Werbeplakate, unzählige Shops, hupende Autos, Strassenlampen, Restaurants...alles Bilder (eigentlich ganz normale Bilder) die in den letzten paar Wochen weit, weit weg waren! Und plötzlich, zack ist alles wieder da...mir fehlen die Worte.
Als ich seit langem wieder einmal mein Natel hervorzückte, schrieb ich Alena und Marcel eine Nachricht! Wir haben uns ja in der Osttürkei das letzte Mal gesehen, das war im Mai und seit dem radelten sie stets 2-3 Wochen vor mir. Vielleicht sind sie ja in der Nähe :) Ausschnitt aus dem Sms: "Huhu ihr zwei, wie geits öich? Wo sit ihr äch? Hole langsam aber sicher uf höhö, bi sit Hüt in Osh, aber dir sit sicher scho über au Bärgli :) liebs Grüessli ". 
Kurz darauf die Antwort von den beiden: "Waaaas!? Mir sind au in Osh!! Juhuuuuu!!" Chum mir träffid üs zum Znacht!". 
Im Restaurant California hatten wir uns bei "Züri Gschnäzlets" vieles zu erzählen. Es war ein toller, gelungener Abend. Sie werden morgen den Pass nach Hause schicken um ein Chinavisum zu beantragen...ich drück euch die Daumen und freue mich auf ein Wiedersehen irgendwo in Südostasien :) Über ihre Reise berichten sie auf www.frischlufttour.ch
Viel Zeit zum Ausruhen blieb mir in Osh nicht. Zusammen mit Simon und Landon organisierten wir einen Flug nach Bishkek. Landon wird von der Hauptstadt Kirgistans gleich einen Anschlussflug nach Bangkok nehmen. Simon und ich haben ein wenig mehr Zeit und wollen uns noch Bishkek genauer ansehen. Die kasachische Fluggesellschaft Air Astana wünscht, dass das Fahrrad komplett in eine Kartonbox verpackt wird. Also hiess unser nächstes Ziel: Kartonbox!
Nach sehr langer Suche bei glühender Hitze wurden wir in einem Babyshop fündig. Wo sonst eine Wiege, made in China, drin platz hat, hat auch ein Göppel platz! Für das verpacken gingen glatte 6h drauf. Alles wird piekfein gereinigt und komplett zerlegt. Luft aus den Schläuchen lassen, die Reifen falten, Schutzbleche abschrauben, Freddy einpacken, Pedale weg, usw. Ich habe noch nie ein Fahrrad komplett zerlegt...ist aber bubileicht, ich habe auch noch nie ein Fahrrad wieder zusammengebaut...hoffentlich auch bubileicht!! Alle losen Teile schützte ich mit Noppenfolie und klebte was das Zeug hält :) Ob es wirklich hält sehen wir in Bangkok. Das restliche Gepäck stopfte ich in eine grosse blaue made in China Tasche. 10kg zu viel, also 30kg total ohne Box, hejanusode!
Am 1. September flogen wir nach Bishkek, hey es war total komisch! Schon im Taxi für zum Flughafen konnte oder wollte ich es kaum wahrhaben. Es ist wie ein Unterbruch meiner Tour...Südostasien wird ganz bestimmt auch spannend, doch die letzten Länder waren schon sehr speziell und einmalig, es war ein eindrücklicher und toller Sommer :)
Landon war ziemlich nervös vor und während dem Flug, sodass er gleich mit Helm flog hahaha. Velofahrer durch und durch!
Als wir landeten sah ich aus dem Fenster und erblickte viele, grosse, graue Air Force Flugzeuge...Amerikanische...hier war oder ist eine Basis der Luftwaffe von wo aus Operationen in Afghanistan wie sagt man? Koordiniert? Geflogen? Ausgeübt werden...
In Bishkek verabschiedeten wir uns von Landon doch in ein paar Tagen gibt es in Bangkok ein Wiedersehen...die Welt ist eben klein.
Das erste was wir in dieser Stadt gefunden haben war der Tortenladen! Für jeden von uns gab es ein halbes Kilo Nusscarameltorte mit Mandelsplittern obendrauf. Da war so eine Schicht Caramelblatt dann eine ca 1cm dicke Nusscremeschicht dann wieder ein Caramelklumpen immer so weiter etwa 4 Stockwerke Creme bis dann eben zuoberst noch die fein gehackten Mandelsplitter das ganze abrundeten. Ein halbes Kilo Torte...ich drohte zu platzen...doch ich platzte nicht und wir verdrückten noch saftige Erdbeeren, kleine Blaubeeren, 1 roter Apfel und ein Yoghurt!
Vollgefressen schafften wir noch knapp die paar Schritte um die Ecke ins Hostel wo wir in einem 14er Schlag mit betrunkenen Russen unterkamen. Samt Kleidern schlief ich Esstrunken 13h durch...herrlich! Am nächsten Morgen ist uns beiden ein wenig übel...Kunststück! Doch mit einem ausgiebigen Fussmarsch durch Bishkek wollen wir das Unwohlsein vertreiben.
Wir haben vieles gesehen, vor allem wüste, riesige Sowjethäuser. Moderne trifft hier auf Geschichte. Keine 10 Meter von der Leninstatue tanzen jugendliche Gangnamstyle und neben einem alten Kriegsflugzeug gibt es ein 10 D Kino. Wir setzten uns in einen Park und schauten den Menschen zu.
Als wir zurück ins Hostel wollten, haben wir uns grossartig verlaufen...auf dem Fahrrad würde uns dies nie passieren! Nach weiteren 2h hatten wir immer noch nicht zurückgefunden, wir standen an einer Kreuzung und aus einem Lautsprecher von einem Kleiderladen ertönte der Song Skyfall: "This is the End....". Das ist das Ende, ja passender könnte es wohl nicht sein.
Nach erfolgreicher Flugbuchung ging es nach zwei Tagen wieder zum Airport. Kurz vor der Gepäckaufgabe ist meine blaue Made in China Monstertasche gerissen. Doch das ist gar kein Problem, denn Radler haben immer eine grosse Rolle Klebeband in der Handtasche! 
 
Was soll ich noch schreiben... Die kurze Zeit in Kirgistan, vor allem in Osh und Bishkek war wie ein Schock... Auf meiner Reise ist dieser Punkt eine Art ein Ende oder vielleicht besser gesagt ein Unterbruch und gleichzeitig beginnt etwas komplett Neues und genau auf das Neue freue ich mich sehr!
 
So, das war also Zentralasien!
Geprägt von unzähligen Begegnungen,
Gegensätze wie ich sie sonst wo noch kaum gesehen habe,
einer sehr beeindruckenden, gewaltigen Landschaft von der Wüstenhitze bis hin zu Minustemperaturen auf über 4000 Metern,
immensen kulturellen Schätzen und
geprägt von Menschen die mich mit ihrer persönlichen Geschichte berührten.
 
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Pamir zum Zweiten!

Was fuer ein genialer Campplatz!
Was fuer ein genialer Campplatz!
Wir nehmen die Abzweigung nach Bulunkul. Es ist ein kleiner Loop, ca. 70 Kilometer und danach kommen wir weiter vorne in Alichur wieder auf die M41 zurück. Diesen Tipp habe ich übrigens von Alena und Marcel per Sms bekommen. Wir haben uns ja in Van, Türkei getroffen und seit dem radeln sie stets ein paar Wochen vor mir, somit werde ich mit vielversprechenden Tipps versorgt...gäbig gäu!
Es sind nur 16km bis ins Dorf, doch die Piste ist super schlecht, dass wir bei völliger Dunkelheit, bewaffnet mit Stirnlampen das abgelegene Dörfchen erreichten. Wie es hier aussieht, werden wir erst Morgen sehen, jetzt gibt es im Homestay zuerst mal gebratene Kartoffeln. Im letzten Blog habe ich ja von den geklauten Tomaten erzählt, es war ja wie ein Wunder, dass die dort Tomaten hatten (umso schlimmer unsere Piratenaktion!!) ABER: hier oben wachsen keine Früchte, kein Gemüse und keine Pflanzen. Es hat so ein paar Büsche oder karge Wiesen wo die Tiere weiden.
Das Homestay ist sehr, sehr einfach eingerichtet. Ein Ofen, in welchem mit Yakdung geheizt wird, das riecht dann immer ein wenig nach Mist, aber ich find's recht gemütlich, eben urchig! Empfang gibt es hier nicht, also braucht auch niemand ein Telefon zu haben. Telefonlos zu sein, kann überaus praktisch sein, man muss dann nicht immer irgendwelche updates machen oder sich um ein günstigeres Abo kümmern oder verliert keine Nummern durch einen Absturz der Technik. Leben ohne Telefon, für mich Zuhause unvorstellbar...doch Grosi wusste noch wie das war!
Das traditionelle Steh-Plumps Klo ist ein paar Meter vom Haus entfernt. Gezimmert aus drei Bretterwänden...warum auch die schöne Aussicht verbauen!? Da braucht's auch keine Sudoku oder Zeitungen, so lange haltet man es trotz Aussicht nicht aus, es stinkt nämlich. Um es noch ungemütlicher zu machen...könnte man wohl auch Menschenmist brauchen zum feuern? Ja warum nicht? Man müsste einfach zwei Gruben graben mit einem Schichtsystem damit das ganze auch trocknen könnte...ach lassen wir das! Das wird eine Gute-Nachtgeschichte :)
Bulunkul, ein Dorf am Ende der Welt oder wie auf dem Mond, so wird dieses Dorf in Reisejournals beschrieben. Hier leben ein paar Familien, Hunde, Esel, Schafe, Kühe und Yaks, vielleicht noch ein paar Mistkäfer. Im Winter wird es suuper kalt, der Rekord liegt bei -64 Grad, dann ist's ein langer Weg zur Toilette! Aber auch im Sommer kann der Temperaturunterschied an einem Tag immens sein. Bis zu 40 Grad am Mittag und bis zu -20 Grad in der Nacht...man rechne...60 Grad unterschied an einem Tag! Das ist doch unvorstellbar!
Dies erklärt vielleicht das Aussehen der Menschen, ich meine insbesondere die Haut. Die älteren Menschen, sind eben gar nicht so alt wie sie aussehen und die Kinder haben bereits so eine Art "gerbe" Haut. Die Backen dunkelrot, man könnte fast meinen die Haut sei verbrannt...oder eben sehr geprägt vom Wetter.
Die kleine Fatima sass neben mir und schaute mich mit grossen Augen an. Sie beobachtete mich wie ich Tee trank, plötzlich stand sie auf, rannte zu einem Kübel hin, setzte sich schnell wieder neben mich und reichte mir mit ihren kleinen Fingern ein Stück Zucker entgegen. Sie ist vielleicht 5 Jahre alt und ihre Finger haben bereits viele Spalten, auch die Fussohle sieht aus wie ungepflegtes, brüchiges, sprödes Leder. Doch ihre Augen...die funkeln! Wären ihre Augen Scheinwerfer, würde das ganze Zimmer hell leuchten. Wie das Licht aus so einer Baulampe :)
In Bulunkul gibt es eine Schule von der 1. bis zur 4. Klasse. Weiter müssen sie dann ins Internat in Khorog...welches sehr weit entfernt ist und im Winter ist das Dorf über mehrere Monate komplett abgeschnitten. Für viele Kinder ist also nach der 4. Klasse fertig mit der Schule und sie lernen andere Dinge...die hier überlebenswichtig sind, z.B. die Arbeit auf dem Felde oder das Schlachten der Tiere, Jurtenbau, Kochen usw.  
Wenn ich dies so sehe, denke ich mir: "hey, du hättest auch hier geboren werden können...dann würdest du jetzt Ziegen schlachten!". Bleibe lieber bei der Nadel und dem Mikroskop...vielleicht?!
Nach einer kalten Nacht, hatten wir die Velos wieder startklar gemacht. Dieses tägliche, sich immer wiederholende Schauspiel hat viele Kinder angezogen. Sie schauen dich mit grossen Augen an und in diesem Moment fühle ich mich total überladen!
Überladen an unnötigem Zeugs...klar brauche ich dies alles um weiterzukommen...doch zum Leben, braucht es glaub ich nicht so viel...oder nicht alles was wir haben ist wichtig?! Können wir überhaupt was besitzen, also ich meine Eigentum haben? Wie auch immer... wenn ich in diese Kinderauge blicke kommen mir solche Gedanken und wenn sie dann lachen...ist es das einzige was ich wirklich von ihnen bekommen habe und was in meinen Erinnerungen bleibt, und die Erinnerungen gehören einem...Eigentum...Irgendwie so in der Art :)
Die Schotterpiste führte zuerst entlang dem See und später sah man auf den See herab. Die Felsen im Hintergrund leuchteten vom Bananenschalen-Gelb bis hin zu einem AOC getesteten Pinot Noir-Rot. Farbige Felsen, die sich im See spiegeln, einfach schön! Es sieht wirklich aus wie auf dem Mond, war ja noch nie dort aber so stelle ich es mir vor! Nächstes Jahr radle ich zum Mond, Freddy wird Augen machen haha! Wir begegneten noch ein paar richtig fetten Murmeltieren! Die sind riesig, was fressen die nur?
Und tatsächlich ist wieder einmal im absoluten Nichts ein Haus. Es sah sehr verlassen aus, hier lebt bestimmt niemand...oder doch? Wir hörten ein Bellen, hat es ein Hund, hat es auch Menschen. Aus dem Haus rannte ein Mädchen, ein Zweites, ein Drittes und zwei Knaben. Sie zerrten uns förmlich in die "Hütte", die Schuhe zogen wir im Stall ab und im nächsten Raum sassen zwei Frauen am Boden. Die eine stand gleich auf und bat uns hinzusetzen, die andere schaukelte eine Wiege...6 Kinder wachsen also hier im Nirgendwo auf!
Sofort erblickten wir den grossen, farbigen Teppich, der beinahe die ganze rechte Zimmerhälfte abdeckte. Wir waren beide total begeistert von diesem Kunstwerk. Gleich holte sie einen Zettel und kritzelte eine knapp definierbare 5 darauf und murmelt "Dollar". Waas? Sie will uns dieses Stück verkaufen für 5 Dollar??! Nein gute Frau, dieser Teppich hätte einen Wert von mehreren tausend Dollar! Sie offerierte und Brot und Milch.
Ich konnte mit meiner Kamera ein paar gute Porträts festhalten und als ich den Kindern die Bilder von ihnen auf dem Display zeigte, sind sie zuerst erschrocken und dann ging das Gekicher los :) Natürlich wollten alle noch mehr Fotos sehen und posierten wie verrückte vor der Linse, das war soo lustig! Ich wollte ihnen unbedingt was schenken...hatte aber nichts...nur ein Lachen! Doch halt, in meiner Tasche hatte ich doch noch ein Schachteli Ricola, die ich seit Istanbul mitschleppe! Genau, die schenke ich ihnen! Die Mutter wusste zuerst nicht was sie damit anfangen sollte...nein das sind keine Medikamente, keine Drogen! Das ist Zucker mit Alpenkräutern! Essbar! Geniessbar! Sie traute der Sache wohl nicht ganz und der kleine musste den Test machen. Er hat das Ricola überlebt. Wir verabschiedeten uns und blickten kein weiteres Mal zurück. Es ist einfach eine andere Welt hier!
Ein paar Kilometer vor Alichur stellten wir unser Zelt auf. Es war Vollmondnacht. Zur Feier des Tages...wir feiern, dass wir hier sein können, auf dem Dach der Welt, auf dem Pamir...kochen wir Pasta. Leider hatten wir keine Tomaten mehr nur noch Salz und Knoblauchpulver.
Jetzt ist DER Moment, der grosse, langersehnte Moment...den einzigartigen und unglaublich lang wartenden und ruhenden Dosenfisch aus Griechenland zu geniessen...wenn er denn noch geniessbar ist! Er ist weit rumgekommen für einen Dosenfisch! Was passiert wenn man Dosenfisch auf 4000 Metern öffnet? Genau, sie springen einem beinahe entgegen. Er war in Öl und Tomatensauce eingelegt, oh ihr hättet das sehen sollen, aber ihr wart ja alle nicht da! Pasta und darunter ein Fisch eingerührt...einfach herrlich, ein Traum! Es war soo gut, dass wir uns noch ein wenig für's Frühstück sparten.
Die Vollmondstimmung war...wie soll ich sagen...besser als jeder Film aus der Glotze. Mein Zelt hat ein Belüftungssystem, welches mir erlaubt ein Dreieck in der Decke so zu öffnen, dass ich freie Sicht auf den Himmel habe und somit auf den Vollmond. Am morgen weckte uns wohl der Fischgeruch...war ungewohnt aber auch kalt ganz lecker, eben ein richtiger, griechischer Fisch :)
Als wir zu einem Fluss kamen nutzten wir die Chance...Geschirr abwaschen. Ja zwischendurch ein wenig Hausarbeit hält uns fit :)
Ein wenig Wasser würde uns auch gut tun...gesagt getan, Badezeugs montiert und rein in den eiskalten Fluss...er war wirklich sehr, sehr kalt, ca. 6 Grad. Auf den Rücken liegen, eine Umdrehung und schnell wieder raus, zu kalt.
Die Wäsche konnten wir auch noch waschen und in Alichur vor dem Marco Polo Homestay haben wir sie zum trocknen aufgehängt. Während diese in der Sonne sich badend trocknet, schlemmern wir frisches Brot, gut wars! Der Hausherr meinte wir sollten doch noch einkaufen gehen...wie bitte? Einkaufen? Hier? Ja bitte schön, zeigen sie uns doch die gute Migros! Eine Jurte hat's dann auch getan... Sandalen, Hüte, Hosen und Mäntel wurden angeboten. Unser Kaufrausch hielt sich in Grenzen!
Als wir aus der Shoppingjurte hinaus kamen, trauten wir unseren Augen nicht...Simon's Fahrrad stand da! Er kam aus dem Häuschen und das Wiedersehen war grossartig. Es ist bereits 17.00 Uhr und er will noch bis ins 100km entfernte Murghab radeln... "Findest Du das nicht ein bisschen weit? In einer Stunde wird es bereits dunkel sein!". "Ihr habt wohl recht, also lass uns gemeinsam noch ein paar km fahren und dann das Zelt aufstellen, aber morgen will ich um 04.30 Uhr los!". Der ist auch ein Frühaufsteher!
Bereits nach 20km war es beinahe finster und auf der linken Seite, ganz weit hinten erblickten wir eine Jurte. Toll! Übernachten in einer Jurte, dass wollte ich schon lange mal! Wir fuhren übers Feld, durchquerten noch ein Bächlein bis wir bei der Familie ankamen.
Für sie war es anscheinend absolut klar und selbstverständlich, dass wir hier übernachten werden. Noch bevor wir überhaupt fragen konnten, richtete sie unser Nachtlager ein. Das Feuer brannte auch schon und es duftete sehr gut...es duftete nach Kartoffeln, judihuii! Es war ein wahres Festessen!
Die Bleischweren Decken erdrückten uns in den Schlaf. 10.00 Uhr morgens und wer ist noch da? Genau, unser Frühaufsteher Simon :) 
Manu und ich könnten es hier also noch lange aushalten...gedacht-entschieden! Wir hängen noch eine Nacht in der Jurte an, weils soo schön ist!
Die Familie probierte uns zu erklären, dass sie Heute nach Murghab gehen werden, wir könnten aber hier bleiben, wir müssten einfach zum Feuer schauen! Die Jurte gehört also uns :) Bis wir dies verstanden haben dauerte es mindestens 15 Minuten, man bedenke wir verstehen kein einziges Wort voneinander!
Simon ist bereits losgefahren und die Familie wurde kurzum von einem Jeep abgeholt. Jetzt sind wir also stolze Jurtenmieter mitten im Pamir! Schon unglaublich, die Familie hätte ja auch sagen können, ihr müsst weiter! Sie vertrauten uns ihr Hab und Gut, alles was sie haben einfach so an, sie kennen uns ja kaum...aber hier oben ist das Vertrauen wohl DIE Basis! 
Es war ein wunderbarer Tag, die Sonne schien und es windete! Wir wollten ein bisschen "wandern" gehen. So liefen wir also in eine Richtung los und setzten uns auf dem nächsten Hügel hin. Wir sprachen kaum miteinander...weil uns einfach die Worte fehlten! Der Anblick ist überwältigend, die Ruhe inspirierend. Da ist Nichts, kein Lärm, keine Menschen, kein zu lesendes Buch, keine Musik einfach die Natur und wir zwei kleine Radlerinnen.
Die Zeit vergeht...wie schnell? Keine Ahnung, ist ja auch nicht wichtig! Plötzlich sahen wir von weitem zwei kleine Punkte, ja nicht irgendwelche, es waren Punkte die fuhren, etwa so schnell wie Fahrradpunkte fahren :) Es könnte Jeremy und Sascha sein die vom Wakhan kommen. Wir erkennen die rote Jacke von Jeremy, wie wild beginnen wir zu winken und zu rufen...sie konnten uns nicht hören, zu weit weg!
Wir stiegen noch ein wenig höher auf den Hügel und winkten mit unseren Jacken, die schauen auch nur auf die Strasse! Kurz bevor sie hinter dem Felsen verschwinden, blieben sie stehen, sie sahen uns tatsächlich, Wahnsinn. Wir rannten runter zur Jurte, die haben bestimmt einen Mordshunger! Ich brachte den Benzinkocher in Schwung und schmiss das Fertigrisotto (noch von Italien! Mamma mia!) in die Pfanne. Manu ging ihnen entgegen. Es ist noch eine rechte Distanz bis zur Jurte, Sascha fährt nicht mehr und Jeremy näherte sich uns. Erst als er bei der Jurte war bemerkt er, dass Sascha nicht mehr hinter ihm war...der Wind.
Während ich meine Kochkünste zum besten gab, rannten die zwei zu Sascha. Er ist einfach erschöpft. Es war ein freudiges Wiedersehen, sie haben es geschafft, super! Während Jeremy den angehockten und verklebten Reis geniesst schläft Sascha bereits. Ach ja übrigens....das Feuer ist ausgegangen hmpf! Jetzt stehen wir also vor einem Kübel Yakdung ohne Anfeuermaterial. Die Suche nach irgendwelchem brennbaren Gestrüpp oder Holz blieb natürlich erfolglos...das ist jetzt wirklich ein Mist, grosser Yakmist! Aber wir haben ja alle starkes Daunengefieder im Gepäck :) Kann es immer noch nicht glauben, dass wir in einer Jurte auf ca. 4000 Metern übernachten. 
Am nächsten Tag fuhren wir zu viert 100km bis nach Murghab. Doch Sascha war noch nicht Fit zum weiterfahren. Wir warteten also noch zwei Stunden, diese nutzten wir um Wasser vom Bach zu filtern. 
Sascha schluckte zwei Dafalgan und wir fuhren los. Eine gemütliche Etappe mit dem Neizatash Pass (4137m).
Ich muss es einfach nochmals schreiben, der Himmel ist hier soo stahlblau, sowas habe ich noch nie gesehen! Es war einer meiner besten Tage, fühlte mich von Kopf bis Fuss total stark, hatte das Gefühl, dass ich über die Strasse fliege, alles war so einfach und unbeschwehrlich. Irgendwie unbeschreiblich, nun habe ich dieses Gefühl auf meiner Festplatte abgespeichert! Nach einer tollen Abfahrt fuhren wir nach Murghab ein. Schon von weitem sah man die Containerhäuschen und ich kann mittlerweile schon von sehr, sehr weit weg gebratene Kartoffeln riechen :) 
Wir suchten ein Homestay und fanden eines mit warmem Wasser und sogar einer Sauna! Als ich vom Fahrrad abstieg wurde mir beinahe schlecht...das rechte Bein kann ich kaum belasten, das Knie.
Am selben Abend treffe ich erneut auf Claire von Paris, sie ist ja auch mit dem Fahrrad unterwegs. Sie wird Morgen einen Jeep bis Osh in Kirgistan nehmen und es hätte noch Platz... In meinem Kopf beginnt es zu rotieren, soll ich? Soll ich nicht? Es sind gute 4-5 Fahrtage bis zur Grenze, auf dem Programm ist noch der Ak Baital Pass mit seinen 4655 Metern, mein Visum läuft in vier Tagen aus, mein Knie schmerzt...der Fall ist klar: Jeep bis Osh! Es nervt mich zwar ein bisschen...Aber ich habe mich entschieden, fertig! 
Und wir hatten Glück, der Fahrer hat noch Verwandte in Karakul, somit legen wir dort einen Stopp über Nacht ein und wir können am Karakulsee unser Zelt aufschlagen, perfekt!
Als ich dann die Piste sah, war ich einfach nur froh auf vier Rädern unterwegs zu sein! Kurz nach dem Pass hatten wir freie Sicht auf den Pik Lenin, einer der einfacheren zu besteigenden 7000ender, wenn man da das Wort "einfach" überhaupt brauchen darf! Der Blick von weitem imponierte mir sehr. Rechts von uns ragen die Shneeberge China's in die Höhe.
Ja, China ist wirklich nur ein paar Meter entfernt...ein über Kilometerlanger, hoher Elektro-oder sonst gefährlich Zaun markiert, dass für mich zurzeit unerreichbare Land. Einen Stein hab ich wenigstens darüber geworfen :)
Ein weiteres Mal suche ich die richtigen Worte um den Karakulsee und diesen Ort zu beschreiben...einfach einmalig! Die stahlblaue Farbe zieht einem wahrhaftig an. Es gibt so viele Sachen, Landschaften, Begegnungen und unvergessliche Erlebnisse die ich nur durch Erzählen authentisch weitergeben kann...
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Auf der M41, auf dem Dach der Welt, auf dem Pamir!

Kann es kaum glauben. Dieser Satz werdet ihr in diesem Blog oft zu hören bekommen...denn es ist einfach unglaublich! Los geht's:
Nach einem trockenen Stück Fladenbrot, welches wir mit Aprikosenmarmelade aufweichten, fuhren wir los. Wir planen zwei Tage bis kurz vor den ersten Pass (Koy Tezek 4272m). Dort wollen wir noch einmal übernachten um zu sehen ob wir mit der Höhe zurechtkommen...sollte jedoch kein Problem sein! Also gemütliche 160km mit einer stetigen aber leichten Steigung. Bereits nach einer Fahrstunde musste ich absteigen...um die grandiose Aussicht überhaupt wahrzuhaben, wahrzunehmen! Vor uns: ein türkisfarbener See, um uns: bizarre, steile Felsen, über uns: stahlblauer Himmel, unter uns: perfekter Asphalt :) und das ist erst der Anfang!
Beim Seeli machen wir gleich Rast und schlemmerten Rosinen aus der Migros Spiez, jaja die haben durchgehalten und jetzt ist der richtige Augenblick diese zu främseln, schmecken wunderbar, eben wie die Rosinen aus der Migros Spiez halt so schmecken :)
Wir merken schnell wie immer weniger Jeep's oder Lastwagen auf der Strasse sind, doch diejenigen die an uns vorbeifahren winken herzlich zu. Stunden könnten wir an diesem See sitzen und einfach staunen, doch hinter dem Felsen künden die schwarzen Wolken schlecht Wetter an und mit 20km können wir uns noch nicht zufriedengeben...nicht hier! Wir fuhren an kleinen Dörfchen vorbei und wurden etliche male zum Tee eingeladen. Trinken ist wichtig! 
Da wir ja ziemlich schnelle Trampeltiere sind entfliehen wir beinahe der Wetterfront...eben nur beinahe! Zuerst windete es uns fast vom Göppel und dann regnete es wie schon seehr lange nicht mehr. Das war glaub ich vor ein paar Monaten in der Türkei... Blitz und Donner kommen dazu, ein Weiterfahren ist fast unmöglich doch wir beissen...denn da ist weit und breit nichts, einfach NICHTS!
Ich höre wie Manu was sagt, kann sie aber nicht verstehen, "Waaas? Laaauter! Duu musst das Wetter übertööönen!" Manu:"ich glaaubee ich haabee einen Kettenrissss". "Waas, das kann nicht sein, nicht hieer! Nicht jetzt!" Natürlich kann sie keinen Meter mehr fahren. Sehr wage und noch schwächer erinnere ich mich an jenen Flickkurs in Ostermundigen, an jenem Abend regnete es übrigens auch! Da habe ich so einen Kettenriss repariert, genau 1x, langsam aber erfolgreich! Ich "grüble" das Werkzeug aus der Tasche, gehe zu Manu und Freddy kippt, der Wind ist wirklich sehr stark...sonst ist doch Freddy immer der stärkste. 
"Manu, hast Du schon einmal einen Kettenriss repariert?", "Nein, Du?", "Nicht wirklich!". Wir zwei werden also gleich am ersten Tag auf die Probe gestellt. Ich weiss, dass ich das kann zumindest meine Finger werden sich daranerinnern!
Die Probe haben wir bestanden! Jawohl, schön nach Schule mit dem Kettennieter das Kettenglied...usw. Der Kurs dazumal war auf jeden Fall unser Retter! Es regnet immer noch. Ist uns jedoch Hundewurscht denn wir haben eine tolle Strasse und eine funktionierende Kette, was will man mehr?!
Nach 70 Kilometern finden wir ein Plätzchen am Fluss, hier stellen wir unser rotes Ferrari-Zelt von Hilleberg auf! Es regnet immer noch und wir haben kalt. Es lohnte sich also die Handschuhe 6 Monate mitzuschleppen, die sind jetzt Gold wert!
Zitternd schlüpfen wir in die Daunenschlafsäcke um warm zu kriegen. Liegend schälen wir Zwiebeln und kochen...Pasta, genau was denn sonst! Es ist einfach zu kalt um aus dem Haus zu gehen, somit essen wir bäuchlings bereits lauwarm gewordene Pasta mit Tomatensauce. Den Abwasch verschieben wir auf Morgen, gute Nacht.
Ach ja fast hätte ich's vergessen. Wir haben abgemacht, dass wir uns jeden Abend abwechselnd eine spontane Gute-Nacht Geschichte erzählen. Manu machte den Anfang. Es handelte sich um die Milchstrasse, sie ist in Wirklichkeit eine Durchgansstrasse für Kühe, nur weiss dies niemand! Sogar die Wasserbüffel in Indien nutzen sie. Auf der Strasse tauschen sich die Kühe jeweils aus was in ihrem Land gerade der neuste Trend ist. Von den vollautomatischen Melkmaschinen über den Laufstall oder die neuste Ackermethode in Indien. Es gibt auch Austauschjahre und Praktika für Kühe in anderen Gegenden. Der Stoff, also das Gras ist natürlich auch immer ein brisantes Thema :) Soviel zur Kuh Geschichte...und nein, da oben wird man nicht verrückt!
Am nächsten Morgen: es regnet immer noch! Also gibt es Frühstück im Bett. Das Reis von gestern klebt noch im Teller, hmm egal, Milchpulver rein, Wasser dazu, anrühren und fertig ist der Milchreis höhö.
Schmeckte gar nicht so schlecht noch ein paar Haferflocken dazu und schon ist halb abgewaschen und gefrühstückt! Noch schnell die Flaschen mit Wasser vom Fluss auffüllen und hop eine Micropur Tablette rein. Die macht das Wasser haltbar und verleiht ihm einen einmaligen Chlorgeschmack. Es regnet nicht mehr! Im Nu haben wir alles zusammengepackt und gesattelt, ja so ein Rössli wär jetzt auch nicht schlecht. Kann nicht alles haben.
Wir haben keinen Regen, das ist schon viel! Es wird jetzt lange kein Dorf mehr kommen, vielleicht mal ein Lehmhaus und schon bald die ersten Jurten. Als wir bei so einem Häuschen vorbei kamen, sassen da zwei Jungs in der Schubkarre. Sofort wollten sie uns zum Cay einladen. Passt super, denn wir haben mächtigen Durst! Sie sind schätzungsweise 8 und 10 Jahre alt, so genau wissen sie das selber nicht! Spielt ja auch keine Rolle. In die Schule gehen sie nicht, da ihre Eltern den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten müssen sie sich um die Tiere Zuhause kümmern... und zudem hat es weit und breit keine Schule! Nebenbei laden sie noch durstige Radlerinnen ein:)
In dem Häuschen gibt es ein Zimmer, hier wird gekocht, gegessen, geschlafen und gespielt...Spielzeuge habe ich jedoch nicht gesehen. Sie spielen wohl mit dem Hund, mit der Schubkarre oder einem Huhn. Und wieder: ich kann es kaum glauben. Von den beiden habe ich ein Foto hochgeladen...
Wir müssen weiter, es ist noch ein langer Weg bis zum Pass. Die Landschaft ist unglaublich, kann es kaum in Worte fassen und wenn ich es könnte wäre es dennoch nicht nachvollziehbar. Bilder sagen hier definitiv mehr! Wir fuhren an grasenden Yaks vorbei, die ersten die wir sehen. Das Wetter schlägt wieder um und weiter oben schneit es, der Gletscher ist auch zum Greifen nah.
Schon absurd, vor zwei Wochen bin ich bei Temperaturen über 40 Grad geradelt und jetzt trampe ich mit Kappe und Handschuhe. Der Körper muss sich umgewöhnen, mein Knie bleibt stur und schmerzt. Probiere zu ignorieren. Weit vorne erblickten wir ein kleines Häuschen, dort werden wir Halt machen. Jede/r der die M41 radelt sollte dort unbedingt eine Pause einlegen. Von aussen sieht alles ganz normal aus, doch innen erschlägt es einem fast vor Ferienstimmung: Welcome on the beach!
Das ganze Zimmer ist austapeziert mit dem Sujet: Palmen, Strand und Sonne! Sogar die Decke! Nein einfach unglaublich, draussen ist ein Sauwetter und wir sitzen auf 3800 Metern am Strand, dazu ertönt aus dem CD-Player, welcher mit einer Autobatterie läuft, kubanische Musik! Die alte Frau, sie sieht aus wie ein Pirat, servierte uns gebratene Kartoffeln und Yakmilch. Echt Filmreif! Auf dem Tisch hat es eine Schale mit 4 Äpfeln und 4 Tomaten drin. Manu und ich schauen uns gleichzeitig an und denken wohl auch dasselbe! Ein Lastwagenfahrer hupte und sie entschuldigte sich für einen Moment...Das ist unser Moment: "Take the Tomatos!!!", nimm die Tomaten schnell!
Manu schnappte sich die roten Energiebomben und steckte sie in die Jackentasche, ich griff nach den Äpfeln und würgte sie in die Hosentasche...meine Jacke hat keine Seitentaschen, das ist eine Fehlkonstruktion, es hindert mich jedoch nicht Äpfel zu klauen! 
Wir verabschiedeten uns und bezahlten natürlich für das Essen :) Hoffentlich leben die Tomaten noch...hinter dem Felsen, packen wir das geraubte aus und verstauten es sicher in der Tasche...eben echte Piraten! 15 Kilometer vor dem Pass stellten wir unser Zelt ca. 20 Meter von der Strasse entfernt auf einem Feld auf. Diejenige, die aus der Gegenrichtung kommen, werden uns sofort sehen, die anderen nicht. Doch hier oben sollte, dies absolut kein Problem sein...ist es auch nicht, wenn man sich am Abend im Dunkeln keine Gruselgeschichten erzählen würde...! Übrigens hier sieht man sooooo viele Sterne, eben: kann es kaum glauben.
Die Geschichte handelte von verrückten, chinesischen Truckfahrern die ständig getrocknete Fischchips essen und dadurch selber zum fahrenden Fisch werden...so in der Art. Keine Minute nach dem Ende der Geschichte, hielt ein Truckfahrer genau auf unserer Höhe an. "Warum hält der an?, Warum genau hier? Er fährt ja in unserer Richtung er konnte uns also nicht sehen, warum hält er dann?". Das Herz schlägt uns beinahe zum Hals raus. Wir haben Angst...zumindest bilden wir sie uns ein!
"Also Manu, ich öffne jetzt ganz langsam den Reissverschluss und dann schauen wir hinaus, so dass er uns nicht sehen kann, ok?!". "Ich will aber nicht schauen!". "Ok, dann schaue ich für uns beide". Da war niemand zu sehen, nicht im noch neben dem Truck, es ist ein chinesischer. "Vielleicht musste er einfach mal!". "Ja, aber warum genau hier?", "weil er eben gerade jetzt musste!". Er drehte sich um 90 Grad und blieb stehen, die Scheinwerfer zündeten direkt auf uns. "Was jetzt, will der uns überfahren?". "Keine Ahnung!".
Wie zwei wilde Hühner schlüpften wir aus den Daunen und waren parat im Falle des Falles aus dem Zelt zu hechten...wie Hühner eben hechten! Er drehte um weitere 90 Grad und fuhr zurück in die gekommene Richtung. Er fährt davon. 
Mann o mann wir werden wirklich noch verrückt... Seit jenem Abend erzählten wir uns nur noch friedliche Geschichten von Kühen und Schafen und Pferden und Frösche.
Am nächsten Morgen badeten wir wieder einmal getrocknete Nudeln im Milchpulver, danach Deckel drauf und ab in die Tasche, kein Wasser zum Abwaschen...keine Abwascharbeit. Könnt ihr Zuhause auch machen...einfach den Hahnen nicht aufdrehen!
Heute ist Passfahrt mit Höhenrausch, bin ja gespannt!
Die Strasse wird zur Piste. Ein relativ kurzer Aufstieg, ich glaube nicht mehr als 5 Kilometer in denen es richtig steil hoch geht, weiss es nicht mehr genau, hatte viel zu tun! Ich werde soo langsam, dass nur noch 4km pro Stunde auf meinem Tacho standen. Ja, dann bist du in einer Stunde oben! Plötzlich muss ich absteigen, wohl etwas vom dümmsten, denn das Anfahren braucht zusätzliche Energie. Aber ich muss stehen und Atmen. Komme mir vor wie ein altes Pferd, schrecklich, das Pferd halte ich fotografisch auch noch fest.
Als ich mich auf dem Display sah, habe ich mir geschworen, dieses Bild niemanden zu zeigen. Und wenn es mir Zuhause einmal nicht gut gehen sollte, werde ich dieses Bild anschauen und sagen: "Thesi, hör auf zu jammern, ist nur eine Grippe. Damals hast du scheissiger ausgesehen!" Ja die Stunde hat sich hingezogen, musste oft anhalten, teilweise auch Schieben aber wir haben es geschafft! Ein tolles Gefühl, ein unbeschreibliches, ein erfülltes ein grossartiges, judihuii einfach super!
Die Abfahrt hielt sich in Grenzen...jetzt sind wir also auf dem Plateau. An diesem Tag kamen uns drei Autos entgegen, deren Motoren waren wohl die einzigen Geräusche die wir hörten...kaum zu glauben! Wir hatten die ganze Strasse für uns, sind Schlangenlinien gefahren, haben gesungen (Ramseier's ist auf unserer Pamirhit-Liste zuoberst, dicht gefolgt von "Rien, rien de rien, je ne regrette rien":)
Die Luft hier ist zwar ein bisschen dünner dafür umso klarer! Der Himmel stahlblau, so ein Blau habe ich noch nie gesehen... Alles scheint viel intensiver zu sein, die Farben der Natur, das Wetter und ganz bestimmt die Wahrnehmung! Z.B. Wir halten an um einen Schatten von einer Wolke zu sehen, ein Foto davon zu machen, wir steigen ab um ein Gebüsch von nahem zu sehen, wir müssen uns immer wieder hinsetzten weil wir fast erschlagen werden von den Eindrücken...doch eigentlich gibt es gar "nichts" zu sehen, nichts was sich bewegt, oder tönt, oder informiert...es ist einfach diese Gegend! Wie soll ich dies nur beschreiben...?
 
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Das Afghani Chicken und seine Daten...

Blick auf ein Afghanisches Dorf
Blick auf ein Afghanisches Dorf

Trotz Sprachbarriere sind wir mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Alle haben wohl gemerkt, dass wir als Team funktionieren müssen um weiterzukommen! Und dies trotz unterschiedlichen Tempi, einer anderen Sprache und verschiedenen Ansichten.

Von Dushanbe bis nach Khaleikum gibt es zwei Routen, die nördliche, kürzere mit einem 3000er Pass und die südliche. Wir entschieden uns für die südliche, sie hat zwar drei kleinere Pässe, ist 100 Kilometer länger und heisser aber dafür ist die Strasse top! Unser Weg führt uns direkt zur Afghanischen Grenze und von dort radelt man bis Khorog dem Grenzfluss Panj entlang. Ab der Abzweigung wird die Strasse deutlich schlechter aber bestimmt nie so rumpelig wie die im Norden. Doch bevor wir zum Grenzfluss kommen radeln wir einmal mehr durch unbeschreiblich schöne Landschaft. Sie beginnt mit einer Hügelwüste und wechselt langsam in eine Gebirgswüste mit bizzaren Felsen. Eine sehr schöne Route mit teilweise, sandigen oder Schotterpisten... aber nicht viele :)

Zu Beginn dachte ich immer, hoffentlich macht das Freddy alles mit und schaute dadurch immer ganz genau wo ich durchzirkelte... Mittlerweile muss ich sagen: "Das Fahrrad ist gebaut für so was! Das hält schon durch, lass es rollen :)". Ich bin wirklich überrascht und sehr beeindruckt was es alles mitmacht, ist eben ein gutes!

Jetzt noch ein paar Gedanken zu dieser Grenzfahrt... Ein komisches Gefühl, einen Steinwurf von Afghanistan entfernt zu sein. Die Dörfer wirken auf mich sehr idyllisch und friedlich. Dieses Gebiet hier im Norden ist nicht "direkt" betroffen. Die Dörfer liegen zum Teil über 20 und mehr Kilometer auseinander. Ein schmaler Land-Streifen zieht sich der ganze Strecke entlang, gleich dahinter schiessen die Berge tausende von Metern in die Höhe. Die Kinder winken uns zu und johlen. Ich winke zurück und viele Gedanken gehen mir durch den Kopf...

Bis auf einen Jeep habe ich nur Eseltransporte gesehen welche auf steilen Pfaden von einem ins nächste Dorf traben. Die Häuser sind sehr einfach gebaut und alle sind Selbstversorger. Dank dem Fluss können sie viel Gemüse anbauen, erinnert mich ein wenig an Grossmutters Garten, mit dem grossen Unterschied, dass der Grund, also der Boden ein total anderer ist! Ja ich kann es einfach kaum wahrhaben oder glauben, das dies da drüben Afghanistan sein soll! Es wird bald dunkel und wir machten uns auf die Suche nach einem geeigneten, versteckten Zeltplatz. Wir sassen alle zusammen, rüsteten Zwiebeln und Knoblauch, und pumpten das Benzin in der Flasche. Plötzlich hörten wir ein Rascheln und wie aus dem Nichts stehen 6 bewaffnete Männer in Uniform um uns herum.

Für einen kurzen Moment bin ich erstarrt, realisiere aber sofort, dass es Grenzwächter sein müssen. Der eine will wissen, wer der Chef unserer Gruppe ist. Baptiste steht langsam auf. Da Manu jedoch ein paar Wörter mehr russisch kann, probiert sie zu erklären, dass wir einen Zeltplatz suchten und nun Wasser kochen wollen für den Reis. Sie scheinen sehr freundlich und neugierig zu sein. Er funkt seinen Chef an und fragte wohl nach ob wir hier bleiben können, die Pässe wollten sie nicht sehen! Es ist definitiv, hier können wir nicht bleiben, zu nahe am Fluss und in der Nacht sei es zu gefährlich, da immer wieder Droggenschmuggler den Fluss probieren zu überqueren. 10 Kilometer weiter werden wir in ein Dorf kommen, dort könnten wir unser Zelt aufstellen meinte der gute Herr.

Gut, wir packen alles zusammen und bevor es los geht will doch tatsächlich der älteste Grenzwächter der Gruppe noch meine Schildkröte testen. Er hat grosse Freude daran und jeder will noch einmal Hupen. Das ist auch eine absurde Situation... Bei kompletter Dunkelheit erreichten wir das kleine Dörfchen und konnten gleich beim ersten Haus übernachten. Ja, im Nachhinein waren wir vielleicht leichtsinnig doch im Moment erschien uns die Situation und der Zeltplatz als gut und sicher. Am nächsten Tag habe ich ab und zu in die Felsen hoch gesehen, auf beiden Seiten des Flusses erblickte ich tatsächlich immer wieder Grenzwächter, die sind überall verteilt, darum waren die auch so schnell bei uns!

An jenem Tag war es sehr heiss und die Hitze machte uns allen zu schaffen. Schatten zu finden ist nicht immer einfach, somit haben wir uns unter den nächsten Baum gelegt und geschlafen. Wir müssen essen, doch mein Hunger hält sich sehr in Grenzen. Zwinge mich die Nudelsuppe runter zu schlürfen. Das Geschirr waschen wir im Grenzfluss ab, welcher eine rein graue Sauce ist. Oh, das Wasser ist soo schön kalt. Manu und ich können einfach nicht wiederstehen und samt Kleider setzten wir uns in die Brühe. Die Strömung ist so stark, dass wir uns an den Steinen festhalten müssen.

Ist gut so Mama, dass Du dies erst jetzt liest gell;) Die Abkühlung war einfach herrlich. Doch wir müssen unbedingt weiter denn wir haben Wasservorrat für nur zwei Tage dabei und somit müssen wir Morgen Khaleikum erreichen! 60km stehen Heute noch auf dem Plan. Doch bereits nach 20 fühlte ich mich erneut nicht besonders gut, wurde immer wie langsamer und Manu fuhr schön neben mir. Sie erzählte Geschichten und ich musste nebenan Schnaufen wie ein alter Gaul. "Alles ok bei Dir?", "ich habe Bauchweh und mir ist übel. Habe das Gefühl, dass ich mich jeden Moment übergeben muss, kann aber nicht". Schon bald sah ich vor mir eine Wand wo sich die Strasse hochzieht. Ein steiler Aufstieg, beim Anblick wurde mir noch übler. Zuhause würde mein Chef sagen: "Thesi, geh nach Hause und erhol dich", ich hatte wirklich einen guten Chef...der ist jetzt aber nicht hier, und das Zuhause ist auch weit weg! Nun gut, mein Plan sah so aus: "ich werde jetzt meine ganze und letzte Energie aufbringen, diesen Aufstieg so schnell wie möglich zu schaffen, Trampen was das Zeug hält, damit ich oben so fertig bin, dass ich mich übergeben kann...danach geht's nämlich besser"! Ich glaube dies waren meine furchtbarsten Kilometer hahaha.

Kurz vor der Anhöhe angekommen, waren da zwei Lastwagen am Strassenrand und die Anderen sassen dazwischen bei Kartoffeln und einer Wassermelone. Ich stellte meinen Göppel ab und legte mich hin ohne die Chinesischen Fahrer gross wahrzunehmen. Der eine zückte aus seiner Tasche irgendwelche rosafarbenen Tabletten und meinte ich solle zwei davon nehmen. Hinten auf dem Blister stand alles nur in chinesisch und ich lehnte dankend ab. Der Andere holte aus seinem Handschuhfach gelbe Tabletten, bei denen war alles in russisch geschrieben, er drängte dass ich eine nehme.

Aber alleine der Anblick der Tabletten liess mich das Essen mit Ausblick nach Afghanistan verlieren. Was für eine Wohltat! Sie boten mir irgend ein Gebräu in einem Colafläschchen an, jetzt ist's mir egal. Oh, schmeckte super, selbsgebrannter Schnaps, genau das Richtige. Ich habe gerade die halbe Flasche geleert. Esse noch eine Kartoffel und schlafe ein. Als ich ruckartig aufwachte sind Stunden vergangen, und der Durchfall kommt zu Besuch und zeigt sich von der übelsten Seite und wir beschlossen uns die Einladung von den Herren anzunehmen und zwischen ihren Trucks zu übernachten. Jetzt zu ihrer Geschichte...

Sie fahren regelmässig von Kashgar, China über den Pamir-Highway nach Dushanbe. Für die Truckfahrer eine grosse Herausforderung! Eine Kunst diese Strasse zu fahren. Viele mussten ihr Leben auf dieser Strecke lassen. Der junge Fahrer hatte Glück...kurz nach der Anhöhe, hätten ihm die Bremsen versagt. Links geht's hunderte Meter in die Tiefe, rechts 1000 Meter in die Höhe. Seine einzige Chance war es, in den Fels zu fahren und zu hoffen, dass der Anhänger ihn nicht runterziehen würde...es hat geklappt! Die Führerkabine war total eingedrückt und somit ein Weiterfahren unmöglich. Er telefonierte seinem Vater, worauf er sich gleich mit dem Lastwagen auf den Weg machte. Im Anhänger dabei: Essen und einen grossen Tank mit Trinkwasser und lauter Reparaturmaterial. Ein paar Tage später habe er dann seinen Sohn erreicht und war natürlich sehr erleichtert ihn lebend in die Arme zu schliessen. Als der Sohn dies erzählte, kamen uns allen die Tränen.

Nun lagen wir also 2 Meter neben der Strasse, zwischen zwei Lastwagen mit einer unheimlichen Geschichte. Es war eine kalte Nacht, windete und ich träumte schlecht. Der Mond verzog sich immer wieder mystisch hinter den Wolken und lugte zwischendurch ganz klar hindurch. Am nächsten Morgen waren wir schon um 05.00 Uhr parat zum losradeln. Wir, vorallem ich, brauche Heute viel, viel Zeit um die 90km zu schaffen. Die Romandies waren sehr rücksichtsvoll und haben immer wieder gewartet, merci beaucoup!

Ich fuhr die meiste Zeit mit Manu zusammen, als wir einmal anhielten, geschah das verblüffende... Innert 2 Minuten standen über 10 Frauen um uns herum, sie hielten uns ein Literglas gefüllt mit Kirschenkompott hin, brachten uns Äpfel aus dem Garten und selbstgebackener Kuchen. Uff, wir konnten dies gar nicht alles essen! Wir öffneten unsere Fronttaschen und sie schütteten die Kuchenstücke lose in die Tasche, es bröselte so richtig und einige waren noch im Fett gebraten. Die Frauen waren ein grandioses Beispiel an Unkompliziertheit ;)

Die Einfahrt nach Khaleikum war einfach schön! Mitten durch das Dorf fliesst ein Fluss, seine Farbe in tiefstem Blaugrün. Nach tagelangem Blick auf den grauen Panj und die verstaubte Luft war dies eine Wohltat für die Augen, kann mich nicht Sattsehen! Die Jungs wollen Morgen früh weiter und ich muss zuerst meine Beschwerden, Magen, Kopf und Knie sortieren. Erneut kommt der Gedanke auf, ob der Pamir wohl nicht doch eine Nummer zu gross für mich ist. Nein, nein des passt schon :) Bin ja schon mitten drin hehe.

In der Nacht ist dann noch das Fieber zu besuch gekommen, ja wenn schon denn schon! Ich brauchte einen Ruhetag und die Anderen sind schon mal weiter gegangen. Das klingt vielleicht jetzt für einige unverständlich, ist aber genau das Richtige! Es ist im Grunde immer noch so, dass ich alleine unterwegs bin und ich mich ihnen zwar anschliessen konnte, worüber ich natürlich sehr glücklich bin, doch es können nicht vier auf jemanden warten. Bis Khorog sind es ca. drei Fahrtage auf zum teil sehr schlechter Piste mit Sand, groben Steinen, wenig Asphalt und so...besonders der erste Tag!

Für mich ist der Fall relativ schnell klar und ich werde mit einem Jeep bis Khorog fahren. Zwei junge Japaner sind im gleichen Homestay und sie haben bereits für Morgen einen Fahrer organisiert und bieten mir an mit ihnen zu kommen, welch ein Glück! Am selben Abend treffe ich noch auf Claire von Paris. Sie fuhr mit einem Franzosen im Auto die nördliche Route, doch kurz vor Khaleikum ist die Brücke eingestürzt als ein Lastwagen darüber fahren wollte. Sie mussten wieder nach Dushanbe zurückfahren und die südliche Route nehmen...700km extra (im Auto;)! Sofort rechnete ich mir aus ob es Simon wohl noch geschafft hat vor dem Einsturz und fragte nach. Nein er kam kurz nach dem Unfall an, die Polizei habe ihn zurückgeschickt. Er jedoch wartete ab und konnte schlussendlich den Fluss mit Seilen und dank einigen Helfern überqueren, uff!

Die Fahrt nach Khorog dauert 9h! Der Fahrer wollte uns aber unbedingt vor der Abfahrt noch in die Vorbereitungen einer Hochzeit einführen respektiv entführen. Als wir dort ankamen, kam es mir vor wie bei einem Ameisenhaufen. Alle waren fleissig beschäftigt und die Königin, also der Organisator sass auf seinem Stuhl und bei Fragen kontaktierte man ihn. Die Arbeiterinnen schmückten die Tische im Garten mit Blumen und stellten kleine, handgemachte Köstlichkeiten auf. Wir wurden an einen Tisch gesetzt um die süsse Verführung zu probieren...einmal durch das ganze Sortiment und zum Schluss noch eine Suppe... Meine Degustation beschränkte sich auf eine einzige Dattel, sie schmeckte gut.

Es wird dunkel sein bis wir in Khorog ankommen! Der Fahrer war sehr freundlich und hält auch immer wieder an... Ca. 60km vor Khorog trafen wir auf einsamer Strasse auf Simon aus Deutschland, er fährt in Schlangenlinie ganz langsam. Wir hielten an, ich stieg aus, ging zu ihm, der Anblick erschreckte mich und wir drückten uns erstmal! "Hey Simon, Du bist super! Es ist nicht mehr weit! Wie geht's Dir? Alles ok?", "Ich bin fertig, kaputt...die Strasse über den ersten Pass war einfach totale Scheisse, ich hab das Abenteuer für's erste gesehen, ich hab Durchfall und war die letzten zwei Nächte bei einer Familie, sie haben mich wieder aufgepäppelt mit irgendwelchen russischen Tabletten". Er sah wirklich nicht gut aus, machte mir Sorgen. "Wir könnten das Fahrrad auf's Dach binden und Du hast im Jeep auch noch Platz!", "Nee, vielen Dank aber ich werd's schon schaffen, wir sehen uns Morgen in Khorog, danke!". Ich drückte ihm noch vier Ricola in die Hand und wir klopften einander auf die Schulter.

Jeder geht seinen eigenen Weg. Endlich angekommen in der Pamir Lodge treffe ich auf Peter aus Germany und Simon aus New Zeeland. Peter ruft schon:"L'eau chaude, Tee is fertich". Tee zu kochen ist seine absolute Spezialität, ob grün oder schwarz, er ist DER Teemeister!

Ich stellte mein Zelt auf und schlief 15h durch. Was hat er wohl in den Tee gezaubert? Ein gemütliches Plätzchen hier, mit viel Grün und vielen Reisenden. Es ist schon wieder Abend geworden, doch wo ist Simon?? Schreibe ihm eine Sms aber höchstwahrscheinlich hat er keinen Empfang. Seit drei Tagen habe ich praktisch nichts mehr gegessen, heute Abend versuche ich es mit ein wenig Brot und Schokolade... Versuch missglückt. Abwarten.

Ich kann mich mit Peter zusammenschliessen und sobald wir beide wieder Fit sind, fahren wir gemeinsam die M41 bis Murgab. Plötzlich sah ich hinter der Mauer das Vorderrad eines Fahrrades mit roten Taschen hervorkommen...es muss Simon sein! Tatsächlich, er hat es geschafft, Toll! Ich bewundere seinen Durchhaltewillen, einfach grossartig! Am gleichen Tag trifft auch Baptiste ein...jedoch alleine, wo sind die anderen drei Romandies der Gruppe? Daraufhin bekam ich eine sehr schwammige Antwort, aber etwas ist krumm gelaufen. Es ist schwierig zu beschreiben, doch man merkt schon wie alle ein wenig angespannt sind. Nicht zu vergessen: Der Pamir ist eine grosse Herausforderung und wohl DAS Highlight zwischen Europa und China...oder überhaupt.

Jeder will es irgendwie schaffen und keiner weiss was ihn wirklich erwartet. Ich persönlich versuche es locker zu nehmen und sage immer wieder zu mir: "Du machsch was Du chasch u dr Räscht machsch ouno irgendwie, das geit de scho!"

Doch zuerst gilt es gesund zu werden und mindestens drei Tage essen zu können und das Essen zu behalten! Ich besorge mir diese russischen Tabletten und werfe drei pro Tag ein, zwischendurch noch ein Bioflorin :) und siehe da, es nützt. Sogleich renne ich zum Inder und gönne mir ein scharfes Curry, sozusagen die Probe ob's hält ;)

Hier noch ein kleiner Ausschnitt aus der Menueliste: Afghani Chicken, 301KCals, 15gm Fat, 3gm Carbs, 33gm Protein, 4 Dollar ;) sind das wohl die Chicken, welche die Grenze überflogen haben und nicht mehr zurück gingen?!

Manu, Sascha und Edouard sind eingetroffen. Super ihr habt's geschafft, chouette! Allen scheint es mehr oder besser gut zu gehen und die Abfahrt wird geplant und Vorräte eingekauft. Doch schon am Abend geht es Sascha und Manu nicht mehr gut. Die Situation ist einfach unberechenbar. Auch Peter hat ebenfalls Probleme mit dem Magen und extreme Gliederschmerzen, dass er kaum Aufstehen oder sich bewegen kann. Da es kaum zum Aushalten ist geht er am nächsten Morgen ins "Spital".

Die Genfergruppe trennt sich nun definitiv. Zwei fahren Morgen ins Wakhan-Valley der Afghanischen Grenze entlang bis Murgab. Somit werden wir wohl eine Vierergruppe auf der M41. Um es noch ein wenig komplizierter zu machen trifft Jeremy von Frankreich ein. Er ist Englischlehrer in China und hat den Pamir bereits schon einmal gefahren.

Ganze neun Nächte habe ich hier verbracht und bin zum Schluss gekommen, dass ich einfach mal gehen muss, ob ich mich nun gut oder weniger gut fühle...hier wird's bestimmt nicht besser da alle krank sind. Am selben Abend erhalte ich per Mail die Hiobsbotschaft, dass es in Bishkek, Kirgistan keine China-Visa mehr gibt!! Was jetzt? Echt? Ein zweites Mail bestätigt mir diese Blockade! China hat vor zwei Tagen die Regeln um ein Visum zu beantragen verschärft...ab sofort gilt: Zuhause, im Heimatland beantragen, 12 Monate im beantragenden Land wohnen haha oder nach Hong-Kong fliegen, dort sollte es noch einfach sein...verdammt! Ich werde in Kirgistan stranden! Sogleich verteile ich die Botschaft im Camp und alle sind geschockt! Gleich wird diskutiert was es für Lösungen und Optionen gibt. Es sollte möglich sein den Pass per FedEx oder DHL nach Hause zu schicken und so das Visum zu beantragen...kein Problem für Europäer doch z.B. die Kiwis müssen persönlich erscheinen bei der Beantragung.

Für mich kommt nur ein Rausfliegen in Frage, da ich am 27.09 in Laos Besuch erwarte. Somit werde ich in Osh oder Bishkek einen Flug organisieren müssen...doch bis dorthin sind's noch ein paar Kilometer. Wir trafen noch auf ein älteres, fites französisches Paar, schon früher haben sie viele Radtouren unternommen jetzt wollen sie sich noch ein Dessert gönnen...den Pamir, radeln auf dem Dach der Welt! Vor vier Tagen sind sie hier in Khorog gestartet... Heute sind sie nach Khorog zurückgekehrt. Die Höhe! Sie übernachteten auf 3900 Metern kurz vor dem ersten Pass. Nach diesem Pass kommt man auf ein Plateau und befindet sich während mindestens einer Woche zwischen 3500 und Maximum 4600 M.ü.M. In der Nacht verspürte er einen Druck auf der Brust und hatte Atemnot. Sie kehrten um. Ich bewundere ihren Mut zutiefst, klar scheint es das normalste zu sein, dass die Gesundheit vorgeht... DOCH: wenn Du kurz vor dem erreichen deines Traumes bist, weit gereist, viel Geld ausgegeben und mit einem Partner zusammen der körperlich parat ist den Traum wahr werden zu lassen und du einfach nicht kannst, weil z.B. die Luft nicht reicht...dann braucht es Mut zu sagen: "Wir kehren hier um!" das ist hart, für beide! Ich ziehe den Hut vor Eurer Leistung, Chapeau!

So, ich sollte zu einem Schluss kommen in diesem Blog... Alles sieht mittlerweilen wieder anders aus: Peter's Weiterfahrt ist ungewiss, Jeremy und Sascha haben das Wakhan in Angriff genommen und ich werde Morgen mit Manu auf der M41 mit einem Abstecher nach Bulunkul in ca. 1 Woche bis Murgab radeln. Und Tschüss ;)

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Salami-Wurscht-Egal!

Oben angekommen...
Oben angekommen...

Jetzt bin ich ja gespannt ob die Zöllner meine dreitäglichen Registrierungen checken... Doch zuerst entlade ich mein Drahteseli, schleppe alles die Treppen hoch, belade es wieder, schiebe es bis zum Bürotisch, entlade es erneut, alle Taschen werden wieder einmal durchleuchtet (hoffe, dass die Grenzleute auch erleuchtet sind), Treppe runter, wieder beladen und zurück ins Büro.

Ach was, keiner interessierte sich für meine Registrierungsfötzelsammlung, hejanusode. Später hörte ich aber von anderen Reisenden, dass tatsächlich ab und zu Stichproben gemacht werden...bestimmt wenn sonst gerade nichts läuft. Diese Grenze ist total komisch und unübersichtlich, es hat unzählige Häuschen und Barrieren die jeweils von einem zu weckenden Wächter von Hand bedient werden. Das Niemandsland zwischen Usbekistan und Tajikistan zieht sich über ca. 700 Meter hin.

In diesen Metern widme ich mich meinem jeweiligen Grenzritual :) ich spreche mit der Strasse und danke ihr, dass sie mir die Fahrt durch das letzte Land ermöglicht hatte, freunde mich mit dem neuen Strassenboden an und sage: "Hey Du liebe Tajikroad, ich weiss, dass Du diejenige bist, die mich am meisten fordern wird auf meinem Trip...doch zusammen rocken wir das schon gell!!".

An der Tajik Grenze geht's dann ganz locker zu und her. Der Barrierenchef begleitet mich gleich in die Eingangshalle wo er mir Fotos vom Pamir zeigte. Zum Glück haben meine Beine keine Augen...

Die Fotos sind auf einem riesigen Plakat und im unteren, linken Ecken steht weiss auf schwarz "Schweizerische Eidgenossenschaft". Jetzt ist die Zeit gekommen die Schweizerfahne wieder zu montieren! Sie war stets in meiner Tasche, ab sofort ist sie nun an vorderster Front um die Lenkertasche gebunden. Der Mann staunte nicht schlecht ab meinem Kunstwerk und sagte nur: "you magic?" Darauf hin zeigte er mir die Tajikflagge auf einem anderen Plakat und deutete auf meine Tasche, nein mein lieber, der Trick funktioniert nur einmal :)

Die Zöllner sind super nett und alles geht ruck zuck, zack zack! Die staubige, steinige Holperpiste bis in die Hauptstadt Dushanbe kostete mich Zeit und ein paar Nerven. Dummerweise habe ich gestern vergessen die Adresse vom Hostel Adventures Inn aufzuschreiben. Oh ich werd's schon finden. Nach 90 Minuten suchen und herumirren bin ich müde, praktisch keiner versteht Englisch und überhaupt keiner kennt das Adventures Inn. Ich setzte mich hin und überlegte wo ich Menschen finden kann, die Englisch sprechen! Im Luxushotel Hyatt! Also gut zurück ans andere Stadtende und rein in die gute Bude. In Vollmunter mit dreckigen Hosen und Helm auf dem Kopf stehe ich an der Rezeption vor den schön gekleideten Herren. Nein, nein keine Angst ich will kein Zimmer, nur eine Wegbeschreibung. In perfektem Englisch gab er mir zu wissen, dass er noch nie von diesem Hostel gehört habe (wie auch, kostet ja nur 5$ die Nacht!).

Aber er werde im google nachschauen...und siehe da, tatsächlich. Er druckte mir ein Plan aus, wo das Hostel zwar nicht mehr drauf war aber zumindest die Richtung, vielen Dank und tschüss. Das ist jetzt fast ein wenig peinlich...aber trotz Plan kann ich es nicht finden. Bin genervt, müde und habe heiss. Ich setzte mich mitten auf's Trottoir, brauchte einige Minuten um runterzufahren und rufte Mama an. Es tut soo gut mit ihre Stimme zu hören, vermisse sie! Doch sie weiss auch nicht wo das Hostel ist ;)Schlussendlich schrieb ich Simon eine Sms ob er mich lotsen könne. Keine fünf Minuten später steht er neben mir lacht und sagt: "ich hab's auch nicht gefunden, mach dir keinen Kopf!"

Es ist tatsächlich wie ein alter, verstaubter Schatz versteckt! Innen glänzt es auch nicht, also doch kein Schatz. Im Vorgarten stellte ich mein rotes Haus auf. Ich treffe auf alte Bekannte von Samarkand, natürlich haben wir uns einiges zu berichten :) Es war eine kurze Nacht und  noch eine kürzere Dusche hinter dem Plastiktischtuch mit dem Gartenschlauch. 

Heute ist der 1. August, und wir haben allen Grund zum Feiern! Haben wir?? Ja klar! (und Papa haette Geburi, Alles Gute und ich lasse ein paar Gabeln Roesti fuer Dich auf dem Teller, einverstanden?). Wir fünf Schweizer laden das ganze Hostel auf eine Käserösti ein. Mit Einladen alleine ist's ja nicht gemacht und wir hatten den ganzen Tag zu tun. Kartoffeln und Zwiebeln waren schnell gefunden, mit dem Käse happerts...haha doch ganz nach dem Motto: "Geduld bringt Käse", fanden wir doch tatsächlich in Dushanbe Emmentalerkäse, ein Prost auf die Emmentaler Hügel mit dem saftigen Gras und den Kühen... und den Bauern... und den Käsereien!

Im Hostel werden 4kg Kartoffeln gekocht, geschält und gehackt...wir armen haben nicht einmal eine Raffel :/ Ja ihr könnt jetzt schon lachen, aber hackt mal 4kg Rösti! Zu viert belegten wir die Küche, hängen meine Schweizerfahne, welche ich in Kandersteg noch geschenkt bekommen habe über das Waschbecken und wir lassen die Kartoffel zu einer goldbraunen Rösti heranbruzeln. Da wir ja alle "Etappen" lieben, servieren wir auch in Etappen. Die Freude ist gross und das Nationalgericht wird International in höchsten Tönen gelobt.

Gut genährt wird es langsam ruhig im Adventures Camp, jeder verzieht sich in sein eigenes Häuschen, in die 2m längliche und 1.30m breite Privatsphäre. Ich überlege mir an was die Anderen wohl so denken. Die einen planen vielleicht in Gedanken den nächsten Tag, lassen den heutigen Revue passieren, vermissen ihre liebsten Zuhause, weinen, hören Musik, schreiben Tagebuch, schauen Fotos an, suchen die Taschenlampe im Fadechörbli oder reissen den Reissverschluss in Windeseile auf um rechtzeitig auf der Toilette zu sitzen... Letzteres zieht sich über die ganze Nacht hindurch, es trifft tatsächlich jeden!

Das Wasser ist das grosse Problem! Wassermelonen ist ein absolutes Tabu, Früchte und Gemüse sind mit höchster Vorsicht zu verzehren! Das Wasser ist mit Typhus verseucht! Ein bekanntes Problem in dieser Gegend. Den ganzen Tag hindurch sehen wir immer wieder grosse, weisse Geländewagen von Hilfsorganisationen. Tajikistan ist das ärmste Land der 'stans. Aber zurück zum Wasser... Die Zähne werden mit Flaschenwasser geputzt und während dem Duschen mit dem Gartenschlauch, schliesse ich den Mund für einmal über mehrere Minuten komplett!

Trotz Vorsicht, kriege ich am nächsten Tag Bauchkrämpfe und bringe keinen Happen mehr runter. Die Toilette ist Dauerbesetzt, gebührenpflichtige Toiletten würden hier absahnen!! Wir verlängern unseren Aufenthalt um einen Tag und haben somit noch genügend Zeit um Essen für die nächsten Tage einzukaufen. 1kg Haferflocken, 1l Benzin, Milchpulver, Reis, Nudeln, Zwiebeln und die schwärzeste Schokolade die wir finden können! Damit sollten wir bis Khaleikum durchkommen. Gegen 16.00 Uhr fahren wir los und das Ziel ist es, bis kurz unter den ersten Pass zu radeln, gemütliche 40km. Wir stellten unsere Zelte auf einem grossen Feld auf und genossen den Sonnenuntergang. 

Obwohl wir zu fünft unterwegs sind, fühle ich mich an jenem Abend das erste mal einsam. Frage mich gerade, ob dies Platz in einem Blog haben soll/kann?! Denke schon, hab ja bis jetzt auch alles ehrlich geschrieben.  

Also, die vier Remandies haben es lustig zusammen, sie lachen und erzählen sich Geschichten...natürlich nur in Französisch. Innerlich nerve ich mich zutiefst, dass ich nicht einen sechstel davon mitbekomme, ich nerve mich ab mir selbst, nicht ab ihnen! Warum habe ich diese unzähligen Stunden Französisch nicht genutzt!! Ganze sechs Jahre in der Schule und drei während meiner zweiten Ausbildung und dann noch, darf's kaum sagen, 5 Monate in La-Chaux-De-Fonds!! Wo sind diese Stunden nur geblieben? Frage mich ob es verlorene Zeit gewesen ist? Ich gehe ins Zelt und der Gedanke lässt mich nicht los, steigere mich immer tiefer in das doch soo kleine Problem! Suche nach dem Warum? Die Antwort habe ich schnell gefunden, es war meine Einstellung und mein Kopf der sich irgendwie immer wieder gegen dieses Fach gesträubt hat, so blöd!

Ich hätte es gratis haben können...jetzt zahle ich mit Gefühlen dafür! Wenn ihr dies nun Zuhause liest, kann ich mir drei verschiedene Gedanken dazu vorstellen: 1. Ach komm, dass ist jetzt wirklich nicht so schlimm! 2. Ha, mir geht's genau so, hab auch alles vergessen. 3. Tja, das ist nichts neues, dass man für sich lernt!

Ich drehe jetzt das ganze in meinem Kopf mal um und probiere doch noch was positives aus dem ungelernten zu ziehen, muss schliesslich heute noch mal einschlafen... "Wenn's unbedingt sein muss, wirst du das Französisch schon noch lernen und wenn nicht ist's mir auch recht ;) Genau diese Situation musste kommen damit du eine andere wichtige Lektion lernst". Für mich ist es selbstverständlich, wenn auch nur eine Person die Sprache der anderen nicht versteht, dann wird Englisch gesprochen. Gar keine Frage Punkt, Ausrufezeichen

Das ist eine reine Stilfrage! Doch von ihnen zu verlangen, Englisch zu sprechen, dass mache ich nicht, dies müssen sie selber merken und wollen! Doch ich kann lernen mit dieser Situation umzugehen: in einer Gruppe zu sein, grob gesagt als Aussenseiter und nich das Gefühl zu haben etwas ändern zu wollen, denn das Problem liegt bei mir und nicht bei den Anderen, also muss ich was ändern!

Konkret heisst dass, wenn es um organisatorisches geht, frage ich in stets freundlichem Ton nach: "habt ihr jetzt gerade beschlossen, wo wir übernachten werden?", "warum machen wir hier halt? Ach so, ihr wollt einkaufen". 

Ja es gibt unzählige Beispiele. Natürlich sind die drei jungen (18 und 19 Jahre) Jungs genervt mir alles noch in Englisch zu sagen und tatsächlich hat Manu ab dem dritten Tag mir alles wichtige und organisatorische übersetzt. Ihr seht mein Französisch ist wirklich auf dem untersten Niveau, aber wenn ich gut zuhöre und schnell genug höre, werde ich in den nächsten Tagen bestimmt noch den einen oder anderen Satz lernen. Es ist schon seltsam, wir kommen alle aus der kleinen Schweiz und können nicht einmal miteinander kommunizieren...

Ein weiteres mal werde ich mir bewusst wie mich meine Reise fordert, nicht nur körperlich! Doch das ist genau richtig so, deshalb bin ich ja unterwegs, ich will die Herausforderungen, ich will Weiterkommen und zwar nicht nur auf der Weltkarte, sondern auch auf der Karte des Lebens. So fertig philosophiert...

Doch die nächste Lektion steht schon auf dem Programm, kurz nach der Abfahrt beginnt die Steigung zum Pass. Fühle mich nicht zu 100% fit, muss stetig hinter einen Stein rennen und kann die Anderen schon lange nicht mehr sehen. Der Gedanke, dass sie auf mich warten müssen quält mich zuerst ist mir aber schon bald Salami-Wurscht egal! Kurve um Kurve schlängelt sich die Strasse den Berg hoch, denke an nichts. Es ist so still, dass ich das Tropfen meiner Schweissperlen auf dem Edelstahlrahmen hören kann. 

Mein rechtes Knie beginnt zu reklamieren, innert 10 Minuten wandelt sich das "spüren des Knies" zu einem heftigen Schmerz aus. Bin bereits in einem sehr tiefen Gang, schalte nun aber in den tiefsten, nur noch 4kmh! Plötzlich fühlt es sich an wie jemand mit dem Messer von der Aussenseite voll reinstiehlt. Ich muss halten, absteigen und mich hinsetzen. Als ich ein paar Schritte gehen will, und ein wenig Dehnen, bemerke ich wie ich das Knie kaum beugen kann. Mist, grosser Mist, Misthaufen!! Doch was tun? Ich muss weiter, schmeisse eine Ladung Perskindol drauf und probiere mich auf was ganz anderes zu fokussieren. Probiere alle Kraft in das linke Bein zu pushen.

Irgendwie schaffe ich es bis auf die Passhöhe, wo die anderen bereits fein aussehende, saftige Trauben essen. Da lass ich gleich mal die Finger davon!

Da der Präsident im nächsten Dorf jeweils seine Ferien verbringt, ist die Strasse in einem perfekten Zustand, die Abfahrt wird so zum reinsten Genuss! Und die Aussicht ist einmal mehr atemberaubend. Freie Sicht auf einen See in welchem sich die Felsen spiegeln.

Wir finden sogar einen tollen Platz am Fluss um unser Zelt aufzustellen...die Mücken haben auch ihren Spass, bonne nuit!

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"Hakuda?", Hakuna matata!

300 Meter vor der Grenze ist noch ein letztes kleines Dörfchen, die Häuser sind alle aus Lehm gebaut. Ich fahre einfach mal drauf los und hoffe mein Palatka, Zelt bei einer Familie im Vorgarten aufstellen zu können. Gleich beim ersten Haus sehe ich drei Kinder spielen, ein gutes und einfaches Zeichen ein Plätzchen zu finden. Sie rennen gleich zu mir hin und testen die Schildkröte, diese reisst mit ihrem gequitsche dann gleich die Mutter aus dem Mittagstiefschlaf. Sie schaut mich mit grossen Augen an und vielleicht fragt sie sich ob sie träume :)
Mit Händen und Füssen und meinem super Ohne-Wörter-Buch frage ich nach einem Platz für die Nacht. Scheint kein Problem zu sein, sie richtet gleich ein paar farbige Matten auf dem Boden zurecht und deutet darauf. Spasiba, Rachmad, thank you! Darauf hin bedankt auch sie sich bei mir...für was?
Unter den gespannten Augen von 8 Kindern, beginne ich mein Fahrrad zu entladen, 4 Kinder sind der Gastgeberin und vier sind noch dazukommen aus der Nachbarschaft. Die Mutter sagt was zu den Kids, woraufhin sie mir sofort helfen die Taschen die 3 Treppenstufen hoch zu tragen.  
Ich bedanke mich für die wunderbare Liege. Erneut deutet sie auf die Matten...hmm soll ich denn jetzt schon um 14.00 Uhr schlafen gehen? Vielleicht meint sie, dass ich mich erst einmal erholen soll? Bin aber nicht müde! Nun gut, sie besteht darauf und ich mache einen Mittagsschlaf unter Beobachtung der ganzen Familie...wohl noch nicht so viele Touristen hier gewesen, komme mir vor wie eine Ausserirdische, die mit dem bepackten Fahrrad von einem anderen Planeten über die Milchstrasse direkt an die Usbekische Grenze katapultiert wurde.
Wieder bei Sinnen fragt sie mich: "Hakuda?" Hakuna Matata! Hihi. Sie beginnt zu lachen und das Eis (welches es hier nicht gibt) ist definitiv gebrochen. Hakuda heisst soviel wie: "Woher kommst Du". Eben aus Matata, dem fremden Planeten. Sagt ihr übrigens mehr als die Schweiz! Auf der Karte zeige ich ihr den kleinen Flecken Freiheit und sie kann gar nicht fassen wie weit weg dies ist und als ich ihr sage, dass ich mit dem Fahrrad von Zuhause bis hier hin geradelt bin, holt sie gleich Brot und Honig, jaja nach solch einer Fahrt braucht Frau eine Stärkung...auch wenn sie nicht die ganze Strecke in einem Tag geradelt ist ;)
Mit der ganzen Familie sitze ich vor dem so einfachen Häuschen und erneut wären ein paar Russischkenntnisse so wertvoll...
Die Kinder sind natürlich gwundrig was denn so alles in den Taschen verstaut ist. Gute Idee von den Kids, dazu braucht es nämlich nicht viele Worte! Also Packen wir alles mal schön, oh nein nichts von schön, alles durcheinander aus. Meine Güte was ich alles dabei habe, bin selber geschockt. Immer noch dieser griechische Dosenfisch, ha und "Wiibeeri" von der Migros, ein "Mulörgeli" gegen Langeweile...noch nie gehabt respektiv! Regenkleider, seit Monaten nicht mehr gebraucht, und da ist ganz zuunterst noch meine Seelenbox mit all den kleinen Glücksbringern von meinen Freunden, an dieser Box hatten sie am meisten gefallen. Der eine Knabe griff nach dem Bergkristall welche mir eine gute Freundin mitgab. Er hielt ihn zur Sonne hin und schaute ganz gespannt hindurch, oh am liebsten hätte ich ihm diesen Geschenkt, doch das konnte ich nicht. Eine langjährige Freundin gab mir einen selbstgemachten Traumfänger mit. Das Mädchen hielt in hoch und brachte die Federn mit ihrer Puste ins Taumeln. Ich sass daneben und war den Tränen nahe. 
Eine Frau lief am Haus vorbei, sah mich, blieb stehen und lachte übers ganze Gesicht. Mama Usbek, winkte ihr zu für einen Cay. Sie kam von der Arbeit auf dem Baumwollfeld zurück und die Stofftasche ist gefüllt mit frischen Baumwollballen. Sie redete nonstop und stellte der Mama so viele Fragen und schaute immer wieder zu mir. Die Fragen blieben wohl unbeantwortet. Sie zeigte mir ihre Ernte und ich fragte irgendwie wie es jetzt weiter geht mit der Baumwolle. Die Antwort bekam ich während einer ganzen Stunde über...

Zu dritt zerrten wir die Wolle ganz vorsichtig auseinander bis wir den Samen von der Wolle trennen konnten. Uff, eine sehr mühsame Arbeit und meine Haut an den Fingern war nach nur einer Stunde extrem Rau. Wir verglichen unsere Ergebnisse und beim Anblick meine Resultates hatten beide was zu lachen...ich war nur sprachlos! Ich habe nicht ein Drittel von ihnen geschafft. 

Sie lud mich gleich auf Kirschenkompott bei sich Zuhause ein,  Mama Usbek nickte und gab mir zu deuten, dass Nachtessen in zwei Stunden ready sei. Der Kompott war herrlich, sie zeigte mir ihre zwei Zimmer die sie in ihrem Lehmhaus hatte... Aus ihrem Garten schnitt sie die letzte Honigmelone ab und schenkte sie mir... 
Ihre Nachbarin hat wohl bemerkt, dass etwas ungewöhnliches Nebenan vor sich geht und schaute gleich vorbei. Sie ist die Lehrerin im Dorf und lädt mich gleich zum Cay bei ihr Zuhause ein. Haha ich gehe von Haus zu Haus, komme mir vor wie der Samichlaus. Der Unterschied ist, dass ich im Gegensatz zum Samichlaus überall verköstigt werde, oh es gibt dann noch Nachtessen!!

Am Schluss war ich bei 7 Familien zu besuch, habe 7 verschiedene Lehmhäuser gesehen, insgesamt 1 1/2 Liter Tee getrunken, bin satt, hatte einen kurzen Ausritt auf einem Esel und unbeschreibliche Gastfreundschaft erlebt. Doch jetzt muss ich nach Hause, Abendessen wird wohl schon parat sein, wie soll ich das nur runterbringen? Ablehnen ist höchst unhöflich! Hoffentlich gibt's bloss ein wenig Salat...ha denkste, die ganze Familie ist in der Küche und bereitet ein regelrechtes Festessen vor! Ein Kübel voll Plov, Reis mit ca. 10 gekochten Eiern, frisches Brot im Steinofen gebacken und eine riesen Wassermelone in Stücke geschnitten...Bon Appetit! 
Bevor es jedoch losgeht kommt ihr Mann nach Hause, er begrüsst mich kurz, verzieht sich im Kämmerchen und kommt mit einem frischen Hemd wieder hinaus. Wir sitzen alle am Boden und es wird ordentlich geschöpft. Nach einer Weile beginnt der Mann mir eine Frage zu stellen, natürlich in Russisch. Er wirkte ein wenig scheu, und hält den Blickkontakt für höchstens zwei Sekunden. Bin irritiert. Doch Mama Usbek weiss rat und zückt ihr Handy, sie will ein Foto von uns beiden machen.

Mit dem ersten ist sie nicht zufrieden, sie gibt ihm Anweisungen, dass er näher zu mir rücken soll. Zweiter Versuch, wieder nicht zufrieden, sie fordert ihn auf, sein Arm um meine Schulter zu legen...jetzt wirds spannend, er zögert, sie fordert und Papa folgt den Anweisungen. Mit dem perfekt gestellten Foto ist sie nun zufrieden, phu geschafft und sie konnte das Eis brechen :)
Der Reis war übrigens sooo super fein und ich möchte nur noch eines: mich hinlegen und schlafen... Nichts da, sie will mich in traditionelle usbekische Kleidung einkleiden. Sie plündert ihr Schrank bis sie das beste Stück gefunden hat, schickt mich ins Kämmerchen und durch den kleinen Holzspalt sehe ich wie die ganze Familie gespannt davor sitzt. Kleid passt, Tuch wie ein Pirat gebunden, raus geht's auf den Laufsteg...Barfuss ;)
Sie lachten und hatte grossen Spass, sie meinte dann: "You Usbek!". Ja wir hatten es wirklich lustig. Bevor ich zu Bett ging, schrieb sie auf einem Blatt Papier das heutige Datum, ein Bindestrich bis zum Datum Heute in einem Jahr, zeigte auf mich, dann auf das Haus... Dies war wohl eine Einladung, dass ich ein Jahr hier bleiben kann...bin sprachlos!
Schlafe so gut wie schon lange nicht mehr. Am nächsten Morgen ist bereits ein grosses, einfaches Frühstück parat. Heute werde ich nach Tajikistan einreisen. Es gilt alles wieder schön einzupacken. Jetzt das unfassbare, die 7 Familien von gestern kamen alle vorbei um mir Adieu zu sagen. Das Fahrrad bepackte ich ganz langsam, weil ich eigentlich nicht gehen möchte doch einmal mehr entscheidet die Zeit des Visums...

Das ist doch einfach der Wahnsinn: ich kenne diese Leute weniger als 24 Stunden und sie sind mir so schnell ans Herz gewachsen...Mama Usbek drückt mich fest und beginnt zu weinen, ja auch mir kugeln erneut Tränen runter. Um diesen Moment nicht noch schwieriger zu machen montiere ich schnell den Helm, die Sonnenbrille und steige auf's Fahrrad. Mama Usbek rennt blitzschnell ins Haus und die anderen geben Zeichen, dass ich warten soll. Sie kommt zurück und drückt mir das schönste Kopftuch welches sie finden konnte in meine Hände. Bin überfordert. Weine und kann nicht weiterfahren, möchte ihr sagen, dass ich sie und ihre Familie tief im Herzen habe und niemals vergessen werde...kann aber nicht. Zeige mit meiner Hand auf sie dann auf mein Herz. Sie versteht. Nun binde ich das schöne Tuch um meinen Lenker. Es fällt mir dieses mal besonders schwer nicht zurück zu schauen...

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Eine Motor- und eine Duschinfusion...

Heute wollten wir um 07.00 Uhr losfahren...aber ihr könnt euch sicher gut vorstellen, dass es mit vier Romandies locker 08.30 Uhr werden kann. Beim Shop um die Ecke tankten wir noch je 3 Liter Wasser, heute haben wir nämlich einen Pass auf unserer Route bis Shahrisabz. Gleich auf den ersten Kilometern verfahren wir uns, aber mit Genfer macht man ja gerne einen kleinen Umweg.
Ich bin ja gespannt wie es funktioniert in der Gruppe zu fahren. Kurz vor dem Pass legen wir die grosse Mittagspause ein, da es bereits wieder 40 Grad ist. Gleich werden gefüllte Teigtaschen aufgetischt und mir ist es wieder einmal zu heiss um zu essen. Schlussendlich drücke ich eine bereits kalt gewordene Tasche runter,  im Gedanken, dass sie mir später Energie geben wird. Gleich merke ich beim Anstieg, dass ich über eine Woche Pause hatte, ich muss schnaufen wie ein altes Pferd. Schon verrückt wie schnell der Körper umschaltet auf "Nichts tun". Doch er wird bald merken, dass er wieder auf Radelmodus umschalten muss :) 
Nach zwei Stunden ist der Pass geschafft und auf der Höhe ist ein kleiner Freiluftmarkt. Getrocknete Aprikosen und Nüsse werden angeboten. Wir setzten uns hin und als ich meinen Helm abzog, kam der eine Usbeke zu mir und setzte mir seinen traditionellen Hut auf. Wir tauschten also Hut gegen Helm, Tradition gegen Sicherheit! Das Fahrrad war ihm dann doch zu unheimlich und ganz feierlich setzte er mir wieder den Helm auf.
Die Aussicht von hier ist einzigartig und man sieht richtig in die Weite. Uuu jetzt freue ich mich auf die Abfahrt...sie ist von unzähligen Schlaglöchern geprägt und somit können meine Bremsen zeigen was sie drauf haben...nämlich einen super Belag. Ach noch zum Thema Bremsen, im Gegensatz zu den meisten Tourenfahrer welche mit V-Bremsen fahren, bin ich mit hydraulischen Scheibenbremsen unterwegs und ich bin super zufrieden damit! Die ziehen immer und bis jetzt musste ich erst einmal die Beläge wechseln.
In Shahrisabz gibt es ein Hotel das überteuert ist und es gibt ein kleines aber feines Guesthouse, welches versteckt ist und nur schwer zu finden. Wir sind zufällig dran vorbei gefahren als der kleine Mann uns zu sich winkte. Im Innenhof sitzen bereits vier Franzosen und ein Deutscher. Es gibt hausgemachte Suppe, Melonen und Biscuits. Am Tisch wird vorwiegend Französisch gesprochen und ich frage mich, was ich in all den Französischstunden in der Schule nur gemacht habe?!
Somit komme ich leicht mit Peter ins Gespräch. Er ist auch mit dem Fahrrad unterwegs, er hat ein rotes und ist in Venedig gestartet. Warum in Venedig? Ha, weil es im März in Deutschland noch zu kalt ist! Er schliesst sich morgen unserer Gruppe an, also werden wir zu sechst unterwegs sein...falls jetzt jemand doch noch gluscht auf den Pamir hat, wir nehmen jeden auf der strampelt.
Manu kommt aus der Dusche und sagt nur: "L'eau froid". Wir Damen geniessen den stetigen Vortritt wenn es eine Dusche hat. Als ich im Duschbunker stand, den einen Hahnen öffnete und dann noch den anderen, sprudelte da richtig heisses Wasser...hmm aussi L'eau chaude höhö!
Mehr oder weniger pünktlich starteten wir den nächsten Fahrtag. Heute ist es flach und sehr heiss. Meine Nase läuft stetig und die Augen brennen. Frage mich kurz, was um Himmels Willen ich hier nur mache...
Die kurzen, grauen Hosen werden langsam weiss und hart vom ausgeschwitzten Salz. Es ist wieder Pausenzeit. Auf der anderen Strassenseite hat es ein Teehaus, Manu und Sascha sind jedoch von Übelkeit geplagt, dass sie die Strasse nicht mehr überqueren können und sich unter den nächsten Baum legen. Nach vier Stunden Schlaf ist an ein Weiterfahren nicht zu denken. Eduard hat mittlerweile auch Magenprobleme. Wir beschliessen zu dritt weiterzufahren und die anderen werden mit einem Transport bis nach Ghuzar kommen. Dort werden wir uns wieder treffen. Nach drei harten Fahrstunden erreichen wir das verlassene Dörfchen in welchem es jedoch ein Springbrunnen hat. Am liebsten würde ich reinspringen doch unter den Blicken von gespannten Usbeken tauche ich lediglich meinen Kopf im kühlen, dreckigen Nass.
Es ist bereits dunkel und wir finden Unterschlupf im Garten einer Familie. Die eine Tochter ist mitten in den Hochzeitsvorbereitungen, ihr künftiger Mann zieht für uns gleich mal das Kleid der Braut an, hey war das ein Gaudi :) Zu später Stunde traf die zweite Hälfte unserer Gruppe ein, ohne was essen zu können, legten sie sich hin und zehretn vom Gesundheitsschlaf. Die gut gelaunte Mutter backte frisches Brot im Steinofen und bewirtete uns mit allem was sie im Kämmerchen finden konnte. Auch die Mücken sind hier sehr aktiv und mein Antibrumm macht die Runde.
Um 05.00 Uhr sind wir parat zum weiterradeln...Manu, Sascha und Eduard sind nicht gut zwäg, sie werden mit einem Truck bis zur Grenze fahren und wir werden uns in ein paar Tagen dort treffen.
Die ersten paar Kilometer mit 12% Steigung, aber perfekter Strasse hatten's in sich. Bereits nach 4h ist die Hitze erneut unerträglich, doch da ist weit und breit kein Schatten. Am liebsten würde ich mich einfach hinlegen, einschlafen und an einem Strand wieder aufwachen. Wenn ich nach Hause komme werde ich mir als erstes ein Jahresschwimmabo kaufen, oh wie cool ist dass denn!!! Bis es jedoch soweit ist, heisst es weiter strampeln bis ein Schattenplätzchen kommt.
Weit vorne sehe ich ein kleines Einmann Häuschen, zu dritt quetschen wir uns in den Schatten und schlafen ein. Die Sonne wandert ums Häuschen und weckt uns auf, nach weiteren 10 Kilometern müssen wir wieder pausieren, diesmal an einer Bushaltestelle, die gibt es hier tatsächlich...Busse aber keine :) Erneut schlafen wir ein und als ich die Augen öffnete, starren mich 6 Augenpaare von neugierigen in Fussballshirts gekleideten Jungs an. Sie posieren wie grosse Stars und mit ihrer lockeren Art motivieren sie uns irgendwie zum Weiterfahren.
Im nächsten Dorf ist jedoch für Baptiste und mich  ende. Sein Magen kehrt sich und mein Knie reklamiert. Zeit für einen Transport ins nächste grosse Dorf. Baysun ist ca. 80km entfernt. Peter zieht alleine weiter, doch wir werden uns Morgen irgendwo wieder begegnen. Es ist immer ein komisches Gefühl einen Transport zu nehmen, es braut sich eine Art schlechtes Gewissen zusammen...sobald ich diese Gefühl habe, sage ich mir: "common, du hast Dich so entschieden, bereue deine Entscheidung keine Sekunde, geniess die Fahrt im Truck denn dies ist auch immer ein spezielles Erlebnis!" 
Am Strassenrand warten wir bis ein Laster vorbeikommt welcher unsere zwei Bikes und 12 Taschen mitnehmen kann. Unzählige Autos halten an und beschenken uns mit Liquid...mit drei Litern Bier stehen wir nun da, bei 52 Grad...Nastrovje!  
Eeendlich kommt ein grüner alter Sowjetlaster, noch aus Holz und bis zuoberst mit Wassermelonen gefüllt. Wir sehen no way, dass unsere Göppels hier irgendwie verstaut werden könnten, er meinte nur: "No problem, no problem". Oh Gott, wir schauen dem Geschehen zu, wie unter anderem unsere Pedale sich in die harte Haut der Melonen quetschen. Eine Melone scheint den Platz für die letzte Tasche zu blockieren, da gibts nur eine Möglichkeit: Aufessen :)
Zu dritt sitzen wir nun auf den zwei engen Sitzen, der Schaltknüppel zwischen Baptist's Beinen und über 20  1.5 Liter Flaschen Flusswasser auf meinen Knien. Meine Aufgabe ist es, sobald es eine Steigung hat, das Wasser in die umgekehrte, aufgeschnittene Colaflasche über dem Armaturenbrett zu schütten. Das Wasser fliesst über ein kleines Schläuchen direkt zum Motor um diesen zu kühlen. Praktisch wie eine Motorinfusion :) Die Strasse wird immer schlechter und endet im gröbsten Pistenzustand. Da braucht auch der Fahrer mal eine Pause und somit verdrücken wir die zweite Wassermelone welche einfach köstlich ist. Ein paar hundert Meter vor dem Polizeicheckpoint steigt der eine aus, es ist wohl nicht erlaubt zu viert in der Kabine zu sitzen... Der kleine Polizist mit überdimensionalem Hut will unsere Pässe sehen...Mist, meiner ist noch in der Tasche irgendwo zwischen den Melonen! Kein Problem meint der Fahrer und liefert als Bestechung eine Melone im Kontrollhäuschen ab, uff ist also immer praktisch ein paar Melonen dabei zu haben. Um die Registrierung kommen wir aber nicht rum, dafür schreibe ich meine Daten grad selber ins goldenen und so heilig erscheinende Buch rein.
In Baysun angekommen quartieren wir uns ins einzige, total runtergekommene Hotel. Baptiste legt sich noch in voller Montur gekleidet ins Bett und schläft bis am nächsten Morgen samt Schuhen durch. So eine Dusche wäre jetzt schon edel, doch Wasser kommt keines aus dem Hahnen, das kostet wohl Extrazuschlag...hmm wo ist wohl der Hotelherr geblieben...keiner mehr da?
Also esse ich eben zuerst ein saftiges Schaschlik mit Tomatensalat. Plötzlich gesellt sich der Hotelherr zu mir und wir trinken zusammen einen Tee. Ich fragte ihn nach Wasser für eine Dusche :"oh, yes, no problem". Kurzum organisiert er den Gartenschlauch des Nachbarn, montiert ihn draussen an einem Hahnen, zieht den Schlauch mühsam durch das Zimmerfenster, über die Duschstange und fertig wäre das Kunststück. Sieht super aus, mit dem ganzen Schlauch quer durchs Zimmer aber Druck ist da beim besten Willen nicht drauf... Hmm, ein längerer und grösserer Schlauch wird organisiert, komme mir vor wie an einer Feuerwehrübung aber siehe da, tatsächlich no problem und das Nass tröpfelt aus dem Schlauch. Heute also gleich zwei Infusionen: Motorinfusion und Duschinfusion.
Morgens um 08.00 Uhr geht es Baptiste wieder besser und wir nehmen uns die 100km bis zur Grenzstadt Denau vor. Von der Landschaft her ist dies mit Abstand die schönste und abwechslungsreichste Strecke welche ich in Usbekistan gefahren bin. Von der Steinwüste über grosse Canyon's bis hin zu einem Pass. Die Auffahrt war zwar auf bitterschlechter Strasse doch die Abfahrt einfach unbeschreiblich, mit 57kmh konnten wir runterdonnern. Da hab ich immer das ultimative Freiheitsgefühl, der Wind der dir ins Gesicht peitscht, die Landschaft welche an dir vorbei saust und das Wissen, das alles was du zum Leben brauchst, sich dank deiner Balance durch die Weld gondeln lässt, ist doch einfach genail! 
Beim nächsten Teehaus machten wir halt und pausierten. Und wer kommt da plötzlich angeradelt? Der gute Herr Radiologe Peter, welch eine Wiedersehensfreude! Mit seinem Röntgenblick sieht er gleich, dass es uns wieder viel besser geht :) also los nach Denau! Es geht auf und ab und es ist heiss und schon bald wieder brauchen wir eine Pause höhö. Diesmal im Schatten eines Autos, welches eine Panne hat. Ich lege mich auf den Asphalt und stehe blitzartig wieder auf, gopf ist dieser heiss!
Hinter einem Stein finden wir ein wenig Schatten. Als wir weiterfahren wollten hatte Peter nach nur ca. 200 Metern eine Platte. Gut, wieder zurück zum Stein und was wir da einst fluchten wollt ihr erst gar nicht wissen!
Platte geflickt, ausgeflucht und weiter geht's. Die Landschaft verändert sich langsam und grüne Felder sind zu sehen. Nicht mehr weit bis Denau und nicht mehr weit bis es dunkel wird... Wir beschliessen uns die Leuchtwesten anzuziehen da abends viele betrunkene Fahrer unterwegs sind. Die letzten 10 Kilometer bei absoluter Dunkelheit war ein Höllenritt. Doch wir haben es bis ins  tief gesunkene Hotel Denau geschafft und legen uns als erstes todmüde ins Gras.
Die anderen sind schon dort und  besorgen uns gleich was kaltes zu trinken, ohh es braucht soo wenig um glücklich zu sein, manchmal nur etwas kaltes zu trinken! Das Hotel ist der absolute Albtraum, schmutzige Zimmer, ein einziges Klo für alle in welchem noch eine Ratte haust und eine stinkende Dusche im anderen Gebäude. Um dort Duschen zu können muss man mindestens drei mal darum bitten bis die freche Dame den Schlüssel rausrückt, wenn an einem Tag aber bereits vier Personen geduscht haben wird es ziemlich schwierig sie zu überzeugen, dass die ungeduschten auch ein bisschen Wasser möchten. Daraufhin versucht sie 100 Som extra zu verlangen, frechheit so was ;) da hilft nur eines: hart bleiben, stur vor dem Duschhäuschen sich hinsetzten und keinen Cent rausrücken! Sie wird sich in ein paar Minuten erholen und die Türe öffnen, na also, geht doch ;)
Am nächsten Tag waren alle wieder fit und wir fuhren die 40km bis zur Grenze, mein Visum für Tadjikistan beginnt erst morgen, somit werde ich ein Plätzchen im letzten Dörfchen für die Nacht suchen und morgen die anderen in Dushanbe wieder einholen, chouette :)
 
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"Paradies des Ostens"

In zwei Tagen sollten wir Samarkand erreichen, ein weiteres kulturelles Feuerwerk auf dieser Reise. Doch zuerst heisst es bei sehr heissen Temperaturen in die Pedale treten. Immer wenn wir Wasser sehen machen wir kurz halt um das leichte Baumwolltuch welches ich unter dem Helm trage im Nass zu tränken, dies kühlt dann für ca. 5 Minuten meinen Kopf ab.
Wir kamen bei einem Basar vorbei, setzten uns in den Schatten und tranken was kühles. Ihr seht, es dreht sich momentan nur um drei Sachen, ums trinken, treten und pausieren :) 
Ein junger Mann gesellt sich zu uns und lädt uns gleich zu sich nach Hause ein. Das gibt wohl eine längere Pause. In der Stube wird dann aufgetischt: frisches Brot, Kekse, Nüsse, Jogurt, Tomaten, Gurken. Uff das war jetzt ein Festessen, doch halt, der Reis und die Melonen kommen noch zum Schluss, ich bringe beim besten Willen keinen Bissen mehr runter!
Seit dem Iran wurde ich beinahe täglich bei Leuten eingeladen, kann dies plötzlich zur Selbstverständlichkeit führen? Nein! Niemals, jede Einladung ist immer was spezielles, eine Begegnung mit Einheimischen die mich immer wieder von neuem berührt. Um 16.00 Uhr fahren wir noch für zwei Stunden. Ob ihrs nun glaubt oder nicht, wir setzten uns am Strassenrand hin, pausierten kurz und schon wurden wir zum Nachtessen und zur Übernachtung eingeladen! Wir kamen in eine soo herzliche usbekische Familie. Die Mutter kochte extra heisses Wasser damit wir Duschen konnten, sie gab uns je ein frisch von Hand gewaschenes Handtuch und Seife. Die Dusche ist fast wie in Nepal.
Ein Betonhäuschen mit einem Becken, einem Becher und einem kleinen Abfluss. Einfach herrlich und in der Tat reichen 10 Liter längstens um sich zu waschen! Es gibt zwei grosse Teller mit Plov. Das Reis mit dem fein gehackten Gemüse schmeckte ausgezeichnet! Die Familie vermittelte einem zwei Gefühle: 1. man wird wie Könige behandelt, sie geben einfach Alles! 2. man fühlt sich gleichzeitig wie ein Teil der Familie, man gehört einfach dazu, ist nicht fremd! Diese zwei Sachen kombiniert zu vermitteln betrachte ich als hohe Kunst an.
In der Stube richteten sie zwei Nachtlager ein. Mitten in der Nacht wurde es mir einfach zu heiss und auf meinen Fussspitzen zügelte ich ganz leise nach draussen unter die Rebe. Durch die Zwischenräume der Blätter scheint der Mond hindurch und ich denke an meine lieben Zuhause. Ich vermisse meine Freunde, Verwandten und Mama gerade sehr...
Nach einem reichhaltigen Frühstück ziehen wir weiter. Der Abschied war einmal mehr nicht einfach, doch eines hilft dabei immer: schau nicht zurück, nur vorwärts!  Der letzte Strassenanschnitt bis Samarkand ist ziemlich rumpelig, da der Asphalt zum Teil total aufgerissen ist.
Schon Zuhause habe ich mich gefreut, diese Stadt zu besuchen. Der Name alleine regt zum Träumen an! In der Geschichte wurden der Stadt so einige Namen gegeben: "Spiegel der Welt", "Paradies des Ostens" oder auch  "schönstes Antlitz, das die Erde der Sonne je zugewandt hat", bin sehr gespannt wie es wirklich sein wird! Die Einfahrt ist ziemlich ernüchternd, ein Internetcafe nach dem Anderen, diverse Sportartikelshops und Burgerbuden. Bei der ersten grossen Kreuzung geht es nach links und dann steht er plötzlich da: Der Registan!
Die blau und türkisfarbenen Kuppeln erscheinen für mich als Inbegriff von Reinheit und Klarheit. Bevor wir das Guesthouse suchen, muss ich mich zuerst hinsetzen und einfach Staunen! Kann es kaum glauben, wie oft habe ich Zuhause Fotos von hier angeschaut...Stunden!... und jetzt sitze ich einfach davor. Ein weiteres Etappenziel ist erreicht und ich erlaube mir jetzt auch mal zu schreiben, dass ich stolz bin! Auch wenn ich nicht jeden Kilometer selber gefahren bin, wen interessiert's schon, pha! :)
Im B&B Bahodir werden wir sehr freundlich mit Cay, Wassermelonen und Keksen begrüsst. Das Bahodir, DER Traveller-Treffpunkt. Echt gemütlich hier, der lichtdurchflutete Innenhof ist mit Grünzeugs bepflanzt und an der linken Wand hängen hunderte von Visitenkarten oder Postkarten von Reisenden. Sogar ein Schweizerfähndli hängt ganz zuoberst. In der einen Ecke stehen bereits zwei Fahrräder. Sie gehören zwei Belgier die von Tajikistan her kamen. Natürlich wollten wir sofort wissen wie der Pamir denn war. Sie schwärmten sehr von der Gebirgsetappe.
Wolfgang hat leider kein Visum für Tajikistan und er wird somit von hier weiter über Taschkent nach Bischkek in Kirgistan radeln. In den letzten Tagen habe ich mir oftmals überlegt ob ich mit ihm weiterradeln soll oder Richtung Pamir gehe. Einerseits hatte ich auch Zweifel ob ich dies überhaupt schaffen werde. 1400km Berge pur, mehr als weniger Strassen im Pistenzustand und ein paar 4000er Pässe... 
Es sind unbegründete Zweifel! Klar kann ich's schaffen...ich muss es nur wollen. Und mittlerweilen bin ich überzeugt, dass wenn der Zeitfaktor stimmt, jedes Bärgli zu schaffen ist ;) Und wer weiss, vielleicht kommt ja noch jemand der auch in diese Richtung fahren möchte. Ich werde mich in den nächsten Tagen entscheiden wie's weiter geht. 
Jetzt freue ich mich zuerst auf eine lange Nacht in einem Bett. Der abendliche Hechtsprung in die absolut durchgelegene Matratze dämpft die Freude ein wenig. Die Federn drücken in den Rücken, soll ich meine Matte aufblasen? Ach, ich bin zu faul und suche mir einen einigermassen bequemen Federzwischenraum. Wolfgang verbringt die halbe Nacht im Badezimmer...auch nicht das bequemste!
Wir sind somit beide schon früh auf den Beinen und planen das heutige Touribesichtigungsprogramm, obwohl viel zu planen gibts da nicht. Wir schauen einfach mal, was wir sehen werden :) Mitte August beginnt das Internationale Musikfestival somit ist der Registan Heute geschlossen, doch wir bekommen einen Einblick in die Proben über...unglaublich! Hunderte von Frauen üben eine Choreo ein. Sie schützen sich mit langen Hosen, Jacken, Kappen und einem Tuch um das ganze Gesicht vor der starken Sonne. Ein Mann mit Mikrofon gibt von der Bühne aus Anweisungen. Der Platz ist soo riesig, dass die hintersten ihn bestimmt nicht sehen können. Ich konnte ein paar super Fotos machen und nach einer Stunde ziehen wir weiter. Die "Toshkent-Road" ist Pikfeinsauber und gesäumt von Geschäften in welchen man feinste Seide zu gröbsten Preisen kaufen kann. Wir besuchen die eine grosse Moschee.
Mich beeindruckten die Feinheiten dieser einzelnen Kacheln und von den Farbkombination. Plötzlich braut sich da ein kleines Gewitter in meinem Bauch zusammen...ich muss jetzt sofort auf Toilette, jede Moschee muss doch auch eine Toilette haben! Tatsächlich im Hinterhof ist da ein kleines Häuschen mit einem Loch. Freundlich frage ich die bunt gekleidete Dame ob sie wohl ein wenig Papier habe (natürlich mit Pantomime!), im Backofen holt sie das Aufgabenheft ihres Sohnes hinaus, reisst eine Seite mit Rechenaufgaben raus und reicht es mir hin, sie versteht wohl meine Dringlichkeit. Ein sehr wüstes Klo, dafür mit einer grandiosen Aussicht auf die Kuppel der Moschee. Kaum wieder draussen, ruft mich die bunte Dame zu sich: "400 Som!", was? Für ein Loch? Oder für die Aussicht? Nee, ich bin doch kein wandelnder Dollar. Ich stelle mich dumm und verstehe kein Wort. Sie lachte und lässt mich gehen, sie hat's zumindest probiert. 
Über den Friedhof gelangen wir zur Strasse die von Moscheen gesäumt ist, klein aber fein! Doch der Schatz der hier ruht ist einfach riesig. Bilder sagen hier mehr als Worte, doch die Bilder folgen erst später. Beim Eingang steht: "The doors of paradise are open to all believers".
Ich setze mich auf's Bänkli und schaue den Menschen zu. Eine Usbekisches Grosi gesellt sich zu mir. Ihr Gebiss hat sie wohl Zuhause vergessen, sie redet über 15 Minuten mit mir. Ich verstand kein einziges Wort, höre nur zu, als sie aufstand und gehen wollte gab sie mir ein Kuss auf die Stirn! Zu gerne wüsste ich was sie mir erzählte.
Als wir zurücklaufen und beim Registan vorbeikommen sind die immer noch am Proben...seit beinahe 8 Stunden...ohne Schatten!
Zurück im Bahodir treffen wir auf die Franzosin Claire. Sie ist Künstlerin aus Paris und ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs. Sie arbeitet mit Draht, feinstem Draht, sie stellt den Weg von Marco Polo mit Draht-Bildern dar. Bis jetzt hat sie 12 Bilder gefertigt, welche in Plexiglas gelegt sind und die sie auf ihrer Reise immer wieder ausstellt. Ich bin beeindruckt von dieser Kunst und ebenfalls von ihrem Gewicht an Gepäck: 100kg!
Ich habe schon genug mit meinen 30kg! Sie will auch Richtung Pamir, jedoch mit einem Transport, da es fast unmöglich ist, soviele Kilos über 4000ender zu Pedalen. 
Gemeinsam kosten wir die Hausküche im Bahodir, echt empfehlenswert. Feinste Gemüsesuppe und zum Dessert gibt's süsse Wassermelonen mmmm fein! Und einmal  pro Woche gibt's Plov, jupii! 
Am nächsten Morgen versuchen wir unser Glück nochmals beim Registan. Einfach riesig, sehr beeindruckend und kaum in Worte zu fassen. Alles erscheint hier so gross, so mächtig, ich finde das kleine wie z.B. In Buchara grad so schön. 
Zurück im Guesthouse, sitze ich auf der Bank und beginne den nächsten Blog zu schreiben, kaum beim dritten Satz angelangt, kommen zwei Tourenfahrer in den Innenhof, ein dritter, vierter, sechs, sieben, ja sag mal, träume ich? Wie viele kommen denn da noch?
14 an der Zahl, darunter Manou und Baptiste von Genf, der Schwede Joakim mit seiner Thailändischen Frau Wey, die zwei Johannes aus Deutschland, Simon aus Neu Seeland, Simon aus Deutschland, Sebastian von Polen und eine dreier Gruppe von Tschechien, uff! Bahodir B&B wird zur Bikermekka! Alle kamen über Kasachstan weil sie kein Iranvisum bekamen. Mein Blog muss nun definitiv warten. Es gibt viel zu lachen, Fahrradinspektionen werden gemacht (meines bekommt die meisten Punkte hehe), Ersatzteile ausgetauscht, einfach gemütlich und es kommt mir vor wie es etwas vom normalsten ist mit dem Fahrrad durch die Welt zu börren. 
Baptist erwartet in vier Tagen besuch von zwei Freunden ebenfalls von Genf. Zusammen wollen sie dann über den Pamir bis nach Osh fahren. Ich kann mich ihnen anschliessen, welch eine Freude und erst noch mit Romands, chouette! Mais les Romands toujours rigolent et jamais travaillent.
Somit verabschiedete ich mich am nächsten Morgen von Wolfgang. Hey Wolf, wir hatten eine super Zeit zusammen, hat mich sehr gefreut mit Dir ein Stück Weg zu radeln und auch die vielen Begegnungen die wir mit den Locals hatten sind unvergesslich. Ich habe es sehr genossen diese Begegnungen mit Dir zu teilen. Ich wünsche Dir eine gute Weiterreise und vielleicht treffen wir uns ja irgendwo in Südostasien wieder...maybe...or maybe not gelle hehehe :)
Es war ein gemütlicher Tag, habe sozusagen nichts gemacht, oh doch, moment, ich habe Mama ein Paket nach Hause geschickt. Kratenmaterial welches ich nicht mehr brauche und ein paar Geschenke für sie. Ich habe alles schön verpackt und auf der Postoffice wurde alles auseinander genommen und kontrolliert. Frau Post kreierte kurzum ein eigenes Paket, klebte 20 Briefmarken drauf und wollte wissen für wen denn das Paket sei. Sogleich wollte sie ein Foto von Mama sehen und von der Schweiz, damit sie wisse wohin das Päckli denn kommt :)
Viel mehr habe ich an diesem Tag nicht gemacht, auch mal schön einfach nichts zu tun. 
Heute ist der 24. Juli und das erste mal bin ich an meinem Geburtstag weit weg von Zuhause. Ich habe hier niemandem was gesagt und werde den ganzen Tag Blog schreiben und am Abend mir die letzte Ovo-Schokolade gönnen. Doch bereits beim Frühstück kommt Simon hinter dem Baum hervor mit einer Torte auf einem Teller und einem Kerzli. Alle singen Happy Birthday und ich bin so was von überrascht und gerührt! Nun die Rätsels Frage: Warum wusste er das? 
Vor zwei Tagen haben wir die Daten des Tajikistan Visum verglichen und dort hat er mein Geburtsdatum gesehen. So Aufmerksam! Am Morgen bestellte ich dann in der Bäckerei eine Riesentorte für 20 Leute und ich hatte einen super schönen Tag in Samarkand.
Sascha und Eduard sind mittlerweile von der Schweiz eingetroffen und Morgen werden wir zu fünft weiterradeln, chouette :)
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Nastrovja an jeder Ecke...

Heute geht es wieder in ein Land das mir fremd und neu ist. Das 12. auf meiner Reise. Laut Karte sind es ca. 20km bis zur Usbekischen Grenze...laut Karte! Nach 30km war da noch keine Grenze in Sicht! Im nächsten Shop kaufte ich mir erst mal ein kaltes Fanta zur Abkühlung, ein zweites bekam ich dann geschenkt über. Der eine meinte ich sei schon auf dem richtigen Weg. In Wirklichkeit waren es 40km OHNE mich zu verfahren. Auf den letzten paar Kilometern fragte ich mich ob hier tatsächlich noch eine Grenze kommt, denn da war absolut nichts. Doch sie kam dann doch noch.
Die Gepäckkontrolle war in zwei Minuten erledigt, doch einen Ausreisestempel zu bekommen, dies dauerte länger. Vor mir waren ca. 10 Leute und ich wurde gleich nach vorne gerufen. Er checkte meine Daten im Computer und die Runzeln in seiner Stirn wurden tiefer und tiefer! Er holte seinen Kollegen dazu. Komisch, das ist bestimmt ein Neuer, der seinen ersten Arbeitstag als Stempler hat! Der Kollege erklärte ihm irgendetwas und endlich war der Stempel drin!
Tschüss Turkmenistan, Hallo Usbekistan. In die erste Halle geht's ohne Fahrrad. Zuerst das Deklarationsformular ausfüllen, steht aber alles in russisch! Bis sie ein Formular in Englisch finden dauert's eine Ewigkeit. Der Herr schaute wie ein Habicht, dass ich ja alles ausfülle. Das Geld was ich dabei habe muss ich vor seinen Augen abzählen (es darf nicht mehr Geld rausgeführt werden als eingeführt).
Als ich fertig war, fragte er ob ich Gold dabei habe. Ja, klar in jeder Tasche einen Barren! Als ich Nein ankreuzte, zeigte er auf die paar Gramm Gold die um meinen Hals hängen. Nun gut, Gold ist Gold! Die nächste Station ist beim Herrn Doktor. Ein Blick in den Mund in die Augen und Ohren und zum Schluss kommt er noch mit dem überdimensionalen Fiebermesser, 36.4 Grad, perfekt! Mit Fieber gibt's hier wohl kein Durchkommen haha. 
Jetzt husch, husch zur Gepäckkontrolle, alles einmal durch den Scanner. Die müde erscheinende Dame hinter dem flimmernden Computer möchte all meine Medikamente sehen. Mit Pantomimen erkläre ich welches gegen was ist, z.B. Erbrechen und Durchfall, diese zwei sind mir am besten gelungen :) Anhand ihrer Liste, welche vom Präsidenten persönlich unterschrieben ist, kontrollierte sie ob es nun erlaubt ist diese Medikamente einzuführen. Es dauerte eine Stunde. Danach hatte sie Kopfschmerzen und fragte höflich ob sie sich da was rausnehmen kann, aber selbstverständlich, genau für solche Situationen habe ich ja eine Apotheke dabei!
Danach wollte sie mein i-Pad sehen und gemeinsam schauten wir über 300 Fotos an... Vom Raclette im Kiental über die Schafe in Kroatien bis hin zu den getrockneten Erdbeeren auf dem Basar in Istanbul. Sie war einfach nur gwundrig und ich konnte ihrer Langweile wohl ein bisschen abhelfen. Plötzlich ging alles ganz schnell, denn die Grenze schliesst in ein paar Minuten. Da Wolfgang erst morgen drüber kann werde ich auf ihn warten und versuchen hier an der Grenze irgendwo zu übernachten. Nichts einfacher als dass! Ein Truckfahrer der seit drei Tagen hier wartet, lädt mich gleich zum Nachtessen und Cay ein. Unter seinem Lastwagen ist eine Riesen Box gefüllt mit Esswaren. Eine Schublade weiter ist der Gaskocher. Es gibt Reis mit Karotten.
Es war ein super gemütlicher Abend mit Fahrern aus der Türkei, dem Iran und aus Usbekistan. Somit konnte ich meinen gesammelten Wortschatz durcheinander anwenden. Meine Matte für die Nacht platzierte ich neben einem Truck. 
Am nächsten Tag kam Wolfgang bereits um 13.00 Uhr über die Grenze, so früh? Ja die wollten keine einzige Tasche sehen, keine Medikamente und auch keine Fotos, hmm... Wir fuhren gleich los und 10 Minuten später wurde uns vom Fluss her zugerufen. Das passt ja gerade, denn es ist super heiss und Pausen kann ich immer brauchen! Die sechs Herren offerieren uns gleich Wodka und Bier. Oh geht ja gar nicht bei dieser Hitze. Keine Wiederrede, Prost, Nastrovja!
Wenn das so weiter geht, fahre ich wohl mehr Kurven als es tatsächlich gibt. Sie schenkten uns noch Brot und 1 1/2L Bier! Gibt's hier wohl auch Mineralwasser? Ja das gibt's! Ein Truckfahrer hielt an und gab uns eine Flasche gefrorenes Wasser...doch die PET-Flasche hat einen Riss vom Deckel bis zum Boden, höflich fragten wir ob er denn eine ganze Flasche hätte, aber sicher doch:)
Der erste Wegweiser zeigt schon mal an, dass es nur noch 846km bis Dushanbe in Tajikistan sind! Im nächsten Dorf Qarakol machen wir bei einer Caykhana (Teehaus) halt, haben was gegessen und schauten dem usbekischen Alltag zu. Die Frauen tragen hier zum Teil wieder das Kopftuch, jedoch so gebunden wie ein Pirat. Das Kleid ist einteilig, sehr bunt und vom traditionellen Muster gekennzeichnet. In kürzester Zeit haben wir eine Schar Kinder um uns.
Unsere Helme machen die Runde und meine Schildkröte-Hupe ist der absolute Hit! Danke Köbi für's montieren in letzter Sekunde:) Uns gefällt's hier super gut und wir dürfen die Nacht über bleiben. Wir spazieren noch durch das Dörfchen und werden in einem "Restaurant" zum Essen und natuerlich zum Wodka eingeladen, haha auch nicht schlecht! Nastrovja!
Mit vollem Magen und zwei vollen Plastiksäcken mit Essen gefüllt wollen wir langsam wieder zurücklaufen. Doch halt, der eine Gast will uns noch sein neues Auto zeigen. Als er den Kofferraum öffnete, war dieser gefüllt mit vielen, vielen Bündeln Usbekischen Som's. Er hat ja recht, warum ein Portemonnaie mitschleppen wenn man es doch einfach in den Kofferraum schmeissen kann? 1 Franken sind ca. 2700 Som und die grösste Note ist 1000 Som, ja da hat man schnell ein paar Bündel zusammen! Er will auch gleich, dass wir eine Testfahrt mit seinem Auto machen. Wolfgang setzt sich hinters Steuer, ich auf dem Rücksitz, in der guten Nähe des Geldes und wir fuhren gleich zu unserem Nachtlager.
Es war eine unruhige Nacht, da dauernd betrunkene vorbei kamen und uns weckten. 
In Usbekistan muss man sich als Tourist alle 72h beim OVIR registrieren lassen, dies kann nur in einem Hotel gemacht werden indem man auch übernachtet. Somit ist unsere nächste Station Buchara. Der Weg dorthin ist nicht sonderlich spannend, was einem jedoch sofort auffällt sind die vielen Baumwollplantagen. Man spricht einerseits vom "weissen Gold", anderseits vom "weissen Tod". Es wird Unmengen an Wasser vom Fluss abgezapft und dies in einem Land, welches in einer Trockenzone liegt! Die Flüsse Amu Dary und Syr Darya sind so geschwächt, dass sie den Aral-See nicht mehr erreichen.
In Buchara angekommen, sind wir einfach nur sprachlos. Eine der heiligsten Städte Zentralasiens. Voll von Medressen und Minaretten, welche intensive Türkisfarbene Kuppeln haben. Ich brauche richtig viel Kamerabatterie! Wir finden ein günstiges, hübsches Guesthouse mit richtiger Toilette! Wolfgang hat mit Magenproblemen zu kämpfen und dann ist ein funktionierendes Klo echt wertvoll. So was ich im Vorfeld gelesen habe, trifft es einfach jeden! Am Abend machen wir drum Schonkost und schlenderten durch die Altstadt.
Auf einem Parkplatz sahen wir einen Monstertruck mit Weltkarte drauf. Da müssen wir gleich hingehen um "Hello" zu sagen. Ein Holländerpäärchen haust hier sie sind auf dem Weg nach Australien. Er machte extra für den Trip den Lastwagenführerschein, wie cool ist dass denn! Sie holt gleich ein Bier aus dem Kühlschrank, dies beruhigt vielleicht Wolf's Magen :) Nastrovja!
Wir setzten uns hin und plauderten über das "Unterwegs sein". Es tut immer gut sich mit anderen auszutauschen und es ist total spannend wie alle ihre eigene Ziele und Vorstellungen von Reisen haben. In den letzten Wochen musste auch ich mir überlegen wie ich von China nach Kathmandu in Nepal komme. Eine Möglichkeit wäre von Kashgar oder Urumchi mit dem Zug bis Chengdu und dann über Osttibet nach Nepal zu radeln, was ich jedoch nicht alleine machen möchte. Und dann gibt es noch eine andere Möglichkeit...für welche ich mich nun entschieden habe.
Da ich ja noch Zeit habe und immer mehr Lust ein bisschen weiterzuradeln, hänge ich noch Südostasien an. Zuerst geht es nach Laos. Und jetzt das Beste: Am Morgen des 27. September werde ich in Vientiane mich auf den Weg zum Flughafen machen. Dort werde ich einen eisgekühlten Mangoshake trinken und gespannt auf die Tafel schauen ob die Maschine von Bangkok schon gelandet ist. Ja, ja! Dort sitzt nämlich mein Besuch aus der Schweiz drin judiiihuuuiiiii!!! Fabienne kommt mich für zwei Wochen besuchen und ich freue mich soooo fest darauf, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen!
Im Januar vor meiner Abreise sagte sie: "Also Thesi, wenn du das wirklich machst, dann komme ich dich in meinen Herbstferien besuchen...egal wo du bist". Was für ein Wort! Und was für eine gute Freundin! Ich könnte noch Heute Abend weiterradeln, bin total motiviert! 
Am Abend müssen wir noch in ein kleineres Zimmer wechseln, da unser jetziges gebucht wurde. Dieser Wechsel wurde uns am Morgen zum kleinen Verhängnis. Wir wollten früh los, alles gepackt, montiert, Wolf sitzt schon auf dem Rädle und ich finde meine Handschuhe nicht, Mist! Schnell durchsuche ich alle Taschen doch ich vermute schon, dass sie noch im Zimmer von gestern sind, wo jetzt eine französische Familie noch gemütlich schläft. Ich kann ja die nicht einfach wecken, oder?
Nach 90min warten, scheinen diese immer noch im Tiefschlaf zu sein. Wir werden ungeduldig und ich fasse meinen Mut zusammen und klopfe ganz sanft an die Holztüre...nichts, nun klopfe ich wie eine wilde. Die Türe geht langsam auf und die verschlafene Dame schaut mich mit kleinen Augen an, ich entschuldige mich x-mal und erkläre ihr mein Malheure. Kurzum lässt sie mich rein, in einem Griff finde ich den Handschuh unter dem Stuhl, bedanke mich und nichts wie raus hier...das war mir super peinlich...aber notwendig! 
Nach 40km machen wir bei einer Kühltruhe am Strassenrand halt. Füllen alle Flaschen wieder auf und Wolfgang giesst das kalte Wasser in seine Thermosflasche. Das ist echt eine super Idee, bei grösster Hitze hat er somit immer kaltes Wasser dabei. Nach weiteren 20km ist es so heiss, dass die Thermosflasche zum Einsatz kommen könnte...KÖNNTE! Doch wo ist sie denn? Hmm, nicht da wo sie sonst immer ist...sie ist wohl 20km hinter uns!
Heute ist wohl der Tag des "Liegenlassens", zumindest steht es 1:1 ;) Bei einer Strohhütte halten wir an und essen eine Melone. Er überlegt sich zurückzuradeln um die Flasche zu holen, doch mit einem Auto wäre es noch besser! Wir fragen kurzum den Melonenverkäufer ob er dies gegen Bezahlung tun würde, ja gar kein Problem. Er erklärt mir wieviel ich für eine Melone verlangen muss, schreibt es in russisch auf und weg sind die zwei.
Ich probiere wie eine usbekische Melonenverkäuferin dazusitzen und hoffe nun auf ein gutes Geschäft. Sind die Honigmelonen wohl gleich teuer wie die Wassermelonen? Ich beginne sie mit dem Tuch ein wenig zu polieren und prompt hält einer an. Er klopft die Wassermelonen ab, doch ich glaube sie sind ihm zu hart, schnell präsentiere ich ihm die Honigmelone, die will er aber nicht. Er fragt mich woher ich komme und ich scherze, Usbek! Er lacht und fährt davon. Nach 40min kommen die zwei mit gefundener Flasche zurück und ich habe rausgefunden, dass ich auf dem Göppel wohl einen besseren Eindruck mache als hinter den Melonen höhö.
Heute müssen wir uns ja wieder einmal registrieren. In Navoy gibt es drei Hotel's. Das Erste war uns zu teuer, das Zweite ein Witz: Die Dame sagte im schönen Englischrussisch: "No Tourist here! You go other Hotel!". Aha, der riesige Bunker von einem Hotel in sowjetischem Stil nimmt also keine Touristen auf?! Wir lassen nicht locker und setzten uns einfach mal hin und warten. Sie telefoniert und ein paar Minuten später kommt eine Frau, die uns in perfektem Englisch erklärt, dass sie kein Zertifikat für Touristen haben, da niemand vom Personal Englisch spreche. Ach so, nun gut eine Chance für die Registrierung haben wir noch.
Nach längerem Herumirren finden wir das Dritte Hotel, welches wiederum enorm teuer ist. Ich setzte mein müdestes Gesicht auf das ich habe und frage enorm zermürbt für einen Discount. Sie überlegt was sie tun könnte und telefoniert gleich mal dem Boss. Sie offerierte uns ein Glas Wasser, der Chef kam, sah uns und sagte halber Preis! Well done! Das passt und das Frühstück würde er uns gerne offerieren, super!
Ich bin total müde doch, die Energie für einen Hechtsprung ins weiche Bett kann ich immer aufbringen!
 
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Einmal Wüste bitte...!

Um 05.00 Uhr ertönt es von meinem Handy "vo Luzärn gägä Wäggis zue...." Was für ein Aufwachen :) Einfach schön ein bisschen Heimat dabei zu haben! 
15 Minuten später strampeln wir bereits der Wüste entgegen. Ich bin total gespannt wie es sein wird, bin ein wenig nervös ob ich es schaffen werde. Diese Strecke hätte ich alleine wohl nie in Angriff genommen. Nach ein paar Kilometern sah ich die ersten Dünen. Für mich sind diese 250km in zwei Tagen bei grosser Hitze eine grosse Herausforderung. Ich erinnere mich an die Proben des Alpentheater's zurück. Die Regisseurin Sjoukje Benedictus sagte uns damals: "Jeder von uns wird einmal eine Krise haben, das gute daran ist, dass man weiss, das die Krise jetzt da ist und sie auch wieder vorbei geht!" Dieser Gedanke habe ich mir damals eingeprägt und mit diesem fahre ich nun los, wenn ich eine Krise haben werde, muss ich sie einfach durchradeln!  So einfach ist das! Um 09.00 Uhr zeigt die Temperatur auf meinem Velocomputer bereits 43 Grad an. Der Wind, welcher natürlich von vorne bläst wird immer stärker. Ich brauche eine Pause. 1 Liter Wasser kann ich locker in 3 Zügen runterbuddeln. Weiter gehts. Ich probiere im Windschatten von Wolfgang zu fahren, der Sand bläst um mein Gesicht und ich spüre die feinen Körner in meinem Mund. Zerbeisse sie und denke, dass es gut für meine Zähne ist. Der verfluchte Wind wird immer stärker, er beginnt mich zu nerven! Im Zentralhirn beginnt es zu arbeiten... "Nerve dich nicht über den Wind, das kostet nur zusätzliche Energie!". Umdenken: "Zum Glück windet es, sonst wäre die Hitze kaum ertragbar" (Mittlerweile auf dem Tacho 53 Grad). Ich weiss zwar, dass dies nur zur Hälfte stimmt, denn der Wind ist super heiss, doch der Gedanke das der Wind positiv ist hilft mir. Ich falle in einen Trott, denke an nichts, nur ans Vorwärtskommen. Wolfgang wird schneller, oder ich langsamer :) er wird immer kleiner und ist weit vor mir. Ich mag nicht mehr und steige kurz ab, stehe mitten in die Strasse und drehe mich im Kreis. Wooow, ein unbeschreibliches Gefühl! Da ist weit und breit nichts, einfach nichts. Diese unendliche Weite gibt mir das Gefühl von grenzenloser Freiheit, gleichzeitig kann diese Weite aber auch Angst einflössen... Ich glaube, die Erdkrümmung am Horizont zu sehen und bekomme einen "wäuz" Energieschub! Weiter geht's! Ich fühle mich total stark und spüre den Zucker des Cola's in meinen Beinen höhö.
Plötzlich hole ich Wolfgang wieder ein, fahre ihm vor und der macht nur noch grosse Augen ;) Nach 120km sind wir müde und suchen eine passende Düne, hinter welcher wir unsere im Traum gewünschte Servelat bräteln können. Da es ja viele Sandhügel zur Auswahl hat, nehmen wir die nächst beste. Das Gepäck durch den Sand zu schleppen fordert meine letzte Kraft! Heute habe ich 9 Liter getrunken und musste nich einmal auf Toilette! Essen konnte ich nichts, es war einfach zu heiss, auch jetzt habe ich keinen Hunger, will einfach nur noch mehr trinken und Schlafen. Wolfgang befiehlt mir regelrecht was zu essen : "Iss, sonst schaffen wir das Morgen nicht!!". Ich werfe den Kocher an, schmeisse die Nudeln rein und allein über diesen  Anblick könnte ich mich übergeben. Es wird sehr schnell dunkel und mit den paar dürren Ästen die wir finden machen wir ein Feuer. Ich lege mich in den Sand und rühre gleichzeitig mit der einen Hand die Nudeln. Wolf gibt noch eine Büchse Thunfisch dazu...auch dass noch! Wir teilen die Portion in zwei schöne Hälften...ich zwinge mich was zu essen. Es versammeln sich immer mehr Käfer in meinem Teller, die ess ich gleich mit. Nach fünf Löffeln bin ich so was von satt. Den Rest isst Wolfgang. Das Feuer geht langsam aus und es ist total Finster. Ich schaue in den Himmel und sehe tausende von Sternen! Wieder kommt mir das Alpentheater in den Sinn. In der Schlussszene sagte Anne-Bäbi zu einem Hotelgast der ein Zimmer buchen wollte: "5-Sterne? Ha, wir haben uunzählige...!" Sjoukje sagte uns, dass wir in den Himmel schauen sollen und diese vielen Sterne sehen müssen, auch wenn da kein einziger ist, aber wenn wir sie sehen, dann sehen sie auch das Publikum, nämlich in unseren Augen! Jetzt weiss ich was sie damals meinte. Ich habe noch nie soo viele Sterne gesehen, ich drehe mich auf die Seite und sehe am Horizont genau gleich viele Sterne wie direkt über mir...einfach unbeschreiblich magisch!
Ich möchte die ganze Nacht in den Himmel schauen, doch die Augen fallen einfach zu. 
Ca. Um 03.00 Uhr erwache ich, es ist super kalt und schnell suche ich nach meinem Daunenschlafsack, Wahnsinn, den ganzenTag schwitze ich wie blöd und in der Nacht brauch ich die Daunen!! Da soll mich doch der Geier holen hehe.
Die ersten Sonnenstrahlen wecken uns auf und ein paar Minuten später gehts weiter. Heute müssen wir die ca. 130km bis nach Turkmenabat schaffen! Es sieht ja immer noch gleich aus wie gestern, doch etwas ist gaanz anders...meine Beine sind schwer, sehr schwer! Ab und zu kommt immer wieder ein Schuppen in dem man was trinken oder essen kann. Wir tanken weitere 10 Liter für Heute.
Wolf ist weit voraus und mir ist's schon bald wieder zu heiss. Was seh ich denn da? Ein riesen Hotel in der Wüste? Ist das jetzt echt oder Einbildung? Es ist echt! Wir stürmen rein und setzten uns unter die Klimaanlage, herrlich! Ich frage ob sie ein Lavabo haben, gleich bringt sie mich in ein Zimmer. Unfassbar im Badezimmer hat es sogar eine Badewanne!! Ich will meine Füsse und Arme kühlen, drehe den Hahnen auf...doch da kommt kein Wasser! Ja wie auch, mitten in der Wüste ;)
Schon irre, jedes Zimmer hat eine Wanne, doch Wasser gibt es keines!
Wir pausieren für 4h, es sind noch gute 40km bis zum Ziel! Diese verlangen mir alles ab. Den ganzen Tag siehst Du nichts als ein langer Strich, welcher die Strasse ist und irgendwo am Horizont verschwindet. Ich schaue auf meine Beine wie sie da unten arbeiten, die machen echt einen guten Job! Ich will an etwas denken, doch dies strengt mich an, ich sage immer das gleiche vor mich hin, was einmal eine Lehrerin mir vor der Abschlussprüfung gesagt hat: "Ich muss, ich will, ich kann...ich muss, ich will ich kann". Schön im Takt wiederhole ich diese Worte für ca. 1h
Als ich wieder einmal nach hinten zum Horizont schaue, sieht ja immer noch gleich aus, kommt mir der nächste Blitzgedanke vom Alpentheater. Regieanweisung war: "Schaut immer in die hinterste Reihe, schaut nicht auf den Boden, da findet ihr nichts, ihr müsst ganz weit nach hinten sehen". Meine Augen fixieren einen Punkt am Horizont und erneut habe ich das Gefühl ich fliege :)
Und auf einmal ist sie da, die Stadt Turkmenabat! Wir haben es geschafft, haben den Wind als Freund angesehen, die Sonne als Energie und die Weite als Ziel! Ich bin einfach nur überglücklich, es war eine tolle Erfahrung, die Strecke ist absolut machbar, sie hat mich gebraucht und gefordert doch ich denke nicht, dass es eine Grenzerfahrung war!
Am Abend machen wir uns auf die Suche nach Essen, ungewollt platzen wir in ein Lokal welches für eine Hochzeit gebucht wurde. Spontan wie die Turkmenen sind, laden sie uns gleich zum Mittanzen und Essen ein. Zu lauter, westlicher Musik wird wild getanzt und ausgelassen geschrien. Bier und Vodka wird ohne Ende gebuddelt wie Pfefferminztee. Um Punkt 23.00 Uhr stellt die Musik mitten im Song ab, alles wird innert Minuten zusammengeräumt und die Gäste sind bereits fort noch bevor wir unsere Pizza ala Turkmeni geniessen konnten.
Zurück im Hotel geniesse ich das kühle Nass wie schon lange nicht mehr...
 
 
 
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Der Pfefferspray ist leer...

So liebe Leute Zuhause, seit ihr parat für diesen Blog? Heute nehme ich euch mit nach Turkmenistan. Ein Land von dem ich erst während meinen Vorbereitungen das erste mal hörte. Das Land wird zu 95% von der Karakumwüste eingenommen, die Hauptstadt ist Ashgabat und den Rest werde ich noch rausfinden.
Da das Visum von Wolfgang erst Morgen beginnt, verabschieden wir uns und werden uns in Ashgabat am Bahnhof wieder treffen.
Um 07.00 Uhr fuhr ich los Richtung Grenze, es sind nur noch 2km auf iranischem Boden... eigentlich schade aber ich bin gespannt wie es auf "neuem" Boden sein wird. Das einzige was ich weiss, es kann mehrere Stunden dauern bis ich diesen Boden betreten darf!
Der Iranische Beamte fragte mich wie es mir gefallen hat im Iran und ob ich denn wieder einmal komme... Insallah! In 10min hatte ich den Ausreisestempel im Pass, bedankte mich und fuhr zu den Turkmenen ohne noch einmal zurück zu schauen.
Nach zwei Psskontrollen kam ich ins Hauptgebäude. Ein Mann hängt ganz gross an der Wand und probiert zu lächeln, dass ist wohl der Präsident. Es scheint nicht besonders viel los zu sein Heute. Ein paar Frauen schleppen grosse Plastiktaschen mit der Aufschrift London durch die Halle bis zum Scanner. Huch, was ist dass denn? Eine Frau im Minijupe? Ohne Kopftuch? Mit einem engen Shirt mit Ausschnitt? Ich bin in Turkmenistan! Schon komisch wie sich z.B. die Kleidung von einem Meter auf den Anderen wechseln kann.
Vorsichtig lege ich das Kopftuch ab, stelle mich direkt unter den Ventilator und geniesse seit langem wieder das Gebläse, welches meinen Kopf kühlt. Einfach herrlich! Ich könnte den ganzen Tag hier stehen bleiben, doch der grosse Mann hinter der getönten Scheibe winkt mir bereits zu. Er schaut meinen Pass ganz genau an und meint ich solle dort drüben auf der Bank warten: "One Minute". Nach einer Stunde fand ich die eine Minute doch sehr lange und mein Magen knurrte. Ich könnte ja mal mein Dosenfisch aus Griechenland auspacken hehe, nein ich will ja nicht unhöflich sein und begnüge mich mit einer Miniroulade zum Frühstück. Nach zwei weiteren Stunden kommt er aus seinem Büro, schliesst dieses ab und gab mir ein Zeichen, dass jetzt Lunch-Time sei. Ich hab ja Zeit... Als er wieder zurück kam, und seine Kartoffelsuppe hoffentlich so richtig genossen hat, passierte wiederum nichts. Langsam aber sicher wird mir langweilig, ich zücke mein Buch aus der Vordertasche und beginne zu lesen.
Es ist immer das gleiche wenn ich lese... spätestens nach einer Seite nicke ich ein. Ich merke wie mir die Augen langsam zufallen, kann ich hier einfach ein Nickerchen machen? Ja wenn er fertig ist mit der mehrstündigen Passkontrolle wird er mich schon wecken! In der Tat, klopft er mit dem Gummiknüppel auf meine Schulter und bittet mich am Schalter nebenan 12 USD zu bezahlen. Der Schalter ist jedoch geschlossen haha! Nach mehrmaligem Klopfen und Läuten kommt die Turkmenin, welche wahrscheinlich ebenfalls ein Mittagschlaf machte, füllt einen Zettel in Russisch aus, den ich anschliessend unterschreiben musste.
Der eine fragte mich in welchem Hotel ich in Ashgabat übernachten werde. Oh, so weit habe ich noch gar nicht gedacht und fragte zurück ob er denn ein günstiges empfehlen könne. "You go Hotel Ashgabat!". Ich darf Maximum eine Nacht in der Stadt bleiben und muss dann direkt weiter nach Tukmenabat...sagte er zumindest, doch die werden das wohl kaum kontrollieren! 
So die erste Station hätten wir geschafft, jetzt die Gepäckkontrolle. Jede Tasche einmal durch den Scanner und anschliessend alles Auspacken, jupii! Der eine Polizist nimmt Freddy, setzt sich auf den Gepäckträger und fährt mit ihm durch die ganze Halle.
Ich habe extra die schmutzige Wäsche wieder zuoberst in die Taschen verteilt, damit ich vor dem Ausräumen verschont bleibe...nützte aber nichts! Zu dritt kontrollieren sie alles ins Detail, von der Ersatzdüse für den Kocher bis hin zum Kettenöl. Ein Mann fragte mich ob ich Waffen dabei habe... common jetzt hat er alles durchsucht und meine Kalaschnikow nicht gefunden?
Dass ich tatsächlich keine Waffe bei mir habe muss ich einen weiteren Zettel unterschreiben, da ich mir nicht sicher bin ob da in russisch auch ein Pfefferspray draufsteht, erwähne ich diesen. Niemand versteht was ein Pfefferspray ist. Russischkenntnisse wären jetzt echt von Vorteil! Mit Pantomimen erkläre ich diesen Pfefferspray und mache mich zum Affen hehe. Ein weiterer wird dazu geholt, er riecht gleich mal daran. No No No! Auch das versteht er nicht und er fordert mich auf zu sprühen. In Berndeutsch sage ich: "Nei, Du Dubel, das isch keis Parfüm!". Das wiederum ist ihm egal und er beginnt zu sprühen! Lotto, er ist wirklich ein Volldubel! Ich nehme Abstand und schaue zu wie immer weniger Gas aus der Dose sprüht, das Ende des Pfeffersprays ist in Sicht! Spray leer und 5 Sekunden später sind alle Polizisten, Passanten und Beamten am Husten. Sie verfluchen die Dose, schmeissen sie weg und ich kann gehen.
Halt! Die eine Frau winkt mich zurück und fragt ob ich verheiratet sei. Als ich Nein sagte, schüttelte sie unverständlich den Kopf und zeigte fragend auf den einen Polizisten... Fazit nach ca. 5h Turkmengrenze: um weitere 12 USD leichter, ein Stempel, ein leerer Pfefferspray, ein Chaos in den Taschen und ein Vorschlag von Big Mama für einen Ehemann, super!
Die Menschenleere Strecke durch Natur Pur bis in die Stadt ist wunderschön. Doch nach ein paar Kilometern fällt mir auf, dass in regelmässigen Abständen immer wieder Kameraa stehen. Es scheint tatsächlich so, dass man hier beobachtet wird. Von weitem sehe ich eine Art weisses Feld vor mir, je näher ich komme, realisiere ich, dass es sich um die Stadt handelt. Der absolute Wahnsinn... riesengrosse Häuser, alle sehen gleich aus und scheinen aus weissem Marmor gebaut zu sein. Die Fünfspurige Strasse ist blitzeblank sauber. Überall sind Statuen vom Präsidenten zu sehen, er liess sie erbauen! Alle 100 Meter steht ein Verkehrspolizist. Die Uniformfarbe ist absolut kult: Violett :)
Ich bin sprachlos, der Reichtum dieses Landes scheint enorm! Ein Violetter hält mich plötzlich an. Das Vorbeifahren mit einem Fahrrad an diesem Gebäude ist untersagt! Aha, gut zu wissen, da ich schon in der Hälfte bin, fragte ich ob ich weiterfahren kann. Nein! Gut, einmal umdrehen und hinter dem Gebäude durchfahren! 
Fotos zu machen war für mich fast unmöglich, da die Polizisten, die ja alle 100 Meter vertreten sind mir ein No-Zeichen zuwinkten. 
Nach zwei Stunden herumirren durch die weisse Stadt fand ich das angeblich günstige Hotel in welchem ich für die Nacht bleiben muss. Die Dame hinter der Rezeption nervt sich gleich mal, dass ich kein russisch kann und bietet mir das einzig freie Zimmer für 80 USD an, waaas? Geht ja gar nicht! Es gäbe noch ein anderes Hotel am Stadtrande, ca. 7km von hier. Das ist meine letzte Chance. Ich habe Hunger und Durst, kann aber keinen Laden finden. Alles ist so steril, auf der Strasse wird auch nichts verkauft.
Vielleicht gibt es ja im Hotel eine Küche... Dort angekommen stehen sechs Herren an der Treppe und schauen mir zu, wie ich Tasche um Tasche hoch trage. Ja wenn's schon mal was zu sehen gibt, dann glotzt ruhig, wie gesagt ich habe Zeit, auch wenn ich eine Stunde brauche! Der Zimmerpreis ist deutlich günstiger pha 50USD!! 
Mit diesem Geld kann ich 2 Wochen durch den Irans reisen, Essen inbegriffen! Soviel werde ich nicht bezahlen! Also setzte ich mich zuerst einmal hin und schaute die Bestellbroschüre für den Hotelbedarf an. Seifen in allen Formen, Zahnpastas, Schampoo's in diverse Fruchtgeschmäcker, Kämme und so...
Schwupps sitzt der Wellensittich auf meinem Knie, vielleicht versteht er ja ein wenig Englisch, ich beginne mit ihm zu reden worauf er gleich mal auf meine Hose macht, hmpf. Ich suche nach einer Serviette um mir das Geschäft von Herrn Vogel wegzuwischen, finde keine und brauche somit mein letztes Wc-Papier. Neuen Mutes, ging ich zur Rezeption und versuchte den Preis runterzuhandeln, bei 40USD zeigte ich noch den weissen Flecken und dank des Schiss vom Hotel Vogel hab ich's auf 35USD gebracht ;)
Eine Küche hat das Hotel nicht aber sie würden mir beim Lieferservice was bestellen. Nach 1h bekam ich einen kalten Burger auf's Zimmer. Ich sitze auf meinem Bett, bin einfach nur müde, stinke, bin dreckig und frage mich ob es tatsächlich möglich ist nach diesem anstrengenden Tag mich mit einem Burger zufrieden geben zu müssen?
Ich falle in meinen Gedanken in Selbstmitleid, muss weinen. Warum? Das weiss ich auch nicht, vielleicht bin ich manchmal überfordert! Doch ich weiss auch, dass sich diese Situation wieder legt und ich am nächsten Tag darüber lachen kann :)
Zur Ablenkung schalte ich den Fernseher an. Ach ja, Satellitenschüsseln für Fernseher sind hier verboten. Die Begründung des Präsidenten lautet, es verschandle die Fassade von Gebäuden. Doch verschiedene Organisationen für Menschenrechte sagen, damit werde das Volk von der Aussenwelt abgeschnitten. Vor jeder Sendung ist auch der Präsident zu sehen wir er an seinem Schreibtischs sitzt. In der Rangliste der Pressefreiheit ist Turkmenistan an zweitletzter Stelle vor Nord-Korea.
Ich habe fünf Tage in diesem Land, schlichtweg zu kurz, für mich zählt hier eigentlich nur eins: Die 250km durch die Karakum-Wüste zu schaffen und rechtzeitig das Land zu verlassen!
Am nächsten Morgen bin ich schon früh auf den Beinen, Frühstück gibt es hier übrigens auch nicht. Mein Plan für Heute: ein Zugticket für Wolfgang und mich zu organisieren. Den Vokzal (Bahnhof) finde ich relativ schnell. Bei uns ist der Billetschalter von Morgens bis Abends geöffnet...hier sieht das ein wenige anders aus. Der Schalter öffnet um 13.00-15.00 Uhr. Bereits um 11.00 Uhr stehen die Leute vor verschlossener Türe in der Schlange. Ich stelle mich hinten an, die Sonne brennt und ich sehe die Schweissperlen die dem Herrn vor mir den Hals runterlaufen. Ich schaue auf die Uhr und zähle wieviele Perlen in fünf Minuten runter kugeln, es waren 26. Ja irgendetwas muss ich ja tun, lesen ist unmöglich, erstens würde ich einnicken und zweitens stehen wir so eng aneinander, dass ich das Buch senkrecht halten müsste!
Als nach zwei Stunden die uniformierte Dame die Tür öffnete, stürmten alle wie wilde Tiere auf den Schalter zu. Freddy lasse ich draussen auf dem Perron, nicht abgeschlossen! Dass Dir hier was geklaut wird ist unwahrscheinlich. 
Die höchst unfreundliche Dame am Schalter winkt mich ab, bevor ich was sagen konnte. Hinter mir drücken sie mich beinahe durch die Fensterlucke durch. Als ich sagte: "Billet, Ticket to Mary" meinte sie trocken: "Niet". Es scheint so, dass ich hier kein Ticket kaufen kann. Meine Nerven!! Jetzt brauch ich zuerst mal ein Eis! Eine junge Turkmenin setzt sich neben mich und fragt ob alles in Ordnung sei. Sie erklärt mir, dass ein Zugticket immer fünf Tage im Voraus gebucht werden muss! Hahahaha, da hast du ein 5-Tages Visum, willst am zweiten Tag ein Ticket lösen welches du....ach ich hör auf jetzt wird's kompliziert :)
Plötzlich ruft eine Stimme hinter mir meinen Namen. Oh es tut so gut Wolfgang zu sehen! Wir essen gleich ein Eis, mein zweites hehe.
Ein Mann setzt sich zu uns, er spricht etwa soviel Englisch wie wir zusammen Russisch. Er meinte, wenn der Zug einfährt könnte er probieren für uns ein Ticket direkt beim Zug zu organisieren. Super, das probieren wir. 
Der Gepäckwagen ist der zweitletzte, der letzte ist der Gefangenenwagen. Es ging alles ganz schnell...zu schnell! Wir mussten warten bis alle Gefangenen vom Laster in dem Wagon abgefertigt wurden.
Der Mann springt uns entgegen mit einem Fötzel, welcher das Ticket für Bikes ist, er braucht schnell unsere Pässe. Wir laden alles ein, die Tür geht zu und wir rennen zu unserem Ticketorganisator. Ticket und Pass in der Hand rennen wir zur Türe des zweiten Wagons, dieser lässt uns nicht rein, weil es anscheinend keinen Platz mehr hat! Schnell zum nächsten Wagon, auch kein Platz! Meine Nerven! Der eine pfeifft schon und gibt das ok zum abfahren. Wir kommen einfach nicht in diesen Zug!
Zurück rennen zum Gepäckwagon, wir müssen unsere Bikes mit Gepäck wieder kriegen, doch auch dieser Herr will die Türe nicht mehr öffnen! Scheisse! Jetzt hilft nur noch eins, Weinen! Das ist meistens noch das letzte Mittel um etwas zu kriegen!
Weil das Gegenüber dann plötzlich Mitleid hat! Und jawohl, es hat geklappt! Der Herr beruhigte mich, öffnete schnell die Türe, alles wurde zack, zack rausgeschmissen, der Zug fährt davon und wir sind wieder gleich weit wie zuvor. Doch das wichtigste ist, dass wir alles Material wieder haben. Uff! Jetzt brauch ich erst mal ein Eis, mein Drittes!
Wir legen uns auf dem Perron in den Schatten und denken nach. Es ist wirklich nicht möglich über 700km in nun vier Tagen zu radeln! 
Ein weiterer Turkmene kommt zu uns und meinte wir sollen ihm nachfahren bis zum "Büslibahnhof". Wir verhandeln den Preis und zahlen pro Person 12USD bis Mary, die Fahrt dauert 6h weil die Strasse in sehr schlechtem Zustand ist.
Mitten in der Nacht kommen wir am Vokzal in Mary an. Ich hab jetzt dann genug von Vokzal's! Einmal mehr sind wir Hundemüde und schlafen vor dem Schlachthaus auf dem Boden. Morgen wollen wir um 05.00 Uhr los, es gilt 120km zu schaffen und es wird ziemlich heiss, aber vielleicht gibt's ja ein Eisstand mitten in der Wüste?!
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Es lohnt sich ueber Howdan zu fahren...!

Bereits um 06.00 Uhr sind wir in den Pedalen und radeln auf nüchternen Magen glatte 50km. Ja, ja radeln in der Morgenstund isch gsund! Wir wollen die morgendliche "kühle" Luft nutzen. Ok, schlechter Witz, es ist bereits um 08.00 Uhr über 30 Grad! Den ersten Teil fahren wir auf dem Highway und beinahe jedes zweite Auto hupt uns zu oder reicht während der Fahrt Wasserflaschen oder Früchte aus dem Auto. Manche halten sogar an und geben uns heissen Cay. Die Geste ist ja unglaublich, doch gerade jetzt wünschte ich mir ein ultrakaltes "Bläterliwasser".
Nach einer Weile setzten wir uns ins Gras assen einen Happen Fladenbrot, dazu eine ganze Zwiebel und weiter gehts. Nach 135km kommen wir in Neyshabur an und suchen einen Platz um unser Zelt aufzustellen. Es dauerte keine zwei Minuten spricht uns einer an und meinte wir sollen ihm Nachfahren. Doch halt, er hat noch eine bessere Idee, er will unsere Fahrräder gleich in sein Auto einladen. Auf 2km mehr oder weniger kommt es uns wirklich nicht an, aber wenn er darauf besteht... Nach 20 Minuten "Velo-ins-Auto-laden" fahren wir knappe zwei Minuten bis zu seinem Kollegen und laden alles wieder ab, das ist eben Iran-Service!
Sein Kollege hat einen Bike-Shop, einen sehr guten sogar! Sieht aus wie bei uns. Ganz nervös sucht er in seiner Schublade nach etwas, es muss sehr wichtig sein. Tatsächlich, ein Zeitungsausschnitt auf welchem er abgebildet ist. Er radelte vor vielen Jahren nach und durch ganz Europa. Mit einem 3-Gänger und einem Rucksack... Heute unvorstellbar. 
Seine Frau kommt dazu und macht gleich frischen Tee und tischt selbst gebackenes Brot auf. Er schaut unsere Bikes an und ich merke wie ihm die Gedanken aufkommen von seiner Reise damals. Einmal mehr kommt es uns beiden vor, als würden wir ihn schon lange kennen und seien gute Freunde. Er meinte dann, wir könnten unsere Zelte im Stadtpark aufstellen. Tönt doch gut!   Er begleitet uns und beobachtet natürlich jeden Handgriff. Er drehte noch eine Runde mit Freddy und unsere Fahrräder wurden  im Museum nebenan geparkt... dort seien sie sicher! Was wird Freddy wohl denken neben all den ausgestopften Tieren?
Es kommen von Minute zu Minute immer mehr Menschen in den Park. Alle packen ihre Teppiche aus und beginnen mit dem Picknick, innert kürzester Zeit haben wir Unmengen von Essen vor unserem Zelt. Einer bringt uns gleich eine Gasflasche um jenes Essen welches kalt wurde erneut zu wärmen! So, um uns herum sind bestimmt über 200 Menschen die Picknicken und immer wieder mal bei uns vorbeischauen. Dass kann ja eine heitere Nacht werden und es ist bereits Mitternacht! Eine Familie lädt uns ein, bei ihnen zu sitzen. Der Vater telefonierte und nach kurzer Zeit steigt die Familienzahl von 4 auf 18. Onkel, Tante, Grosi usw. wurden dazugerufen. Er meinte der letzte Tourist habe er hier vor zwei Jahren gesehen... lohnt sich also über Howdan zu fahren!
Nach ein paar Stunden trifft auch noch die Polizei mit Lichtsignal ein. "Dürfen wir hier überhaupt zelten" zieht der Gedanke durch meinen Kopf. Sie begrüssen uns herzlich und fragen gleich ob wir uns hier wohlfühlen würden. Auf jeden Fall, gar keine Frage.
Falls wir ein Problem hätten, sollen wir ihnen einfach Bescheid sagen. Jetzt das unfassbare... Der eine Polizist sagte, wir werden die ganze Nacht hindurch jede Stunde vorbeikommen um zu sehen, dass alles ok ist. Ich glaub ich höre nicht richtig! Und tatsächlich kamen sie zu jeder vollen Stunde vorbei um nach uns zu sehen. Am nächsten Morgen standen sie bereits um 09.00 Uhr mit einer Kanne Tee vor unseren Zelten!
Die Polizei - Dein Freund und Teekocher!
Doch noch nicht genug, nach und nach fahren weitere Auto's zu und bringen uns Tee und frisches Brot. Was soll ich dazu noch schreiben...?! Es hat mich einfach total berührt! Manchmal habe ich das Gefühl ich werde innerlich total weich und könnte jeden Tag weinen...aus Freude natuerlich und weil ich es einfach nicht glauben kann, welch guten Menschen ich begegnen darf! In diesem Stil ging's dann weiter aber an ein Weiterfahren war nicht zu denken da wir zu so vielen Sachen eingeladen wurden.
Zuerst geht's ins Sportzentrum. Wir werden in eine Halle geführt in der eine Art Ringen mit bis zu 40kg schweren Keulen praktiziert wird. Da Heute Freitag, also Sonntag ist, findet kein Training statt...haha doch wenn schon mal zwei Reisende da sind wird kurz um für diese ein Training organisiert!! Inklusive Drummers und Moderator! Der Präsident dieses Hauses erklärte uns die Regeln dieser Kampfsportart. Das spezielle daran ist, dass die Kampffläche nicht wie beim Boxen erhöht ist, sondern tiefer als das Publikum liegt, warum? Er meinte: "Die Kämpfer vermitteln das Gefühl von Stärke und Grösse, warum muss man sie dann noch erhöhen? Wenn sie unten kämpfen, soll es sie daran erinnern, dass die Kraft aus der Tiefe kommt!" 
Einfach genial, dieser Gedanke!
Der Chef bietet uns gleich den Schlafsaal im nächsten Gebäude für die Nacht an. Dies nehmen wir noch so gerne an :)
Die Einladungs-Tour geht weiter...wir kommen in eine Familie und werden dort mit einem köstlichen Mittagessen verwöhnt. Am Nachmittag zeigen sie uns die ganze Stadt und wir besuchen die Sehenswürdigkeiten, alle Eintritte werden von ihnen bezahlt. Du hast einfach schlichtweg keine Chance auch nur einen Cent auszugeben. 
Am nächsten Morgen wollte wir früh los... denkste! Der Bürgermeister hat uns anscheinend zum Tee eingeladen. Gut nichts wie los!
Uns erwarteten 15 Herren im Anzug vor dem "Gemeindehaus". Der Herr Bürgermeister bedankt sich für unseren Besuch in der Stadt und als Dank gibt er jedem von uns 30 Dollar! Was jetzt? Einfach so!? Scheint so. Wir trinken mit den Herren Tee während ein grosses Auto mit der Aufschrift "Iran TV" vor fährt. Jetzt wird's definitiv lustig :)
Kamera wird aufgestellt und Kabel verlegt! Der Reporter begrüsst uns und beginnt mir Fragen zu stellen und schreibt die Antworten in Farsi nieder. Er sagte: "Ich werde Ihnen die Fragen in Farsi stellen und sie würden dann bitte in Schweizerdeutsch antworten, es wird dann mit Untertitel ausgestrahlt, ready?" Klar, doch zuerst checkt die Assistentin noch mein Kopftuch und zerrt meine Ärmel bis fast über die Hände höhö. Es geht los, er: "chali chechum hcara chersi chera?" Phuahahahah, ich: "Ja, genau, i bi im Chientau im schööne Bärner Oberland mit mim Velo gschtartet. Itz bini hie im Iran u bi eifach überwältiget vo dere Gaschtfründschaft", er: "chert chuop chachuch chaula". Und das ca. 5 Minuten so. Jetzt noch eine Aufzeichnung wie wir vor dem "Gemeindehaus" durchfahren. Die Strasse wird grad mal gesperrt!
Langsam aber sicher müssen wir mal weiter, es ist bereits wieder Mittag...genau! Zeit zum Essen. Der Bürgermeister wollte noch wissen wo wir die nächste Nacht planen, damit er in diesem Dorf alles organisieren könnte.
Es lohnt sich wirklich über Howdan zu fahren!! Wir verabschiedeten uns von allen und nahmen die Nebenstrasse. Immer seltener kommt ein Dorf und die Landschaft ist einmalig! Von einem Hirten werden wir unterwegs zu frischer Schafmilch und Kamelfleisch eingeladen, mmm lecker , schmecker!  Wir sollen doch gleich bei ihm übernachten. Ein weiteres mal müssen wir die Einladung ablehnen, was nicht ganz einfach ist!
Fünf Kilometer vor dem Dorf, steht bereits die Polizei am Strassenrand! Sie erwarteten uns schon und wir sollen ihnen Nachfahren... Wir werden direkt in eine Familie gelotst die höchstwahrscheinlich vom Bürgermeister organisiert wurde. Die Mutter hat bereits gekocht und wollte auch sogleich unsere Wäsche von Hand waschen. Das reden wir ihr schnell aus. Wiederum könnte ich viele Zeilen über diese Familie schreiben, doch kurz gesagt: Was für eine Gastfreundschaft!! Vor der Abreise "segnet" uns der Vater mit Kräuterwasser.
Am Dorfende ist die Schule und wir werden erneut angehalten. Sie haben zwei Plastiksäcke vorbereitet, gefüllt mit Früchten, Bonbons, Getränken und einem Geschenk. Voller Spannung packen wir das Päckli  aus... ein Portemonnaie, ein ledernes für Wolfgang und ein gewobenes für mich, ich bin einfach sprachlos!
Von Chakaneh Sofli bis Quchan öffnet sich erneut eine faszinierende, beinahe Menschenleere Landschaft. Wir beschliessen uns Heute definitiv ein Hotel zu nehmen. Es kann einem plötzlich Überfordern. Wir schätzen all die Einladungen enorm, doch es bleibt dann keine Zeit mehr für einem selber und genau diese Zeit wollen wir uns nehmen denn es waren in den letzten Tagen soo viele Erlebnisse in so einer kurzen Zeitspanne. 
Das einzige Hotel in der Stad finden wir auf Anhieb und die Räder werden auch gleich ins Zimmer geschleppt. Kaum auf der Strasse werden wir in einem "Restaurant" zum essen eingeladen...wiederum eine laange Geschichte. Zurück im Hotel habe ich den Schlüssel im Schloss gedreht, komme ins Zimmer... uups, es war nicht mein Zimmer, da war ein anderer drin! Höö? Warum geht dann der Schlüssel? Wir fanden raus, dass alle Zimmer das gleiche Schloss haben und jeder Schlüssel jedes Zimmer öffnen kann, ha auch nicht schlecht :)
Vom nächsten Tag könnte ich einen ganzen Blog schreiben, den überspringe ich jetzt einfach mal! (Wir verbrachten den ganzen Tag in einer Familie+Ausflug zum See)
Der letzte Tag im Iran bricht an... schon einen Monat hier? Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht. Die Fahrt in das Grenzdorf führt mitten durch schönste Berglandschaft. Wir werden unterwegs vier mal zu einer Passkontrolle aufgefordert. Kurz vor dem Grenz-Dorf Bajargan dürfen wir auch noch je eineTasche komplett ausleeren und den Benzinkocher erklären :)
Ein ausgestorbenes Dorf...auf der linken Seite befindet sich ein Hotel. Wir setzten uns vor verschlossene Türe und warten mal ab. Tatsächlich kommt nach einer Stunde einer vorbei und fragt was wir denn hier wollen? Wie wärs mit Übernachten?! Wo denn? Z.B. In diesem Hotel hier? Nein das ist geschlossen, aber er kennt jenen der einen Schlüssel hat! So cool! Eine weitere Stunde vergeht und der Schlüssel wird uns überreicht, wir sollen uns ein Zimmer aussuchen und Morgen den Schlüssel einfach hinlegen. Hahahah, wir haben also ein ganzes Hotel für uns, super!
Ich setzte mich gleich hinter die Rezeption und mache einen guten Eindruck. Wolfgang kommt mit einer Beschwerde zu mir! Es gäbe kein Wasser auf dem Zimmer. Da ich gleichzeitig auch Hauswartin bin, drehe ich den gefundenen Hebel im Keller gleich mal um und schon fliesst das nasse Braun höhö. Hey war das ein Gaudi :)
 
Fazit:
Ein Fazit über den Iran zu schreiben ist nicht möglich!
Ich bin einfach glücklich, dass ich dieses Land bereisen durfte! Ich habe eine Seite kennengelernt die in den Medien nicht beschrieben wird! 
Doch wie schon gesagt... Vier Wochen sind zu kurz um diese Land auch nur annähernd zu verstehen.
Ich habe was mitgenommen: Viele Erinnerungen an wunderbare, berührende und einmalige Begegnungen....
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From where??? "Svizra!, Svizzera!, Suisse!, Heidi!, Viktorinox!, Lindt!, Alpentheater!" Suisse? Noch nie gehört!

Dies wird vorerst meine letzte Busreise sein. 9h durch die Kavir-Wüste bis nach Mashhad. Der Nachtbus ist überfüllt und die Kinder liegen im Gang auf dem Boden. Der Holy Shrine in Mashhad oder auch Imam-Reza-Schrein genannt ist der zweitwichtigste Pilgerort nach Mekka, somit ist auf dieser Strecke immer was los.
Neben mir sitzt eine junge Iranerin, die morgen ihr Schluss-Examen schreiben wird. Sie kommt direkt von Shiraz, das heisst konkret, sie wird nach einer total 14-stündigen Busfahrt direkt an die Prüfung gehen. Sie ist jetzt schon super nervös und lernt bei dem schwachen Licht das aus diesen kleinen, runden Lämpchen über dem Kopf leuchtet, noch letzte Formeln auswendig. Als ich damals in der Chemiestunde sass und diese verfl.... Ameisensäureformel zeichnen musste konnte ich mir nie und nimmer erträumen diese je wieder einmal gebrauchen zu müssen oder zu sehen. Doch genau diese Formel ist das einzige was ich auf ihrem Blatt lesen respektiv identifizieren kann. Alles andere ist in Farsi. Ein Hoch auf die Ameisensäure!
Als ich endlich ein bisschen Schlaf gefunden habe, weckt mich das Klopfen auf meiner Schulter eines Gummiknüppels abrupt auf. Uff, wo bin ich? Warum fahren wir nicht? Der Polizist sagt in forschem Ton zu mir "You out!". Du raus? Ja gut, wenn der Herr wünscht. Als ich meine Tasche mit all dem wichtigen Zeugs mitnehmen wollte, gab er mir ein deutliches Zeichen nur den Pass mitzunehmen. In meinem Zentralhirn beginnt es zu rotieren... Habe ich Fotos gemacht die ich nicht hätte tun dürfen? Ist mit dem Visa alles in Ordnung? Hab ich per sms eine Nachricht geschickt in der was stand was ich nicht hätte schreiben dürfen? Nachdem ich in Sekunden dies alles abcheckte, war ich mir sicher, dass alles in Ordnung sein muss. Somit stand ich mitten in der Nacht irgendwo in der Wüste umringt von 5 Polizisten und mindestens 30 Iraner die an der Busscheibe klebten und mich beobachteten. 
Der eine fragt mich ob ich Farsi spreche, Nein! Der andere schaut meinVisa ganz genau an und sagt nach ca. 4 Minuten: "You are Italian?". Uups, einmal mehr hab ich mich nicht unter Kontrolle und muss einfach Lachen. Da steht doch tatsächlich ein Polizist vor mir, schaut 4min in meinen Pass und meint danach ich sei Italienerin?? Hahaha :) Er hingegen findet es überhaupt nicht lustig! Als ich zu ihm sagte, dass ich Schweizerin sei meinte er nochmals, also du kommst nicht aus Italien!? Nein "Switzerland"! Er versteht anscheinend nicht und ich zähle die geliebte Heimat in allen möglichen Sprachen auf: "Svizra!, Svizzera!, Suisse!, Heidi!, Viktorinox!, Lindt!, Alpentheater!". In seinen Augen sehe ich ein grosses Fragezeichen! "You are from Itali!", No no no!!
Langsam wird mir heiss, ist es tatsächlich möglich, dass ausgerechnet in diesem Nirgendwo, dieser wüste Wüstenpolizist denkt ich komme aus einem Land, dass nicht existiert??? Der Pass wird weitergereicht und verschwindet mit dem einem im Jeep. Vielleicht hat er ja im Handschuhfach eine Weltkarte und während dem ich all meine Taschen öffnen muss, sucht er vielleicht die Schweiz...hoffentlich hat er gute Augen und findet den kleinen Flecken...
Die Hunde kommen und schnüffeln an meinen Taschen...plötzlich kommt mir wieder den Dosenfisch in den Sinn, der zuunterst in meiner Vordertasche ruht und den ich seit Griechenland mitschleppe, uiuiui ist der wohl noch gut?
Jetzt geht alles ganz schnell, der eine kommt mit meinem Pass zurück (er hat die Schweiz oder vielleicht auch Swasiland offenbar gefunden), händigt ihn mir aus, geht in den Bus und alle müssen sofort aussteigen. Die Handtaschen und das Gepäck muss zurückgelassen werden. Wie ein Wollknäuel stehen wir beisammen während die Polizisten mit den Hunden den Bus durchsuchen. Ich glaube etwas ist faul an der ganzen Sache...
Jeder wird nochmals kontrolliert und eine Familie wird separiert. Wie ich mitbekomme ist es eine Afghanische Familie die kein Visum hat...gar nicht gut! Dem Buben, ich schätze er ist ungefähr 3 Jahre alt wird sogleich sein Plüschesel entrissen. Die Eltern werden vor den Augen ihrer Kindern in Handschellen gelegt. Das Mädchen beginnt zu weinen, doch die Mutter kann es nicht beruhigen. Sie werden in den Jeep gesetzt.
Ich schaue in den Himmel, sehe unzählige Sterne und schicke in Gedanken zwei Engel zu diesen Kindern. Der Plüschesel liegt neben dem anderen Gepäck im Sand und dieser Anblick zerreisst mich beinahe...
Der Polizist kommt zu uns, sagt in strengem Ton was in Farsi und alle beginnen ihr Gepäck aus dem Bus zu nehmen. Was ist jetzt los? Fahren wir nicht weiter? Die Sprachbarriere beginnt mich das erste mal zu stressen. Gut ich mach einfach alles denen nach und lade Freddy aus, die anderen sechs Taschen sind ja bereits draussen. Mir wird mit Händen und Füssen erklärt, dass dieser Bus nicht mehr weiter fährt und wir auf einen anderen Transport warten müssen. Hmm, um 09.00 Uhr habe ich mit Wolfgang an der Turkmenischen Botschaft abgemacht und Fatima hat auch nicht eine grosse Zeitspanne bis zu ihrem Examen...hoffentlich schaffen wir es rechtzeitig.
30 Minuten später kommt ein Bus in dem es genau 2 Plätze frei hat. Wie es selbstverständlich wäre, sind alle der Meinung, dass ich als erste einen Platz bekomme! Drei Iraner helfen mir alles einzuladen und weiter geht's. Wie lange die Anderen warten mussten? Keine Ahnung.
Was mit der Familie geschieht und wo sie jetzt wohl sind? Keine Ahnung? 
Was für eine Nacht in der Kavir-Wüste!!
 
09.05 Uhr bei der Turkmenischen Botschaft: Wolfgang steht bereits da und das Wiedersehen ist einfach super. Warum wir uns bei der Botschaft treffen? Weil wir ein kleines Problem haben... Wenn man mit dem Fahrrad nach Turkmenistan einreist, nimmt man die südliche Grenze von Mashhad in Sharaks. Bis vor kurzem war ich auch der Annahme, dass dies die einzige passierbare Grenze für Touristen sei...falsche Annahme! Der gute Herr Konsul in Teheran hämmerte uns die Grenze Howdan im Norden rein. Dies steht ganz klein und fein gedruckt bei "Bemerkungen". Nun wollen wir abklären ob es nicht trotzdem möglich sei die südliche zu passieren und uns einen Umweg von ca. 460km zu ersparen.
Die klare und deutliche Antwort: "No!, you go Howdan!". Grrr, danke für den bösen Blickwurf Herr Konsul! Konkret heisst das, Übermorgen müssen wir losfahren Richtung Norden, Hakuna Matata!
In einem total untergekommenen Hotel, Bettwäsche wurde schon lange nicht mehr gewaschen, das Klo ist bis zum Rande voll verstopft und die Dusche sprudelt braunes Wasser, geniessen ich zwei Nächte in meinem so sauberen Schlafsack hehe. Freddy wird zwei Querstrassen weiter entfernt operiert, er hat eine 8 im Hinterrad, die Speichengeister waren sich wohl  mal nicht ganz einig. Anschliessend werden noch die Bremsen kontrolliert und auf Hochglanz gebracht. Zur Überwachung bleibt er noch eine Nacht dort :)
In Mashhad gibt es neben dem super Bikeshop "blue sky" noch was anderes zu sehen. 
Der Holy Shrine! Dort befindet sich das Mausoleum vom Imam Reza, er war der achte Imam der Zwölferschiiten. Es ist ein riesiger Gebäudekomplex mit mehreren Hallen und Innenhöfen. Da 1994 bei einem Bombenanschlag auf den Shrein 26 Menschen gestorben sind muss die Handtasche samt Kamera abgegeben werden. Da ich keinen Tschador habe kann man den hier gratis ausleihen, für die Nichtmuslime gibt es einen weissen. Komme mir vor wie ein Gespenst, denn alle Anderen tragen einen schwarzen.
Der Aufseher am Eingang bietet mir gleich einen Tee an und somit sitze ich in seinem Häuschen und bin wie ein Ausstellungsmodell, fehlt nur noch das Schild um den Hals mit der Aufschrift: "ich bin Touristin und habe keine Ahnung um was es hier überhaupt geht". Nun gut, eine junge Frau kommt zu mir und erklärt, dass sie mich 3h durch das Areal führen werde. Die Führung ist gratis aber obligatorisch!
Ja super, wo sonst gibt's denn sowas! Das wär doch was für unsere Städte...alle Touristen die z.B. Luzern besuchen, müssen an einer Stadtführung teilnehmen, dürfen aber nichts bezahlen hahahaha! Der Eingang für Nichtmuslime ist selbstverständlich ein paar Meter weiter drüben, die Frau hinter dem Vorhang kontrolliert das korrekte Tragen des Tschadors. Am einfachsten wäre es das Tuch vorne zwischen die Zähne zu nehmen, so würde es halten und nicht immer nach hinten rutschen. Also los geht's, als erstes kommen wir in eine kleine Moschee wo fünf studierte an einem Tisch sitzen. Vor ihnen darf ich Platz nehmen und Fathima sagt zu mir: "Diesen Männern kannst du nun all Deine Fragen zum Thema Islam stellen".
Ups, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich vorbereitet gekommen. Die Basis , also einerseits über die fünf Säulen des Islams (1. Schahada, Glaubensbekenntnis, 2. Salah, Pflichtgebet, 3. Sawm, Fasten, 4. Zakat, Reinigung des Vermögens und 5. Hadsch, Pilgerfahrt nach Mekka) und anderseits woran Muslime glauben (1. An den einen Gott, 2. An die Engel, 3. An die Propheten, 4. An die heilige Bücher, 5. An die Vorherbestimmung und die Verfügungsgewalt Gottes und 6. An die Wiederauferstehung) darüber habe ich bereits in Istanbul viel gelesen und mich informiert... also reden wir doch über den Prophet Muhammad. Wer war er? Was zeichnete ihn aus?
Fragt mich jetzt bitte nicht wie...aber nach fünf Minuten sprachen wir über den Hockeyerfolg der Schweizer Mannschaft ;) Die Herren waren wohl mehr am Sport interessiert und mir war's auch recht hehe. Sie schenkten mir noch Postkarten und der eine zückte eine seltene Münze aus seiner Tasche und meinte sie werde mir Glück bringen. So nett!
Kaum draussen auf dem Platz wedelte ein Aufseher wild mit seinem farbigen Staubfänger um mein Gesicht. Fatima realisiert gleich seine Aufregung und richtet meinen Tschador zurecht...hoffentlich hat Allah nichts gesehen!
Fatima meint, wenn wir uns beeilen, können wir die goldene Kuppel vor dem Mittagsgebet erreichen, also husch, husch durch die Menschenmassen, denn wenn das Gebet beginnt, setzten sich alle nieder und dann gibt es kein Durchkommen mehr. Oh oh, es wird knapp, noch durch die Frauenmoschee und dann haben wir's geschafft...zu spät! Wir stehen mittendrin und innert zwei Sekunden knien alle Frauen am Boden, ich bin dafür dass wir auch niederknien...doch Fatima sagt nonono und läuft weiter.
Es tut mir echt leid und ich fühlte mich soo schlecht vor all den vielen betenden Frauen durchzulaufen und immer wieder mal spürte ich einen Gebetskranz unter meinen Füssen oder trat auf einen Tschador...ich weiss auch gar nicht warum Fatima es so eilig hatte. Als wir es geschafft haben und nach draussen kamen liess mich der nächste Anblick erstarren!
100te, wenn nicht sogar 1000ende von Männern beteten im Einklang zusammen. In der gleichen Sekunde knieten alle nieder, berührten mit den Stirn den Gebets-Stein, knieten wieder hin, standen auf, gingen wieder zu Boden... So was habe ich noch nie gesehen und ich war zutiefst gerührt. Wir erreichten den Mittelpunkt des ganzen Areals...
Jetzt weiss ich auch warum Fatima sich so beeilte, es ist wohl der einzige Zeitpunkt während des Gebetes, so nahe an diesen heiligen Platz zu gelangen. Kaum waren wir drin meinte sie, dass wir und beeilen müssen um rauszukommen bevor das Gebet zu Ende sei...zu spät! Kurz vor dem Ausgang, sagte sie: "Halt Dich an meinem Tschador fest und lasse nicht los, wenn Du loslässt finden wir uns kaum wieder!" Stimmt, sehen ja alle gleich aus! Das unfassbare beginnt...die Frauen stürmen regelrecht hinein, ich sehe nur noch schwarz, schwarze Gestalten mit unbeschreiblichen Blicken! Die Einen schreien, die Anderen weinen, dritte schlagen sogar wild um sich!
Mit einem Fetzten Tuch in meiner linken Hand probieren wir gegen den Strom zu schwimmen, bald sind wir beim Eingangstor...die Situation eskaliert und die Aufseher probieren mühsam das Tor zu schliessen. Wir sitzen also fest und dies im Holy Shrine! Fatima erklärt mir, dass das Tor solange zubleibt bis sich alle beruhigt haben. Nach ca. 20 Minuten gibt's einen zweiten Versuch und wir kommen raus, uff!
Es gäbe noch vieles über diesen Ort zu schreiben...doch dies kann man auch "googlen".
Fatima begleitete mich noch ins Hotel zurück. Als ich ihr was geben wollte als Dank für ihre Zeit, lehnte sie vehement ab. Sie bekommt keinen Cent für diese Arbeit, alles Gutwill! Das ist für mich sehr schwierig zu akzeptieren, dass jemand eine Dienstleistung erbringt und absolut NICHTS dafür will, probiere ich was zu geben, fassen sie es schon als Beleidigung auf. Das gleiche war ja in der Familie in Tabris so. Bei uns in der Schweiz zahlt man einfach praktisch für alles...am meisten für die Zeit! 
 
Jetzt habe ich wieder was gelernt: Man darf auch was Annehmen! Wie oft sagen ich wenn ich Freunde zum Essen einlade: "aber gäu, bringsch de ja nüt mit!". Bringen sie jedoch trotzdem was mit, nicht weil es "sich so gehört" sondern weil man sich freut über die Einladung und deswegen dem Einladenden seine Freude zeigen will, also aus Ehrlichkeit was mitbringt, sag ich oft als erstes: "das wär jetzt aber würklech nid nötig gsi!" 
So ein Schwachsinn!
Anstatt zu sagen: "Wow cool, so eine schöne Rose, Super!" Oder:
"Lindt-Kugeln!! Die wollte ich schon lange wieder einmal!" :)
 
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Kugeln in Yazd!

Erneut sitze ich in einem klimatisierten Bus und verlasse Teheran auf vier Rädern. David und Sebastian sitzen vorne und ich wurde neben eine Iranerin gesetzt. Ich schaue aus dem Fenster und hänge meinen Gedanken nach. ..frage mich ob meine Velotour tatsächlich in eine Bustour ausartet und werde immer wieder abgelenkt. Z.B. Steht da an einer Mauer "Nieder mit Amerika" und darunter sieht man einen schwarzen, grossen Stiefel der auf der halbzerrissenen Flagge steht... gleichzeitig habe ich von vielen jungen Leuten gehört: "America is very, very good!". Die Strassen sind voll mit Plakaten für die Wahlen. Am meisten ist Ruhani abgebildet. Er könnte ein kleiner Lichtblick sein. Unsere Bundesräte werden ja gerne oft und gut in der Öffentlichkeit mal "veräppelt"...das geht hier nicht. Ich hatte mit Iranern auf den Strassen Gespräche, da hat sich nicht jeder getraut auch nur ein Wort über Ahmadinedschad zu verlieren! Andere hingegen haben sehr deutlich und klar gesagt "i hate him, he's such a doll!"
"Willst Du auch ein paar Nüsse?", die nette Dame neben mir holt mich in Gedanken in den Bus zurück. Ich bin erstaunt wieviele Menschen hier ein so gutes Englisch sprechen. Bahar ist auf dem Weg nach Esfahan um ihre Eltern zu besuchen. Ein letztes Mal bevor sie nächste Woche mit ihrem Mann nach Kanada auswandert. Sie ist Zahnärztin und hat ein Jobangebot bekommen. Das heisst, es sind gleich 20 Zahnärzte die nach Kanada reisen. Neben der Praxisarbeit unterrichtete sie an der Universität in Teheran.
Eines Tages kam die Nachricht, dass Kanada einen Aufruf gemacht habe und in verschiedenen Ländern auf der Suche nach Zahnärzten sei. Bahar sagte zu mir, dass dies ihre Chance wäre auf ein besseres Leben, viele qualifizierte Leute verlassen das Land. "Weisst Du, wir Iraner sind ganz schön clever und wenn du richtig gut bist, hast du die Möglichkeit auszuwandern". Ich sagte dann: "Aber wenn all diese Menschen gehen, wer bleibt dann noch hier?" Sie meinte: "In der Tat, das ist eine Schande, genauso wie unsere Regierung!!!".
Plötzlich stoppt der Bus und zwei Polizisten mit Hunden kommen herein. Der so gross erscheinende Mann bleibt neben mir stehen, ohne einen Blickkontakt sagt er: "You, Passport!" Am liebsten hätte ich gesagt: "No i'm Maria,! Nice to meet you too" aber stillschweigende gab ich den Pass ab, worauf er mit diesem zu seinen Kollegen ging. Nach 15min kam er zurück und die Fahrt ging weiter.
 
Die ganze Fahrt hindurch während 4h haben wir uns unterhalten. Sie rief dann auch gleich ihren Mann an und erzählte, dass sie neben einer Schweizerin sitzt die mit dem Fahrrad unterwegs sei, dieser war geschockt und wollte gleich mit mir sprechen...so telefonierte ich ca. 30 Minuten mit ihm. 
Wir tauschten noch unsere E-Mail Adressen aus und Sie lud mich gleich in ihre Familie ein. Ein weiteres mal berührte mich diese Einladung sehr, ist es doch das letzte Mal dass sie ihre Eltern sieht und dann für eine längere Zeit nicht mehr. "Vielen, vielen Dank, aber geniesse jetzt die kostbare Zeit mit Deinen Eltern!". Sie begann zu weinen und sagte: "ich werde sie so unendlich vermissen, ich bin ihr einziges Kind und jetzt gehe ich einfach fort, doch wir alle wissen dass es gut so ist...obwohl ich ja erst später sagen kann ob es wirklich die richtige Entscheidung war". Wir wünschten uns gegenseitig viel Glück auf dem bevorstehenden Weg. Ich bewundere Bahar, denn sie wagt etwas!
Auf dem Weg nach Isfahan, oder auch Esfahan geschrieben sahen wir einige grosse Anlagen. Einer erklärte uns es seien Forschungsanlagen der Atomindustrie.
Nachdem einmal mehr alles abgeladen und im Zimmer verstaut ist, machen wir uns auf den Weg zu wohl einem der eindrücklichsten Plätze im Iran. Ein persisches Sprichwort sagt: "Esfahan ist die hälfte der Welt". Bei dem Imam-Platz setzten wir uns ins Gras und sind beinahe sprachlos ab diesem kulturellen Schatz. Die Moschee Masged-e Emam, Lotfollah steht so mächtig da, dass ich kaum aus dem Staunen komme. Die Kacheln aus unterschiedlichen Blautönen lässt die Moschee zauberhaft wirken. 
Da es ein touristischer Platz ist merkt man gleich den Unterschied der Einheimischen. Die meisten wollen einen ganz speziellen Teppiche verkaufen und dies auf eine sehr clevere Art. In der Türkei z.B. hiess es: "Willst du Geld ausgeben? Spezialpreis nur Heute und nur für dich!" Common das ist doch ein alter Spruch! Hier wirst Du in ein nettes Gespräch geführt und kurz bevor du dich verabschieden willst, möchte der Verkäufer dir noch "schnell" was zeigen. Nachdem er fragt welcher Stil einem besser gefällt ob der klassische oder der nomadische, denkst Du automatisch darüber nach, gibst eine Antwort und setzt dich mit dem Thema auseinander.
Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: 1. man lässt sich gehen und steht am Schluss mit einem gekauften Teppich da, denn sie sind verdammt gute Verkäufer! 2. man läuft einfach davon oder 3. (was wir übrigens machten) man sagt von Anfang an: "lalalalalalla...miiir siind mit em Veloo daa, miir sind miit em Veloo da, wir können leider keinen Teppich kaufen aber gerne würden wir mehr darüber erfahren :)" So geniessen wir bei schlussendlich 5 Cay's und 15 ausgerollten Teppichen während 2h die fachmännische Erklärung über die Bedeutungen der verschiedenen Sujets. 
Oh ich habe schon zu viele Sachen gesehen die ich gerne gekauft hätte, für Mama oder einfach so Geschenke für Freunde. Die Platzbeschränktheit  lehrt einem, dass nichts mitgenommen werden kann... das was bleibt sind die Erinnerungen! 
Das einzige wo ich so richtig zuschlagen kann und Geld ausgeben sind für Postkarten. Bis Heute sind es über 60 an der Zahl. Ich liebe es Postkarten zu schreiben und wie Caspar sagte: "Viel besser als sms". Also falls sich jetzt jemand benachteiligt fühlt, weil sie oder er noch keine bekommen hat, dann tut mir das natürlich aufrichtig leid hehe. Doch liebe Kartenlose, beisst nicht in den sauren Apfel, schreibt mir eine Mail und dann kann es sein, dass nach ein paar Wochen euer Briefkasten nebst den trockenen Rechnungen wieder einmal richtiges Futter bekommt.
Am nächsten Morgen kamen wir mit einem Herrn ins Gespräch und da es mittlerweilen Mittag wurde, lud er uns zum Essen ein. Am Nachmittag wollte er uns hinter die Kulissen von Esfahan führen. Dort wo gearbeitet wird, natürlich hauptsächlich an Teppichen :) Hier werden mit aufwändigster Arbeit Teppiche restauriert. Da sass ein älterer Mann im Schneidersitz vor seiner Arbeit. Seit 2 Monaten beschäftigt er sich damit die eine Hälfte des Teppichs um 10cm nach unten zu rücken, da das Hauptsujet sich nicht ganz in der Mitte befand. Knopf für Knopf wird mit einem speziellen Spatel und Hammer nach unten gehämmert...einfach unglaublich! Ein Anderer wechselte die Blumen in einem Teppich aus, sie waren in gelber Farbe und der Kunde wünscht sie nun in Rot! Jeder Knopf muss einzeln gelöst werden und ein neuer in roter Farbe eingesetzt, eine Arbeit die Wochen dauert. Zum Glück hat er kein Grassujet auf dem Teppich, wär schön blöd wenn ihm das Grün verleiden würde. 
Wir sahen wie die frische Seide gefärbt und getrocknet wurde, wie Gewürze gemahlen und abgepackt wurden und wie Menschen sich ein ganzes Leben lang mit Teppichen auseinandersetzten können!
Zum Schluss lud er uns in seine Familie ein und wir bekamen frische Gurken und Tomaten aufgetischt über. 
Am Abend trafen wir auf eine Gruppe Studenten von der hiesigen Universität, welche uns den besten Coffeshop der Stadt zeigten und wir hatten wieder einmal einen super gemütlichen Abend. 
Nach 2 Tagen reisen wir weiter nach Yazd. Eine der ältesten Städte im Iran. Es ist eine Oasenstadt und sie liegt zwischen den Wüsten Dascht-e Kavir und Dascht-e Lut.
Heute ist der 14. Juni 1392 und ein neuer Präsident wird gewählt. Auf den Strassen ist einiges los und das Silk Road Hostel lädt zu einem "Mitlaufen" auf  der Strasse ein...dafür gibt's eine Nacht gratis hehe. Das Resultat sollte Morgen bekannt sein, wir sind also gespannt. Die Stimmung ist sehr friedlich, ja nahezu feierlich. Überall wird gratis Eis-Wasser mit Rosengeschmack verteilt und es kommt mir vor wie an einem fröhlichem Fest zu sein. 
Am Abend organisieren wir einen Fahrer der uns in die Wüste bringt um den Sonnenuntergang zu sehen. Wow, ein unbeschreibliches Erlebnis. Nach einem kurzen Kamelritt, liefen wir ca 1h in die Wüste hinein. Es ist eine Wüste so wie ich sie mir immer vorstellte. Feinster Sand soweit das Auge reicht. Im Gegensatz zu der eher felsigen Wüste auf der Sinai-Halbinsel oder der Karakum-Wüste in Turkmenistan (welche es noch zu durchqueren gilt) ist diese hier wirklich total aus Sand, ok ab und zu ein kleiner Busch.
Morgen wollen wir nach Shiraz reisen und am liebsten möchte ich Freddy hier in Yazd lassen weil ich wieder hierher zurückkommen werde und von hier aus nach Mashhad reisen. Kaum hatte ich diesen Gedanken im Kopf, spricht mich eine junge Iranerin an und fragt wohin des Weges. Sie meinte dann kurzum ich könnte bestimmt mein Fahrrad bei ihrer Grossmutter in der Zwischenzeit lagern. Ja super! Am nächsten Morgen radelte ich gleich zu Grosi und lagerte mein Gepäck in der Stube neben ihrem Gebetsteppich. Freddy wurde auf der Terrasse mit einem Teppich zugedeckt.
Auf geht's nach Shiraz! Eine Stadt auf 1500M.ü.M speziell bekannt für die Gärten, für das Grabmahl von Hafis und natürlich für Persepolis! Es war eine der Hauptstädte des antiken Perserreiches. Das alles zu sehen ist sehr schön doch ich möchte lieber was sehen was nicht unbedingt im Reiseführer steht! Ha und das ist meistens überall zu finden! In diesem Fall war es ein Wasserfall 3h entfernt von Shiraz. Wir erhofften uns, dort baden zu können. Die Einheimischen kommen hier her um die Kühle zu geniessen und höchstens die Füsse ins Wasser zu strecken. Wir fanden ein Plätzchen mit einem Naturpool welches von Bäumen verdeckt war. Ich schaffte es beinahe mein Kopftuch abzulegen und schon stand eine Frau hinter dem Baum und sagte: "No!" Ja, ja schon gut, so die zwei Herren badeten genüsslich im kühlen nass und ich hatte das Zusehen, hmpf! 
Noch etwas zum Thema "Unterwegs sein in männlicher Begleitung". Hauptsächlich wird mit Sebastian gesprochen, auch wenn sie mich was fragen möchten läuft dies über ihn, er wiederum leitet mir die Frage weiter, ich antworte ihm und er leitet erneut weiter, also so ziemlich kompliziert, es ginge ja such auf direktem Weg...aber Frau bleibt hier Frau!
Hey Sebastian und David, es war eine super Zeit mich euch zusammen, bis bald einmal in Lausanne oder Hamburg :)
Als ich dann wieder zurück nach Yazd fuhr und alleine als Frau ein Taxi bis zum Silk Road Hostel nahm sah alles wieder komplett anders aus... Ich wusste, dass die Taxifahrt ca. 20 Minuten quer durch die Stadt dauert. Nach 40 Minuten fahrt und plötzlich an einem abgelegenen Ort zu sein wo keine Häuser und Lichter mehr waren lief definitiv etwas wrong. Mit lauter, klarer und sehr deutlicher Stimme sagte ich zu ihm Silk Road Hotel!! Er textete mich in Farsi zu und seine Hand war plötzlich auf meinem Oberschenkel. Ganz gelassen aber bestimmt legte ich seine Hand zurück, nahm mein Telefon hervor und tat so als ob ich telefonieren würde, als ich dann das Wort Polizei sagte wurde er ziemlich nervös und keine 10 Minuten später waren wir beim Hotel...also warum nicht gleich so! 
Fazit: bin ich in männlicher Begleitung werde ich kaum beachtet, bin ich alleine kann die Situation schnell kippen. Dies passierte ca. 3x in einer ähnlichen Art und doch muss ich betonen, dass es absolut kein Problem ist alleine als Frau im Iran zu reisen... es braucht einfach Respekt und eine gewisse Bestimmtheit!
Und übrigens, Menschen mit einem IQ von einer Wassermelone gibt es einfach überall auf der ganzen Welt!
Jetzt noch zu den Kugeln von Yazd. Ich habe mich so gefreut noch ein paar Tage hier zu sein, denn es gibt hier so vieles zu sehen. Das Hostel befindet sich mitten in der Altstadt in welcher alle Häuser aus Lehm sind. Somit riecht es ziemlich lehmig in meinem Zimmer aber ich mag diesen modrigen Geruch hehe.
Von 11.00-17.00 ist die Stadt wie ausgestorben, kein Mensch ist auf der Strasse... bei 52Grad an der Sonne ist es schlichtweg zu heiss. Doch genau um diese Zeit mache ich mich auf zu einem Spaziergang und auf wen treffe ich? Genau auf ein Schweizer Pärchen aus Meilen :) So spontan wie wir Schweizer sind, laden sie mich gleich zum Nachtessen in ihr Hotel ein. Es präsentiert sich ein grosses Buffet mit einheimischen Food, wow! Sie sind sehr interessiert an meiner Reise und total sympathisch. Es tat richtig gut wieder einmal so zu Reden wie einem der Schnabel gewachsen ist. Wir tranken noch einen Cay und Herr Schweizer zückte aus seiner Tasche das Unfassbare!
Kugeln, nein nicht irgendwelche, es waren Lindorkugeln!!! Mein Chef liebt die doch über alles muss ihm gleich ein Foto schicken höhö. Ich war sprachlos und konnte es kaum glauben! Es waren 10 Stück in dem Pack!!! Die heb ich mir für einen besonderen Moment auf, vielleicht für in der Wüste in Turkmenistan :) Was für ein Tag in Yazd! Danke euch beiden von ganzem Herzen für diesen schönen Abend und speziell für das Stück Heimat! See you in Meilen ;)
Doch der Abend ist noch nicht zu Ende. Zurück im Hotel treffen noch zwei Mädels aus Österreich ein. Wir plaudern noch ein wenig und als sie mein Fahrrad erblickten, Freddy zeigte sich wieder von seiner Glanzsseite, sind sie erstaunt und wollen mir was mit auf den Weg geben... Eine Kugel, aber nein wiederum nicht eine gewöhnliche sondern eine Mozartkugel hahaha, Ja dann kann ich nur noch sagen:  Servus!
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2 Tage in Teheran im Jahre 1392

Die Familiengeschichte ist noch nicht zu Ende... Nach einer kurzen Nacht sind wir schon früh Morgens unterwegs in Richtung Friedhof... Zum Dichterfriedhof. Dieser ist sehr bekannt in Tabris. Gleich daneben befindet sich das Nahrungsmittelmuseum und wie erahnt verweilen wir in diesem viel länger als bei den alten Büchern und Schriften der Poeten. Künstliche Orangen und ganze Menues aus Plastik wecken dann sogleich die Kochlust von Nasil. Also los zum Markt um frische Ware zu kaufen...Unmengen!! Zuhause werden die Kochaufgaben gleich verteilt, doch der Gast soll sich's bequem machen und Tee trinken...

oder vermuten sie wohl mein sehr begrenztes Kochtalent?  

Nach einigem hin und her konnte ich mir doch noch die Zuständigkeit für den Salat ergattern :) Früher in der Kochschule habe ich immer gehofft, dass Salatlos zu ziehen, doch meistens war es der Hauptgang und unsere Gruppe hatte oftmals am wenigsten zu Essen weil ganz bestimmt 1/3 von dem Reis am Pfannenboden kleben blieb, hmm.

Die ältere Tochter Elham kam mit ihrer Familie zum Nachtessen. Es war eine seltsame Stimmung, keiner sprach etwas und ich wusste auch warum... Zum erste Mal seit ich in Nepal war, kam dieses eine Gefühl zurück...das Gefühl zu haben, noch soo vieles sagen zu wollen aber nicht zu können. Noch eine Stunde bis ich gehen muss, eine fast unerträgliche...

am liebsten würde ich sofort aufstehen und einfach losziehen, doch wie ich schon oft geschrieben habe, gehört das Abschied nehmen dazu. Ich stehe auf, montiere das Kopftuch welches sogleich zum die Tränen wegwischen dient, trage die Taschen vor das Haus, zücke die letzte OVO-Schokolade und lege sie stillschweigend in Maza's Hand. Mohammed probiert mir in aller Eile  zu erklären, dass ich Mama anrufen soll und ihr sagen, sie solle nach Tabris kommen und wir könnten bei ihnen wohnen. Ach wie lieb! Wir werden uns bestimmt wieder einmal sehen.
Er begleitet mich noch bis zur Busstation, was ich nicht wusste war, dass er bereits ein Ticket im besten VIP-Bus für nach Teheran gekauft hat! Wir fahren in die Dunkelheit der Nacht hinein und das orange Licht der Strassenlampen lassen die Tränen in seinen Augen Glitzern. 
Der Bus ist bereits da. Er legte seinen Arm um meine Schulter und sagte "Insallah". Aus seiner Hemdtasche zückt er 300 US-Dollar und steckt sie mir zu! Nein, auf keinen Fall kann ich dies annehmen. Er wollte, dass ich das Geld nehme, er sei extra auf die Bank gegangen um es in Dollar zu wechseln. Was hättet ihr getan? Ein Mann in Tränen steht vor euch, den ihr seit 3 Tage kennt und will euch sein Monatsersparnisse einfach so schenken? Was hättet ihr getan??
Wie gesagt, ich konnte dies nicht annehmen, ich legte meine rechte Hand auf mein Herz als Zeichen des Dankes, stieg in den Bus und das wars!
Diese Begegnung mit so einer herzlichen Familie werde ich niemals vergessen.

Im Bus ging's im gleichen Stil weiter. Die junge Frau die den vordersten Platz hatte, kam nach hinten zu mir und fragte ob ich Touristin sei. 100 Punkte für die Dame in der vordersten Reihe hihi. Frauen und Männer sind hier im Bus getrennt. Sie spreche Englisch und falls ich ein Problem während der Fahrt habe, könne ich sie fragen. Total lieb doch das ist noch nicht alles...wie ein nervöses Huhn stand sie 3 Minuten später wieder bei mir hinten und meinte sie versuche jetzt den Platz mit dem Herrn vor mir zu tauschen, denn falls ich ein Problem hätte müsste ich dann nicht zu ihr nach vorne laufen.
Meine Güte ich werde tatsächlich noch faul! Der Herr willigte ein, packte mühsam seine 7 Sachen wieder zusammen und zügelte nach vorne und meine SOS-Schwester Fathima ist zum Dienst angetreten ;) Nach einem Nickerchen ist mein Kopftuch natürlich nicht mehr da wo es hingehört. Doch Fathima kümmert sich darum und  leistet erste Kopftuch-Hilfe. Sie lud mich dann sogleich in ihre Familie ein und ich könne bei ihr bleiben solange ich wolle!
Sogerne ich die Einladung auch angenommen hätte, zwingt mich das Abholen des turkmenischen Visum in Teheran in einen Zeitplan. Sie gab mir ihre Telefonnummer, dass ich sie bei Problemen jederzeit erreichen könne, so lieb. 
06.00 Uhr in Teheran: Eine Stadt mit 10 Millionen Einwohnern! Im Bus habe ich mir auf der Karte den Weg von der Busstation bis zum Hotel Firouzeh eingeprägt, ca. 6.5 km immer gerade aus, dann links abbiegen, nach dem 2. Kreisel rechts und nach 1km nochmals rechts. Erstaunlicherweise war es tatsächlich ziemlich einfach zu finden obwohl mich der Verkehr auf einer 7-Spurigen Strasse herausforderte.  Hotel gefunden, Gepäck abgeladen, Freddy im Keller geparkt, es kann los gehen. Ich spaziere durch die Strassen und will in den Stadtalltag Teherans eintauchen. Ha, das geht ruck zuck! Die Shopbesitzer sitzen draussen auf ihren faltbaren Hockern und jeder zweite spricht mich an. Die Fragen sind immer die gleichen: Woher? Wie alt? Wieviele Kinder? Verheiratet? Allein??. Nach 2h habe ich über 50 Visitenkarten mit Telefonnummern in meiner Tasche und 18 Einladungen für Übernachtungen in Familien! Ich bin sprachlos...
Ich muss unbedingt ein neues Kopftuch kaufen weil mir das jetzige dauernd runter rutscht, der Stoff ist einfach zu leicht. Die Suche nach einem Laden gestaltet sich schwieriger als angenommen. Als ich bei einer alten Dame nachfragte (mit Händen und Füssen) begleitete sie mich zum Shop. Da wir uns in der Autostrasse befanden, ich nenne sie so weil man in der ganzen Strasse nur Shops zum Thema Auto findet. Einer verkauft Felgen, der Andere bietet Lichter an und der Dritte Pneus. Wir liefen ca. 20 Minuten. Wenn mich Zuhause jemand nach dem Weg fragt, dann erkläre ich diesen oder mache eine kleine Skizze...aber ich würde ihn bestimmt nicht 20min begleiten! Warum würden wir das eigentlich nicht tun? Weil wir keine Zeit hätten??
Der Laden hat zwar Schaufenster, diese sind jedoch mit schwarzen Tüchern ausgekleidet damit man nicht hinein sehen kann, macht ja auch Sinn wenn man Kopftücher probieren möchte! Auch die Coiffeuresalons für Frauen sind verdunkelt, dass von aussen keiner was sehen kann.
Nach erfolgreicher Kochtuchfarbberatug (was für ein Wort:) und Kauf ging ich zurück ins Hotel. Auf dem Weg sprach mich eine junge Dame an, sie erzählte mir etwas in Farsi und stellte eine Frage. Gespannt hörte ich zu und als ich nicht antwortete, fragte sie erneut in perfektem Englisch ob ich den kein Farsi spreche? Hehe noch nicht! Sie entschuldigte sich bei mir, weil sie dachte ich sei Iranerin. Liegt das jetzt am neuen Kopftuch?
Ihre Nase war weiss eingekleidet, wie so in eine Art Schutzschild. Natürlich nahm es mich wunder, was da passiert ist. Heute habe ich schon einige Frauen gesehen die einen solchen Schutz trugen. Ehrlich gesagt war mein erster Gedanke, dass sie vielleicht geschlagen wurden. Doch der Grund ist ein gaanz anderer! Zu meinem Erstaunen freute sie sich über meine Neugierde, kicherte und voller Stolz zeigte sie mir auf ihrem Natel ein Foto von ihrer Nase "Vorher" und "Nachher" :)
Tatsächlich ist es hier sehr günstig und total Mode sich die Nase richten zu lassen. Vielleicht fragte sie mich ja zuvor in Farsi ob ich noch eine Adresse für einen Plastischen Chirurgen brauche? Ojemine. Die Situation war so absurd, dass ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte und es auch nicht so schnell stoppen... es war ja kein Auslachen! Sie amüsierte sich und als Dank für mein Interesse wollte sie mich auf ein Eis einladen. Ich nutze die Situation, dass sie so gut Englisch sprach und stellte ihr viele Fragen: zu den Wahlen, den Iran, über Teheran, der Stand der Frauen, undundund. Es scheint mir unmöglich dies alles aufzuschreiben doch was sicher sehr aktuell ist, sind die Wahlen vom 14. Juni. Sie meinte es spiele eigentlich nicht eine soo grosse Rolle wer gewählt wird, die zwei Imame haben sowieso das Sagen auch wenn dass öffentlich nich so transparent sei (mehr dazu später...) 
Am Abend "grübelte"ich noch alle Dokumente hervor die ich für die Abholung des Visas brauche. Hundemüde liege ich auf der durchgelegenen Matratze, kann nicht einschlafen, da ich kaum fassen kann, was ich an einem einzigen Tag alles erlebt habe und wie viele Begegnungen darunter waren.
Als ich am Morgen das Fladenbrot mit Karottenmarmelade geniesse, setzt sich ein weiterer Reisende neben mich. Vielleicht ist er ja mit dem Fahrrad unterwegs?! Leider nicht. Doch ich freue mich sehr über die Gesellschaft von Sebastian aus Deutschland. Er hat gerade Ferien und reist in dieser Zeit mit dem Rucksack durch den Iran. Wir verstehen uns sehr gut und beschliessen gleich die drei Städte Esfahan, Yazd und Shiraz gemeinsam zu besuchen. Keine 10 Minuten später steht ein weiterer Tramper an der Rezeption. Von hinten, sowie auch von vorne könnte man meinen es sei Nicolas Cage, unglaublich diese Ähnlichkeit...
Doch die gelbe Emmentalerkäse Bauchtasche wirft diese Annahme schlagartig in den Hintergrund. David aus Lausanne reist vom Iran über den Oman weiter nach Dubai. Er schliesst sich uns an und fast hätte ich vergessen, dass ich ja noch das Visum abholen muss :) da die zwei keinen Plan für Heute haben wollen sie mich begleiten. Ja super, dann können wir gleich nach der Botschaft zusammen weiter, es gibt noch einen Berg am Stadtrand und von dort soll man eine super Sicht über die ganze Stadt haben. Die Taxifahrt zur Botschaft dauerte 1 Stunde und kostete 4 Franken. Es sind bereits viele Leute am warten, einer hält mindestens über 10 Pässe in der Hand, uff das kann dauern. Ich sagte zu Sebastian und David, dass sie doch schon mal vorausgehen sollen, doch die zwei finden es gemütlich unter dem Baum, essen ein paar Nüsse und warten sehr geduldig.
Ein weiterer Visahoffender kommt dazu. Der ist so gebräunt im Gesicht, es muss ein Radler sein! Ha und prompt ist es einer: Wolfgang aus Hamburg. Natürlich haben wir uns vieles zu erzählen. Wir vergleichen die Daten des turkmenischen Visum's, meines läuft einen Tag früher das heisst wir könnten eine Teilstrecke zusammen radeln! Wir tauschen unsere iranischen Nummern aus und werden uns in Mashhad wieder treffen, super.
Der Herr Konsul bittet mich nochmals einen Antrag auszufüllen und dann zu warten...4h später hab ich das Visum im Pass, checkte die Daten und bezahlte 55Dollar. Es ist ein Transitvisum, das heisst du hast nach der Einreise 5 Tage Zeit um das Land wieder zu verlassen höhö. Es gibt auch ein Touristenvisum, doch für dieses zahlt man pro Tag 200 Dollar und man muss einen Guide haben. Also sind 55 USD für 5 Tage ohne Guide ja richtig günstig...hmm.   
Die Aussicht von dem Berg auf Teheran ist wirklich einmalig. Die Stadt ist einfach riesig. Jemand sagte uns: "Der Iran ist ein Land, Teheran ein Anderes!" Am Abend finden wir ein traditionelles Restaurant mit Livemusik. Je später es ist desto mehr Leute kommen. Iranische Familien essen zusammen, klatschen im Takt zu der Musik, haben es lustig und winken uns immer wieder mal zu. Was für eine gemütliche Runde! 
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48 Grad, viel Fleisch und ein Plastikschwan...

Die ersten paar Tage bin ich in der azerbeidjanischen Provinz, sie grenzt an die Provinz Kordestan welche durch die Zagros Bergkette geprägt ist, sie ist etwa 1500km lang und reicht bis zur Meeresküste von Oman. Diese Bergkette ist total interessant denn sie ist wie eine Grenze, einerseits trennt sie das mesopotamische Tiefland mit dem iranischen Hochland. Sie ist auch eine Klimascheide, denn sie bildet eine Barriere für die Wolken welche meistens aus Westen kommen. Dazu ist sie eine historische Grenze, die die alten Kulturen Mesopotamiens von der Bevölkerung und später das iranische vom Osmanischen Reich trennte. Lonley Planet sei Dank!
Nun aber zurück nach Maku. Am Morgen telefonierte mir Mehmmet von Dogubeyazit. Er fragte, ob bei mir soweit alles in Ordnung sei, so lieb. Sein Kollege Mohammed, der gestern auch beim Frühstück war, fahre heute nach Tabriz und er würde mich gerne in seine Familie einladen und mich gleich von Maku aus mitnehmen. Ja super, da stimme ich doch gerne zu. 2h später parkte er auch schon vor dem Hotel. Ruck zuck war alles eingeladen und die 4 stündige Fahrt kann losgehen, doch Halt!
Zuerst muss noch der Fernseher über dem Armaturenbrett installiert werden, damit wir während der Fahrt die News schauen können... Sein Fahrstil war auch dementsprechend, oftmals hab ich einfach die Augen zugemacht und dachte: "es wird sehr, sehr knapp, doch Mohammed wird es schon irgendwie richten!"
Tabriz, die drittgrösste Stadt Irans in gut 1300 m Höhe. Maschinen- und Fahrzeugbau wie auch die Erdölraffinerie ist der Schwerpunkt der Stadt. Doch für mich persönlich hatte sie einen anderen Schwerpunkt...die unbeschreibliche Gastfreundschaft von Mohammed's Familie. Sein Haus liegt am östlichen Rande der Stadt, von aussen sieht es ganz einfach gebaut aus, doch innen... So was habe ich noch nie gesehen, es ähnelt einem Palast. Teppiche, wo das Auge hinreicht, einige sind sogar in einem hölzernen Rahmen und wenn die Sonne durch das Fenster auf die Seide scheint, glizzert sie beinahe. Auf der linken Seite hat es ca. 8 massive Polstersessel und einen Flachbildschirm. Rechter Hand sind 10 gepolsterte Stühle, welche eher einem Thron ähneln. Die Küche ist einfach riesig! Wie angewurzelt bleibe ich stehen und kann kaum glauben, was sich hinter diesen von aussen doch so einfachen Mauern verbirgt.
Die Türe geht auf und seine Frau Nasil und die 16-jährige Tochter Maza kommen nach Hause. Sie begrüssen mich, wie wir uns schon sehr lange kennen würden :) sogleich entreisst die Tochter ihr Hejab und die Mutter den Tschador. Darunter kommen enge Jeans und kurzarmshirts hervor. Heute war es 48 Grad an der Sonne...
Mohammed brachte viele Geschenke aus der Türkei für die Familie mit: Schampoo und Pralinén für die Frau, Make-Up und ein Kleid für die Tochter und jetzt noch das beste: geschmolzene, weiche Toblerone für's Thesi! So lieb von ihm! Total aufmerksam!
Noch ein paar Worte zur Kleiderordnung respektiv Regeln. Ein offensichtliches Zeichen, dass man im Iran ist, denn schon oft habe ich gedacht "bin ich wirklich im Iran?, ist das der Iran, von dem ich in den Medien gehört habe? Nein, es ist der Iran, den ich zum Glück mit eigenen Augen sehen kann und er ist einmalig!"
Zurück zu den Kleidern. Die Umsetzung der Regel sieht ein wenig anders aus. Der Hejab ist die Bezeichnung der Kleiderregel, sowie auch für das Kopftuch, welches bei vielen jungen Frauen so ziemlich weit hinten sitzt, 3/4 der Haare sind zu sehen. Auch beim Hejab gibt es eine Mode...zugegeben, ich habe auch bereits zwei davon hihi, ein leichtes für zum Radeln (wenn ich dann dazu komme) oder während dem Tag und ein eher edles für am Abend, welches auch zu meinem knielangen Kleid farblich sehr gut passt. Eine Frau soll in der Öffentlichkeit ihre Figur und ihre Haare verdecken: weite Hosen, darüber ein Mantel ca. bis zu den Knien, welcher die weiblichen Kurven samt Hüften verhüllt. Das ist die Theorie doch die Praxis...es gibt auch eng anliegende Mäntel und enge Jeans...und speziell in Teheran auch mal in knallgrün, rot, gelb bis hin zu pink :)
Nun zum Tschador. Ein langes, weites schwarzes Tuch, unter dem sich die Frau verstecken kann. Wörtlich übersetzt heisst es auch Zelt. Bei genauerem hinschauen steht da manchmal auch Louis Vuiton drauf.
Maza zeigt mir gleich ihr Zimmer und erklärt es für solange, wie ich will zu meinem. Ich sagte ihr, dass ich in meinem Schlafsack auf dem Boden schlafen werde. "No, no, no!" Sie zügelt in Mama's Bett und Mohammed wird sich's auf einem Teppich in der Stube bequem machen....keine Widerrede! Es war mir irgendwie peinlich...
Mohammed offerierte mir gleich einen Whisky....was? Im ganzen Land gibt es "anscheinend" keinen Alkohol und er hat Whisky im Schrank? "From Turkey hehehe". Am Abend fuhren wir in den El Goli Park. Die Iraner lieben Picknicken! Hunderte von Menschen geniessen hier die abendliche Kühle, sitzen auf ihren mitgebrachten Teppichen, essen Wassermelonen, trinken Tee, bringen den selbst gebastelten Grill mit und grillieren. Ich komme mir wie in einem Film vor, sie haben es lustig miteinander, singen und klatschen. Alle sitzen fröhlich um den künstlichen See und "leben im Moment". Maza wollte unbedingt mit mir Pedalo fahren. Als ich sie dazu einladen wollte und schon einen Geldschein hervorlockte, schaute mich Mohammed streng an und gab mir zu wissen, dass ich auf keinen Fall etwas bezahle, dass sei seine Angelegenheit!
Zu zweit drehten wir im Plastikschwan unsere Runden bis der Pedalochef uns zurückwinkte...Zeit ist rum! Nach einer Pistachglace hatte der Vater Hunger und wir stürzten ins nächste Restaurant. Heute habe ich schon sooo viel gegessen, ich bringe beim besten Willen nichts mehr runter. Zu spät, eine grüne Suppe mit Teigwarenresten steht vor mir, anstandshalber schlürfe ich bis zur Hälfte. Hier die Aufzählung, was mir Mohammed Heute alles auftischte: Fladenbrot mit Konfi, Chickenspiessli, Kartoffel, Salat,Nüsse, Kirschen, Aprikosen, EbliSuppe, einen grossen Fisch, Whisky, Honig mit Wabe, Restensuppe, Pistachglace, Maiskolben und das ganze wurde mit einer Wasserpfeife Mintgeschmack abgerundet uff! Und das bei dieser Hitze.
Um 02.00 Uhr ging ich vollgefr.... ins Bett und bin so glücklich, diese Familie getroffen zu haben und noch ein wenig bei ihnen sein zu können. Lange konnte ich nicht einschlafen, weil bereits der Gedanke in mir aufkommt von ihnen Abschied nehmen zu müssen. Doch die Kunst liegt darin im Moment zu leben und nicht daran zu denken, was Morgen sein wird oder was gestern noch hätte erledigt werden sollen. JETZT ist entscheidend.
Auf meinen Reisen, die ich vor dieser unternommen habe, ging mir immer alles ein wenig zu schnell...am Freitag noch arbeiten, am Samstag fliegen, 2 oder mehr Wochen in eine andere Welt eintauchen, Sonntag Abend zurückfliegen und ein paar Stunden später wieder auf der Matte im Alltag stehen. Mit dem Fahrrad ist das vorwärts kommen doch gemächlicher und ich empfinde all das Erlebte viel, viel intensiver. Doch gerade jetzt fühle ich mich wieder überfordert, ich sitze in Shiraz, alleine auf einer Terrasse bei einem Cay, über 1000km von dieser Familie entfernt und habe bereits wieder sooo vieles erlebt. Bei ihnen war ich 3 Tage wie Zuhause und dies habe ich so genossen.
Um 08.00 klopfte es an meiner Türe, Mohammed steht bereit und will mir etwas zeigen...nimm die Kamera mit. Bin ja gespannt. Was vielleicht noch zu sagen ist, er spricht kein Wort Englisch, das spielt aber keine Rolle, wir verstehen uns auch so. Die rasante Autofahrt endete bei einer Talstation einer Gondelbahn!! Wir gehen also auf den Berg wandern? So cool! Ein wunderbarer Ausblick über Tabriz und über das iranische Gebirge offeriert sich hier. Die Luft ist so sauber und bereits um 09.00 Uhr sind die Iraner am Picknicken und stellten ihre Zelte auf. Wir sassen auf einen Stein, tranken Cay, genossen die Weite und ich konnte ein paar tolle Fotos machen.
Doch auch hier oben wird es sehr schnell heiss. Auf dem Heimweg, machte er beim Bäcker halt, bis er zu 3 Scheiben Brot kam, dauerte es eine gute Stunde.
Wenn ich daran denke, wie oft ich stumm und ungeduldig an der Migroskasse warte und immer dass Gefühl habe, diejenige Kasse erwischt zu haben, an welcher es am längsten dauert, weil irgendjemand seine Aubergine vergessen hat zu wägen, oder noch schnell zurückrennt, weil auf dem Zettel doch noch die Tempotaschentücher stehen... Doch hier artet die Warterei zu einem Gespräch aus oder einer packt Karten aus und es wird gespielt...
Nach dem reichhaltigen Frühstück, hey die Rüeblikonfitüre schmeckt immer besser, wurde der Picknickkorb bepackt, wohin wir gehen? Keine Ahnung :) Nächster Halt in einem Dorf, wir sind zu viert im Auto, Türe auf, 3 weitere rein und schon habe ich den 1 jährigen Amir auf dem Schoss. Elham, die zweite Tochter mit ihren zwei Söhnen ist also zugestiegen. Wir fuhren ins 50km entfernte Kandovan. Dies sieht ähnlich wie in Kapadokien aus, ein beliebtes Ausflugsziel. Kaum 10 Minuten später treffe ich auf die Deutsche Familie, welche ich in Dogubeyazit getroffen habe. Sie fahren ja von Deutschland aus über Pakistan, Indien bis Sumatra. Ein freudiges Wiedersehen und die Familie war ein wenig geschockt, dass ich da jemanden kenne höhö.
Es gab wieder viel zu Essen...zu viel. Auf dem Rückweg hielten wir an, um unter einem Baum am Schatten noch eine Wassermelone zu verdrücken. Als ich mich von Elham verabschiedete, rückte sie mir mein Kopftuch zu recht, drückte mich und sagte, dass wir uns zum Glück Morgen wieder sehen...Aha, was ist wohl für Morgen geplant? Mohammed machte noch beim Metzger halt und kaufte Unmengen an Fleisch ein. Hoffentlich Vorrat für die nächsten Woche, ha Falschalarm. Kaum Zuhause wird das Huhn auseinander genommen, mit dem Gartenschlauch wasche ich das Chicken, währenddem er das Lamm aufspiesselt (wohl nicht ganz Deutsch, egal!) Auf dem Parkplatz wurde der Teppich ausgerollt, Maza wedelt mit einem Karton über der Kohle und Mama rüstet den Salat.
Das Tor geht auf und die Gäste kommen, zum Glück, denn ich war nämlich mit dem Anblick dieser Unmengen an Fleisch leicht überfordert. Onkel mit Frau, Tante mit Mann, Grossmutter und die Nachbarn kommen rein, alle geben mir gleich einen Kuss und drücken mich. Sie sprechen natürlich nur in Farsi, doch es ist sehr leicht zu merken, dass ich das Gesprächsthema des Abends bin und sie lachen, reden durcheinander und für mich ist das doch sehr amüsant. Nebenbei werde ich zu einem "Fleischmoudi". Zum Dessert gibts Kuchen vom Grosi. Die Männer drehen noch eine Runde mit Freddy und das Gekicher geht von Neuem los! Oh, es war so ein lustiger Abend und dass ohne ein Wort zu verstehen...
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Salam, welcome to Iran and thank you!

5. Juni, 07.00 Uhr, alles gepackt, Kopftuch montiert, Freddy gesattelt! Es kann losgehen. Mehmmet schreibt mir noch jenste Adressen in mein "Iran- Notizbuch", welches ich von einem Patienten geschenkt bekommen habe, hinein. Er schenkte mir auch gleich seine iranische SIM- Karte damit ich Abends Mama anrufen kann...so lieb! Auf den letzten Drücker habe ich gestern noch Informationen aus dem Internet notiert und Mail's geschrieben...solange es noch geht :)
Die Strasse bis zur Grenze ist ziemlich flach, der Ararat präsentierte sich in meinem Rückspiegel von seiner schönsten Seite. Ein perfekter Start. Auf dem Weg treffe ich auf unzählige Schafherden, die Hirten sind oft 12-16 jährige Knaben. Wenn sie mich von weitem sehen, rennen sie zur Strasse und sagen in einem sehr aufforderndem Ton:" Yemek, Su!", Essen und Wasser! Ich probiere jeweils Tempo zu machen, denn wenn ich stehen bleibe sind ihre Finger schneller als ich sehen kann am und im Gepäck, sie rennen mir nach, greifen nach den Taschen oder werfen Steine, zu meinem Glück zielen sie jedoch sehr unpräzise. Bertil, der Campingbesitzer hat ein Buch indem beschrieben wird, über Kinder die Steine werfen. Ein Phänomen, dass z.B. auch in Afrika sehr bekannt ist, das erstaunliche dabei ist, dass die Eltern nicht eingreifen.
Bereits einige Kilometer vor der Grenze beginnt die Lastwagenschlange. 468 Trucks habe ich gezählt und überholt....Wahnsinn! Einer im vorderen Viertel meinte, es gehe ca. noch 2 Tage bis er an der Reihe sei. Es gibt sogar einen Caywagen der hin und her fährt um Tee und Brezel anzubieten. Die Fahrer liegen am Schatten unter ihren Trucks, spielen Backgammon oder Schach. Alle paar Meter werde ich zu einer Spielrunde eingeladen... "Spieltage an der Grenze", wenn ich dass früher gewusst hätte...
Ich bin schon ein wenig nervös vor der Grenze, hoffe dass alles klappt... Beim Check-Out haben mich die Türkischen Beamten nach meinem Wortschatz gefragt den ich mir angelegt habe. Das erste Wort, dass mir in den Sinn kam war: Ayran, das Milch-Salz Getränk, welches alle Türken lieben. Sie lachten, stempelten den Pass und wünschten mir eine gute Reise.
Der nächste Beamte war dann ein Iraner, er kam auf mich zu und fragte nach meinem Pass. Ein zweiter kam und wies mich in eine Halle ein. Am Fernseher wurde gerade das Mittagsgebet übertragen, schon Mittag? Ach ja, die Uhr wird hier um 1h und 30 min vorgestellt. Schweiz: 08.00 Uhr (die Arbeit beginnt...) - Iran: 10.30 (das Znüni ist in vollem Gange :).
Der eine wollte wissen durch welche Länder ich schon geradelt sei und was ich über den Iran gehört habe...natürlich nur positives! Dies freute ihn sehr und er erzählte dies gleich seinem Kollegen worauf hin dieser den Pass stempelte und mich mit einem lächelnden: "Welcome to Iran and Thank you" durchwinkte. War's das jetzt schon? 10 Minuten? Geht ja schneller als in Kroatien! Und das Mittagsgebet läuft immer noch...
Kaum draussen werde ich von Taxifahrern umzingelt... Welcome to Iran Taxi? Welcome to Iran Taxi? Welcome to Iran Taxi? Haha, nein ich bin mein eigenes Taxi :) Die Leute am Strassenrand winken mir zu und alle sagen "Thank you, thank you", für was denn?
Die Kinder am Strassenrand fragen nicht nach Money sondern sie fragen: "Tourist?".
Ich habe ein sehr gutes Gefühl und fühle mich sicher. Doch schon bald sehe ich vor mir etwa 7 grosse Hunde und mein Herz beginnt schneller zu schlagen. Ich steige ab und warte... es hat nicht so viel Verkehr hier, doch bereits das dritte Auto hält bei den Hunden an und winkt mir zu, super der steht jetzt da und verscheucht die Hunde bis ich durch bin! Unglaublich!
5 Minuten später erneut ein ungutes Gefühl...der Mann im kleinen Lieferwagen fährt in meinem Tempo hinter mir her...mann o mann! Seit Sivas habe ich aber was gelernt!!! Ich steige erneut ab, er überholt mich und hält ca. 100 Meter vor mir an und wartet...ja ich kann auch warten!
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich nicht weiterfahren darf. Ein grauer Peugeot überholt mich, kehrt nach 80m um, hält neben mir an und fragt mich ob ich ein Problem mit dem Fahrrad habe...nein, aber mit diesem Lieferwagen dort vorne! Bis Maku sind es noch gut 8km, der Herr am Steuer sagte, kein Problem ich fahre neben dir her bis Maku... Was, wirklich jetzt? Dieses Angebot nehme ich sehr, sehr gerne an! Wir überholten den Lieferwagen, er schaute grimmig aus seinem Fenster und folgte uns bis Maku. Mein persönlicher Autobegleiter fuhr mit mir bis vor das Hotel...einfach ein Goldschatz!
Als ich in der Türkei in ein Hotel kam, starrten die Männer zuerst eine Runde bis sie was sagten...hier, begrüssen sie dich sofort auf eine sehr herzliche Art. Sie freuen sich über den Besuch und sagen dies auch! Die Nacht kostet 440'000 Rial, das ist total komisch solch hohe Zahlen zu brauchen, musste mir ständig das Lachen verkneifen...
ein Teller Reis mit Chicken please: 72'000 hahaha, eine Cola: 13'000 puahahaha, wieviel ich zurzeit im Portemonnaie habe: nur noch 1 Million und 700'000, phu muss schon bald einmal wechseln....hahaha ich könnte laut hinaus grölen :) Tönt einfach suuper! Also 1 US Dollar sind ca. 36'000 Rial. Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es auch noch die Tuman, genau das gleiche Geld einfach immer ein Null weniger. Also zuerst ich fragen ob der Preis nun in Tuman oder in Rial ist! Im Iran ist es nicht möglich an einem Bankomaten Geld abzuheben, also für Ausländer, dass heisst ich habe alles Bar auf mir und dies muss bis Usbekistan reichen!
Im Zimmer habe ich den Fernseher angemacht...ich verstehe kein Wort, doch es läuft gerade eine Sendung zu den Wahlen und nach jeder Werbung kommt das Musiksignet der Wahlsendung, der Song von: the Pirates of the Carrabien hihi. Auf dem Newssender vom Ausland werden nur die Bilder gezeigt...ohne Ton!
An der Rezeption hat mich Fatima gleich angesprochen: "Bist du verheiratet?...Nein??, Wann willst Du heiraten? Und wieviele Kinder möchtest du haben?" Uff soviele Fragen auf einmal und eine Antwort wusste ich auch nicht. Sie meinte ich könne es mir ja überlegen und ihr Morgen antworten hahaha... sie sagte mir: "wir Iraner sind nette Menschen, wir lieben Besuch, speziell von Ausländern, denn wir können ihnen zeigen wie wir wirklich sind und nicht wie Amerika uns darstellt! Wenn ich am Abend mit der Arbeit fertig bin, kann ich im Dunkeln alleine nach Hause laufen ohne Angst zu haben...in der Türkei hingegen ist dass was anderes! Du kannst Dich hier absolut sicher fühlen und die Menschen in diesem Land werden dir immer helfen." Hab wieder was gelernt...
An diesem ersten Tag im Iran habe gleich drei neue Dinge gehabt: Rüeblikonfitüre, Handseife mit Bananengeschmack und zum Frühstück ein Knoblauchjoghurt...
Ich bin so gespannt was mich in Persien erwartet...eines weiss ich jetzt schon...um dieses Land auch nur annähernd zu verstehen sind 4 Wochen viel zu kurz....
1. Tag = 1 Blog!..bin aber schon über 2 Wochen im Iran und ich weiss gar nicht wie ich all das erlebte niederschreiben soll...
 
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Dogubeyazit...eine Stadt zum Verweilen und geniessen

On the Road again :)
On the Road again :)
Ich sass in meinem Zimmer und hatte viel Zeit, sehr viel Zeit... Zeit um zu Lesen, zu Waschen und um zu Sein. Irgendwie kann man sich immer ablenken, doch genau in diesen 2 Wochen habe ich gelernt ohne Ablenkung sich "auszuhalten"! 
Doch eines Tages, während des Nichtstun klingelte das Telefon in meinem Zimmer. Da ich so gerne telefoniere und dies auch unheimlich vermisse, ist das Abnehmen des Höhrers ein wahrer Genuss. Im schönsten Berndeutsch sagte ich: "Grüessech wohl, hie isch z Thesi u wär isch de da?" "Hey ist das Berndeutsch? Ich bin der Ralf von Holland und ich habe gehört, es sei eine Schweizerin hier, die auf der Suche nach einem Reisepartner für den Iran sei. Wir könnten gemeinsam bis Teheran fahren?!"
Ist das wirklich wahr? In der Lobby geniessen wir eine Cay und er erzählt von seinen Ferien die er jedes Jahr im Berner Oberland geniesst. Das Kiental kenne er bestens. Das Schwimmen im Oeschinensee sei doch einfach ein Traum und im Hotel Stechelberg gäbe es den besten Salatteller! Hahahaha
Ralf arbeitet bei der Polizei im Rotlichtviertel in Amsterdam. Da er soo viele Überstunden hat, geniesst er nun längere Ferien. Sein Plan ist es, mit dem Rad von Istanbul bis Teheran zu fahren. Dort trifft er seine Frau und gemeinsam wollen sie in den Südiran reisen, mit dem Schiff bis nach Dubai und wieder zurück nach Amsterdam fliegen. Das ganze hat jedoch einen Hacken... er hat noch kein Visum!
Jetzt noch eines zu bekommen ist fast unmöglich, doch das unmögliche wollen wir probieren möglich zu machen! Auf der Strasse treffen wir auf Mehmmet. Er lebt hier in dieser Grenzstadt, kennt sehr viele Leute und hat auch viele Kontakte im Iran. Als wir ihm die Visageschichte erzählten meinte er im schönen Kurdischenglisch: "no Problem, no problem, if no Visa i'll eat them like a chicken". Wir sind guter Dinge!
Da es eine Code-Nummer braucht die direkt von Teheran sollen komm, schicken wir via e-Mail eine Passkopie in ein Hotel in der Nähe. Bis wir eine farbige Kopie hatten dauerte es eine Weile geschweige dann einen Scanner... dıes dauerte es noch länger. Der Herr in Teheran musste mit dieser Nummer auf die Botschaft rennen und wir warteten auf eine Antwort. Der Konsul meinte, er solle Morgen telefonieren. Es ist schon ein komisches Gefühl... ich weiss, dass es zu 99,9% nicht klappen wird, aber ich will es nicht wahrhaben. Ralf glaubt fest daran, dass es gehen muss, als ich ihn fragte: "hast Du Dir überlegt was Du machen wirst wenn es nicht klappt?"
Er sagte nur: "es muss klappen, seit Januar denke ich täglich an diese Reise... es ist mein Traum den Iran zu bereisen und ich treffe am 17. meine Frau dort!". Jetzt hilft nur noch Beten! Bei einem feinen Nachtessen konnten wir diese Visagedanken ein wenig auf die Seite legen.
Am nächsten Morgen gehe ich schnellstmöglich auf den Camping. Der Holländer Bertil führt diesen Camping zusammen mit Meshit seit über 20 Jahren, doch dazu später mehr. Zu viert sassen wir auf den Plastikhockern, schlürften Cay und warteten bis es 9.00 Uhr wurde. Meshit telefonierte auf das Konsulat, es folgten laange 5 Minuten wo wir kein Wort verstanden und aus seinem Gesichtsausdruck auch keine Antwort lesen konnten. Die Antwort war: Morgens nochmals anrufen... Das gibt's doch nicht!
Nun gut, wir können immer noch hoffen und die Hoffnung stirbt ja zuletzt:) Das Wetter war super und wir beschlossen eine kleine Wanderung auf den nächsten Hügel zu unternehmen. Querfeldein marschierten wir den Berg hoch. Die Landschaft ist so faszinierend, dass wir immer höher und weiter gıngen. In den letzten 3 Monaten bin ich nie über 1h gelaufen... doch erstaunlicherweise geht es sehr gut. Nach 5h und kleinen Kletterpartien sind wir auf dem Gipfel angekommen.
Traumhaft diese Aussicht und es beginnt sogleich sehr stark zu regnen. Wir fanden Schutz in einer Höhle und assen Brot mit Nutella, herrlich :) Die Sonne ging unter und dann wird es innert 15 Minuten stockdunkel. Die Sonne geht hier mittlerweile um 04.45 auf. Zum Glück hat sich Ralf den Weg gut gemerkt und im Dunkeln gings noch 1 h Talabwärts... jetzt merke ich es, das Knie... Ja wir hatten bestimmt die falschen Schuhe an, aber es war sensationell!
Am nächsten Morgen das gleiche Telefonprozedere nochmals von vorne... Die heutige, definitive Antwort lautet: No Visa!!!
Ich sah wie sich die Augen von Ralf mit Tränen langsam füllten, er probierte es zu Unterdrücken, doch sie rollten über die Wange...ein Traum ist geplatzt.
Lieber Rolf, es tut mir unendlich leid für Dich... doch eines Tages wirst Du in den Iran reisen und dann freue ich mich von Dir zu hören, dass es nun geklappt hat und Dein Traum damals in Dogubeyazit nicht geplatzt sondern nur verschoben wurde! 
Jetzt heisst es die Weiterreise zu Überdenken und eine alternative Route zu finden und dies geht am besten beim Fahrradfahren :) Wir treten in die Pedale... 50km zur Abwechslung mal Offroad in Richtung Ararat, auf dem Berg soll angeblich nach der Sintflut die Arche Noah gestrandet sein.
Wir kamen an einer Schule vorbei, wo wir gleich zum Unterricht eingeladen wurden, das Fach: Schach! Super, ich wünschte wir hätten dieses Spiel als Schulfach gehabt!
Der eine Lehrer konnte ein paar Brocken Englisch, wir fragten ihn nach dem Englischunterricht. Da von den drei Lehrern niemand diese Sprach sprechen kann wird sie auch nicht unterrichtet.
Doch nächste Woche besucht er einen 10-Tägigen Kurs um dies neu in den Stundenplan aufzunehmen. Wir finden 10 Tage ein bisschen kurz, aber es ist ein Anfang :)
Auf einem Felsen haben wir dann Mittagspause gemacht und die Pläne durchdacht. Er fährt nun weiter nach Georgien, Armenien und Asarbeidschan von Baku aus fliegt er zurück nach Holland. Da seine Frau Diane im Besitz des Visums ist und den Flug bereits gebucht und bezahlt hat, wird sie höchstwahrscheinlich nach Teheran fliegen und ich werde sie dort treffen.
Zusammen bereisen wir dann den Süden. Sie wird mit dem Boot nach Dubai gehen und ich hoch zur Turkmenischen Grenze nach Mashad. Wir werden sehen...
Jetzt noch zu Bertil's Geschichte vom Camping. Währenddessen Ralf alles zusammenpackte lud mich Bertil in sein sehr bescheidenes Zimmerchen ein. Vor vielen Jahren hatte er seine Frau verloren. Seit diesem Moment an, war er alleine und wollte auch keine Partnerschaft mehr eingehen.
Sein Traum war, den Ararat zu sehen. Kurz nach seiner Pensionierung ist der Tag gekommen und er reiste nach Dogubeyazit. Der Berg habe ihn magisch angezogen... Jeden Morgen sass er in seinen Ferien nach draussen und schaute einfach diesen Berg an. Am Tag der Abreise war der Abschied von diesem Ort sehr schwierig für ihn. Er fuhr nach Erzurum, dort sollte er den Bus wechseln bis nach Istanbul. Als er ausstieg wusste er "ich muss zurück, ich muss wieder in den selben Bus einsteigen und zurück fahren"... Seit diesem Moment an lebt er hier!
Er lernte Meshit und seine Familie kennen, sie wurden sehr gute Freunde und begannen einen Camping aufzubauen. Ab und zu fährt er nach Holland für ein paar Tage oder er geht nach Georgien um seinen Aufenthalt hier verlängern zu lassen. Er fragte mich nach meiner Reise, nach dem Wohin und Weshalb... ich erzählte ihm alles auch von dem Unfall. Es hat so gut getan mit jemandem der mir gegenüber sitzt darüber zu sprechen... Ich fragte ihn ob er sich hier manchmal nicht einsam fühle? "Nein überhaupt nicht, weisst Du, alle Leute kennen mich hier, die Kinder von Meshit sind wie meine eigenen. Hier habe ich eine Aufgabe, ich schaue zum Camping und will den Reisenden und Einheimischen eine schöne Zeit in einer familiären Umgebung bieten. Als ich in Pension ging, wurde ich von einem auf den anderen Tag nicht mehr gebraucht, dass war für mich sehr schwierig. Hier sitze ich am Morgen als erstes vor meine Bude, geniesse den Blick auf den Ararat und freue mich auf den Tag... Auf meine Aufgabe... 
Eines will ich dir noch sagen, wenn das Umfeld, die Menschen um dich herum stimmen, dann kannst Du überall Zuhause sein!"
ich konnte nichts mehr sagen, war einfach gerührt. Von Beruf her war er übrigens Psychiater.
Ralf war inzwischen fertig und wir machten uns an das Reinigen der Velos, so richtig gründlich! Die Räder wurden abgeschraubt usw. mein Lappen konnte ich danach schmeissen!
Der Abschied von Ralf war wiederum nicht einfach, er fährt nun direkt mit dem Bus nach Jerewan und probiert es dort nochmals mit dem Visum. Da ich seine Antwort abwarten will, verschiebe ich meine Einreise um einen Tag. 
Heute Morgen dann erneut die Ernüchterung... kein Visa!
Mein Gepäck habe ich noch ein wenig optimiert und noch einmal ging ich zu Bertil um mich zu verabschieden. Wir tranken ein Cay und ich legte ihm ein Ricola hin. Auf dem Camping ist eine deutsche Familie mit 2 kleinen Kindern im Caravan eingetroffen. Sie werden auch morgen einreisen und wir werden uns bestimmt an der Grenze begegnen, sie reisen über Pakistan nach Indien.
Oh es gäbe noch soo vieles zu erzählen...
 
ich hoffe ich werde im Iran einen Blog hochschalten können, falls nicht wird es erst wieder ab dem 8. Juli News geben...
 
Liebe Alle, ich wünsche Euch eine super Zeit und dass die Sonne ganz oft und kräftig scheint...draussen und drinnen!
Ganz liebe Grüsse und vielen herzlichen Dank für all die lieben Mails :)
Euer Thesi ;)
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Vom Krater Nemrut direkt zum Lungernsee, weiter über die Teppichknüpfschule bis hin zur kurdischen Hochzeit...

Ein wahres Festessen...
Ein wahres Festessen...
So, dass wurde jetzt aber wieder einmal Zeit...
Zuerst möchte ich aber Danke sagen: für die unzähligen, sehr positiven und motivierenden Mails... für die ehrlichen Kommentare auf dem Blog... für die sms... und natürlich für die guten Gedanken! Es hat mich sehr berührt, vielen herzlichen Dank!
 
Hier sollen noch viele Blogeinträge folgen...denn am 4. Juni geht es auf dem Fahrrad weiter. Ich bin in Dogubeyazit und 35km trennen mich noch vor der iranischen Grenze. Am liebsten würde ich schon Heute losradeln, denn ich bin Topmotiviert:
Neues Land, neue Leute, neues Glück ;)
In der Zwischenzeit habe ich so vieles erlebt...
Der Bus nach Tatvan brauchte dann nur 7 statt vorhergesagte 8 Stunden, der Fahrer bediente das Gaspedal in einer gewissen "Lockerheit". Die Busse hier sind ein wahrer Luxus, jeder Sitz hat sein eigener Unterhaltungs-Bildschirm. Der Busbegleiter bringt regelmässig Cay oder einen Nescafe dazu ein Stück Kuchen und die Beine musst du auch nicht zusammenfalten, super! Das Fahrrad durfte einen Gratisplatz im Keller des Busses geniessen, doch zuerst mussten sie dort das Nachtlager räumen. Die hatten dort unten Matratzen, Kissen, Decken und eine Kaffeemschine!
Morgens um 03.00 Uhr waren wir in Tatvan, ich war die einzige die Ausstieg und es regnete nur so aus Kübeln. Beim ersten Hotel dass ich sah, klopfte ich an die Türe...ein zweites und noch ein drittes Mal, der verschlafene Herr Rezeptionist war sichtlich erstaunt und die erste Frage war: "Wo ist Dein Mann?", ja das wüsste ich auch gerne  höhö :) Dieses Hotel nimmt nur verheiratete und sie müssen dies mit der Urkunde bestätigen können! Für Heute mache er aber eine Ausnahme  und bevor er den Pass sehen will gibt es einen Cay. Nach ein paar Stunden Schlaf, packte ich die Tasche und wollte das Dorf erkunden. Im Eingangsbereich wartete bereits einer der sich als Touristenguide ausgab. Er konnte super Englisch und lud mich gleich in sein Büro zum  Cay (was denn sonst;) ein. Büro ist schon ein wenig übertrieben... es glich eher einer Abstellkammer die zur Hälfte mit Zementsäcken gefüllt war.
Die meisten Touristen die nach Tatvan kommen, haben eine Tour gebucht welche sie auf den Mount Nemrut, den Mount Suphan und den Mount Ararat, der höchste der Türkei mit 5137m.ü.M bringt. Hakim erzählte mir so einiges über Tatvan und den wunderschönen Van-See. Das interessante hier, ist sicher auch die Eisenbahnfähre. 3x wöchentlich passiert hier ein Zug auf der Strecke Istanbul-Teheran vorbei und wird in Tatvan bis Van für eine Fahrt von 4 h auf die Fähre gebracht.
Da Hakim zurzeit nicht viel zu tun hat, bot er mir an, mich Morgen auf den Nemrut zu begleiten. Da ich immer noch das Gefühl habe, ich könne niemandem trauen, verschiebe ich die Antwort auf Morgen. Bereits um 10.00 Uhr klopfte es an meiner Türe...jetzt weiss er schon in welchem Zimmer ich bin! Vielleicht übertreibe ich ja, aber ich empfand es als seltsam... Nun gut, nach scharfem überlegen und noch schärferem Bauchgefühlinstinkt, war ich mit dem Sackmesser in der einen Tasche und dem Pfefferspray in der anderen bereit. Mit dem Auto ging's die ersten paar Kilometer den Berg rauf, bis dann die Strasse verschüttet war und wir zu Fuss weiter gingen. Oben auf dem Krater angekommen, traute ich meinen Augen (ein weiteres mal) nicht. So was hab ich noch nie gesehen, dieser Krater ist einfach riesig, er hat einen Durchmesser von 7 Kilometern und er hat 3 Kraterseen wovon einer warmes Wasser hat. Der grosse ist einer der grössten Kraterseen der Erde. 
Auf dem Rückweg gingen wir noch in ein Restaurant für einen...?? Genau! Für einen Cay. Der Besitzer meinte wir seien bestimmt hungrig...kaum gesagt, waren schon 7 prallgefüllte Teller auf dem Tisch: Poulet, Köfte mit Pittabrot, Börek (Hackfleischauflauf), Lahmacun (türkische Pizza), Linsensuppe, Gemüsesalat und Joghurt...ich hab mich total überessen! Es war aber sooo fein und zum Dessert stellte er noch Baklava auf...ich konnte einfach nicht mehr. Als ich dann etwas zahlen wollte sagte er nonono!!!
Es war ein wundervoller Tag und Hakim ist ein sehr guter Guide, ich kann ihn nur weiterempfehlen!
Am Abend war ein wichtiger Fussballmatch und die Kneipen waren randvoll! Fussball wird nicht Zuhause geschaut... Dies läuft auf einem speziellen Fussballsender und der ist enorm teuer wenn man den empfangen möchte, kann sich also praktisch keiner leisten. Dass man, nur Mann, den Match sehen kann, bezahlt er 3 Franken. Diejenigen, die sich auch das nicht leisten können, kleben draussen an der Scheibe welche leider immer mehr anläuft bis sie nichts mehr sehen. 
Am nächsten Morgen war das Ziel dann Van. Die Fahrt dauert...im Bus... 2 Stunden, daraus wurden jedoch 4h. Da ein Strassenabschnitt vom Steinschlag bedroht war hatten wir Freikino, der Film hiess: "Steine der Berge" und der Titelsong dazu " Marmor, Stein und mancher Geduld bricht". Es war eine richtige Hupdemonstration.
In Van ohne Wahn angekommen legte ich mich im Hotelzimmer auf's Bett und sagte zu mir...es wäre schon super wenn du jemanden finden würdest zum weiterfahren... Als ich kurz darauf meine Mails checkte traute ich meinen Augen schon wieder nicht: "Hallo Thesi, gerade eben sind wir dank VeloPlus auf Deine Seite gestossen, wir haben gelesen dass du in Tatvan bist, wir sind auch mit dem Fahrrad unterwegs und zurzeit in Van, vielleicht treffen wir uns ja noch... Liebe Grüsse Alena und Marcel aus der Schweiz." Das gibt's doch nicht!!!! Sofort schreibe ich zurück, dass ich gerade in Van angekommen bin, ich bibbere, dass die Internetverbindung für einmal tadellos klappt! Noch nie sass ich soo gespannt vor meinem Posteingang und wartete bis sich die zwei aktualisierpfeile drehten...ja sie drehen, judihuii, ihr könnt es nicht glauben, wie ich mich an zwei drehenden Pfeilen freuen kann :) Sie gaben mir den Namen des Hotels durch, ich googelte es, pha 2 Strassen weiter oben und 15 Minuten später klopfte ich an ihre Türe. Sie öffneten und die Freude war gross und ich konnte die Tränen nicht unterdrücken. Ja wir hatten einander soo vieles zu erzählen. Ihre Geschichte ist grossartig! Am besten lest ihr die selbst nach auf www.frischlufttour.ch
In einem gemütlichen Lokal assen wir Chicken-Sandwiches und an der Wand hing da so ein Bild...ja nicht irgendein Bild...es war der Lungernsee, ja dann "E Güöte". 
Jetzt kommt der andere Teil dieser Geschichte...sie reisen übermorgen in den Iran. Mein Visum läuft aber erst ab dem 1. Juni... Marcel hat dann alles nachgerechnet und es ist einfach nicht möglich, dass wir zusammen weiterradeln können, denn ab jetzt läuft alles nach Zeitplan. Schade. Da sie aber länger als als ich in Kirgistan sind, sollten wir laut diesem Zeitplan gleichzeitig in Kashgar, Westchina sein...ist aber noch weit bis dorthin. Auf jeden Fall freue ich mich Heute schon auf ein Wiedersehen, ob in Kashgar oder am Lungernsee!! ;)
Am Morgen zügelte ich meinen ganzen Karsumpel in ihr Hotel, dort ist es besser und erst noch günstiger, in meinem Zimmer hat es zwar kein elektrisches Licht, macht aber nix:) dafür sind die Wände blau gestrichen!
Zusammen geniessen wir das Frühstück in der "Breakfist" Bude. Was da wieder alles aufgetischt wird, auf jeden Fall ein Foto wert! Alena und Marcel bepacken unter grosser Beobachtung von vielen Kurden ihr Tandem und ich werde sie die ersten paar Kilometer begleiten. Sie werden die Grenze weiter unten überradeln, ca. 100km von hier aus. Doch die ersten sind bestimmt die fürchterlichsten...an einer sehr, sehr, grossen Freiluft Mülldeponie führt die Strasse erst noch den Hügel rauf. Das stinkt üübelst! Der Himmel wird auch langsam schwarz und ich werde nach der nächsten Kurve schweren Herzens wieder umkehren. Wir steigen ab, wissen eigentlich nicht viel zu sagen, wünschen einander eine gute Fahrt, freuen uns auf das Wiedersehen und drücken einander. Ich bin ja wirklich nicht nahe am Wasser gebaut...aber das Abschied nehmen fällt mir enorm schwer... Bis jetzt bin ich immer "davongefahren" ohne je zurück zu schauen...jetzt werde ich ihnen nachschauen, bis ich sie nicht mehr sehen kann, das Leuchtmännteli an ihrer Tasche hilft da ein wenig nach :) und wisst ihr was...?? Sie haben auch nicht zurückgeschaut...
Liebe Alena, lieber Marcel, vielen Dank für die tolle Zeit mit euch zusammen in Van. Ich bewundere euren Plan P und freue mich riesig dass es klappt! 
Ja die nächsten Tagen waren eigentlich von nichts besonderem geprägt...nun heisst es die Zeit bis am 1. Juni irgendwie rum zu bringen. Einen Joker hab ich noch: Dogubeyazit, die Grenzstadt. Doch vorerst trödle ich hier noch ein wenig rum :) 
2011 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,3 die Stadt Van. Auch Heute noch sind die Spuren deutlich zu sehen, viele Menschen leben in Containern. Als ich mit dem Velo dort vorbei fuhr, lief es mir kalt den Rücken runter.
Am nächsten Tag, ging ich noch in die Türk Migros. Bei den Kleidern hatte es auch eine grosse Auswahl an Kopftüchern, das blaue mit den ganz winzigen, weissen Tupfen hat mir sehr gut gefallen und es passt erst noch zur Farbe des Velo, super. Die MiGROS Türk unterscheidet sich im Schriftzug nur durch das i mit der MIGROS in der Schweiz. 1954-1974 war sie eine Tochterunternehmen der Schweizer MIGROS. Danach wurde sie unabhängig, soviel zum Thema MIGROS hehe.
Nach 6 Tagen Van hatte ich genug und wollte weiter. Es ist komisch...ich kann nicht einfach ganz normal nach draussen "spazieren gehen", die Menschen glotzen mich regelrecht an. Als ich mit Alena und Marcel draussen war, hatte ich dieses Gefühl nicht. Ich kann es ja verstehen. Wenn ich ehrlich bin, würde ich einer total verschleierten Frau, welche mir in Spiez in der Migros (schon wieder hihi)  neben dem besten Vollkornbrot plötzlich begegnet, nicht auch nachschauen??
Ich erlaubte mir für die Weiterfahrt den Bus zu nehmen... Als der Chauffeur mein Gefährt sah, wollte er es zuerst nicht einladen, als ich dann alle Taschen abmontiert habe, sah die Sache schon ganz anders aus. Im Bus machte ich Bekanntschaft mit einem Iraner, er freute sich, dass ich "sein" Land besuchen werde und er schenkte mir aufgeweichte Pistazien aus seiner Jackentasche...habt ihr schon mal weiche Pistazien gegessen? ich nur eine! Als wir über den Pass (2600m.ü.M) kamen, sah ich zum ersten Mal den Ararat... Unglaublich, wie dieser mächtige Berg so ganz alleine dasteht.
Der Herr im Hotel, wollte mir trotz seiner und meiner Freundlichkeit kein Zimmer geben. Da setz ich mich mal hin, trinke einen Schluck aus meiner Rivellaflasche. Er telefonierte und meinte dann doch ein Zimmer zu haben, hallooo das halbe Hotel ist leer...aber hier entscheiden eben andere Gründe.
Als ich auf dem Weg war um etwas Essen zu kaufen (für einmal nicht im Migros hehe) kam ich bei einem Teppichladen vorbei. Der Besitzer sagte: "Grüezi, sind sie aus der Schweiz?", emm ja warum? "ich habe ihre Rivellaflasche gesehen als sie vorbeifuhren, heissen sie Heidi?" Hihi nein, Thesi von der Alp, angenehm und sie? " Ilia aus Armenien, aufgewachsen in Deutschland". Bei einem Cay erzählte er mir seine Geschichte. Er führt ausserhalb des Dorfes eine Schule für Mädchen, in welcher sie die Teppichknüpfkunst erlernen. Ich kam in den Genuss einer Einzellektion im Fach "Teppicharten und Herkunft". Es gibt gewobene, gestickte oder geknüpfte, diese Arten kann man auch kombinieren, dies weist wiederum auf die Herkunft der Teppiche hin. Diejenigen aus Armenien sind meistens kombiniert und jedes Muster hat seine Bedeutung. Wirklich sehr interessant. Er lud mich für Morgen in seine Schule ein, ich könne zuschauen, mithelfen oder mit ihm Schach spielen :)
Um 11.00 Uhr erschien ich pünktlich zum Unterricht, mein Platz war neben einer jungen Frau und sie zeigte mir die Technik... ist ja schwieriger als eine Blutabnahme! Nach 3 Stunden wechselte ich vom Teppich zum Schachbrett. Er spielte sehr gut...zu gut! Wir plauderten weitere 2 Stunden und als ich gehen wollte, sagte er nur: "Du bist bei uns jederzeit herzlich willkommen". Gleich habe ich meinem Chef eine Nachricht geschickt, dass ich einen neuen Job gefunden hätte, dazu meinte er nur: "Wäbstübeler" höhö.
Auf dem Weg zurück ins Dorf wurde ich spontan zu einer kurdischen Hochzeit eingeladen... Also los, gehen wir mal schauen :)
Die Musik war schon von weitem zu hören. Da waren ca. 150 Leute. Sie tanzten auf der Wiese im Kreis, der kleine Finger wurde jeweils eingehängt. Der Herr am Mikrofon, begrüsste mich, dass gleich alle wussten wer noch hier ist. Dies hatte dann die Auswirkung, dass viele zu mir kamen und sagten: " Thank you"! Für was denn? Dass ich hier einfach so reinplatze ;) ich wurde gleich in die Stube des Hauses geführt wo es gestaffeltes Essen gab. Das heisst, so viele wie reinpassen nehmen am Boden Platz, das Plastikbesteck wird aus dem Fenster in die Mitte geworfen, schnapp dir eins und die Becher werden mit Fanta gefüllt und schon hast du ein Papteller auf dem Schoss. Gefüllt mit Reis, Erbsen und Fleisch...ein wahres Festessen, so stelle ich mir das auch mal vor...einfach gemütlich!
Kaum fertig gehts wieder raus, denn die anderen warten bereits vor der guten Stube. Es waren alle guter Laune, lachten, tanzten und von dieser Freude wirst du einfach automatisch angesteckt. Die Braut sah ich zwar selten lachen aber das ist wiederum ein anderes Thema...
Was ich hier erleben durfte war einmalig. Ein Moment zum geniessen! Die Kinder begleiteten mich noch bis zur Strasse und jede von ihnen wollte mir zwei Küsschen auf die Backe geben. Die eine, sie heisst Rabia und ist 11 Jahre alt, klammerte sich förmlich an mich, ich ging in die Knie, schaute ihr tief in die Augen, drückte sie und da streifte sie sich ihren Armreif ab, öffnete meine Hand und legte ihn hinein... 
 
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Von farbigen Ballons bis hin zu farbigen Flecken!

Ein Stück Schweiz in Zentralanatolien
Ein Stück Schweiz in Zentralanatolien
Kapaddokien ist echt ein Besuch wert. Als ich nach Göreme runterfuhr war ich einfach nur Sprachlos, hier verbirgt sich eine andere Welt... und die Touristen. Ich freue ich mich darauf, mit anderen Reisenden auszutauschen und zu Plaudern. Es gibt hier auch einen Zeltplatz, doch ich möchte gerne in so einem Cave übernachten. Mal schauen ob ich ein gutes, günstiges finde. Als ich kurz anhalte, werde ich sofort vom lokalen Kutschenfahrer angesprochen. Nach den üblichen Fragen nach dem woher und wohin, empfiehlt er mir auch gleich ein Cavehouse, es sei ein wenig abgelegen aber sehr familiär und sogar mit Pool! Super!
Ein Pool hatte es tatsächlich jedoch kein Wasser, somit konnte ich mein Velo gleich dort drin parken. PP, Pool-Parking :) Für 4 Franken die Nacht kann ich also in das Höhlenhaus einziehen, es ist ziemlich kühl hier drin, aber ich bin auch für bitterkalte Nächte gut ausgerüstet!
Schnell mache ich Bekanntschaft mit dem "Ballonman", weshalb ich ihn so nenne ist eine interessante Geschichte... Seit 17 Jahren ist er unterwegs. In Kanada, Calgary ist er aufgewachsen, hatte sein eigenes Haus und einen guten Job. Als es ihm eines Abends langweilig war, setzte er sich vor den Computer und surfte im Internet. Er kam auf eine Seite, welche die Anleitungen wiedergab wie man aus einem Ballon z.B. eine Blume machen kann. Sofort kaufte er sich ein Pack Ballone und versuchte dies. Er probierte immer mehr Sujets aus, übte sie, festigte sie... Heute kann er über 1000 verschiedene! Vom aufwändigen japanischen Drachen bis hin zu einem Tourenfahrrad :) Er ging an den Wochenenden auf die Strasse und begann die Ballone zu verkaufen. Es klappte. Er heckte sich ein Plan aus, wie er damit sein Lebensunterhalt verdienen könnte....mit Ballons???
Seit 17 Jahren klappt es! Er gab in Kanada alles auf und reiste an die Orte, wo gerade Schulferien waren oder Festivals. In Hong-Kong mache er das beste Geschäft, dort lieben sie einfach das farbige, bunte und auf Wunsch mache er die kompliziertesten Sujets. In Europa ist es eher schwierig doch in Südamerika läuft das Ballongeschäft ebenfalls gut. Auf die Frage ob er es in der Schweiz auch schon versucht hat...lachte er nur und sagte: "ja klar hab ich's probiert, aber es braucht für jeden Platz eine separate Bewilligung und ich kann nicht den ganzen Tag am selben Punkt Ballone verkaufen".
Es sind spezielle Ballone und er lässt sie jeweils von einer Firma in Kanada schicken. Er hat immer 2 Koffer mit sich, einer mit allem Lebensnotwendigen und einer gefüllt mit Ballons. Seit er sich für dieses Leben entschieden hat, war er nie mehr in Kanada. Ist die Mehrzahl von Ballon eigentlich Ballons oder Ballone? Ich mag gerade nicht nachschauen, darum wechselte ich immer ein wenig ab :)
Für den nächsten Tag habe ich eine Tour gebucht, eben so ein Touriprogramm aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wandern, Amphoretöpfern... es wurde dann eine Seifenschale daraus und erst noch ohne Boden hehe.
Besichtigung einer unterirdischen Stadt und ein traditionelles köstliches Mittagessen. Für den nächsten Tag war dann Ausschlafen, Veloservice im Pool  und Karten schreiben angesagt. Währenddessen werden über viele Stunden die paar Fotos auf die Homepage geladen damit es wieder mal was für's Auge gibt :) Am Abend habe ich alles gepackt, dass ich Morgen früh losrasen kann...
Aus dem frühen Morgen wurde dann ein später und spontan entschied ich mich noch ein Tag länger hier zu bleiben. Es gefällt mir, fühle mich wohl, es hat super Leute also warum nicht noch mehr Zeit hier spenden?! Dass ist auch das schöne daran nicht in einem Programm zu reisen, man kann spontan Entscheiden bleibe ich jetzt noch ein Tag länger oder nicht! Ich geniesse es einfach hier zu sein, das Dörfchen zu erkunden und interessante Gespräche mit anderen Reisenden zu haben. Weiter ging's dann nach Kayseri.
Den ganzen Tag über habe ich praktisch kein Dorf gesehen, ich muss mich noch an die Weite gewöhnen. Ich fühle mich zwar immer noch topmotiviert aber manchmal kommt da auch ein Gefühl auf, welches schwer zu beschreiben ist... Auch wenn ich manchmal den ganzen Tag mit niemandem rede, fühle ich mich nie einsam. Sei dies ein Vogel der vorbeifliegt oder ein Mistkäfer der sich auf mein Shirt setzt und mich besucht. Wenn ich dann einfach trampe um vorwärts zu kommen und sonst nichts tue oder überlege, beginne ich oft mit mir zu reden, über irgend etwas, sei dies über eine Begegnung z.B. Mit dem Ballonmann oder über sonst was. Manchmal singe ich vor mich hin oder was auch noch cool ist, etwas erlebtes noch mal in Gedanken zu erleben, meistens nehme ich etwas von Zuhause und nicht von der Reise. Letzthin ging ich eine Aufführung vom Alpentheater ganz genau durch und schon waren wieder 90min rum.
Also langweilig wird es mir schon manchmal, aber dagegen entwickle ich so meine Methoden und manchmal tut es auch gut Lange-Weile auszuhalten.
Jetzt noch ein paar Worte zum Thema Übernachten. In meiner Tasche schleppe ich ja ein Zelt mit...welches ich jedoch noch nicht soo oft eingesetzt habe. Dafür gibt es genau einen Grund : ich fühle mich einfach alleine im Zelt nicht unbedingt sehr wohl. Das Zelt sollte ja so aufgestellt werden, dass einem nicht alle sehen und irgendwie habe ich einfach ein wenig "schiss". Das darf ich hier ja ruhig sagen... Im Kiental habe ich das jedoch geübt und es war auch gar kein Problem... doch für mich ist es hier einfach nochmal etwas anderes. Vielleicht wäre es auch eine Gewöhnungssache aber was macht es für einen Sinn wenn ich nicht ruhig einschlafen kann und somit am nächsten Tag nicht fit bin? Für mich nicht einen grossen!
Es ist einfach ein Unterschied ob man zu zweit oder alleine unterwegs ist und dann ist es ein weiterer Unterschied ob als Frau oder als Mann! Zudem finde ich immer etwas günstiges zum Übernachten und das Geld ist es mir Wert! Soviel dazu :) 
Von Kayseri werde ich wieder Richtung Norden nach Sivas ziehen. In Gemerek übernachtete ich bei einer Tankstelle in einem schäbigen Zimmer, aber es hat warmes Wasser. Die ganze Nacht über halten die Busse für eine Pause hier an. Auf dem Busdach befindet sich ein grosser Lautsprecher, welcher während der Pause laute Musik ertönen lässt, rundum eine durchaus unterhaltsame musikalische Nacht.
Habe ich das Hupen der Türken schon erwähnt? Die Huptheorie? Also es gibt ganz verschiedene Sorten und die Hupart kann unterschieden werden. Die Lastwagen die mir entgegenkommen verwenden das fantasievolle, mehrtonige Hupen, dies ist als Gruss zu interpretieren und kommt sehr häufig vor. Das kurze und knappe Hupen, dass von hinten kommt bedeutet: "ich fahre jetzt dann gleich an dir vorbei". Dann gibt es eher das längere Hupen, welches bedeutet: "ich bin jetzt bereit, Dir vorzufahren.
Wenn das letztere noch länger als lang andauert, weiss ich: Absteigen und sofort aus dem Weg! Der Verkehr mit den diversen Huparten funktioniert meistens einwandfrei, doch es zerrt auch an den Nerven. Speziell die (Entschuldigung) Vollduble die hupen wenn sie genau auf meiner Höhe sind, ist erstens viel zu laut und macht zweitens keinen Sinn. Aber damit muss ich wohl leben und ich habe mich auch schon daran gewöhnt. Die Türken sind überaus gastfreundliche und nette Menschen. Sind die Türken aber in einem Auto, ich rede nicht von den Truckfahrern, sind sie nicht immer so nett. Aber ich will nicht alle in den selben Topf werfen, es gibt ja auch die, welche mir während der Fahrt Trinken und Essen aus dem Fenster reichen. Aber es gibt sie... die Vollduble!
Dies musste ich in meiner nächsten Etappe schwer zu spüren bekommen. Ich bin mir nicht sicher ob ich darüber schreiben soll? Bis jetzt habe ich immer alles geschrieben...ehrlich und so wie es ist! Das ist ja auch ein Grund dieser Reise, die Welt so zu sehen wie sie ist.
Klar gibt es Sachen die nur mein Handgeschriebenes Tagebuch kennt. Doch die nachfolgende Geschichte gehört nun mal dazu und ich kann es nicht schönschreiben und es ist auch der Grund weshalb ich höchstwahrscheinlich die Strecke bis zur Grenze im Bus zurücklegen werde.
Vor 2 Tagen hatte ich echt eine Krise, wusste nicht weiter und musste mich entscheiden wie meine Reise weiter gehen soll. Ich kann es kaum glauben dies in einem Blog schreiben zu müssen... Doch nach reifer Überlegung und in Kontakt mit drei für mich sehr entscheidenden Personen habe ich mich für die Weiterreise entschieden. Also von Anfang an, das fällt mir jetzt nicht gerade einfach...
Nach einer guten Nacht in Gemerek war ich bereits um 08.00 Uhr unterwegs, da ich eine 100km Etappe bis Sivas vor mir hatte und ich die kühleren Temperaturen am Morgen ausnutzen wollte. Ich fühlte mich sehr gut und ich freute mich auf diesen Tag. Was noch zu erwähnen ist, ich fahre ja immer auf den Schnell- oder Fernstrassen, genau aus dem Grund weil ich alleine unterwegs bin und dort praktisch immer reger Verkehr ist, also wenn etwas wäre, wären da auch immer wieder Autos und nicht so wie auf den Nebenstrassen.
Gegen 11.00 Uhr überholte mich ein Auto ganz langsam und stoppte am Strassenrand. Ohne eine Reaktion darauf fuhr ich weiter. Ich hatte Gegenwind und war mit ca. 18kmh unterwegs. Bei Kilometer 45 passierte es, das vorher wartende Auto fuhr voll in mich rein. Es schleuderte mich durch die Luft, die Schuhe lösten sich aus den Klicks und ich landete ein paar Meter weiter unten am Abhang der Strasse neben Freddy... Ich konnte sofort aufstehen und der Herr stand bereits neben mir. Auf die Frage warum er mich angefahren habe kam keine Antwort. Kein Englisch.
Ich fragte ihn erneut, war verruckt und wollte eine Antwort, WARUM???
Er sagte nichts, ich atmete tief durch und begann die Taschen einzusammeln... er wollte mir den Dreck abwischen und seine Hand landete am Gesäss. Jetzt ist mir klar: er ist extra in mich reingefahren und ich habe ein grosses Problem und keine Sicht auf die Strasse. Ich schrie ihn an: "Nooo!"
Ich glühte vor Wut! Er nahm eine meiner Taschen und lief damit zum dreckigen, kleinen Fluss welche unter der Strasse durchlief, meine Kamera war drin und ich folgte ihm um meine Tasche zu nehmen....was ich besser nicht getan hätte, und wenn ihr dass nun lest werdet ihr euch bestimmt an den Kopf reichen und sagen: " wie blöd, ihm zu folgen, da musst du doch zurück auf die Strasse". Ja schon klar, aber ich war so was von wütend und wollte, dass er meine Tasche hergibt, dann ging's los...
Er packte mich am Hals und die erste Faust ging in den Bauch. Ich verlor den Halt und ging zu Boden, probierte aufzustehen konnte aber nicht, er zog mich zum Tümpel, drückte mich rein, probierte zu Tatschen und ich hatte ehrlich gesagt Todesangst....
In der einen Sekunde sah ich mich hier verrecken in der gleichen sagte ich zu mir: Nicht hier Thesi!!! ich schrie: Jetzt müsst ihr mir einfach helfen und zwar schnell... ich bekam einen riesigen Kräfteschub, griff ihm in die Augen, konnte aufstehen und rannte so schnell ich konnte zur Strasse, er ergriff mich noch einmal, doch ich konnte mich erneut lösen, erreichte die Strasse und er floh in seinem Auto davon. (Da nützt übrigens auch Pfefferspray nichts und schon gar nicht wenn es windet, da hilft nur sich mit aller Kraft wehren!)
Ausser ein paar Kratzer und dass sich das Zahnrad in mein Unterschenkel gefressen hat, ist mir zum Glück nichts passiert. Am Velo ist auch nichts kaputt! Es ist ein starkes! Ein Truckfahrer nahm mich bis nach Sivas mit. Dort ins nächste Hotel, Duschen, Wunde desinfizieren und ein Steri-Strip drauf.
Als erstes informierte ich die drei Personen, darunter auch Mama. Da ich noch ein Foto hab machen können mit der Kennnummer des Autos ging ich auf Empfehlung hin zur Polizei. Es vergehen 30min bis jemand kommt der Englisch kann. Die Nummer wird aufgeschrieben, nach meinem Namen wurde nicht gefragt und in welchem Hotel ich bin sagte ich ihnen nicht.
Ja das ist diese negative Geschichte. Einerseits nimmt es mich wunder was ihr jetzt denkt und anderseits will ich es ehrlich gesagt nicht wissen.
Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort?! Ein Zeichen zum Abbrechen?! Eine Warnung?! Ich habe in keiner Weise etwas provoziert. Alleine als Frau ist schon Provokation genug?! 
Nachdem ich mich einwenig erholt habe gab es für mich 3 Möglichkeiten:
1. Bereits jetzt alles abbrechen und nach Hause gehen....was mir am wenigsten gefällt und ein einziges negatives Erlebnis soll über so viele positive Gewichten? Nein!
2. Das Velo nach Hause schicken und mit den Bus und Zug weiterreisen, da ich ja alle Visa und ein Ziel habe...
3. Weiterfahren mit noch mehr Vorsicht, das heisst, wenn z.B. ein Auto mich auffällig langsam überholt auf Strassenmitte wechseln anhalten und nicht von der Strasse weichen.  Genau wissen was vor und hinter mir geht. Es gibt überall Menschen die es nicht "gut meinen".
Ich bin einfach unendlich dankbar und froh, dass nichts passiert ist. Ich schaute mich im Spiegel an und sagte: "Thesi, du hattest soooo viele Schutzengel bei Dir!!! Danke euch allen"
Da ich noch nicht wieder ganz fit bin, das heisst körperlich, das rechte Knie schmerzt noch ein wenig und die linke Seite von Schulter bis Knöchel ist so richtig schön farbig :) gehe ich vorerst mit dem Bus natürlich plus Velo bis nach Tatvan, dann nach Van und hoch zur Grenze. Im Prinzip könnte ich mit dem Bus in 12h an der Grenze sein. Jedoch kann ich erst am 3. Juni in den Iran einreisen. Also vorerst nach Tatvan und dort werde ich neu entscheiden. 
Seit 10h sitze ich am Busterminal und warte auf den Bus welcher 8h bis Tatvan hat. Bereits Heute hatte ich wieder so viele gute Begegnungen und nette Menschen haben mir geholfen...
 
Wenn ich jetzt diesen Blog durchlese, erscheint er mir ziemlich negativ... Doch es ist wie es ist und nicht alles ist immer nur schön... Eben das Leben und die Reise geht weiter :)
 
 
 
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Ein brennendes Hotelzimmer, ein kranker Truckfahrer und unbeschreibliche Gastfreundschaft

Da geht es Mustafa noch gut...
Da geht es Mustafa noch gut...

Als ich die Nachricht von Mama bekommen habe, dass sie nun Zuhause sei, war ich noch nicht viel weiter... Dafür um ein Visum reicher. Meine Route habe ich nun ein wenig geändert, da ich nicht unbedingt aus Istanbul raus fahren will und noch einen Abstecher nach Kappadokien machen möchte.

Noch am selben Abend nehme ich das Schnellboot welches mich in einer Stunde nach Yalova bringt. Da ich vollbepackt nicht durch den Scanner passte, wurde alles von Hand gescannt. Es piepste dann sehr oft... Die beiden überlegten sich, ob ich nun alles auspacken soll oder nicht. Sie waren mir gut gesinnt und ich konnte weiter. Alleine stehe ich nun in dieser Halle und warte auf das Boot. Das "Alleine dastehen" dauert meistens nicht lange. Ein Lehrer kam zu mir und fragte mich wohin des Weges. Warum das ich weiss, dass es ein Lehrer ist?? Common, dass rieche ich von weitem hehe.

In diesem Schnellboot, was eher einem Flugzeug von easyjet näher kommt, waren strikte Regeln zu befolgen: nicht Aufstehen während der Fahrt und sich anschnallen. Ich hoffe dass es Freddy draussen überlebt... eine Schwimmweste hätten sie ihm schon geben können!

 

Es war eine laange Stunde, denn ich hatte Türkischunterricht und in der Schule kommt mir die Zeit immer ein wenig länger vor als sonst. Sehr gerne möchte ich euch daran teilhaben lassen... also: wie geht es Dir? Nasilsin? Wird so ausgesprochen: Nassölser? Es geht gut. Iyim. Wird so ausgesprochen : iim, also nochmal... Nassölser? Iyim. Jetzt noch 10x wiederholen bitte! Als ich ihm erklärte, dass ich immer in Richtung Osten fahren werde, sagte er: "bis Ankara...Turkey Tour!? Oh very good!" Genau, über Ankara nach Kathmandu :) nun sagte er nichts mehr... dem Lehrer hat's die Sprache verschlagen hihi. Er machte sich grosse Sorgen und schrieb mir in aller Eile ca. 5 Adressen auf, von Leuten die er im Osten kennt, bei denen ich bestimmt für eine Nacht bleiben könne, so lieb. Er lud mich noch zu einem Döner ein und dann geschah etwas, was mich bis jetzt am meisten berührt hat...
Er schenkte mir zum Abschied sein Gebetskranz welcher er stetig bei sich trägt, sein treuer Begleiter seit Jahren, er werde mich beschützen... Zuerst konnte und wollte ich dies nicht annehmen... er schob es stillschweigend in meine Tasche, drehte sich um, winkte mir zu und bog in die nächste Gasse ein. Wie angewurzelt und sprachlos stand ich auf der Strasse und mir kamen die Tränen, was für eine Geste...
Von Yalova nach Bursa bekam ich dann die Hügeligkeit der Türkei zu spüren über... ich bin ja eher der Flachspezialist :) erstaunlicherweise ging es aber sehr gut den Berg rauf, einfach schön gemütlich und beinahe im kleinsten Gang, hier sind die Lastwagen meine Freunde. Sie geben mir für ein paar Sekunden ein wenig Rückenwind und für noch weniger Sekunden ein wenig Schatten...super! Die meisten Hupen und winken mir zu oder überreichen mir während dem Fahren ein Wasserfläschchen, worauf ich dann absteigen muss und Flasche um Flasche irgendwo festbinden darf. In Bursa angekommen, eine 2 Millionen Stadt, fand ich kurzerhand ein günstiges Hostel. Mitten in der Nacht ging's dann los: Feueralarm! Kann ja vorkommen, dachte ich, drehte mich um und war glücklich, dass es nicht mein Wecker war der mir sagte: hey Thesi, dass war alles nur ein Traum, steh auf und geh zurArbeit :) 
Als der Alarm nicht aufhören wollte und ich bereits ein seltsamer Geruch wahrnahm, sprang ich auf, packte alle meine 1000 Sachen vorsichtshalber in die Taschen und ging auf den Gang. Lauter Araber haben sich mit ihren Pyjamamäntel versammelt und somit konnte ich mir einen Blick in die Zimmer erhaschen und sah, dass die Frauen sogar Nachts einen Schleier tragen... Der Besitzer sagte dann, wir sollen uns keine Sorgen machen und zurück in die Zimmer gehen. Die Feuerwehr sei schon unterwegs... ein Mann im oberen Stock habe im Bett geraucht, der Vorhang habe Feuer gefangen und nun brenne das Zimmer ein wenig...  so hab ich es zumindest interpretiert. Also so ganz gelassen kann nicht wieder einschlafen, im Gedanken, dass ein Zimmer über mir womöglich in Flammen steht. Ja die Feuerwehr kam, sah, montierte die laange Leiter und löschte. Nach getaner Arbeit tranken sie noch einen Cay und ich freute mich auf die paar Stunden Schlaf.
Beim Morgenessen wurde ich von allen Seiten angestarrt, man könnte meinen ich habe denn Brand gelegt, aber es war wohl eher weil ich alleine als Frau hier bin... somit kann mich ja schon mal daran gewöhnen! Nach zwei weiteren Nächten in Inegöl und Eskishehir war ich auf dem Weg nach Ankara, das heisst es waren noch gut 200km. Die Landschaft in Westanatolien ist einfach wunderschön. Die Farben der Felsen reichen vom Graublau über ein sattes Rot bis hin zum Ahornblattgrün.
Als weitere 80km auf meinem Tacho standen kam ich zu einer Tankstelle und ein Herr stand schon am Strassenrand und winkte mir von weitem zu. Er ist der Boss hier und erzählt mir, dass er auch ab und zu mit dem Fahrrad unterwegs sei und wisse was ich durchmache... durchmache? Hmm, das tönt ja ganz schlimm wenn der unterwegs ist... mir gefällt's auf jeden Fall immer noch bestens, oder besser gesagt: je laenger je besser und es macht einfach Spass!
Er sagte: "Das ist meine Tankstelle, mein Shop... bediene dich und nimm dir was du willst, gratis!" Wie cool ist dass denn? Ich war noch nie in einem Shop und einer sagte zu mir nimm einfach was Du willst!!! Das sollte mir mal in der Migros in Spiez passieren, ich würde für Grosi einen Einkaufswagen voll mit Backzutaten kaufen damit sie backen könnte was das Zeug hält, einen Einkaufswagen voller Kaffee und Milk für die Praxis, weil die einen enormen Verschleiss davon haben, einen Einkaufswagen voller Bananenchips weil ich die so gerne mag und jetzt bräuchte ich schon ein paar Helfer um das ganze Zeugs zur Kasse zu rollen...
Doch hier in dieser Tankstelle habe ich mich lediglich dafür ein Wasser mit Apfelaroma zu nehmen, oh es schmeckte wunderbar. In der Zwischenzeit beauftragte er einer seiner Arbeiter mein Velo zu reinigen... einmal mehr kann ich nur sagen: Unglaublich!!! Er schrieb mir noch seine Adresse und die Telefonnummer auf, falls ich ein Problem hätte könnte ich ihm jederzeit anrufen. Das ist echt wertvoll so etwas in der Tasche zu haben. Bis ins nächste Dörfchen war es noch einlanger Weg, wir verabschiedeten uns und ich radelte los, gestärkt von diesem Erlebnis.
Bis jetzt habe ich in der Türkei nur gute Erfahrungen gemacht, ausgenommen die Visageschichte, die Menschen sind mir stets wohlwollend begegnet. Ich frage mich oft, ob die Touristen in der Schweiz wohl dasselbe von uns sagen können? Eines weiss ich jetzt, ich werde ihnen auf jeden Fall anders begegnen nach dieser Reise...
Ein paar Kilometer weiter stand da ein grosser und sehr langer Truck auf dem Pannenstreifen. Der Fahrer kontrollierte die Räder. Ich hielt kurz an um im Schatten des Lastwagens ein Schluck Wasser zu trinken. Er fragte mich wohin ich gehe und er meinte auf meine Antwort, dass es noch ein langer Weg bis Ankara sei, er könne mich in die nächste Stadt bringen falls ich möchte. Super! 1. hab ich für Heute genug, 2. fahre ich gerne in einem Truck und 3. hatte ich ein gutes Gefühl hier einzusteigen. Er bot mir gleich Nüsse, Mandeln und getrocknete Erdbeeren an... die sind noch vieel besser als die Bananenchips!
Er konnte ca. 5 Wörter Englisch, ich 4 in Türkisch, die Kommunikation begrenzte sich auf 2 Sätze. Somit probierten wir es mit singen, halt, dass heisst er konnte es, ich probierte es. Er sagte ich solle was singen...kann ich aber nicht! Das einzige was ich einigermassen hinkriege ist "S' Ramseiers  wei go graaaase...". Dies habe ich heute ca. 1h lang vor mich hingesungen, da es ein wenig langweilig war hihi und nun kommt mir dies zugute ( wenn ich das gewusst hätte, hätte ich vielleicht ein anderes geprobt, "Country roads" oder "Lemon tree"...) nun gut, er hatte Freude daran und nach 3 Runden s' Ramseiers schaltete er wieder die Türkmusik an.
Nach ca. 50km ging's ihm dann nicht mehr so gut, er krümmte sich und zeigte auf seinen Bauch,  Schweissperlen waren auf seiner Stirn und er schlief beinahe ein. Ich fragte ihn was los sei und forderte ihn auf, dass es vielleicht besser sei er stoppe für einen Moment. Das machte er auch, legte sich in seine Koje und schlief ein... wie lange schläft er wohl?? Nach einer Stunde startet er den Motor erneut und nach 10km konnte er erneut nicht weiterfahren. Es ging ihm wirklich nicht gut und ich machte mir Sorgen.
Hoffentlich haben ihm die Ramseier's nicht auf den Magen geschlagen... Meine Apotheke in der Tasche war irgendwo auf diesem Laster neben tausenden von Bodenplatten. Ich schnappte mir sein Telefon und rief Rabia in Ankara an, erklärte ihr die Situation und reichte ihm das Telefon damit er mit ihr in Türkisch sprechen konnte. Sie übersetzte mir dann in Englisch, dass er Bauchschmerzen habe und nicht weiterfahren könne (ja das habe ich mir auch schon ausgemalt), ich sagte ihr, sie soll ihm sagen, dass ich etwas gegen Buchschmerzen dabei habe und ihm geben könnte, das wollte er jedoch nicht. Nun gut, er schlief wieder ein und ich stellte mich auf eine Nacht auf dem Beifahrersitz im Truck an einer verlassenen Tankstelle ein. Da ich einen Mordshunger hatte suchte ich etwas Essbares in meiner Tasche... Rindsragout ist ein wenig ungünstig und somit ass ich all meine getrockneten Aprikosen auf... nicht gerade das schlauste, wenn man das Fenster nicht herunterlassen kann :)
Irgendwann fand ich dann den Schlaf und kaum hatte ich ihn gefunden ging der Motor und die laute Musik an. Was ist jetzt los? 04.00 Uhr morgens und Mustafa war anscheinend wieder fit! Genau so war's, er smilte bis zu den Ohren hin und sagte nur: "Next Stop Ankara". Somit genoss ich den wunderschönen Sonnenaufgang im Truck. Ankara ist mit knapp 5 Millionen Einwohner grösser als ich es mir vorgestellt habe. An einer Kreuzung hielt er an und sagte :"finish here hehe". Ruck zuck war alles ausgeladen, er gab mir die Hand und wünschte mir viel Glück. Das war wieder ein Erlebnis! Gegen 7.00 Uhr ruf ich Rabia an und sie fragte mich wo ich sei...ja das weiss ich eben auch nicht so genau, an einer Kreuzung in der Nähe ihrer Adresse. Ich sagte ihr die Namen der Strassen und bat sie, mich zu lotsen. Sie jedoch meinte ich solle dort warten bis Okan, ihr Mann mich abholen komme. Er fuhr dann keine 10min später vor und ich konnte ihm nachfahren, tatsächlich wäre das ein wenig kompliziert gewesen :)
Ich konnte es kaum glauben sie wieder zusehen. 3 Monate waren wir in der selben Gastfamilie in Bornemouth und hatten eine super Zeit dort. Oh wir hatten einander soo vieles zu erzählen. Sie beide haben ein eigenes Anwaltsbüro und haben sehr viel zu tun. Doch es ist Samstag und sie wollen mir Ankara zeigen...super!  En herrlicher Blick über die ganze Stadt ist von der Burg aus zu geniessen, welche auf Vulkangestein gebaut wurde.
Am Abend fuhren wir zu einem See und genossen das Abendessen im eigenen Club für Anwälte... gar nicht gewusst, dass es so was gibt. Es war auf jeden Fall sehr "gedige". Am Sonntag war Waschtag und meine Kleinigkeit an Wäsche riecht so gut wie schon lange nicht mehr. Das Ziel für Morgen ist, das Tadschikische und das Turkmenische Visum zu besorgen. Okan meinte dann zu mir, er habe um 9.00 Uhr eine Anhörung, in dieser Zeit könnte ich in seinem Büro die Anträge ausfüllen und anschliessend könne er mit mir auf die Konsulate fahren... wieder einmal bekomme ich eine Menge serviert und der Weg wird mir sehr einfach gemacht :) Das Angebot nehme ich natürlich gerne an und bin überwältigt von seiner Hilfsbereitschaft. 
So lief es dann am nächsten Tag auch ab. Als ich dem Herr Konsul all meine ausgefüllten Formulare + Passkopie und Foto + ein Begründungsschreiben aushändigte, prüfte er es genau. Die Pass- und Visakopien möchte er gerne in Farbe haben ( info: das Visum für Iran und Usbekistan muss bereits vorhanden sein um das turkmenische zu beantragen!). Einmal zum nächsten Copy-Shop. Kopien waren ok und nun möchte er das Atragsformular auf einem andere Papier haben. Also die ganzen Daten und Infos auf ein anderes Papier schreiben hahahaha. Als er dann zufrieden war, sagte er ich bekomme in 10 Tagen via E-Mail ein Einladungsschreiben und könne das Visum in Teheran abholen. Perfekt.
Nach einem Döner ging's zum Tadschikischen Konsulat...alles vieel einfacher. In 1h sei es abholbereit, in der Zwischenzeit auf die Bank rennen und den fälligen Betrag einzahlen. Wieder zurück, meinte der dritte Sekretär der Herr Konsul verspätet sich um 30min. Er erklärte uns die verschiedenen Gebiete von Tadschikistan, gab mir seine Karte falls etwas sei könne ich ihm jederzeit telefonieren und händigte mir die Adresse seiner Schwester in Dushanbe aus, bei welcher ich bestimmt für ein paar Tage sein könnte. Das Visum im Pass, den GBAO Stamp für den Pamir-Highway in Dushanbe anfordern und ich fühle mich in Tadschikistan auf jeden Fall willkommen. 
Wieder Zuhause kochen wir gemeinsam das Nachtessen und hatten einen gemütlichen Abend. Ich fühlte mich wie Zuhause und habe die Zeit hier sehr genossen und konnte auftanken. Morgen früh geht's weiter, obwohl ich noch Wochen hier bleiben könnte. Ich durfte eine Gastfreundschaft erleben welche ich nie vergessen werde, ich habe erneut Menschen getroffen die mir wichtig sind und zu denen ich "Sorge" tragen will. Wenn sie eines Tages in die Schweiz reisen, haben sie eine Adresse an welcher die Tür immer für sie offen sein wird. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. 
Der Abschied viel mir einmal mehr sehr schwer und die ersten paar Kilometer musste ich einfach weinen...
Doch schon bald wurde ich an einer Tankstelle zum Cay eingeladen und eine Wasserflasche kam ich auch noch über. Nach Kirikkale sind es gut 80km und der Fibermesser wollte ich schon sagen hihi, nein natürlich das Thermometer stieg das erste Mal auf 40 Grad. Bei 40 Grad ist es sehr empfehlenswert mit dem Velo unterwegs zu sein...es geht dann immer ein Lüftchen :) Heute buddelte ich 4 Liter Wasser und habe eine hübsche Bleibe in Kirikkale gefunden... 
In den naechsten Tagen sollte ich Kappadokien erreichen und ich freue mich dort 2 oder 3 Tage zu bleiben um die Höhlen zu erforschen und durch die unterirdischen Staedte zu wandern :)
 
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Ferien in den Ferien...sehr empfehlenswert!

Beinahe das selbe Bild wie das Letzte, aber nur der Hintergrund... der Vordergrund gefaellt mir hier soooo viel besser :)
Beinahe das selbe Bild wie das Letzte, aber nur der Hintergrund... der Vordergrund gefaellt mir hier soooo viel besser :)

Montag Morgen:

Bereits um 07.00 Uhr bin ich voller Datendrang auf den Beinen. Um 10.00 Uhr öffnet das usbekische Konsulat für zwei Stunden. Bis dorthin, Istinye, brauche ich mit dem Bus ca. 45min. Doch vorher sollte ich noch ein paar Passfotos machen und das Antragsformular ausgefüllt ausdrucken. An der nächsten Ecke finde ich einen geöffneten Fotoshop, welcher aber erst ab 08.00 Uhr Fotos macht! Er meinte dann, dass ich für das usbekische Visum ein grösseres Format an Fotos brauche und nicht wie die üblichen. Nach 30min war ich ausgerüstet mit zwei verschiedenen Grössen Fotos, da wollen wir ja nichts dem Zufall überlassen :)

Dank dem Karten-App auf meinem iPad habe ich das versteckte Konsulat gefunden, dass sich lediglich mit einem Öffnungsschild und einem kleinen Fähnchen zu erkennen gibt. Zwei Amerikaner die seit 17 Jahren in ganz Asien leben und beruflich für ein Entwicklungsprojekt im Einsatz stehen warten auch auf ein Visum. Der Dritte der von einem Bein auf's andere schwankt, ist ein Japaner und seit ein paar Jahren mit dem Motorrad unterwegs... Er fuhr quer durch Amerika, um Australien rum und nun ist er auf dem Heimweg nach Japan. Als ich ihn fragte wieviele Km er durchschnittlich pro Tag mache, sagte er 500! In Australien aber locker 900!! unglaublich...

Später kam noch eine Gruppe von ca. 20 Leuten dazu und wir stehen schon mal in die Schlange bis das Tor für jeden einzeln öffnet...und nach 2h ist Schluss! Hoffentlich kommen alle dran und zum Glück bin ich an vierter Stelle. Der Hausmeister spritzt mit Unmengen von Wasser die sauberen Bodenplatten ab, fegt sie und schabt das Wasser in die Ecke... Zuhause hätte ich einen Fön, dann könnte er sie noch schnelltrocknen. Jetzt geht's los, nach 30min darf ich durch's Tor, da kommen doch niee alle dran! Freundlich werde ich aufgefordert meine sauberen Schuhe auf dem Bodenteppich gründlich abzustreifen, wäre ja schade um seine Fegarbeit. Die Treppe runter und den Pass plus Antragsformular durch die kleine Luke schieben. Nach der Frage in welcher Grösse er das Foto denn haben möchte, tippte er auf das kleine, also das Stinknormale... Er fragte an welche Orte ich reisen werde, da ich ihn kaum sehen und verstehen konnte, bückte ich mich und probierte mein Ohr beinahe durch die Luke zu schieben und bat ihn die Frage zu wiederholen... ich nannte ihm die 3 wichtigsten Städte und er sagte wiederum: warte! Ok, Monday, maybe! 80Dollar! Und tschüss. 

Mit Yoshi von Japan fuhr ich in dem überfüllten Bus zurück, wir plauderten über das Reisen und der gute Herr der neben uns stand, lauschte zu. Er lud uns dann zum Tee ein, also am Schluss waren's 4 Tee's. Er arbeitet beim CNN und hat sich sehr darüber gefreut, dass wir soo viel positives von den Ländern zu berichten haben. Er sagte: "Ich höre den ganzen Tag immer wieder schlechte News, z.B. von Menschen die ihr Leben lassen mussten durch einen Angriff oder durch ein Erdbeben. Da tut es direkt gut von euren spannenden und positiven Erlebnissen zu hören". Ja und somit verbrachten wir fast 3h bei Tee und Brezel. 

Jetzt aber husch, husch zum Airport :) das Flugi mit dem grössten Schatz ist gelandet :) Ich wartete voller Freude zwischen den genervten Leuten hinter dem Absperrgurt, welche die Schilder mit den Namen aufhalten und auf ihre Hotelgäste warten. Nach 1h wartete ich immer noch aber mein Stehplatz hat sich um einiges verbessert, bin nämlich in der Zwischenzeit durch Millimeterschrittchen ganz zuvorderst angelangt hehe. Die Leute, die auf dem gleichen Flug waren kommen ja meistens gleichzeitig durch die Türe, das ist super spannend zu erraten von welchem Land sie sein könnten. Das Aussehen ist ja das eine aber das Verhalten... 

Die Japaner und Chinesen lächeln, haben's lustig miteinander und scheinen überhaupt nicht müde zu sein. Dazu rollen sie Riesenkoffers in bunten Farben oder mit Plastik umwickelt vor sich her. Die Afrikaner verteilen sich nach links und rechts und die Schildhalter kommen ins Schwitzen, dass sie alle wiederfinden.

Wer hat ganz brav ein Rucksäcken an, bleibt mitten in der Türe stehen, verstopft somit den Ausgang und sucht wie wild das Schildchen wo sein Name drauf steht? Gut, noch einen Tipp:  bereits den Reiseführer in der Hand?

Frau und Herr Schweizer ;) jajaa nicht alle hihi. Juheeeee schon von weitem sehe ich Mama und ich freue mich sooo fest sie zu drücken :) Das Wiedersehen ist einmalig und ich kann es kaum glauben, dass sie hier ist und ich 1 Woche einfach Zeit habe mit ihr zusammen. Zeit um zu SEIN, um zu plaudern und einfach zu geniessen ohne das Gefühl zu haben, möglichst viel zu sehen oder die Sehenswürdigkeiten abzuklappern und dazu noch die Geschichte zu studieren. (als ich diesen letzten Satz noch eimal lese nerve ich mich direkt... 9x habe ich "zu" geschrieben! Aber ich lasse es so stehen und ignoriert einfach meine Schreibfehler! Das ist keine Bitte, das ist eine Aufforderung hehe)

Ach wie schön!!! Das ist gerade der richtige Zeitpunkt um zu erwähnen, dass ich mich in den Blogs zum Thema Geschichte jeweils kurz fasse wie ihr ja gemerkt habt.  1. kann man diese ja überall nachlesen und 2. hab ich genug andere Geschichten zu schreiben :) Mit der Subway und dem Tram ging's zu unserem Hostel, welches sehr bescheiden ist. Eine muss auf's Bett sitzen, damit die andere überhaupt reinkommt und die Taschen finden am Fussende des Bettes platz. Es ist zurzeit sehr schwierig noch ein freies Zimmer zu finden. Doch Morgen gehen wir auf die Suche nach einer anderen Bleibe. Wir redeten stundenlang miteinander und ich merkte wie wertvoll mir die Zeit mit Mama ist. Ihr Koffer war nicht gerade klein...ich weiss jetzt auch warum, hehe. Herzlichen Dank an alle die, welche mir per Mutterpost etwas mitschickten, selbst gemachte Güezi, Schokolade, Ricola aber das Beste waren die Blüemli aus dem Garten von Zuhause. Sie haben es dank genügend Wasser bis nach Istanbul geschafft! Wenn ich daran rieche und die Augen schliesse...ist es wie Heimkommen. Soo schön, vielen Dank Mama! 

Überglücklich reden wir uns bis spät in die Nacht in den Schlaf. Am Zmorgetisch sind noch 10 andere Reisende und darunter zwei Deutsche. Sie arbeitet bei einem Lokalradio und sendet regelmässig Berichte dorthin. Als wir ins Gespräch kamen, zückte sie gleich Mikrofon und Aufnahmegerät. Mit noch von Honig verklebtem Mund und Müesli in der Backentasche gab ich ein kleines Interview. 

In der gleichen Strasse haben wir ein kleines aber feines Guesthouse mit Blick auf's Meer und Richtung Asien gefunden für drei Nächte. Für eine weitere Nacht müssen wir dann das Zimmer wechseln und für die letzte noch einmal in ein anderes Hotel... alles ist in der gleichen Strasse und somit haben wir ja auch ein wenig Abwechslung und immer wieder frische Badetücher! Freddy kann sich somit auch gut erholen, einmal auf der Terrasse, das andere mal im Keller oder in der Lobby. Während dem Gebetsruf, fettete ich ihn noch ein wenig ein. 

Die ersten zwei Tage regnete es... perfektes Wetter für den Basar! Oh was ich da alles zusammenkaufen könnte. Doch es geht uns weniger ums einkaufen sondern um das Erlebnis. Vom spice Bazaar zum grand oder auch old Bazaar. Stunden könnte man hier verweilen... Die prächtigen Farben der verschiedensten Gewürze ist Nahrung für das Auge! Durch die Menschenmasse quetschten wir uns in die Gassen. Hier treffen die Gegensätze aufeinander: alt und jung, moderige, düstere Kleidung auf grell leuchtende Mode, frischgepresster Orangensaft auf Cola, der traditionelle Musiker auf das Gedröhne aus der Musikbox, Burger King auf die originelle Kebap-Bude :)

Am Abend geniessen wir jeweils die gemütlichen Stunden auf einer Terrasse mit feinem Essen und viel Cay. Im Zimmer gibt's noch Diashow... bei knapp 2000 Fotos, müssen wir das auf die Abende verteilen hehe.

Am nächsten Tag marschierten wir über die Galata-Brücke, welche das goldene Horn überspannt, weiter bis zur bekannten und sehr eindrücklichen Bosporusbrücke. Mit dem Tram ging's wieder zurück. Überall gibt es Brezel zu kaufen, sie sind jedoch nicht soo salzig wie die beim König und beinahe jeden Tag verdrücken wir ein solches:) Schon wieder ein Tag rum, die Zeit rennt und genau jetzt möchte ich sie für einmal ein wenig anhalten... nur ein bisschen! 

Am nächsten Tag gehen wir mit dem Boot auf die asiatische Seite, geniessen einen üblen Kaffee und ich will unbedingt auf ein Hochhaus um ein gutes Foto zu machen. Das nächstbeste ist das Hilton. Alles einmal durch den Scanner und schon stehen wir vor dem einzigen Lift im ganzen Hotel. Gekleidet mit den Turnschuhen und den Trainerhosen musterte mich die gestylte Frau, welche ebenfalls im Lift ist, vom ersten bis in den zwölften Stock ganz genau! Ja ich hab nur das dabei, wenn sie wüsste, dass jene Hosen zurzeit auch als Pyjama dienen, würden ihr glatt die Augen auskugeln ;) 

Der Besuch in der blauen Moschee hat uns sehr gut gefallen. In Europa ist sie unter diesem Namen bekannt doch eigentlich heisst sie Sultan-Ahmed-Moschee. Ein einmaliges Bauwerk mit einer ganz speziellen Atmosphäre. Wir standen einfach da und staunten. Uns ist aufgefallen, dass sie leer ist, im Sinne von Material. Keine Bilder oder irgendwelche Statuen, Bänke, Stühle, Treppen oder Blumen! Einfach der rote Teppich und die blau-weissen Fliesen...dies verleiht ihr vielleicht diese Ruhe!?

Am Abend skypten wir noch mit Stephi, sie besuchte uns ja in Venedig und jetzt kommt sie Morgen nach Istanbul!!! Was für eine Überraschung, Wir freuen uns seeeeeeehr :)

Nachdem wir am Morgen in ein anderes Zimmer zügelten, uns stärkten mit Brezel und Cay, gings auch schon los in Richtung Airport.

Dieses mal warteten wir keine 10 Minuten! Einmal mehr kann ich es kaum glauben, dass Stephi und Mama da ist... und weil es so schön ist schreib ich's gleich nochmal... ich kann es kaum glauben dass ihr hier seid!

Wir hatten solch eine gute Zeit zusammen und Stephi ist 24h später bereits wieder auf dem Heimweg. Doch auch ihr Gepäck wurde leichter... vielen Dank für die Ovo-Schoggi, ich verstaute sie in der vorderen, rechten Tasche... zwei davon werde ich verschenken und eine selber främslen hihi.

Jetzt rennt die Zeit definitiv! Wir sprachen wiederum bis spät in die Nacht und bereits um 08.00 Uhr wird der Bus Mama abholen. Das warten vor dem Hostel dauerte zum Glück nur ein paar Minuten... Wir drückten uns gaanz fest und weg war sie... Mir wurde in dieser Woche echt bewusst, wie wertvoll mir die Zeit ist, mit ihr zu sein...

Auf einmal bekam ich einen super Motivationsschub und ich fühtle mich voller Energie, Kraft und wie frisch aufgetankt... Das Abenteuer geht weiter!

Der Weg führt mich zum Konsulat, hier der Ausschnitt in Kurzform...

9.00 Uhr warten bis sie um 10.00 Uhr öffnet... 10.30 kann ich zum Fenster, hinter welchem die Sekretärin steht...auf 12.00Uhr vertröstet, der Konsul ist wohl noch im Bett...12.00Uhr sagte der Konsul ich solle erneut in Teheran mein Visum beantragen...was??? Ich erklärte ihm, dass ich nun 1 Woche darauf warte...er ist genervt und sagt: "go out!!"...ok er ist sehr genervt...nach 30min probiere ich es erneut und werde noch einmal reingelassen...ich solle Morgen nochmals kommen, maybe dann...jetzt bin ich aber auch genervt!...nein ich möchte mein Visa Heute!...kommen sie um 15.00 Uhr nochmals...Nach weiteren 2h warten probierte ich es wieder...und dann, geschah das unfassbare... Er öffnete mir die Türe und bat mich oberfreundlich hinein. Auf dem schwarzen Sofa durfte ich Platz nehmen! So cool, Herr Konsul? Er telefonierte 10min, töggelte meine Daten in den PC, druckte das kleine, wertvolle Papierchen aus, klebte es mit einem Klebestift auf die Nidwaldner-Seite ein, wünschte mir einen schönen Aufenthalt in Usbekistan und sein Lachen zog sich beinahe bis zu den Ohren. Warum nur so freundlich auf einmal?? Egal, ich hab das Papier in der Tasche und das zählt!

Während den Vorbereitungen habe ich immer gesagt: " ja wenn ich's bis Istanbul schaffe ist ja schon mal gut und dann werden wir sehen". Dauernd habe ich von diesem Istanbul gesprochen, hier bin ich nun und es kam mir alles so einfach und unbeschwert vor. Auf die nächsten Länder bin ich sehr gespannt, weiss aber, dass ich nicht mehr so zügig vorankommen werde, denn es wird immer wärmer und die Türkei ist sehr hügelig!

Das nächste Zwischenziel ist Ankara. Dort muss ich das Visum für Tadschikistan und Turkmenistan beantragen. Von vielen habe ich gehört, dass das Turkmenische das schwierigste sein wird...wir werden sehen. 

Vor 6 Jahren, war ich für 6 Monate in England, Sprachaufenthalt. Viele Leute habe ich dort kennen gelernt... darunter auch Rabia from Ankara!!! Wir waren in der selben Familie. Damals sagte sie zu mir, wenn Du einmal in die Türkei kommst, sage mir bescheid, meine Türe ist für Dich offen.

Wir hatten stetig Kontakt via facebook und nun kann ich für paar Tage bei ihr und ihrem Mann bleiben. Unglaublich, was sich bis jetzt auf meiner Reise alles ergeben hat...

4 Kommentare

Kiental-Istanbul... dass war ein Aufwärmen!

was soll ich hierzu schreiben? Bin einfach glücklich hihi :)
was soll ich hierzu schreiben? Bin einfach glücklich hihi :)

Im letzten Blog habe ich geschrieben, dass ich Morgen in die Türkei fahren werde...aus dem Morgen wurde dann noch Heute! Dem Rückenwind sei Dank :)  Ruck zuck aus Griechenland raus dafür weniger zack, zack in die Türkei rein. Satte 45min brauchte ich für die Einreise. Da waren zwar nur 4 Autos vor mir, aber ich hatte mich nicht dafür, denen vorzufahren. Der Vordere war ein Italiener und wir plauderten ein wenig zusammen...leider ohne ein Giotto, lieber Heiri!  

In der Autoschlange links neben mir, wurde ein Minibus komplett ausgeräumt... was die alles mitschleppten! Sofa, Stühle, Teppiche, Lampenschirme, Matratzen und ein paar Spiegel. Während dem Warten, überlegte ich mir, wie das wohl alles Platz findet und packte in gedanken den Minibus voll. Langsam aber sicher verspürte ich so ein Hungergefühl und suchte in der vorderen Tasche die getrockneten Aprikosen. Als ich versuchte das Plastik von dem Karton zu lösen, was sich als nicht ganz eifach rausstellte, musste ich ein wenig Gewalt anwenden und schwups waren da überall Aprikosen verstreut ups! Schon war das nächste Auto dran und ein paar von diesen feinen, süssen Aprikosen wurden gnadenlos überfahren. 

Unter dem "Welcome to Turkey" Schild brauchte ich weitere 15 min um ein paar Bilder zu machen, ja es windete ziemlich fest und ich wartete den perfekten Moment ab um den Selbstauslöser zu betätigen und husch, husch unter das Schild zu rennen. Ein paar Autos hielten an und wollten ebenfalls Fotos machen, jedoch mit dem Sujet: Velo+Thesi hihi.

Bis Kesan waren's dann noch gut 20km und bereits auf diesen Kilometern merkte ich, wie die Autos, Traktoren und Eselgespanne mir öfters hupten und zuwinkten als noch in Griechenland. An der ersten Tankstelle fand ich ein Plätzchen für die Nacht. Nun bin ich mir am überlegen wie ich nach Istanbul reinfahren will. Ob mit dem Bus oder mit dem Fahrrad. Der Engländer den ich getroffen habe meinte es sei kein Problem. Kerem von Istanbul sagte mir, wenn ich selbst reinfahren will, dann nur von Norden her...ich bin aber südlich und das wäre ein ziemlicher Umweg. Ein anderer sagte mir es sei Selbstmord und eine sehr schwierige Angelegenheit. Ein Schweizer Paar, mit denen ich Kontakt habe, fuhren selbst rein und hatten kein Problem, würden es aber nicht noch einmal tun.... So, ich schlafe nochmal darüber und werde später entscheiden. 

Am nächsten Morgen konnte ich bei bestem Wetter starten und das Thermometer stieg am Nachmittag auf 29 Grad :) Wie ich gehört habe, ist der Frühling in der Schweiz nun auch gekommen, sonst hätte ich euch glatt ein paar Grad geschickt! Nun behalte ich sie eben :)

Vom heutigen Tag gibt es eigentlich nichts besonderes zu erzählen, es ging immer wieder rauf und runter und zwischendurch gab's zur Abwechslung eine Kurve. Die Strassen sind in einem sehr guten Zustand. Ein Türke hielt dann vor mir an und bot mir an, das Fahrrad mit allem drum und dran einzuladen und mich bis nach Tekirdag zu fahren...aber doch nicht bei diesem Wetter!!! Da könnte ich noch lange fahren. Ich lehnte dankend ab. Er war ziemlich hartnäckig und fuhr dauernd hinter mir her. Er überholte, hielt an, wollte noch ein "Kiss", fragte erneut und das ganze 2h lang! Langsam aber sicher muss ich deutlich werden. Da er absolut kein Englisch konnte, ausser "Kiss", sagte ich ihm in breitem Berndeutsch, dass ich mit dem Fahrrad bis nach Tekirdag fahre und nicht einsteige werde und auch kein "Kiss" habe! 

Ich glaube er versteht besser Berndeutsch als Englisch...

Kurz nach dem er im Eiltempo davonfuhr, hörte ich ein Pfeifen, ein ganz komisches Pfeifen, eher ein Zischen. Ein Blick auf den Hinterreifen war die Antwort...Lotto!! Die erste Platte. Schon ein paar mal habe ich mich gefragt, wo werde ich wohl die erste Platte haben? Jetzt ist sie da und komischerweise freue ich mich ein bisschen darüber, hehehe. Als ich die Taschen am Strassenrand platzierte und den Ersatzschlauch hervorgrübelte, hielt auch schon ein Lieferwagen an. Der gute Herr fragte mich, ob er behilflich sein kann. Ich lehnte dankend ab. Er wiederum meinte, ich solle dass doch nicht hier am Strassenrand machen, bei einem Tee ginge das viel besser.

Ja da kann ich wiederum nicht widerstehen (und das sogenannte Bauchgefühl stimmte!). Kurzerhand war alles eingeladen und bei der nächsten Motorradwerkstatt hielt er an. Die Mechaniker waren beim Tee und zeigten grosses Interesse an dem Velo mit den dünnen Pneus, also soo dünn sind sie nun auch wieder nicht! Zwei Minuten später sass ich gemütlich auf dem Hocker, schlürfte türkischen Cay und fragte mich, wo wohl mein Hinterrad in der Zwischenzeit geblieben ist. Als ich mal nachfragte, sagte der eine, es sei ein paar Shops weiter in einer anderen Bude...ach so. In dieser Werkstatt angekommen waren 4 Türken mit meinem Schlauch beschäftigt und der fünfte offerierte mir ein Cola. Als ich ihn fragte, was ich zu bezahlen habe, sagte er: Turkish service! Inklusive Tee war das ein super Service!

Da es so dort gemütlich war, verbrachte ich noch ein bisschen Zeit zwischen Motorrädern, Freddy und der Mechcrew. Ein weiterer gesellte sich dazu und wollte in perfektem Hochdeutsch wissen warum ich auf dieser Reise sei... Wie ich auf die Idee kam... und welche Route geplant sei. Er lud mich spontan zu sich nach Hause ein, er habe noch ein Sofa auf welchem ich Schlafen könnte. Da ich ein sehr gutes Gefühl hatte nahm ich die Einladung an. Zuhause angekommen, war da ein ziemliches Chaos vorhanden, er braute mir einen Cay, welchen ich im Garten trank, während er die Wohnung aufräumte und den Abwasch erledigte.

Hinten auf dem Motorrad genoss ich dann die Stadtrundfahrt durch Takirdag. Wir besuchten die wenigen Sehenswürdigkeiten und das grösste Einkaufszentrum der Stadt. Nicht ganz soo gross wie das MBK in Bangkok aber sehr ähnlich. Bei einem traditionellen Menu erzählte er mir seine Geschichte, wie er in Deutschland in einem Kinderheim aufwuchs und sich vor einiger Zeit entschied in die Türkei, in sein Heimatland zurückzukehren.

Es war bereits 22.00 Uhr und ich war so was von müde, doch als ich das 6D Kino erblickte und wir uns auf einen Film einigten war ich wieder hellwach. Das war super, sogar der Stuhl bewegte sich hehe. Da in einer Stunde ein wichtiges Fussballspiel (welches habe ich bereits vergessen...) statt findet müssen wir noch beim Wettbüro vorbeifahren, und wetten...oder sagt man setzen? 90 Minuten Fussball gucken und danach noch einen Film. Mittlerweilen ist es 04.00 Uhr geworden! Wir diskutierten noch über die Einfahrt nach Istanbul... und er riet mir davon ab. Eine weitere Nacht darüber schlafen.

Während ich so in meinem Schlafsack eingemummt war, fühlte ich mich total erschlagen von dieser Konsum- und Medienwelt von Heute Abend, war ich doch 6 Wochen nicht damit konfrontiert. Zugleich war ich gerührt von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit die ich ebenfalls Heute erlebt habe. Hey Sezgin, Vielen Dank für Deine ehrliche Gastfreundschaft.

Erstaunlicherweise war ich bereits um 10.00 Uhr wieder auf dem Göppel, die Strecke führte bei schönstem Wetter an der Küste des Marmarameeres entlang. Nach 43km habe ich mich entschieden! Ich nehme Morgen den Bus bis zur Haltestelle Bayrampasa und fahre die letzten 10km bis nach Sultanahmet. Irgendwo dort sollte ich mit dem Boot auf die asiatische Seite gelangen und Kerem finden! Wer sucht der findet! Zuerst finde ich aber den nötigen Schlaf. Eigentlich wollte ich es probieren nach Istanbul rein zu fahren, es reizte mich... Irgendwie hätte es bestimmt auch funktioniert doch ich habe mich anders entschieden und das ist gut so!

Z.B. genau in solchen Momenten vermisse ich jemanden an meiner Seite, wir könnten gemeinsam Entscheiden oder über die Situation diskutieren... dann bin ich echt froh wenn ich über Skype mit Mama oder Fabienne darüber reden kann, die haben auch immer gute Ideen... doch von Zuhause sieht es immer anders aus als vor Ort. Via Facebook gibt mir dann Housi von Thun immer wieder gute Tipps, er ist von Tibet zurück nach Thun geradelt und er „weiss wie der Chare louft“ hehe!

Innert zwei Minuten war dann alles Gepäck plus Rad im Bus eingeladen. Kaum sitze ich auf meinem Platz, holt mich ein komisches Gefühl ein, dass ich den Bus nehme. Doch als ich den Stadtverkehr sehe, machte das Gefühl kehrtwende und war sehr zufrieden und glücklich über die Entscheidung. Die nette Dame, die im Bus neben mir sass, lud mich dann noch gleich zum Tee ein und wir plauderten über die pulsierende Stadt Istanbul. Kaum auf der Strasse zurück, überholte mich ein Biker und wollte wiederum alles fragen was es eben so zu fragen gibt. 2h lang fuhr ich hinter ihm her und er führte mich zu vielen Sehenswürdigkeiten. Wir fuhren zur bekannten Bosporus-Brücke welche Europa und Asien verbindet und 6 Spuren zählt. Ein sehr beeindruckender Ort, ein Ort um ein Kaffee zu trinken. Er heisst Jam (denke immer an die Konfitüre:) und arbeitet als Pilot bei der Pegasus Airline. Er weiss vieles zu berichten, übergibt aber meistens mir das Wort. Sein ganzer Stolz ist seine Familie, die er mir in seinem Portemonnaie auf kleinen Fotos zeigt.

Die Sonne ging unter und ich hatte noch einen langen Weg vor mir, einen Weg von dem ich keine blasse Ahnung hatte. Er begleitete mich noch auf die asiatische Seite, wir tauschten die Mail-Adressen aus und verabschiedeten uns. Wiederum keine 5 Minuten später sprach mich ein junges Paar an, dass ein Abendfährtli am Meer geniesst. Als ich ihnen die Adresse von Kerem zeigte, wussten sie gleich wo das ungefähr sei und ich fuhr schon wieder jemandem nach hihi. Noch ein kurzer Zwischenstopp beim besten Glacestand diese Viertels, mmmm. Den ganzen Tag wurde ich immer wieder eingeladen, wenn ich dann mal zahlen wollte bekam ich zur Antwort: „Du bist als Gast hier in der Türkei, wir sind Türken, wir zahlen!“. Unglaublich...

Bei Kerem zuhause angekommen, war die Stube voll, voll mit Tourenfahrer! Ich traute meinen Augen nicht, 12 Velos in der Wohnung x je 6 Gepäckstücke gibt 72 Taschen. Australier, Finnen, Koreaner, Amerikaner und noch einer von Burgdorf hehe. Zur Begrüssung gibt’s gesalzene Milch und Cay. Bei einem Döner werden Informationen, Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht.

Extrem Müde gehe ich im Massenlager in’s Bett, bin unendlich glücklich, dass ich gesund und munter in Istanbul angekommen bin und freue mich auf eine Woche Ferien und vor allem auf Mama... ich kann’s kaum glauben...

11 Kommentare

Greece - Thessaloniki - 2000km - und es bizeli Raege...

Das bin nicht ich ! :)
Das bin nicht ich ! :)
Es war absolut die richtige Entscheidung einen Ruhetag in Ohrid zu machen... Der Kopf wollte eben zuerst weiterfahren. Als der Kopf dann den Körper fragte, was er zu einem Tag Pause meine, sagte dieser : " Hör zu lieber Kopf, wenn Du willst, kannst Du ja schon mal gehen, ich warte hier noch einen Tag, leg die Beine hoch und Morgen werde ich Dich längstens wieder ein- und überholen hehe". Die zwei einigten sich und mir war's auch recht :) 
Nach einer Stunde langweilte ich mich ein wenig und musste dringend nach draussen und was machen. Ohrid bietet einiges zu sehen, die Stadt und der See gehören dem Unesco-Weltkulturerbe an. Die Altstadt mit der Mittelalterlichen Festung liegt am Berg oben und dort ist auch ein Amphitheater zu sehen. Ein hellenistisches Theater welches nach griechischer Art gebaut wurde. Es regnete derart, dass ich mir schon überlegte einen Schirm zu kaufen, aber den weiterhin mitzuschleppen gurkt mich ein bisschen an. Somit packte ich mich Wasserdicht ein und ging den Berg.
Es waren alles Treppenstufen, bin schon lange keine Treppe mehr gestiegen, dass ging aber sehr sehr ring! Als ich bei diesem Amphitheater angekommen bin, setzte ich mich in die hinterste Reihe, blickte auf die Bühne und hing den Gedanken nach... Welche Gedanken das sind, ist ja offensichtlich. Das Alpentheater fehlt mir schon ein wenig. Die Probezeit war immer super und ich denke viel daran, was sie wohl gerade einstudieren... Bestimmt ein Dousido! ihr wisst nicht was ein Dousido ist? In dem Fall besucht ihr am besten das Alpentheater diesen Sommer und dann wisst ihr's hehe. Eines weiss ich, sie machen das ganz sicher toll und es wird bestimmt einen weiterer Erfolg geben diesen Sommer, yeah!!!
Am Nachmittag war ich einfach in meinem Zimmer und freute mich schon auf Morgen, wenns weitergeht. Dann renne ich immer zuerst zum Fenster und schaue in den Himmel. Heute : bewölkt aber trocken, super los gehts!
15km ging's dann bergauf...langsam aber sicher!
Was kommt mir da weit vorne entgegen? Nein! Wirklich jetzt? Jaaa! 2 Velos vollbepackt! Jetzt gibt's Pause! Die eine kommt aus Mexiko City und die andere aus Frankreich. Eigentlich sind sie eine Gruppe von 14, da Penny von Mexiko, kein Albanienvisum bekommen hat, gehen sie via Kosovo nach Montenegro und treffen dort wieder auf die Gruppe. Sie radelten von Thailand aus nach Laos, Indien über China, durch den Iran und wollen auch in die Schweiz. Sofort gab ich ihnen die Adresse von Mama und sagte die Türe sei für sie immer offen. Sie hatten keine Landkarte von Kroatien und dem Kosovo dabei, da kann ich doch aushelfen und händigte ihnen gleich meine Karten aus, die ich nicht mehr gebrauche, in der Schweiz können sie diese ja liegen lassen und ich muss somit auch ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen weniger schleppen, höhö. Sie gaben mir die Adresse von einem Kollegen in Istanbul, bei welchem ich bestimmt bleiben könne solange ich wolle. Am selben Abend kontaktierte ich Kerem in Istanbul und der wusste schon bescheid :) Da er eine grosse Wohnung mit mehreren Zimmern hat, bietet er diese an Reisenden gratis zur Mitbenutzung an (couchsurfing.com). 
Voller Motivation und Elan trete ich in die Pedale in Richtung Bitola. Nach Bitola fährt man, respektiv Frau runter, dass heisst zuerst noch einmal den Berg rauf. 
In Istanbul muss ich dringend neue Bremsklötzli montieren... und vielleicht wieder einmal Pumpen, was ich bis jetzt ja erst einmal gemacht habe! 
Bitola ist ein wunderschönes Städtchen. Ich flaniere während der Abendsonne durch die Gassen und an jeder Ecke gibt es was zu sehen. Sei dies ein spezielles Haus, eine Moschee oder ein kleines "Lädeli" in welchem die frisch, roten Äpfel förmlich vor sich hin leuchten. Ich kann nicht widerstehen und decke mich mit ein paar ein. In einem Hinterhof habe ich ein hübsches Häuschen gefunden und der Hausmeister hatte auch ein hübsches Zimmerchen frei. Am Morgen weckten mich die Sonnenstrahlen! Innert ein paar Minuten war ich parat, Kurzhose und Shirt sind montiert, Griechenland ich komme! 
Bis zur Grenze waren es gut 20km, dort war ich auch schnell durch und das griechische Fähnchen gesellte sich neben das Schweizer. Sie vertragen einander tip top!
Heute läuft's mir sehr gut, ist ja nur flach. Aber auch den Hunden läuft es sehr gut! Ich habe mich echt noch nicht an sie gewöhnt. Das erste mal waren's gleich 6 an der Zahl. Sie machen ja nichts und trotzdem schüttelt es mich immer wieder durch...ich schaue sie nicht an, ignoriere nur! Hoffentlich gewöhne ich mich bald an sie... Danke Nicole für den Tipp mit den Steinen.
Die Strecke bis nach Arnissa war einmal mehr eine Augenweide...aber nur wenn man den Umweg nimmt :) Ein munziges Dorf, dass an einem See gelegen ist. Gibt es hier auch Menschen?? Ja einen habe ich nach längerem gefunden. Als ich ihn fragte ob es hier eine Möglichkeit gäbe zu übernachten, schüttelte er den Kopf und klingelte an der nächsten Haustüre. Die Frau öffnete die Türe, er sagte irgendwas in griechisch, sie schüttelte auch den Kopf... Als sie dann das Fahrrad betrachtete und in perfektem Hochdeutsch sagte: " Kommst Du aus der Schweiz? , mit dem Fahrrad??, alleine???" Sie konnte es kaum glauben und meinte:" Ach, für die Schweizer haben wir doch immer ein Plätzchen, komm rein ich mache gerade Kaffee". Wir plauderten über Dies und Das. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, hat 3 Kinder und war bis vor kurzem Selbstständig. Sie empfahl mir die einzige Taverne im Dorf, dort gäbe es gutes Essen. Peperoni gefüllt mit Reis. Später kam sie mit ihren 4 Freundinnen auch zu. Einmal im Monat haben sie Frauenabend und gehen gemeinsam essen. Sie meinte ich solle doch zu ihnen sitzen, das war eine gemütliche Runde. Früher hatten sie diesen Frauenabend einmal pro Woche...dies liegt aber zurzeit nicht mehr im Budget! 
Am nächsten Tag radelte ich in der Ebene bis nach Gianitsa. Einmal geradeaus bitte... Am nächsten Tag ging's so weiter bis nach Thessaloniki. Nach Athen ist es die zweitgrösste Stadt von Griechenland. Ja so kam sie mir auch vor! Doch erstaunlicherweise habe ich die Jugendherberge auf Anhieb gefunden. Ich hatte einen Schlafplatz im 4-er Zimmer im dritten Stock. Das Gepäck in die Höhe zu schleppen finde ich immer das strengste vom ganzen Tag :) Mit dem Stadtplan in der Hand, machte ich mich auf zu den Sehenswürdigkeiten, es gibt viele davon. Doch schon nach 10min. war ich einmal mehr auf den Felgen und setzte mich ins nächste Kaffee und genoss die Aussicht auf's Meer. Der Kellner sagte mir, dass ich von der Stadtmauer aus, dort ganz oben am Hügel die beste Aussicht habe. Also nichts wie los, marschierte ich hoch und es war einmalig... Ich fragte mich selbst: "Da bist du mit dem Velo reingefahren?", im Gegensatz zu Istanbul ist dies hier sicher ein Klacks... Wir werden es sehen! Meine Zimmergenossin war aus Österreich und hatte spontan ihr Geburtstagsgeld eingesetzt um irgendwo an die Wärme zu gelangen. Als wir so plauderten und ich ihr von den Hunden erzählte meinte sie:" Das Gebiss der Hunde sei viel hygienischer als dies der Katzen, also lieber einen Hunde- als einen Katzenbiss, und wenn sie bellen sollte es eh kein Problem sein". Jetzt bekomme ich dann schiss vor den Hunden, wenn sie nicht bellen!!! 
Am Morgen war dann fertig lustig...es regnete und windete "wie ne more". Da der Wetterbericht für die nächsten paar Tage nicht viel besser war, wollte ich weiter... Einfacher gesagt als getan! 
Auf der Karte war mir der Ausweg aus der Stadt, auf die richtige Strasse und ins nächste Dorf theoretisch klar...praktisch habe ich mich vollumfänglich VERfahren. Der Eine meinte ich müsse immer links halten, der Andere sagte nach rechts sei die richtige Richtung, der dritte hatte keine Ahnung, schenkte mir dafür ein Wasser und ein Croissant, auch nicht schlecht:) Ich schob den Göppel im Gegenwind die Stadt rauf, bremste wieder nach unten und nach 15km war ich komplett durchnässt ungefähr wieder bei der Jugi! 
Fertig, jetzt gurkt's mich an! Entweder übernachte ich nochmals hier oder ich probiere den Bus nach Kavala zu nehmen. Die nette Dame an der Rezeption telefonierte an die Busstation und die sagten Heute sei leider kein Platz mehr vorhanden für ein Velo. Sie, jedoch meinte, ich solle es einfach mal probieren. Die Station fand ich dann erstaunlicherweise auf Anhieb... Am Billettschalter wurde ich in den 2. Stock verwiesen um abzuklären ob es möglich sei, ein Velo mit so viel Gepäck einzuladen (der Bus fährt in 10min). Ja, jetzt geh mal in den 2. Stock...und das Velo!? Ich fragte ein genüsslicher Kaffeetrinker ob er kurz zu Freddy und dem Untersatz schauen könnte. Er meinte es sei besser wenn ich bei Freddy bleibe und er nach oben renne...uff mir auch recht! 
Also es sollte kein Problem sein, schnell wieder zum Schalter, Billett lösen, aufs Busperron rennen, einladen und 140km auf 4 Rädern fahren hihi. 
Von Kavala habe ich nicht wirklich viel gesehen, da es immer noch regnete. Dafür hatte ich ein gutes Gespräch mit dem Crêpeverkäufer, der mir ebenfalls die schwierige Situation erläuterte: " Die Menschen haben einfach kein Geld, sie gehen nicht mehr aus, geben logischerweise auch keines aus. Mein Lohn hat sich halbiert!" Die Restaurants haben geöffnet, aber die Tische sind leer...
Am Abend suchte ich via Couchsurfing eine Übernachtungsmöglichkeit in Komotini. Dies klappte wunderbar und ich habe Sophie gefunden. Sie hat ein Plätzchen für mich. Am Morgen regnete es immer noch, aber die Kleider sind mittlerweile wieder trocken, ich spreche hier nicht von den Schuhen! Die brauchen immer etwas länger...
Mein Ziel war es möglichst die 100km durchzufahren. Bereits um 8.00 war ich am strampeln. Nach 40km hat sich mein recht Fuss dann mal verabschiedet. Als ich versuchte ihn zu wecken, schlief der tief und fest. "Janusode" der taut dann schon wieder auf... Am Mittag brauchte ich DRINGEND was warmes zu essen, das kriegte ich! Mmmm war das lecker, ein Pastateller mit Gemüse, der Hausherr meinte dann gleich ich müsse nichts bezahlen, es gehe auf's Haus! Wirklich wahr? Ich konnte es kaum glauben, da bin ich vielleicht der einzige Gast den ganzen Tag über, und dann soll ich nicht's bezahlen? Nein, ich wollte ihnen was geben, doch er lehnte vehement ab. Zuerst plagte mich das schlechte Gewissen, doch dann merkte ich, dass ich es annehmen darf und soll!
Weiter gings durch Niemandsland bis nach Komotini, nach 113km war ich ein weiteres mal auf den Felgen....oh wie oft habe ich das jetzt schon geschrieben?  Ich wusste, dass Sophie in der Nähe der Police Station wohnt. Als ich den einen Herr fragte wo die Polizeistation sei, wollte er gleich wissen ob ich Probleme habe oder Hilfe brauche, ob mir was geklaut worden sei... Nein, nein :) Er wusste selber nicht genau wo dies sei, also zückte er das Handy. Will der jetzt der Polizei anrufen und fragen wo die sind? Bin ja gespannt... Er reichte mir das Telefon und ich sagte mal "Hallo", eine Frauenstimme fragte: " Wo genau sind sie?", " ja das weiss ich beim besten Willen nicht, irgendwo in Komotini", "ok, geben sie mir bitte noch einmal meinen Vater". Gut, es ist die Tochter und nicht die Polizei. Sie probierte mir dann denn Weg in Griechisch-Englisch zu erklären... Das Telefon wanderte wieder zum Vater, der legte auf und meinte ich solle hier warten. Hmm was passiert wohl als nächstes? 
Ein paar Minuten später fährt ein Auto vor, die Tochter ganz fröhlich hinter dem Steuer bat mich ihr hinterher zu fahren bis zu Polizeistation... Unglaublich! Was soll ich hierzu noch sagen? Ich war sprachlos!
Als ich Sophie gefunden habe, zeigte sie mir ihre Wohnung und sagte : "Fühl Dich wie Zuhause, der Kühlschrank ist voll und warmes Wasser für eine Dusche hat's auch. Ich muss noch für ca. 3h weg und dann zeige ich Dir Komotini, ok?". Super! Wir kennen uns seit 2 Minuten und sie vertraut mir ihre Wohnung an. Würden wir dasselbe machen?
Ich lud sie dann zum Essen ein und wir hatten in einem typisch griechischen Restaurant eine super Abend. Sie arbeitet bei der Polizei und befasst sich mit den Immigranten die illegal ohne Papiere nach Griechenland einreisen. Je nach Fall haben sie 7 Tage Zeit das Land zu verlassen oder sie können 12 Monate bleiben. Sie erzählte mir über das Leben in Greece, welches nicht gerade einfach ist. Dies hier alles aufzuschreiben würde dauern, es wäre zwar sehr interessant...
Es war ein toller Abend, mit viel Essen und noch mehr Gesprächsstoff. Das ist ein Punkt, welcher ich so sehr schätze, ich kann mit Leuten in Kontakt treten, die mir ihre Geschichte und über ihr Leben in dem Land erzählen können...aus erster Hand!
Es ist jetzt 12.00 Uhr Mittags, ach ja drei Tage zu spät merkte ich, dass ich nun die erste Zeitzone passiert habe, hehe also plus 1h. Ja die Uhrzeit verliert immer mehr an Wert, wenn es hell wird stehe ich auf, wenn es eindunkelt suche ich was für die Nacht, so einfach ist das.
Eben, was ich eigentlich sagen wollte, es ist schon Mittag und ich sollte mal los! Da ich hier aber noch einen Computer habe, muss ich dies doch nutzen :)
Morgen werde ich in die Türkei fahren und ich freue mich sehr auf dieses Land, in welchem ich ja längere Zeit sein werde und es gibt Ferien in den Ferien höhöhö ;)
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Von Albanien via Brasilien ueber Afrika und nun doch in Mazedonien gelandet...

Die Speichengeister unter sich...
Die Speichengeister unter sich...
Aber alles der Reihe nach... Die Albaner haben ihren eigenen Fahrstil, dass merkte ich ziemlich rasch. Oftmals kommt mir ein Auto auf meiner Spur entgegen und wechselt im zweitletzten Moment doch noch auf seine Spur. Jedoch sind auch deutlich mehr Menschen auf dem Fahrrad zu sehen. Als der eine Junge mich sah, packte er blitzschnell sein Rad aus dem Schuppen,fuhr mir nach, überholte mich mit ca. 27kmh danach kehrte er um, winkte mir schmunzelnd zu und fuhr wieder zurück. 
Am Strassenrand hat es unzählige Fischverkäufer die ihren noch lebenden Fang in Becken anpreisen. In Shkoder, das ist die fünftgrösste Stadt von Albanien, fand ich für 10€ ein schönes Hotelzimmer direkt neben der Ebu-Bekr-Moschee. Die Rezeptionistin, das Zimmerpersonal und der Kellner schleppten dann gleich mein Gepäck in den 2. Stock, das ist Service! Als ich alles schön ausgepackt habe, was jeweils genau nach System abläuft, klopft es an der Türe und der Chef des Hotels stand persönlich da und meinte ich müsse Zimmer wechseln. Das andere sei viel schöner und besser... Das System wird also chaotisch gezügelt! Als erstes lass ich immer denn Boiler an, damit ich 30min später warmes Wasser habe. Zum Nachtessen bestellte ich eine Schüssel Salat und Spaghetti. Die waren förmlich zu einem Klumpen geformt. Wie bei einem Stück Fleisch begann ich die Spaghetti in Würfel zu schneiden... Sie schmeckten echt lecker, jedoch hatte ich nach ca. 7Würfeln bereits genug :) 
Am späteren Abend setzte dann der Regen ein, so stark, dass es in das noch schönere Zimmer tropfte. Erst jetzt bemerkte ich, dass die Fensterscheibe kaputt ist und dank dem Wind gelang es den Regentropfen auf dem Zimmerboden zu landen. Ich versuchte dann, mit dem weniger schönen Teppich das Loch zu stopfen, was auch sehr gut klappte. Am Morgen regnete es immer noch! Doch ich habe ja gute Kleider... Das muss ich hier jetzt auch mal erwähnen. Das Material ist einfach super! Die Ortliebtaschen sind zu 100% dicht. Die Kleiderwahl war bis jetzt auch optimal. Das Kopfkissen ist mittlerweile unverzichtbar und das Fahrrad ist einfach ein Traum. Ein Albaner fragte mich bereits ob es ein teures sei, ich sagte ihm, dass ich es auf dem Flohmarkt für ein paar Euro gekauft habe und schon ist sein Interesse für das Rad gesunken. 
Traue nicht jedem! Das sagte mir schon der Zöllner an der Grenze. Da ich das Velo nirgends im Hotel parken durfte musste ich es in einem Schuppen sichern. Dies mache ich mit einem 2 Meter langem Schlaufenschloss welches ich um einen Baum oder einen Pfosten ziehe und dann dass Veloschloss einfädle. Am Morgen war dann der Rückspiegel gebrochen... 3/4 des Spiegels ist noch vorhanden, irgendwann wird er sicher komplett kaputt sein und wenn es soweit ist, klebe ich einfach ein Bild  von Mama hin hihi.
Mein Plan am nächsten Tag war dann, bis nach Tirana zu fahren, die Hauptstadt von Albanien. Der Regen, der Wind, der Zustand der Strasse respektive der Zustand der Fahrer liessen mich nicht so schnell Vorwärtskommen wie geplant. Ich merke je länger je mehr, wie das Planen an sich nicht immer der beste Plan ist. Zeit für eine kurze Pause und eine Stärkung. Meistens dauert es dann nicht lange bis ein paar Albaner um mich herumstehen. Der eine war Postmann und seine erste Frage war, ob ich katholisch sei. Ich antwortete ihm, dass es so in meinen Papieren stehe. Als er meinen Namen wissen wollte und ich Maria sagte, stieg er ab seinem Velo und betete kurz mal ein Ave Maria auf italienisch... Er ist Italiener, wohnt aber der Liebe wegen schon sehr lange in Albanien. Er wünschte mir alles Gute und ich ihm auch. Nun sollte ich mich auf den Weg machen, es ist noch ein langer bis Tirana, ca. 100km von Shkodar aus.

Jedoch gab es nach 10min eine lange Pause... ich begegnete zwei Gleichgesinnten!!! Die ersten Tourenfahrer die ich treffe, juhuuuu die Freude ist gross. Wir hielten an und plauderten, ja da gibt es viel zu fragen und zu erzählen. André und Karla sind aus Brasilien und sind genau Heute seit einem Jahr unterwegs. Sie haben also irgendwie Geburtstag :) Sie starteten in Spanien und fuhren durch ganz Europa. Ihr nächstes Ziel ist Italien, wo die Familie sie besuchen wird. Danach radeln sie weiter nach Istanbul und von da an haben wir die selbe Route. Wir rechneten dann aus, wo wir ungefähr zur gleichen Zeit sein werden und uns treffen könnten, dies wird ca. in Tabriz, Iran sein. Wir tauschten die Koordinaten aus und freuen uns auf ein Wiedersehen :) Ist das nicht super?! 

In der Zwischenzeit hat auch die Sonne gemerkt, dass dies doch ein Grund zum scheinen wäre und sie zeigte sich. Somit trennten sich unsere Wege, ich schaute nicht zurück, denn der Treffpunkt liegt vorne!

Die heutige Route ist vorwiegend flach und schon bald kommt das Autobahnschild. Ich fuhr dann 10km einmal nach links um auf die Nebenstrasse zu gelangen. Dort sagte mir ein Mann es sei unmöglich mit einem Fahrrad auf dieser Strasse zu fahren, ich solle zurück auf die Autobahn. Mit dem Velo? Er meinte das sei absolut kein Problem. Gut, dem traue ich jetzt. 10km wieder zurück und die Strasse ist tatsächlich super auf dieser Piste. Die Polizei fuhr plötzlich neben mir und mein Puls erhöhte sich dann doch. Er fragte ob alles in Ordnung sei, wie mir Albanien gefalle und wünschte weiterhin eine gute Fahrt. Uff mit dem hätte ich nicht gerechnet. 

Bis Tirana wird wohl nichts mehr Heute. 20km ausserhalb der Hauptstadt, in Fushë-Krujë fand ich das einzige, eine Art Hotel. Kaum hielt ich an, standen 10 Albaner um mich und ich bemühte mich meine Taschen im Blick zu halten. Der ca. 23jährige "Hotelbesitzer" beauftragte die Truppe mir die Taschen in den 4. Stock ins Zimmer zu schleppen. Im Nu waren sie dann aus meinem Blickfeld und ich stand noch mit dem Schweizerfähndli in der Hand neben Freddy. Den Konnte ich mit Untersatz in der Beiz parkieren, und hab ihn an einem Tisch samt Stuhl gesichert. Mit dem Gepäck war alles in Ordnung. Als ich so in meinem Zimmer war, hatte ich ein wenig ein mulmiges Gefühl. In meinen Gedanken malte ich mir aus, was die da unten an meinem Fahrrad alles rumschrauben könnten. Ich sagte zu mir selbst : " Jetzt hör auf so zu denken, die werden schon nichts machen und wenn du schiss hast, dann musst du eben neben das Fahrrad sitzen bis du dich beruhigt hast!" 

Ja, das machte ich dann auch... Als ich in die Beiz kam sah ich vor lauter Qualm erst einmal kaum was. Sie war überfüllt mit Albanern, keine einzige Frau war zu sehen und alle starrten mich an. Bewaffnet mit Lumpen und Kettenöl ging ich zu meinem Velo, welches direkt unter dem Fernseher war in welchem gerade ein Fussballmatch lief. Der Eine machte gleich Platz und stellte mir seinen Stuhl zur Verfügung, ach wie nett. Ich reinigte alles, jede Speiche, die Kette, die Pedale und löste den eingetrockneten Dreck. Das dauerte... Als ich zurück im Zimmer war, hatte ich ein total gutes Gefühl und war überzeugt, dass mein Rad morgen genau so dastehen wird in einem super Zustand. So war es auch! 

Dass, was der Zöllner sagte stimmt schon (trau nicht jedem) doch hier waren meine Zweifel überflüssig. Sie haben es wirklich ehrlich gut gemeint, wollten helfen und hatten nicht die geringste Absicht was zu klauen! Hier habe ich ein weiteres mal ein Stück Welt gesehen wie sie ist und nicht so wie ich zuvor meinte wie sie sei!

Am nächsten Tag brauchte ich ca. 1h bis ich durch Tirana durch war. Eine grosse Stadt mit viel Verkehr. Mittendrin machte ich eine Kaffeepause und hatte beste Unterhaltung mit einem Albaner, der schon seit über 20 Jahren in London wohnt und nun seine Familie besucht. Es folgte eine Bergetappe bei schönstem Wetter. Im kleinsten Gang fuhr ich da hoch und genoss die wunderschöne Aussicht. Als ich so am geniessen war, rannte aus dem Nichts ein Hund auf mich los, bellte wie ein wilder und ich habe mich so erschrocken, dass ich aus Reflex kehrtwende machte und wieder runter fahren wollte, damit ich schneller bin als der Hund. Ich weiss von den vielen Reiseberichten welche ich gelesen habe, dass dies noch oft vorkommen wird... Sofort drehte ich wieder um, ohne je abzusteigen, probierte mit dem Hund zu reden, sagte zu ihm er sei aber auch ein guter "Bärri", worauf er noch mehr von seinem Biss zeigte. Ich glaub der weiss nicht was ein Bärri ist... Einfach weiterfahren und ignorieren, auf meinem Tacho stand dann auch 20kmh und zuvor waren es bei gleicher Steigung nur 7kmh! Aus dem Auge aus dem Sinn...

In Elbasan fand ich erneut ein günstiges Hotel. Als ich den Kellner fragte, ob sie hier wohl einen Computer haben um meine Daten hoch zu laden meinte er, dass sei kein Problem. Minutenspäter sass ich an der Rezeption auf dem gepolstertem Bürostuhl und das ganze Personal inklusive dem Koch war in der Lobby versammelt und lachte. Ich sagte zu ihnen, von mir aus können sie nun frei machen, ich werde das schon managen (bin ja der einzige Gast). Hey war das ein Fest, nein besser noch: ein kleines Theater! Für eine halbe Stunde war ich nun Rezeptionistin hihi. 

Am Morgen fuhr ich erneut bei Regen los. 10min später schien die Sonne, Regenkleider einpacken. 15min später regnete es wieder in strömen, Regenkleider auspacken. Wieder die Sonne, einpacken, Regen und von jetzt an ist's mir zu blöd wieder auszupacken. Werd ich eben nass, somit werden die Kleider eine Art gewaschen. Als ich ins nächste Tal runterfuhr, sah ich ein Zelt am Strassenrand, ein Göppel und ein Typ. Super, schon der nächste Reisende den ich treffe. Er ist von Oxford und bereits seit 3 Jahren unterwegs! Er radelte in dieser Zeit rund um und in Afrika, durchquerte die Sahara und schob sein Rad durch den Kongo. Nun will er nach Nepal!, Indien, Thailand, einmal um Australien weiter nach Japan und zum Dessert von Alaska bis Feuerland... Crazy Man! Wir beschlossen die nächsten 2 Tage gemeinsam zu radeln. In Struga, Mazedonien wird er Richtung Kosovo fahren und wir werden ca. zur selben Zeit in Istanbul sein. In 13-15 Tagen. 

Viele haben mir ja während den Vorbereitungen gesagt, dass ich Reisende treffen werde, welche die ähnliche oder gleiche Route fahren...so ist es!

Für die Nacht fanden wir ein ... Motel, Hauptsache ein Bett und eine Dusche. Das erste mal hatte ich nun Frischfleisch und die drangebliebenen Federn sahen aus wie Deko :) am Morgen schien die Sonne und wir strampelten den 10km langen Pass rauf bis zur Mazedonischen Grenze. Die passierten wir ziemlich rasch und düsten nach Struga runter. Diese Stadt liegt wunderschön gelegen am See. Wir assen noch gemeinsam das Mittagessen und er erzählte von seiner Afrikareise. 

Marokko hat ihm besonders gut gefallen sowie auch die Sahara, alle 100-130km gäbe es Wasserstellen und das campen sei absolut kein Problem. Er hatte eine super Zeit und die Menschen seien überall sehr freundlich gewesen. Das schwierigste Land von der Strasse her sei der Kongo. In Äthiopien war es schwierig zu fahren weil die Kinder mit Steinen geworfen hätten. Er zeigte mir einmalige Bilder und ich war echt beeindruckt! Wir sagten einander tschüss und freuen uns auf ein Wiedersehen in der Türkei.

Kurze Zeit später wurde mir bewusst, wie schnell ich auf den Modus "gemeinsames Fahren" umgestellt hatte. Sofort kam mir die Situation in den Sinn, als ich die ersten paar Minuten alleine war, nachdem Simeon in die Schweiz zurückfuhr... Doch nun kann ich rasch wieder umschalten und Heute habe ich einen Tag in Ohrid abgeschaltet :) Es regnete den gaanzen Tag in strömen, somit hatte ich nun Zeit um diesen Blog zu schreiben. Übermorgen sollte ich Griechenland erreichen... 

Es ist einfach wunderschön unterwegs zu sein und jeden Tag denke ich fest an die lieben Menschen zuhause...

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2 Tage in Montenegro

Autoschuhe
Autoschuhe
Die paar Höhenmeter von Dubrovnik bis zur Hauptstrasse hoch hatten's in sich... Schon nach ca. 5km stieg dann mein Kilometerzähler aus. Der hatte wohl genug von diesem ewigen zählen. Sofort hielt ich an und kontrollierte alles: Das Kabel war in Ordnung, der Kontakt zwischen dem Speichenteil und dem Fixteil sollte auch vorhanden sein, die Batterie ist noch nicht so alt, hmm was fehlt dem nur? Als ich mich dies fragte, hielten zwei Biker neben mir an und sagten im breiten Berndeutsch : "Salü, bruchsch Hiuf?". Das glaube ich ja nicht. Da hab ich ein Problem, frage in die Luft raus um eine Antwort und bekomme sie von zwei Bernern! Der eine meinte der Abstand zwischen den zwei Teilen sei etwas gross. Ja jetzt geht mir ein Licht auf! Höchstwahrscheinlich hat sich das Speichenteil etwas nach oben verschoben als ich gestern die Speichen reinigte! Wir schoben es ein paar mm nach unten und er zählte wieder!
Jetzt aber zu den Emmentalern! Der im roten Shirt wohnt bereits seit 9 Jahren in Dubrovnik und bietet von hier aus Biketouren an. Der im Blauen Shirt ist zu besuch und hat mich gestern mit dem Auto überholt und fragte sich schon da, wohin ich wohl gehe. Wir tauschten die Adressen aus und der im roten Shirt gab mir noch einen Tipp für eine schöne Route in Montenegro. Es seien zwar ca. 50km Umweg aber dafür einmalig. Wir wünschten einander eine gute Fahrt und werden sicher in Kontakt bleiben. Ich konnte es kaum glauben was eben geschah...
Im Nu habe ich die Grenze passiert und war gespannt wie es in Montenegro sein wird. Mit der Zeit merkte ich, wie alles viel Grüner ist im Gegensatz zu dem was ich in Kroatien sah. Die Strasse ist in einem super guten Zustand. Jedoch tümmelt sich der Abfall am Strassenrand. Schon bald kam ich zu diesem Umweg, von dem der eine Schweizer sprach. Im Prinzip könnte man die Fähre direkt nach Lepetane nehmen. Die Überfahrt geht ca. 7min. Alle Autofahrer machen dies auch, ausser die wo am "Umweg" wohnen :) Was sich auf diesem Weg zeigte, ist einfach unmöglich in Worte zu fassen... Etwas vom schönsten was ich bisher auf meiner Reise gesehen habe. Ja ich weiss jetzt gar nicht wie ich das beschreiben könnte? Am besten fahrt ihr hin und sieht selbst nach! Sobald ich das nächste Mal Fotos hochladen kann sind bestimmt auch welche von dort dabei. Das wird ca. In Istanbul der Fall sein :)
In Perast, das ist ungefähr in der Hälfte dieses Umweges in Richtung Kotor, habe ich in einem alten Haus Unterschlupf gefunden. Der Mann hat in seiner Garage eine kleine Druckerei eingerichtet, welche er mir voller Stolz präsentierte. Die 2 Druckmaschinen sind über 45 Jahre alt und die Schneidemaschine ca. 40 Jahre, alle stammen aus Deutschland. Er druckt für die ganze Umgebung Plakate, Kalender für Firmen, Visitenkarten für Zahnärzte und das Lokalblättli für's Dorf, welches rund 300 Einwohner zählt.
Zur Feier des Tages, weil es so schön ist hier, gehe ich ins Restaurant. Kein einziger Gast war zu sehen doch sie hatten geöffnet. Es gab schwarzen Reis mit Tintenfisch. Also zuerst meinte ich es seien Pilze, doch als ich die Noppen sah und so ziemlich lange dran zu kauen hatte, merkte ich das es wohl eher keine Pilze sind.
Am Morgen holte der gute Mann mein Fahrrad aus der Druckerei und half mir, es zu beladen. Juhee die Sonne scheint! Voller Motivation und Energie hatte ich in kurzer Zeit, also sie kam mir kurz vor :), 71km und über 800 Höhenmeter auf dem Tacho und fand es genug für Heute. In Bar angekommen suchte ich ein Plätzchen. Es wird immer ein bisschen schwieriger da es nicht mehr soo touristisch ist. Als ich dann doch noch ein Haus gefunden habe, wo Zimmer vermieten, hatte ich grad Glück. Das Ehepaar wollte eben wegfahren. Er wollte das Zimmer nicht geben, nur im Sommer und sie hatte bedauern. Also knallte er die Autotüre von innen zu und sie diskutierten miteinander. Das dauerte dann ein Weilchen... Die Türe ging auf und es kam mir vor wie ich auf ein Prüfungsresultat wartete. Diese Prüfung habe ich bestanden und sie hat gewonnen :) Er fuhr ein bisschen murrig davon und sie machte gleich einen Tee und zeigte mir das Zimmer mit der Traumaussicht. Auf dem Balkon genoss ich mit Blick auf's Meer den Fisch aus der Dose. Es klopfte an der Türe und sie brachte mir ein Schälchen Milchreis, soo lieb! ...den mag ich leider nicht besonders gerne...aber Reis tut sicher gut und somit ist der Fisch auch nicht ganz alleine da unten im Magen...Fisch im Reismantel...oder so :) Morgens um 7.30 klopfte sie wieder und brachte Frühstück! Also die war so nett zu mir, das hat mich wieder einmal mehr berührt. Wir konnten kein Wort voneinander verstehen aber mit Händen und Augen klappte es wunderbar. Zum Glück hatte ich noch eine Toblerone zuunterst in der Tasche aufbewahrt, welche ich ihr geben konnte. Sie freute sich sehr.
Eigentlich plante ich 4-5 Tage in Montenegro zu sein, doch als ich auf die Karte sah und nochmals nachrechnete, sollte ich schon Heute nach Albanien kommen. Kaum habe ich mich an das neue Land gewöhnt geht's schon weiter ins Nächste. Am Anfang, also kurz nach der Grenze, habe ich immer ein Gefühl der Ungewissheit. Was ist anders in dem Land? Wie leben die Menschen? Wie reagieren sie auf das Bild, dass da eine alleine auf dem vollbepackten Fahrrad vorbeifährt? Ungefähr am zweiten Tag habe ich mich irgendwie dran gewöhnt, was anders ist... wenn man das überhaupt so sagen kann! Also z.B in Montenegro ist mir gleich aufgefallen, dass die Autos grosszügiger überholen als in Kroatien, oder dass die Leute mir eher zuwinken. Mit Englisch ist jedoch nicht viel zu wollen, doch die paar Ausdrücke welche ich in Kroatien gelernt habe kann ich hier auch noch gebrauchen.
Auf der Karte erblicke ich eine Abkürzung auf einer Gelb gekennzeichneten Strasse, eine Nebenstrasse. Das probiere ich doch mal aus. Probieren ist das richtige Stichwort... Bei 25 Grad schob ich 1h lang mein Velo den Hügel rauf. Als ich bei einem Dörfchen ankam, waren die Bewohner schnell am Strassenrand versammelt, sie lachten und ruften mir zu: Super! Super! Ja also soo super fand ich's auch wieder nicht aber es motivierte mich und ich lachte zurück ;)
Oben angekommen, hatte ich einmal mehr eine tolle Aussicht. Beim Herr Fruttolo deckte ich mich mit Orangen, Bananen, Birnen und Äpfeln ein. Als ich einpacken wollte, merkte ich, dass es wohl ein bisschen zu viel des guten war und musste gleich eine tolle Ration davon essen. Er zeichnete derweilen den Weg bis zur Grenze auf einem Kassabon auf...es gibt nur diese eine Strasse bis dorthin, aber ich werde sein Zeichnung in Ehren aufbewahren.
Ein wenig später fuhr ein Auto konstant neben mir und einer kurbelte mühsam die Scheibe runter :"Hallo, hey wohäre geisch?". Glaub ich denn das? Ein Glarner Auto! "Ihr vier seit aber keine Glarner?", " Dog, dog weisch mir vo Glarrus!", "Äuää!", " Ja, auso, mir si Kosovoglarner, hehe". Seit 20h sind sie nonstop unterwegs und ich seit über 100 zzz. Wir hatten einen kurzen Schwatz und sie zogen davon.
An der Grenze habe ich sie wieder eingeholt, denn es gab eine längere Autoschlange. Es gibt nur eine Spur und das vorderste Auto wurde gerade genauer unter die Lupe genommen. Alle 6 mussten aussteigen und die Hunde kamen und schnüffelten alles ab. Hoffentlich riechen die mein Rindsragout in der vorderen Tasche nicht...das heb ich mir nämlich noch ein wenig auf :) Nach 45min war ich dann dran. Der Pass wurde eingescannt und erschien digital auf dem PC auf welchem der eine Solitär spielte. Das muss auch mühsam sein, wenn man da so am spielen ist und andauernd wieder unterbrochen wird wegen so ein paar Personendaten!
Welcome to Albania...
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Über Bosnien-Herzegovina nach Dubrovnik

Jetzt schrieb ich doch erst den letzten Blog und schon habe ich erneut so vieles gesehen und erlebt. Also wo waren wir? Ach ja in Trogir... Am Morgen weckten mich die ersten Sonnenstrahlen, welche durch den Orangenbaum in das Zimmer schienen. Kurzerhand oder besser gesagt, kurzerbeine war ich dann voller Motivation und im Kurzarm-Shirt parat für den Tag. Es wird bestimmt ein guter! Nach rund 20km gab's dann die erste Stärkung. Die Farmer hier sind echt lecker, ich kaufe immer diese mit den Cranberrys drin und rüste jeweils zwei davon in der Lenkertasche, neben dem rationierten Toilettenpapier für drei Erledigungen hihi. Ja das muss alles organisiert sein... Die Stärkung tat sehr gut und hielt lange an. Die Stadt Split liegt vor mir. Zuerst war mein Plan, dort das Mittagessen zu nehmen doch dieser änderte ich schlagartig als ich in die Stadt einfuhr. 4-Spurig kämpfte ich mich durch den Verkehr, links und rechts von mir Autos, LKW's, Unmengen von Autocars und Bussen. Ich konzentrierte mich auf die Leitlinie und fuhr exakt auf ihr, bis ich ausserhalb des grössten Chaos war. Phu, ich war einfach nur froh, dass alles gut ging und dankte jedem Fahrer der mich grosszügig überholte! Die Strasse führte der Küste entlang und für einmal genoss ich den Gegenwind, der die frische Meeresluft in mein Gesicht windete. Dem Speichengeist hat's auch gefallen :) Plötzlich überlegte ich mir, was ich eigentlich überlege während dem fahren... (Habe ich das schon mal geschrieben? Ach egal) Meistens denke ich nichts, nehme einfach die Schönheit dieser Natur auf und geniesse es. Die Autos schaue ich mir jedoch immer an, meistens kann ich dann das Auto, welches gerade vorbei fährt zu jemanden den ich kenne zuordnen und dann denke ich ein Weilchen an diese Person...was macht sie wohl gerade? Hier ein paar Beispiele, vielleicht erkennt ihr euch ja... Hat sie wohl die nächste Schulstunde schon vorbereitet? Wie war wohl die letzte Theaterprobe am Mittwochabend? Gibts wieder einmal soo feinen Lachs wie letzthin? Muss sie wohl Govinda-Energiekugeln im Regal auffüllen? Wie lief das Vorstellungsgespräch? Heute kocht sie bestimmt eine feine Rösti! Läutete das Telefon wohl den ganzen Morgen? Heute backt sie sicher einen Nusskuchen! 
Ja, solche Sachen kommen mir dann in den Sinn. Während dem fahren sehe ich ständig tote Tiere auf der Strasse, manchmal eher noch frisch, zum Teil ist's wohl auch schon länger her. Was mich aber immer wieder ein wenig traurig stimmt, sind die vielen Grabsteine und Blumen am Strassenrand... ein Kroate bestätigte mir, dass es jeden Tag sehr viele Verkehrsunfälle gäbe. Immer wenn ich dann so eine Stelle sehe, denke ich kurz an die Person die hier ihr Leben lassen musste, obwohl  ich sie nicht kannte will ich mir einfach kurz Zeit für sie nehmen, ja so ist das und das denke ich so während dem fahren. Nach 85km ist es wieder Zeit, was für die Nacht zu finden. Beim zweiten anklopfen hatte ich bereits Glück. Der Sohn verlangte 30€... fand ich ein bisschen viel doch schon am nächsten Morgen bekam ich, was unbezahlbar ist! Seine Mutter bereitete gleich türkischen Kaffee zu und stellte die frisch gebackenen (eine Art) Muffins auf. Wir guckten gemeinsam den Fussballmatch Kroatien gegen Serbien. Kroatien gewann 2:0 und die Freude war gross. Zum Morgenessen war ich dann im oberen Stock beim Herr Sohn eingeladen. Sie haben vier Kinder und die jüngste heisst Maria. Das war wie an einem Sonntagsbrunch, ich wusste nicht wo Anfangen und wo aufhören :) Maria brachte mir ein Konfiglas gefüllt mit Muscheln, die sie selbst gesammelt hat. Sie schrieb das Glas mit einem Etikett an: "For Maria from Switzerland, from Maria from Croatia, always remember me :)". Das berührte mich sehr und ich nahm sie gleich in den Arm. Die Mutter packte all möglichen Proviant in eine Tasche, dazu noch ein Pack Güetzi und was zu trinken. Noch ein Foto für's Familienalbum, einmal alle drücken und weiter geht's. Kaum auf dem Rad, regte ich mich ein wenig über mich selbst auf...ohne zu wissen was mich hier erwartete, nervte ich mich zuerst über 30 Euro für eine Nacht...und jetzt, die paar Stunden später habe ich erneut eine so wunderbare Familie kennengelernt und hatte doch für einen Moment das Gefühl bekommen Zuhause zu sein...was sind da schon 30 Euro??? Hab wieder was gelernt! Heute werde ich Kroatien verlassen und für ca. 20km in Bosnien-Herzegovina sein und dann wieder nach Kroatien fahren. Die Ausreise war wieder ein Gaudi! Als ich die sehr lange Autoschlange vor mir erblickte, stellte ich mich gleich auf längeres warten ein. Doch keine 2min später winkte mich der Zöllner von weit vorne zu sich. Also meint der jetzt wirklich mich? Hmm ja wen sonst, ich bin ja die einzige die da überholen kann hehe. Also fuhr ich ganz frech allen vor und die Zöllner standen in kürzester Zeit um mich und fragten mich über die Reise aus, erneut über das Wetter wie viele Jahre ich schon unterwegs sei, hahaha und sie gaben mir Tipps wo ich im nächsten Dorf am besten Essen könne. Diesen Tipp befolgte ich und es war sehr lecker. In Neum (BIH) fand ich ein hübsches Zimmer für die Nacht. Es hatte sogar einen Fernseher, dafür kein Duschvorhang... Auf dem einzigen Sender lief gerade ein Bollywood-Film: sie will den einen heiraten. Die Eltern sind nicht einverstanden. Der Onkel, Bruder und der Neffe mischen sich ein, es gibt ein durcheinander und das ganze wird von wunderbaren Hindisongs untermalt. Die Lautstärke war ca. Auf 4 (von max. 10), ich erwischte mich, wie ich sie höher schaltete... Warum denn? Ich verstehe ja sowieso nichts...ha, komisch! Morgen wird es eine gemütliche Etappe von ca. 70km geben, ich freu mich schon sehr auf Dubrovnik. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite...so mach Radfahren doppelt spass:) etwa 20 Schritte von der Altstadt entfernt fand ich ein hübsches Zimmer für 2 Nächte. Von dem Dachfenster aus habe ich beste Sicht auf die Stadt! Und nun...husch, husch ins Bett. Um 6.45 war ich hell wach und voller Datendrang. 6.45!! Da läutete normalerweise der Wecker zuhause wenn in zur Arbeit ging und Heute ist ja auch Montag... aber nein, ich kann mich ja nochmal umdrehen und Aufstehen wenn ich's für gut finde höhöhö. Das ist schon ein schönes Gefühl. Meistens bin ich jedoch um 10.00Uhr bereits am strampeln und da machen meine Chef's bereits Pause! Ich erkundete Dubrovnik und am meisten war ich von dem Boden der Altstadt beeindruckt! Die hellen Steinplatten verleihen dem ganzen einen speziellen Glanz. Ein paar Minuten später glänzten sie noch mehr...es regnete! Ein heftiges Gewitter zog über die Stadt und alle Menschen rannten in die Restaurants. Ich nutzte die Chance und konnte ein paar coole Fotos von den  Wellen machen, welche an die Mauer donnerten. 2Stunden später schien dann die Sonne wieder. Eine Chinesin fragte mich ob ich von ihr ein Foto machen könnte. Klar doch und so kamen wir ins Gespräch. Sie studierte 2 Jahre in Paris und nun reist sie einmal quer durch Europa bevor sie wieder nach Hause fliegt. Vor 4 Wochen war sie in der Schweiz und hatte ein paar Stunden Aufenthalt in Spiez! Ha, stellt euch vor wir hätten uns vor 4 Wochen getroffen, hätten wir für in 4 Wochen in Dubrovnik abmachen können hihi. Sie fährt übermorgen weiter nach Split und Zadar. Meine Route führt mich morgen nach Montenegro, bin sehr gespannt auf dieses Land in welchem ich ja nur kurz sein werde (ca. 4-5 Tage). Kroatien hat mir sehr gut gefallen: ich durfte sooo lieben Menschen begegnen mit einer riesigen Gastfreundschaft. Die Natur an der Küstenregion der Adria ist wunderschön. Ich komme bestimmt wieder, aber dann im Sommer wenn das Wetter noch besser ist :)
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Zadar - Trogir

Von Zadar aus sind es ca 5km bis nach Kozino...und dort erwartet mich eine Schweizer Familie, ach wie ist es schön zu wissen, dass jemand einem erwartet! Das Dorf ist sehr klein und die Nr. 29 werde ich bestimmt auf Anhieb finden...denkste!

Da war Nr. 135, die nächste war 51, dann wieder 83... Ein kleines Chaos! Als ich dann doch die 29 gefunden habe, klopfte ich an und eine Frau starrte mich und das Velo an. Ich zeigte ihr die Adresse auf meinem Zettel und fragte ob das hier sei. Dobro, dobro! Komisch, ich erwartete eine Schweizer Frau namens Bertha von Bützberg. "Wie ist ihr Name?", "Bertha". Hmmm ich kam nicht mehr nach, hab ich mich eventuell im Dorf geirrt, sie schaute auf den Zettel und rief die Nr. an. Wenige Minuten später fuhr ein Auto zu und der Mann sagte, "Tschou, i bi der Branko, der Maa vo der Bertha, gäu das isch hie haut chli es Dürenand". Sie wohnen am Meer unten und dort gibt es auch eine 29 (im gleichen Dorf!). Oh war ich erleichtert und konnte ihm nachfahren. Die richtige Bertha kam aus dem Haus und begrüsste mich sehr herzlich. Wir können gleich Essen: Bratwurst mit Kartoffelsalat! Es war soooo fein! Im unteren Stock hatte ich eine ganze Wohnung für mich alleine und vom Bett aus, den besten Blick auf's Meer! Soo schön... Wir hatten einander viel zu erzählen, währenddessen die Fotos auf die Homepage geladen wurden, dies ging auch eine Ewigkeit... Am nächsten Tag war dann der PC Dauerbelastet mit weiteren Fotos hochladen! Bertha arbeitete im Spital in Aarberg und Branko arbeitete mit Andrej in der gleichen Firma, bei ihm war ich ja ein paar Tage zuvor in Slowenien. Die zwei sind so liebe Menschen. Bertha zeigte mir das ganze Haus, es ist wunderschön und sie haben ein tolles Plätzchen hier gefunden, Branko ist in Kozino aufgewachsen und seine Schwester wohnt ein paar Häuser weiter oben morgen werden wir sie besuchen. Die Zeit verging wie im Fluge und schon gab es Nachtessen, ein grosser Teller mit Spaghetti! Oh ich freue mich sehr, dass ich noch einen ganzen Tag hier sein darf. Zum Frühstück hat Bertha dann sämtliche Trümpfe ausgespielt: Frisches Brot, Oliven von den eigenen Bäumen, bester Schafkäse, Feigen vom Garten, Schinken und frischer Saft von den Orangen und Zitronen welche ebenfalls im Garten wachsen. Es war ein Schmaus! Vor ein paar Jahren haben sie ein ganzes Feld gerodet und darauf Olivenbäume gepflanzt, Branko kaufte einen Traktor, um im Sommer das Wasser auf's Feld zu transportieren und später dann um die Olivenernte zur Presse zu bringen...ich staunte nicht schlecht als ich das Feld sah! Doch ein munziger Baum ist viel kleiner als die anderen, es ist das Bertheli und will nicht so recht wachsen. Wir redeten im gut zu und ich glaube das Bertheli wird mal ganz gross rauskommen hihi. Später besuchten wir noch Flury's (Schwester von Branko mit ihrem Mann Emil). Sie ist Kroatin und er Schweizer und sie wohnten sehr lange in Spiez...in Spiez?! Als ich dann sagte, in welcher Praxis ich arbeitete, sagte sie : "Ja, ja Dr. Bühler, bei dem war ich mehrmals, das ist ein sehr guter Arzt", als sie dann meinen Grossonkel Fritz vom Schachen bestens kannte und wusste, dass mein Grossvater bei der Post arbeitete war ich schon ein wenig baff...! So, die meiste Zeit redeten wir von Spiez und sie fragte mich, ob der Zug nach Interlaken immer noch auf Gleis 1 fahre...ja das stimmt, Gleis 1! Unglaublich... Heute zauberte Bertha zum Mittagessen was Kroatisches : Kartoffeln mit Poulet im Ofen und zwar in einem Plastiksack, der Backofen ist eben nicht selbstreinigen ;) Am Abend fuhr sie mit mir nach Zadar und zeigte mir die Altstadt. Es war ein wunderschöner Abend in diesem hübschen Städtchen, welche auch sehr unter dem Krieg litt, die Spuren sind noch deutlich zu sehen. Am Meer vorne gab es eine Meeresorgel. Die Pfeifen sind nach unten gebaut und wenn der Wind in die Öffnung bläst erklingen die verschiedenen Töne, ein wunderbarer Klang. Hier bin ich nicht das letzte mal gewesen! Nach einem reichhaltigen Café complet, sahen wir gemeinsam noch 1 gegen 100 auf SRF, der eine wusste ja nicht gerade viel! Oh ich könnte noch wochenlang hier bleiben, es ist soo ein schöner Platz mit soo lieben Menschen! Doch der Weg ruft und morgen geht's weiter. Die Zeit vergeht sehr schnell. Ich bin enorm gestärkt für die nächsten Etappen und freue mich auch auf's weiterziehen. Auch wenn es noch so schön ist, es gehört dazu immer wieder aufzubrechen ins Ungewisse, ins Neue! Der Abschied viel mir ein weiteres Mal enorm schwer... Liebe Bertha, lieber Branko, vielen, vielen herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft und dass ich Euch kennen lernen durfte, ihr seid wunderbare Menschen und ich werde Euch in Gedanken auf die Weiterreise mitnehmen und bestimmt noch oft an die gute Zeit in Kozino 29 zurückdenken, Hvala, Merci!
Bertha rüstete mir ein grosses Lunchsäckli und begleitete mich noch bis zur Stopstrasse. Nach einem Drücker fuhr ich los...und schaute ein weiteres mal nicht zurück...nur vorwärts! Die ersten Meter überkams mich wieder und ich weinte, auch wenn ich dies hier nun schreibe kommen mir die Tränen... Solche Menschen um sich zu haben ist doch das schönste und wertvollste überhaupt. Was ich an Material mitschleppe zeigt auf der Waage sehr viel an. Doch die Herzlichkeit welche ich erleben durfte würde jede Waage sprengen! 
Nach 6h (kam mir vor wie ein paar Minuten) und 90km war es erneut Zeit eine Bleibe für die Nacht zu suchen. In Sibenik hatte ich nicht wirklich Erfolg, jedoch ein Dorf weiter in Brodarica fand ich ein günstiges Zimmer für die Nacht. Zurzeit habe ich ein wenig angst wild zu campen...überall sind Schilder "Achtung Wildschweine", dazu kommt der heftige Regen meistens über Nacht und so fühle ich mich einfach sicherer wenn ich bei jemandem sein kann. 
Gegen 10.00 Uhr fuhr ich am nächsten Morgen los mit dem Ziel Trogir, dort kann ich in einem Haus übernachten das zurzeit leer ist. Es gehört einer früheren Arbeitskollegin von Mama. Sie hat dies alles organisiert. Merci viu mau Du liebi! Der Neffe von Slavka weiss bescheid und sie erwarten mich. Judihuii! Die Adresse hatte ich aufgeschrieben und in Trogir war es dann wieder eine halbe Odyssee, bis ich das Ziel gefunden habe... Den ersten den ich fragte meinte,  ich müsse zuerst über die kleine dann über die Grosse Brücke bis zum nächsten Hügel. Dort angekommen meinte eine alte Dame ich müsse alles zurück und nach der Brücke links, irgendwo dort sollte es sein. Dort angekommen erklärte ein guter Herr den Weg, welchen ich vor ca. 20min schon mal gefahren bin... Nun gut, ich habe ja Zeit und radelte wieder zurück. Ein weiterer Herr sagte : "Ah, das ist gleich dort hinten, das ist ja die Adresse von meinem Kollegen, mit welchem ich Saxophone spiele..." Im selben Moment fährt dieser Kollege, also der Neffe zu und sagte, dass ein anderer Kollege von ihm an mir vorbei fuhr und die Schweizer Fahne sah und sofort dachte, die wolle bestimmt zu ihm. Somit fuhr er zu Boska und Ivka und meinte, dass es vielleicht gut wäre er würde mir entgegenkommen. Uff, kommt ihr noch nach?? Danke Susanne und Adrian für die Schweizerfahne, einmal mehr hat sie mir geholfen:) Die Frau von ihm kochte gleich das Mittagessen: Kartoffeln, Rüebli, Poulet und Blumenkohl in grossen Mengen... Zum Apero gab's 2 verschiedene Schnaps vom Grossvater, welchen ich erst nach der Spargelsuppe und dem Randensalat fertig trank. Ich konnte fast nicht mehr essen, dass war soo viel und soo gut, alle waren fertig und ich hatte noch das halbe Teller voll. Die 5jährige Tochter Tina holte schon mal die ganze Barbietruppe herbei, setzte diese auf den Tisch und meinte, dass sie alle zuschauen bis ich fertig gegessen habe... En Guete!
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Bora, Jugo, Mistral... Hauptsache es windet!

"Langsam aber sicher" war dann auch mein Tagesmotto. Der Gegenwind!

Die Strasse der Küste entlang ist einmalig schön und abwechslungsreich...rauf, runter, gerade, rauf, runter, gerade. Runter etwa gleich schnell wie rauf, also einmal traute ich meinen Augen nicht. 5% Neigung und ich musste im kleinsten Gang runter treten mit einem riesen Kraftaufwand, es war zum laut lachen und die Bremsen freuten sich auch über ihr heutiges Schonprogramm :) es gab soo viele schöne Plätzchen für eine Pause, ein Foto und einfach um zu geniessen.

Rechts von mir der Blick auf's Meer, links von mir auf die verschneiten Hügel. Ein Basler, ein Thurgauer und 3 Zürcher überholten mich, also... alle überholen mich, hehe... Die Zeltplätze haben natürlich noch zu, doch bei einem sah ich ein Auto auf dem Parkplatz und ein Mann sitzte vor seinem Wohnwagen, der den Blick auf's Meer genoss. Er kam zum Tor, erklärte mir den Geheimeingang und nun habe ich mein Zelt neben seinem Wagen aufgestellt. Er lud mich zum Kaffe ein. Seine Geschichte ist unvorstellbar... Rudi aus Österreich, ein Mann der an verschiedenen Orten in Europa feste Wohnwagenplätze hat und je nach Laune wechselt.

Zurzeit in Kroatien, am Meer, um der Raucherlunge etwas gutes zu tun. Er war, wie er selbst sagte, ein Penner, lebte auf der Strasse und in Lokalen, war Schwerstalkoholiker, Medisüchtig, Drogen und fuhr sehr lange Auto ohne Ausweis. Er wurde 2x dank medizinischer Versorgung und Technik ins Leben zurückgeholt. Sobald als er wieder auf den Beinen war, kam er erneut ins selbe Laufrad von Alkohol, Drogen usw. rein. Er machte über 30 Entzugskuren, in geschlossenen Abteilungen und wurde immer wieder Rückfällig. Während dem Sonnenuntergang erzählte er mir von seinem tiefsten Tief überhaupt und ab diesem Moment war Schluss mit dem ganzen Zeugs. Er machte den Führerschein und fuhr los... Auf die Campingplätze.

Er erzählte mir wie er sich sein eigenes, sehr spezielles Leben zurechtgewürfelt hat und Heute zufrieden in der Einsamkeit lebt. Wir tranken vor seinem munzigen, schmuseligem Heim einen Kaffee. Er bot mir an ein Ei zu kochen, als ich dann die Küche sah, erklärte ich ihm, dass ich Eier nicht vertrage und furchtbare Krämpfe davon bekomme... (Oh, wie gerne hätte ich ein Ei, am liebsten mit Nüsslisalat). Der Zeltplatz ist sehr abgelegen und wir zwei sind alleine da, ich liege im Schlafsack, höre die Musiksendung von seinem Fernseher im einen Ohr, das Rauschen der Wellen im anderen... Fühle mich jedoch sehr sicher und kann ohne jeglichen Kummer einschlafen...das ist, seit ich alleine unterwegs bin etwas vom wertvollsten überhaupt!!!

Zuhause, wenn ich ins Bett gehe, und den Wecker stelle, sehe ich wie lange es noch geht bis ich aufstehen muss. Jedoch mache ich mir keine Gedanken über die Nacht, sie kommt einfach und ins Bett gehen ist ja etwas vom normalsten... Doch hier alleine unterwegs, bin ich jeden Abend überglücklich wenn ich etwas zum Übernachten gefunden habe und wie schon gesagt, ohne Sorgen einschlafen kann!

Es gibt wieder Frühstück am Bett, bei 4Grad... Dank dem super Schlafsack hab ich die ganze Nacht über immer sehr warm. Am nächsten Morgen genoss ich den schönsten Blick auf's Meer und den weniger schönen in den Himmel... Es regnet zwar nicht, dafür windet es von Süden her, der Jugo-Wind. Der Wind von den Bergen ist die Bora, welche meistens sehr heftig aber trocken ist. Der Jugo bringt Regen! Die ersten 15km ging's dann Bergauf durch die sehr schöne, karge und verlassene Landschaft. Nach einer Weile, entschied ich mich die Fähre auf die Insel Pag zu nehmen, ja auf einer Insel zu radeln ist sicher sehr schön und dort gibt es anscheinend der beste Schafkäse überhaupt. Als ich beim Fährenhafen ankam, fuhr sie mir vor der Nase davon... Eine Kaffestube hatte es keine und die nächste Fähre fährt in 2h... hahaha. Es war bitterkalt und stürmte so stark, dass ich auf dem Bänkli sass und mein Velo fest halten musste. Nach einer kurzen Fahrt, traf mich beinahe der Schlag...wohnt auf dieser Insel wirklich jemand??? Das ist ja Niemandsland...

Vor mir sah ich die Strasse welche auf den Berg führt...dann mal los es ist nämlich schon 17.00 Uhr. Auf der Anderen Seite wechselte die Landschaft schlagartig, grüne Wiesen mit weidenden Schafen, Pflanzen und beste Sicht auf das nächste Dorf Novalja. Dieses scheint jedoch ausgestorben zu sein. Die eine Frau wollte mir ein Bett für die eine Nacht neben Kartoffeln und faulenden Orangen für 30€ andrehen. Nee! Im geschlossenen Hotel hätte ich für 50€ in einem kalten Zimmer im Estrich übernachten können. Nee! Ein Opa rufte mir von seinem Garten aus zu, er bot mir an, in seiner Küche neben dem Holzofen zu übernachten, warm Wasser habe er im oberen Stock und ein türkisches Kaffee sei bereits in Bearbeitung :) Super! Sein Neffe kam noch vorbei und wir plauderten über 2 h miteinander, währenddessen ich mir auf dem Gasherd die Nudelsuppe zubereitete.

Am nächsten Morgen gab's dann nochmals türkischer Kaffee und er sagte zu mir ich solle nicht losfahren, weiter vorne seien schon Lastwagen gekippt... Es stürmte sehr fest. Der Jugowind bringe Heute bis zu 150hkm. Ich überlegte mir kurz was ich nun tun soll... Mein Ziel war es eigentlich, am Abend in Zadar (80km) bei der Schweizer Familie zu sein. Ich freute mich schon die gaanze Zeit auf ein Bett, eine Dusche und auf die Familie. Der Zeitpunkt für ein Ruhetag wird auch langsam kommen... Der Entscheid kostete mich ein wenig Überwindung, aber ich wollte weiter, kann ja mal schauen wie es geht, und wenn es unmöglich wäre, kann ich ja immer noch umkehren und zum Opa zurück für eine weitere Nacht. Es war harte Arbeit, musste immer wieder absteigen und für 5km brauchte ich knapp 40min... Dazu kam der heftige Regen... absteigen und kurz verschnaufen. In diesem Moment stoppte ein kleiner Lieferwagen, der Mann stieg aus und sagte: " ich fahre nach Zadar, willst Du mitkommen?", ich traute meinen Ohren und Augen nicht! Ist dies wirklich wahr? Kurzerhand war alles eingeladen und er fuhr in einem höllen Tempo los. Noch ein kurzer Teestopp in Kolan und weiter gehts. Um 12.00 Uhr waren wir bereits in Zadar, ich hätte diese Etappe, bei diesem Wetter nie an einem Tag geschafft! Also habe ich Heute ein wenig "pschisse" und das beste daran: es stört keinen und mich am wenigsten hahaha :)

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Dober Dan Slowenija

Slowenjsche Pampa...
Slowenjsche Pampa...

Abschied nehmen ist nie einfach... Wir tranken noch ein letztes Cappuccino zusammen, ein Italiener probierte halb blind ein Foto von uns beiden zu machen, wir drückten uns und ich fuhr davon, ohne noch einmal zurück zu schauen...nur vorwärts! Die ersten paar Minuten musste ich weinen, aber mit überfluteten Augen lässt es sich nicht so gut Velofahren, also: trocknen und die richtige Abzweigung in Richtung Trieste erwischen! Schon bald ging es den Hügel rauf... Dass wäre jetzt eine Etappe für Simeon!

Dauernd schaue ich in den Rückspiegel...aber es ist niemand zu sehen, das klicken der Gangschaltung von hinten höre ich nicht mehr, der Pedalklick ist auch verstummt... Erst jetzt werde ich mir langsam bewusst, dass ich wirklich alleine unterwegs bin. Nach ca. 40km fahre ich in Trieste ein. Eine hübsche Stadt mit einem wunderschönen Rathaus. Als ich an einer Kreuzung auf das Trottoir wechselte um ein paar Schritte zu Fuss zu gehen, klopft mir nach kurzer Zeit jemand auf die Schulter und sagte:"Grüezi, ou underwägs?" Ein Schweizer Paar von Bern, sah die Schweizerfahne und eilte gleich herbei um Hallo zu sagen. Das war suuper!

Weiter fuhr ich aus der Stadt hinaus, in welcher übrigens der Hauptsitz von illycaffé und Generaliversicherungen ist. Von Muggia aus, gabs nur noch eine Richtung: auf den Berg, fertig, los! Dort oben warten liebe Leute, eine Dusche, ein Bett und vielleicht auch was zu habbern, judihuii. In Hrvatini Crevatini suchte ich nun nach einem markanten grünen Strommasten...welchen ich nach einiger Zeit auch fand! Beim Briefkasten stand dann auch der Name Osana, gefunden!!! Aurelia und Andrej begrüssten mich sehr herzlich. Gleich gab's Apfelsaft in der warmen Stube. Wir wussten uns vieles zu erzählen... Sie lebten über 30 Jahre in der Schweiz, (im schönen Lyss:) sind dann wieder in ihre Heimat Slowenjen zurückgekehrt, ach ja entschuldigung, bin jetzt in Slowenjen, fast hätte ich's vergessen :) Sie besuchen mehrmals jährlich ihre 2 Töchter mit den Kindern in der Schweiz. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. Aurelia bereitete ein richtiges Festessen zu: zuerst ein Teller Spaghetti, zu meiner Überraschung folgte ein zweiter Teller mit Spinat und Plätzli und noch ein dritter mit Salat aus dem eigenen Garten! Es war sooo lecker!

Über Nacht wurde dann eine Schweizer Familie in Zader eingeweiht, dass ich ca. nächste Woche vorbei komme. So lieb, wieder einmal mehr bin ich gerührt von der Gastfreundlichkeit, doch das ist noch nicht alles... Nach einem reichhaltigen Frühstück, meinte Andrej, er fahre mich ein Stück mit dem Auto, es sei ja noch ein langer Weg... In Kozina ladeten wir den Göppel und die Taschen aus, jetzt ist's schon nicht mehr soo weit... :) Mit einer Träne im Auge verabschiedeten wir uns, ich winkte und schaute ein weiteres mal nicht zurück...nur vorwärts! Vielen herzlichen Dank euch beiden, für die schönen Stunden in eurem Heim und für eure Herzlichkeit! Es folgten ca. 40 km in der wunderschönen slowenjschen Pampa, eine Augenweide! Die Strasse war super und als plötzlich ein Auto neben mir herfuhr, die Scheibe runterliess und sagte "hü, hü gib alles", bekam ich ein riesen Energieschub. Ein Walliserauto, mit einem Walliser drin aber ohne Fendant dabei! Ein paar Minuten später hupte ein Luzernerauto, die Scheiben waren wieder unten und vier Arme winkten mir entgegen, das war ein Gaudi auf dieser verlassenen Strasse... Da musste ich doch eine Pause einlegen und ein wenig schweizer Schoggi essen, prost! Die Kroatische Grenze war in Sicht.

Als ich dran kam, ging's dann doch ein wenig länger. Der gute Herr im Häuschen, plapperte in kroatisch drauf los. Englisch? Oh, yes un poco! Er wollte wissen woher ich komme. Svizera! Nooo really? Wie denn?, mit dem Velo! Ach so. Er wollte wissen wie das Wetter denn so war, wie lange ich brauchte, ob ich noch keine Panne hatte undundund... und die Autoschlange hinter mir wurde länger und länger... Es gab genau zwei Spuren, eine für Lastwagen und eine für Autos, er hatte solch eine Freude, dass er seine Kollegien, die für die Lastwagen zuständig war herbeiholte und ihr das Fahrrad zeigen wollte... Also es gab mittlerweilen zwei sehr lange Schlangen! Er fragte ob ich einen Stempel im Pass haben möchte... Na klar! Doch das Stempelkissen war ein wenig eingetrocknet, also wechselte er es in einer Seelenruhe und stempelte auf der Bernerseite! Er winkte, verabschiedete sich und wünschte mir alles erdenklich Gute. Danach kämpfte ich ein paar Minuten mit überholenden Autos und Lastwagen....
Rijeka habe ich gemütlich durchfahren und gegen 16.00 Uhr machte ich mich auf die Suche nach einer Bleibe. Was sich als nicht ganz einfach herausstellte... Die Dörfer sind wie ausgestorben und es begann zu dunkeln. Ich setzte mir das Ziel im nächsten Dorf etwas zu finden. Doch der eine Opa den ich fragte hatte keinen Platz im Garten und wild zu campen sei es ein wenig gefährlich wegen den Tieren, ich solle es doch im nächsten Dorf hinter dem Hügel versuchen. Nun gut, noch einmal für Heute den Stutz rauf und wieder runter nach Kraljevica. Keiner da, alles dunkel!

Ich stand an einer Kreuzung, schaute zum Himmel rauf und bat um Hilfe... Die kam Sekundenspäter von einem Balkon: " Hallo, suggen sie Platz fur die Nagt?". Ja unbedingt! "Keini Problem, chumsch in mis Hus, Frau magt grat Znacht, chasch mitesse und Bett hani im obere Stogg vo Sohn no frei!" Suuuper, ich war so was von erleichtert, phu. Er machte mir das Bett mit 6 Laken parat, da die Heizung nicht funktionierte und es herrschten ca. 6 Grad im Haus. Sie putzte das Bad, stellte den Tisch voll mit Essen und feinem Tee. Es gab Brot mit kroatischem Käse. Sehr gut! Er arbeitet bei einer grossen Frachtschiffkompanie, 220h pro Monat für 1000 Euro... wir sprachen über Gott und die Welt. Der Beitritt von Kroatien am 1. Juli in die EU war auch sehr brisant, ich fragte ihn was seine Meinung dazu sei: "etwas Neues kommt auf uns zu, etwas Neues bedeutet auch immer eine neue Chance, in diesem Fall wohl eher für meine Kinder als für mich selbst". Später erzählte er mir, dass vor 5 Tagen ein Amerikaner mit dem Fahrrad auch bei ihnen übernachtete (er wolle nach Peking radeln), gleich wollte ich schon wieder los...vielleicht kann ich ihn ja einholen? Gut, 5 Tage ist ein bisschen viel... Er gab mir dann seine Koordinaten, damit ich mit ihm Kontakt aufnehmen kann. Es war ein super Tag, das Wetter optimal und rund 85km standen auch auf dem Tacho :) ...übermorgen werden es die ersten Tausend sein :)

Am Morgen stand schon das Frühstück parat, sie brutzelte noch ein Rührei, ach wie rührend! Als ich fragte was ich ihnen für die Nacht schuldig sei, sagte er: "Geld ist nicht wichtig! Herz haben ist viel wichtiger"! Eine Situation welche mir ein wenig unangenehm war, warum? Weil sie soo viel für mich gemacht haben, und dies mit sehr viel Herz! Dem 12-jährigen Sohn gab ich eine Tafel Schokolade und 10 Euro für ein paar Trainerhosen von denen er so schwärmte. Beim Abschied nahmen sie mich spontan in die Arme, drückten mich und als letztes sagte er: "Langsam aber sicher!". Ich fuhr davon...und schaute wieder nicht zurück...nur vorwärts!

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aus zwei wird eins...

So, da sind wir wieder. Vieles könnte ich wieder erzählen, wo soll ich nur beginnen. Am besten alles "Chrut u Rüebli dürenand, genau so hanis gärn :)"Also Venedig war spitze! Es wurde zwar nichts aus Gondeln dafür tranken wir vieeele Cappuccinos. Das Wetter war wunderbar, und ich konnte es nicht unterlassen, eine Karte an meine ehemaligen Arbeitgeber und Mitarbeiterinnen zu schreiben, wie schön es doch sei, an einem ganz gewöhnlichen Montag um 10.00 Uhr in Venedig zu sitzen und Kaffee zu trinken...natürlich denke ich fest an sie:) Wir machten uns auf zur Rialtobrücke. Phu musste mich gerade ein wenig ans Laufen gewöhnen... Zwischen all den rausgeputzten Leuten kam ich mir in meinen Bikekleidern und Turnschuhen schon ein wenig komisch vor, aber das Foto kam ganz gut raus:) Nun bin ich Euch ja noch eine Antwort schuldig vom letzten Blog her... Am Abend zuvor telefonierte ich via Skype mit Stephy, hier ein Ausschnitt: "Hey Stephy, wie gehts? Was machst Du morgen?, "oh, ich hab jetzt gerade 3 Tage frei, sooo schön, und ihr?", "ah, wir sind gerade in Venedig und schalten morgen einen Ruhetag ein, komm doch für ein Gelatti vorbei, hihi!", " ja warum nicht? Das wäre noch so eine Idee, wart ich check mal die Flüge...ja da hat es einen, ich wäre um 15.00 Uhr da, und müsste dann den 19.30 Flug wieder zurück nehmen", " nein echt jetzt???, das wäre ja suuuper!", " ok, ich habe gebucht, wir sehen uns morgen, also Thesi bis dann"... Ja und so haben wir uns bei der Busstation getroffen. Oh es war ein wunderbares Wiedersehen! Ich konnte es kaum glauben... Wir klapperten eine Menge Gassen und Brücken ab, bis wir am Markusplatz dann tatsächlich zu einem Gelatti kamen. Die Pizza schmeckte ausgezeichnet und die Zeit verging wie im Flug... Bis zum Schluss mussten wir einen Gang höher schalten, denn es war bereits 19.00 Uhr, der Bus braucht 20 min bis zum Airport und es wird sehr, sehr knapp werden. Hey Stephy, es waren tolle Stunden in Venedig und vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch, die Schoggi und den Osterhasen der leider nicht sehr lange überlebte... Zurück im Hotel machte ich mich dann an die Hausarbeiten. Heute ist Waschabend, die Kleider werden in Dove-Seife vom Hotel eingelegt, die Dove-Seife hat so etwas wachsiges an sich, eignet sich nicht besonders zum Kleider waschen, riecht aber noch gut, das ist eh die Hauptsache! Obwohl es draussen ziemlich frisch ist, verhitzen wir fast in diesem Einsternhotel. Bin es schon gar nicht mehr gewohnt drinnen zu sein, also reissen wir alle Fenster im Bad und Zimmer auf. Und schon geht das gewohnte kühle Lüftchen und unsere roten Köpfe normalisieren sich. Draussen zuhause ist eben schon was besonderes! Nach einer kurzen aber umso trockener Nacht sind wir wieder voll konzentriert mit Packen beschäftigt. Obwohl ich immer noch genau gleich viel mitschleppe, habe ich immer mehr Platz in den Taschen...da entwickelt sich wohl ein System...ein System??? Ich war richtig gespannt wie der Tag nach dem Ruhetag sein wird. Sehr rasch merkt ich, dass ich wieder in einem kleineren Gang fahre um meine Kodenz zu halten, es ist doch nur ein Tag vergangen? Es brauchte schon ca. 40km, bis ich wieder meinen Rhythmus gefunden habe. Wir hatten Glück mit dem Wetter, und die Strecke war auch meine, da ich eher eine Flachspezialistin bin im Gegensatz zu Simeon ;) wir fuhren auf unendlich langen Strassen, wenn wir das Ende der Strassen sahen, wussten wir, dass wir ca. in 20min. dort hinten sein werden. Nach 80km fanden wir es sei nun genug und suchten einen geeigneten Schlafplatz. Wald hatte es keinen, das meiste war Ackerland was sich nicht so bewährt zum campen. Doch ganz verlassen stand da so eine Art Ruine mit gemauertem Vordach, das sah auch ganz hübsch aus. Leider hatte es auf beiden Seiten eine Abschrankung mit Schloss. Das gute daran war, mit dem Fahrrad kann man ganz einfach drum herum fahren... Oh ein wunderbarer, gerader, trockener Platz offerierte uns. Wir beschlossen uns das Zelt gemütlich aufzustellen, und falls jemand kommt, haben wir unsere 100 Sachen schnell zusammen. Es kam niemand und wir genossen den Sonnenuntergang. Im Zelt schrieb ich noch einen Brief für Mama. Ein Auto fuhr vorbei, hielt an, fuhr zurück, parkierte... es kam also doch jemand... Wir schalteten die Stirnlampen schnell aus und horchten ganz genau... am Schritt an muss es ein Mann sein, plötzlich hörten wir ein Glöcken läuten. Simeon meinte es sei wohl ein Fischer der am Fluss nebenan fischen würde. Phuuu. Beissen die Fische um Mitternacht besser? Wusste ich gar nicht... Es kam dann noch ein zweiter und keiner kümmerte sich um unser Nachtlager, Prima! Gegen 03.00 Uhr erwachte ich erneut...es regnet!!! Zum Glück sind wir im trockenen und bis um 09.00 Uhr soll es so viel regnen wie es will, doch dann bitte ich um Regenstopp! Jetzt muss ich noch schnell von meinem Traum erzählen... ich träumte von meinem ersten Tag als ich 2008 in Kathmandu ankam, ich suchte wie verflixt das Hotel Excelsior, welches ich gebucht hatte ( es hiess wirklich so). Die Buchstaben waren total vertauscht von den Hotelnamen, somit war es ein Rätsel, das Excelsior zu finden. Habe es aber spontan gefunden, da ich einfach heran lief...ungefähr so träumte ich das... Heute fuhren wir genau 70 km im heftigen Dauerregen, wir beschlossen diese Nacht im Hotel zu verbringen, alles zu trocknen und zu duschen...und wie heisst das Hotel heute Abend? EXCELSIOR! Ich war so baff als wir davor standen. Simeon wird morgen von hier aus nach Hause fahren. Die Arbeit ruft...mein herzliches Beileid! Wir sind in Molfacone, ca. 15km zur Slowenjschen Grenze, also kurz vor Trieste. Somit werde ich von morgen an, alleine weiter ziehen. Auf der einen Seite freue ich mich, denn ich bin total motiviert weiter zu fahren, bin fit und gespannt auf die bevorstehenden Länder...auf der anderen Seite stimmt es mich ein wenig traurig, denn wir hatten eine super Zeit zusammen. Ich durfte viel profitieren, wir konnten gemeinsam Entscheidungen treffen, miteinander reden, kochen, Zelt aufstellen und gemeinsam den Vorrat schleppen :) Doch radeln muss jeder selber und es ist der Weg, den ich auch alleine gehen muss /will... Und der Weg wird mich morgen zu einer Schweizer Familie an der Küste Slowenjens führen, super! Mein Speichengeist hat da sehr viel mitgeholfen. Hab ich den überhaupt schon erwähnt? Ach Freddy wir Euch von ihm erzählen, der will dann auch noch was schreiben, jetzt bin ich aber noch dran, hehe. Also wie gesagt hat Nadja einer Kollegin von meiner Route erzählt, deren Eltern wohnen in einem kleinen Dorf auf dem Hügel, nahe der Küste. Heute Abend telefonierte ich dann mit Katja. Sie meinte, ihre Eltern wissen schon bescheid, dass eventuell dann mal eine auf dem Fahrrad mit einer Schweizerfahne vorbei fährt und nach einem Bett fragt. Sie organisierte dann noch alles und erklärte mir den Weg : "wenn du ins Dorf einfährst, siehst du links ein grüner Strommast, dem folgst Du einfach bis Du zur Hausnummer 122 kommst, klopfst an und sagst, tschou zämä da bin i". Das tönt doch suuuper! Es sind ca. 60 km, also eine gemütliche Etappe. Wie ich gehört habe, ist der Winter bei Euch zurückgekehrt... Gute Nacht allerseits und was ich fast vergessen habe: vielen, vielen Dank für all die guten Gedanken von Euch allen!

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8 Tage - 600km - saluti Venedig!

Die Matte mit dem Kompressor aufblasen...suuper!!!
Die Matte mit dem Kompressor aufblasen...suuper!!!

So jetzt gibts gleich 2 Berichte, da wir oft wild campen oder bei Leuten im Garten ist das Internet eben rar, aber ihr habt sicherlich Verständnis?! Jetzt kommt das Beste, ihr könnt es nicht glauben und wir noch weniger, als wir den Reissverschluss des Zeltes gaaanz langsam und gespannt öffneten, schien die Sonne!!! Ja tatsächlich die Sonne. Husch, husch aufstehen, die nassen Socken und Schuhe in die pralle Sonne legen (so prall war sie auch nicht, ha für uns aber schon) und Frühstücken. Nach 2km merkte Thesi dann, dass sie nur einen Handschuh an hatte! Zurückradeln, Strasse und Gepäck absuchen, nichts! Ich muss den finden, mir schläft sonst der kleine Finger schon nach 1h ein. Also nochmals die gefahrene Strecke absuchen und da liegt er, schön gemütlich, durchnässt in einer grossen, dreckigen Pfütze! Jupi, jetzt wirds ein guter Tag. Von Villafranca bis nach Pojana Maggiore fuhren wir rund 90km, blieben trocken, respektiv die Schuhe trockneten während dem fahren.Wir probieren auf den Nebenstrassen zu fahren. Weniger Verkehr und diese führen meistens durch hübsche kleine Dörfer. Städte gilt es zu vermeiden oder grosszügig zu umfahren. Heute hatten wir ziemlich lange bis wir einen Platz zum campen gefunden haben. Es war bereits dunkel, Wald hatte es keinen und bei den ersten zwei Bauern die wir fragten, hatten keinen Platz (1m auf 2m). Es begann zu regnen, den nächst besten fragen wir. Es war der Beste! Die 4 Kinder kamen auf uns zu, plapperten wild durcheinander, fragten dies und das und seine Schwester bat uns gleich Zigaretten an. Das Zelt konnten wir beim Schwiegervater in der grossen Halle neben den Traktoren aufstellen. Die Isomatte blies er gleich mit dem Luftkompressor auf, so cool! Wir hatten also beim Zeltaufstellen das erste mal Zuschauer (ok, nicht soo viele wie beim Alpentheater, und doch war es ein wenig Theater, wir verstanden einander nicht und hatten es total gut:) er fragte was, wir sagten sisi und 10 min später stand er da, mit frischen, warmen Schinken-Brötchen, mmmm. Der Sohnemann brachte Kaffe und sehr, sehr guten Grappa! Nachtsüber regnete es ziemlich stark, von mir aus kann es die ganze Nacht noch viel stärker regnen, Hauptsache morgen scheint die Sonne! So war es dann auch:) Morgenessen gabs im Haus und im Hintergrund lief die Kindersendung von der Schweinefamilie, welche mich ablenkte. Er tischte so viele gute Sachen auf, wir konnten das nicht alles essen, somit packte er den Rest für uns ein. Die Herzlichkeit dieser Familie hat mich sehr berührt, die Kinder beglückten wir mit Schweizer Schoggi und er genoss ein Praline vom Steinmann in Thun. Heute gibt es ein lange Etappe, wir wollen Venedig erreichen und morgen einen Ruhetag einlegen. Da das Wetter mitmacht und Simeon Entzug nach Bergetappen hat, planen wir einen kleinen Umweg in die näheren Hügel ein, wir haben ja Zeit! In Montagnana besuchten wir die alte Stadt, welche noch ganz von Mauern umgeben ist. In Este, ca 30km weiter, genossen wir einen Kaffee. Auf der Karte stand die Ortschaft Rivella...da müssen wir unbedingt hin (ein weiterer, kleiner Umweg), schliesslich habe ich noch die Rivellaflasche vom Kiental dabei, mal schauen wie lange sie durchhält. Doch wir können dieses Rivella nicht finden, 1h ist mit suchen vergangen, als wir weiter müssen. Nach 70km gibts was zu futtern...Fisch aus der Dose! Simeon meinte der sei wirklich sehr schmackhaft, das war er tatsächlich! Nach 100km stand dann auch Venezia auf der Tafel. Jetzt noch ein wenig Durchbeissen. Im Prinzip sieht es ja nicht nach viel aus, was wir täglich fahren, wir haben aber rundherum mächtig viel zu tun. Wir stehen meistens gegen 9.30 auf, 11h Schlaf brauchen wir locker. Bis alles gepackt und montiert ist vergehen ca. 90 bis 120min. Das Gewicht vom Gepäck beträgt ca. 28/30kg, das Velo wiegt 15kg und dann noch Thesi oben drauf, jetzt könnt ihr selber rechnen! Gegen 15.00 Uhr essen wir was kleines, radeln noch ein wenig und schon müssen wir uns auf die Suche nach einer Schlafstelle machen. Also nach 118km erreichten wir bei Dunkelheit Mestre, judihuuui. Einzug in ein kleines Hotel, Duschen, Spaghetti essen, Kleider aufhängen und Gute Nacht. Morgen gibts ein Ruhetag inVenedig, wir geh'n Gondeln, von mir aus den gaaanzen Tag! Oh was ich beinahe vergessen habe: emm nein das spare ich für den nächsten Blog auf, denn es gibt eine spontane Überraschung :) Saluti a tutti...

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es regnet... und regnet... und regnet...

kurze Pause am Gardasee
kurze Pause am Gardasee

Nach 3 Tagen Dauerregen, regnet es immer noch... Aber von Anfang an. Als wir am ersten Regentag aufwachten, war uns gar nicht nach weiterfahren zumute...also haben wir uns erst mal eine 30cm lange Brotscheibe mit Erdbeerkonfitüre bestrichen und assen das leicht feuchte Brot im Zelt. Frühstück im Bett... Vielleicht hört es auf zu regnen...vielleicht auch nicht. So oder so, wir müssen was machen, können ja nicht den ganzen Tag Konfibrot und unsere Vorräte aufessen. Nach kompliziertem Packen im Zelt, da sind genau mal 1m Breite auf 2m Länge Fläche zur Verfügung, fuhren wir los. 20km später waren wir durchnässt, wenn nicht von aussen dann von innen. Die Finger, spürte ich nach kurzer Zeit nicht mehr, das war ziemlich übel, so übel, dass es mir schon wieder gefiel höhöhö. der Körper gewöhnt sich an die Situation, bekam wieder warm und schon hatten wir wieder 70km auf dem Tacho. In Bergamo angekommen, suchten wir die Jugi und genossen eine warme Dusche, suuuper. Sofort danach montierten wir das Zelt darin, dass es ein wenig trocknen kann. Die nette Dame am Empfang hatte wohl nicht besonders Freude an uns, wir hinterliessen enorme Dreckspuren!!! Die Velos brachten wir mit dem Lift in den ersten Stock und stellten sie auf den Balkon, mit bester Aussicht auf das Städtchen. Nach einer feinen Pizza, holte uns die Müdigkeit sehr rasch ein. Am Morgen regnete es immer noch... bestens, jetzt wissen wir ja wies geht :) Das Dessert folgte dann sogleich, ein Anstieg mit 12% Steigung, oh nein, das geht gar nicht. Bei 10% steht bei mir auf dem Tacho gerade mal 6km/h, bei 12% steht dann 0km/h...wie heisst es so schön "wer sein Fahrrad liebt, der schiebt". Das ging prima, die Autofahrer winkten noch mehr als sonst und der Tacho zeigte 4km/h, also fast gleich langsam. Simeon wartete oben schon mit 25g Farmer, perfeto! Nach gefühlten 76km kamen wir in Brescia an. Wir fuhren durch ganz spezielle Dörfchen, mit kleinen Gassen und schönen Häusern. Simeon hat super navigiert, er ist der Navigator, ich der Plapperlator... Er meinte schon, morgen sei ich dann mal dran... ich befürchte es wird ein laanger Tag. Bevor wir in die Unterkunft gehen, wollten ir noch KURZ ein paar Früchte besorgen...Der Verkäufer, Herr Fruttolo (wie er sich nannte), hatte jedoch gefallen an uns zwei durchnässten gefunden. Er zeigte uns Fotos als er noch molto forte auf dem Bike war und testete gleich unsere Muskeln. Wir zeigten ihm die gefahrene Route und er meinte nur noch porca... Sein Kollege kam dazu, er erzählte ihm die ganze Story und sie betrachteten draussen unsere Velos. Inzwischen könnten wir den ganzen Laden aufessen... ein dritter kam dazu, das ganze von vorne, noch schnell ein Foto fürs Album und so kommen wir doch noch zu unseren Heidelbeeren, Äpfeln, Bananen und Orangen. Nach einer warmen Nacht, regnete es immer noch... Die Stimmung ist jedoch super und schon um 10.15 waren wir wieder in den Pedalen Richtung Gardasee...viel von dem See haben wir nicht gesehen. Wir hielte uns an das Regenmotto: Durchfahren! Als Stärkung ein Farmer und sich auf Znacht freuen. Die heutige Etappe war eine kürzere von 67km (gut navigiert, gell! hihi). Wir stellten uns schon auf wild campen ein, doch als der eine Mann gwundrig über den Zaun blickte, fragten wir ihn um ein trockenes Plätzchen vor seinem Haus. No Problemi und nach 3min stand unser Zelt unter dem Vordach neben dem Gemüsegärtli. Das Rindfleischstroganoff mit Reis schmeckte ausgezeichnet, natürlich auf dem Kocher zubereitet! Nun liegen wir im Zelt, der Nachbar hämmert noch was rum, Simeon checkt den Wetterbericht... " die haben auch nur das eine Bildli mit den Regentropfen zur Auswahl". Also dann, Gute Nacht du Regenpracht!

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Schon 2 Tage...

...und schon haben wir sooo vieles erlebt. Zuerst möchte ich aber allen Danken die am 02.03.13 ins Kiental gekommen sind. Es hat mich riesig gefreut Euch alle noch zu sehen und ein bisschen zu Plaudern. Ihr habt mir alle so viel Energie gegeben, das könnt ihr Euch kaum vorstellen. Die guten Wünsche und die positiven Gedanken sind das wertvollste überhaupt für mich. Herzlichen Dank für all die feinen Desserts die ihr gezaubert habt. Vielen Dank für das Mithelfen: Organisieren, Koordinieren, Aufstellen, Abräumen, Abwaschen und fürs Dasein. Der Abschied am Samstag viel mir im Gegensatz zum Sonntag nicht so schwer, ihr wart alle so positiv gestimmt und dies hat sehr geholfen. Ca. um 01.15 hatte ich Zeit für all die kleinen Geschenke zu öffnen und die lieben Kärtchen zu lesen. Ich habe Fabienne darum gebeten mit zu lesen...ihr habt euch soooo Mühe gegeben und alle haben sich etwas dazu überlegt, wenn ich das alles einzeln erwähnen möchte könnte ich die ganze Nacht hindurch schreiben. Als ich ins Bett kam, meine Mutter lag neben mir...musste ich weinen, eure Worte, Geschenke und finanzielle Unterstützung berührte mich sehr. Vielen, vielen herzlichen Dank! Der Sonntag Morgen war dann alles andere als lustig, es schmerzte mich zutiefst Abschied von Sjoukje, Marianne, Werner, Bernadette, Fabienne und meinem Mueti zu nehmen. Ein Gefühl das ich zuletzt vor 5 Jahren hatte, als ich der Familie in Nepal tschüss sagen musste. Doch in Scharnachtal (ein paar Meter weiter Talwärts) ging's mir schon wieder tip top. War schon super die ersten paar Kilometer, ein bisschen Bremsen und die Aussicht ohne die geringste Anstrengung zu geniessen:) in Kandergrund war dann fertig mit Bremsen... nach 2h30 trafen wir in Kandersteg mit einem grossartigen Empfang ein. Susanne und Adrian standen bereits mit der Schweizerfahne (welche jetzt am Velo montiert ist und jeden Abend vor dem Zelt aufgestellt wird) parat. Dazu kamen noch Melanie, Vreni, Jarno und Romana. Wir genossen eine warme Ovo. Oh, so schön seid ihr gekommen, Meli ist mit uns noch bis nach Brig gefahren das war super! Nachdem wir 2 Abteile besetzt haben, eines voll mit Gepäck und das andere mit uns fuhren wir mit dem Zug bis nach Domodossola. Wir beschlossen noch ein wenig zu fahren und Ausschau nach einem Camping zu halten. Es wurde immer dunkler und dunkler... Jetzt ist wild campen angesagt, judihuii. Simeon sah nach ca. 10km eine Linksabbiegung Richtung "Pampa". Bei Finsternis stellten wir das Zelt auf und begannen gleich mit Kochen. Plötzlich fuhr ein Auto vorbei, hielt an, fuhr zurück und ein Mann stieg aus, wir gingen ihm entgegen und er fragte...irgendwas (mein italienisch begrenzt sich auf sisi, grazie und maestro...) Wir verstanden uns mit Franzenglitalo... wir sollten nicht hier übernachten, warum? Zuviel Dornen und ein paar Km weiter vorne wäre ein schöner Platz, er bat uns an voraus zu fahren, und wir ihm nach...super er mit 50km/h und wir mit 10km/h pha! Wir erklärten ihm, dass das mangare fast fertig sei und das Zelt schon vorgeheizt, somit wünschte er uns eine gute Nacht. Der Jägereintopf schmeckte sehr lecker und unser Wasservorrat betrug noch ca. 3dl, also nichts mit Waschen oder Austrinken... Die Nacht war bitterkalt und am Morgen alles gefroren. Somit warteten wir bis die ersten Sonnenstrahlen das Zelt erreichten. Als ich zu meiner Seelenbox (dort sind alle Sachen drin die mich beschützen und die meiner Seele eben gut tun...) griff, traute ich meinen Augen nicht...ein kleines Marienkäferli krabbelte darauf rum, ich war so baff, weckte dazu noch Simeon und sagte: " lueg es Himmugüegeli uf dr Seelebox, das isch es Zeiche". ich war total aufgeregt, wollte sofort los und er meinte "guete Morge, es wir e guete Tag". Danach kam das grande Chaos...zumindest bei mir. Simeon war schon parat als ich noch ein Plätzchen für dies und jenes suchte und dann alles wieder auspackte bis ich den Lippenpommade gefunden habe, natürlich zuunterst in der Tasche. Noch schnell einen Kaugummi einwerfen und die Strasse gehört wieder uns...oder wir ihr. Nach 10km ein Cappuccino, 5Liter Wasser laden, una Croissante und weiter gehts. Die Strecke war total schön, wenig Verkehr, viele Velofahrer die uns überholten (alle auf dem Rennvelo mit null Gepäck) und schönstes Wetter. Bei 20 Grad lässt es sich prima radeln. Simeon fährt meistens vorne, somit habe ich immer was zu schauen ;) und Windschatten, hihi. Das nenn ich Taktik! Bleibt aber unter uns gell, er merkte meine Masche nicht... Wir haben es super zusammen, fahren das selbe Tempo und er wirft ca. alle 200m einen Blick zurück ob klein Thesi noch da ist :) Was will ich mehr? Viele Leute winken uns zu, oder fragen wohin wir gehen. Nach 75 km wurden wir langsam müde und vor allem hungrig. Die Zeltplätze haben zu und somit ist es schon klar, dass wir wieder wild campen werden. Wir biegen von der Hauptstrasse ab und fahren auf einem Landweg. Ein Wanderweg führt in den Wald, den nehmen wir gleich. Es ist ein kleiner Wald, mit vielen Dornen irgendwo kurz vor Varese. Simeon macht sich gleich ans Pfaden durchs Dickicht. Wir stellen das Zelt und es ist schon deutlich wärmer. Judihui heute gibts Lachspesto mit Pasta, Erdbeeren und Pralinen. So jetzt husch, husch in den Schlafsack...

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Noch 2 Tage...

Kaum zu glauben... doch in ein paar Stunden ist es tatsächlich soweit: ein Traum beginnt wahr zu werden... erst noch hatte ich den letzten Arbeitstag in der Praxis und jetzt: 1 Jahr, vielleicht weniger oder auch länger (wer weiss schon?): Ferien!

Ich sag euch, es fühlt sich toll an! In den vergangen zwei Wochen ist noch einiges gegangen, hier ein kleiner Ausschnitt davon:

  • Der vorerst letzte Besuch im Velo Plus Laden in Ostermundigen. Dort könnte ich jeweils Stunden verbringen... bei meinem vorletzten Besuch waren es 5h30min und vor einer Woche habe ich mich auf 2h reduziert :) Das Material muss einfach stimmen und es lohnt sich viel Zeit für die Auswahl zu investieren. 
  • Vor zwei Wochen ist nun auch das Iranische Visum eingetroffen. 36 Tage hat es gedauert, kostete ein kleines Vermögen und klappte wunderbar! 
  • Besuch bei der erfahrenen Tourenfahrerin Bea Etter. Vor einem Jahr haben wir uns das erste Mal getroffen. Sie erzählte mir von Ihrer Veloreise in den Iran. Ihr gesamtes Kartenmaterial konnte ich damals ausleihen und von Ihrer eingezeichneten Route ein wenig spicken. Nun war es an der Zeit die Karten zurück zu bringen und mich von ihr zu verabschieden. Sie gab mir sehr wertvolle Tipps mit auf den Weg. Liebe Bea, herzlichen Dank für alles! 
  • Die Coiffeuse verpasste den Haaren einen praktischen Schnitt und der Zahnarzt feilte noch das Eine und Andere an den Zähnen. 
  • Für das kommende Fest am Samstag mit über 70 Leuten haben wir ordentlich eingekauft. Es gibt ein feines Raclette und ich freue mich sehr darauf, dass ich all die Menschen die ich gerne habe, noch einmal sehen kann und ein paar gemütliche Stunden mit ihnen verbringen darf... mal schauen wie gemütlich der nächste Tag wird!
  • Gestern, am Mittwoch 27.02.13 konnte ich im Altersheim Reichenbach meine geplante Reise vorstellen. Über 30 Bewohner kamen in die gute Stube und haben sich sehr für das Vorhaben interessiert. Ich zeigte ein paar Bilder von den Vorbereitungen, platzierte das Zelt in der Mitte und der Schlafsack machte die Runde. Doch die Runde machte ein abruptes Ende, als der warme Schlafsack plötzlich bei den drei Damen in der zweiten Reihe stecken blieb. Sie fanden ihn wohl noch so "gäbig" und benutzen ihn gleich als Decke für die Beine. Sie wollten ihn kaum hergeben, da musste ich mir was einfallen lassen: "Es gibt zwei Möglichkeiten, Sie geben mir meinen Schlafsack zurück oder Sie kommen mit!". Das erste war ihnen dann lieber und somit habe ich mein Bett zurückgewonnen. Die Heimleiterin, Annemarie Kempf fragte die Bewohner, was sie dieser Frau mit auf den Weg geben möchten: "Geng gueti Gsundheit", "dass sie baud wieder zrügg chunnt cho verzelle", "dass sie die Familie in Nepal cha go bsueche", "dass sie geng dra dänkt, das doch d Schwiz eifach ds schönschte Land isch", "dass ihre z Füdli nid weh tuet"... so viele Gute Wünsche auf einmal, ich wahr sehr gerührt! Für mich ist dies das Wertvollste, die Gewissheit dass es so viele Menschen gibt die an mich denken und mich auf diese Art begleiten. Auch ich werde sie alle in Gedanken mitnehmen. Das Altersheim Reichenbach spendete mir einen grosszügigen finanziellen Betrag an meine Reise. Als Annemarie mir das Geld überreichte, hebte der Herr ganz rechts aussen die Hand und wollte auch noch was wünschen: "Ig wünsche ihre no chli meh Gäld"! Somit erklärte sie kurzerhand, dass eine Froschkasse aufgestellt wird und jeder der mag, kann über das ganze Jahr hindurch etwas reinfallen lassen und wenn ich zurückkomme werde ich diesen Frosch bekommen, mit Inhalt :). Das ist doch einfach wunderbar! Solch eine Teilnahme! Vielen herzlichen Dank an alle Bewohner und das ganze Team im Altersheim Reichenbach.
  • In der Zeitung "Berner Oberländer" wird morgen am 01.03.2013 ein Bericht über die Reise zu lesen sein. Der Redaktor Jürg Spielmann hat sich gestern sehr viel Zeit genommen und mir interessante Fragen gestellt.

Ja, das war so der Plan der letzten zwei Wochen. Die vielen Einladungen zum Essen sind meine Mutter und ich mit grosser Freude nachgegangen. Von der besten Zucchetti-Suppe die ich je gehabt habe, über einen exquisiten Fisch hin zum Schweinebraten, über goldgebratene Maisschnitten dazu Bohnen im Schinken eingerollt, indisches Curry, Rollschinkli, süsse Desserts, Unmengen an Salat und einem "Pouletscheiche". Ja der Menueplan war 1A und wir haben es in vollen Zügen genossen. Mein Chef sagte immer so schön: "L'appétit vient en mangeant"!

So langsam aber sicher bin ich nervös... und voller Vorfreude, dass es nun endlich los geht. Im letzten Reparaturenkurs für Tourenfahrer habe ich Simeon aus Bern kennen gelernt. Er wird mich die ersten zwei Wochen bis nach Triest begleiten, ich freue mich riesig, dass er mitkommt. 

So, jetzt husch, husch ins Bett...

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NEPAL Fotos NEPAL Fotos NEPAL Fotos :)

 

Namaste und Grüezi

 

Ja, ich habe mein Ziel in Pokhara erreicht... :)

Auch DAS Ziel dort wo meine Reise begonnen hat, konnte ich am 1. März 2014 erreichen.

Es war ein grossartiger Empfang mit all den lieben Freunden und Bekannten, die mich im vergangenen Jahr begleitet haben. Es ist kaum in Worte zu fassen, plötzlich all diese Menschen wieder zu sehen...es hat mich richtig durchgeschüttelt!

Es gab sogar ein Maillot Jaune und einen roten Teppich...einfach unglaublich!

 

Vielen, vielen herzlichen Dank für Alles! Ich war überwältigt! Einfach wahnsinnig schön...was soll ich dazu noch sagen? Mir fehlen schlichtweg die Worte... Bei soo vielen Menschen möchte und werde ich mich noch persönlich melden und bedanken, ich bitte euch jedoch um ein wenig Zeit und Geduld :)

 

Ja in der Tat, es ist genau so: "Nach der Reise ist vor der Reise", jetzt gilt es Pläne umzusetzen...gwundrig? 

 

Klick doch kurz auf "Kontakt", dort ist der Anfang wie es ans Umsetzen geht...

Was ist eigentlich die Mehrzahl von Plan? Plan, Pläne, noch mehr Pläne hihi

 

 

Der Blog wird natuerlich, wenn auch im Schneckentempo noch weiter gefuehrt :)

Auch die restlichen Bilder von Nepal und Indien werden bald hochgeladen...

 

Und hier noch die gewünschte Anleitung, um einen Kommentar zu erfassen:

Einmal kurz auf den Titel des Bloges klicken, nach unten scrollen und schreiben, was das Zeug hält :) 

Zeit-Punkte

Ama Yang-Chen am Lenker...eendlich Zuhause!
Ama Yang-Chen am Lenker...eendlich Zuhause!

Schon komisch, ich sitze im Kiental  vor dem Tanzstudio auf dem Bänkli, schaue hoch zur verschneiten Blüemlisalp und erinnere mich ein paar Wochen zurück. Genau gesagt an jenen Tag, an welchem ich mein Ziel in Nepal erreichte. Über die Zeit bei der Familie und in Nepal gibt es nämlich noch einiges zu berichten.

Doch seit ich zurück in der Schweiz bin, ist tagtäglich was los und fast gar wie auf der Reise, ist jeder Tag total anders...doch dazu später mehr.

 

Nun zurück nach Nepal...

Ach herrje ist das schön, ich kann die Augen schliessen und bin gerade vor Ort, rieche den Gestank von brennendem Abfall auf der Strasse, spüre den Strassenstaub in meinem Rachen und höre die fremde Sprachen in meinen Ohren. Ein Schatz welcher mir erst jetzt bewusst wird, ich kann innert Sekunden in eine komplett andere Welt eintauchen, wunderbar!

 

Dieser Moment wo ich mit Freddy direkt in die Küche bei Yang-Chen und Kunga fuhr werde ich wohl nie vergessen. Es war gerade dunkel. Kein Strom. So ein Velolicht wäre wirklich nicht das dümmste :)

Ausser Dawa, dem ältesten Sohn, war zurzeit niemand Zuhause. Er kochte mir einen wärmenden Tibetischen Milktea. Das Wohnzimmer, welches zugleich als Küche und Schlafzimmer dient, sieht noch haargenau gleich aus wie vor 6 Jahren. Die Teppiche am Boden sind die gleichen, der 3 Stunden pro Tag funktionierende Kühlschrank steht auch noch da und das Wellblech, welches als Dach dient, hat immer noch die selben drei Löcher. Im Sommer wenn es stark regnet , tropft es durch...schon damals...doch etwas ist neu: An der Wand hängt eine grosse Schweizer Fahne, was für eine tolle Begrüssung.

Die Holztüre geht auf und wer rennt auf mich zu? Yang-Chen! Wir schliessen uns in die Arme und Tränen rollen, Tränen der Freude. Sie sagte: „Nun ist meine 4 Tochter endlich Zuhause“!

Ja es ist wirklich ein spezielles Gefühl, sie ist wie meine Mama und ich nenne sie auch „Ama“, was soviel heisst wie Mama in Tibetisch. Der Vater, „Pala“ Kunga kam einige Minuten später nach Hause. Wir standen uns gegenüber, weinten und drückten Stirn an Stirn, wie damals als ich auf Wiedersehen sagte. Kunchok, und Kelsang kamen vom Fussballturnier nach Hause und da waren wir fast komplett. Choesang und Youdun sind zurzeit in Süd-Indien, dort haben sie die Chance auf eine gute Bildung. Sie können pro Jahr einmal nach Hause kommen. Kunchok und Kelsang haben zurzeit Ferien. Sie gehen in Dharamsala in eine Schule für Tibetische Kinder im Exil.

Viele Kinder die dort zur Schule gehen können nicht damit rechnen, dass sie ihre Eltern je wieder sehen werden.

Die beiden haben Glück, sie sehen ihre Eltern einmal pro Jahr, Kelsang ist 15 Jahre alt! Niyma ist noch in Kathmandu und wird nächste Woche für 6 Tage heimkommen.

So sassen wir also gemeinsam am Boden, assen köstlichen Reis mit Linsen und ich erzählte. Nur ein wenig. Zeigte ein paar Fotos und war einfach nur müde und überglücklich! Was noch wichtig ist, die Familie konnte meine Reise nicht mitverfolgen: kein Internet, Yang-Chen kann nur ein bisschen lesen, weil sie es als Kind nicht die Möglichkeit hatte, Lesen zu lernen. Ab und zu habe ich ihnen ein Sms geschickt, ungefähr 10 in diesem Jahr. Es ist schwierig für sie diese Reise nachzuvollziehen.

Was sind 10'330 Kilometer, wenn man noch nie fort gewesen ist oder ausschliesslich zu Fuss unterwegs? Was sind 20 verschiedene Länder, wenn man nur eines, z.B. das Nachbarland Indien besucht hat? Zahlen die nicht wichtig sind, die keine Bedeutung haben, das einzige was zählt: Du bist nun hier! Genau so ist es, der Moment zählt. Mit diesem Gedanken ging ich zu Bett, im Schlafsack auf der Holzpritsche genoss ich den Augenblick . Den Augenblick zu wissen, dass ich mit einer endlosen Gelassenheit einschlafen kann, mein Schlaf war tief, so tief wie schon lange nicht mehr.

Unterwegs konnte ich durchaus gut schlafen, aber das Gefühl ist komplett anders. Fast jeden Abend war ich an einem anderen Ort, 330 Tage lang...

Morgen werde ich so richtig auspacken und Dinge nebeneinander legen, ausbreiten, Wäsche „biggele“, ach wie schön. Es sind die kleinen Dinge, die ich nicht vermisste aber Dinge oder Abläufe die einfach „gäbig“ sind. Oft war es so, dass ich genau das T-Shirt anziehen wollte, dass zuunterst im Wäschesack verknittert war, oder das die Matte jeden Abend wieder von neuem aufgepumpt werden musste. Mittlerweilen bin ich übrigens Pumpmeisterin: 3 Minuten 20, neuer Rekord! 

Ab Heute kann ich den Schlafsack mal liegen lassen und nicht in das kleine Säcken stopfen, herrlich sag ich euch!

Wie sieht so ein Tagesablauf bei Familie Tsewang im Tashiling-Tibetan Camps aus:

Yang-Chen ist Frühaufsteherin! Um 04.30 Uhr geht sie für 2 Stunden mit ihren Kolleginnen marschieren. Unterwegs legen sie halt ein für zwei Tassen Tee. Wenn sie nach Hause kommt steht Dawa, der älteste (25J.)und Kunga auf. Dawa was übrigens übersetzt Mond heisst, knetet den Teig für das Brot: Mehl, Wasser und ein wenig Backpulver. In dieser Zeit wischt Kunga mit einem alten, verfressenen Besen den Boden im und ums Häuschen, putzt Toilette und versprüht mit  seiner lebensfrohen Art eine positive Energie.

Spätestens wenn der Duft von frischem Brot in die Zimmer kommt wachen auch die Schlafmützen auf. Bereits beim Frühstück geht es gemütlich zu und her. Die Nachbarin Momo Targi oder die Übernachbarin Momo Tsingi gesellen sich spontan dazu und essen mit. Es hat genug für alle. Auf das Brot kommen Kartoffeln an einer scharfen Chili-Sauce oder braune Erbsen. Wenn die Jungs zu Hause sind, gönnt man sich auch mal Erdnussbutter. Abzuwaschen gibt’s nicht vieles. Kunga fährt mit dem blauen Motorrad nach Lakeside wo die Touristen hausen und verkauft dort in einem kleinen Shop typische Tibetische Sachen. Diverse Grössen von Klangschalen, bunte Decken aus Yakwolle, Schäle aus Pashmina, Gebetsfahnen und das wichtigste, selbstgemachte Ketten, Ohrringe und Armbänder.

Im Januar hat es nicht besonders viele Touristen in Nepal, ist ja auch eine s.. Kälte, aber die Sicht auf die Berge ist wohl zu dieser Zeit am besten. Stahlblauer Himmel, kein Regen, keine Wolken!

Er ist den ganzen Tag im Shop und wartet auf Kundschaft. Es gibt Tage da verdient er 2-3 Franken und wenn es sehr gut kommt bis zu 20 Franken und Tage da kauft keiner was 0! Yang-Chen hat auch einen kleinen Shop im Tibetancamp. Dort kommen oftmals Touristen mit einem Führer oder mit dem Car, weil es so auf dem Programm steht. Viele Frauen die hier im Camp leben, haben einen kleinen Stand auf dem sie ihre Handarbeit präsentieren.

11.00 Uhr, Dawa beginnt mit dem Kochen, da ich nun hier bin wurde mir dieser Job gleich zugeteilt. Auf dem Markt fand ich Reis, Bohnen und Kartoffeln, daraus werde ich wohl etwas zustande bringen...meinen Kochkünsten angepasst natürlich. Zum Glück steht noch eine Büchse mit Masala Gewürz im Kühlschrank, mit Masala kommt jedes Gericht gut! Schmeckt einfach alles nach Masala. "Masala, i weiss werum!" :)

Das Essen bringe ich Yang-Chen, setze mich neben sie und bin. Genau bin. Es gibt nichts zu tun, einfach sitzen, warten, plaudern und eben sein. Gegen 17.00 Uhr ist sie müde weil nichts läuft und schliesst den Laden zu. Wir gehen 1h laufen, meistens den Reisfeldern entlang bis zum Bach oder der staubigen Strass entlang bis zum Gemüsehändler. Dann wird schon wieder gekocht, wir haben’s lustig zusammen und um 20.00 Uhr kommt Kunga nach Hause. Pro Tag haben sie ca. 6 Stunden Strom, am Abend ist es meistens Finster, doch die Autobatterie hinter dem Kühlschrank spendet Energie für die eine Lampe in der Küche. Kerzen sind übrigens zu teuer! So essen wir gemeinsam, erzählen Geschichten, spielen eine Runde UNO, ist hoch im Kurs und gehen bald zu Bett. Solche Tage scheinen langweilig zu sein, sie gehen aber sooo schnell vorbei. Es gibt selten Herausforderungen, Termine oder Zeit-Punkte. Das wichtigste ist, das gemeinsame Essen am Abend und dass täglich ein paar Rupien reinkommen um das Essen für Morgen zu kaufen.

Ganz klar muss auch betont werden, dass es dieser Familie im Gegensatz zu so manchen anderen Nepali-Familien einigermassen gut geht. Sie können ihre Kinder nach Indien in die Schule schicken, haben genügend Kleider, ein Fahrrad, ein Motorrad und genügend zu Essen. Doch etwas fehlt ihnen...Rechte! Sie haben kein Recht auf Land oder eine Anstellung...sie sind hier einfach geduldet. FREE TIBET, ihr grösster Wunsch! 

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Was fuer ein Jahr...

Da warens nur noch 200 Kilometer...
Da warens nur noch 200 Kilometer...

Es war ein grandioser und kurzer Flug nach Kathmandu!

Bei bestem Wetter präsentierte sich der pompöse Himalaya in seiner vollen Pracht. Einfach gewaltig diese hohen Berge! Die Thai-Boeing erwischte im letzten Augenblick gerade noch die Landebahn. Bravo und Namaste to Nepal!

Heute weiss ich ganz genau was ich zu tun habe...doch damals vor 6 Jahren, wusste ich nur, dass ich für 3 Monate in irgend einer tibetischen Familie sein werde. Ich kenne den auf und ab Weg bis nach Pokhara und kann endlich wieder einmal mein mini-Nepali Vokabulare auspacken!

Doch eines wusste ich nicht...wie kalt, Kälte sein kann! Vor ein paar Stunden schwitzte ich noch in Bangkok bei 30Grad, in all meinen hundert Schichten, nun friert es mich trotz Sonnenschein und Thermowäsche! Seit der Schweiz habe ich in meinem Geldbeutel, hinter dem letzten, gelb schimmernden 10-er Nötli noch ein paar zerknitterte, nepalesische Rupien dabei. Danke Fabienne! Die sollten reichen für die Taxifahrt bis in den Thamel. Doch der Stauraum in dem kleinen Suzukilein reichte in meinen Augen nicht aus, für drei grosse Taschen und eine Kartonbox...eine Katzenbox würde gehen aber Bikebox? Nö! Impossible... Schnell musste ich lernen, dass in einem Suzuki, welcher auf Nepals Strassen herumbörrt, nichts unmöglich ist...es hat immer irgendwie Platz!

Im Stupahouse angekommen, bildete sich mit meinem Gepäck eine weitere Stupa, währenddessen Ram, der Hotelbesitzer, gleich einen grossen Pot Nepali-Milktea kochte, da kamen Erinnerungen auf! Büffelmilch schmeckt einfach herrlich!

Da Weihnachten ja schon lange passé ist, wurde es höchste Zeit das Päckli auszupacken. Und siehe da...alles noch ganz und Freddy konnte wieder normal atmen, der Arme der! Ram war begeistert von dem Paket, oder wohl eher warum man ein Fahrrad so peinlich fein einpacken muss, mit Noppenfolien die Bremsen umwickeln und mit Extrakarton die Bremsscheiben schützen. Ja guter Mann, das Velo ist eben kein Hercules! Hier fahren alle mit dem grossgeratenen, eingängigen Hercules-Fahrrad umher. Erstaunlich was diese Räder alles durchmachen...wahre Helden!

Nun aber zu meinem blau, von Dreck schimmernden Edelross! In der Küche neben dem alten Gasherd, auf welchen die von Hand gefertigten Teigtaschen brutzelten, setzten wir den Baukasten zusammen. Um die Ecke bemühte sich ein Mechaniker in völliger Dunkelheit um das Anziehen der Pedale. Also ihr wisst schon, nicht dass er sich in das Pedal quetschte, nein ich meine doch das, gopf wie sagt man...festschrauben vielleicht?

So, das Rädle ist parat für die Fahrt nach Pokhara...ob ich es bin? Das weiss ich selber nicht so genau, doch spätestens morgen früh werde ich mich auf die Strassen Kathmandus wagen. Die Nacht war kurz und eisig kalt! Dick eingemummt in meinem Daunenschlafsack gehen mir zu viele Gedanken durch den Kopf. Obwohl das Ziel noch nicht erreicht ist, spulen sich die Erlebnisse von den letzten 10 Monaten in meinem Kopf ab. Bin nervös.

Die Nacht vergeht und der morgendliche Blick aus der verkratzten Fensterscheibe ist ernüchternd. Kein Himmel war zu sehen, nur die kaum 2 Meter entfernte Holzfassade des Nachbarhauses. Auf der Strasse unten zischten die ersten Velotaxis vorüber und die Hunde bellten. Velo und Hund...zwei besondere Freunde :)

So, die Taschen sind gepackt und mit einem seeehr reichhaltigen Frühstück sollte ich die 100 Kilometer bis nach Mugling schaffen. Ram steckte mir noch einen Mundschutz zu, ich werde ihn bestimmt gebrauchen. Er sagte: "Die Strasse ist in einem schlechten Zustand, der Verkehr sehr gefährlich...pass auf dich auf und ruf mich Abends an, ok?!". Das tönte nicht gerade beruhigend, jedoch sehr aufmerksam von ihm!

Er zückte aus seiner Tasche noch einen Khata und hängte ihn mir um den Hals. Ein Khata ist ein weisser Schal, der als Zeichen für Glück, Wohlwollen und Mitgefühl steht. Er wird meistens zum Abschied aber auch z.B. bei Schulabschlüssen, Beerdigungen, Geburten und Hochzeiten überreicht.

Ich war ready to go! Hab mir ganz fest vorgenommen, mich total auf Das zu konzentrieren, was im Moment ist: die Strasse, der Verkehr, Kilometer um Kilometer...die Gedanken nur auf die Strasse zu fokussieren, weder an das Ankommen noch an das Erlebte zu denken. Ram fuhr mir, mit seinem schwarzen Motorrad, noch bis zur Ring Road vor und sagte dann: "ab jetzt musst du nur noch 200 Kilometer geradeaus fahren, dann bist du in Pokhara!".

Was für Worte, zum erste Mal wurde mir richtig bewusst, dass ich nach 200km tatsächlich am Ziel sein werde...wenn ich dran denke, wird mir übel...warum? Das weiss ich auch nicht! Zuerst ging es gleich ordentlich den Hügel rauf. Gestern habe ich noch gefroren, heute schwitzte ich bereits um 08.00 Uhr.! Auf dem Hügel angekommen, sah ich den stahlblauen Himmel! Nein, über Kathmanduli liegt kein Nebel, es liegt eine dicke, sehr dicke Smogbrühe! Es stimmte alles an jenem Tag! Das Wetter war perfekt und als ich vor Beginn des Prithvi-Highways noch einmal abstieg, nahm es mir fast den Atem!

Du siehst links ins Tal hinunter, du siehst wie sich die schmale Strasse den Berg runter schlängelt, du siehst unzählige, monstergrosse Trucks, die in den Kurven überholen und komischerweise denkst du nicht: "wie komm ich da nur runter?" Nein du denkst: "Woow, was für eine Strasse...die schrecklichste und schönste zugleich! Das wird ein Erlebnis!".

Wie soll ich es nur beschreiben...es war einfach ein grandioses Gefühl! Rund 40 Kilometer bremste ich das Tal runter...ja, richtig, mehr als 10km/h brachte ich selten auf die Reifen! Bei der Abfahrt konnte ich schön mit dem Tempo des Verkehrs mithalten..doch als ich ca. 100 Meter vor der Einen, von den hunderten Kurven war, im Nacken einen überladenen Truck mit Zement hatte und sah wie um die Kurve zwei Lastwagen und ein Bus auf gleicher Höhe fuhren, blieb mir die Luft in der Röhre regelrecht stecken! Fast wie bei diesem überlangen Satz, gell :)

Das reicht niee! Ich musste absteigen, weichte halbwegs in den metertiefen Strassengraben aus und hielt mir die Hände vor die Augen... Uff das war knapp! Es war wie jedes weitere Überholmanöver sehr knappknappknapp!! Dazu kam, dass das geschwärzte Abgas mich in eine schwarze, stinkende Brühe einhüllte...jaja ihr habt schon recht: Das ist alles freiwillig, stimmt genau! Zum Glück!

Nach 7 Fahrstunden war ich 7 Kilometer vor Mugling...auch wenn es nicht nach viel tönt, aber ich war figufertig und es war schon am Eindunkeln. In einem "Restaurant" hatten sie im oberen Stock noch eine Holzpritsche frei. Freddy wurde gleich in der offenen Küche neben dem überfüllten Abfallkübel parkiert, der Arme, aber auch der Sichere! Als ich kaum eingeschlafen war, stund ich blitzartig senkrecht im Bett! Das so leer aussehende Restaurant wurde in der Nacht zur Nonstopp-Essbude! Busse die nach Indien fahren halten hier an für ein festliches, wortwörtliches Nacht-Essen! Schlafen konnte ich bis ca. 04.00 Uhr morgens kaum, dann kehrte Ruhe ein und ein dreistündiger Powerschlaf füllte meinen Energiespeicher von Neuem.

Es ist der 30.12.2013...heyeyey heute werde ich das Ziel nach 303 Tagen erreichen! Bin ruhig und nervös zugleich! Ein Wechselbad der Gefühle. Und wieder plagt mich die Übelkeit wenn ich dran denke, dass dies mein vorerst letzter Fahrtag sein wird! Deshalb brauchte ich schnellstmöglich einen Teller voll mit Klebi-Reis und einen Milktea! Herrlich, es konnte losgehen. Noch einmal die Taschen bepacken, das Fahrrad beladen, noch einmal die Tagesroute auf der Karte anschauen, die verschmutzte Brille mit dreckigem Wasser und Papierserviette auf Hochglanz polieren...kann dauern! Noch einmal den gewohnten Wetter-Check-Blick zum Himmel hoch. Passte...es wird ein guter Tag!

Noch einmal kontrollieren ob ich den wirklich nichts vergessen habe und noch einmal eine Tagesration Toilettenpapier in die Lenkertasche stopfen und......den soo lieben Menschen, die diese für unsere Verhältnisse "Bruchbude" führen, ganz herzlich zu danken! Wenn die Gastgeber so freundlich sind, dann spielt es doch keine Rolle, wenn die "Toilette" nicht funktioniert, der Bettlaken auf dem Holzbrett schmutzig ist und die Türe nicht abschliessbar...für 3 Franken die Nacht inklusive Frühstück, kann man ja wirklich nichts sagen :)

Bis nach Pokhara waren es noch 103 Kilometer, schaut euch diese Markierung an, da steht tatsächlich auf so einem Markstein: Pokhara! Allemal ein Foto wert! Ab Mugling wurde der Verkehr deutlich ruhiger, da viele links nach incredible Indien abbiegen. Doch hey, rechts spielt die Musik! Die Landschaft wurde dramatisch...ein tiefes Flusstal, hohe Felsen und...und freie Sicht auf das Annapurnamassiv inklusive Machapuchara, was für eine Fahrt! Unvergesslich! Die Kilometer purzelten nur so dahin, ob rauf oder runter, meine Beine sind vollgepumpt mit Energie! 20 Kilometer vor Pokhara legte ich die letzte grosse Pause ein. Bei einem kleinen Lädeli, mit meterlangen Portionenhaarschampoos, die über ein Holzstecken hängen, kaufte ich ein Wasser und setzte mich ins Gras neben die Kinder die mit ihren Murmeln spielten. Ihre Fingerfertigkeit und Präzision ist beeindruckend! Als sich der Wasserbüffel seines gemächlichen Schrittes Freddy näherte, verschwand mein Göppeli gänzlich in seinem Schatten :) Die Sonne stand schon schräg hinten am Horizont...höchste Zeit jede Pedalumdrehung und Schaltbewegung zu geniessen...

Doch auch wenn man ganz kurz vor dem Ziel ist gilt: nume nid jufle! Das ist doch wie bei einer Prüfung...nehmen wir an wir haben z.B. zwei Stunden Zeit, um die Lösungen auf's Blatt zu bringen, wir schreiben und schreiben und schreiben...plötzlich sagt die Lehrperson: "sie haben noch 10 Minuten Zeit". Automatisch kommt doch ein Gefühl von Stress auf..."oh Schreck, ich muss doch alles nochmals durchlesen!", "ich bin noch gar nicht auf der letzten Seite angelangt!", "und jetzt sind's nur noch 9 Minuten, mist!", wer kennt diese Situation nicht?! Doch genau in diesen letzten 10 Minuten ist die vollste Fokussierung angesagt! So auch hier auf den letzten paar Kilometern. Nach einer scharfen Linkskurve ist die gelbe Brücke sichtbar, jetzt kenn ich's wieder.

Es wird noch ein letzter kleiner Hügel kommen und dann bin ich in Mahendra-Pul, die lokale Einkaufsmeile, wo nur selten Touristen gesichtet werden. Am Prithvi-Chowk muss ich rechts abbiegen und dann kommt nach ca. 500 Metern der munzige Flughafen, auf welchem sie noch mit dem Fahrrad die Piste vor dem Take-Off kontrollieren :)

Wurde immer nervöser. Solch eine tiefe Freude und Glücklichkeit habe ich noch nie zuvor erlebt! Die Übelkeit ist vergangen und ich konnte nur noch lachen!

Es war bereits finster, doch kennt man den Heim-Weg, spielt die Dunkelheit keine Rolle. Jetzt der Birouta-Chowk, mann o mann, die Teebude auf der linken Strassenseite neben dem Fleischhändler, steht immer noch! Und plötzlich war überall das Licht aus, kennen wir ja! Vor 6 Jahren blieb es finster und Kerzen wurden angezündet...Heute hat es nach ein paar Sekunden wieder Licht und die Motoren laufen auf Hochtouren...jaja, fast jeder hat nun eine Batterie oder ein Aggregat! Die Strasselöcher sind wohl noch die selben, sie sind einfach ein bisschen grösser geworden!

So, jetzt aber...noch einmal links abbiegen und da steht es gross in weisser Scfrift auf grünem Hintergrund geschrieben:

 

"DEAR BROTHERS & SISTERS, WEL-COME TO TASHI-LING TIBETAN REFUGEE SETTLEMENT"

 

Das Ziel ist erreicht!!!!

 

Gesehene Landschaften wie endlose Wüste, hohe Berge, tiefe Meere und stahlblaue Seen...

Die verschiedenen Klimazonen hautnah erlebt...

Gefühle wie, Einsamkeit und Stille, Gesellschaft und Turbulenz, Langeweile, Angst und tiefste Freude gelebt...

Überall, immer und immer wieder hilfsbereite Menschen angetroffen...

Ich durfte soo vielen Menschen begegnen, die mir ihre Geschichten erzählten und mich das Leben lehrten...

Unzählige und tief berührende Erlebnisse bringen diese Reise mit sich...

Und noch viel mehr!

 

Mein Traum ging in Erfüllung...ich habe die Tibetische Familie in Pokhara,

am 30.12.2013,

nach 303 Tagen,

644 Stunden im Sattel,

55'154 Höhenmetern,

20 besuchten Ländern und

10'330 gefahrenen Kilometern in Europa und Asien erreicht...

 

Das Wiedersehen war grossartig...ich kam nach Hause!

 

Eines weiss ich...nur dank all den vielen positiven Gedanken von Freunden, Familie, Bekannten und Unbekannten, konnte ich es schaffen...

VIELEN, VIELEN, VIELEN herzlichen Dank!

 

Doch meine Reise endet dort wo sie begonnen hat, nämlich im Kiental..

 

Was für ein Jahr!

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44. Blog...Titellos

Einfach immer Geradeaus...Vorwaerts!
Einfach immer Geradeaus...Vorwaerts!
Wie schon erwähnt, sind wir nun schwupps in Laos angekommen. Ihr seht wir sind zackig unterwegs...ja, ja mir geht es nun auch ein wenig zu schnell, aber was tun? Ab jetzt habe ich wieder einen Zeitplan. Innert zwei weiteren Tagen war ich um 17.30 Uhr an der thailändischen Grenze. Normalerweise bringt einem ein kleines Boot über den Fluss, doch um 18.00 Uhr schliesst diese Grenze. Ein Laote erklärte mir, dass vor drei Tagen die neue Friendship Brücke, 10 Kilometer südwärts eröffnet wurde und dieser Grenzübergang bis 22.00 Uhr geöffnet sei.
Ja prima, dann nichts wie los. Es regnete sehr stark und wie ein dreckiger Waschlappen checkte ich aus Laos aus. Die Beamten meinten dann, ich dürfe nicht mit meinem Fahrrad über die Brücke fahren, ich müsse ein Ticket für den Shuttlebus kaufen! Was jetzt? Im ernst?
Ich will doch auf meinem Göppeli über den Mekong fahren, liebe Leute, lasst mir doch den Spass, gopfnomau! Da es erst 19.00 Uhr war, hatte ich noch 90 Minuten Zeit um bockig zu tun! Ob ihr's nun glaubt oder nicht, aber die Beamten fragten den Oberbeamten und dieser telefonierte seinem Oberoberbeamten in Vientiane, ob denn nun eine durchnässte Radlerin, bei völliger Dunkelheit, alleine über diese neue Brücke fahren duerfe. Er willigte mit einem Kompromiss ein...ich musste ein Busticket kaufen, durfte aber selber drüber radeln, hahaha, was für ein Spass! Das klingt sich jetzt alles ein bisschen stur meinerseits an, aber manchmal tut ein bisschen stur und frech sein doch auch ganz gut...immer dieses brave Getue an den Grenzen gurkt mich langsam an!
Frech sein! Warum nicht??
Es war ein grandioses Gefühl über den Mekong zu Pedalen, was für ein Fluss! Er entspringt im Hochland Tibets, ist ca. 4500 Kilometer lang und mündet in Vietnam ins Südchinesische Meer. Der 10t längste Fluss der Erde, eine gewaltige Lebensader!
Die Thailänder machten grosse Augen und zündeten schon von weitem mit Scheinwerfern auf mich. Herzlich wurde ich begrüsst und sie sagten mir, dass dies nun eine Premiere sei...wer weiss, was die den ganzen Tag lang sonst noch so sagen...
Auch sie telefonierten gleich nach Bangkok und fragten nach, ob dies jetzt mit rechten Dingen zu und her gegangen sei. Diese Telefoniererei spät Abends!
15 Tage Thailand: 800 Kilometer bis Bangkok, Rad verpacken, Weihnachten feiern, Blog schreiben, Radlerfreunde aus der Schweiz und Schweden treffen, Buch fertig lesen und Mails beantworten, uff uff uff, das wird knapp.
Jetzt aber erstmals eine Unterkunft finden und Morgen ordentlich südwärts fahren. Doch dieser Abend nahm einen traurigen Verlauf...als ich Geraldine in facebook eine Nachricht schreiben wollte, waren da lauter Kommentare wie: Du bist stark, wir beten für Dich, Du schaffst das. Ich war total verwirrt und schrieb sofort eine private Nachricht und fragte nach, was denn los sei.
Ihre beste Freundin antwortete mir, Geraldine erlitt gestern in Hanoi ein Aneurysma im Gehirn.
Sie hat seit gestern das Bewusstsein nich wieder erreicht, die Kinder werden Morgen nach Hanoi fliegen. Ihre Freundin schrieb, dass Geraldine so happy war und ihr noch Fotos von der Halong Bucht gezeigt hatte.
Ich war schockiert und erstarrte. Hatte eine schlaflose Nacht, sendete all meine positiven Gedanken zu Geraldine, zündete eine Kerze für sie an und betete.
Als es hell war fuhr ich los. Ass eine Banane und radelte 130 Kilometer am Stück durch, ich vergass das ich unterwegs war, denn meine Gedanken waren anderswo. Eine Situation die mich fast zerriss, wollte es jemandem erzählen, war aber niemand da. Am nächsten Morgen schrieb mir Geraldines Freundin die letzte Nachricht...
Geraldine sei in der vergangenen Nacht, in einem Spital in Hanoi gestorben...
 
 
 
Ich sass in meinem Zimmer, schaute nach draussen und sah dem Regen zu... ich kenne jemand, der pflegt zu sagen:  „Zwischen Leben und Tod liegt nur eine dünne Haut, wie aus Pergament, und man weiss nie, wann sie durchbricht.“
Dieser Satz und die ganze Geschichte in einem detaillierten Mail, half mir aus dieser Traurigkeit zu kommen. Geraldine war glücklich in den letzten Tagen und ich denke, das war ganz wichtig! Auf meiner Reise habe ich unzählige Male Abschied genommen von Menschen die mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind, jetzt gab's auch noch einen Abschied für immer!
Es fällt mir schwer das ganze irgendwie in Worte zu fassen, so dass ihr das an einem weit entfernten Punkt auf dieser Erde so überkommt wie ich es meine.
Was in den nächsten zwei Tagen geschah war unglaublich...seit langem wieder schien die Sonne am nächsten Morgen, der Himmel war stahlblau, die Luft klar!
Ich sagte zu Geraldine: "Komm setz Dich auf meinen Gepäckträger, da hat es noch genügend Platz. Geniesse die Fahrt und wenn's denn Berg hoch geht bin ich froh wenn Du ein wenig Schieben kannst und warne mich vor den grossen Laster die zum Überholen ansetzen, einverstanden?". Kaum habe ich diese Worte gesagt, überholte mich ein Mopedfahrer, fuhr auf meiner Höhe weiter und sagte: "Helloo, very good, very good, bye, bye". Ich musste einfach nur Grinsen und wusste, das Geraldine die Fahrt geniesst!
So konnte ich irgendwie Abschied nehmen. Am nächsten Morgen als ich bereits 20 Kilometer gefahren bin sagte ich: "So Geraldine, ich glaube Du musst jetzt weiter gehen, es war mir eine Ehre, mit Dir ein Stück weit durch die Gegend zu fahren. Danke, dass ich Dir, einem so wunderbaren Menschen begegnen durfte, bis irgendwann, irgendwo, byeeee, byee".
Ganz langsam fuhr ich weiter und keine 200 Meter nach dem ich diese Gedanken laut vor mich hin sagte...hatte ich meinen zweiten Platten...! Mir fehlen die Worte...wohl magische Momente oder so?!
Ich begann den ganzen Karsumpel abzuladen und schon hielt ein Pickup an. Ein Herr stieg aus und bot mir an mich bis in die nächste Stadt mitzunehmen, er müsse einfach noch zuerst seine Kinder von der Schule abholen, danach könne ich in seiner Familie übernachten! Mann o mann was für ein Tag!
Er ist Mathelehrer an der nahegelegenen Universität und hat drei aufgeweckte Kids. Zur Feier des Tages lud er die ganze Familie und mich in ein Restaurant zum Abendessen ein. Einmal mehr durfte ich Gastfreundschaft aus tiefstem Herzen erleben, z.B. durfte ich als Erste die Dusche benützen (ist ja nicht selbstverständlich, gell Amba:), kaum aus der Dusche wurde im Büro der Platz geräumt, dass ich den Computer benützen konnte und Freddy wurde zur Sicherheit nicht hinter dem verriegelten Tor, sondern in der Stube parkiert. Ist doch einfach unglaublich nett!!
Nach einer kurzen Nacht, die Kids müssen bereits um 05.30 Uhr in der Schule sein, wollte er mit mir eine Ausfahrt mit seinem Dreigänger machen. Satte 40 Kilometer sind wir um die Stadt geradelt und er hat mir alles gezeigt was es in Nakhon Sawan zu sehen gibt: die Fischzucht, die absurde Affenshow, den Park, 10 Kilometer dem Fluss entlang, der Tempel auf dem Berg, den Veloshop und im besten Nudelsuppen-Laden zahlte er mir noch eine Bowle voller Chinese Noodels :)
Es war bereits Mittag als ich langsam aber sicher zu meiner eigentlichen Abfahrt drängte, nach "Zeitplan" sollte ich Heute noch 100 Kilometer fahren. Er lud dann sein verrostetes Möbel auf's Auto und fuhr mir noch 20 Kilometer mit dem Auto voraus.
Nach 20 Kilometern kam nämlich ein Pool-Geschäft. Die Inhaberin war einmal seine Schülerin. Er gab mir ein Handzeichen, dass ich dort ranfahren sollte. Also gut.
Als er der Pool-Frau von meiner Tour erzählte, war diese hell begeistert und bot mir gleich an, das ich im Pool welches direkt neben dem Highway ausgestellt ist, schwimmen gehen könnte. Hihi, wie lustig, schwimmen neben dem Verkehr, welcher nach Bangkok fährt. Ich hab dann aber doch abgelehnt und wollte eigentlich weiter.
Sie rannte blitzschnell nach hinten ins Kämmerchen und kam ganz stolz mit einem grossen Lachen wieder nach vorne und schenkte mir ein blaues Poloshirt mit ihrem Pool-Logo darauf. Wirklich ein schönes Shirt. Naja vielleicht ein bisschen zu warm und zu schwer, werde wohl mit Übergepäck einchecken müssen!
Zum Abschied gab sie mir noch 2 Liter Wasser...natürlich nicht aus ihrem Pool und alle winkten mir nach.
Wieder kommt mir der Satz in den Sinn:  „Zwischen Leben und Tod liegt nur eine dünne Haut, wie aus Pergament, und man weiss nie, wann sie durchbricht". Ja, gestern Morgen beschäftigte mich der Tod von Geraldine sehr, war irgendwie einsam...Heute wieder das absolut, pure Gegenteil. Es waren ein paar Stunden in dieser Familie voller Leben und Energie. Da liegt tatsächlich eine dünne Haut dazwischen!
Der folgende Tag war auch irgendwie speziell...vor einem Jahr waren wir zu viert in Thailand in den Ferien, Mama war auch dabei. Wir besuchten die alte Königsstadt Ayutthaya. Fast genau 1 Jahr später bin ich wieder in Ayutthaya und was für eine Zahl steht auf meinem Kilometerzähler?
10'000 Km Total! Sieht echt cool aus, die fünf Zahlen da vor meiner Nase ;)
Nach einem weiteren Fahrtag erreichte ich Bangkok und kam mitten in die Demonstrationen hinein. Während dem Fahren wurden mir Trillerpfeifen und Fähnchen zugesteckt. Satte 3 Stunden brauchte ich für die Stadteinfahrt. Auf direktem Weg fuhr ich zu Frau Supaporn, sie hortete ja meine grosse Tasche mit dem Zelt und dem warmem Daunenschlafsack. Auch sie eine Lehrerin, der ich blind mein Zeugs über drei Monate anvertrauen konnte.
Noch am selben Abend organisierte ich eine grosse Kartonbox für mein Fahrrad und traf spät Abends noch Wey und Joakim. Das letzte Mal habe ich sie in Samarkand, Usbekistan gesehen.
Sie radelten von Göteborg, Schweden bis nach Bangkok, unter anderem durchquerten sie die fast 2000 Kilometer lange Taklamakan-Wüste in China. Das Wiedersehen war grossartig und wir hatten uns viele Erlebnisse zu berichten.
Joakim half mir noch die Pedale abzuschrauben, das hat immer ein bisschen hart weil sich die Pedale während dem Fahren immer mehr anziehen, also einschrauben oder wie sagt man dem wohl in Fachsprache? Ihr wisst schon was ich meine, ach ist ja eigentlich gar nicht so wichtig, trotzdem war ich super froh, hat er mir das gemacht. Morgen ist glaub ich Weihnachten...was tun?
Und einmal mehr, ergibt sich was sich ergeben musste :)
Nadja und Pascal aus Bern, welche ich ja in Vietnam getroffen habe, sind auch gerade in Bangkok und wir machen zusammen ab, um gemeinsam ein gutes, richtiges, währschaftes, gigantisch, grosses Weihnachtsmenue vielleicht sogar mit Dessert mit Doppelrahm zu geniessen. Einfach toll! Freue mich sehr.
Früh Morgens bin ich auf den Beinen um an diesem Weihnachtstag noch ein Päckli einzupacken...siiicher ein grosses Päckli, umwickelt mit viel Klebeband. Genau der Göppel wird zerlegt und verpackt, damit ich dann in Kathmanduli was auszupacken habe. Früher waren es Lego's oder Bäbihäuser die ich zusammenbaute, Heute ist's eben ein Fahrrad höhö.
Nachdem alles verpackt war und ich realisierte das ich ca. 30 Kilogramm Übergepäck habe, wurde mir übel und somit war es Zeit für das Weihnachtsessen.
Hey ihr zwei Berner Radlerfreunde, es war ein toller Abend mit euch, das Fonduetreffen im 2015 rückt näher :) ich kann oder darf glaub gar nicht schreiben was wir an diesem Abend alles verdrückten, aber die white chocolate ice cream with crunchy honeycomb candy pieces and a caramel ribbon und die classic Chocolate loaded with chocolate cookie pieces and a crunchy fudge crackle ribbon Glaces waren einfach lecker schmecker höhö, gibt's wohl nur in Bangoggeli!
 
Und schon hiess es bye, bye Süd-Ost-Asien! Ein grandioser Fleck Erde für eine Fahrradtour...seeehr empfehlenswert! Doch das Bye, bye war nicht ganz einfach..um möglichst Gewicht einzusparen habe ich beinahe alle Kleider samt Poolshirt und Velopolsterhosen angezogen, Thermowäsche, Pulli, Gilet, Daunenjacke, Regenjacke, Helm unter den Arm... und schon am Morgen war es 30 Grad.
Ich schwitzte wie damals bei 50 Grad in der Turkmenischen Karakum-Wüste!
Das Handgepäck war 12 statt erlaubte 7 Kilo schwer, einfach nichts anmerken lassen und möglichst elegant in den Klick-Velo Schuhen zum Check-In Schalter täppelen. Dank dem umständlichen Kleidertragen und endlosem Schwitzen hatte ich nur noch 20 Kilogramm zuviel.
Pro Kilo 10 Dollar sagte die überfreundliche Thaidame mit einem Lächeln. Jetzt hiess es, die Mitleidsmiene aufsetzten und Jammern. Da sie gut gelaunt war und dann auch tatsächlich Mitleid hatte, hihi, verlangte sie nur 8 Kilo Übergewicht-Preis.
Super, Dankeschön und Adieu Merci!
Fly Thai ;)
 
Nun geht die Reise weiter...sie beginnt nun bald ein Ende zu nehmen. In ein paar Tagen werde ich die letzte Etappe fahren und mein Ziel erreichen... Es ist ein ganz, ganz komisches Gefühl...
 
Ja, mein Rückflug in die Schweiz ist gebucht. Und das ist gut so!
Die Tibetische Familie in Pokhara war von Anfang an mein final goal, mein Ziel...ich möchte vorerst kein weiteres anhängen...doch halt es gibt noch eines...dort wo meine Reise begonnen hat, dort ist das Ziel, im wunderschönen Kiental.
Von Zürich aus werde ich noch bis in's Kiental fahren und dort am Samstag den 1. März um ca. 14.00 Uhr den letzten und wohl wichtigsten Kilometer bis vor's Tanzstudio fahren.
 
Doch nach dem Flug nach Kathmandu und vor dem Rückflug ist noch ein weiterer Flug gebucht...ich platze fast vor Freude und kann es kaum erwarten....
Mama kommt mich abholen!!!!!
Wahnsinn gell! Am 25. Januar landet sie in Kathmandu! Wow sieht dieser Satz cool aus.Weil's so schön tönt noch einmal: Am 25. Januar landet Mama in Kathmandu! Zusammen werden wir noch + - einen Monat, ohne Fahrrad, (sorry Freddy) in Nepal und Nordindien umher Reisen und zusammen diese Zeit geniessen...can't wait! Ich vermisse sie sehr und ich freue mich enorm, dass sie die Familie kennenlernt.
Bis bald Mama...
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Das grosse Los: Zeitlos!

Oh Du gute Frau, ganz schoen beladen Heute morgen! Auch ganz huebsch mit den Socken in den Flip Flops hahaha
Oh Du gute Frau, ganz schoen beladen Heute morgen! Auch ganz huebsch mit den Socken in den Flip Flops hahaha
Oh wie habe ich mich schon lange auf die nächste Tagesetappe gefreut! Sie führt über den bekannten Wolkenpass! Mal schauen was die Beine dazu meinen, die haben sich ja schon an die Ebene gewöhnt...
Als ich um 07.00 Uhr aus dem Fenster blickte...regnete es in strömen! Langsam aber sicher stieg meine Motivation in das Untergeschoss ab! Seit über einer Woche regnete es. Nun gut, ich will unbedingt über diesen Wolkenpass fahren und fuhr einfach los. Da ich mich nicht mehr motivieren konnte, schaltete ich um auf Gleichgültigkeit. Mit diesem Gefühl kann ich mich selber irgendwie überlisten, es muss mich also nicht angurken, freue mich aber auch nicht...es ist einfach eine Tagesfahrt von 125 Kilometer die ich fahren werde und am Abend angekomme...so einfach ist das. Ein Punkt wo ich das gemeinsame Unterwegs sein bevorzugen würde...man könnte sich gegenseitig motivieren!
Es führt auch ein Tunnel durch den Berg, aber die Aussicht soll angeblich traumhaft sein von der Passhöhe aus. Mal sehen ob ich denn was sehe! Kurz nach dem Ansstieg, ratterte es ganz gewaltig im Getriebe, es hörte sich gar nicht gut an. Als ich schalten wollte, ging plötzlich gar nichts mehr. Die Kette viel raus. Hab sie wieder eingehängt und alles prüfend angeschaut...hmmm ich seh nichts komisches...viel Dreck aber sonst sah das alles ganz normal aus! Mist, ich konnte nicht mehr Schalten...ziemlich dumm am Berg! Da ich dieses Problem nicht beheben konnte, fuhr ich halt im Eingänger dem Wolkenpass entgegen...soo steil war's ja auch nicht ;)
Doch die Sicht wurde von Minute zu Minute schlechter. Als ich in der Hälfte war, sah ich gerade noch 5 Meter weit. Wie weit noch bis oben? Haha keine Ahnung, aber der Pass machte seinem Namen alle Ehre! Oben angekommen warteten schon die Verkaufswütigen Damen mit ihren Souvenirs...kein Platz für Souvenirs! Es war nicht gerade mein Tag! Der Verkehr stresste mich sehr, wurde immer wieder von den Lastwägen von der Strasse in den Strassengraben hinunter gehupt. Bei der Abfahrt hat sich das Schaltproblem bei zigmaligem durchschalten von selbst gelöst! Bei völliger Dunkelheit kam ich endlich in Hue an...es war ein langer Tag und ich habe mich noch an jenem Abend entschieden, dass ich von hier aus den Bus bis nach Hanoi nehmen werde.
Basta! Bis zu einem gewissen Punkt bin ich der Meinung, sollte man durchbeissen...aber ich hatte genug, ein Vorwärtskommen wurde immer schwieriger und ich war mit meinem Selbstmotivationslatein am Ende.
Ich fand ein hübsches Zimmer und am nächsten Tag hatte ich somit genügend Zeit Fotos von Kambodscha hochzuladen. Dies dauerte ca. 4 Stunden. Das nächste Mal werde ich mich auf Freddy vor den PC setzen, so wie auf einem Melchstuhl...der ist vieeel bequemer, als so ein gepolsterter Stuhl.
Also mit der Geschwindigkeit des Internets sind wir Zuhause ja schon sehr verwöhnt!!! Hier kann es schon einige Minuten dauern bis es eine Seite geladen hat...dafür haben sie einfach überall, sogar im hintersten Busch und in jeder Reisbude, offenes, freies Internet. Z.B wenn ich ein Bild beschriften will...schreibe ich den Text in das kleine Feldchen und ca. erst 20 Sekunden später wird der Text vom Computer geschrieben, das ist immer lustig und sehr langweilig.
Der Besuch der verbotenen Stadt hat mich sehr beeindruckt, sie wurde nach dem Vorbild von Peking gebaut...einfach ein bisschen kleiner! Durch den Krieg wurde Vietnam extrem verwüstet, es war eines der ärmsten Länder...doch durch Fleiss und Ehrgeiz hat sich das Land in eine stabile Nation verwandelt. Aber...die Korruption ist extrem...sei es für einen Termin im Krankenhaus oder für einen Internetanschluss, für alles bezahlt man Schmiergeld!
Noch am selben Abend nahm ich den Sleepingbus bis nach Dong Hoi. Um 03.00 Uhr Morgens kamen wir an und als einzige stieg ich aus dem Bus. So stand ich mitten in der Nacht auf der Strasse und hoffte, dass ich eine Unterkunft finden werde. Ich buche nie zuvor, es geht immer irgendwie :)
Es herrschte absolute Stille auf der Strasse, keine Autos, kein Licht nur die schwarze Katze die gemütlich ihre Runden drehte. Ich genoss die Ruhe, die Dunkelheit und fuhr noch ein paar Kilometer in die Nacht hinein. In einem Guesthouse brannte noch Licht, durch die Scheibe sah ich, wie der Herr gerade die Fische im Aquarium fütterte. Die bekommen aber ziemlich früh ihr Frühstück über...oder konnte er wohl nicht schlafen?
Er hatte noch ein Zimmer frei und ich konnte Einchecken. Nach einem dreistündigen Turboschlaf war ich parat für einen Ausflug zu den Höhlen im nahegelegenen Nationalpark. Eine davon war die Paradise-Cave. 2005 wurde sie von einem Einheimischen entdeckt, sie ist 31 Kilometer lang! Das ist doch unglaublich! Was sich dort unter der Erde für ein Schatz versteckt. Es ist kaum in Worte zu fassen, Bilder sagen hier definitiv mehr! Und immer wenn ich so etwas wunderbares sehe, fühle ich mich klein wie ein Sandkorn auf dieser Welt.
Da mein Visum bald ausläuft, kam ich ein wenig in Zeitnot, noch am selben Abend nahm ich den Nachtbus bis nach Hanoi. Schon komisch im Bus...ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, ich verpasse etwas. Noch vor Sonnenaufgang erreichten wir die Hauptstadt Vietnams. Husch, husch holte ich meinen Göppel an die frisch verstaubte Luft und jedem Taxifahrer der mich zu einem Hotel bringen wollte, konnte ich einen Korb geben :)
Zuhause ist es doch Luxus, ein Taxi zu nehmen...für mich ist es hier Luxus, dass ich kein Taxi nehmen muss!
Es waren ca. 10 Kilometer bis zum Guesthouse. Erneut ist etwas mit der Schaltung nicht in Ordnung und die Bremsen sind auch einmal mehr runtergebremst :) Die Bremsen hatte ich schnell gewechselt doch das Schaltproblem konnte ich leider nicht selber beheben. In Hanoi gibt es bestimmt einen guten Mechaniker.
Haha, in Hanoi gibt es noch mehr als Mechaniker...es gibt hier einfach ALLES! Noch extremer als in Saigon wird hier jeder Millimeter genutzt. 24h wird nonstop verkauft, gekauft, gehandelt, gegessen und Haare geschnitten. An jeder Strassenecke gibt es einen Coiffeur. Ausgerüstet mit einem Stuhl und einer Scheere schneiden sie im Minutentakt eine neue Frise.
Ich ging eine der tausend Strassen entlang und schaute dem Geschehen zu und dank dem, dass ich mich verlaufen habe, fand ich wohl den besten Fahrradmechaniker der Stadt. Der einzige der Hydraulische Bremsen anbietet, Merida Bikes verkauft und mit einem strahlenden Lächeln mein Göppel betrachtete. Er war wohl erstaunt, dass nicht nur ein Merida sondern auch ein Tout Terrain Fahrrad einiges aushält hahaha.
Da ich die nächsten drei Tage in der Halong Bay sein werde, konnte ich es über diese Zeit gerade in seinem Laden lassen. Da hat Freddy auch wieder mal Gesellschaft, der gute Herr verkauft nämlich auch Brooks-Sättel aus England.
Wenn man in Vietnam ist, gehört die Halong-Bucht schon fast zum Pflichtprogramm! Es ist nichts neues, dass es von Touristen überfüllt ist, doch dieser Platz auf Erden wollte ich mir nicht entgehen lassen. Sie liegt im Golf von Tonkin und ist ca. 1500km2 gross. Beinahe 2000 Kalkfelsen ragen in die Höhe. James Bond hatte hier auch schon einen Einsatz.
Wir waren eine Touri- Gruppe von 13 neugierigen  Weltenbummlern. Darunter auch ein Paar aus der Schweiz und Geraldine aus England. Sie war die älteste der Gruppe und arbeitet als Personal Trainerin. Als wir ins Gespräch kamen, war sie sofort total interessiert an meiner Reise. Sie wollte alles genau bis ins Detail wissen. Als ich dann sagte, dass ich nicht unbedingt der absolute Sportstyp sei, sagte sie sofort: "Weisst Du, ich habe schon so viele Menschen trainiert, Schwimmer, Boxer, Läufer usw. die können noch so fit sein, doch wenn es im Kopf nicht stimmt dann wird ein Sieg schwierig!".
Da hat sie absolut recht, auch wenn es bei mir um keinen Sieg oder eine sportliche Leistung geht, es ist der Wille und die Motivation, die mir übrigens meistens die Menschen mit z.B. mit einem Lachen oder einem Zuwinken gaben, mich weitergebracht haben.
 
Zurück zur Halong, nach einer Höhlenbesichtigung, einem kleinen Trekking und dem Kayakprogramm genossen wir den Sonnenuntergang. Den Sonnenuntergang...einen Moment den alle mit ihren liebsten genossen, mein liebster, also mein Göppeli ist ja in Hanoi :)
Da Geraldine und ich die einzigen Singles in der Gruppe waren, sassen wir gemeinsam auf's Mäuerchen und sie erzählte mir ihre Familiengeschichte, wie stolz, dass sie auf ihre Tochter und ihren Sohn sei und wie glücklich sie sei, 4 Wochen Ferien zu haben und an diesem schönen Fleck auf dieser Welt sein zu können.
Am nächsten Tag erkundeten wir verschiedene Inseln und am Abend splittete sich die Gruppe in drei. Die einten gingen wieder zurück nach Hanoi, diejenigen die mehr bezahlten wurden in ein Hotel geschifft, Geraldine und ich waren die einzigen die, die günstigere Variante buchten und somit auf einer Insel, in einem Bungalow übernachteten. Am Nachmittag setzte ich mich in ein Kayak und paddelte los, auch mal schön zu Paddeln anstatt zu Pedalen :)
Ich genoss die Stille und die endlose Freiheit. Alleine im Boot zu sitzen war zwar nicht soo amüsant, doch an diesem Nachmittag spiegelte sich meine Reise direkt vor meinen Augen. Als ich das Kayak drehte um zurück zur Insel zu gelangen war die Ebbe bereits gekommen. Das hiess ich konnte nicht den gleichen Weg zurück, ich musste weiter hinaus, wo die Wellen ein bisschen stärker waren, um einen grossen Fels herum und von der anderen Seite in Richtung Insel paddeln.
So auch auf meiner Tour, um wieder nach Hause zu kommen, konnte ich nicht rückwärts gehen...ich musste wohl weit weg, in unbekannte, mir neue Welten mit hohen Wellen die mir den Weg zeigten, dass ich nächsten März "Ankommen" kann. Immer wie mehr mache ich mir solche Gedanken und langsam wird mir bewusst, dass eine solche Reise nicht nur ein Abenteuer ist, sondern eine Lebensschule. eine Lebensschule die mich wohl Dinge lehrte, die ich vielleicht erst viel später realisieren werde. So genug Psycho für Heute :)
Zurück in Hanoi verabschiedete ich mich von Geraldine und es ist einfach schön, wenn man so lange alleine unterwegs ist und dann jemanden trifft, mit dem man sich innert Minuten sehr gut versteht und die Gedanken anvertrauen kann. Ihre beste Freundin wird Morgen in Hanoi landen und die Zwei werden noch eine Woche gemeinsam reisen.
Meine Reise wird nun sehr zackig weiter gehen, da mein Visum übermorgen abläuft. Mit einer 30 stündigen Busfahrt werde ich mich nach Luang Prabang in Laos katapultieren lassen. Dort war ich ja mit Fabienne schon unterwegs, deshalb werde ich dort nur kurz halt machen und per Boot in zwei Tagen an die Thailändische Grenze hoch tuckern um dann noch 800 Kilometer in 8 Tagen bis nach Bangkok radeln, um rechtzeitig meinen Flieger für nach Kathmandu zu erwischen.
Jaja, ihr seht, hat man ein fixes Datum für etwas, z.B. Einen Flug, muss man sich sofort anpassen und die Zeit spielt plötzlich eine wichtige Rolle. Bis jetzt konnte ich Zeitlos herumgondeln, weiss oft nicht was für ein Tag oder was für Zeit überhaupt ist.
Die Zeit zu haben, mit dem Fahrrad anzuhalten wann und wo es mir passt und so lange die Aussicht oder einen Kaffe zu geniessen ohne auf eine Uhr schauen zu müssen, dann weiter zu gehen wenn es "Zeit" ist, das ist doch wahrer Luxus...oder?? Während der Arbeit Zuhause, ist es normal, dass wir um 12.00 Uhr bis 14.00 Mittag haben, wir sitzen am Tisch, geniessen das Essen, reden über Themen und....und haben ständig die Uhr im Blick, dass wir um 14.00 Uhr wieder pünktlich auf der Matte stehen.
Wenn mir hier jemand über sein Leben erzählt, seine Kultur, seine Religion dann kann ich zuhören, lernen und erfahren bis diese Person fertig erzählt hat, ob es nun 10 Minuten oder 3 Stunden sind...spielt absolut keine Rolle, den diese Geschichten sind eben Zeitlos!
Jetzt aber in den Bus! Zuerst übte ich mich in Füsse Falten bis nach Laos. Nicht unbedingt ein empfehlenswerter Trip aber ein Erlebnis auf jeden Fall! Wir machten gerade mal 3 WC Stopps, wobei die Toiletten gewöhnungsbedürftig sind.
Gemeinsam Geschäfte erledigen macht wohl doppelt Spass, auf gut Berndeutsch: "Bisle i Gsellschaft". Und jetzt noch ein bisschen detaillierter: ein Plattenboden mit 12 Hölzchen nebeneinander für die Füsse und einem Loch in der Ecke bieten 6 gefüllten Blasen Erlösung!  
Wenn 6 durch sind kommt die Frau mit dem Schaber und schiebt alles Richtung Loch, wie in einem Kuhstall. Dann die naechsten 6. Da es keine Trennwände oder so hat, muss man das Gespräch auch nicht unterbrechen und kann fröhlich weiterplaudern. Da man nicht spülen muss, kann man auch durchgehen sms schreiben.ist doch praktisch!
Hat man während dem geschäftlichen sonst nichts zu tun, ist das "Choder" auszuspucken als Nebenbeschäftigung sehr hoch im Kurs! Was ich aber so gehört habe, geht es hier, im Gegensatz zu China, doch sehr sauber, gesittet und eher angenehm von dannen....wohl alles eine Einstellungssache...ich musste mich schon ziemlich Überwinden! An nichts denken und vor sich hin Zählen hilft übrigens in solchen Situationen super!
 
Das war also Vietnam, ein Land in dem es vieles zu sehen gibt und 30 Tage für mich definitiv zu wenig waren...doch das ist auch positiv, dann gibt es nämlich einen guten Grund um wieder einmal zu gehen. Die Kommunikation empfand ich eher als schwierig, doch wenn es mit dem Englisch klappte, waren die Gespräche mit Einheimischen immer sehr interessant. Ich unterschätzte die Strecke von Saigon bis nach Hanoi, es sind rund 2000 Kilometer, was eigentlich sehr gut zu machen wäre in einem Monat, doch der Verkehr auf der Hauptstrasse bremste mich und von einem Fahren im Norden wurde mir mehrmals abgeraten. Das nächste mal würde ich eine Route im Hinterland wählen, doch alleine fühlte ich mich auf der Hauptstrasse sicherer und diese Sicherheit steht für mich an erster Stelle.
Vietnam, ein Land, dass ich gerne noch einmal besuchen möchte...
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Der kopflose Helm...

Sein Name it Helm und er weiss von nichts...
Sein Name it Helm und er weiss von nichts...

Es ist höchste Zeit weiter zu fahren!

Da der District 7 am Ende der Stadt liegt,war ich ruck zuck draussen aus diesem Wirrwarr. Noch über ein paar Brücken und schon war ich bei der Fähre. 10 Minuten auf dem Kahn, eine Stunde radeln: Zeit für einen Kaffe :) Ich bin nicht so die Kaffee Trinkerin, der ist mir immer zu heiss und ich verbrenne mir ständig den Mund. Doch der hier, soll ganz anders sein. Hab schon von vielen gehört, dass ich diesen unbedingt probieren soll. 
Ich sass auf dem Kindergartenstuhl am Kindergartentischchen und bestellte das schwarze Gold. Sie tischte dann ordentlich auf und mit all den Gläsern war ich leicht überfordert... Ein Gläschen mit Eiswürfelchen, ein Gläschen mit chinesischem Tee, ein noch kleineres Gläschen mit einem Gutsch von dieser Büchsenmilch oben drauf ein kleines Tellerchen, auf dem Tellerchen ein Aluminiumbecherchen mit Deckelchen.
Alles ist da ziemlich klein, sehr klein! Also was muss ich jetzt machen? Bringt sie wohl noch die Anleitung? Natürlich wurde ich von allen Anderen beobachtet und die hatten ihren Spass an meiner Unwissenheit :) Ich starrte einfach zurück und begann halt auch zu  Lachen, hey war dies wieder ein Gaudi! Sofort ergriffen drei die Initiative und probierten mir zu erklären, wie denn jetzt das vietnamesische Kaffee trinken funktionere! Also, der muss zuerst durch das untere Blechteller gefiltert werden, also der Kaffe höhö, dies kann er ja alleine und in dieser Zeit wird Tee getrunken! Nachher das ganze mit der zähflüssigen Milk im kleinen Glas umrühren und dann hopp ins grössere Glas mit dem Eis und fertig ist die Brühe. Kaffeetrinken...nur mit dem Röhrli! Prost!
Das war ein super Kaffee und mein Tischchen sah aus, wie nach einer Kaffeeschlacht! So, jetzt wusste ich wie's geht! Keine 20km später machte ich wieder Pause um das gelernte nun anzuwenden und zu festigen :)
Die Strassen hier im Süden sind nahezu perfekt und es hat sogar eine Art Velo/Töffli Spur, ideal! Auf den Reisfeldern wird hart gearbeitet, die Einten sind noch am Ernten und die Anderen graben das Feld mit Hilfe von den starken Büffeln schon wieder um. Wenn ich anhielt um ein Foto zu machen, winkten sofort alle zu, jedoch nicht mit offener Hand, nein fast alle winkten mit dem Peacezeichen.
Oftmals fahren die Töfflis über längere Zeit mit mir mit. Sie starrten ein wenig und sobald ich begann etwas zu fragen, sausten sie davon. Es war wieder ordentlich warm und ich hatte noch ein paar Kilometer vor mir. Eine junge Frau, fuhr neben mir und streckte ihre Hand aus.
Sie trug beige Handschuhe die einmal weiss waren, doch der Strassenstaub färbte sie zu einem Beige. Da lass ich mich nicht zweimal bitten, ich fasste die Hand und mit 33kmh donnerten wir den Hügel hoch, was für ein Spass. Sie winkte mir noch lange nach. Weiter ging's vorbei an Kakteenfeldern wo sie die Drachenfrüchte ernten, vorbei an kleinen, hübschen Dörfchen mit gutem Kaffe, vorbei an unzähligen Hochzeiten, welche halb auf der Strasse in einem kunterbunten Zelt gefeiert werden und dann ist es plötzlich da...
Das Südchinesische Meer! Mir kamen die Tränen, ich war überwältigt, nicht wegen dem Meer, aber einfach hier sein zu dürfen. Der höchste Punkt auf meiner Reise war auf dem Pamirhighway mit 4655M.ü.M, doch dies hier ist der weit entfernteste Punkt von Zuhause. Überglücklich sass ich auf das Mäuerchen, schaute zu Freddy rüber und klopfte ihm auf die Schulter!
Wenn mich die Leute fragen wohin ich gehe, werde ich von nun an nur noch sagen: nach Hause! Ich freue mich sehr und im selben Moment kommt ein neuer Gedanke auf..."Thesi, warum fährst Du nicht noch einfach weiter? Wird diese Zeit jemals wieder kommen? Diese endlose Freiheit? Es ist nicht's was mich Zuhause hält...kein Job, keine Wohnung, keine Verpflichtungen. Klar meine Mama und meine Freunde vermisse ich schon sehr! Südkorea und Japan würden mich sehr reizen!".
Und in meinem Planhirn beginnt es schon zu rotieren... Vernunfthirn an Planhirn: "Bitte das Planen einstellen und weiterfahren!" Zeithirn an Planhirn: "Genau, es wird schon bald dunkel, bitte in die Pedale treten". Planhirn an Beide: "jaja schon gut, jetzt mal nicht so ernst ihr beiden!". Magen an Alle: "hört doch auf zu diskutieren, ich habe jetzt Hunger!". Bevor noch jeder sein Senf dazugibt, ergriff ich die Flucht. Nein im Ernst jetzt, ich habe mir dieses Ziel Pokhara gesetzt, dieses Ziel werde ich erreichen und es soll das Ende der Reise sein (fast;)!
Also wir sind ja im Moment noch in Vietnam! Von weitem sah ich schon den höchsten und ältesten Leuchtturm des Landes, 54m hoch und erbaut im Jahre 1897. Das ist doch ein guter Grund für eine Kaffeepause! Ja da würde ich wohl immer einen Grund finden:) Die Küstenfahrt gefällt mir sehr gut und immer wie besser. Ein kleiner Abschnitt nach Muy Ne führte auf einer Nebenstrassen durch die orangenen Sanddünen. Wunderschön und Erinnerungen von der Wüste in Turkmenistan kamen auf. Doch im Gegensatz zu Turkmenistan regnete es hier praktisch jeden Tag über mehrere Stunden. Solange die Kleider am nächsten Morgen wieder trocken sind, spielte mir das nicht so eine grosse Rolle.
Eine neue Rolle spielte jedoch mein Helm! Ein weiteres Mal sass ich alleine an einem Kindergartentischchen, blickte auf's Meer, ass ein Teller voll Reis und langsam aber sicher hatte ich das alleine Essen satt! Somit setzte ich die Sonnenbrille auf den Tisch, den Helm drauf und schon hatte ich ein Gegenüber: Der kopflose Helm, er sagte zwar nicht viel, starrte nur in eine Richtung aber ich musste nicht mehr alleine Essen ;)
Ich überlege mir oft wie wäre diese Reise wohl zu zweit gewesen? Auch hier gehen die Meinungen auseinander, für mich persönlich kann ich sagen, ich bin froh, dass ich alleine gegangen bin. Ich traf immer wieder auf Radler, konnte mich oftmals auch Anderen über eine gewisse Strecke anschliessen. Doch dadurch, dass ich all das erlebten selber verarbeite, kam es mir immer sehr viel intensiver vor wenn ich alleine radelte als in einer Gruppe oder zu zweit. Und...man muss selber studieren :)
Doch über dieses Thema werde ich ein anderes Mal ausführlicher schreiben. Das Blogschreiben... der Ort wo ich alles mit euch teilen kann...herzlichen Dank für's zuhören und mitlesen! Jetzt bin ich wieder abgeschweift und eigentlich wollte ich doch vom Regen schreiben der von Tag zu Tag stärker wird. Völlig durchnässt kam ich in Nha Trang an. Nha Trang, na dann: Welcome to Russia! Kaum einen Fuss in ein Restaurant gesetzt hiess es schon: "Priviet, vucha zieli busch ta najesz?" Was vielleicht heissen könnte, Hallo willst Du was essen? Super jetzt kann ich eendlich wieder einmal mein ausgezeichnetes und akzentfreies Russisch zum besten geben: Da, da! Ja, ja!
Wer also in den nächsten Winterferien nach Russland möchte, jedoch ein wenig Mühe mit der eisigen Kälte in Moskau hat, gar kein Problem, es gibt auch ein Russland am Meer in Vietnam! Es war zwar nass, aber nicht kalt! 
Nach zwei Tagen waren alle meine Kleider wieder trocken und die Fahrt konnte weiter gehen. Es war ein bisschen hügelig was das ganze doch auch spannend machte. Bei einem kleinen Fischerdörfchen fand ich die einzige Unterkunft, ein sauberes Zimmer mit Blick auf's Meer...3 Franken! Ich war ziemlich erstaunt, dass so viele Vietnamesen im Guesthouse waren, ich bekam noch das letzte freie Zimmer. Der Herr des Hauses sagte mir, dass sie das schnellste Internet im Dorf haben, perfekt also nicht wie los hoch ins Zimmer und mich wie eine verbissene hinters Tablett setzen...oh, da musste noch ein Passwort eingeben, werden, schnell wieder runter und Nachfragen.
Er verstand nicht was ich wollte, gut wieder hoch, iPad holen, wieder runter und ihm das Feld zeigen wo das Passwort reinkommt. Er studierte und studierte, schlussendlich wusste er das Passwort nicht! Seine Frau hatte auch keine Ahnung. Jetzt haben die das schnellste Internet weit und breit, wissen aber das Passwort nicht, mamma mia!  Kurzerhand ging er hoch, klopfte an eine Tür und die verschlafene junge Dame kam runter und fragte mich in perfektem Englisch ob ich ihr Telefon brauchen möchte für's Internet...ach nein, soo dringend ist's nun auch wieder nicht, war auch lieb von ihr!
Sie liess dann nicht locker, ging hoch, föhnte blitzschnell ihre Haare zu einer Frise, kam wieder runter und das Suchspiel nach dem Passwort ging los. Langsam bekam ich ein schlechtes Gewissen. Eigentlich wollte ich nur kurz meine Mails checken, weil ich mit zwei Schweizern abgemacht habe, die von Norden nach Süden radeln und wir uns schon bald kreuzen werden, jedoch war noch unklar wann und wo. Nun gut, sie rannte mit dem Regenschirm zum Nachbar und fragte ob der was wisse. Nichts.
Wieder zurück, telefonierte sie dem Internetanbieter und probierte das Passwort irgendwie ausfindig zu machen...die Zeit verging und wir setzten uns auf's Sofa und kamen ins Gespräch, welches sich nicht um's Internet oder irgend ein Passwort handelte. Ich fragte sie warum denn so viele einheimische hier seien. Sie sagte dann ganz selbstverständlich: "ich werde morgen heiraten und das sind all unsere Gäste". Huuuch! Mein schlechtes Gewissen verdoppelte sich sofort. Ein paar Stunden vor ihrer Hochzeit probierte sie ein Passwort für eine wildfremde, dreckige Radlerin ausfindig zu machen...unglaublich.
Eine weitere Stunde verging, ich fragte sie aus wie denn das Programm sei undundund. Ohne Passwort und ohne Internet doch mit einer berührender Geschichte ging ich in mein Zimmer hoch und freute mich für sie.
Am nächsten Morgen, als ich vollbepackt die Treppe runter kam, natürlich in Velokleidermontur, waren da alle Gäste in der Lobby an den Tischen und das Apéro war in vollem Gange. Oh gott, ich wollte gleich wieder zurück ins Zimmer als ich realisierte, dass ich mitten durch die herausgeputzten Menschen mit Anzug und glizzernden Kleidern hindurch musste, um zu meinem Göppel zu gelangen. Peeeeinlich! Die Braut, welche gestern noch mit Regenschirm im Regen auf Passwort suche war, kam gleich zu mir und begrüsste mich herzlich, oh gott, noch peinlicher. Sie wollte gleich noch ein Foto mit mir, somit stand ich mit dreckigem T-Shirt zwischen Braut und Bräutigam und der Fotograph hatte wohl auch seinen Spass.
Da alles überstellt war wurde Freddy über die Tische gehievt, nein dass hättet ihr sehen sollen, bestimmt löste sich noch der eine und andere Dreck auf die schön gedeckten Tische. Ich wünschte ihr das Allerbeste für ihre Hochzeit, sie winkte mir nach und ich drückte mit meinem Fuss auf das Schidkrötenhupi was das Zeug hielt. Was für ein Start in den Tag!
Sobald als ich dann Internet fand klickte ich auf die Mailbox, jupi Nadja und Pascal haben geschrieben. Dies ist auch eine unglaubliche Geschichte... Wir begegneten uns das erste Mal im VeloPlus Laden in Ostermundigen, bei dem Tourenkurs. Wir lernten Kettenriss, Speichenbrüche und andere Probleme zu beheben.
Sie sagten damals, dass sie nach Moskau radeln möchten...jetzt sind sie in Vietnam unterwegs. Ja wenn man schon mal in Moskau ist, ist es bis nach Vietnam auch nicht mehr soo weit hahahaha. Bin ja gespannt was sie zu erzählen haben und ich freue mich so fest, mich wieder einmal mit anderen Tourenfahrern auszutauschen. Nadja schickte mir gleich einen Treffpunkt zu. Um 17.00 Uhr in Quang Ngai beim Busterminal. Passt. Da ich ein bisschen früher dran war, ging ich noch zum Töfflimechaniker, jaja der hatte so einen super Wasserspritzer. Der Göppel kam also das ganze Handwaschprogramm über. Ich schampoonierte die Pneus und den Rahmen ein und der staunende Mechaniker kam dann noch mit dem Weichspüler nach.
Plötzlich hatten wir einige Zuschauer und der junge Knabe hatte grosse Freude, den Göppel mit Hochdruck abzuspritzen. Hab beinahe vergessen, dass er ja einen blauen Rahmen hatte, das glänzte wie schon lange nicht mehr. Nadja und Pascal werden stauen höhö. Für den ganzen Service wollte er keinen Rappen und er bedankte sich...er sich bedanken? Das ist doch falsch rum, ich habe mich zu bedanken...verkehrte Welt!
Pünktlich wie ein Schweizerührli war ich bei der Bushaltestelle. Es war schon dunkel als ich plötzlich zwei leuchtende Lichter um den Ecken einkurven sah. Nachpünktlich wie eine nachgemachte Schweizeruhr kamen die zwei angefahren. Hey war das ein Wiedersehen. Gestern noch in Ostermundigen, Heute in der Pampa in Vietnam...wie die Zeit schnell vergeht, als wäre es gestern gewesen!
Im nächst besten Hotel checkten wir ein und wir hatten natürlich einen Mordshunger. 
Nadja und Pascal sind kurz nach mir in Bern gestartet. Sie fuhren bis nach Moskau und tuckerten dann mit der Transsibirischen immer Richtung Osten. Mit dem Fahrrad fuhren sie durch die Mongolei, durch China und sind eben nun hier in Vietnam und erzählten von ihren Erlebnissen. Sie werden weiter bis nach Bangkok fahren und dann ist fast ein Jahr rum...aber was ist schon ein Jahr?
Sie hängen noch eines dran und als nächstes werden sie in Neuseeland weiter Pedalen, dann nach Amerika, Nord, Zentral und Süd und dann wird wohl das zweite Jahr rum sein :) Besucht ihre Homepage und klickt euch durch die Fotos und noch ein Geheimtipp...lest unbedingt den Chinakrimi!
Hier noch ihre Adresse: www.reiseumdiewelt.ch
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns und machten bereits für ein Fondue im 2015 ab hehe.
Mein nächstes Ziel war Hoi An. Dort war einmal der grösste Hafen von Südostasien und dieser gilt auch als ein Hafen der Seidenstrasse! Da ist sie wieder...Die Seidenstrasse, viele Kilometer durfte ich auf ihr zurücklegen und sie fasziniert mich immer wieder von neuem!
Ach übrigens, es regnet immer noch, nur dass ich es wieder mal erwähnt habe. Hoi An hat mir sehr gut gefallen, besonders die japanische Brücke und die vielen Laternen, welche am Abend die Gassen erhellen. Doch es ist nicht DAS Vietnam, dass ich ausserhalb der touristischen Orte kennen gelernt habe. Aber auf alle Fälle einen Besuch wert!
Nach einem Ruhetag startete ich mit halber Energie. Trampte ich in den Regen hinein und nach 30 Kilometern war die Energie aufgebraucht. Es reichte für Heute. War in Da Nang und legte einen grösseren Spaziergang mit Schirm ein, da wird man weniger nass, nur die Füsse und der unterste Teil der Hose!
Zur Feier des ewigen Regenwetters ging ich ins grösste Einkaufszentrum um mir eine Toblerone zu kaufen! Und weil ich satte 2 Stunden gebraucht habe, kaufte ich gleich zwei hahaha, oh die waren richtig gut und teuer. Doch das leistete ich mir ohne das kleinste schlechte Gewissen zu haben, nein, zwei Tobleronen zum überteuerten Preis, herrlich! Auch eine Art Luxus...
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Wenn ein Speedbootrennen die Strasse blockiert...!

Es warein einmal...vieele, vieele Toefflis
Es warein einmal...vieele, vieele Toefflis

Goood moooniiing miss, Dong? Change money Dong? You need Dong? Jaja, Dong, Kip, Riel, Som, Dollar, Bath, Manat ich nehme alles, auch Dong! Welcome to Vietnam! Die Dong sind übrigens wie mein Kartenmaterial, waterproof und reissfest.

Bei uns gibt es doch so Blumensträusse mit schön gefalteten Hunderter- oder noch besser mit Tausender Nötli drin, da kommt mir gleich in den Sinn, eine Kollegin schenkte mir zum Abschied eine schöne Karte mit Inhalt, sie faltete Euronoten zu Oregamiglücksfröschen, super schön...doch das geht hier nicht, Dong kann man nicht falten, nur ausgeben :) 

Einmal mehr änderte sich das Bild von einem Land zum Anderen schlagartig. Auf der Stelle hatte der Verkehr um das Vierfache zugenommen, die Menschen winken nicht mehr wie in Kambodscha, sie schauen, nein sie starren mich an. Es gibt sie wieder... die Buchstaben, so wie ich sie kenne! Auf einem Schild stand z.B. : Mâ't Kính Sài Gòn cheuyên Khoa cân vieėn loan. Aha! Alles klar? Mit ein bisschen Fantasie kann man den Wörtern selber eine Bedeutung geben und solche Schilder hat es haufenweise, habe also immer was zu tun! Doch ich habe noch ganz anderes zu tun, es gibt soo vieles zu sehen, so viele neue Eindrücke überall! 

Die ersten 70km in Vietnääm: Ein Moped fährt mir vor, hinten hatte er zwei Käfige überfüllt mit Hunden, der unterste war glaub ich schon tot, seine Kopf war am Gitter zerquetscht und die Zunge plampte  bewegungslos aus der Schnauze. Oh nein, da kann ich kaum hinschauen! Hunde werden hier auf dem Teller serviert, es gibt auch Schlangenkopfsuppe oder frische Seepferdchen! Die Käsespätzli im Swissgarden waren wirklich gut!

Vor mir eine Vietnamesin im violetten Pyjama, die aufgerolltes Wellblech mit ihrem rostigen Fahrrad transportierte, der spitzige Strohhut reichte fast bis zu den Schultern runter. Auf der rechten Strassenseite präsentieren Messerschmiede ihre von Hand angefertigten Sicheln, Beile, Scheeren und Schaufeln. Es war Nachmittag, die Sonne schien und bereits blinkelten unzählige LED Lichtwerbungen für Smartphones, iPads, iPhones, keinen Meter daneben werden Schlüssel noch von Hand eingesägt. Überall wird jeder Zentimeter genutzt, es gibt keine Lücken für eine Pause, ich meine Pausen für die Augen. 

Gedämpft durch den Lärm des Verkehrs erreicht die Stimme eines singenden Mädchens mein Trommelfell. Sie spielte mit zwei gelben Fäden im Dreck, ihre Mutter nähte daneben mit einer alten, schwarzen Nähmaschine gelbe Pyjamahosen mit eben diesem gelben Faden. 

Pause, ich brauchte was zu Essen. Mit dem Göppel fuhr ich gleich in das "Restaurant" hinein. Es stehen nicht mehr massive Tische neben Tische, nein es hängen jetzt Hängematten neben Hängematten, im selben Abstand und immer grün, blau abwechselnd. Eben, etwas zum Essen... Sie kein Englisch, ich kein Vietnamesich!

In drei Kochtöpfe, welche auf dem Feuer waren, bekam ich einen Einblick: undeffinierbar! Ich fragte sie nach Reis, ein doch so einfaches Wort. Rice? Do you have rice? Rice? Risotto Buitoni?! Riso pour le mangare!!

In ihrem Blick sah ich Ratlosigkeit, wie kann ich Reis pantomimen? In ihrer Küche suche ich nach Reis...die muss noch Reis haben gopfnomau!! Nichts gefunden, ich bekam dann ein Baguette, was ich ja auch nicht gerade typisch finde, ein Teller voller Kräuter und Fleischsuppe...was für Fleisch? Keine Ahnung, eben Flesich! War gut! 

Jetzt ist sie da, die Einfahrt nach Ho-Chi-Minh City, mit über 5 Millionen Mopeds, judihuii! 

Ich habe mit Sarah, der Amerikanerin um 17.00 Uhr im District 7 in der Pham Van Nghi Strasse bei dem Supermarkt mit der roten Leuchttafel abgemacht, oh gott hoffentlich finde ich das! Der ungefähre Treffpunkt habe ich auf meiner Offlinekarte im iPad eingetragen.  Also los gehts. Es ist einfach extrem...links von mir ein Töff, voll beladen mit Ananas, Mopeds die mich im Einzentimeterabstand überholen, ein Bananenverkäufer der mir während der Fahrt Bananen verkaufen will...guter Herr, ich habe noch 13 Stück auf meinem Gepäckträger :) überall kleine Lastwagen. Die Trottoirs sind von Plakaten und Waren derart überladen, dass ein Laufen darauf unvorstellbar ist, also gehört die Strasse auch den Fussgängern.

In einem Reiseführer gibt es sogar eine Anleitung wie man die Strassen in Vietnam überqueren soll: langsam Loslaufen und auf keinen Fall stehen bleiben, immer im gleichen Tempo weiterlaufen, der Verkehr wird sich um Sie schlängeln, viel Glück!

Es ist tatsächlich so, ich fahre lieber mit, als einmal quer durchzulaufen. An der nächsten Kreuzung musste ich unbedingt links abbiegen, mist Chance verpasst. Auch hier gibt es verschiedene Zeitpunkte: es gibt den verfrühten, den richtigen oder eben den verpassten. Der war definitiv verpasst! Ich drehte kurzerhand um und fuhr gegen den Verkehr bis zur Kreuzung zurück, lustig auch das klappte ohne Probleme und was auch erstaunlich ist, keiner nervt sich wenn jemand falsch fährt, keine bösen Handzeichen oder verzerrte Gesichter! Höchstens ein verschmitztes Lächeln!

Kreuzung auf ein neues, yes der richtige Zeitpunkt erwischt...ich glaube das ist alles Übungssache! Bei der nächsten Abbiegung...es hat ja dauernd Abbiegungen, hielt ich an um zu kontrollieren ob ich denn noch richtig bin...passte perfekt. Jetzt noch einmal quer durch.

Es ist einfach ein Gewühl und ich musste dringend ein Foto machen, Klickklickklick und als ich es auf dem Display anschaute traute ich meinen Augen nicht...da war eine freie Linie durch den ganzen Verkehr genau in die Strasse, in die ich musste, ein Schnappschuss! Sekunden später fotografierte ich nochmals die exakt selbe Stelle, schaue es an und da war natuerlich keine freie Lücke mehr zu sehen. Magic Moments sag ich nur! UND, es kommt wie immer und überall auf den richtigen Zeitpunkt an!

Es hat zwar unzählige Ampeln mit Sekundenanzeige aber die nützen nichts, das ist wohl eher eine verfrühte Weihnachtsbeleuchtung! Als nächstes folgte eine Brücke, oh so schön, stilles, fliessendes Wasser...falsch gedacht, es findet gerade ein ferngesteuertes Speedbootrennen darauf statt. Die kleinen Böötli rasten mit einem höllen Lärm um die Bojen, ein Schauspiel!

Sämtliche Verkehrsteilnehmer hielten an und schauten zu, es wurden immer mehr und es kam soweit, dass dieTöffli's mitten auf der Strasse parkiert wurden und jeder drängelte sich möglichst weit nach vorne um das Speedbootrennen zu verfolgen. Das ist wie, wenn im Gubristtunnel einer die Tunnelwand bemalt, alle anhalten und ihm ein bisschen zuschauen würden hehe. 

Neben mir der kleine Vietnamese, der gerne und gut seinen Choder tief aus all seinen körperlichen Röhren hochzieht und damit fast die Speedboote übertönt und anschliessend den Choder, wo weiss ich nicht was alles drin ist, in hohem Bogen in den Fluss, also auf die Rennbahn spuckt. Übrigens sehr gekonnt und in einer ziemlichen Geschwindigkeit flog das Zeugs da runter! Eigentlich spucken hier alle, also nicht nur von der Brücke, auch im Restaurant, gerne mal auf den Boden oder so... Mann o mann ist da was los! Nach 2h habe ich den Treffpunkt am  Supermarkt um 16.55 Uhr gefunden, pünktlich wie wir es uns gewohnt sind!

Ich hatte ja keine Ahnung wie Sarah aussah, aber sie wusste, dass ich mit dem Fahrrad da bin, somit setzte ich mich vor den Supermarkt und wartete. Nach 10 Minuten hat sie mich gefunden. Wir hatten uns gleich super verstanden und sie meinte, sie freue sich riesig, dass wir zu ihr kommen, sie wohne gleich um die Ecke. Dann kann ich ja ihrem Taxi folgen? Nein, dass sei dann doch zu weit, und ich könnte sie im Wirrwarr verlieren, meinte sie :)

Also gut, und wir luden den ganzen Karsumpel in ein grosses Taxi und fuhren 20 Minuten bis zu ihrem Appartement, welches ja "gleich" um die Ecke war! Was für eine schicke Wohnung! Und Freddy wird in der offenen Stube auf den grossen, eierschalenfarbenen, glänzenden Platten parkiert. Sein Edelstahlrahmen spiegelte sich sogar in den Platten, allemal ein Foto wert.

Wir gingen noch einen Salat essen und um Mitternacht waren wir am Flughafen parat um Aislinne abzuholen. Es war ein freudiges Wiedersehen und einfach auch lustig, wie das alles zustande gekommen war, innerhalb von ein paar Tagen! 

Am nächsten Tag machten wir Stadttour auf eigene Faust. Genossen frische Frühlingsrollen im verspäteten Halloweenlook auf dem Dach des Rex Hotel's, besuchten den Market, überquerten X Strassen, kosteten die Vietnamesische Küche und zum Grande Finale hatten wir einen Drink im 52sten Stock des Bitexco Financial Towers, mit grandioser Sicht auf die Skyline Saigon's. Was für zwei Tage!

Gestern ergatterte ich noch in einer einfachen Strohhütte in Kambodscha 17 statt 3 Bananen und heute Abend sitze ich bei grillierten Shrimps hoch oben im 52sten Stock. Ich glaube, dass war einer diese Tage...von einem Extrem ins Andere! Am Abend lag ich im Bett und bevor ich einschlafen konnte, musste ich all meine Gedanken sortieren und die Erlebnisse büschelen. Im Zimmer war es stockdunkel, ich hielt die Augen offen und blickte in die Dunkelheit, eine Wohltat, sie können sich ein wenig erholen. Ich könnte den ganzen Tag einfach irgendwo sitzen, Blog schreiben, in einem Buch lesen, nichts tun. Doch jetzt sind wir in Saigon und es gibt noch einiges zu sehen.

Bereits um 07.00 Uhr sind wir parat. Heute treffen wir Anja von Zermatt. Sie war ein paar Tage zuvor auch im Swissgarden und nun in Saigon. Zu dritt besuchten wir den Ort, wo das Tunnelsystem während dem Vietnamkrieg angewendet wurde. Zuerst ging es in die Waffen Galerie, danach hatte ich eigentlich schon genug gesehen!

Das Tunnelsystem in Cu-Chi: Das ganze System ist über 200km lang und reicht bis zur kambodschanischen Grenze. Es war ein Schutz für die Vietnamesen und als die Amerikaner Operationen gegen dieses System unternahmen, starben sehr viele Amerikaner. Und weil so viele umkamen, z.B. traten sie in Fallen, begannen sie das Gebiet zu bombardieren.

Die Tunnels sind bis Heute noch erhalten und man kann sogar in ein Originaltunnel einsteigen und sich fotografieren lassen...versteh ich nicht! Es wurden extra für Touristen Tunnels nachgebaut, natürlich grössere, dass man nicht kriechen muss...

Was mich am meisten gestört hat war, dass man Munition (natuerlich nicht echte) kaufen konnte und auf einem Feld rumballern. Da waren wir also in so einem Tunnel und draussen ballerten Touristen rum! Es schreckte mich ab und am liebsten wollt ich nur noch zurück! Wie kann man Spass daran haben, an diesem Ort sich in einen Attrappejeep zu setzen, und um sich zu schiessen, wo vor noch nicht allzu vielen Jahren soo viele Menschen gestorben sind? Einige finden es soo "cool", dass sie noch eine zweite Ladung kauften, für mich unverständlich, abschreckend und total respektlos!

Dies sagte ich dann unserem Guide und der lächelte nur und sagte: "gives us money". Das Tunnelsystem ist spannend, doch die ganze Aufmachung finde ich ziemlich daneben und auch hier gehen wohl die Meinungen auseinander.

Aislinne fliegt Heute Abend wieder nach Phnom Penh zurück und ich schaltete noch einen Ruhetag ein. Es war Montag, Sarah hatte wieder Schule und überliess mir den Wohnungsschlüssel. Ich ging ins Pool und wurde mir ein weiteres Mal bewusst, wie nahe und doch so fern das Einfache und der Luxus liegt. Am Abend nahm mich Sarah an die Lehrerparty der Schule mit.

Ihr Leben ist auch spannend wie ein Buch. Sie unterrichtete schon an einigen Orten, z.B. 7 Jahre in Istanbul, ein paar Jahre in Kairo und zurzeit an einer Schule in Saigon. Die meisten Kindern sind von Ausländern, hauptsächlich von Korea oder Kindern von Botschaftsleuten.

Auch sie fragte ich, ob sie sich denn nicht manchmal einsam oder alleine fühle? Nein überhaupt nicht, sie habe viele Kollegen und Kolleginnen im Quartier und ihr gefalle diese Lebensart. Für längere Zeit an einem Ort zu bleiben, dann aber auch wieder weiter zu ziehen.

Zurueck zur Lehrerparty...  ich fand mich also kurze Zeit später inmitten all diesen Lehrern wieder, die Eine, hab leider ihren Namen vergessen, kochte ausgezeichnet indisch. Der eine packte die Gitarre aus und wir sangen bis spät in die Nacht, da erinnerte ich mich an die Pfadizeit zurück. Das war immer so schön, am Abend mit den Kindern am Lagerfeuer zu sitzen und ein paar Lieder zu singen. 

So, morgen werde ich weiter fahren, zuerst bis zum Südchinesischen Meer...der weit entfernteste Punkt meiner Reise und dann immer Richtung Norden, bis hoch nach Hanoi, Ahoi!

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Minibananen oder doch lieber ein Mintschampoo?

Der Seerosenpfluecker
Der Seerosenpfluecker

Käsespätzli mit Käse überbacken! Das bekommt man in Kambodscha nur im Swissgarden! Da ich mich sofort wie Zuhause fühlte, gab ich um zwei Nächte Verlängerung ein!  Während meiner ganzen Reise habe ich mich immer wieder gefragt: "Könnte ich es mir vorstellen, hier zu wohnen? Für längere Zeit? Für immer? z.B. in Kozino, das schöne Dörfchen in Kroatien?

In Kotor die authentische Hafenstadt in Montenegro?

In Ohrid, das kulturelle Dorf mit Amphitheater in Mazedonien?

In Thessaloniki, die Messe- und Kulturstadt in Griechenland?

In Istanbul, die Handelstadt mit dem farbenfrohen Bazar?

In Dogubeyazit, das Dorf in Ostanatolien mit einem herrlichen Blick auf Mount Ararat und einem super Campingplatz?

In Teheran, die Millionenmetropole im Iran?

In Yazd, der Wüstenstadt im Iran?

In Bulunkul, dem abgeschiedenen Pamir Dörfchen auf über 3000m in Tajikistan? Bangkok? Ho-Chi-Minh? Hanoi? Luang Prabang? Chiang Mai?

Ich wage zu behaupten, dass dies gehen würde...oh, jetzt schreibe ich wieder so Zeug's und eigentlich wollte ich doch von Kambodscha schreiben und den Blog aufholen! Wo führt dies nur hin... egal jetzt schreibe ich diese "Schwups-Gedanken" noch zu Ende und in dieser Zeit wo ich die zu Ende bringe, wäre ich mit schreiben schon längst wieder in Phnom Penh, aber ist ja egal, ich habe Zeit und ihr nehmt sie euch einfach hurti gell :)
Eben, ich bin der Meinung, dass man überall Zuhause sein kann wenn das Umfeld stimmt. Es sind doch unsere Freunde, Familien, Arbeitskollegen/innen die uns das Gefühl von "Zuhause sein" geben. Oder was meint ihr dazu?
Ich durfte dies auch bei Moni und Peter im Swissgarden erleben. Die sind hier in Sihanoukville daheim. Am Morgen fahren sie mit dem Moped in den Swissgarden zur Arbeit, dann kommt der eine Kollege von Nebenan zum Kaffee, Peter erledigt Büroarbeit und Moni kümmert sich liebevoll um die Gäste. Fast wie zu Hause...aber eben nur fast! Tönt jetzt alles ganz schön und gemütlich, doch es ist bestimmt nicht immer so! Es ist ganz klar, dass sie diejenigen sind, die sich anpassen müssen, dies ist auch nicht immer einfach, aber sie haben sich damals so entschieden und sie leben die Konsequenzen, seien es positive oder negative! 
Sie haben auch eine Volunteerin. Zurzeit ist Aislinne von Deutschland hier, sie zauberte das Frühstück im Nu auf den Tisch und sie ist mit ihrer aufgestellten Art bei den Gästen sehr beliebt. An jenem Nachmittag war nicht viel los und der halbe Swissgarden ging zusammen an den Strand. Mit Moni, Aislinne, Manu und Adi aus Zürich, Moni's Patenkind und dessen Vater. Es war so gemütlich und auf das Meer habe ich mich schon sehnlichst gefreut. Schwimmen, wie habe ich  es vermisst!
Wie oft wünschte ich mir den Oeschinensee zu meiner linken! Seit der Wüste Turmenistan's praktish wöchentlich! Ich erinnerte mich zurück...Herbst 2012 das letzte Mal im See, Frühling 2013 habe ich die letzte Badewanne in Dubrovnik gesehen und seit September dusche ich mit Chlorwasser. Und jetzt...war soo viel Wasser auf einmal da, ein paar Zentimeter vor meinen Füssen, ein Traum, ein wahrer! Volle zwei Stunden habe ich das Nass genossen. Das reicht jetzt wieder bis im nächsten  Sommer am Oeschinensee :) 
Als ich am Tischchen, mit dem rot kariertem Tischtuch sass, und meine Weiterreise plante sagte Aislinne: "Oh, du gehst nach Ho-Chi-Minh? Vor ein paar Tagen war eine Amerikanerin da, sie lebt dort und unterrichtet Englisch an einer Privatschule. Sie sagte mir, sie würde sich freuen wenn ich sie einmal besuchen würde, könne auch eine Kollegin mitbringen, sie hätte Pool, Tenniscourt, Fitness und so...wir könnten sie ja zusammen besuchen gehen!"
Ja was für eine tolle Idee! Kaum nachgedacht schrieb Aislinne schon eine Mail. Sekunden später die Antwort: "Ja klar könnt ihr kommen und solange bleiben wie ihr wollt, freue mich, also bis dann". 
Wir beide sehen uns schon in Saigon, doch halt, Aislinne muss ja noch den Chef fragen ob sie frei bekommt... Peter ist gar nicht kompliziert und die Freitage waren in einer halben Minute geregelt! Super! Morgen werde ich also weiterfahren, 3 Tage zurück bis Phnom Penh, 1 Tag Phnom Penh und dann sollte ich noch 3 Tage bis Saigon haben. Nach einem stärkenden Frühstück war ich parat zur Abfahrt.
Liebe Moni, lieber Peter, vielen, vielen herzlichen Dank für Alles. Es waren drei Tage wie Daheim. Ihr seid so sympathisch Menschen und eure Gastfreundschaft ist einfach klasse! Ihr habt den Swissgarden wunderschön und  mit einer persönlichen Note eingerichtet, einfach toll! 
Bei der Abfahrt blickte ich ein weiteres Mal nicht zurück, denn wir sehen uns wieder! Am 01.01.2014 werde ich auf der SRF Seite "verpasste Sendungen" anklicken und "Die Auswanderer ein Jahr danach" schauen. Bin jetzt schon gespannt :) und Aislinne...see you in one week in Saigon!
Zurück nach Phnom Penh nahm ich nun den Highway 3, er war deutlich weniger befahren und führte durch schönste Landschaften. Entlang den Hügeln, welche von Grünzeugs überwuchert sind, vorbei an zig Reis- und Weizenfeldern. Manchmal sah man nur noch die Strohhüte, welche durch die Felder wanderten. Entlang von kleinen Seen, die voll bewachsen mit Seerosen waren. In einem solchen See schwaderte ein Kambodschaner, er war gerade dabei die Seerosen zu pflücken, ich hielt an und perfekt für's Foto streckte er die wunderschöne Rose in Richtung Kamera :)
Einmal mehr plämperlete ich rum und habe die Zeit völlig vergessen. Ich begann zu rechnen und merkte, dass ich wohl bei völliger Dunkelheit in Kampot eintreffen werde...und schon kam ein Traktor der ca. 26kmh fuhr, perfekt dachte ich, legte einen Speed hin um ihn einzuholen und mich hinten schön unbemerkt anzuhängen. Klappte wunderbar über 16km...dann bog er rechts ab :/
Auf jeden Fall konnte ich Zeit gutmachen hehe. Es war dann trotzdem schon finster und das Dorf noch nicht in Sichtweite. In meiner Tasche hätte ich eine Stirnlampe und ein Rücklicht...hätte...doch hier fährt keiner mit Licht! Es gibt einfach keines! Die kleinsten Kinder rattern mit ihren Eingängern kreuz und quer auf der Strasse rum, somit lasse ich meine Lichter einfach in der Tasche ruhen. Zuhause muss ich dann als erstes diese wieder  montieren, sonst gibt's eine Busse uiuiuiui!
Als ich in das Dörfchen einfuhr, suchte ich sofort ein Guesthouse. Beim Ersten meinte der Besitzer,  er habe zwar kein freies Zimmer mehr aber er könnte mir ein Bier offerieren, auch eine gute Idee :) Der Nachbar hatte dann noch ein freies Zimmer. Die zwei weiteren Fahrtage ähnelten sich sehr und schon war ich wieder in Phnom Penh, doch...ein paar Kilometer ausserhalb von Phnom Penh fährt man an unzähligen Fabriken vorbei...und was kommt einem entgegen?? Lastwagen voll beladen mit Menschen. Es ist ja nichts neues, dass hier Kleider zu einem Hungerlohn genäht werden. Damals in der Schule hatten wir dieses Thema immer wieder...doch als diese Lastwägen an mir vorbei fuhren erstarrte ich beinahe.
Da kommt einer nach dem andern. Ganz langsam fuhr ich weiter und immer wieder hatte ich für Sekunden einen Blickkontakt zu jemanden auf so einem Laster. Ich wusste nicht wie ich dreinschauen sollte! Freundlich zulachen? Wegschauen? Soll ich mein Mitleidsblick bringen? Tönt komisch, aber das erste Mal überhaupt, überlegte ich mir, wie ich Menschen in die Augen schauen soll. Die Antwort kenne ich: schaue einfach ganz normal und ehrlich!
Gar nicht so einfach...denn es gehen mir tausende von Gedanken durch den Kopf. Ich hielt an und schaute den Frauen und Männern direkt in die Augen, die Blicke waren irgendwie leer und doch so voll! Es schüttelte mich richtig durch. Auf wie vielen Kleidern steht wohl: Made in Cambodia? Auf zu vielen??
Ganz ehrlich jetzt...wenn ich Kleider kaufen gehe, schaue ich nicht darauf woher sie kommen, nein ich schaue auf den Preis...ja ist einfach so!
Nach dem Anblick von diesen Menschenmassen auf den Lastwägen bin ich noch mehr verwirrt. Das waren soo viele Menschen die zur Arbeit gebracht wurden. Die Arbeitsumstände... sehr schlechter Lohn, zu lange Zeiten, zum Teil keine Ventilatoren in den Gebäuden usw. sind furchterregend...doch jetzt kommt's, sie hatten eine Arbeit! Ich fragte mich, wenn z.B. niemand mehr, auf der ganzen Welt, Kleider aus Kambodscha kaufen würde, was würden diese Leute dann tun? Das waren tausende!!! Man muss ja auch sagen, dass viele Organisationen hier am wirken sind, sie setzen sich für bessere Bedingungen ein. 
Am Abend sass ich in einem Restaurant und eine Gruppe von Holländern setzten sich an den gleichen Tisch. Wir kamen ins Gespräch...Sie sind ein Team welches sich gegen Menschenhandel von jungen Mädchen einsetzt. Tagtäglich werden in Kambodscha viele Kinder verkauft!! Sie wussten horrible Geschichten zu erzählen, z.B. dass es sehr lange dauern kann, bis man die "Händler" findet, denn meistens reden die Familien nicht darüber!
Der nächste Tag in Phnom Penh war auch nicht gerade leichte Kost. Ich besuchte das Gefängnis S21. Früher war es eine Schule, doch dann haben die Sicherheitsleute von Pol Pot die Schule eingenommen und aus Klassenzimmern wurden Folterkammern, allein dieser Gedanke lässt mich vor den Mauern erstarren!
Pol Pot war der Anführer der Roten Khmer. Aber wir beginnen noch ein wenig früher. Ganz ehrlich gesagt, habe ich darüber praktisch nichts gewusst. Hatten wir dies im Geschichtsunterricht in der Schule? Erinnere mich nur, dass wir hauptsächlich über den 2. Weltkrieg und die Schweizer Geschichte gesprochen habe. Doch diese hier ist ja viel, viel jünger!
Um 1953 hatte Kambodscha ihre goldene Zeit: Friede und Wohlstand! Ankor Wat wurde zur Toptouristen-Attraktion in Südostasien. Doch durch den Vietnamkrieg kamen üble Zeiten auf das Land zu! Im Osten wurde Kambodschanisches Territorium für den Krieg genutzt und verheerende Bombenanschläge gingen nieder. Am 17.04.1975 nahmen dann die Roten Khmer Phnom Penh ein und die Einwohner der Stadt wurden z.B. zu Gewaltmärschen gezwungen. Intellektuelle Menschen wurden systematisch umgebracht. In diesem Gefängnis starben zeitweise pro Tag bis zu 100 Menschen! Heute kann man durch diese Zellen laufen... 
In einem Gebäude läuft man von Zimmer zu Zimmer und sieht hunderte von Fotos...jeder Häftling wurde fotografiert...der Ausdruck in diesen Augen ist furchterregend...links und rechts ist Bild an Bild von Menschen die auf fürchterlichste Art und Weise hier ums Leben kamen. Vor jedem Eingang hat es ein Schild...Lachen verboten, hier zu Lachen? Weiss nicht wem dies in den Sinn käme! 
Die Roten Khmer wurden von den Vietnamesen gestürzt und somit wurde das verlassene Phnom Penh 1979 befreit...nur 7 Häftlinge überlebten! Ein Mann lebt Heute noch, er sass kurz vor dem Ausgang und man konnte, glaub ich zumindest, mit ihm reden. (Diese geschichtlichen Informationen habe ich aus Reiseführern und Wikipedia)
Der Tuck-Tuckfahrer fragte mich mit einem Lächeln ob ich jetzt noch zu den Killingfields möchte...Nein, es reichte!
Am Abend habe ich noch mit Mama via Skype gesprochen und ihr davon erzählt. Sie sagte, dass über den Vietnamkrieg beinahe jeden Tag im Radio berichtet wurde, sie erinnere sich noch daran. 
Am nächsten Tag begann eine neue Etappe. Das ist so eine Sache mit den Etappen...wenn ich an meine erste winzige aber entscheidende Etappe zurückdenke: Kiental-Kandersteg, uiuiui ist das lange her, doch vielleicht gerade nur dank den Etappenzielen im Kopf, bin ich immer weitergekommen. Ich weiss noch genau als ich in Frutigen vorbeikam, ein Grosi fragte mich, wohin ich den um Gottes Willen hin will! Nepal! Sie meinte, dass dies ja im Ausland sei! Genau, irgendwo da draussen ;)
Aber relativ schnell merkte ich, dass es gut ist sich kleinere Ziele wie, Venedig, Dubrovnik oder Shkoder zu setzten und dann immer wieder ein grösseres wie, Istanbul, Shiraz, Ashgabat, Dushanbe usw. Dies hat mir super geholfen auch die Motivation immer wieder zu finden wenn sie mal zurückblieb. Jetzt könnte ich noch ein paar Zeilen zur Motivation schreiben, aber ihr wollt bestimmt wissen wie es weiter ging!
Das nächste Ziel hiess also Ho-Chi-Minh City oder auch Saigon genannt.
3 gemütliche Fahrtage plus eine Grenze, ein neues Land, neue Sprache, neues Geld, neue Sitten, neuer Stempel im Pass, neue Kultur...ich bin gespannt! Die letzten zwei Fahrtage in Kambodscha habe ich richtig genossen, dieses Bild von zuwinkenden Menschen, besonders Kindern habe ich mir fest eingeprägt. Es gibt doch immer wieder Tage wo es einem vielleicht "nicht so drum" ist...wenn es einem in Cambodia auf dem Göppel nicht "drum" wäre, dann wird es einem nach spätestens 5 Minuten "drum"! Warum? Eben darum!
Auf jeden Fall haben meine Zuwinkemuskeln an Masse zugelegt ;)
Bei Tante Emma habe ich vor der Grenze noch Frühstück eingekauft. Ich wollte drei kleine Bananen, sie streckte mir drei Portionen Mintshampoo hin! No, Banana please :) unter ihrem Strohdach waren die Bananen eben neben dem Shampoo aufgehängt. Als ich erneut auf die Bananen zeigt, lachte sie und fragte: "Banana okok, shampoo no?". Gib mir jetzt drei Bananen! Auch diese Idee war komplett falsch gewickelt, sie verkaufte sie nur Bundweise, konkret heisst das, ich müsste jetzt 17 Bananen kaufen für ca. 1.50! Was will ich den mit so vielen Bananen? Alle främseln :)
Das Grenzbild zu Vietnam war wie dieses von Thailand nach Cambodia. Ein Casino nach dem Anderen, es ist wie in einer Geisterstadt. Die LED Schriften sind zum Teil kaputt und die Fassaden der Spielhöllen zerfallen vor sich hin. Ich stand vor der Grenze und blickte noch einmal zurück um ein letztes Foto von diesem eindrücklichen Land zu machen und was sehe ich für eine Aufschrift an einem Haus: Good luck! 
Die Ausreise war im Nu über den Tisch, der Herr in Uniform und mit grossem Hut wünschte mir noch ein gute Fahrt. 
Das war also Cambodia! Ein Land, dass ich gerne wieder besuchen möchte...wie soviele andere auch!
 
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Von Teigstrassen bis zu Huehnerkrallen

TV Abend im Schulzimmer...
TV Abend im Schulzimmer...
Einfahrt in Phnom Penh: Für in's Stadtzentrum brauchte ich ca. 1 Stunde, glücklicherweise kam ich in den Feierabendverkehr...ich weiss auch nicht warum aber ich fahre sehr gerne im grössten Chaos. Links und rechts überholende Mopeds, von vorne auf der selben Spur entgegenkommende Mopeds, Trucks und Autos überall!
Würde man dies aus der Vogelperspektive betrachten, kommt mir ein Bild in den Sinn. Früher durfte ich immer mit meiner Grossmutter die Weihnachts "Güetzi" ausstechen, sie sagte immer, ich solle möglichst Platz sparen und z.B. Bei den Zimtsternen mit den Zacken ganz Nahe an den vorher ausgetsochenen Zacken ansetzten. Am Schluss waren da nur noch ganz dünne Teigstrassen zu sehen.
Und genau Das ist es! Ich fahre auf meiner sehr dünnen Spur durch die Stadt, die Zacken sind Hindernisse denen ich blitzschnell ausweichen muss. Vielleicht ist es auch das Gefühl, GANZ auf eine Sache konzentriert zu sein, die Gedanken bündeln sich auf diese dünne Spur und auf nichts Anderes. Den Weg sich probieren einzuprägen ist natürlich Ehrensache.
Bevor ich jeweils in die Stadt fahre schaue ich die detaillierte Karte auf meinem i-Pad an, präge mir alles ein was jedoch meistens nicht funktioniert hehe. Das heisst konkret, ich muss mehrmals anhalten , Vordertasche  öffnen, Position checken und weiterfahren. Oh ich liebe es!! Freue mich schon auf Ho-Chi-Minh City mit 5 Millionen Töffli's!
Jetzt aber wieder zurück nach Phnom Penh. Als ich auf der Brücke über den Mekong fuhr musste ich stoppen. Ich traute meinen Augen nicht, so was habe ich noch nie gesehen. Es wird eine neue, grössere Brücke gebaut, rieeesig, dass sag ich euch! Solch lange Brücken zu bauen sehe ich als grosses Kunstwerk an! Über 30 Minuten hab ich denen zugeschaut und staunte nur. 
Später fand ein hübsches Hostel mit Dachterrasse und Waschmaschine! Während die Wäsche, seit Bangkok wieder einmal gewaschen wird, also von der Maschine ;) gehe ich mit dem Zweirad in die Waschstrasse, der Dreck muss weg! Alle und alles war wieder sauber, ich ging auf's Dach und bestellte mir eine Pizza! Herrlich! Morgen mache ich keinen Strich! 
Daraus wurde nichts, ich habe wieder einmal Karten geschrieben und somit einige Striche. Die Post war auch nicht weit weg und die Dame, welche für die Briefmarken verantwortlich war, gab mir schöne Fischmarken. 30 Marken abgäufern und ich könnte schon wieder eine Pizza vertragen. Da ich für Kambodscha noch sehr viel Zeit hatte,  musste ich ein wenig Planen. Der Plan sah so aus: Auf dem Highway 4 ab in den Südenen nach Sihanoukville zu den Schweizer Auswanderer zu fahren, auf dem Highway 3 wieder zurück nach Phnom Penh und erst dann die Stadt zu besichtigen. Geplant ist schon halb gefahren und am nächsten Morgen ging's los. Gemütliche drei Tage nur geradeaus! 
Bei der Stadtausfahrt habe ich einen Besenverkäufer nach dem Weg gefragt, er zückte den Kugelschreiber aus seiner Hemdtasche und zeichnete den Weg auf seiner Hand ein, jetzt hätte ich noch gerne die Hand! Diese spontane Aktion, seine Hand einfach mal schnell zu bemalen um es mir erklären zu können, DAS sind die Momente die das Reisen mit dem Fahrrad ausmachen. Man trifft auf Menschen und Situationen die man in einem Bus nie erleben würde. Seine Handzeichenung...für mich ganz grosses Kino! 
Bereits um 10.00 Uhr regnete es sehr stark. Bis zu einem gewissen Regenmass kann ich dagegen trotzen doch irgendwann ist genug, wenn die Truck's in einem höllen Tempo an mir mit einem Zentimeterabstand vorfahren und das dreckige Wasser voller Wucht in mein Gesicht spritzt...Dann ist genug! Bei der nächsten Hütte fuhr ich gleich in die offene Stube und die ganze Familie war vor dem Fernseher. Nachdem der Liebesfilm fertig war und es immer noch regnete, zog ich von dannen. Am nächsten Tag zeigte sich die Sonne von ihrer sonnigsten Seite und die immer noch feuchten Kleidern konnten so wieder trocknen.
Das Dauerhupen der Trucks beginnt mich langsam wieder zu nerven...ich muss mir wieder sagen: Das Hupen ist gut! Der Fahrer sagt dir damit: "Hey, du kleines, langsames Zweirad da vorne, ich hab dich gesehen und werde dich in ein paar Sekunden überholen, also mach Platz!". Ja das verlassen der Strasse in Windeseile ist manchmal die einzige Möglichkeit.
Mitten im Nirgendwo war da eine Kaffeebude, fragte mich, ob da wohl überhaupt je ein Bus stoppen würde für Kaffeepause. Ich machte halt und was sich dort abspielte war das reinste Schauspiel. Dort war eine Werkstatt unter freiem Himmel. Als ein grosser, grüner Truck kam waren alle schon parat um in einem enormen Tempo die Schäden zu reparieren. Irgendeine Stange war gebrochen welche neu geschweisst werden musste und der eine Pneu war auch nicht mehr fahrtüchtig. Der Fahrer setzte sich zu mir, trank einen Kaffee und wartete auf seinen Truck mit dem er wieder mit Vollgas und Ohrenbetäubendem Hupen den Highway runterdonnern kann.
Er bezahlte noch meine Coke, klopfte mir auf die Schultern und fuhr davon. Bereits kam der nächste Truckpatient. Ja ich hätte noch lange sitzen bleiben können, doch bevor es eindunkelt musste ich noch was finden für die Nacht. Als es dann bereits dunkel war, weit und breit nur Büsche und Felder waren und die Grillen immer lauter zirpten gab ich nochmals Dampf. Da war einfach nichts! Plötzlich markierten orange, leuchtende Fahnen einen Pfad den Hügel hinauf. Nach ein paar hundert Fahrradschiebemeter erreichte ich ein Kloster.
Die kleinen Mönche zögerten keine Sekunde und rannten zu mir. Der ältere Papamönch kam dazu und bat mir ohne zu fragen das Schulzimmer zum übernachten an. Ja super. Alle waren natürlich neugierig und beobachteten wie ich den ganzen Karsumpel entladete. Und jetzt? Die Mönche gingen zum Gebet und die Familie welche auch hier im Kloster wohnt, zeigte mir was sie hatten: eine einfache Openairküche, ein paar Hühner, ein Moped, ein Fernseher!, Moskitonetzte und Kleider...
Danach wollte sie wissen was ich in meinen Taschen habe: iPad, Telefon, Solarpanel, Kartenmaterial (ja ihr wisst schon was alles sonst noch) und da kam ich mir ein weiteres Mal überladen vor, man bedenke, dass noch eine volle Tasche in Bangkok ruht. Die hatten wirklich nicht viel. Sie gab mir zu deuten, dass ich Duschen könnte wenn ich wolle...was? Duschen? Hier? Sie reichte mir einen Stoffschlauch in den ich mich einwickelte und neben dem Küchenhüttchen richtete sie einen Kübel mit lauwarmem Wasser her.
Unter Beobachtung goss ich mit dem Becher das Wasser über Kopf und Tuch. Also so richtig sauber werde ich dabei nicht, und das Mühsame war, dass ich diesen Knopf im Tuch nicht hinkriegte, somit hielt eine Hand das Tuch und die Andere schöpfte Wasser, gar nicht so einfach!
Aber das Unterhaltungsprogramm glückte und als ich fertig war, zeigte sie mir noch den Seemannsknopf für's Tuch ;)
Kaum umgezogen rufte sie mich in die Küche. Heute sei ein Festtag da ich bei ihnen sei und somit könne ich ein Huhn für das Nachtessen auswählen....Nein, also wegen mir muss sie doch kein Huhn killen. Nichts da, ich solle auf eines zeigen. Mann o mann, die gackern da alle so fröhlich vor sich hin, rennen dem Hahn davon und geniessen es. Nun gut, Hunger hab ich schon... ich setzte mich erstmals auf das Holzbänkli und überlegte auf welches ich denn am meisten Appetit hätte....auf KEINES!!
Eine Entscheidung musste her, und wenn schon denn schon, das fetteste habe ich ausgewählt. Das töten erfolgte durch den 14-jährigen Sohn, er nahm einen Holzstecken und mit voller Wucht, warf er den Stock in Richtung Huhn...daneben, Yes! Gutes Huhn, weiter so! Er schlich sich erneut an und der Stock flieg von neuem in einer höllen Geschwindigkeit zum Gefieder, halb getroffen, uiuiui, jetzt habe ich dann definitiv keinen Appetit mehr auf Huhn. Auf einem Bein und mit halb gebrochenen Flügel probierte Frau Huhn zu fliehen, doch Herr Sohn war natürlich schneller und brätschte noch einmal so Richtig auf den Kopf, jetzt ist's glaub ich tot, oder?
Ja, der Sohn lachte bis zu den Ohren...Essen tot und fertig gespielt für Heute! Im gleichen Zuber wo vorher das Duschwasser war wurde nun das Huhn gerupft und geduscht :) 
Dass sogar die Krallen in die Suppe kommen, habe ich bis anhin nicht gewusst, dort ist ja wirklich nicht mehr viel dran. Wir sassen am Tisch, sie schöpfte mir reichlich Huhn und ich gnagte an den Füssen herum...es war zuwenig schnell, schade, aber gut wars! 
Nach dem Abwasch wollte ich gleich zu Bett, da ich doch ziemlich müde war, ha nichts da, jetzt gibts noch TV zum Dessert und wo stand der TV? Natürlich im Schulzimmer neben meiner Holzbritsche. Sie schauten nicht Nachrichten oder so, nein sie schauten DVD, vier Stück lagen neben dem Player, als der zweite Film fertig war, begriff ich, dass wir alle vier durchrattern lassen.
Um 02.00 Uhr Nachts waren dann die vier Romanzen durch und der kleinste wollte jetzt noch mit den Holzstäbchen spielen. Nein, ich kann nicht mehr und Holzstecken habe ich für Heute auch gesehen, gute Nacht!
Nach einer schwül-heissen Nacht wurde ich um 05.00 geweckt da um 05.30 die Schule beginnt, oh schreck, bin erst gerade eingeschlafen und der kleine war schon wieder mit den Holzstäbchen neben mir, ist der denn nicht müde? Nach einer frittierten Banane war ich parat zur Abfahrt.
Alle Schüler standen um mein Fahrrad und die Mutter, welche ausgezeichnet Huhn zubereiten kann, packte mir noch mehr Bananen in eine Plastiktüte. Als ich ihr was geben wollte, sagte sie nur"no no no!". Einmal mehr durfte ich bei so liebevollen Menschen übernachten und einen winzigen Einblick in ihren Alltag haben. Der eine Lehrer sagte, dass ich bei ihnen jederzeit herzlich willkommen sei...was diese Worte bedeuten können, erfuhr ich erst auf dieser Reise!
Es waren für mich stressige Kilometer bis nach Sihanoukville, das ständige Hupen zerrte an meinen Nerven. Ich fuhr an vier Unfällen vorbei und war froh endlich Sihanoukville erreicht zu haben. Direkt fuhr ich zum Swissgarden. Ein Stück Heimat wartete, juheee. Moni und Peter sind nach Kambodscha ausgewandert und haben hier ein sehr gemütliches Guesthouse. Das Schweizer Fernsehen begleitete sie im DOK "Auf und davon". Am 01.01.2014 kommt auf SRF1: Die Auswanderer ein Jahr danach, schaut doch rein :) oder am besten besucht ihr die Zwei mal, ganz liebe und tolle Menschen...
Was man im Swissgarden alles erlebt und auf wen man trifft koennt ihr im naechsten Blog lesen...der schon bald folgen sollte...wenn Freddy nicht immer drein reden wuerde...ha, immer sind die Anderen schuld ;)
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Tauschgeschaeft: Schweizer Messer gegen Trikot!

Der Tausch des Tages :)
Wie geplant konnten wir pünktlich losfahren, ja der gute Herr hat ja auch eine Schweizer Uhr, dies alleine zwingt ihn schon zur Pünktlichkeit. Wir lösten einen 3 Tagespass für die Tempel... Es gäbe auch 7 Tage!
Schon wenn ich an drei Tage Tempeltour denke wird mir vom Denken her müde. Es ist noch oft so, wenn ich an einen Ort komme, an dem es etwas Kulturelles zu besichtigen gibt, ist dies für mich nicht mehr ein ausschlaggebender Grund an jenem Ort länger zu bleiben. Es interessiert mich schon, aber es ist ebenso spannend irgendwo am Strassenrand zu sitzen und das Leben und die Leute zu beobachten...gibt mir irgendwie viel mehr Einblick in das Land und die Kultur! Auf meinen Strassenkarten ist immer ein rotes Sternchen eingezeichnet wo es etwas zu sehen gibt, z.B. Tempel, Tower und Aussichtspunkte...dort trifft man auch immer auf die Touristen. Bin ja auch eine, eine Fahrradtouristin :)  
Doch was ist z.B mit dem Cafe in der Pampa wo nebenan Lastwagenmechaniker unter der glühenden Sonne in Höchstgeschwindigkeit Reparaturen vornehmen, ein Schauspiel dass sag ich euch! Oder der Coiffeur in dem kleinen Dorf wo in seiner Strohhütte den Kunden noch ohne Spiegel einen frischen Schnitt verpasst oder bei dem kleinen See wo die Fischer abseits der Strasse ihre Netze mit gekonntem Schwung ins Wasser werfen. Habe diese Orte nun mit dem Kugi blau eingezeichnet. Es sind Orte die ich dank dem Fahrrad sehen konnte!
Nun aber zurück zu den Tempeln :) Alleine das Kaufen der Tickets war eine reife Theaterszene. Ja tatsächlich kann man von einem Ticketschalter zig Fotos machen, links der Gouverneur Thongchai mit Helm, in der Mitte der Ticketkontrolleur in Uniform und rechts Thesi mit der Ortliebtasche, ein super Foto, naja das "no smoking" Plakat im Hintergrund ist einiges schärfer als wir drei...Herr Apai hat fokussiert! 
Ankor Wat, wörtlich übersetzt: Himmel auf Erden. Der Anblick dieses riesigen Tempels ist wirklich umwerfend. Der Ankor ist ja überall abgebildet, auf den Geldscheinen sowie auf der Bierdose einfach überall, DER Nationalstolz. Der Tempel ist aus Sandsteinblöcken gebaut, welche aus dem 50km! entfernten heiligen Berg abgebaut wurden und mit Flössern den Fluss hinab bis nach Siem Raep gebracht wurden. Man sagt, dass ca. 300'000 Arbeiter und 6000 Elefanten am Werk waren. Unter der Macht von König Suryavarman II. im Jahre 1113 soll Ankor Wat erbaut worden sein. Also über Ankor Wat könnte man Bücher lesen, mein Geschichtsstunde ist nun zu Ende :)
Beim ersten Tempel hatte Mister Apai die Besichtigung auf eine Stunde limitiert, jaja wenn wir sein ganzes Programm durchmachen dann kann man nicht herum trödeln! Zackigen Schrittes ging er voraus und schon bald war er hinter den Mauern verschwunden. Herr Thongchai fotografierte Stein um Stein...1 Stunde? Bei so vielen Steinen? Zu knapp!! Nach 10 Minuten kam uns Mister Apai entgegen, er hat seine Runde gedreht und wartete mit einer kühlen Cola bei den Fahrrädern. Ich hab's dann auch bald gesehen und nach 90 Minuten war der gute Thongchai immer noch nicht da. Apai ging ihn nun suchen da wir schon arg im Verzug waren. Apai wieder hinter den Mauern, Thongchai kam raus, na bravo, aber ich sag's ja: Bühnenreif, Auf und Abgang klappt schon perfekt!
Als unsere Gruppe von drei Personen eeendlich wieder zusammen war, setzten wir die Tour fort und fort und fort...volle 8 Stunden, das ist anstrengender als ein Fahrtag. Beim Nachtessen wurde dann reichlich bestellt: einmal quer durch die Kambodschanische Küche und Apai trinkt Bier, Thongchai trinkt Tee, Tee sei besser für die Gesundheit, ach so! Als er mit dem Spruch der Gesundheit kam, zündete Apai den Tabak in seiner extra kleinen Holzpfeife an :)
Völlig erschlagen war ich im Bett und stellte ein weiteres Mal innerhalb von 2 Tagen das zweite mal den Wecker. Wecker stellen...seit Monaten nicht mehr gemacht. Auf dem Handy steht dann immer in wieviel Stunden und Minuten es klingeln wird: 6h 24min, oh schreck, aber beim Ankor ist man ja von tausenden von Göttern umgeben, die sollen mir nun einen Powerschlaf schicken!
Gestärkt mit Fruchtsalat ging's los: Tempeltour zum zweiten. Doch beim Eingang an der Ticketkontrolle gab es schon wieder Cabaret.
Der nervöse Mister Apai findet sein Ticket in Hundert Stücke zerrissen in seiner Trikottasche wieder. Er habe gestern noch Handwäsche gemacht und das Ticket völlig vergessen. Bevor wir jedoch Puzzeln und Kleben, versuchte er es mit dem Verständnis des Kontrolleurs. Der hat leider keines und Mister Thongchai ist Puzzeln zu langweilig und kurzerhand ist ein Neues für 40$ gekauft. Er ist total happy mit dem neuen Ticket, strahlte übers ganze Gesicht und nun kann's doch noch losgehen. 
Was soll ich schreiben? Es war ein langer Tag. Hab vieles gesehen, vor allem Tempel und Touristen. Herr Thongchai hat sich mehrmals verlaufen doch stets fand er einen Tempelwächter der ihn mit dem Töffli zu unserem Treffpunkt zurück chauffierte! Als ich mit einem Deutschen Paar ins Gespräch kam, waren sie sehr fasziniert von meiner Reise, sie wollten es kaum wahrhaben :) Sie haben zwei Töchter, welchen sie gleich meine Homepageadresse schickten, damit sie meine Geschichten lesen und sich inspirieren lassen sollen hihi, so herzig :) 
Für einmal habe nun ich die Zeit vergessen und die zwei warteten schon draussen...bei Tee und Bier. Dies war also Tag Nummer zwei und wir sind uns alle einig, dass es nun gut ist. Tempeltag drei wird also offiziell gestrichen. Ankor Wat... ein unbeschreibliches Areal, diese gigantische Grösse hat mich sehr beeindruckt doch es sind wohl eher die kleinen Dinge die mir in Erinnerung bleiben werden...z.B. das Moos, welches sich über tausende von Jahren über die Steine zog oder der kleine Bub der auf den Baum kletterte um Riesen-Käfer zu pflücken oder die junge Frau welche mit dem Beil den ganzen Tag Kokosnüsse für Touristen trinkfertig macht...
Wie jeden Samstagabend gibt Beat Richner ein Konzert im "Kantha Bopha Chlidren's Hospital" in Siem Raep. Der Saal war beinahe voll. Ganz bescheiden sass er mit seinem Cello auf der Bühne und spielte Bach. Er erzählte vom Aufbau der Spitäler und über die Situation der Kinder in Kambodscha. Es war sehr beeindruckend und aufwühlend. Am 30. November 2013 gibt er übrigens ein Konzert im Grossmünster in Zürich. 
So, die zwei Herren fahren Morgen mit dem Bus in die Hauptstadt Phnom Penh. Sie wollten für mich auch gleich ein Ticket lösen haha, aber nein ich habe doch Zeit und freue mich auf die paar Hundert Kilometer. Der Abschied war nicht leicht, hab die zwei ins Herz geschlossen.
Zum Abschied schenkte mir der Gouverneur ein Trikot, ha nicht irgendeines...in seiner Provinz gibt es einen Fahrradclub, dort fährt er natürlich auch an vorderster Front, und solch ein Trikot von dem Club "Trang" hat er mir geschenkt. Zum Glück hatte ich noch ein kleines Schweizer Messer dabei, welches ich ihm schenken konnte, somit machten wir einen Tausch. Er meinte, dass ich immer Herzlich Willkommen sei bei ihnen, dies rührte mich dann doch noch zu Tränen! Bis Heute schreiben mir die zwei regelmässig Mails und fragen ob bei mir alles ok sei :) 
So und jetzt brauche ich noch einen Ruhetag, Schlafen so lange es geht und Blog schreiben...bin ja ziemlich im Verzug...es ist immer so viel los und manchmal habe ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass ich mit all den Eindrücken und Erlebnissen ein bisschen überfordert bin.
Voller Motivation und mit neuem Trikot fuhr ich am nächsten Tag ein weiteres Mal los. Und wieder ist es so, kaum sass ich auf dem Rad war ich am zuwinken, das ist einfach unglaublich. Dies probiere ich Zuhause mal aus, ich werde durch Spiez fahren und jedem zuwinken, ha das wird ein Spass werden und ich bin gespannt wie die Leute reagieren :)
Am zweiten Abend war da im Nirgendwo plötzlich ein Guesthouse. Es sah aus wie ein Gespensterhaus, der Balkon war überwuchert von Unkraut, überall hatte es Katzen und ein mächtiges, grosses, verrostetes Gittertor bietet gwundrigen Gästen Eintritt.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier je Gäste hat, ausser vielleicht Fahrradfahrer oder Wanderer, doch wer wandert schon auf Kambodschas Highway?! Ganz komisch. Nun gut die junge Frau kam gleich aus dem Haus und begrüsste mich freundlich. Sie zeigte mir das Zimmer im oberen Stock...für 3$ ganz ok, die Toilette funktionierte zwar nicht doch der Ventilator ist mir fast wichtiger und der drehte seine Runden.
Sie sagte gleich, dass ich doch runter kommen soll um ihr ein wenig Gesellschaft zu leisten. Sie kochte frischen Reis und Huhn. Ein Motorrad fuhr gleich per Rampe ins Haus hinein und der Cowboy entlädt zuerst all seine Waffen und zog sein durchschwitztes T-Shirt aus. Mein Blick checkte ein Tatoo nach dem Anderen. Der war voll von Totenköpfen, Drachen, Monstern und sonstigen Zeichen. Mann o mann wo bin ich denn hier gelandet?
Das Essen war beinahe fertig doch zuerst müssen noch die Käfer und Ameisen vom Boden weggewischt werden. So sassen wir zu dritt auf dem Boden und assen ohne grosse Worte das Huhn. Die beiden starrten mich an, ich starrte kurz zurück und ohne den Blick zu weichen biss ich ins saftige Huhn, sie begannen zu lachen und das Eis, respektiv das Huhn war gebrochen :) 
Als der Herr fertig war mit essen setzte er sich vor den TV. Sie erklärte mir, dass es ihr Vater sei und sie hier mit ihm wohne. Sie fühle sich jedoch so einsam und freue sich sehr über mein kommen und ich solle doch noch länger bleiben. Ich fragte sie nach ihrer Arbeit und was sie denn den ganzen Tag über mache. Sie schaue zum Haus und koche für ihren Vater. Es sei ihr aber oft langweilig doch sie könne (evt. dürfe?) nicht in die Stadt um zu arbeiten. Ich hab diese Geschichte noch nicht ganz durchschaut.
In meinem Zimmer mit Gitterstäben vor den Fenstern traute ich das Licht nicht mehr anzumachen. Alleine das summen der Mücken war furchterregend. Auf dem Bett hatten die Viecher wohl gerade einen Unterhaltungsabend.  Eingepackt im Seidenschlafsack versuchte ich alles zu ignorieren und mich auf die Brise des Ventilators zu konzentrieren...der hatte wohl genug von meiner Konzentration und stieg aus. Der Schweiss läuft mir runter und das Einschlafen ist nicht umsetzbar. Ich will nach Hause, sofort, jetzt auf der Stelle! 
Das rattern des Gittertores bringt mich auf andere Gedanken. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Der Vater fuhr  um 02.00 Uhr Nachts davon, wohin geht der wohl? Als ich wieder ins Bett gehen wollte sah ich weiter drüben auf dem Feld drei schwache Lichter die sich bewegten. Jetzt wird die Nacht doch noch spannend! Wenn ich doch nur ein Fernglas oder noch besser ein Nachtsichtgerät hätte. Ungefähr eine Stunde lang beobachtete ich die Lichter, es waren sehr wahrscheinlich Fischer oder Schlangenfänger oder so was. Hoffentlich wird es bald wieder hell, damit ich weiter kann. 04.00 Uhr, ich hörte ein wenig Musik und wartete auf den Morgen. Wieviele Menschen gibt es wohl die Nachts nicht schlafen können? Und dies vielleicht über Jahre hinweg? Die müssen vieeel Geduld haben, die Nacht kann sehr lang sein ohne Schlaf. 
Schon in der Morgendämmerung habe ich alles bepackt und bin parat. Die 27-jährige Frau schaute mich an und sagte, dass sie traurig sei, weil ich schon wieder gehe. Oh, das tut mir so leid. Ihr Leben scheint mir sehr schwierig zu sein, ich sehe zwar nicht dahinter doch ich habe einfach diesen Eindruck. Sie begleitete mich zur Strasse und winkte noch lange nach...ich hab's im Rückspiegel gesehen. 
Die Temperatur stieg wieder auf 40 Grad und immer öfters machte ich Pause, war müde.  Als ich da wieder in einem Strohhüttchen sass, flippten die beinahe aus. Sofort wurde eine Horde Menschen zusammen getrommelt. Eine Frau drückte mir ein Telefon in die Hand: "Hello?" und am anderen Ende begann es endlos zu quasseln. Kein Wort habe ich verstanden doch alle rundherum hatten was zu lachen. Somit telefonierte ich 5 Minuten mit einer unbekannten Person ohne ein Wort zu verstehen und dies irgendwo auf dem Highway zwischen Siem Raep und Phnom Penh. Ab solchen absurden Situationen kann ich auch nur lachen hihi.
Die letzten 70 Kilometer bis in die Hauptstadt waren ziemlich staubig und sandig. An den Strassenrändern gibt's überall Snackbuden mit frisch gebratenen Spinnen, Vögeln, Maden und Würmern. Die kleinen Schnecken die zuvor im Salzwasser gekocht wurden stehen hoch im Kurs, das sind die Gewinner, sie werden mit Holzstäbchen aus dem Schneckenhaus gepult. Aber nicht dass ich euch nun Ideen für ein Weihnachtsessen gegeben habe?!
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Radeln mit dem Gouverneur von Thailand...

Die Schildkroete gewinnt jetzt dann einen Preis!!!
Die Schildkroete gewinnt jetzt dann einen Preis!!!
Während an der Grenze der eine Polizist auf mein Fahrrad aufpasst, füllt der Andere drinnen im Häuschen das Visum aus. Schön brav warte ich vor der Glasscheibe und sehe wie sich langsam aber sicher um mich herum eine Pfütze bildet...ja eine durchnässte, tropfende Radlerin sollte man nicht zu lange warten lassen, falls doch, muss die in der Hängematte dösende Putzfrau wieder geweckt werden um das Nass zu trocknen! Im nächsten Häuschen wird ein Foto zur Registration gemacht und jede Fingerbeere eingescannt... Welcome to the Knigdom of Cambodia!
Ein Land, welches überhaupt nicht auf meiner Planung war, umso grösser ist nun die Neugier. Schon bei der Grenze war der Ankor Wat in Miniaturform über die Strasse gebaut. Bei den vorgängigen Länder habe ich Reiseberichte gelesen, mich über Politik, Religion, Geschichte und Strassenzustand informiert. Doch über Kambodscha weiss ich praktisch nichts, doch halt, ich weiss, dass eben dieser riesige Ankor Wat hier steht und das der Schweizer Arzt Beat Richner hier einige Kinderspitäler aufgebaut hat, und den Rest werde ich wohl schon noch herausfinden, jupi ich freue mich auf diesen Monat.  
Es regnete auch in Kambodscha! Vieel Regen Heute! Ich steige ab und überlege mir was ich nun tun soll. Auf der anderen Strassenseite sehe ich ein Hotel, vor mir ein Wegweiser: 152km bis Siem Raep. Soll ich noch ein bisschen weiterfahren? Oder einfach ganz faul gerade hier bleiben? Ich entschied mich für's faul hierbleiben :)
Die gute Mamselle vor dem Eingang des Hotels schaukelte gemütlich in ihrem Schaukelstuhl und lachte übers ganze Gesicht. Es übernachten wohl nicht besonders viele Touristen hier und ihre Freude war gross über meinen Entscheid ein paar Dollars hier zu lassen. Doch als sie die Schildkröte am Fahrrad entdeckte, strahlte sie noch mehr und das schimmernde Dollarzeichen in ihren Augen wandelte sich zu einem wahren funkeln. Mit ihrem brauen Pjiama nahm sie den Schwung des Schaukelstuhls gleich mit und stand im Nu auf ihren wackeligen Beinen und drückte auf dem Hupi rum. Die alte Dame kicherte ein wenig verlegen und die Kröte bekam unzählige Male auf's Dach über.
Dies lockte dann einige Mitarbeiter, den Besenverkäufer von der Strasse und den Koch aus der Küche an. Während ich mein Gepäck mühsam die viel zu enge Treppe hochschleppte, vergnügten die sich da unten mit meinem Hupi...und Morgen wird es dann so sein, dass die Schildkröte von Übelkeit geplagt ist und ich nur langsam und ganz vorsichtig fahren darf...es wird ein langer Tag, mamma mia! 
Das Zimmer war die totale Absteige! Auf der durchgelegenen Matratze krabbelten ein paar Käfer im Kreis herum, durch das Fenster, welches keine Scheibe hatte stieg der Fischgeruch hinein und wanderte bis in die letzte, unterste Ecke in meinem Gepäck. Im Bad waren die Wände grau-braun gefärbt von wachsendem Schimmel. Im Aschenbecher lag eine ausgedrückte Zigarette die nicht ganz zu Ende geraucht wurde und den Blick unters Bett nach allenfalls noch anderen hier hausenden Tieren ersparte ich mir. Nach einer kalten Dusche im schimmelnden Bad freute ich mich auf ein feines Essen auf der Strasse. Gleich links um die Ecke war ein Tischlein deck Dich unter einem gelben Regenschirm mit Ausblick auf den regen Verkehr umhüllt von Abgas.
Wenn man jetzt die ganze Situation mit viel, sehr viel Humor nimmt, kann es durchaus gemütlich sein, alleine eine süssliche Hühnerfleischsuppe mit schwimmenden Ananasstücken zu schlürfen. Und im schimmelnden Zimmer wartet bereits die krabbelnde Truppe auf Gesellschaft. Alles eine Einstellungssache ;) 
Zugegeben in solchen Momenten wünschte ich mir sehnlichst einen Reisepartner, dieses Gefühl kommt sowieso je länger je mehr auf. Heute macht es mir nichts mehr aus, alleine in ein Restaurant zu sitzen, zu bestellen, alleine auf das Essen zu warten, ohne mich ablenken zu müssen, alleine Essen, noch ein bisschen zu sitzen und wieder zu gehen.
Am Anfang hat mich aber genau dies auch Überwindung gekostet. Kommt man, also eben Frau alleine in ein Restaurant und beobachtet die Leute, bemerkt man, wie ihre Blicke nach dem gleich folgenden Herr starren, kommt da aber keiner, starrt man noch offensiver auf Frau! Habe mir angewöhnt auch in die Offensive zu gehen und freundlich zu sagen: "Hello everybody, how are you today?".
Und die Stille wird sofort durch eine Antwort oder ein Lachen gebrochen. Wenn ich mich erinnere, wenn wir Zuhause auswärts essen gehen, zieht sich die Bestellung oft in die Länge haha, Sie: "Was nimmsch Du?", Er: "Hmm, i gloube... i nimme d Späckrösti, u Du?", Sie: "i weiss es no nid, söll i äch das Kaninchenfilet im Kräuter-Brotmantel näh? Dert gäbs drum no gschmorti Brotwizwiebele derzue mmm". Er: "i bstelle afe es Bier!". Sie: "oder sölli äch glich ou die Späckrösti nä, tönt ou  no guet, hmm, cha mi eifach grad nid entscheide, so viu feini Sache stöh uf dere Charte!". Die Serviertochter steht mit dem Blöckli parat, noch schnell blättert man noch eine Seite weiter um auch ja nichts übersehen zu haben und dann Sie: "Also i nimme jetzt gloub doch das Kaninchenfilet, ja". Er: "Für mi d Späckröschti bitte!".
Hier in dieser Strassenküchen in Poipet bin ich keineswegs mit der Bestellung überfordert, es gibt ja auch nur das Eine! Hühnersuppe mit Ananasstücken!
Ich habe gelernt auf das Essen zu warten ohne etwas zu tun oder zu sprechen. Irgendwie habe ich mich auch schon daran gewöhnt und doch freue ich mich jetzt schon gaanz fest in Gesellschaft zu sein. Bis es jedoch so weit ist, geniesse ich das zackige, einfache Bestellen hahaha.
Am nächsten Tag war Freddy schon früh gesattelt, und wir beide waren gespannt auf die Strasse und die Menschen. Zur Strasse: ein relativ grosser Unterschied zu Thailand, zum Teil sehr staubig, sandig und dreckig und zum Teil nahezu perfekter Asphalt sogar mit Leitlinien!
Zu den Menschen: einfach unglaublich! Alle winken einem zu, alt und jung und johlen helloooooo, die Kinder rennen mir teils nach oder springen in die Luft. Um 07.00 Uhr bin ich losgefahren um 12.00 machte ich Mittagspause...ich lachte 5 Stunden nonstopp an Menschen zu oder winkte. Also wenn jemand schlechte Laune hat...dann packt das Fahrrad, und radelt einen Tag in Kambodscha, dann geht es einem wieder gut!
Das ist jetzt kein Witz aber zwischendurch musste ich meine Backen richtig mit Luft füllen, so wie ein Ballongesicht um die Lachmuskeln zu entspannen, das ist mir jetzt doch noch nie passiert, da kann man bestimmt zusehen wie sich Lachfalten bilden und auch bleiben, einfach unglaublich. Ja ich habe beinahe vergessen, dass ich radle, hatte ja ständig was zu tun mit zurückwinken.
Am Nachmittag erblickte ich bei einem Holzhüttchen zwei Tourenvelo und zwei schlafende Herren in Radlerhosen und Trikots in den Hängematten. Ihr Schlaf war wohl nicht sehr tief, da mein ausklappen des Veloständers sie glatt geweckt hat. Zwei Thailänder die von Bangkok aus nach Siem Raep fahren um den Ankor Wat zu besichtigen. Der eine bestellt gleich Reis mit Chicken für mich und meint ich müsse essen damit  wir nachher zusammen weiterfahren können, somit wäre der Windschatten auch länger gegeben pro Person, hää?
Was meint er jetzt genau...fahren die wohl so schnell, dass ich noch eine sofortige Reisenergiebombe brauche? Doch bevor ich Nachfragen konnte döste er bereits wieder in der Matte und ich schaufelte Reis mit Huhn. Er bezahlte dann auch gleich für mich und ihre Fahrtechnik wurde mir erläutert. Exakt alle 5 Kilometer wird der Leader gewechselt und gefahren wird in einem durchschnittlichen Tempo von 17kmh! Huch in was für einem Rennen bin ich den jetzt gelandet?
Ich find's lustig und 17kmh tönt auch ziemlich entspannend, konkret hiess dies, 2 Gänge runterschalten und das fahren im optimalen Windschlauch lässt mich völlig zur Ruhe kommen, da ich praktisch nichts mehr tun muss hehe. Uups, jetzt habe ich vergessen wann die 5km auf meinen bereits gefahrenen beginnen um dann pünktlich zu wechseln, ja der Mister Leader wird's mir dann schon zu merken geben :) 
Schon radelte ich an der Spitze und drückte ein bisschen schneller in die Pedale, bei 23kmh kam dann auch schon die Anweisung von hinten, das Tempo ein wenig runterzuschrauben, oh ja entschuldigung ahahaha! Nach hargenau 5km wird wieder gewechselt und nun habe ich beste Aussicht auf zwei radelnde Füdlis. Ich könnte laut hinauslachen, kann mich kaum beherrschen ;) Was auch seltsam ist, dass der eine so viele Taschen hat und der Andere praktisch nur eine.
Was auch noch zu erwähnen ist, dass wir unzählige Male stoppen um Fotos zu machen, eben ca. alle 5km! So ein Foto zu machen braucht selbstverständlich auch Zeit und meistens ist der Lichteinfall ein paar Meter weiter vorne noch besser. Der Eine wollte, dass der Andere immer Fotos von ihm macht, dieser hatte es aber mit dem Fokussieren nicht so im Griff, sodass der Hintergrund stetig schärfer war als der lachende vor der Linse stehende Thai. Jedes Foto wird 3x gemacht um Zuhause das Beste auslesen zu können. Das mit dem Fokussieren war bei ihm reine Glückssache :) Kaum zu glauben aber wir haben immerhin 101 km geschafft...dass war bestimmt das Windschattenfahren! 
Beim Nachtessen kamen wir endlich ins Gespräch. Der kleine Mister Apai erklärte mir das der grosse Herr der neben mir sitzt eben der Gouverneur der Provinz Trang in Südthailand sei, Mister Thongchai. Mister Apai ist sein persönlicher Begleiter und wohl auch Materialschlepper :) Dafür bezahlt Herr Gouverneur alles, sogar mein Essen!
Die zwei sind ein Superteam und es ist sehr amüsant mit den Beiden. Auch beim Essen, der Eine sehr gepflegt und mit viel Stil stets oben am Tisch sitzend und  der andere noch im Trikot ihm eilend die Speisekarte vorlesend und das erläutern der Daten für den nächsten Radeltag, zum gröööööle!!!
Das ist natürlich auch meine Chance mehr von Thailand zu erfahren. Am meisten erzählte er vom König. Es sei ein sehr guter König und sie hoffen, dass er noch lange Lebe, er sieht ihn regelmässig und er zeigte mir Fotos auf seinem iPad wie er mit ihm beim Nachtessen sitzt. Was er sonst noch alles erzählt hat, wäre viel zu viel um hier niederzuschreiben. Ich fragte ihn ob er schon in der Schweiz gewesen sei. Ja klar, er ging einmal nach Genf um sich eine Uhr zu kaufen :) und er meinte, wenn er ein nächstes Mal in die Schweiz komme ob ich ihm denn was zeigen könnte... Siicher z.B. eine organisierte Pedalofahrt auf dem Thunersee mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4kmh ;)
Das durchdachte Fahrradfahren ging am nächsten Tag so weiter bis nach Siem Raep. Zu dritt werden wir die nächsten zwei Tage mit dem Fahrrad den Ankor Wat erkunden und bestimmt 100erte Fotos mit perfektem Licht und optimaler Fokussierung machen.
Für mich ist dies natürlich super mit diesen Herren...Ist vielleicht auch ein wenig mühsam, zu organisiert, andere Ansichten...aber eben: Alles eine Frage der Einstellung hehe, der morgige Plan: 06.30 Aufstehen, 07.00 Frühstück, 07.30 Abfahrt und Mister Apai hat bereits eine 35km lange Tempelroute zusammengestellt, ja dann Gute Nacht!
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Ein kleines, rosarotes Zettelchen...

Ja Fabienne ist abgereist und ich werde Heute auch Abreisen, respektiv Weiterreisen tönt doch viel schöner! Mein Gepäck ist auch um einiges leichter...viele Geschenke für Mama, also alles kleine Dinge wie z.B frisches Gewürz aus Usbekistan konnte ich nun endlich nach Hause geben. Die grosse Tasche, welche stets auf meinem Gepäckträger ruht konnte ich bei einer sehr netten, alten Dame in Bangkok unterbringen. Sie hortet nun einiges Material für mich wie z.B.  Zelt, Schlafsack, Kochmaterial, Veloschuhe (hab Sandalen angeschafft;) und sonst noch so Krims Krams. Im Januar hole ich es dann wieder ab. Vielleicht fragt ihr euch jetzt: "wie hast du denn die gefunden?". Ganz einfach, sie ist bei warmshowers registriert, eine Plattform im Internet wo unkomplizierte Menschen an unkomplizerten Tourenfahrern gratis einen Schlafplatz anbieten und natürlich auch eine warme Dusche. Die gute Lady ist schon ein wenig in die Jahre gekommen und unterrichtet noch Englisch an einer Schule, nebenbei erlernt sie mit bald 70 Jahren das Fahrradfahren und dies in Bangkok...Respekt!
So mein Fahrrad zählt jetzt zur Leichtgewichtsklasse. Somit bin ich nach 2 Stunden und exakt 2 Minuten am Flughafen vorbei gedüst, also beinahe gleich schnell wie ein Taxi! Und wieder einmal war es einfach nur toll durch die Stadt zu fahren. Irgendwie ist es unbeschreiblich im Fluss des Verkehrs sich seine Bahn zu suchen. Beim Rotlicht gibt es immer eine winzige Verschnaufpause und einen kleinen Schwatz mit dem Töfflifahrer der gerade neben mir, mit seinen weit aufgerissenen Augen unter seinem farbigen Helm hervorlugt.
Die Weiterfahrt war dann überhaupt nicht lustig. Mir fuhren unzählige Rescue Autos mit Blaulicht vor, beladen mit Nahrungsmitteln, kleinen Booten, Kleidern und Trinkwasser. Obwohl die Überschwemmungen langsam zurück gehen sind immer noch unzählige Menschen von der Strasse abgeschnitten. Das Material wurde mit den Booten zu den Hütten getuckert. Teils radelte ich Knöcheltief (auf den Pedalen!) im dreckigen Wasser.
Ich probierte rauszufinden ob die Überschwemmungen dieses Jahr denn schlimmer seien als Jahre zuvor. Doch jeden den ich fragte, meinte es sei immer etwa gleich, doch ein älterer Herr meinte es sei immer gleich weil sie nicht merken, dass es jedes Jahr ein wenig mehr ist...
Es war dann auch nicht ganz einfach eine Unterkunft zu finden, doch ein weiteres Mal hatte ich Glück und fand ein einfaches Zimmer, wo es zwar innen noch extrem feucht war aber zumindest Wasserlos. Das Duschen liess ich gleich bleiben :) 
Es galt wieder früh aufzustehen um die morgendliche Kühle zu nutzen...ha schlechter Witz! Es ist schon früh Morgens heiss und feucht. Ohne einen Meter weit zu fahren bin ich einfach pflotschnass. Während dem Fahren ist es am kühlsten, der Wind trocknet den Schweiss doch bevor das Salz ganz eintrocknet kühlt es noch ein wenig ab. Trotzdem habe ich gewisse Mühe weiterzukommen, habe ständig Durst und ca. alle 20km muss ich pausieren.
Zwei Wochen ohne Rad ist schon spürbar, fahre auch in einem tieferen Gang, doch etwas ist genial: meinem Knie geht es ausgezeichnet und es dreht schön seine Runden, brav so! Als ich an einer Tankstelle einen weiteren halben Liter Tee trank, kam ein Amerikaner zu mir und warnte mich vor dem Verkehr. Ja, es ist wahr, die Tempolimite ist bei einigen einfach nur Beilage. Je länger ich fuhr desto unwohler wurde es mir, doch dies hatte auch noch einen anderen 
Grund...
Morgen werde ich an dieser Stelle vorbei fahren wo im Februar dieses Jahres ein Britisches Paar ums Leben kam. Mary Thompson und Peter Root sind 2011 von Zuhause aus losgefahren. Sie wollten mit ihren Fahrrädern die Welt umrunden...in Thailand fuhren sie die letzten Kilometer...
Sie wurden von einem Lieferwagen angefahren, der Fahrer wollte den Hut vom Boden aufheben und der Wagen fuhr unkontrolliert weiter...
Am Abend lag ich in meinem Bett, konnte nicht einschlafen und dachte an die zwei. Ich besuchte noch einmal ihre Homepage, habe die letzten Blog's gelesen und Bilder von ihrem Abenteuer angeschaut. Die Nacht zog sich in die Länge und zum Einschlafen brauchte ich nun definitiv Musik. 
Am nächsten Morgen stieg ich dann auf's Fahrrad und ich fühlte mich ganz komisch. Es tut mir einfach unendlich leid, dass ihr Traum auf diesen Kilometern so enden musste. Dachte die ganze Strecke nur an sie und ihre Familien. Ich fuhr total unsicher, ehrlich gesagt hatte ich ein wenig Angst. Doch dann geschah das unfassbare...
Ein Wagen hielt ca. 500 Meter vor mir an und gab mir ein Zeichen, dass ich anhalten solle. Was will er wohl? Warum hält er jetzt hier und Heute? Wie wild und ganz nervös suchte er etwas in seinem Auto. Er nahm einen kleinen, rosaroten und halb zerrissenen Zettel hervor, zueckte den Stift aus seiner weissen Hemdtasche und kritzelte auf der Motorhaube etwas auf den Zettel.
Er schaute mir tief in die Augen und drückte ihn in meine Hand...mit zittriger Schrift standen zwei Wörter darauf: Good luck, viel Glück... Wie angewurzelt stand ich vor ihm, und die Tränen rollten mir übers Gesicht, was soll ich dazu noch sagen??
Er stieg ins Auto und fuhr davon. Das war in der Tat einfach ein magischer Moment! Sorgenlos und total sicher fuhr ich weiter, denn ich wusste, das Glück  fährt mit und es zeigte mir einmal mehr, dass es so unendlich wichtig ist, einfach das Vertrauen und Respekt zu haben. Respekt vor der Strasse, Respekt vor den Menschen...doch die Angst  ist hier am falschen Platz.
Ab sofort sagte ich mir, wenn die Angst auf Besuch kommt, sage ich Hallo zu ihr und schicke sie einfach schon mal voraus. Aber sie kommt ja sehr, sehr selten vorbei, wohl nur damit ich sie nicht vergesse, oder so. An meinem Lenker ist ja ein kleines Schutzengeli von Mama, da dachte ich mir so...die Engel flogen gerade über Thailand und sahen die kleine Radlerin die Angst hat, da haben sie wohl zusammen gelacht und zueinander gesagt: "Du schick der mal einen vorbei mit einem Zettel, sonst kommt die Heute nicht mehr an, so wie die im Schildkrötentempo dahinrollt". 
Und es kam noch ein weiterer Gedanke auf... es ist einfach nicht selbstverständlich, dass bis jetzt immer alles gut ging und ich überlegte mir ganz bewusst: "wenn du jetzt wissen würdest, dass dein Leben in einer Stunde fertig wäre, was möchtest Du noch tun? ich möchte gerne jenen Menschen Danke sagen, mit denen ich in letzter Zeit vielleicht nicht so viel Kontakt hatte, die aber vieles für mich getan haben".
Mary und Peter wollten vielleicht vielen Menschen noch was sagen und konnten einfach nicht mehr.
Also, gesagt getan und ich fand nach ein paar Minuten eine Reisbude mit Wifi und schrieb einige Mails, ist zwar ein bisschen Plump sich nach langer Zeit einfach in einem Mail zu bedanken, hätte ich wohl schon früher tun sollen, aber lieber spät als gar nie!
Nun fuhr ich bereits die letzten paar Kilometer in Thailand, doch im Januar gibt es noch eine Fahrt von Chiang Rai, im Norden bis nach Bangkok, juhee noch einmal Bangkokfahrt! Freue mich jetzt schon darauf :)
Viele von Euch waren vielleicht auch schon in Thailand in den Ferien, ist ja auch super günstig und überall nette Menschen, schöne Strände und gutes Essen. Klar gibt es auch eine andere Seite...man wird oft über's Ohr gehauen...ohne es gross zu merken.
Doch mit dem Fahrrad durfte ich noch ein anderes Thailand sehen und erleben, z.B. die Fahrt durch ein abgelegenes Fischerdörfchen wo sonst nie ein Touribus durchfährt, das war schon ganz speziell zu sehen wie die Einheimischen auf einen ausserirdischen Stahlesel mit einer Ausserirdischen oben drauf reagierten :) 
An meinem letzten Fahrtag vor der kambodschanischen Grenze regnete es schon um 08.00 Uhr in Strömen. Den Regenschutz habe ich in Bangkok gelassen, weil ich es kaum aushalte in der Plastikhülle.
Wuerde ja schon nass vor schwitzen in die Regenmontur einsteigen muessen, nein so was brauch ich nicht. Da werde ich lieber durchregnet, ist dann eh kühler zum fahren und es ist doch auch ein gutes Gefühl sich nicht vor dem Regen schützen zu müssen. Zuhause ist ja das Wetter eh immer ein grosses Thema, muss ich Morgen wohl den Schirm mitnehmen zur Arbeit? Ahahaha, auch diese Blidchen in den Zeitungen mit den Wölkchen und Regentröpfchen schauen wir uns doch immer sehr gerne an um unser Programm zu planen.
In meinem jetzigen Alltag ist das ziemlich simpel, ich radle einfach, wenn's windet bin ich entweder schneller oder langsamer, wenn's heiss ist wird's dann schon wieder kühler und wenn's regnet radle ich eben nass bis der Wind oder die Sonne oder eben gar nichts, mich und die Kleider wieder trocknet...einfach immer schön weiterfahren, langsam oder schnell? Spielt doch keine Rolle :)
Somit treffe ich tropfend an der Grenze an, wo die Touristen vom Bus bis zum Check Point einen Sprint hinlegen um möglichst keinen Regentropfen abzubekommen, hihi ich geniesse das Schauspiel und amüsiere mich herrlich.
Das Visum für Kambodscha sollte ich gleich hier an der Grenze bekommen, ja so einfach könnte es sein doch es gibt auch Länder für die man einen regelrechten Visummarathon hinlegen muss. 
Ein weiteres mal sage ich der perfekten Thaistrasse tschüss und bis in ein paar Monaten...
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Wenn Eine eine Reise tut und diese zu Maria-Theresia, dann ist Abenteuer vorprogrammiert...

Nach 6248 km, 411h und 43'647 Höhenmetern erwartete mich Maria-Theresia mit ihren strammen Velofahrerinnenwädli in Vientiane am Flughafen. Hei, wie lange habe ich mich, Ferienblogschreiberin Fabienne, auf diesen Moment gefreut. Einerseits Maria-Theresia wieder zu sehen und nun endlich live zu hören, wie es ihr geht und welche Erlebnisse sie am meisten beeindruckt hatten. Anderseits aber auch 2 Wochen Ferien fern von der Heimat, um meine Seele baumeln zu lassen.

Das Wiedersehen mit Maria-Theresia war ungemein herzlich. Es war wie vor sieben Monaten, als wir uns im Kiental voneinander verabschiedet hatten. Same, same, but differentJ.

Same, same? Ja, ihren goldigen Humor hat sie in keiner Art und Weise verloren. Hei, was haben wir in diesen zwei Wochen gelacht! Die Situationskomik ist Thesis Spezialität. Ja eben, die Liebe zum Detail, wie wir es bereits in den zahlreich vorangegangenen Blogs mitlesen durften.

Different? Ich traf eine ausgeglichene, ruhige, zu sich gekommene, fest mit beiden Beinen auf dem Boden verankerte Maria-Theresia.

Dies waren die besten Voraussetzungen für 2 Wochen Abenteuer. Ja, und das erste wartete gleich nach der Begrüssung auf mich: Maria-Theresia nahm meine SMS-Botschaft aus Bangkok ernst, als ich ihr schrieb, mein Flugnachbar habe mir das Verkehrsmittel Töff schmackhaft gemacht. So schulterte ich meinen Rucksack, setzte den fancy Helm auf und los ging die Reise. Ich staunte nicht schlecht, als ich die gut erhaltenen Strassen und die ruhige Fahrweise der Einheimischen sah. Bereits nach der 1. Minute auf unserem motorigen Zweirad konnte ich mich entspannen und die Reise geniessen.

Thesi hat für uns ein ruhiges, mitten in der Metropole Vientiane und nahe am Mekong gelegenes Hostel ausfindig gemacht.

Wir gingen unsere Reise ruhig an. So liessen wir uns auf einer Terrasse gegenüber des Hostels nieder, schlemmten fresh and fried Springrolls, schlemmten ein feines Mangoshake und quasselten was das Zeugs hielt. Nach dem Essen begann der Herr des Hauses auf seinem Piano zu klimpern. Dies regte uns zu keinem weiteren Drink mehr an und wir verliessen das Haus beinahe fluchtartig.

Die Hitze machte uns etwas zu schaffen und so suchten wir die Abkühlung am Mekong. Doch jede Spur fehlte auch hier von einer kühlen Brise, stattdessen wollten uns diverse Velofahrerinnen die Finger- oder Zehennägel polieren. Da kam uns der singende Eisverkäufer gerade gelegen und wir suchten die Abkühlung bei einem Eis (das uns leider viel zu schnell davonlief).

Es begann langsam ein zu dunkeln und zahlreiche sportwütige Laoten versammelten sich am Quai, um ihre Aerobic-Session in Kürze zu starten. Fast hätten wir bei den Verrenkungen mitgemacht. Ich war dann jedoch etwas zu müde...

Vientiane bleibt mir in sehr guter Erinnerung. Am meisten beeindruckte mich die Herzlichkeit der Einheimischen. Das Herumtuckern mit dem Mofa zeigte uns neben den gepflegten Häusern auch die Armut in den abgelegenen Örtchen, doch ein Lächeln wurde uns stets geschenkt.

Das Töffli begleitete uns in den Ferien in jeder Stadt. Es war einfach am einfachsten herumzukommen. Hier unsere Etappenziele mit einigen Highlights:

 

Luang Prabang:

Nach zwei Tagen Vientiane, Buddhapark, Mangoshakes, Icecoffees und auslaufenden Ketchupflaschen aufgrund der Hitze setzten wir uns in den Sleepingbus Richtung Luang Prabang. Also, das Sitzen konnte ich ja glatt vergessen, jeder legte sich gleich hin. Okay, auch nicht schlecht, bin eh müde von der langen Reise. Judihui, ein richtiges Bett mit Kissen und einer Decke wartete auf mich. Die Masse: 1m x 1,80m. Ganz akzeptabel!

Doch als ich Thesis Liege suchte, fand ich keine. Haben sie sie vergessen? Das kann doch nicht sein. Wir haben doch einige Dollars für diese Presche bezahlt. Bevor ich wieder raus will und das regeln möchte, sehe ich Thesis Nummer neben meiner... Aha, das Bett ist für zwei... Zum Glück kenne ich Thesi so gut! Das kann ja noch lustig werden... 12h...

Nach einer Runde Lachen hörten wir Musik und erzählten uns dies und das... Nach einem Weilchen, haben wir schon einmal kurz gedöst?, ich weiss es nicht mehr, setzte ich mich ruckartig auf und sagte: „Was riecht denn da? Raucht da jemand? Macht da jemand ein Feuer? Brätelt da jemand eine Wurst? Hei, wenn der Bus brennt! Ich hab in meinem Gepäck alle Aufsätze meiner SchülerInnen, welche ich in „Schwerstarbeit“ während dem 12-stündigen Flug nach Bangkok korrigiert und beurteilt hatte. Wenn diese verbrennen!!!! Ich darf gar nicht dran denken!“ Es liess mir keine Ruhe und zum Glück bemerkten auch andere Passagiere den Geruch. Der Bus hielt an. Schnell überliess ich Thesi unser Handgepäck und lief auf die andere Busseite zum Gepäckabteil. Es ratterte in meinem Kopf: „Was mache ich, wenn alle Aufsätze brennen? Wann korrigiere ich diese wieder?“ In diesem Moment dachte ich keine Sekunde an meinen Pass, ans Bargeld, an meine Kleider... Nur die Aufsätze hatte ich im Kopf.

Doch schnell war klar: Gott sei Dank kam nichts zu Schaden! Eine Kartonschachtel fing Feuer, als ein Lämpchen durch das Gepäck zerdrückt wurde. Es war ein kleiner Glimmbrand, den die Buscrew schnell in den Griff bekam. Nichts nahm einen Schaden und wir konnten getrost weiterreisen. Und zum Glück hatten wir einen Bon für eine Nudelsuppe morgens um 1 Uhr.

 

Mekong:

Nach 2 ruhigen Tagen in Luang Prabang mit Tempelbesuchen im Unesco Weltkulturerbe, Töfflifahrt zum Wasserfall und Bärenpark und weiteren Mangoshakes stiegen wir früh morgens in einen Kahn, um eine 2 tägige Mekongfahrt Richtung Thailand in Angriff zu nehmen.

Wir waren uns schnell einig: Die zwei Tage auf dem beruhigenden Fluss war das Reisehighlight. Die Zwischenstationen in eine Höhle und in abgelegene Ortschaften waren beeindruckend und ergreifend. Die zahlreichen Kinderfotos, die Maria-Theresia hervorragend gelungen sind, sprechen für sich.

 

Chiang Rai:

Thailand zeigte sich von der schönsten Seite. Auch hier war es herrlich heiss, die Sonne brannte und wir kurvten in einem runtergekühlten Taxi in die alte Königsstadt im Norden von Thailand.

Hier war es gleich viel hektischer. Das Linksfahren auf der Strasse bereitete uns keine grossen Schwierigkeiten. Das Einspuren über 3 Fahrbahnen hingegen eher schon. Doch auch dies bekamen wir schnell in den Griff.

Ausserhalb von Chiang Rai besuchten wir den Wat Rong Khun. Eine weisse Tempelanlage, die Chalermchai Kositpipat im Jahre 1997 zu errichten begann und heute noch am Bauen und Erweitern ist. Ein Besuch, ein Must!

 

Chiang Mai:

Einmal mehr nahmen wir gegen Abend den Bus in die nächste alte Königsstadt. Dieses Mal wählten wir einen VIP-Bus. Es stellte sich in der Tat als ein exklusiver Bus heraus. Die Fahrt genossen wir in vollen Zügen.

Chiang Mai’s Altstadt ist von einer alten Stadtmauer umrahmt, welche zusätzlich noch einen Kanal als Trennung hat. Dieser Kanal hortet einige tolle Geochaches, welche wir uns nicht entgehen lassen wollten.

Hier gab es auch die besten Massagen. Wir liessen uns bei den zwei herzlichen Frauen so richtig durchkneten. Sie bemerkten bei Thesi den verspannten Nacken und drückten am zweiten Tag gleich nochmals härter zuJ.

Die letzte Töfflifahrt auf dieser Reise entpuppte sich als RennenJ. Bei jeder Ampel waren wir bemüht, uns neben den Autos nach vorne zu schlängeln, um beim Umschalten auf Grün eine der ersten zu sein. Töröööööö: Unsere Bestleistung: 2. Rang beim Start! Jupi, wir freuten uns wie kleine Kinder. Wir wurden so übermütig, dass wir gleich den Gashebel unten liessen und mit 80km/h über die Piste flitzten... Da war die langersehnte abkühlende BriseJ. Aber der Verstand holte uns schnell vom hohen Ross und wir tuckerten nach einigen Minuten wieder gemütlicher weiterJ (Es weiss ja niemand, dass wir nur Flipflops und kurze Hosen trugen...)

 

 

Ayutthaya:

Nun wäre einmal das Verkehrsmittel Zug an der Reihe. Nach einem langen Marsch zum Bahnhof in der grössten Hitze liessen wir uns eines Besseren belehren: Die Gleise werden im Moment saniert und so mussten wir nochmals den Bus nehmen. Dies ging leider nur in der Nacht. Wir wurden jedoch vertröstet mit einer Ankunft um Mitternacht in Ayutthaya.

So reservierten wir ein Hostel und meldeten unsere späte Ankunft. Alles bestens und die nächtliche Reise konnte losgehen.

Thesi hatte eine super Nase und reservierte gleich 2 Sitze an der Frontscheibe im zweiten Stock und so war die Beinfreiheit automatisch gegeben. Die Fahrt verkürzten wir uns mit Logicals, wir staunten über unseren Intellekt zu später Stunde.

Nach einem kurzen Einnicken stellte ich um 3 Uhr morgens fest, dass wir irgendwo auf der Autobahn standen. Ich fragte bestimmt schon das 10x nach, ob dies jetzt endlich Ayutthaya sei. Endlich bekam ich das gewünschte Nicken. Doch zugleich wetterte ich wie ein Rohrspatz: „Where is the station? We wanna go to the center of the city! You can’t let us just here in the nowhere!!!“

Die Busbegleitung, ein Herr in Frauenkleidung..., hatte nur ein müdes Lächeln für uns übrig. Zu dieser späten Stunde ja auch nicht verwunderlich... Sie/Er zeigte noch über die Strasse zu einem Taxi.

Das Aushandeln des Preises liess auch diesmal Maria-Theresia bleiben. So kamen wir sicher morgens um 3.45 Uhr im gewünschten Hostel an. Doch wach war niemand mehr... So brachte uns der Taxichauffeur in ein anderes. Zum Glück schlief dort die Haushälterin auf der Couch  und hörte unser Kommen.

Die Bootstour hier in Ayutthaya war etwas weniger entspannend. War doch der Wasserpegel so hoch, dass die Leute am Ufer des Flusses mit ihrem Boot direkt in den zweiten Stock eintreten könnten. Der ständige nächtliche Regen hinterliess Spuren...

 

Last destination: Bangkok

 

Da sind wir nun, in der pulsierenden Grossstadt! Rosafarbige Taxis neben blinkenden und hupenden Tucktucks, zwischen Vans, Autos, Töfflis und Polizeilautos. Grande chaos! Freddy hat still in einer Ecke im Hostel auf uns gewartet. Hei, war das ein Wiedersehen. Leider war Freddy gerade nicht so gesprächig. Auf jeden Fall smilte er beim Anblick einer neuen Rivellaflasche, die keine Schimmelpilzanzeichen hatte und mit dem Originalinhalt gefüllt war.

 

Wir entzogen uns dem grossen Gerangel der Hauptstadt und der drückend schwülen Hitze und flohen ins:

MBK! Maria-Theresias Lieblingscenter! Nein, ich sage euch, UNGLAUBLICH! Da wird auf 7 Stockwerken mit je 4 Abteilungen geshoppt. Mir kam es vor, als hätte es an jeder Ecke wieder das Gleiche! Und diese Leute, diese Farben, diese Gerüche, das Licht, die Geräusche,... Einfach zu viel. Und doch hielten wir uns an allen drei Tagen Bangkok mindestens eine Stunde darin auf. Wir shoppten eifrigJ. Dazwischen ging’s in ein 4D-Cinema und am Schluss in ein 5D. Zum Grööööle war es dort. Thesi hat von der Handlung beim 5D-Movie nicht so viel mitbekommen. Okay, es ging auch nur 15’ und die Aussicht auf all die Zuschauer und deren schwankenden Sesseln war so witzig, dass auch ich etwas den Draht zur Geschichte verlor!

 

Zu schnell kam der Abend des Abschieds. Wir hatten einander in den letzten 14 Tagen so viel zu erzählen gehabt, dass es uns an diesem Tag schwer viel, noch etwas in Worte zu fassen. Wir waren sehr ruhig, jede in ihren Gedanken versunken und hatten nur noch 2 Aufgaben: Unsere geschneiderten Mäntel und Thesis Visa für Vietnam abholen. Dies erledigte sich leider zu schnell. Mit allem Gepäck unten im Hostel-Coffee sitzend, das letzte Icecoffee im Magen und Hauruck, raus ins Getümmel, um eines der rosa-/blau/gelbgrünen Taxis zu ergattern. Meines war rotJ. Bei der letzten Umarmung von Thesi kamen mir ihre Worte vom Blog in den Sinn: Nicht zurückschauen. Einfach los nach vorne.

Dies nahm ich mir sehr zu Herzen. Doch wie auch! Thesi kam mir zuvor und rannte etwas voraus. So konnte ich ihre Hand nochmals drücken und alles Ungesagte noch schnell via Handschlag mitteilen.

 

Liebes Thesi

Diese 14 Tage waren unglaublich berührend. Herzlichen Dank, dass du mich auf deiner Reise teilhaben liessest. Es war so schön, mit dir einen Teil des Weges zu gehen, wenn auch ohne VeloJ. Nach diesen 2 Wochen weiss ich, mit dir würde ich gerne wieder einmal reisen. So unkompliziert, so flexibel und so humorvoll, das kann nur gut kommen!

Nun heisst es wieder warten und mich vorfreuen auf März 2014J.

Heb dier Sorg und pass uf dich uf!

Alles Liebi us em chüehle, herbstliche Stans,

Fabienne

 

Ach ja, das hätte ich fast noch vergessen: Die Aufsätze sind heil in die Schweiz zurückgekehrt, auf Computer eingetippt und bereits an die Neue Luzernerzeitung verschickt worden, um am Wettbewerb „Klub der jungen Dichter“ teilzunehmen. Ob eine gewinnt? Das weiss ich noch nicht. Wenn die Jury jedoch wüsste, welchen Weg diese hinterlegt haben, dann wäre ein Spezialpreis angebrachtJ.

 

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Wie waers mit Fischmusrollen ?

Wenn weisse Taschen dreckig sind...
Wenn weisse Taschen dreckig sind...

Ladies and Gentelmans, your Captain is speaking. We have started our descent and will be landing shortly. Please switch of all electronic equipment until we have reached our final parking position. 
Jawohl hat mich auch gefreut und jetzt fahr endlich die Rollschuhe aus, ich kann's kaum erwarten auf Thaiboden zu sein! Rollwerk draussen und ab jetzt dachte ich nur noch an Freddy. In Gedanken legte ich ihn in ein Federbett und stopfte zusätzliche Noppenfolie zwischen jede einzelne Stange...ich glaube dass war die sanfteste Landung die ich je hatte!!
Freddy muss es gut gehen! Welcome in Bangkok, International Airport. Local time is nine o'clock and the Temperature is 35 degrees. We hope that you enyoied the flight with Air Astana and it will be a pleasure to see you again on board.
So, raus ihr Kasachen aber dali! Jetzt noch die 500 Meter Rollförderband in zackigem Schritt ablaufen und schon standen wir bei der Gepäckausgabe. Ich atmete tief durch, blickte zu Simon und will ihn erst gar nicht fragen ob wohl alles gut gegangen ist mit unseren in Stücke auseinander geschraubten Edelstahleseln! Ha unsere Taschen waren die ersten super, wo sind die Kartons? Auf der Anzeigetafel stand: Last Bag, waas letzte Tasche? Dann sollte gleich stehen: first Carton?
Hmm, Heute heisst's wohl: Die Ersten  werden die Letzten sein! Total relaxt (bin selber erstaunt) fragte ich den Herrn ob da wohl noch ein, zwei Kartons kämen?! Er lächelte bis zu den Ohren und sagte mit hoher Stimme: "ovelsize, ovelsize, yuu goo light!" Aha haha! Mit dem "R " wirds Heute wohl nichts. Nicht, dass ich ihn auslachte aber schon komisch, seit Anfangs Juli, höre ich nun Russisch vom gröbsten und dort wird das "R" überrrbetont... "On the rrright side of the RRRegiston is the RRRegistrration, underrrstand?" Haha und jetzt ist's ganz veschwunden:)
Oh, tatsächlich da waren unsere Kartons schon parat. Die nette Dame hinter dem Oversize-Buffet strahlte mich an und sagte: "Oh, you Baby, China?" Höö? Nein ich nicht Baby China. Es ist zwar ein ein Bild von einer grossen Babywiege auf dem Karton und dazu ein paar Worte in Chinesisch...ABER, gleich darunter steht in Englisch BICYCLE! Aber warum lesen wenn es Bilder hat :) Auf jeden Fall hatten wir alle was zu lachen!
Hello and Sawadee Kha to Bangkok! Genau vor einem Jahr stand ich auch hier. Mit Mama, Monika und Alexandra sind wir zwei Wochen mit dem Rucksack, das heisst Mama hatte lieber unzählige Taschen, eigentlich mehr Plastiksäcke als Taschen um die Schulter gehängt. Oh Mama, Du bist die Beste! Ohne Dich wäre ich erst gar nicht so weit gekommen! Du hast mich ohne Bedenken am 3. März ziehen lassen mit dem grössten Vertrauen! Love you :)
Also wo war ich? Eben in Bangkok. Draussen atmete ich tief ein.. Die Luft mit der sich meine Lungen füllten, fühlte sich einfach gut an. Sie ist auch gar nicht verstaubt...es ist die Süd-Ost-Asien Luft mit 80%Luftfeuchtigkeit, einfach herrlich.
Die Taxifahrt, natürlich im oversize Taxi, vom Flughafen bis ins Zentrum dauerte zwei Stunden, wie das eben so üblich ist! Preis: 18 Franken.
Im Hostel haben wir dann wieder auf Landon getroffen. Das Wiedersehen war super und seine Freundin Ana ist auch gut angekommen. Drei Tage hatten wir nun zusammen in Banggoggeli verbracht: What Pho, MBK ;), Velo zusammengebaut, war bubileicht und: Alles ist noch ganz jupii, Samstagsmarkt, China-Town, Jim Thompson House, General-Check im Bicycle-Shop: Bremsen, Speichen, Ritzel und so... Freddy wurde übrigens bei bester Gesundheit noch eine lange Lebensdauer vorausgesagt!
Am Abend schlenderten wir durch die Strassen und haben uns voll gefressen...drohe ein weiteres mal zu Platzen! Doch hier erlebst Du einfache das reinste Geschmackserlebnis, herrlich!
Simon musste dringend noch den LOI, Letter of Invitation für Vietnam in Farbe ausdrucken. Also noch husch, husch mit dem Tuk Tuk zum Copy-Shop im MBK.  Die gute Dame wollte den Laden schon schliessen als wir ausser Atem vor ihr standen. Bittend ja nahezu flehend erhofften wir uns noch zwei Kopien. Sie nahm den Stick mit dem Dokument drauf, schaute es kurz im PC an, kam zurück und sagte: "noo moo papee?!" Was jetzt? No more Paper? Sie hat also kein Papier mehr? Im Kopiershop? Hmm, wir schauen sie verwirrt an und sie sagt nochmals: "noo moo papee?!", also ich kam nicht nach und musste lachen! In meinem Sprachhirn begann es zu rotieren, also sie sagt dass R nicht no more..noRmal Aha! Sie fragt uns wohl: "Normal Paper?!" Hahaha yes, yes, nomo Paper :) normales Papier! Ach war das lustig!
So, heute Morgen fliegt Simon nach Hanoi und radelt dann in drei Wochen bis Ho-Chi-Minh. 
Hey Simon, ich wünsche Dir eine gute Weiterfahrt. In Samarkand, Usbekistan haben wir uns das erste mal getroffen, schon eine ganze Weile her... und seither immer wieder :) Wir hatten eine tolle Zeit und vieles gesehen, von den Saufüssen-Verkäuferinnen in Osh, über die Lenin-Statue in Bishkek bis hin zum grössten, liegenden Buddha in Thailand, ou und nicht zu vergessen die scharfe Nudelsuppe zum Frühstück :)
Von Dir habe ich was ganz wichtiges gelernt: Klar und Präzise zu sein! Klar im Sprechen, klar im Denken und Präzise im Handeln. Ich habe selten eine Person getroffen die so klar ist wie Du! Bestimmt hat dies auch mit Deinem Beruf zu tun, doch ich habe täglich gesehen wie dank diesen Fähigkeiten vieles plötzlich ganz einfach wurde was mir vorerst als eine vielleicht schwierige Situation vorkam. Z.B. wenn es darum ging etwas zu organisieren, sparten wir dank unnötigem BlaBla viel Zeit! Vielen Dank Simon und ich wünsche Dir eine schöne Schlusswoche mit Deinen Töchtern in Thailand! Schaut doch mal in seinem Blog nach: www.40north.com 
Jetzt sitze ich also wieder einmal alleine da...ehrlich gesagt, ich geniesse es! Bis Fabienne mich besuchen kommt geht es noch zwei Wochen und in dieser Zeit werde ich in den Süden Thailand's fahren und wieder zurück. Nach all dem Essen muss ich wieder mal was für die Fitness tun :)
Gleich am ersten Tag wurde mir alles abverlangt. Noch keinen Meter gefahren bin ich schon pflotschnass, hier ist die Luft eben feucht, sehr feucht! Den Weg aus der Millionenstadt Bangkok habe ich mir gestern Abend noch probiert einzuprägen. Huch und Linksverkehr ist auch noch. Die Frau an der Rezeption des Hostels warnte mich noch vor dem Verkehr und sie sagte: "In Bangkok fahre praktisch niemand Fahrrad!" Doch mich reizte diese Herausforderung. Damals in Istanbul habe ich mich nicht getraut doch jetzt wird es schon klappen ;)
An den Linksverkehr habe ich mich in zwei Minuten gewöhnt, es sind zum Teil bis sechs Spuren und ich fuhr links und rechts an Töffli, Autos und Lastwägen vor, das ist Milimeterarbeit. Es machte total Spass und mit dem Göppel ist man am schnellsten durch Bangkok!
Nach ca. 50 Kilometern purer Konzentration sinkt der Funfaktor gewaltig...der Verkehr normalisierte sich und ich pedalte schön links aussen und wurde im Sekundentakt rasend überholt. Wenn ich in einem Taxi sitze und durch die Stadt fahre, würde ich sagen, NIE mit dem Velo. Doch ist man erst mal drin sind die Fahrer sehr rücksichtsvoll, ein Blick nach hinten genügt und ich hab den Vortritt! Fahrradfahren in Bangkok Downtown is a big deal aber ganz bestimmt sicherer als auf dem Highway....dort gewinnt nämlich einfach der stärkere!
Am Nachmittag ging's dann los, wie aus dem Nichts regnete es wie aus Fässern. Aber egal ich bin ja eh schon pfludinass des Schwitzen wegen. In einem grösseren Dörfchen suchte ich eine gedigene Bleibe für die Nacht. Nach ein paar Schritten fand ich auf dem Trottoir auch eine Reisbude und die Mamselle kochte köstlichen Reis mit frischem Gemüse. So sass ich also auf dem Kindergartenstuhl und ass mit Stäbchen im Schneckentempo die Körner auf.
An den Fahrtagen habe ich meistens gar keinen Appetit, doch ohne Energiezufuhr würde der nächste Tag hart werden, somit zwinge ich mich in einer Art, pro Tag mindestens eine warme Mahlzeit zu essen. Am nächsten Tag nahm ich die erste Abzweigung vom Highway runter, der Verkehr dünkte mich zum Teil sehr agressiv. Die Nebenstrasse führte an der Küste vom Thailändischen Golf entlang. Die Temperatur steigt erneut auf 44 Grad und die nassen Kleider von gestern trockneten natürlich keinen Fleck!
Es war eine sehr schöne und gemütliche Strecke...alles flach, in der Ebene bin ich ja Spezialistin, genau mein Gebiet hihi. Die Strasse zog sich an Fischerdörfchen vorbei und alle paar Kilometer hatte es Strassenküchen und der Duft von frischem Fisch setzt sich dauerhaft in meiner Nase fest. Die Menschen winkten mir zu und ruften ganz laut Sawadeee, Hallo.
Doch es gibt da Tiere die noch lauter rufen respektiv bellen können...die Hunde, sie sind super aggressiv und verfolgen mich mit sabbernder Schnauze Meterweit. Wenn's dann gleich vier oder bis zu fünf auf einmal sind find ich's nicht mehr so lustig und mein Puls schiesst schlagartig in die Höhe. Kann mich einfach nicht daran gewöhnen...seit Albanien immer das gleiche Thater! 
Nun gut, wechseln wir zum Fisch. Bei einer Fischerfamilie konnte ich übernachten und natürlich den frischen Fisch gleich probieren, er war ausgezeichnet! Sogar zum Frühstück gab es so Teigrollen gefüllt mit Fischmatsch, sag ich jetzt mal, ja es war wie ein Mus, genau: gefüllte Teigrollen mit Fischmus. Und das beste am Frühstück, sie brachte es mir ans Bett, also keine zwei Minuten wach und schon Fischmusrollen gefrämselt!
Dies reichte für den ganzen Tag durch und noch länger, denn am Abend war mir übel und erneut kam Herr Durchfall zu besuch, war vielleicht ein bisschen viel Fisch. Tag's darauf schaffte ich gerade nur 10 Kilometer und dann war Schluss. Eine Erkältung kam dazu und in Hua Hin musste ich mich ausruhen. Es regnete sowieso beinahe den ganzen Tag und somit kam mir der Regen zugute um eine Pause einzulegen.
Die Zeit verging und ich hatte nur noch vier Fahrtage bis ich wieder in Bangkok sein musste. Entweder weiter Südwärts und dann mit dem Bus zurück oder umkehren und wieder zurück fahren. Bus fahren mochte ich nicht dann war der Fall klar. Es war total komisch in diese Richtung zu fahren, einerseits weil ich wusste, dass ich die gleiche Strecke wieder zurück musste und anderseits war es nicht mehr Ostwärts.
Seit März ist die Sonne immer vor mir aufgegangen und ich wusste genau wenn ich meinen Schatte auf der Strasse sah war es bald Zeit eine Bleibe zu suchen. Ich brauchte keine Uhr, orientierte mich Zeitlich nur an der Sonne und jetzt...jetzt geht's sie so komisch links von mir auf und rechts runter...ich fuhr falsch rum, aber eben, der Weg ist das Ziel :)
Die Fahrt nach Bangkok war ganz gemütlich doch die letzten 70km Stadt haben am meisten Spass gemacht :)
Ja und ich kann es einfach nicht schön schreiben...mein Knie schmerzte sehr und ich konnte kaum mehr Treppen laufen, also so Tritt um Tritt ging schon. Jetz habe ich genug davon und will das ganz mal abklären. Am nächsten Morgen ging ich gleich ins Spital. Ein riesen Bunker mit 18 Stockwerken. Die Empfangsdame schickte mich gleich hoch in den dritten Stock dort sollte ich dann zuerst nicht links gehen...also rechts!
Dort war eine Schwester mit Haube hinter dem Pult und spielte Solitär auf ihrem Handy. Wenn ich dran denke, dass ich in der Praxis zwischendurch ein wenig Puzzeln würde....nein ich will gar nicht dran denken!
Trotz ihrer Gewinnserie unterbricht sie das Spiel und nahm meine Daten auf. Da sie noch eine Passkopie brauchte und die Farb-Patrone gerade fertig war, schickte sie mich erneut nach unten um dies dort zu erledigen. Wieder oben bei Schwester Ester gab sie mir so eine ID-Karte, sie meinte, ab jetzt könne ich immer wieder kommen ohne mich anzumelden und sie strahlte bis zur Haube.
Nun gut, habe ich nicht im Sinn. Die nächste Schwester ist für Blutdruck und Gewicht verantwortlich. Jetzt bin ich ja mal gespannt...huch minus 10 Kilo! Trotz Torte? :) Blutdruck: 160/90mmHg waas jetzt? Das ist doch ein Witz.
Sie meinte gleich, ich leide an Bluthochdruck und machte eine Notiz. Nein Schwester Ester, ich bin ausser Atem und das Gerät sieht auch gespenstig aus, ich bat sie in 15 Minuten nochmals zu messen und eigentlich bin ich ja wegen dem Knie da! Und siehe da, nach 15 Minuten Powererholung auf dem Plastikstuhl ist der Druck schon vieel besser: 115/70.
Keine drei Minuten später sass ich mit Schwester Ester beim Herr Doktore. Nach der Antwort auf die Warum Frage rückte das Knie sofort in den Hintergrund. Er wollte wissen wie die Menschen in Tajikistan leben und ob ich Fotos hätte von den Bergen. Na hör mal! So schauten wir zu dritt die Pamirfotos an und ich lenkte wieder auf mein Knie. Er schaute es sich an, drückte ein bisschen auf die Kniescheibe und die Diagnose war: "ihr Knie ist entzündet, machen sie zwei Wochen Fahrpause und dann können sie weiter um die ganze Welt fahren hihihi". Ja gut, bis Nepal ist auch ok. Noch ein Foto fürs Album und ausgerüstet mit Entzündungshemmern, Spray und Kniestütze lief ich zurück ins Hostel. Das geht wieder einmal perfekt auf, übermorgen kommt Fabienne und wir werden zwei Wochen mit dem Rucksack durch Laos und Nordthailand reisen. Das Knie kann sich erholen und ich bin überzeugt,dass mir eine Pause auch sehr gut tut! 
 
Nachtrag: dem Knie geht es wieder ausgezeichnet und ich konnte bereits wieder über 1000 Kilometer ohne Beschwerden fahren, jupiduuuu :) 
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Ein halbes Kilo Torte bitteschoen!

Eines meiner Lieblingsfoto... Er ist Mensch in Osh. Ueber eine Stunde hab ich ihn beobachtet wie er mit Menschen sprach die sich neben ihn auf's Baenkli setzten...
Eines meiner Lieblingsfoto... Er ist Mensch in Osh. Ueber eine Stunde hab ich ihn beobachtet wie er mit Menschen sprach die sich neben ihn auf's Baenkli setzten...
Heute werden wir den Pamir, diese einmalige und sehr beeindruckende Natur verlassen. Es war eine sehr kühle Nacht mit Minustemperaturen. Noch einmal gehe ich zum See und präge mir dieses Bild ganz genau ein...speichere diese einmalige Stille auf meiner biologischen Festplatte ab, damit ich sie immer abrufen kann. Für mich ist dieser Ort einfach ein Wunder...ein grosses Naturwunder...gaaanz grosses Kino!!!
Nun gut, es geht weiter und ich schaue auf gar keinen Fall zurück!
Gestern war ich mit 4655 Metern auf dem höchsten Punkt meiner gesamten Reise. Heute geht es also nur Talwärts! Die Ausreise aus Tajikikistan ging zackig von sich. Keine Kontrolle des Gepäcks, keine Fragen, kein Lachen...ja ich habe schon einiges an Grenzen erlebt, diese hier ist einfach nur bieder.
Vor uns erstreckte sich das über 30km lange Niemandsland bis zum Kirgisischen Check-Point. Die Schotterpiste glänzte von ihrer braunsten und schlammigsten Seite. Weit vorne sahen wir ein paar Baracken  und ein kleines Holzhäuschen, dort ist also Kirgistan, dort werde ich stranden und von dort aus werde ich mich in einen Flieger setzen und rausfliegen....ein komisches Gefühl!
Die Grenzwächter waren sehr beschäftigt mit Schach spielen und somit wurden unsere Pässe noch ein wenig auf die Seite gelegt. Weiss hat gewonnen und blau blüht der neue Stempel :) Es war nicht mehr weit bis zum Grenzdorf zu China doch vorher sollte man unbedingt noch etwas tun... Zurückschauen! Hier ist es nun fast schon ein Muss!
Der Pamir strahlt in seiner ganzen Mächtigkeit und wie eine Wand steht er in voller Pracht da.
Da Claire auch kein Chinavisum hat, wird sie nächste Woche zurück nach Paris fliegen um dies zu organisieren. Ihr 15-jähriger Sohn wird sich bestimmt auch riesig freuen Mama wieder einmal zu sehen. In Sary Tash hoffen wir nun, ein Haus zu finden wo sie ihr Gepäck und das Fahrrad deponieren kann...gar nicht so einfach, denn sie transportiert ja auch noch ihre wertvolle, in Plexiglas eingelegte Drahtkunst mit und deshalb muss es ein sicheres Haus sein mit Menschen denen sie vertrauen kann. Nach 3h! herumirren konnte sie alles in der Stube des "Gemeindepräsidenten" unterbringen uff!
Wir fuhren über die Kreuzung an der man rechts abbiegt für nach China... Ich finde es einfach total speziell zu wissen, dass von Zuhause, von der Schweiz, vom Kiental aus eine durchgehende Strasse bis nach China führt...ja gut, ein paar tausend Kreuzungen und über 40'000 Höhenmeter gilt es schon zu passieren doch irgendwie fährt man immer auf der selben Strasse :)
Weiter geht die Fahrt nach Osh. Osh? Das klingt ja wie Oz! Kennt ihr das amerikanische Märchen: "Der Zauberer von Oz"? Verfilmt 1939 mit Judy Garland, im Musical 1970 mit Michael Jackson und im Winter 2012 haben wir dies beim Winterzauber auf dem Mühleplatz in Thun im Zirkuszelt aufgeführt :)
Vielleicht ist ja hier das Land Osh, Oz? Wohl kaum und doch hat die im Buch beschriebene Landschaft eine gewisse Ähnlichkeiten mit dieser! Ich schaue aus dem Fenster und der Schlusssong der Aufführung geht mir durch den Kopf: "Weisch mau nümm wies witer geit, will e riese Bärg da steit, hesch hüt da bi üs entdeckt, was alles i Dir sälber steckt!" Wie wahr!
In Osh selber gibt es für mich drei Hauptaktivitäten : 1. Essen, 2. auf den Markt gehen um frisches Essen zu kaufen und 3. sich mit anderen Reisenden treffen um Essen zu gehen.
Im Hostel trafen wir auf Simon und Landon from New Zeeland. In Samarkand, Usbekistan habe ich sie das erste mal getroffen. Das Wiedersehen war einfach grossartig. Zusammen gingen wir zum Markt und da war ich schlicht überfordert von Eindrücken: All diese Farben der Früchte, dieses Gelb einer Banane, das knallige Rot einer Peperoni, die vielen Menschen, grosse Werbeplakate, unzählige Shops, hupende Autos, Strassenlampen, Restaurants...alles Bilder (eigentlich ganz normale Bilder) die in den letzten paar Wochen weit, weit weg waren! Und plötzlich, zack ist alles wieder da...mir fehlen die Worte.
Als ich seit langem wieder einmal mein Natel hervorzückte, schrieb ich Alena und Marcel eine Nachricht! Wir haben uns ja in der Osttürkei das letzte Mal gesehen, das war im Mai und seit dem radelten sie stets 2-3 Wochen vor mir. Vielleicht sind sie ja in der Nähe :) Ausschnitt aus dem Sms: "Huhu ihr zwei, wie geits öich? Wo sit ihr äch? Hole langsam aber sicher uf höhö, bi sit Hüt in Osh, aber dir sit sicher scho über au Bärgli :) liebs Grüessli ". 
Kurz darauf die Antwort von den beiden: "Waaaas!? Mir sind au in Osh!! Juhuuuuu!!" Chum mir träffid üs zum Znacht!". 
Im Restaurant California hatten wir uns bei "Züri Gschnäzlets" vieles zu erzählen. Es war ein toller, gelungener Abend. Sie werden morgen den Pass nach Hause schicken um ein Chinavisum zu beantragen...ich drück euch die Daumen und freue mich auf ein Wiedersehen irgendwo in Südostasien :) Über ihre Reise berichten sie auf www.frischlufttour.ch
Viel Zeit zum Ausruhen blieb mir in Osh nicht. Zusammen mit Simon und Landon organisierten wir einen Flug nach Bishkek. Landon wird von der Hauptstadt Kirgistans gleich einen Anschlussflug nach Bangkok nehmen. Simon und ich haben ein wenig mehr Zeit und wollen uns noch Bishkek genauer ansehen. Die kasachische Fluggesellschaft Air Astana wünscht, dass das Fahrrad komplett in eine Kartonbox verpackt wird. Also hiess unser nächstes Ziel: Kartonbox!
Nach sehr langer Suche bei glühender Hitze wurden wir in einem Babyshop fündig. Wo sonst eine Wiege, made in China, drin platz hat, hat auch ein Göppel platz! Für das verpacken gingen glatte 6h drauf. Alles wird piekfein gereinigt und komplett zerlegt. Luft aus den Schläuchen lassen, die Reifen falten, Schutzbleche abschrauben, Freddy einpacken, Pedale weg, usw. Ich habe noch nie ein Fahrrad komplett zerlegt...ist aber bubileicht, ich habe auch noch nie ein Fahrrad wieder zusammengebaut...hoffentlich auch bubileicht!! Alle losen Teile schützte ich mit Noppenfolie und klebte was das Zeug hält :) Ob es wirklich hält sehen wir in Bangkok. Das restliche Gepäck stopfte ich in eine grosse blaue made in China Tasche. 10kg zu viel, also 30kg total ohne Box, hejanusode!
Am 1. September flogen wir nach Bishkek, hey es war total komisch! Schon im Taxi für zum Flughafen konnte oder wollte ich es kaum wahrhaben. Es ist wie ein Unterbruch meiner Tour...Südostasien wird ganz bestimmt auch spannend, doch die letzten Länder waren schon sehr speziell und einmalig, es war ein eindrücklicher und toller Sommer :)
Landon war ziemlich nervös vor und während dem Flug, sodass er gleich mit Helm flog hahaha. Velofahrer durch und durch!
Als wir landeten sah ich aus dem Fenster und erblickte viele, grosse, graue Air Force Flugzeuge...Amerikanische...hier war oder ist eine Basis der Luftwaffe von wo aus Operationen in Afghanistan wie sagt man? Koordiniert? Geflogen? Ausgeübt werden...
In Bishkek verabschiedeten wir uns von Landon doch in ein paar Tagen gibt es in Bangkok ein Wiedersehen...die Welt ist eben klein.
Das erste was wir in dieser Stadt gefunden haben war der Tortenladen! Für jeden von uns gab es ein halbes Kilo Nusscarameltorte mit Mandelsplittern obendrauf. Da war so eine Schicht Caramelblatt dann eine ca 1cm dicke Nusscremeschicht dann wieder ein Caramelklumpen immer so weiter etwa 4 Stockwerke Creme bis dann eben zuoberst noch die fein gehackten Mandelsplitter das ganze abrundeten. Ein halbes Kilo Torte...ich drohte zu platzen...doch ich platzte nicht und wir verdrückten noch saftige Erdbeeren, kleine Blaubeeren, 1 roter Apfel und ein Yoghurt!
Vollgefressen schafften wir noch knapp die paar Schritte um die Ecke ins Hostel wo wir in einem 14er Schlag mit betrunkenen Russen unterkamen. Samt Kleidern schlief ich Esstrunken 13h durch...herrlich! Am nächsten Morgen ist uns beiden ein wenig übel...Kunststück! Doch mit einem ausgiebigen Fussmarsch durch Bishkek wollen wir das Unwohlsein vertreiben.
Wir haben vieles gesehen, vor allem wüste, riesige Sowjethäuser. Moderne trifft hier auf Geschichte. Keine 10 Meter von der Leninstatue tanzen jugendliche Gangnamstyle und neben einem alten Kriegsflugzeug gibt es ein 10 D Kino. Wir setzten uns in einen Park und schauten den Menschen zu.
Als wir zurück ins Hostel wollten, haben wir uns grossartig verlaufen...auf dem Fahrrad würde uns dies nie passieren! Nach weiteren 2h hatten wir immer noch nicht zurückgefunden, wir standen an einer Kreuzung und aus einem Lautsprecher von einem Kleiderladen ertönte der Song Skyfall: "This is the End....". Das ist das Ende, ja passender könnte es wohl nicht sein.
Nach erfolgreicher Flugbuchung ging es nach zwei Tagen wieder zum Airport. Kurz vor der Gepäckaufgabe ist meine blaue Made in China Monstertasche gerissen. Doch das ist gar kein Problem, denn Radler haben immer eine grosse Rolle Klebeband in der Handtasche! 
 
Was soll ich noch schreiben... Die kurze Zeit in Kirgistan, vor allem in Osh und Bishkek war wie ein Schock... Auf meiner Reise ist dieser Punkt eine Art ein Ende oder vielleicht besser gesagt ein Unterbruch und gleichzeitig beginnt etwas komplett Neues und genau auf das Neue freue ich mich sehr!
 
So, das war also Zentralasien!
Geprägt von unzähligen Begegnungen,
Gegensätze wie ich sie sonst wo noch kaum gesehen habe,
einer sehr beeindruckenden, gewaltigen Landschaft von der Wüstenhitze bis hin zu Minustemperaturen auf über 4000 Metern,
immensen kulturellen Schätzen und
geprägt von Menschen die mich mit ihrer persönlichen Geschichte berührten.
 
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Pamir zum Zweiten!

Was fuer ein genialer Campplatz!
Was fuer ein genialer Campplatz!
Wir nehmen die Abzweigung nach Bulunkul. Es ist ein kleiner Loop, ca. 70 Kilometer und danach kommen wir weiter vorne in Alichur wieder auf die M41 zurück. Diesen Tipp habe ich übrigens von Alena und Marcel per Sms bekommen. Wir haben uns ja in Van, Türkei getroffen und seit dem radeln sie stets ein paar Wochen vor mir, somit werde ich mit vielversprechenden Tipps versorgt...gäbig gäu!
Es sind nur 16km bis ins Dorf, doch die Piste ist super schlecht, dass wir bei völliger Dunkelheit, bewaffnet mit Stirnlampen das abgelegene Dörfchen erreichten. Wie es hier aussieht, werden wir erst Morgen sehen, jetzt gibt es im Homestay zuerst mal gebratene Kartoffeln. Im letzten Blog habe ich ja von den geklauten Tomaten erzählt, es war ja wie ein Wunder, dass die dort Tomaten hatten (umso schlimmer unsere Piratenaktion!!) ABER: hier oben wachsen keine Früchte, kein Gemüse und keine Pflanzen. Es hat so ein paar Büsche oder karge Wiesen wo die Tiere weiden.
Das Homestay ist sehr, sehr einfach eingerichtet. Ein Ofen, in welchem mit Yakdung geheizt wird, das riecht dann immer ein wenig nach Mist, aber ich find's recht gemütlich, eben urchig! Empfang gibt es hier nicht, also braucht auch niemand ein Telefon zu haben. Telefonlos zu sein, kann überaus praktisch sein, man muss dann nicht immer irgendwelche updates machen oder sich um ein günstigeres Abo kümmern oder verliert keine Nummern durch einen Absturz der Technik. Leben ohne Telefon, für mich Zuhause unvorstellbar...doch Grosi wusste noch wie das war!
Das traditionelle Steh-Plumps Klo ist ein paar Meter vom Haus entfernt. Gezimmert aus drei Bretterwänden...warum auch die schöne Aussicht verbauen!? Da braucht's auch keine Sudoku oder Zeitungen, so lange haltet man es trotz Aussicht nicht aus, es stinkt nämlich. Um es noch ungemütlicher zu machen...könnte man wohl auch Menschenmist brauchen zum feuern? Ja warum nicht? Man müsste einfach zwei Gruben graben mit einem Schichtsystem damit das ganze auch trocknen könnte...ach lassen wir das! Das wird eine Gute-Nachtgeschichte :)
Bulunkul, ein Dorf am Ende der Welt oder wie auf dem Mond, so wird dieses Dorf in Reisejournals beschrieben. Hier leben ein paar Familien, Hunde, Esel, Schafe, Kühe und Yaks, vielleicht noch ein paar Mistkäfer. Im Winter wird es suuper kalt, der Rekord liegt bei -64 Grad, dann ist's ein langer Weg zur Toilette! Aber auch im Sommer kann der Temperaturunterschied an einem Tag immens sein. Bis zu 40 Grad am Mittag und bis zu -20 Grad in der Nacht...man rechne...60 Grad unterschied an einem Tag! Das ist doch unvorstellbar!
Dies erklärt vielleicht das Aussehen der Menschen, ich meine insbesondere die Haut. Die älteren Menschen, sind eben gar nicht so alt wie sie aussehen und die Kinder haben bereits so eine Art "gerbe" Haut. Die Backen dunkelrot, man könnte fast meinen die Haut sei verbrannt...oder eben sehr geprägt vom Wetter.
Die kleine Fatima sass neben mir und schaute mich mit gr